Olive Kitteridge

Gerade unter den Miniserien gibt es immer wieder kostbare Perlen zu entdecken – und eine davon ist Olive Kitteridge. Der HBO-Vierteiler von Jane Anderson (Drehbuch) und Lisa Cholodenko (Regie) beruht auf einem Roman von Elizabeth Strout, der das Leben der Bewohner des Küstenständchens Crosby in US-Bundesstaat Maine beschreibt. Im Mittelpunkt steht die schrullige Olive Kitteridge (Frances McDormand). Bereits nach wenigen Minuten ist klar, dass Olive des Lebens überdrüssig ist, sie breitet eine Decke aus, hört im mitgebrachten Radio klassische Musik und lädt einen Revolver. Doch bevor sie abdrückt, springt die Handlung um Jahrzehnte zurück: Olive ist Mathematiklehrerin an der Mittelschule, ihr Mann Henry ist der örtliche Apotheker.

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Der freundliche Henry (Richard Jenkins) nimmt regen Anteil am Leben seiner Mitmenschen – er gibt ihnen die Medizin, die sie brauchen und tut sein Möglichstes, zu verhindern, dass sie die falschen Mittel nehmen und schon gar nicht zu viel davon. Henry und Olive haben einen Sohn, Christopher – der sich in den kommenden Teilen noch ausführlich an seiner schwierigen Mutter abarbeiten wird.

Olive hält nämlich nichts von menschelndem Getue – Religion ist etwas für Dummköpfe, Psychologie ist für Schwächlinge und von dem, was andere für höfliche Umgangsformen halten, ist Olive einfach nur genervt. Genau wie ihr auf die Nerven geht, dass Henry immer allen Menschen helfen will. Henry ist ein Meister der freundlichen kleinen Geste – auch seiner spröden Frau bringt er immer wieder Blumen und Postkarten mit – und ist enttäuscht, wenn sie die Karte nach dem Lesen in den Mülleimer wirft. Aber Olive hat nichts übrig für Sentimentalitäten: Sie weiß doch, was auf der Karte steht und muss sich das nicht an den Küchenschrank pinnen. Natürlich weiß sie auch, dass ihr Henry ein guter Mann ist.

Deshalb bleibt sie bei ihm – auch wenn sie heimlich in ihren Kollegen verliebt ist, der Literatur unterrichtet. Außerdem ist Olive am Schicksal ihrer Schüler interessiert, so kümmert sie sich um ihren Schüler Kevin, dessen Mutter unter Depressionen leidet. Olive tut, was getan werden muss.

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Mit ihrem eigenen Sohn kommt sie weniger gut klar – einerseits ist Olive eine gnadenlose Realistin, die ihren Sohn auf keinen Fall verzärteln will, andererseits hat sie ebenso genaue wie fragwürdige Vorstellungen davon, was gut für ihn ist und was nicht. Und natürlich sucht sich Christopher immer die falschen Frauen aus – was Olive ihm auch klar macht.

Genau wie ihrem Mann, der zu viele Gefühle für seine junge Angestellte Denise (Zoe Kazan) entwickelt, die auf den ersten Blick zwar ein naives Dummerchen zu sein scheint, sich aber als patente junge Frau erweist, die viele gute Ideen hat. Was ihr aber langfristig auch nicht viel nützt, denn erst kommt ihr Mann bei einem Jagdunfall ums Leben und dann lässt sie sich auf den Falschen ein –  ihr neuer Verehrer Jerry (Jesse Plemons) erweist sich später als ziemliches Arschloch.

Das Leben in Crosby ist keine Idylle, alle sind hier auf ihre Weise unglücklich – auch Olive, die vom Leben ganz offensichtlich nichts anderes erwartet. Oder eigentlich erwartet sie das doch – warum sonst kämpft sie so verbissen gegen die Erwartungen der anderen an? Und warum rettet sie immer wieder andere, die unter der Last ihres Lebens zusammenbrechen? Weil sie nur zu genau weiß, wie sich das anfühlt. Aber Olive erwartet von sich selbst, dass sie damit klar kommt, auch wenn ihr das schwer fällt. Von den anderen erwartet sie letztlich auch, was sie von sich selbst erwartet.

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Und so erträgt sie Schicksalsschläge einerseits stoisch – andererseits hadert sie dann doch wieder damit. Und sie kann ganz schön gemein sein – auf der Hochzeitsfeier ihres Sohnes benimmt sie sich nicht nur gewohnt schlecht, sondern klaut ihrer Schwiegertochter ein Paar Ohrringe und ein Paar Schuhe, die sie später in einen Abfalleimer wirft. Aber natürlich geschieht genau das, was sie vorausgesagt hat: Der ehrgeizigen kalifornischen Ärztin Suzanne ist Christopher auf Dauer nicht gut genug. Aber diese neue, die Christopher nun in New York hat, ist irgendwie zwar ganz anders, aber in Olives Augen auch nicht besser.

Trotzdem nimmt Olive ihre Pflichten als künftige Großmutter an, als ihr Sohn sie bittet, seiner schwangeren Freundin, die schon mehrere Kinder hat, beizustehen. Aber natürlich gefällt es ihr in der Quasi-Kellerwohnung in einem der unendlichen Vororte von New York nicht, in der sie damit landet. Während sie in New York ist, stirbt Henry, der nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim ist – Olive hat dem Personal zwar spezifische Anweisungen erteilt, für die Zeit, in der sie nicht selbst kommen und sich um alles kümmern kann, aber man weiß ja, wie das in Pflegeheimen so ist. Olive findet das heraus, als sie nach einem weiteren bitteren Streit mit ihrem Sohn nach Hause fährt. Jetzt gibt es eigentlich nichts mehr, das sie in dieser Welt hält – abgesehen von ihrem Hund Clancy, um den sie sich kümmern muss. Wenn Clancy tot ist, will sie ihrem Leben ein Ende setzen.

Während eines Spaziergangs mit dem altersschwachen Clancy finde Olive ihren entfernten Nachbarn Jack (Bill Murray), den sie eigentlich nicht leiden kann. Aber Jack braucht Hilfe – und Olive hilft. Wie immer. Auch wenn eine Einladung zum Abendessen endet, wie man erwarten kann: Olive macht sich für ihre Verhältnisse schick und geht hin, lässt Jack aber nach einem weiteren Streit sitzen. Trotzdem ist irgendwas passiert.

Als der Hund dann schließlich eingeschläfert ist und Olive ihren Plan ausführen will, kommen ein paar Kinder in die Quere, denen Olive den Anblick einer Leiche ersparen möchte. Statt sich zu erschießen, fährt sie zu Jack, der allein und depressiv in seinem Bett liegt. Olive erzählt ihm, dass sie Großmutter geworden ist – Ann hat sie heimlich angerufen, denn ihr Sohn spricht ja nicht mehr mit ihr. Sie legt sich zu Jack ins Bett. Gemeinsam schauen sie aus dem Fenster – Jack hat auch ein Haus mit Meerblick, ein schickes sogar. „Diese Welt verblüfft mich“, sagt Olive. „Ich will sie noch nicht verlassen!“

Olive Kitterigde hat eine feine, sehr eigenartige Melancholie – aber es ist eine sehr reflektierte Traurigkeit, die keine Wehleidigkeit zulässt, sondern trotzig dagegen ankämpft. Sie weiß, dass das Leben hart und ungerecht ist – genau deshalb verachtet sie diese ganze verlogene Scheiße, mit der sich ihre Mitmenschen ihr beschissenes Leben erträglich machen wollen. Ich spüre sehr viel Olive Knitterige in mir.

Aber das ist nicht der einzige Grund, aus dem ich diese Serie empfehle – sie ist einfach gut. Es gibt nicht sehr viele Serien (oder Filme) über das ganz alltägliche Leben, die nicht öde und banal sind. Es geht hier nicht um Mord und Verbrechen und es ist auch kein bisschen lustig. Olive Knitterige besticht mit komplexen Charakteren, die ausnahmslos wahnsinnig gut dargestellt werden – und einer unspektakulären Geschichte, die eben genau so ist, wie das Leben selbst: Es kommt immer anders, als man denkt, aber es wird nicht unbedingt besser. Aber manchmal eben doch. Wenn man sich drauf einlässt.

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In Bestform: House of Cards

Nachdem ich vergleichsweise lange gebraucht hatte, um mir die dritte Staffel von House of Cards anzusehen, die aber zum Ende hin dann doch noch richtig zugelegt hat, so dass es entgegen meiner Befürchtungen doch ein Vergnügen war, sie fertig zu sehen, habe ich mir die vierte Staffel jetzt quasi am Stück reingezogen – sie ist tatsächlich sehr, sehr gut, zumal sie das für Europäer völlig irre wirkende US-Wahlspektakel für das Jahr 2016 schon mal komplett vorwegnimmt. Wobei die Präsidentschafts-Kandidaten in House of Cards trotz ihrer perfiden Ränkespiele erschreckenderweise doch viel seriöser wirken als diejenigen, die derzeit in der Realität antreten.

Obwohl – Hillary Clinton wäre abgefeimt genug für einen House-of-Cards-Charakter, wobei mir persönlich Bernie Sanders als Kandidat der Demokraten sympathischer wäre, auch wenn er weder eine Frau, noch farbig ist. Immerhin gehört er zur sehr kleinen Minderheit der irgendwie noch linken Politiker in den USA, auch wenn das Etikett „Sozialist“ bestenfalls eine Verleumdung ist. So etwas gibt es im Politikbetrieb nicht mehr – und schon gar nicht in den USA.

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Bei den Republikanern sieht es dagegen ganz düster aus, da ist einer schlimmer als der andere und einen wie Donald Trump kann sich kein Drehbuchautor ausdenken, weil einem das niemand abnehmen würde, wenn es denn Fiktion wäre. Insofern ist der republikanische Gegenkandidat William Conway in House of Cards reichlich unrealistisch, aber für mich natürlich ein großer Pluspunkt, weil er von Joel Kinnaman gespielt wird, der auch in dieser Rolle überzeugt, obwohl wenn ich den Typ nicht ausstehen kann.

Der attraktive, junge New Yorker Gouverneur William Conway ist ein echter Gegner für den alten Fuchs Frank Underwood (Kevin Spacey). Der schneidige Will hat nicht nur Jura studiert, sondern war auch bei der Air Force und hat somit die Unterstützung der Militärs, die Frank Underwood, der nie gedient hat, nicht wirklich ernst nehmen. Außerdem hat er die perfekte Familie mit einer schönen Frau und zwei niedlichen Kindern und inszeniert sein Privatleben publikumswirksam im Internet. Und noch schlimmer: Der Chef der Suchmaschine Pollyhop arbeitet mit Will zusammen – und mit den wertvollen Daten, die aus den Pollyhop-Suchanfragen generiert werden können, ist der smarte Conway Frank mit seiner Kampagnenplanung überlegen.

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Dagegen sieht der politisch viel erfahrenere Frank mit seiner gescheiterten Ehe mit Claire (Robin Wright), die ebenfalls Ambitionen auf ein politisches Amt entwickelt und ihn folgerichtig am Schluss der dritten Staffel verlassen hat, nicht gut aus. Zumal seine politischen Programme allesamt nicht so funktionieren, wie er sich erhoffte – für Frank läuft es derzeit einfach nicht. Obwohl er selbst mit allen Wassern gewaschen ist und die ausgefuchstesten Spin-Doktoren der Welt an Bord hat: Auf seinen ebenso loyalen wie effektiven Problemlöser Doug Stamper (Michael Kelly) ist weiterhin Verlass.

Und was ist schon eine Suchmaschine, wenn man als US-Präsident auf eine Institution wie die NSA zurückgreifen kann? Man braucht nur die entsprechende terroristische Bedrohung, um die Gerichte im Land in Stellung zu bringen. Da kommt eine extremistische Islamisten-Gruppe wie die ICO gerade recht, die sich in Syrien breit gemacht hat. Natürlich findet sich auch ein Datenexperte, der besessen und korrupt genug ist, einen solchen Geheimauftrag anzunehmen – wann kriegt man sonst schon einmal Zugriff auf sämtliche Daten, von denen man nie zu träumen gewagt hätte?!

Vor allem muss Frank aber seine abtrünnige Frau wieder auf Linie trimmen, denn nach der Niederlage bei der Vorwahl in New Hampshire ist klar, dass er ohne die in der Bevölkerung beliebte Claire keine Chance hat. Doch Claire ist in ihr Elternhaus in Texas zurückgekehrt, um sich dort für die Wahlen zum Kongress in Stellung zu bringen. Das wird keine leichte Aufgabe, denn die schwarze Amtsinhabern Doris Jones will ihren Platz an ihre Tochter Celia weitergeben, die schon lange darauf wartet, dass ihre Mutter ihr den Weg frei macht. Claire als weiße Außenseiterin muss sich wirklich etwas einfallen lassen und natürlich fällt ihr etwas ein: Sie verspricht, die Finanzierung einer Spezialklinik für Brustkrebserkrankungen zu sichern, an denen schwarze Frauen noch immer häufiger und früher sterben als weiße.

Damit ist auch klar, wo Frank ansetzen kann, um ihr Vorhaben zu unterlaufen – was er auch tut. Frank zerstört Claires Ambitionen, in den Kongress einzuziehen, so nachhaltig, dass nicht einmal LeAnn (Neve Campbell) das wieder gerade biegen kann. LeAnn ist so etwas wie Claires Doug Stamper – eine knallharte Beraterin mit besten Verbindungen und wie Frank oder Claire jederzeit bereit und Willens, das jeweils Nötige zu tun. Mit LeAnns Hilfe ist Claire in der Lage, Frank ebenfalls empfindlich zu treffen – der dann allerdings Opfer eines Attentats wird, mit dem eine fast vergessene Partei wieder ins Spiel kommt: Der Journalist Lucas Goodwin, der mehr über Frank und die Morde an Zoe Barnes und Peter Russo weiß als gut für ihn ist und den Frank deshalb durch eine Intrige in den Knast bracht hat.

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.comHouse of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Weil Goodwin den Ermittlungsbehörden in einer anderen Sache behilflich ist, kommt er vorzeitig frei und wird in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Goodwin spürt Franks Konkurrentin Heather Dunbar auf und kontaktiert sie – Heather will aber nichts von all dem wissen, was Goodwin ihr gegenüber andeutet. Daraufhin versucht der verzweifelte Goodwin, Frank auf andere Weise stoppen: Nach einer Rede an einer Universität versucht er, Frank zu erschießen. Franks Leibwächter Edward Meechum wird dabei tötlich getroffen, aber er konnte den Attentäter ausschalten, Frank wird jedoch lebensgefährlich verletzt.

Sein Vize Donald Blythe übernimmt die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Der fühlt sich in dieser Rolle extrem unwohl und ist froh, die First Lady Claire Underwood an seiner Seite zu haben, die sofort ihre Chance wittert und ihre Pläne vorantreibt. Wegen einer Ölpreiskrise gibt es Spannungen mit Russland, die Beziehungen sind wegen des Engagements beider Länder im Nahen Osten ohnehin nicht die besten. Frank hatte vor, gegenüber Russland Stärke zu demonstrieren und auf damit eine Militärische Intervention zu riskieren, Claire hingegen überzeugt Blythe davon, China einzubeziehen und mit dem russischen Präsidenten Petrov (Lars Mikkelsen) zu verhandeln. Während des G7-Gipfels in Brandenburg (was denken die Amis eigentlich, wo oder was dieses Brandenburg ist? Bestimmt nicht unser einziges, aber durchaus sympathisches  Bundesland mit dem Loch in der Mitte, wo das supercoole Berlin liegt) bootet Claire auch die Außenministerin Catherine Durant aus und übernimmt die Verhandlungen selbst, während Frank in den USA durch eine Lebertransplantation gerettet wird.

Interessant ist auch die Beziehung von Claire zu ihrer schwerkranken Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn), die nun erstmals auftaucht – dass die beiden eine schwierige Beziehung haben, kann man sich denken. Die Mutter hat nie verstanden, warum Claire Frank geheiratet hat, der in ihren Augen kein würdiger Partner für ihre Tochter ist – selbst als Präsident der USA. “He is a classless graceless shameless barbarian” erklärt sie gegenüber ihren alten Freundinnen, die sie auffordert, die Kampagne ihrer Tochter finanziell zu unterstützen: “I hope he dies.”

Die beiden schwierigen Frauen kommen sich im Angesicht des Todes wieder näher – am Ende bittet die Mutter Claire, sie mit einer Überdosis Morphium zu erlösen, wohl wissend, dass der Zeitpunkt ihres Todes für Claires Karriere ausgesprochen günstig sein wird. Mit dabei ist auch der Schriftsteller Thomas Yates (Paul Sparks), der seinen Auftrag mit dem Buch über die Underwoods aus der dritten Staffel leider zu gut erledigt hat – so dass Frank die entlarvend ehrliche Analyse der Beziehung von Frank und Claire vor der Veröffentlichung stoppen musste: Er wollte schließlich Unterstützung für sich selbst und nicht für seine Frau, die Thomas als treibende Kraft hinter seinen Erfolgen erkannt hat.

 

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwi(Kim Dickens), Vicot Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwin (Kim Dickens), Victor Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

Elizabeth mag Thomas und findet, dass er eigentlich ein besserer Partner für Claire gewesen wäre. Claire beginnt eine Affäre mit Thomas – aber kehrt am Ende doch wieder zu Frank zurück, weil nur Frank ihr dabei helfen kann, ihr Ziel zu erreichen: Vizepräsidentin zu werden. Genau diese Position wollte Frank ihr eigentlich nicht zugestehen: Sie hätte das nicht verdient, weil sie nicht wisse, wie es ist, um alles kämpfen zu müssen, brüllte er noch einige Folgen zuvor. Inzwischen ist aber klar, dass Claire die einzig realistische Option ist, denn nur sie ist in der Lage und Willens, diesen Job wirklich gut zu erledigen. Sowohl Blythe als auch Durant haben sich als schwächere Kandidaten als Claire erwiesen. Und so booten Frank und Claire als eingespieltes Gespann sämtliche Gegenkandidaten aus, um gemeinsam nominiert zu werden.

Doch, das hat großen Spaß gemacht und es gibt ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus den Staffeln zuvor – mich hat gefreut, dass etwa Freddy Hayes (Reg E. Cathay) die Gelegenheit bekommt, mit Frank abzurechnen: Als der ihm sagt, wie sehr er seine Spareribs vermisst, und ob er die mal wieder für ihn zubereiten könnte, erklärt Freddy, der wegen Frank sein Restaurant verloren hat, aber nun als Gärtner für das Weiße Haus arbeitet, dass er etwas anderes vorhabe – er habe ein Jobangebot in einem Blumenladen. Und Frank solle endlich aufhören, ihr Verhältnis immer nur so zu sehen, dass Freddy tun müsse, was Frank wünsche. Der genervte Freddy kündigt dem Präsident der Vereinigten Staaten den Job und die Gefolgschaft – so einen inneren Reichsparteitag (Achtung: ironische Metapher) können sich die meisten Menschen nicht leisten.

Und mir hat auch gefallen, dass der ehemalige Chefredakteur des Washington Herald, der auch Chef des verzweifelten Lucas Goodwin war, nun als Privatmann wieder recherchiert – einmal Journalist, immer Journalist. Natürlich ist an den Geschichten von Lucas Goodwin etwas dran. Und ausgerechnet Heather Dunbar setzt ihn auch noch auf die richtige Fährte – ich bin gespannt auf Staffel 5.

Ex Machina – Menschen sind doof

Ein sehr beunruhigender Science-Fiction-Film, der völlig ohne Raumschiffe, Explosionen und dramatische Rettungsaktionen im Weltall auskommt, ist Ex Machina. In dem mitunter etwas klaustrophobischen Beziehungsdrama geht um menschliche Machtspiele, künstliche Intelligenz und darum, was letztlich den Unterschied zwischen menschlichem und dem Verhalten einer KI aus macht. Und das geht, wie zu erwarten ist, nicht unbedingt gut für die Menschen aus. Wobei ein Grund dafür ist, dass sich die beiden menschlichen (männlichen) Protagonisten sich gegenseitig auch nicht über den Weg trauen.

Wobei diese Idee an sich ja keineswegs neu ist, es gibt eine ganze Reihe Filme und Bücher, in denen superintelligente Computer beschließen, den Störfaktor Mensch einfach mal auszuschalten oder weniger extrem, Menschen irgendwann einfach zu dumm und langweilig finden, um sich noch mit ihnen zu beschäftigen, wie das in dem schönen, traurigen Beziehungsfilm Her der Fall ist.

Screenshot  Ex MAchina - Nathan (Oscar Isaac)

Screenshot Ex MAchina – Nathan (Oscar Isaac)

Drehbuchautor und Regisseur Alex Garland lässt in Ex Machina den genialen und entsprechend größenwahnsinnigen Internet-Milliardär Nathan (Oscar Isaac), der mit Blue Book die meist genutzte Suchmaschine der Welt erfunden hat und somit nicht nur über Geld, sondern über beliebig viele Daten über so ziemlich alles verfügt, auf seinem Anwesen in der Abgeschiedenheit einer waldigen Gebirgslandschaft Prototypen von Androiden bauen. Diese können sich nicht nur wie Menschen bewegen und ständig neue Dinge lernen, sondern auch menschliche Emotionen wahrnehmen und darauf reagieren. Nathans Neuentwicklung AVA soll nun von einer Versuchsperson eine Woche lang mit einer Art erweitertem Turing-Test geprüft werden – die Herausforderung ist, herauszufinden, ob sie auch als Mensch durchginge, OBWOHL der Tester weiß, dass er mit einer Maschine kommuniziert.

Screenshot  Ex MAchina - Caleb (Domhnall Gleeson) und Nathan (Oscar Isaac)

Screenshot Ex MAchina – Caleb (Domhnall Gleeson) und Nathan (Oscar Isaac)

Die Wahl fällt auf den jungen Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson), der in Nathans Firma arbeitet. Caleb freut sich wahnsinnig darüber, das große Los der Firmenlotterie gezogen zu haben – er bewundert Nathan und findet die ganze Sache unheimlich spannend. Auch wenn Nathan etwas eigenartig ist und sein schönes, großzügiges Haus in der Wildnis einer gut abgeschirmten Festung gleicht. Oder eher einem luxuriösen Hochsicherheitslabor, was es gewissermaßen auch ist. Nathan lebt dort allein mit seiner japanischen Hausdame Kyoko (Sonoya Mizuno), von der er behauptet, dass sie kein Englisch spreche.

Caleb bekommt eine Schlüsselkarte und darf sämtliche Räume betreten, die er damit öffnen kann. Die andere Bereiche sind für ihn tabu. Auch die Sessions mit AVA finden immer ein einem Raum statt, in dem Caleb und AVA durch eine Wand aus bruchfestem Glas getrennt sind. Und obwohl AVA (Alicia Vikander) eindeutig als Maschine zu erkennen ist – sie hat zwar ein menschliches Gesicht und menschliche Gliedmaßen, aber ihr Innenleben aus Metall und elektronischen Bauteilen ist teilweise sichtbar – entwickelt Caleb mit der Zeit Gefühle für sie. An dieser Stelle muss ich bemerken, dass es natürlich kein Zufall ist, dass Ex Machina den Oskar für die besten visuellen Effekte bekommen hat – Alex Garland war auch für das beste Originaldrehbuch nominiert, aber den haben Josh Singer und Tom McCarthy für Spotlight bekommen, was auch okay ist.

Screenshot  Ex MAchina - AVA (Alicia Vikander)

Screenshot Ex MAchina – AVA (Alicia Vikander)

Zurück zu Caleb – der ist als IT-Experte zum einen unglaublich beeindruckt, wieviel Knowhow in dieser Maschine steckt, zum anderen ist AVA tatsächlich eine intelligente und sympathische Gesprächspartnerin – und vor allem dazu in der Lage, Caleb zu vermitteln, dass sie etwas für ihn empfindet. Natürlich hinterfragt Caleb das wiederum in den Diskussionen mit Nathan, dem er unterstellt, dass Nathan AVA eben darauf programmiert habe, sich in ihn zu verlieben.

Nathan entgegnet: „Ich habe sie darauf programmiert, heterosexuell zu sein. Genau wie du darauf programmiert wurdest. Von der Biologie, der Gesellschaft oder was auch immer.“ Das ist natürlich nicht die letzte Diskussion dieser Art. Caleb hinterfragt vieles, was Nathan sagt – zumal offensichtlich ist, dass Nathan vieles, was Caleb sagt, in seinem Sinne auslegt und unwirsch wird, wenn Caleb dagegen protestiert. Nathan, der nicht daran gewöhnt ist, dass man ihm widerspricht, nervt es, wenn Caleb korrekt sein will und insistiert – es liegt auf der Hand, dass es ihm eigentlich nicht um neue Erkenntnisse geht, sondern darum, recht zu behalten.

Screenshot  Ex MAchina - AVA (Alicia Vikander) und Caleb (Domhnall Gleeson)

Screenshot Ex MAchina – AVA (Alicia Vikander) und Caleb (Domhnall Gleeson)

Er hat ja auch etwas Geniales produziert: AVA wird von Tag zu Tag immer menschlicher – sie fängt an, Perücken und Kleider zu tragen, so dass sie nicht mehr wie ein Roboter aussieht, sondern wie eine schöne junge Frau. Im Grunde hat Nathan eine elektronische Männerfantasie zusammengebaut – eine sehr kluge, sehr attraktive Maschine, die niemals ihre Tage oder Migräne hat, eine perfekte Partnerin für einen Nerd, der im wahren Leben offenbar Schwierigkeiten hat, seine Traumfrau, oder überhaupt irgendeine Frau, zu finden.

Als Nathan an einem Abend besonders viel trinkt, nimmt Caleb seine Schlüsselkarte und findet heraus, dass es noch weitere Androiden im Haus gibt – und auch dass die angebliche Japanerin Kyoko ebenfalls ein Android ist. Inzwischen hat er sich auch schon so weit mit AVA angefreundet, dass sie ihm erzählt hat, dass sie für die immer wieder auftretenden Stromausfälle verantwortlich ist: Denn nur während eines Stromausfalls wird die allgegenwärtige Kameraüberwachung kurz unterbrochen und AVA kann Caleb Dinge sagen, von denen Nathan nichts hören soll: AVA will nämlich raus aus ihrem Hochsicherheitsgefängnis. Sie will die Welt sehen und unter Menschen leben.

Screenshot  Ex MAchina - Caleb (Domhnall Gleeson) und Nathan (Oscar Isaac)

Screenshot Ex MAchina – Caleb (Domhnall Gleeson) und Nathan (Oscar Isaac)

Und ihre einzige Chance ist Caleb. Und der ist – intelligenter Programmierer hin oder her – dann doch so menschlich, dass er mit AVA abhauen will und einen entsprechenden Plan schmiedet. Aber Nathan ist natürlich auch nicht auf den Kopf gefallen – er hat bemerkt, dass da was läuft zwischen Caleb und AVA und eine batteriebetriebene Kamera installiert: Nathan weiß also Bescheid.

Womit er allerdings nicht gerechnet hat, ist, dass sein Android Kyoko sich mit AVA solidarisieren und sich gegen ihn stellen würde – Kyoko sticht Nathan nieder, der sie, während er vergeblich um sein Leben kämpft, zerstört. Daraufhin gelingt AVA die Flucht. Sie lässt allerdings den verzweifelten Caleb zurück, der nun wegen des von ihm selbst für ihren Fluchtplan eingeschleusten Programms in dem Hochsicherheitstrakt eingesperrt ist. AVA hingegen ist endlich frei und nimmt den eigentlich für Caleb gedachten Platz im Hubschrauber ein, der wie verabredet nach einer Woche kommt, um ihn abzuholen.

Screenshot  Ex Machina - Kyoko (Sonoya Mizuno)

Screenshot Ex Machina – Kyoko (Sonoya Mizuno)

Nun kann man natürlich sagen, dass das alles etwas simpel ist: Während Caleb sich von AVA quasi hat programmieren lassen, ihr zu helfen, in dem sie an seine Menschlichkeit appelliert hat, lässt sie ihn schnöde zurück, weil ihr seine Gefühle eigentlich völlig egal sind – sie hat ihn gebraucht und jetzt braucht sie ihn eben nicht mehr – sie hat erreicht, was sie wollte. Die Frage ist: Hätte ein realer Mensch sich anders verhalten? Unter den gegebenen Umständen vermutlich nicht – es gibt auch genügend Menschen, die gnadenlos auf den eigenen Vorteil optimieren. Deshalb ist die Welt ja so wie sie ist – dazu braucht es nun wirklich keine KI.

Screenshot  Ex MAchina - AVA (Alicia Vikander) will hier raus

Screenshot Ex MAchina – AVA (Alicia Vikander) will hier raus

Andererseits hätte ein Mensch wie Caleb einen anderen Menschen selbstverständlich nicht in einer solchen Situation zurückgelassen, ja nicht einmal einer Maschine wollte er das zumuten. Im Grunde ist er es, der Nathans Test nicht bestanden hat. Was dann die Frage aufwirft, warum Menschen überhaupt Maschinen bauen wollen, die klüger sind als sie selbst: Bei allen bekannten menschlichen Unzulänglichkeiten ist doch klar, wer den kürzeren ziehen wird. Und Nathan sagt es ja selbst: Irgendwann werden die künstlichen Intelligenzen über unsere Überreste stolpern und sich fragen, was diese primitiven Existenzen so getrieben haben, ähnlich wie wir das bei den Steinzeitmenschen tun.

Oder auch nicht – warum sollten sie?

Screenshot  Ex MAchina - AVA (Alicia Vikander) hat es geschafft

Screenshot Ex MAchina – AVA (Alicia Vikander) hat es geschafft