Utopia: Knallbunter Verschwörungsthriller

Der Vorrat an wirklich guten Serien ist leider beschränkt, aber ab und zu gibt es zum Glück noch etwas zu entdecken: Beispielsweise die britische Serie Utopia, die von Dennis Kelly geschrieben und von Kudos Film für Channel 4 produziert wurde.

Die Handlung der Mini-Serie rankt sich um ein mysteriöses Manuskript, welches sich am Ende tatsächlich als Schlüssel zur Erklärung der ebenso beängstigenden wie verwirrenden Ereignisse erweist, mit denen die Protagonisten konfrontiert werden. Utopia entpuppt sich schnell als rasanter Verschwörungsthriller, der am Ende gar nicht so abgedreht ist, wie er streckenweise zu sein scheint – wer Serien wie Regenesis oder Helix mag, wird von Utopia vermutlich ebenfalls begeistert sein.

Utopia - im Vordergrund Arby (Neil Maskell) - Bilder via Channel 4

Utopia – im Vordergrund Arby (Neil Maskell) – Bilder von Channel 4

Der Autor von The Utopia Experiment, der in einer psychiatrischen Anstalt verstorben ist, soll einen zweiten Teil seiner legendären Graphic Novel The Utopia Experiment verfasst haben, in dem es um eine unglaubliche Verschwörung geht. Es gibt einen Verleger, der behauptet, im Besitz dieses Manuskriptes zu sein und einem kleinen Kreis von eingefleischten Fans, die sich in einem Online-Forum austauschen, ein Treffen anbietet – AFK, in einem Pub. Zum ausgemachten Zeitpunkt erscheinen aber nur drei der fünf, nämlich die ehemalige Medizinstudentin Becky (Alexandra Roach), der IT-Spezialist Ian Johnson (Nathan Steward-Jarrett) und der paranoide Verschwörungstheoretiker Wilson Wilson (Adeel Akhtar). Vom angeblichen Besitzer des Manuskripts Bejan gibt es keine Spur, auch der elfjährige Grant (Oliver Woolford) ist nicht gekommen.

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Grant, der herausgefunden hat, wo dieser Bejan wohnt, bricht nämlich ein, um das Manuskript zu stehlen – allerdings ist er nicht der einzige, der das versucht: Während er in Bejans Wohnung ist, muss er mitansehen, wie zwei Typen, die man schon aus dem Prolog zur Serie als durchgeknallte Killer kennt, ihn umbringen – der Kleine behält aber die Nerven und kann mit dem Manuskript knapp entkommen. Der clevere kleine Grant ist nämlich das Produkt einer gelungenen Kriminellen-Sozialisierung, bei der er schon früh lernen musste, sich allein durchzuschlagen, weil seine Mutter so ziemlich alles nicht auf die Reihe kriegt.

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Dann gibt es noch Michael Dugdale (Paul Higgins), den Staatssekretär im Gesundheitsministerium, der aufgefordert wird, unter allen Umständen dafür zu sorgen, dass eine große Menge neuen Impfstoffs gegen die russische Grippe geordert wird, die gerade ausgebrochen sei und in Kürze die Volksgesundheit in Großbritannien bedrohe – Dugdale ist wegen einer persönlichen Eskapade erpressbar und sorgt deshalb tatsächlich dafür. Der darauf folgende Skandal über diese immense Verschwendung öffentlicher Gelder ist beträchtlich und der Gesundheitsminister muss seinen Hut nehmen – aber es stellt sich heraus, dass die russische Grippe tatsächlich ausbricht und Dugdale ist plötzlich ein Held – erstmal. Denn natürlich verbirgt sich noch etwas ganz anderes hinter dieser russischen Grippe-Epidemie und dem Impfstoff dagegen.

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian  (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Es gibt nämlich einen Pharmakonzern, der zahlreiche staatliche Stellen unterwandert hat und seine eigene Agenda verfolgt – und die hat tatsächlich mit jenem geheimnisvollen Manuskript zu tun. Genau wie auch die geheimnisvolle Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy), nach der die beiden Auftragskiller suchen. Mit dem Auftauchen von Jessica Hyde nimmt die Geschichte dann so richtig Fahrt auf – aber jetzt muss ich mich zusammen nehmen und meine chronische Spoileritis in den Griff bekommen, denn Utopia macht vor allem dann richtig Spaß, wenn man nicht weiß, wo der Bus ist.

Der Plot hat es wirklich in sich – aber man kann durchaus ins Grübeln kommen, ob die Aluhut-Träger, Ufo-Seher und Chemtrail-Paranoiden der Welt nicht in manchen Dingen doch näher an der Realität sind, als einem als skeptischer Normalo lieb sein kann. Denn es ist ja nicht so, dass die Pharmaindustrie keine Krankheiten erfinden würde, weil sie den Leuten die Medizin dagegen verkaufen will.

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Das passiert ständig – und die anderen Branchen sind nicht weniger erfindungsreich. Aber in Utopia geht es noch um etwas ganz anderes – hier soll auf verquere Weise die Welt gerettet werden. Und das wird in verstörenden Bonbonfarben auf die harte Tour erzählt. Für empfindsame Gemüter ist diese Serie definitiv nichts. Aber wer damit klar kommt, dass Gewalt angewendet wird, wo es nötig ist, auch wenn man darüber unterschiedlicher Ansicht sein kann, wann es wirklich nötig wäre, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Und Verschwörungstheoretiker sowieso.

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Auf jeden Fall hat Utopia eine sehr eigene Ästhetik – eben mal nicht den typischen Anthrazit-Chic der neueren britischen Krimi-Serien, hier ist alles durch zu viel Farbe verfremdet, was gleichzeitig irgendwie nostalgisch wirkt – wie eine gut gezeichnete Graphic Novel eben. Allein der Look hat mich sehr begeistert – das war ja auch ein Aspekt, der mir an Mr. Robot so gut gefallen hat. Nur dass Mr. Robot dann doch eher unterkühlen skandinavischen Farbpalette folgt, und es immer viel Raum über, neben und zwischen den Köpfen der Protagonisten gibt, während Utopia eine vollgestopfte Rumpelkammer aus detailreich ausgemalten Bildern ist, die auf britischen Flohmärkten zusammengekauft sein könnten.

Hier noch ein paar Impressionen:

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