Zero Days – Willkommen in der Ära des Cyberwar

Das mit mir und der Berlinale wird doch noch was – nachdem ich gestern Abend in der Premiere von Den allwarsamma leken erlebt habe – dazu muss ich gelegentlich auch noch etwas schreiben – war ich eben gerade in der Weltpremiere von Zero Days, einem Dokumentarfilm über Stuxnet und was dieses spezielle Programm für die Ära des Cyberkriegs bedeutet. Ein sehr interessanter, aber keineswegs schöner Film, auch wenn es durchaus einige Stellen gibt, die unfreiwillig komisch sind. Nichts ist mehr sicher, und das ist absolut wörtlich zu nehmen: Nichts, was das moderne Leben ausmacht, kann ernsthaft vor Angriffen mit Cyberwaffen geschützt werden, und solche Angriffe können verheerend sein.

Screenshot von Zero Days Bild: Berlinale.de

Screenshot aus Zero Days Bild: Berlinale.de

Auch die scheinbar smarte Idee Idee der Regierungen der USA und Israels, das iranische Atomprogramm zu behindern, in dem die Zentrifugen in einer Anreicherungsanlage im Iran mit einem sehr intelligent konstruierten Virus bzw. Computerwurm zerstört werden, hat eben dieses Atomprogramm am Ende viel schneller vorangebracht, als die Iraner es ursprünglich vor hatten – und sämtlichen Interessenten auf der ganzen Welt eine extrem mächtige Waffe in die Hand gegeben, die sie nun natürlich auch gegen die USA oder Israel einsetzen können. Denn seit Stuxnet entdeckt und analysiert wurde, ist es natürlich möglich, diesen Schädling in allen möglichen anderen Varianten einzusetzen.

Alex Gibney (mit Mikro) und sein Team bei der Premiere von Zero Days im Berlinale Palast

Alex Gibney (mit Mikro) und sein Team bei der Premiere von Zero Days im Berlinale Palast

Und natürlich will es keiner gewesen sein, der die Büchse der Pandora geöffnet hat – weder die USA, noch Israel haben bisher offiziell zugegeben, dass sie irgendwas mit Stuxnet zu tun hätten. Und auch sonst will keiner darüber reden – sehr viele Wortbeiträge in dem Film lauten entsprechend „Das weiß ich nicht – und wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen nicht sagen“.

Gut, dass Alex Gibney sich davon nicht hat entmutigen lassen und diesen Film erst recht gemacht hat. Denn es geht neben der an sich schon spannenden Geschichte von Stuxnet und seiner Entdeckung auch um die prinzipielle Gefahr entfesselter Technologie, die am Ende eine ganz andere Dynamik entwickelt, als erwartet wurde und um politische Interessen, die sich jeglicher Kontrolle entziehen – was erst einmal in der Welt ist, lässt sich nicht mehr einfangen, sondern nur sehr mühsam und mit einer gemeinsamen Anstrengung verschiedenster Interessengruppen regulieren. Und solange nicht einmal über Cyberwaffen geredet wird, sind sie ohnehin unkontrollierbar.

Zero Days räumt mit der Idee auf, dass man mit Software auf intelligente Weise Kriege gewinnen kann, ohne massenhaft Menschen zu schädigen. Eine Malware ist zwar keine Atombombe – aber es wird durchaus eine Parallele gezogen zwischen dem August 1945 und dem Juni 2010. Plötzlich ist eine neue Waffe in der Welt, die alles verändert – und man kann einfach nicht mehr zurück. Und wie die Iraner schon bewiesen haben, sind sie mit ihren Cyberwaffen längst weiter als mit ihrem Atomprogramm.

 

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