Mad Men: Gekonnt Schluss machen

Ergänzend zu meinen zehn oder elf Topserien 2015 gab es durchaus noch einige andere Highlights, die ich hier unbedingt erwähnen wollte. Und weil Jon Hamm den Golden Globe bekommen hat, den ich eigentlich Rami Malek gewünscht hätte, fange ich mit Mad Men an: Endlich bin ich dazu gekommen, mir die zweite Hälfte der 7. Staffel von Mad Men anzusehen – und diese sieben letzten Episoden sind natürlich so gut, wie man es vom Finale einer Serie erwarten kann, die in den Jahren zuvor mit Preisen überschüttet wurde. Die sie natürlich auch verdient hat. Inklusive dem aktuellen Golden Globe für Jon Hamm.

Screenshot Mad Men: Don Draper (Jon Hamm)

Screenshot Mad Men: Don Draper (Jon Hamm)

Gerade weil Mad Men nicht von einer Handlung getrieben wird, die auf einen absehbaren Endpunkt  zusteuert, sondern von der Entwicklung der Charaktere lebt, war ich gespannt, was jetzt noch kommen würde – und es gibt noch einige bemerkenswerte Entwicklungen. So ist es mit SC&P jetzt endgültig vorbei – die Agentur wird von einem viel größeren Konkurrenten geschluckt. Besonders übel ist das für die beiden Frauen, die sich bei SC&P über die Jahre in Spitzenpositionen hochgearbeitet haben, Joan und Peggy.

Insbesondere Joan bekommt das zu spüren – bei McCann Erickson sind Sexisten alter Schule am Steuer. Weil Joan nun einmal wie Joan aussieht, wird sie weder als Kundenbetreuerin noch als Anteilseignerin ernst genommen – ihr neuer Vorgesetzter ist einfach nur scharf darauf, sie ins Bett zu kriegen. Aber Joan macht das nicht mehr mit: Lieber akzeptiert sie zähneknirschend einen schlechten Deal, als sich in dem neuen Laden hoch zu schlafen.

Screenshot Mad Men: Joan Harris (Christina Hendricks)

Screenshot Mad Men: Joan Harris (Christina Hendricks)

Peggy hingegen klopft ihre Chancen bei einem Headhunter ab – der ihr dringend empfiehlt, für McCann Erickson zu arbeiten, wenn sie ernsthaft Karriere machen wolle: Hier und jetzt könne sie ihre bisherige Position als Cheftexterin geltend machen – wo anders müsse sie gegen Konkurrenten mit Universitätsabschlüssen antreten. Und sie habe nun mal keinen Abschluss, ihre bisherige Berufserfahrung zähle wo anders leider nicht. Insofern ist die Sache klar, auch wenn Peggy es schwer verwinden kann, dass sie von ihren neuen Arbeitgebern erstmal für eine Sekretärin gehalten wird.

Für Don hingegen alles weniger klar – er realisiert, dass er für McCann Erickson lediglich eine Trophäe ist, die seine neuen Chefs vom Markt geholt haben. Mitten in einem Meeting steht er auf und verlässt die Firma – er tut das, was er immer getan hat, er fährt einfach davon. Aber wie immer findet er keine Antworten für die Zukunft, sondern wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Er ist wieder auf der Flucht vor sich selbst und findet am Ende – Don Draper. Zumindest legt der Coca-Cola-Werbespot das nahe, mit dem der letzte Teil zu Ende geht: Aus dem Selbstfindungstripp mit den kalifornischen Hippies wird am Ende eine ikonische Werbung für das amerikanischste Produkt schlechthin – das ist Ironie pur und gleichzeitig ein genialer Zirkelschluss.

Screenshot Mad Men: Peggy Olson (Elizabeth Moss) und Pete Campbell (Vincent Kartheiser)

Screenshot Mad Men: Peggy Olson (Elizabeth Moss) und Pete Campbell (Vincent Kartheiser)

Es gibt noch eine ganze Reihe mehr oder weniger glücklicher Enden – sogar der unheilbare Lungenkrebs von Dons Ex-Frau Betty ist in gewisser Weise ein Happyend: Betty ist endlich ganz bei sich, auch wenn es nun mit ihrem Psychologie-Studium nichts mehr wird. Sie bestimmt souverän, was sie mit ihren letzten Wochen und Monaten anfängt: Sie will keine qualvolle Behandlung, die ihr Leben verlängert, sondern trifft Vorbereitungen für einen würdigen Abschied. Und gibt das Rauchen nicht auf. Und auch als  passionierte Nichtraucherin ist mir klar, wie wichtig dieses Symbol der Selbstbestimmtheit nicht nur für diese Serie ist: Solange meine eigene Wohnung am nächsten Tag nicht nach kaltem Rauch stinkt, sehe ich anderen gern beim Rauchen zu.

Screenshot Mad Men: Betty Francis (January Jones) und Sally Draper (Kiernan Shipka)

Screenshot Mad Men: Betty Francis (January Jones) und Sally Draper (Kiernan Shipka)

Und Betty findet endlich einen Draht zu ihrer Tochter Sally, die nun schnell erwachsen werden muss: Sally kümmert sich um ihre kleinen Brüder und redet ihrem Vater aus, sich um das Sorgerecht zu streiten. Sowohl Betty als auch Sally wissen, dass Don einfach nicht dazu in der Lage ist, ein guter Vater zu sein.

Pete hingegen schafft es, seine Frau zurückzuerobern – er bekommt den super Job, auf den er schon lange gewartet hat, samt Privatjet, der ihm zur Verfügung steht, wann immer er das wünscht. Da macht auch der kümmerliche Abschied von seinen ehemaligen Kollegen nichts. Es ist nur konsequent, dass sich vor allem Peggy auf nichts mehr einlässt – sie hatte wegen Pete schließlich schon genug Probleme. Etwas schade finde ich, dass Peggy auch Joans Angebot ablehnt, als Partnerin in die Produktionsfirma einzusteigen, die Joan nun auf die Beine stellt. Aber okay, sie wird ihr Ding auch bei McCann Erickson machen, Peggy ist für alles stark genug. Es wäre schon interessant zu sehen, was die 70er Jahre bringen – aber man muss auch wissen, wann Schluss ist. Das ist am Ende, was eine wirklich gute Serie ausmacht.

Screenshot Mad Men: Don Draper (Jon Hamm)

Screenshot Mad Men: Don Draper (Jon Hamm)

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