Ain’t Them Bodies Saints

Die Beschreibung von Ain’t Them Bodies Saints (deutscher Titel: Saints – sie kannten kein Gesetz)  liest sich ein wenig wie Bonnie und Clyde – aber zum Glück ist es eine ganz andere Geschichte. Rein theoretisch ist es natürlich auch ein Film über ein Verbrecher-Pärchen, aber keineswegs eine Heroisierung von Outlaws, Verbrechern und oder gar dem Verbrechen an sich als gegen die verdammte Scheißgesellschaft gerichteter Akt. In Ain’t Them Bodies Saints  wird eine erstaunlich unspektakuläre und am Ende irgendwie vernünftige Geschichte erzählt- weshalb mir der Film gefällt. Dazu kommt, dass David Lowery in dabei schönen, etwas sepia-stichigen Bildern schwelgt,  was der Geschichte eine melancholische Grundnote verleiht, jedoch ohne in Kitsch abzugleiten.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Ruth (Rooney Mara) und Bob (Casey Affleck)

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Ruth (Rooney Mara) und Bob (Casey Affleck)

Ruth Guthrie (Rooney Mara) und Bob Muldoon (Casey Affleck) sind ein Paar. Und es macht ihnen Spaß, auf der anderen Seite des Gesetzes zu stehen – auch wenn für den Film gar keine Rolle spielt, was genau sie eigentlich verbrochen haben. Ruth fährt das Fluchtfahrzeug, ihre kleine Gang wird von der Polizei verfolgt und gestellt, sie suchen in einem verlassenen Haus Deckung und liefern sich ein Feuergefecht mit der Polizei. Ruth schießt einen der Polizisten nieder, ihr Kumpel Freddy wird tödlich verletzt. Als Ruth und Bob erkennen, dass ihre Lage aussichtslos ist, beschließen sie, sich zu ergeben. Und weil Ruth schwanger ist, nimmt Bob alle Schuld auf sich, damit Ruth in Freiheit leben und ihr gemeinsames Kind aufziehen kann.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Ruth (Rooney Mara) und Bob (Casey Affleck)

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Ruth (Rooney Mara) und Bob (Casey Affleck)

Wie erwartet, bekommt Bob eine lange Haftstrafe aufgebrummt. Ruth zieht in das Haus neben Skerrit (Keith Carradine) ein, dem Vater ihres getöteten Verbrecher-Freundes und erklärt ihm, dass sie auf Bob warten werde. Skerrit vertritt selbst eine eher alternative Auffassung von Ehre und Moral und so unterstützt er die Freunde seines toten Sohnes. Ruth’s Tochter Sylvie kommt zur Welt und die Jahre vergehen. Ruth lebt ein ganz normales Leben und Sylvie wächst heran. Der Polizist, den Ruth angeschossen hatte, hat die Sache überlebt – und ironischerweise er entwickelt Gefühle für Ruth und ihre Tochter. Patrick (Ben Foster) weiß nicht, dass Ruth es war, die ihn angeschossen hat und nicht Bob.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Bob (Casey Affleck) ergibt sich

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Bob (Casey Affleck) ergibt sich

Bob hingegen schreibt Ruth Briefe aus dem Gefängnis und arbeitet an seiner Flucht. Nach fünf Jahren ist es soweit – er schafft es abzuhauen und lässt Ruth die Nachricht zukommen, dass er sie und Sylvie holen werde. Natürlich kommt die Polizei auch auf die Idee, dass Bob zu Ruth gehen wird und nimmt Kontakt mit Ruth auf. Aber nicht nur die Polizei ist hinter Bob her, auch ein paar freischaffende Kopfgeldjäger versuchen, ihn zu kriegen.

Ruth hingegen ist nicht blöd – natürlich liebt sie Bob noch, irgendwie, aber ihr ist klar, dass ihr und dem Kind ein klägliches Leben auf der Flucht beschieden sein wird, wenn sie jetzt mit Bob geht. Also lässt sie Bob über Skerrit die Nachricht zukommen, dass sie zwar gehen werde, aber nicht mit Bob: Wenn sie mit ihm käme, würden sie beide verfolgt, bis sie geschnappt würden und das sei kein Leben, das sie für ihre Tochter wünscht. Sie werde mit Sylvie in eine Stadt ziehen, in der niemand wisse, wer sie ist. Und wenn sie sich in ihrem neuen Leben eingerichtet habe, könnten sie später wieder zusammen kommen. Falls Bob es schaffen würde, sich ebenfalls ein neues Leben aufzubauen. Das ist natürlich nicht das, worauf Bob gewartet hat, der inzwischen bei seinem alten Kumpel Sweetie (Nate Parker) untergetaucht ist.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Ruth und Bob haben sich ergeben

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Ruth und Bob haben sich ergeben

Inzwischen feiert Ruth mit Sylvie deren vierten Geburtstag und bereitet ihre Abreise vor. Patrick kommt vorbei und schenkt Sylvie eine Kindergitarre. Ruth lädt ihn zum Abendessen ein. Bob fährt zu Ruths Haus und sieht vom Auto aus ausgerechnet Patrick in ihrem Wohnzimmer – völlig durcheinander fährt er wieder davon.

Ruth und Patrick haben derweil so etwas wie eine Aussprache – Patrick sagt Ruth, dass er gar nicht sauer auf Bob sei, das mit der Schussverletzung sei ja schließlich Berufsrisiko. Das erklärt auch, warum er Bob bei einigen Gelegenheiten, als er ihm auf den Fersen war, hat entkommen lassen, obwohl es die Chance gegeben hätte, ihn zu stellen. Patrick erklärt, er würde in Ruth und ihrer Tochter nur Gutes sehen.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Patrick (Ben Foster)

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Patrick (Ben Foster)

Daraufhin sagt Ruth, dass sie vor Gericht gelogen habe – es sei nicht Bob gewesen, der geschossen hätte. Patrick sagt Ruth, dass er das alles eigentlich gar nicht wissen wolle – es würde ohnehin nichts an seinen Gefühlen für sie ändern. Am nächsten Tag findet Sylvie Patrick und Ruth Arm in Arm auf dem Sofa vor.

Bob ist hingegen zu dem Schauplatz der Schießerei zurückgekehrt und versteckt sich dort – allerdings machen ihn die Kopfgeldjäger ausfindig. Es kommt zu einer weiteren Schießerei, bei der Bob einen von ihnen tötet und einen verletzt – allerdings wird er selbst auch getroffen. Er schleppt sich bis zur Straße und hält einen Autofahrer an. Der bietet ihm an, ihn in ein Krankenhaus zu fahren, aber Bob zwingt ihn, ihn zu Ruth‘ Haus zu bringen.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Skerrit (Keith Carradine)

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Skerrit (Keith Carradine)

Der dritte Kopfgeldjäger hat inzwischen Skerrit niedergeschossen – Patrick erschießt ihn und bringt Ruth und Sylvie in die Polizeiwache, wo sie erstmal sicher sind. Als er die beiden zum Haus zurück bringt, findet er den sterbenden Bob vor – er kümmert sich um Sylvie, während ihre Eltern letzte Worte austauschen. Alles in allem ein schöner Film in dem es vor allem um Liebe und Beziehungen geht – vor allem ja um eine Liebesgeschichte, die nicht gelebt werden kann und eine weitere, die auf den ersten Blick völlig unwahrscheinlich ist, sich dann aber doch als irgendwie plausibel herausstellt. Schon weil Ruth sich mit der Zeit als verantwortungsvolle Mutter entpuppt, die vor allem daran interessiert ist, ihrer Tochter ein ordentliches Leben zu bieten. Schön, dass in den USA trotz der grassierenden Blockbuster-Manie noch solche feinen und leisen Filme entstehen.

Auf den Film gekommen bin ich gar nicht zufällig über das Stichwort „Filme mit Rami Malek“, der allerdings nur einen kleinen Auftritt gegen Ende hat – er spielt Will, der den verwundeten Bob in seinem Auto mitnimmt. Eigentlich hatte er für die Rolle von Sweetie vorgesprochen, die allerdings an Nate Parker ging. Das nehme ich den Machern von Ain’t them Bodies Saints aber keineswegs übel, denn der Film ist so oder so sehenswert.

Screenshot Ain't Them Bodies Saints: Ruth und Sylvie

Screenshot Ain’t Them Bodies Saints: Ruth und Sylvie

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