The Brink – Serie am Abgrund

Genau wie man nicht die ganze Zeit liebevoll zusammengestellte Speisen aus hochwertigen Edelzutaten zubereiten und essen kann, sondern ab und zu auch einfach mal schnell was zusammen manscht – und das am Ende auch noch heimlich lecker findet, gibt es auch bei der Serienkost junk food für zwischendurch, wenn man mal keine Lust auf komplexes Drama hat. Eins meiner dirty little pleasures der letzten Zeit war The Brink.

Obwohl man von HBO eigentlich hochwertige Serienkost gewöhnt ist, können die auch anders – The Brink ist eine Polit-Klamotte über insgesamt drei Knallchargen, die aus Versehen fast den dritten Weltkrieg anzetteln und den einzigen intelligenten, aber deshalb auch völlig unterschätzten US-Politiker, der das gerade noch so verhindern kann. Der erste Reflex, wenn man so etwas hört, ist hierzulande die bange Frage, ob man über solche Dinge überhaupt Witze machen darf – weshalb es in Deutschland weder richtig gute Politik- , noch gute Comedy-Serien gibt. Deshalb hält man etwa beim ZDF so etwas wie die heute Show für lustig, während wirklich intelligente Satire wie das Schmähgedicht von Jan Böhmenmann, was eigentlich ein kurzweiliges Referat über die eigentlich verbotene Schmähkritik ist, prompt nicht nur zensiert, sondern auch noch strafrechtlich verfolgt wird.

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Dabei darf man nicht nur Witze über idiotische Politiker und deren Politik machen – man muss es sogar! Und je unkorrekter, desto besser. Allerdings heißt das nicht, dass unkorrekte Witze über geopolitische Krisen automatisch eine gute Serie ergeben: The Brink ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Aber die Serie ist eben auch nicht dermaßen schlecht.

Worum es überhaupt geht: Alex Talbot (Jack Black) ist ein nicht besonders wichtiger Angestellter der US-Botschaft in Islamabad, Pakistan. Der will eigentlich nur Marihuana kaufen und gerät mit seinem Fahrer Rafi (Asif Mandvi) in einen politischen Umsturz, durch den der irre General Zaman (Iqbal Theba) an die Macht kommt. Damit bekommt der gefährliche Irre auch Zugriff auf das Atomwaffenarsenal Pakistans – und Zamans fixe Idee ist, eine Atomrakete auf Tel Aviv abzufeuern. (Die Pakistanis haben sich aber meines Wissens nicht getraut, den US-Botschafter einzubestellen, um ihm die Leviten zu lesen.)

Alex sieht seine große Chance gekommen: Er will das weiße Haus vor der Gefahr warnen und faxt vom Faxgerät des Onkel von Rafi, der ein bekannter Psychiater ist, ein vernichtendes psychiatrisches Gutachten über General Zaman nach Washington. Dort gibt es eine Krisensitzung und eine zu erwartende Konstellation: US-Präsident Julian Navarro (Esai Morales) ist ein opportunistischer Idiot, natürlich gibt es verbissene Militärs, deren Denken noch immer im kalten Krieg verhaftet ist und eine smarte Assistentin (Maribeth Monroe), die immer wieder die Situation retten muss. Und dann gibt es auch noch durchgeknallte Kampfpiloten, die schon mal die Drohnen von Verbündeten abschießen, wenn sie die falschen Pillen eingeworfen haben und sich dann auch noch selbst abschießen lassen, weshalb sie gerettet werden müssen.

Alex Talbot (Jack Black) und United States Secretary of State Walter Larson (Tim Robbins)

Alex Talbot (Jack Black) und United States Secretary of State Walter Larson (Tim Robbins)

Im Grunde wurde wohl versucht, so etwas wie Homeland oder House of Cards in lustig zu machen, was aber nicht wirklich gelungen ist. Denn sowohl Homeland als auch House of Cards sind ja jeweils schon auf der Kippe zur Satire, wenn man genau hinschaut: Jede Menge auf die Spitze getriebener Klischees, die aber ohne mit der Wimper zu zucken durchhalten werden, was letztlich dann auch die Qualität dieser Serien ausmacht: Weil sie sich trotz sämtlicher Übertreibungen und Zuspitzungen noch vollkommen ernst nehmen, geht der Zuschauer weiterhin mit – man weiß ja, dass das jetzt Fernsehen ist.

Oder man hofft das viel mehr, denn immer wieder überholt die Realität die Fiktion – man muss sich nur mal den Vorwahlkampf in den USA ansehen. So etwas hätten Drehbuchautoren bestimmt nicht gewagt sich auszudenken – das gibt es nur im wahren Leben.

Diese Kurve kriegt The Brink allerdings nicht und bleibt deshalb zu oft in billigem Slapstick stecken, obwohl schon eine Menge guter Ideen zumindest zu ahnen sind. Aber Polit-Comedy ist eine schwierige Sache, mir fällt da spontan nichts wirklich Gutes ein – wobei das britische Original von House of Cards ist ja wohl eine Polit-Comedy. Hierzulande wurde so etwas ähnliches mit MdB Eichwald versucht – was übrigens auch gar nicht so schlecht ist. Aber eben auch nicht so richtig gut.

Was daran liegen mag, dass die Idee zu The Brink von Ally-McBeal– und Weeds-Autor Roberto Benabib und seinem Bruder Kim Benabib kommt, das sind Serien, die durchaus ihre Fans haben, die ich aber bestenfalls auch nur so mittelhalbgut finde, weshalb ich da auch nur aus wissenschaftlichem Interesse reingezappt und mich ziemlich schnell nach anderem Stoff umgesehen habe – The Brink habe ich dagegen wirklich Folge für Folge angesehen, das war dann doch eher mein Fall. Aber es gibt ja auch nur eine Staffel. Das kann auch ein Vorteil sein.

Die Bruchpiloten Lieutenant Commander Zeke "Z-Pak" (Pablo Schreiber) und Lieutenant Glenn "Jammer" Taylor (Eric Ladin)

Die Bruchpiloten Lieutenant Commander Zeke „Z-Pak“ (Pablo Schreiber) und Lieutenant Glenn „Jammer“ Taylor (Eric Ladin)

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