Viel Schnee und noch mehr Blut: The Hateful 8

Es lohnt sich absolut, The Hateful 8 im Kino anzusehen – insbesondere, wenn man eins der wenigen Kinos in Reichweite hat, in denen überhaupt Filme in Ultra Panavision gezeigt werden können. Denn Quentin Tarantino hat für seinen achten Streich nicht nur die Filmmusik-Legende Ennio Morricone dazu gebracht, nach 35 Jahren Pause noch einmal die komplette Musik für einen langen Western zu schreiben, sondern sich auch auf ein lange vergessenes 70-mm-Filmformat kapriziert. Kaum ein Dutzend Filme wurden Anfang der 60er Jahre in Ultra Panavision gedreht – die Produktion war einfach zu teuer und es gab deshalb auch sehr wenige Kinos der entsprechenden Projektionstechnik. Hierzulande gibt es ganze vier davon – darunter den Zoo Palast in Berlin.

Aber solche Kleinigkeiten halten einen Wahnsinnigen wie Tarantino selbstverständlich nicht davon ab, seine ganz spezielle Vision umzusetzen – und das ist gut so. The Hateful 8 ist ein neuer Höhepunkt für alle Tarantino-Fans. Zwar gefällt mir nach wie vor Inglourious Basterds am besten, aber es ist halt auch ein ganz anderer Film. The Hateful 8 tut zwar so, als wäre es ein Western, doch im Grunde ist der Film ein langes, intensives Kammerspiel, wie etwa der grandiose Polanski-Film Der Gott des Gemetzels, allerdings mit tarantino-typischen Einlagen in denen das Blut nicht liter- sondern gleich kubikmeterweise verspritzt wird, was mich dann wiederum sehr an Monty Pythons Sinn des Lebens erinnert hat. Wer das nicht mag, ist definitiv im falschen Film gelandet: Für zarte Gemüter ist er nicht geeignet, die subtile Andeutung ist Tarantinos Stärke nicht.

Wobei es in seinen Filmen ja stets eine Menge subtiler Anspielungen gibt – meist in Form von Gewaltorgien, die sich erfrischenderweise über gängige Denk- und Geschmacksverbote hinwegsetzen. The Hateful 8 bietet sehr viel ganz großes Kino, wenn man denn Blut sehen kann.

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Nach der Ouvertüre mit dramatischer Musik sieht man ein verwittertes Kruzifix im Schnee, dann folgt der Blick über eine Winterlandschaft in Wyoming, durch die sich eine sechsspännige Postkutsche ihren Weg bahnt. Darin befinden sich der „Henker“ genannte Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) und seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh), die er nach Red Rock überstellen will, wo sie gehängt werden soll. Doch ein Mann steht im Weg: Der ehemalige Nordstaaten-Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), ein weiterer Kopfgeldjäger, dessen Pferd schlapp gemacht hat. Nach einer längeren Verhandlung kann der Henker überzeugt werden, den schwarzen Kopfgeldjäger und die drei Leichen, für die er das Kopfgeld kassieren will, mitzunehmen – ein Schneesturm steht bevor. Natürlich bleibt es nicht dabei, kurze Zeit später läuft ihnen auch noch der künftige Sheriff (Walton Goggins) von Red Rock über den Weg, der ebenfalls einen Platz in der Kutsche begehrt.

Keine Frage, die Passagiere, die der Zufall in dieser Kutsche zusammengeführt hat, können sich gegenseitig nicht ausstehen. Aber es kommt natürlich noch schlimmer. Weil die Nacht hereinbricht und das Wetter immer schlechter wird, machen sie an einer Postkutschenstation halt, die kurioserweise Minnies Miederwarenladen heißt. Dort sind aber schon andere Gäste abgestiegen – ein Mexikaner (Demián Bichir), der Cowboy Gage (Michael Madsen), der ehemalige Südstaaten-General Sandy Smithers (Bruce Stern) und ein gewisser Oswaldo Mowbray (Tim Roth) – ein hauptamtlicher Henker, der auf dem Weg nach Red Rock ist, um dort das Todesurteil gegen Daisy Domergue zu vollstrecken. Zusammen mit dem Kutscher OB (James Parks) ist der Laden also ganz schön voll.

Aber das bleibt natürlich nicht so: Im Laufe der sechs Kapitel des Films gibt es nicht nur eine Menge virtuoser Wortduelle, sondern auch zahlreiche Leichen. Denn in den Köpfen der hier versammelten Gestalten ist der Bürgerkrieg noch längst nicht vorbei. Außerdem ist von den mysteriösen Gästen kaum einer, der er zu sein vorgibt – und spätestens als der Henker und der Kutscher spektakulär am vergifteten Kaffee sterben, wird dem Major klar, dass sein Verdacht, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, absolut zutreffend war.

Aber man weiß ja, dass bei den zehn kleinen Negerlein, die hier verschiedenen Rassen angehören, am Ende keiner übrig bleibt – auch wenn die Geschichte durchaus einen anderen Verlauf nimmt, als anfangs vielleicht zu vermuten gewesen wäre. Die Zeit wird also keineswegs lang, auch wenn die Ultra-Panavision-Fassung auf 187 Minuten kommt (die Normal-Version hat 167 Minuten). Ich habe jede davon genossen – es gibt halt Dinge, die man einfach nicht kürzer machen kann. The Hateful 8 gehört auf jeden Fall dazu.

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