Homeland – Better Call Saul

Nun ja, eigentlich finde ich den Witz wirklich zu plump, aber weil die Handlung mit der vorherigen Folge deutlich an Fahrt aufgenommen hat, habe ich natürlich auch mit Homeland weiter gemacht. Und weil Saul Berenson ja nun wirklich Saul heißt und Carrie tatsächlich besser daran getan hat, ihn nicht direkt anzurufen, denn so etwas tut man in CIA-Agentenkreisen besser nicht, siehe das Dilemma mit dem unerwarteten Anruf auf Allisons Handy – man lässt sich also Profi auf subtilere Weise Nachrichten zukommen und genau das hat sie getan – geht der Episoden-Titel letztlich schon in Ordnung.

Die ehrgeizige Allison ist also eine Doppelagentin – sie trifft sich mit eben jenem Kontaktmann vom russischen Geheimdienst SWR, der sicherlich nicht nur für den Tod von Katja und Korzy verantwortlich ist. Dass die Russen ein Interesse daran haben, Assad im Amt zu behalten ist ja nun wirklich keine Erfindung der Homeland-Autoren – was die derzeitigen Entwicklungen bestätigen. Hier sind die Serien-Autoren durchaus auf der Höhe der Zeit, auch wenn man sich sonst natürlich fragen kann und muss, was sie eigentlich zeigen und letztlich aussagen wollen. Erstmal geht es hier nicht um einen aktuellen Kommentar zur Weltpolitik, sondern um eine gar nicht so schlechte Fernseh-Serie darüber.

Homeland - Astrid (Nina Hoss)

Homeland – Astrid (Nina Hoss)

Ich muss auch sagen, dass ich diese Rassismus-Kritik an Homeland ziemlich larmoyant finde – die Bösen sind ja eben nicht die Araber, unter denen es gewiss auch böse Typen gibt, sondern die Feinde in den eigenen Reihen der US-Geheimdienste und deren Verbündeten. Und der weiße, rothaarige US-Marine Nicholas Brody aus den ersten Staffeln entspricht ja nun wirklich nicht dem Klischeebild eines islamistischen Selbstmordterroristen.

Und Carrie ist ja auch nicht so angelegt, dass sie als Vorlage zu Identifikation für die guten blonden und auch weniger blonden Mädchen taugen würde – dazu ist sie viel zu gestört. Was ich gerade wieder gut finde – ich kann mich mit keiner von den Hauptfiguren in Homeland identifizieren. Genauso wenig wie bei den Sopranos, oder Breaking Bad oder Hand of God – wir haben hier Serien, in denen alle Hauptfiguren irgendwie unsympathisch sind, aber dann auch irgendwie menschlich, weshalb man sich trotzdem für sie interessiert. Ich denke, dass man hier eher die Kriterien der Kritiker kritisieren muss, als das Serien-Konzept: Seit wann sind denn Thriller-Serien ein Vorbild für das wahre Leben?!

Dem mündigen Fernseher ist doch hoffentlich klar, dass Serien eben nicht das wahre Leben abbilden, sondern eine wie auch immer idealisierte Form davon. Klar, gute Serien behandeln alle wichtigen Fragen des echten Lebens – aber sie sind keine Handlungsanweisung. Wer danach verlangt, soll hat Ratgebersendungen ansehen, von denen es mehr als genug gibt. Wobei ich ausdrücklich davor warnen möchte. Ich hasse Ratgeber-Sendungen.

Zurück zu Allison: Sie versucht, den Anschlag auf die Syrien-Hoffnung der USA, General Youssef, dem Mossad in die Schuhe zu schieben – halbwegs erfolgreich sogar, denn Saul macht sich gleich auf den Weg zu seinem Freund Etai, bei dem die beiden zum Seder-Abend eingeladen waren. Aber der versichert Saul, nichts damit zu tun zu haben, in dem er folgenden Kultsatz loslässt: „We didn’t murder the general you never met to discuss the coup you weren’t planning.“ Das hat tatsächlich schon Better-Call-Saul-Niveau.

Ansonsten zieht Carrie mal wieder alle Register, um zu bekommen, was sie will, auch wenn es wie so oft gar nicht für sie selbst, sondern in diesem Fall für Quinn ist: Sie behauptet Jonas gegenüber, dass sie verletzt sei und dass er ihr helfen soll. Carrie nutzt natürlich auch aus, dass Jonas Schwester Ärztin ist – sie soll Quinn Antibiotika und Verbandszeug beschaffen, denn Quinn sollte bekanntlich nach seinem Auftrag Carrie zu ermorden umgebracht werden und ist dem Anschlag nur knapp entgangen. Noch lebt er, während Carrie versucht, Laura Sutton zu finden, die, wie Carrie meint, im Besitz jener geheimen CIA-Dokumente ist, die Aufschluss über diese ganzen Verwicklungen geben können.

Homeland - Saul Berenson (Mandy Patinkin)

Homeland – Saul Berenson (Mandy Patinkin)

Aber Laura hat diese Dokumente nicht – für die sind Korzy und Katja vergeblich gestorben. Informant Numan hat auch bereits einen Plan B angestoßen, er fordert die Berliner Öffentlichkeit auf, vor der russischen Botschaft zu demonstrieren – das wiederum ist reichlich naiv, denn man sollte ja spätestens seit den arabischen Frühlingsdemos und Occupy mitbekommen haben, dass man zwar gern auf die Straße gehen kann, aber nie das bekommt, was dort gefordert wird: Wenn man mit Demonstrationen die Politik tatsächlich beeinflussen könnte, wären sie verboten.

Okay, manche Demos werden tatsächlich verboten – aber das nur, dass die Leute da oben noch nicht kapiert haben, wie man mit Demonstranten umgeht: Man lässt die Leute ein paar Stunden rumbrüllen und sich gut fühlen, dann räumt man auf und geht zum Tagesgeschäft über: Business as usual. Die Leute, die für oder gegen eine Sache auf die Straße gehen, sind ja eben nicht die gefährlichen, sondern vielmehr die naiven Menschen, die noch immer an das Gute in der Demokratie glauben. Dem Aufruf von Numan folgen auch viele und es gibt eine große Demo mit vielen Maskierten – was Carrie entgegen kommt, da fällt sie nicht auf, obwohl sie sich ja ohnehin mit ihrem Baader-Meinhof-Look schon ein Kompliment von BND-Astrid verdient hat, an die sie sich wendet, weil sie sonst niemanden mehr hat, an den sie sich noch wenden könnte: Sie ist ja eigentlich tot. Und natürlich hilft Astrid Carrie oder vielmehr Quinn – mit dem hatte Astrid ja mal was, wie wir aus Staffel 4 wissen.

Dieses Mal sind die Locations übrigens nicht so akkurat wie bei der vorherigen Folge, natürlich findet die Demo vor der russischen Botschaft nicht vor der russischen Botschaft statt – ehrlich gesagt, hab ich nicht so gut aufgepasst, ich würde Littenstraße vermuten, es kann aber auch ganz wo anders sein. Genau wie ich nicht sicher bin, wo sich Quinn versteckt, es gibt eine Menge alter Sakralgebäude, die bunten Fenster legen das nahe – bei den Außenaufnahmen vermute ich eher RAW-Gelände. Kann aber auch wo anders sein, alte Industrieanlagen mit Gleisen und an der Spree gibt es jede Menge in Berlin.

Carrie trifft Laura im Ostbahnhof, den erkenne ich wieder – was aber jetzt von der russischen Botschaft aus auch nicht naheliegend ist, das wäre eher Friedrichstraße oder Alexanderplatz. Aber egal, es geht ja um die Geschichte, nicht um Geografie. Und sowohl Carrie als auch Saul werden gerade massiv verladen – gut möglich, dass sie das jetzt trotz aller Differenzen wieder zusammen führt. Und dann ist auch sicher, dass der rettende Engel, der Quinn versucht, davon abzuhalten, sich zu Carries Schutz in der Spree zu versenken, nicht zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort ist.

Tja, ich werde wohl auch die nächste Folge sehen müssen…

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