eps2.2_init1.asec – komm, lass uns die Kichererbsen zählen

In der neuen Folge eps2.2_init1.asec geht Elliot endlich wieder an den Computer – aber er brauchte für diese Entscheidung auch einen dringlichen Notruf von Darlene. Denn inzwischen gerät auch Elliots bisher sehr toughe und fokussierte kleine Schwester in Panik – und wir erfahren, dass sie zuvor schon an Panik-Attacken gelitten hat. Wobei sie findet, dass es heutzutage noch kranker ist, keine Panik-Attacken zu haben. Dem kann ich nur zustimmen, wenn man sich ansieht, in welchem Zustand die Welt ist.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Wie so oft beginnt der neue Teil mit einer Rückblende – Elliot sitzt in seiner alten Wohnung am Computer, als es heftig an der Tür klopft. Als er schließlich öffnet, steht Darlene dort – mit jener fsociety-Maske, die sie gerade in einem 99-Cent-Shop gekauft hat. Es ist Halloween und sie bittet ihren Bruder, der von ihrem Besuch wenig begeistert ist, den Abend mit ihr zu verbringen. Weil Elliot erwartungsgemäß ablehnend reagiert, benutzt Darlene ein Codewort, auf das ihr sozial gestörter Bruder einfach reagieren muss: Init-1. Das steht sowohl für den Einzelnutzer-Modus bei Unix-Rechnern, als auch für einen Notfallmodus – und für sie ist es ein Notfall. Und nur Elliot kann helfen.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Elliot ist dann doch großer Bruder genug, um mit seiner Schwester ihren gemeinsamen Lieblingsfilm anzusehen – The Careful Massacre of the Bourgeoisie, ein vorgebliches 80er-Jahre-Untergrund-Teenie-Spatter-Movie, das extra für die Serie erfunden wurde. Darlene führt sämtliche psychischen Störungen der Alderson-Geschwister auf diesen Film zurück. Sie postet schließlich sogar ein Foto auf Instagram, was sie sonst nie tut, aber „die Leute müssen wissen, dass es diesen Film gibt!“ Detailverliebte Filmfreaks können sich allein schon über die Filmauswahl, die in der Torrent-Bibliothek auf Elliots Rechner kurz zu sehen ist, in Begeisterungsdelirien hineinsteigern: Unter dem Buchstaben C finden sich Capote, The Careful Massacre of the Bourgeoisie, Carrie, Child’s Play, Chinatown, Chungking Express, Citizen Four, Citizen Kane, A Clockwork Orange, Closer, Comet, The Conversation, Cool Hand Luke, Creep, und schließlich Cries and Whispers. Allein darüber könnte man eine Hausarbeit schreiben – Comet ist natürlich ein besonderer Insider-Witz, der einzige Film nämlich, den Sam Esmail gemacht hat, bevor er sich mit Mr Robot in die erste Liga der Serienmacher katapultiert hat.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Nachdem die beiden zum Film etwas geraucht haben, erzählt Elliot, dass er gerade gefeuert wurde – er hat nämlich mal wieder einen Job zu gut gemacht: Elliot hat auftragsmäßig eine Firma gehackt, und die ITler haben es nicht hingekriegt, die Server dagegen zu schützen – aber dann kam der Feiertag und das freie Wochenende und alle wollten nach Hause. Die genervten Techniker haben Elliot kurzerhand im Serverraum eingesperrt. Als er später zu sich kam, waren alle Server zerstört. Elliot konnte sich zwar an nichts erinnern, wurde aber nicht nur rausgeworfen, sondern auch zu einer Anti-Aggressions-Therapie verdonnert. So kam er also zu Krista.

Als Darlene bedauert, dass sie sich nicht wirklich an ihren Vater erinnern kann, zeigt Elliot ihr die Mr-Robot-Jacke, die ihr Vater früher getragen hat – Elliot bewahrt sie offenbar wie eine Reliquie in seinem Schrank auf. Darlene verlangt, dass Elliot sie anzieht – und die Maske aufsetzt, die sie mitgebracht hat: Vor ihren Augen verwandelt sich Elliot in Mr. Robot. Er hat eine Idee, wie er E-Corp zerstören könnte – vielleicht sollte er den Job bei Allsafe annehmen, den Angela ihm aufschwatzen will. Er könnte dort als trojanisches Pferd den großen Hack vorbereiten. Darlene ist erschrocken und fasziniert zugleich, von dem, was da vor sich geht. Macht ihr Bruder Witze oder meint er das alles ernst?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Aber erst ziemlich viel später wird ihr klar, wie bitter ernst das alles ist: Ihr Freund Cisco spürt sie auf, denn er hat eine dringende Warnung: Das FBI war einer großen Sache auf der Spur, es gibt eine gigantische Ermittlung unter dem Begriff Berenstain. (Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Ersten Recherchen zufolge gab es wohl eine US-Zeichentrick-Serie The Bernstein Bears, meine erste Assoziation war natürlich das legendäre Bernsteinzimmer, aus dem Berliner Stadtschloss, das seit dem Ende des 2. Weltkriegs verschollen ist.)

Die Dark Army wird nervös, denn die befürchten, dass am Ende irgendwer von den society-Hackern etwas verraten hat – möglicherweise auch unwissentlich. Cisco weiß auch, dass das FBI die Arcade gefunden hat. Darlene wird daraufhin so panisch, dass sie sich an Elliot wendet, von dem sie ja weiß, wie instabil er gerade ist. Aber sie braucht ihn jetzt. Oder besser noch Mr Robot. Sie braucht nicht das Psychowrack, das ihr Bruder gerade ist, sondern einen fähigen Hacker, der ihr helfen kann, heraus zu finden, was gerade los ist. Und das ist ziemlich viel, und es klingt sehr bedrohlich. Nebenbei: Ich finds irgendwie sympathisch, dass Darlene mit Cisco einen Quickie im Klo der Kneipe, in der sie sich treffen, hinlegt. Sie verleugnet ihre menschlichen Bedürfnisse weniger konsequent als ihr Bruder. Weshalb sie vermutlich lebenstüchtiger ist. Wie ich hoffe.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Elliot hat weiterhin seine Kämpfe mit Mr Robot: Der ist nämlich nicht zu besiegen, wie Elliot inzwischen gelernt hat – sie spielen Schach, Mr. Robot und er, und zwar um seine Existenz. Ray hat ihm ein Schachspiel mitgegeben, damit er zuhause üben kann. Aber Elliot kann Mr. Robot nicht schlagen, genau wie Mr. Robot ihn nicht schlagen kann. Sogar  Krista empfiehlt ihm schließlich, dass er Mr. Robot als Teil seiner selbst besser akzeptieren müsse – er könne ihn nicht auslöschen ohne einen Teil seiner selbst auszulöschen. „Aber tun Menschen das nicht dauernd?“ fragt Elliot – die Teile von sich selbst ausradieren, die man an sich nicht leiden kann, ob es nun Warzen oder schiefe Zähne sind.

Aber Elliot ist nicht der einzige, der gegen sich selbst kämpft. Angela hat sich offenbar auf das Angebot, dass Philip Price gemacht hat, eingelassen: Sie hat die Informationen über einen hässlichen Insider-Deal an die Anwältin Nayar weiter geleitet – jedenfalls werden die beiden Manager, die sie im Teil zuvor kennengelernt hat, von der Polizei abgeführt. Angela trifft sich später mit Nayar, der sie erklärt, dass sie noch dabei ist, herauszufinden, was Price eigentlich von ihr will. Vielleicht ist sie doch nicht übergelaufen, sondern macht jetzt das, was Elliot mit seinem Job bei Allsafe gemacht hat?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Sie hat eine Idee, sie hat die ganze Sache offenbar auch viel genauer analysiert, als es erst den Anschein hatte, aber Price reagiert auf ihre Forderungen ganz anders, als Angela erwartet hat. Sie redet sich auch weiterhin ein, dass sie mit der richtigen Einstellung ihre eigene Realität kreieren kann – aber wenn sie damit nun auf dem Holzweg ist? So richtig klar wird das alles noch nicht, aber vermutlich wird es noch eine Rolle spielen. Auf jeden Fall ist Angela darauf aufmerksam geworden, dass es bei der Vertuschung des Washington-Township-Skandals noch eine weitere interessierte Partei gegeben haben muss.

Philip Price hat auf jeden Fall auch eine eigene Agenda – er telefoniert mit Whiterose, die endlich wieder einen Auftritt hat. Whiterose erscheint dieses Mal in einem grandiosen Outfit, das aus einem nostalgischen Wong-Kar-Wei-Film stammen könnte – mit Chungking Express ist ja auch ein Wong-Kar-Wei-Film in Elliots Filmliste, was gewiss kein Zufall ist. So richtig glücklich scheinen Price und Whiterose mit dem Fortgang der Dinge nicht zu sein. Die Uhr von Whiterose tickt weiterhin sehr schnell – auch Price bekommt seine Zeit nur minutenweise zugemessen, was er als selbsterklärter Master of the Universe nur schwer verdauen kann. Aber Price entgegnet: „Auch wenn Rom an einem einzigen Tag niedergebrannt ist – es wurde nicht an einem Tag erbaut – so schmerzvoll das für Sie zu hören ist.“ (In der letzten Szene der ersten Staffel war Whiterose zu Price gekommen, um Rom brennen sehen). Whiterose beendet das Gespräch und wendet sich einem männlichen Chinesen zu, der den Raum betritt. Sie ändert die Stimmlage und redet chinesisch, ganz Grande Dame. Sie wird nun Geduld brauchen, erklärt sie, so sehr sie das auch hasst.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Geduld braucht auch Joanna Wellick – oder eher Geld. Es gibt weiterhin nichts Neues von ihrem Ehemann Tyrell. Und E-Corp gibt kein Geld für sie frei. Die derzeit alleinerziehende Mutter kann bald nicht mal mehr den Parkplatzwärter bestechen, auf dessen Parkplatz das Auto ihres Mannes nach dem Hack gefunden wurde. Sie sucht Scott Knowles auf und bietet ihm an, auszusagen, dass Tyrell in der Nacht des Mordes an Scotts Frau Sharon nicht nach Hause gekommen sei, wenn Scott im Gegenzug dafür sorgt, dass Joanna Zugriff auf ihre Konten bekommt. Aber Scott hat keineswegs die Absicht ihr zu helfen: Wenn sie kein Geld mehr hat, bekommt das Kind seines Widersachers Tyrell ja genau das, was es verdient.

Interessanterweise scheint die Eiskönigin Joanna gleichzeitig echte Gefühle für ihren Lover Derek zu haben: Als der träumt, er würde sie vielleicht mal nach Madrid mitnehmen, wenn er da einen Job bekommt, erklärt sie ihm, dass er niemals in der Lage sei, ihr zu bieten, was er da gerade sagt. Aber genau deshalb würde sie ihn lieben: Sie hätte das alles ja schon gehabt, Europa, den ganzen Luxus – und es hätte sie nicht glücklich gemacht. Sie bräuchte nur ihn. Mal sehen, ob das für ihn gut ausgeht.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Weiterhin symphatisch finde ich Leon – der Elliot offenbar auf eine richtige Spur bringt. Bei Ray bin ich mir nicht so sicher – der hat nämlich auch eine eigene Agenda. Und er weiß einiges über Elliot. Will er tatsächlich nur Elliots Fähigkeiten für sein eigenes sinistres Geschäft benutzen, oder gibt es da noch mehr? Andererseits hilft er Elliot in gewisser Weise ja auch mit sich selbst klarzukommen und es ist sein Computer, den Elliot letztendlich benutzt, um mit Darlene zu kommunizieren, nachdem er ihren neuen Hilferuf bekommen hat. Auch wenn er eigentlich will, dass Elliot ihm bei der Migration seiner Webseite hilft, mit der, wie wir ahnen können, dunkle Geschäfte getätigt werden.

Eine Anmerkung noch zur Musik: Eigentlich bin ich kein Fan der Spätromantik, aber der Einsatz der Orchester-Suite The Planets des englischen Komponisten Gustav Holst fand ich grandios – bekannte Filmkomponisten wie John Williams, der Musik für Star Wars oder Superman geschrieben hat, wurden davon inspiriert. Sam Esmail hatte zuvor schon getwittert, dass in der dieswöchigen Folge ganz tolle Musik dabei sei – wenn man sie hören würde, würde man schon wissen, was er meine. Ich hatte überhaupt keine Idee, was er damit meinte, aber es war so. Ich hörte es und ich wusste.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Mit einem Auge habe ich natürlich auch schon wieder im Blick, dass einige über den insgesamt nicht wirklich vorankommenden Handlungsverlauf bei Mr Robot unzufrieden sind: Aber, Leute, hier geht es ums Detail! Wobei mir das Problem INSGESAMT schon bewusst ist. Sam Esmail hat am 17. September Geburtstag. Der ist nunmal ein Erbsenzähler. Aber mit Vorfahren aus Ägypten. Also ein Kichererbsenzähler. Das wird noch. Da bin ich mir …ziemlich sicher.

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eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Mr. Robot auf Speed

Nach den ersten beiden Teilen der neuen Staffel von Mr. Robot war ich etwas besorgt, dass die eigentlich erfreuliche Meldung, dass sie statt 10 Teilen sogar 12 haben würde, darauf beruhen könnte, dass die Episoden, die sonst ungefähr eine Stunde lang sind, einfach auf 40 Minuten gekürzt würden und die Handlung letztlich nur über mehr Folgen verteilt wird – schließlich waren eps2.0_unm4sk-pt1.tc und eps2.0_unm4sk-pt2.tc auch nicht länger. Die dritte Episode eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd kommt allerdings wieder auf gut eine Stunde, insofern kann hier Entwarnung gegeben werden. Diese Stunde hat es auch wirklich in sich.

Elliot (Rami Malek) und Leon (Joey BadA$$) Bild: USA Network

Elliot (Rami Malek) und Leon (Joey BadA$$) Bild: USA Network

Zum Auftakt sehen wir Romero und Mobley in jener seit Jahren in Dornröschenschlaf befindlichen Spielarkade, die das Hauptquartier von fsociety werden wird. Romero zeigt Mobley das Gebäude und erzählt die Geschichte der Vorbesitzer, die natürlich eine atemberaubende Verkettung negativer Höhepunkte ist – abergläubige Menschen würden darauf schwören, dass dieser Ort verflucht sei und alles Übel der Welt hier seinen Anfang nehmen würde. Genau richtig also für einen Ort, an dem das Verbrechen des Jahrhunderts ausgeheckt werden soll.

Mobley hat offenbar gerade Darlene und Elliot kennengelernt – und Elliot will Romero kennen lernen. Romero ist nicht so richtig überzeugt von der Sache – erstens kommt er gerade aus dem Knast und zweitens ist das kein Auftrag, bei dem er schnell fette Kohle machen kann. Aber Mobley schafft es, Romeros Interesse zu wecken, in dem er an seine Eitelkeit als Hacker appelliert und erwähnt, dass es auch darum ginge, die Leute zu ruinieren, wegen denen er sieben Jahre seines Lebens im Gefängnis verloren hat.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Romero (Ron Cephas Jones) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Romero (Ron Cephas Jones) und Mobley (Azhar Khan)

Doch damit ist der unterhaltsame Teil auch schon zu Ende. Als Mobley in der traurigen Gegenwart nach Five/Nine versucht, Romero zu finden, liegt dieser tot auf der Veranda, auf der er auch sein Supergras gezüchtet hat. Mobley bekommt Panik – das ist schon der zweite Tote im Zusammenhang mit dem Five-Nine-Hack. Steckt am Ende die Dark Army dahinter? Räumen die jetzt unter den Mitwissern auf? Oder war es doch nur eine Drogengeschichte, weil ein Kunde nicht bezahlen wollte oder ähnliches? Natürlich hat auch Mobley eine angemessene Hacker-Paranoia und er traut weder der arroganten Darlene, noch ihrem völlig durchgeknallten Bruder Elliot über den Weg. Das teilt er auch Trenton mit, die ja ebenfalls an der Sache beteiligt war. Mobley fürchtet, dass er und Trenton die nächsten Opfer sein könnten.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Damit sind wir dann aber wieder bei Elliot – der tatsächlich völlig abgedreht ist und ohne Rücksicht auf Verluste versucht, Mr. Robot los zu werden. Sein Kampf mit seinem alternativen Ich nimmt den größten Teil dieser Folge ein – aber Mr. Robot ist nicht loszuwerden. Elliot versucht es wieder mit Drogen, allerdings nicht mit Morphin, sondern mit Adderall, dem Ritalin für die US-Leistungsgesellschaft. Das wirft er gleich handvollweise ein, damit er nicht im Schlaf von Mr. Robot überrascht werden kann. Elliot redet sich ein, dass er ja mitkriegt, was er tut, solange er wach ist. Und die ersten ein, zwei Tage geht das auch gut – auf Adderall, das ihm sein neuer Freund Leon besorgt, kann er sich plötzlich nicht nur wunderbar auf die absurden Dinge konzentrieren, die Menschen den ganzen Tag tun, sondern endlich auch mal wieder aus sich heraus gehen: Im Bibelkreis glaubt er plötzlich, Gott gefunden zu haben und klopft allen euphorisch auf die Schultern, auf dem Sportplatz geht er bei den Spielen auf einmal richtig mit, wenn ein Korb geworfen wird. Er fragt sich, warum er nicht viel früher darauf gekommen ist: Mit der richtige Droge wird das normale Leben gleich viel einfacher.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek)

Auch wenn Leon diese Entwicklung gar nicht gefällt: Dass Elliot jetzt mit ihm über Seinfeld diskutiert, statt wie zuvor nur zuzuhören, ist einfach schräg, vor allem, weil Elliot mit glänzenden Augen viel zu schnell redet – wie man halt quatscht, wenn man auf Speed ist. Und Elliot ist voll auf Dextroamphetamin – doch nach einigen Tagen ohne Schlaf wird aus seiner Euphorie ein zähes Ringen mit seinem Bewusstsein, das zunehmend Störungen aufweist – visuell umgesetzt durch Bildstörungen, plötzlich lösen sich Gegenstände in groben Pixelkötzchen auf, der Zuschauer bekommt also mit, wie Elliot die Kontrolle verliert.

Überhaupt ist es nicht einfach, sich anzusehen, was Elliot durchmacht – das war es ja in der ersten Staffel auch nicht, etwa in eps1.3_da3m0ns.mp4, wo sich Elliot auf Morphin-Entzug bereits die Seele aus dem Leib gekotzt hat. Jetzt gibt es eine Steigerung davon, so sieht Elliot neue Varianten der schwarzen Männer, die ihn in der ersten Staffel schon verfolgt haben – doch jetzt entführen sie ihn sogar und flößen ihm mit einen Trichter eimerweise Zement ein. Doch es stellt sich heraus, dass Elliot einfach die Überdosis Adderral auskotzt, die er sich verabreicht hat, damit Mr. Robot endlich die Fresse hält. Doch kaum hat er das Zeug aus sich heraus gewürgt, da wühlt er schon wieder im Erbrochenen, um die Reste der noch nicht aufgelösten Pillen wieder zu schlucken – das ist eklig und erschütternd, aber es beschreibt sehr gut, wie verzweifelt er versucht, sein dunkles Ich in den Griff zu bekommen. Das übrigens plötzlich wie Heisenberg aussieht, also das geniale böse Ich von Walter White aus Breaking Bad. So berechtigt die Lobpreisungen für die darstellerische Leistung von Rami Malek in der ersten Staffel waren – in dieser Folge ist er noch besser.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) auf Adderall

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) auf Adderall

Mein persönliches Highlight ist Elliots Monolog über das Wesen organisierter Religion, den er in völliger Übermüdung vor seiner Kirchengruppe hält: Man kennt ja diese Elliot-Monologe, etwa wenn er seinen Frust über die Gesellschaft bei seiner Psychologin Krista loslässt, die plötzlich insistiert: „Elliot – Sie sagen ja gar nichts?“ Denn Elliot weiß, dass er mit seiner persönlichen Analyse der Dinge Unverständnis oder gar Verunsicherung auslösen könnte. Also sagt er lieber nichts, weil man in der Regel besser fährt, wenn man nichts sagt, anstatt das, was keiner hören will.

Und Elliot zieht jetzt wirklich vom Leder und redet über den großen Betrug sämtlicher einschlägiger Religionsanbieter, die doch allesamt nur dazu da sind, die Leute zu knechten und klein zu halten, statt sie zu einem bewussteren Leben oder gar besseren Leben zu führen. Und überhaupt – bevor er sich mit dem unsichtbaren Freund dieser verblendeten Menschen da unterhält, redet er doch lieber mit seinem eigenen unsichtbaren Freund. Selbst wenn er noch nicht geblickt hat, auf welcher Seite der eigentlich steht. Plötzlich stellt er überrascht fest, dass er all das laut ausgesprochen hat. Die Gesichter der anderen Bibelkreisteilnehmer sprechen Bände. Elliot geht – und schmeißt sein Tagebuch in den Mülleimer. Interessanterweise landet es später bei Ray, jenem geheimnisvollen „Freund“ aus der Nachbarschaft, der – woher auch immer – weiß, dass Elliot gut mit Computern ist.

Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Es hat sich inzwischen auch heraus gestellt, dass Ray irgendwie mit illegalen Geschäften zu tun haben muss – warum sonst ist es ein Problem für ihn, dass ein inzwischen schwer demolierter Sysadmin es nicht schafft, irgendwelche Bitcoin-Konten, die ständig an Wert verlieren, auf einen anderen Server zu migrieren? Der bemitleidenswerte Mensch erklärt, dass er nun mal nicht die erforderlichen Fähigkeiten dazu habe. Die Elliot gewiss hätte – aber woher weiß Ray das? Die Tatsache, dass der freundliche Ray ebenfalls ein bisschen neben der Spur ist und sich seit Jahren zum Frühstück mit seiner toten Frau unterhält, während er selbst an der Dialysemaschine hängt, erklärt das jedenfalls nicht.

Interessant ist auch die Entwicklung von Angela – diese macht ihren Job als PR-Managerin bei E-Corp weiterhin sehr gut – sie wagt es sogar, ihrem Boss Philip Price zu widersprechen, der für die Berichterstattung lieber auf Fox als auf Bloomberg setzen will. Zu ihrer Überraschung sieht Price das sogar ein. Und er lädt sie in ein angesagtes italienisches Restaurant ein, in dem es das weltbeste Semifreddo geben soll. Doch das vermeintliche Date entpuppt sich als Business-Dinner – der E-Corp-CEO stellt Angela zwei weitere Mitglieder der Geschäftsführung vor, fähige Manager, die sich nebenbei für soziale Dinge engagieren und offenbar echte Familienmenschen sind.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) hat wirklich eine Erleuchtung

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) hat wirklich eine Erleuchtung

Nachdem Price die beiden nach dem Essen heraus komplementiert hat, lässt er die Bombe platzen: Die beiden waren, genau wie Terry Colby, damals anwesend, als die Entscheidung fiel, den Washington-Township-Giftmüll-Skandal unter den Teppich zu kehren. „Gewöhnliche Menschen, die ungewöhnliche Entscheidungen treffen!“ Price gibt Angela eine CD oder DVD, auf der genügend Material sein soll, um die Karrieren dieser Manager zu zerstören. „Wenn Sie die Emotionen außen vor lassen, werden Sie das richtige tun!“ Die spannende Frage ist natürlich, warum Philip Price die beiden los werden will. Und vor allem, was er eigentlich mit Angela vor hat.

Und dann gibt es noch eine weitere Protagonistin, die wir in dieser Folge näher kennenlernen: Dominique DiPierro (Grace Gummer). Die FBI-Agentin untersucht den Five/Nine-Hack. Sie gefällt mir ziemlich gut: Der vergleichsweise ausführliche Blick auf ihr Privatleben verrät, dass sie eigentlich keins hat – sie sieht nachts alberne Fernsehsendungen und versucht, zu irgendwelchen Flirt-Chats zu masturbieren, was sie dann aber aufgibt, um ihre virtuelle Assistentin, die hier nicht Siri oder Cortana, sondern Alexa heißt, zu fragen, wann endlich das Ende der Welt bevor steht. Doch Alexa hat leider nur eine ernüchternd rationale Antwort parat. Auch an der Art, wie DiPierro sich dann für ihren neuen Arbeitstag zurecht macht, ist deutlich zu sehen, dass sie keine allzu positive Lebenseinstellung hat, obwohl sie zweifelsohne gut in ihrem Job ist. Das gefällt mir.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Dominique DiPierrio (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Dominique DiPierrio (Grace Gummer)

Jetzt, nachdem mit Gideon Goddard und Romero zwei irgendwie involvierte IT-Experten ermordet wurden, wird der ganze Fall einerseits mysteriöser, andererseits entdeckt sie zufällig auch etwas Interessantes: Als gute Ermittlerin weiß DiPierro natürlich, dass Romeros Mutter an Arthritis leidet und ihr Sohn sie gegen die Schmerzen mit seinem guten Zeug versorgt hat. DiPierro kann ganz akzeptable Joints bauen – damit bekommt sie die Alte rum, sich mit ihr zu unterhalten. Die kann ihr nicht groß helfen – aber auf der Suche nach einem Wasserglas findet Dom DiPierro zufällig Ausdrucke von merkwürdigem Code und einen End-of-the-World-Party-Flyer. Der sie dann wiederum zu der Arcade der Fun Society führt. War Romero, der seinen Rechner mit Thermit gegen unbefugten Zugriff geschützt hat, das die relevanten Teile zerstört, wenn unbedarfte Bullen ihn auslesen wollen, tatsächlich so blöd und leichtsinnig? Unfassbar.

Bestimmt gibt es in den Codezeilen zur eigentlichen Kernel panik, die bei UNIX-Systemen bedeutet, dass das System nicht mehr kontrolliert betrieben werden kann (bei Windows kommt dann der berühmte Blue Screen), die zu Elliots Zusammenbruch eingeblendet werden, auch noch tolle Dinge zu entdecken, aber damit kenne ich mich nicht so aus, da warte ich auf die Fachpresse. Ansonsten bin ich sehr froh, dass es genauso schlimm weiter geht, wie zu erwarten war.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Ein entscheidender Hinweis

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Ein entscheidender Hinweis

Öffentliche Geldverbrennung

Inzwischen habe ich auch den zweiten Teil der ersten Folge unm4sk-pt2.tc gesehen – jetzt wird einiges klarer, obwohl natürlich nichts aufgeklärt wurde, sondern noch mehr Chaos herrscht. Der zweite Teil beginnt mit einem Geniestreich von fsociety: Nachdem sich Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell) als CTO von E-Corp bereit erklärt hat, auf die Forderung der Hacker einzugehen und das von Darlenes Erpressung-Trojaner geforderte Lösegeld von 5,9 Millionen Dollar („Den Betrag finden wir doch zwischen unseren Sofakissen!“ erklärt E-Corp-Justiziarin Susan Jacobs) persönlich zu übergeben, wird er gezwungen, das Geld im Battery Park öffentlich zu verbrennen. Um die Demütigung perfekt zu machen, muss er dabei auch noch diese alberne fsociety-Maske tragen.

unm4sk-pt2.tcScreenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Öffentliche  Geldverbrennung

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Öffentliche Geldverbrennung

Das sorgt natürlich für reichlich Aufmerksamkeit in den Sozialen Netzwerken – E-Corp verbrennt das Geld der Menschen jetzt auch noch ganz wörtlich vor aller Augen. Trotzdem beweist E-Corp-CEO Philip Price (Michael Christopher) geradezu dämonisches Verhandlungsgeschick, als ihm die US-Regierung in Washington nun endlich den Geldhahn zudrehen und ihn zum Rücktritt zwingen will: Genau das würde das letzte bisschen Vertrauen zerstören, dass die Menschen noch in die Institutionen hätten – und auf das Vertrauen der Leute käme es jetzt gerade an. Letztlich seien die eigentlichen Zahlen doch völlig gleichgültig, solange die Menschen nur glauben würden, dass das System weiterhin funktioniert: Dann funktioniere es auch, eben weil die Leute mitmachen. Insofern habe die Regierung gar keine andere Wahl, als ihn und E-Corp weiterhin zu unterstützen. Natürlich hat sie keine Wahl.

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Und genau so ist es ja tatsächlich: Genau das ist die Grundlage moderner, freiheitlicher (und kapitalistischer, wobei das ja dasselbe ist) Gesellschaften: Zwar geht es den meisten Menschen damit objektiv gar nicht so gut, aber weil sie glauben, dass es nun mal die beste aller Möglichkeiten sei, machen sie artig mit. Und genau diese ergebene Haltung der Leute wollte fsociety verändern – aber damit sind die rebellischen Alderson-Geschwister und ihre Mitstreiter gescheitert.

Aber während Elliot sich jetzt selbst immer neue Regeln auferlegt, um diesen anarchistischen Mr. Robot in seinem Kopf in den Griff zu bekommen, kämpft Darlene ihren Kampf weiter, auch wenn sie bis auf den standhaften Mobley keine verlässlichen Mitstreiter mehr hat.

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Darlene (Carly Chaikin)

Im zweiten Teil erfahren wir endlich aus mehr darüber, wie die anderen sich mit den neuen Zuständen arrangiert haben: Joanna Wellick, die Elliot im letzten Teil der ersten Staffel noch auf dänisch damit gedroht hat, ihn umzubringen, sofern er ihrem Ehemann Tyrell etwas angetan haben sollte, hat sich einen neuen Lover (Chris Conroy als Derek) für ihre Sadomaso-Spielchen zugelegt. Allerdings will sie sich auf keinen Fall mit ihm sehen lassen – man kann ja nie wissen. Und siehe da: Jemand lässt ihr ein rätselhaftes Geschenk zukommen, eine kitschige Spieluhr, unter der ein Smartphone versteckt ist. Versucht Tyrell auf diese Weise mitzuteilen, dass er noch lebt? Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter?

Rätselhaft ist auch, was in Angela vorgeht: Dass sie einen gewissen beruflichen Ehrgeiz an den Tag legt, hat sie ja bereits bei Allsafe gezeigt, auch wenn sie dort nicht weit damit gekommen ist. Wesentlich erfolgreicher war sie bekanntlich damit, den Ex-CTO von E-Corp, Terry Colby in die Knie zu zwingen und die Anwältin Antara Nayar (Sakina Jaffrey) zu überzeugen, erneut ein Verfahren gegen E-Corp aufzurollen. Nachdem Colby ihr mit einer Empfehlung einen Job in der Presse-Abteilung von E-Corp verschafft hat, wird auch Philip Price auf Angela aufmerksam, wobei Angela noch nicht sicher ist, was sie davon halten soll: Schließlich arbeitet sie nun für die Leute, die ihre Mutter und Elliots Vater gekillt haben.

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Nun, einen Monat später, geht Angela in ihrem Job total auf. Sie ist bei ihren alteingesessenen Kolleginnen zwar nicht sehr beliebt, weil sie sich nichts sagen lässt, erreicht aber mit genau dieser Methode bei den Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern, dass die auf ihre Bedingungen eingehen. Genau das ist schließlich ihr Job, aus dem sie nun neues Selbstbewusstsein schöpft. Und den will sie unbedingt behalten, deshalb serviert sie auch Anwältin Nayar ab, die meint, dass es für die Klage gegen E-Corp schlecht aussieht, wenn Angela für genau diesen Laden arbeitet: Sie, Angela hätte schließlich schon mehr für die Klage getan als alle anderen. Was nicht völlig von der Hand zu weisen ist – schließlich wollte Angela eigentlich für Nayar arbeiten, die das wiederum abgelehnt hatte, weil sie Angela nicht ausreichend qualifiziert dafür fand, obwohl sie es geschafft hatte, mit Terry Colby einen Insider zum Reden zu bringen.

Trotzdem finde ich Angelas radikalen Sinneswandel nicht wirklich nachvollziehbar – und die hohlen Selbstkonditionierungsphrasen, mit denen sie sich in ihrer neuen Luxuswohnung ein positives Verhältnis zum Erfolg einredet, machen die Sache nicht glaubwürdiger. Was ist da los?

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Ray (Craig Robinson) und Elliot (Rami Malek) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Ray (Craig Robinson) und Elliot (Rami Malek) Bild: USA Network

Das fragt sich auch Elliot, der auf dem Sportplatz hartnäckig von einem gewissen Ray (Craig Robinson) angequatscht wird. Ray ist ebenso freundlich wie redselig und hat einen Hund, der Elliot mag und er weiß – woher auch immer – dass Elliot ihm möglicherweise bei Computerproblemen helfen kann. Elliot sagt ihm, dass er so etwas nicht mehr tue und überhaupt, er wolle jetzt echt kein Arschloch sein, aber bitte schön einfach seine Ruhe haben.

So ist Elliot auch entsprechend irritiert, dass Ray ihn weiterhin sehr vertraulich anspricht – und dann erstaunt feststellt, dass Elliot sich offensichtlich wirklich an nichts erinnern könne. Elliot wird panisch und rennt weg: An was kann er sich nicht mehr erinnern?

Auch seine Aufzeichnungen verraten nichts über ein Treffen mit Ray: Mr. Robot hat sich offenbar wieder selbstständig gemacht und tut Dinge, von denen Elliot nichts weiß. Ja, er behauptet sogar, dass die Leute IHN sehen würden und nicht Elliot. Lächerlich! Oder vielleicht doch nicht? Elliot muss zu seiner Kirchengruppe – es ist tatsächlich ein Bibelkreis und keine Selbsthilfegruppe, wie ich erst noch vermuten wollte. Hier ringt Elliot weiterhin mit seinem Bewusstsein, er kann sich kaum wach halten, während die anderen sich markanten Bibelstelle vorlesen – aber er braucht ja nur ab und zu mal „Amen!“ zu sagen.

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) Bild: USA Network

Derweil entwickeln sich die Dinge für Gideon Goddard noch viel dramatischer: Er wird von einem Unbekannten in einer Bar erst in ein Gespräch verwickelt und dann niedergeschossen – dabei durfte er zuvor noch erklären, dass er doch ein viel zu kleines Licht für eine Symbolfigur im großen E-Corp-Skandal sei. Jetzt ist er als Attentat-Opfer definitiv zu einer geworden. Aber wer ist der Attentäter? Und was ist sein Motiv?

Immerhin wird zum Schluss der Folge nahegelegt, dass Tyrell Wellick offenbar noch lebt – denn wer sonst sollte die Telefonnummer von Elliots Mutter rausgekriegt haben und Elliot mit der immer wieder ebenso unangebrachten wie markanten Phrase „Bonsoir, Elliot!“ begrüßen?

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek)

Endlich geht es weiter: Mr. Robot

Weil die Internetsituation in Griechenland besser als erwartet ist, kann ich jetzt doch rechtzeitig zur Start der zweiten Staffel von Mr. Robot einen Eindruck liefern. Inzwischen erreicht die Serie um den psychisch angeschlagenen Hacker Elliot Alderson Kultstatus – einschlägige Blogs bombadieren die Fans bereits seit Wochen mit Countdowns zum heutigen Staffelstart und kündigen fachkundige Begleitung für die neuen Folgen an, es wird nicht nur die üblichen Besprechungen der weiteren Teile, sondern auch jede Menge weiterer Events, etwa Livediskussionen nach jeder Folge geben, in denen Sicherheits- und andere Experten ihren Senf zeitnah dazugeben können. Die spannende Frage ist nun, ob dieser ganze Hype gerechtfertigt ist.

Screenhot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) gibt die entscheidenden Codezeilen ein.

Screenhot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) gibt die entscheidenden Codezeilen ein.

Nach der Auftaktfolge unm4sk-pt1.tc denke ich das schon – auch wenn sie micht nicht so in den Bann zog, wie das die Pilotfolge im vergangenen Frühjahr geschafft hat. Wobei der Vergleich natürlich auch unfair ist: Bei hellofriend.mov kam etwas wirklich Neues, Unerwartetes. nm4sk-pt1.tc  dagegen nimmt den Faden wieder auf – und beginnt entsprechend mit dem Hack, den Elliot in jener verlassenen Arcade startet, die das Hauptquartier von fsociety ist. Tyrell Wellick sieht dabei zu, wie Elliot die entscheidenden Codezeilen eingibt und damit das Chaos auslöst, das in der ganzen Folge immer wieder auf den Straßen von New York und auf dem Fernsehschirm von Elliots Mutter zu sehen ist. Danach wird aber keineswegs das Rätsel gelöst, was denn nun mit Tyrell passiert ist, sondern der kleine Elliot fällt aus dem Fenster.

Screenhot Mr. Robot: Der kleine Elliot (Aidan Liebman) ist aus dem Fenster gefallen.

Screenhot Mr. Robot: Der kleine Elliot (Aidan Liebman) ist aus dem Fenster gefallen.

Während er im Krankenhaus zu sich kommt und seine Eltern streiten hört, wer denn nun die Krankenhausrechnung bezahlen soll, wo Elliots Vater doch gerade seinen Job verloren hat, lösen sich Elliots Gedanken in Bildern von Hirnscans und medizinischen Diagrammen auf, die sich zu neuen Mustern anordnen und wir hören Daydreamin’ – wieder einer meiner Lieblingsklassiker, die als Titelmusik verwendet werden und der neue Elliot erwacht, oder vielmehr der alte. Der versucht, sein Leben und vor allem sein Bewusstsein irgendwie in den Griff zu kriegen. Inzwischen sind seit dem fatalen Hack, der als Five/Nine in die Geschichte eingeht, dreißig Tage vergangen. Elliot ist zu seiner Mutter gezogen, die weder einen Computer noch Internetzugang hat.

Screenhot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) versucht, normal zu sein

Screenhot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) versucht, normal zu sein

Elliot hat ein Programm für sich aufgestellt, dass er wie ein Roboter durchzieht: Seine Mutter weckt ihn, er geht Frühstücken, und zwar mit einem neuen Freund, den er sich zugelegt hat, weil er ja wohl besser in Gesellschaft sein sollte. Der nette Leon (Joey Bada$$) ist dafür sehr geeignet, weil er die ganze Zeit redet und Elliot nur zuhören muss. Das fällt ihm bekanntlich leichter als selbst etwas zu sagen. Dann geht Elliot nach Hause und räumt auf. Mittags isst er wiederum mit Leon, danach geht er mit ihm ein bisschen raus, um etwas zu tun, was normale Menschen Elliots Beobachtungen nach so machen, ein Basketballspiel ansehen oder ähnliches. Elliot kapiert zwar nicht, warum Menschen das tun – noch weniger, warum sie darüber so emotional werden können, aber er muss ja irgendwas tun. Außerdem erkennt er die Schönheit der Regeln im Sport, auf so etwas steht Elliot natürlich – im scheinbaren Chaos berechenbare Strukturen zu finden.

Danach hilft er seiner Mutter und geht Abendessen. Wiederum mit Leon, der eigentlich auch QWERTY heißen könnte, denn im Grunde hat Elliot zu ihm ein ähnliches Verhältnis wie zu seinem Haustier, von dem ich mich frage, wo es eigentlich geblieben ist – und überhaupt: was ist mit Flipper?

Screenhot Mr. Robot: Leon (Joey Bada$$)

Screenhot Mr. Robot: Leon (Joey Bada$$)

Zweimal in der Woche geht Elliot zu einer kirchlichen Selbsthilfegruppe. Das tut er ganz gern, weil es auch hier Regeln gibt – auch wenn er sie nicht versteht, aber das macht nichts. Hauptsache, er ist von Menschen umgeben, die er für normal hält. Und er geht auch weiterhin zu Krista, die allerdings nur unter Auflagen eingewilligt hat, ihn nach dem, was er getan hat, noch als Patient zu empfangen. Elliot ist ja nun auch ein schwieriger Patient, der sich selbst nicht mehr über den Weg traut, oder, als Krista ihn fragt, was er damit meint, berichtigt, dass er ihm nicht mehr trauen würde – aber meint er damit seinen imaginären Freund oder Mr. Robot, der ihm weiterhin erscheint und dabei immer übergriffiger wird? In Elliots Kopf ist eine Menge los und er versucht, Ordnung zu halten, in dem er ein Tagebuch führt. Was Mr. Robot lächerlich findet, er will, dass Elliot sich nicht länger bei seiner Mutter verkriecht, sondern sein Vorhaben, die Welt zu retten, als Anführer von fsociety weiter voran treibt.

Wobei sich inzwischen herausstellt, dass das mit dem großen Hack als Auftakt zur Errettung der Elenden in der Welt auch nicht besonders gut geklappt hat. Also der Hack an sich schon, aber E-Corp und der Rest des beschissenen Systems denken gar nicht daran, zusammenzubrechen, auch wenn die Leute weiterhin auf die Straße gehen: Sie bekommen nämlich weder Geld noch Information, was mit ihren hart erarbeiteten Einzahlungen passiert ist. So haben sich das die eifrigen Weltverbesserer von der Cyberfront eigentlich nicht vorgestellt.

Screenhot Mr. Robot: Darlene (Carly Chaikin) realisiert, dass alles schlimmer geworden ist.

Screenhot Mr. Robot: Darlene (Carly Chaikin) realisiert, dass alles schlimmer geworden ist.

„Wir sind im Krieg und wir sind auf der Seite der Verlierer!“ erklärt Darlene bei einem Treffen mit Sympathisanten von fsociety. Darlene hat nun die Führung übernommen – sie will den Leuten da draußen zeigen, dass fsociety auf ihrer Seite ist. Gerade, weil sich alles nun so anfühlt, als ob die anderen gewinnen würden.

Wobei sie eben diese anderen weiterhin attackiert – am Beispiel der Justiziarin von E-Corp, Susan Jacobs (Sandrine Holt), wird vorgeführt, wie gut sich Smart-Home-Anwendungen dazu eignen, die Bewohner von smarten Wohnungen von Hackern terrorisieren zu lassen: Ein vollvernetzes Haus kann leicht unbewohnbar gemacht werden, wenn die falschen Leute Zugriff auf die Steuerung haben.

Screenhot Mr. Robot: Ratlosigkeit in der Chefetage von E-Corp

Screenhot Mr. Robot: Ratlosigkeit in der Chefetage von E-Corp

Und auch ein Weltkonzern wie E-Corp kann erpresst werden, wenn man sämtliche Daten verschlüsselt, über die dieser Konzern verfügt. Immerhin das hat funktioniert – und die vielen Opfer von derzeit kursierenden Erpressungstrojanern haben bereits im kleinen Maßstab erlebt, was die Führungsetage von E-Corp jetzt im Weltmaßstab durchmacht. Insofern ist die Serie weiterhin uptodate, was Cybersecurity angeht, auch wenn wir durch einen verzweifelten Auftritt von Gideon Goddart erfahren, dass es Allsafe nicht mehr gibt: Elliot wird von seinem ehemaligen Chef aufgesucht, der ihn bittet, ihm zu helfen, weil das FBI eine Verstrickung von Allsafe und Gideon persönlich in den Five/Nine-Hack vermutet. Elliot könne doch beweisen, dass es nicht so ist. Aber Elliot, dem Gideon ganz offensichtlich leid tut, kann das natürlich nicht – wir wissen ja aus der ersten Staffel, dass es letztlich doch eine Verstrickung von Allsafe gibt, wenn auch auf andere Art und Weise.

Zu Beginn der neuen Staffel liegt die Welt in Scherben und es ist klar, dass die neuen Folgen kein Triumpfzug für fsociety werden können, im Gegenteil, jetzt werden die ambitionierten Hacker mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert und das wird bestimmt kein Spaß. Insofern freue ich mich auf die kommenden Wochen.

Screenhot Mr. Robot: Er ist wieder da - Mr. Robot (Christian Slater)

Screenhot Mr. Robot: Er ist wieder da – Mr. Robot (Christian Slater)

Preacher – Gebete um eine gute Serie wurden erhört!

Einen Serientipp hab ich noch vor meiner Sommerpause: Preacher.

Auch hier war ich erst skeptisch, weil Comic-Verfilmungen häufig nicht mein Ding sind – aber seit Jessica Jones bin ich in der Richtung deutlich aufgeschlossener, auch wenn vieles von dem ganzen Marvelzeugs weiterhin keine große Begeisterung bei mir auslöst. Andererseits habe ich ja durchaus was für schräge Fantasy-Serien übrig, True Blood beispielsweise fand ich ganz fantastisch.

Preacher - das Ensemble Bild: amc.com

Preacher – das Ensemble Bild: amc.com

Um ein ähnliches Kaliber handelt es sich bei Preacher – damit hat AMC doch mal wieder einen echten Knaller produziert. Es geht ziemlich zur Sache, man hat den Eindruck, dass Quentin Tarantino, David Lynch und die Jungs von Monty Python sich zusammengesetzt hätten, um gemeinsam eine Serie zu machen – tatsächlich stecken aber Evan Goldberg, Seth Rogen und Sam Catlin dahinter, die eine Comic-Geschichte von Garth Ennis und Steve Dillon verfilmt haben. Es geht – wie der Titel schon vermuten lässt – um einen eher mäßig begabten Prediger, der in einem gottverlassenen Nest im ländlichen Texas versucht, ein besserer Mensch zu werden.

Jesse Custer (Dominic Cooper) Bild: amc.com

Jesse Custer (Dominic Cooper) Bild: amc.com

Jesse Custer (Dominic Cooper) tut mit seinem neuen Job Buße für seine dunkle Vergangenheit. Die ihn in Form seiner Ex Tulip O’Hare (Ruth Negga) aber immer wieder einholt. Tulip ist eine extrem begabte Verbrecherin, die will, dass Jesse ihr bei einem Job hilft, den sie alleine nicht durchziehen kann. Aber Jesse hat dem Verbrechen abgeschworen und will nun zu den Guten gehören. Was ihm nicht leicht gemacht wird. Erst recht nicht, das Cassidy (Joseph Gilgun) auftaucht, ein irischer Vampir, der nach einer ausschweifenden Party an Bord eines Privatjets aus dem Flugzeug gesprungen ist, das er samt der dazugehörenden Mannschaft komplett verwüstet hat.

Cassidy hat keine Ahnung, wo er sich befindet, findet aber Gefallen an Jesse, der ausgerechnet heute Abend beschlossen hat, dass es manchmal auch nachhaltiger Gewaltanwendung bedarf, um etwas Gutes zu bewirken – er verprügelt einen gewalttätigen Ehemann, nachdem dessen Sohn ihn schon mehrfach um Hilfe gebeten hat. Zusammen landen sie im Knast, wo sie mal in Ruhe reden können.

Cassidy (Joseph Gilgun) Bild: amc.com

Cassidy (Joseph Gilgun) Bild: amc.com

Eins ist klar, diese Serie ist nichts für zartbesaitete, gleich am Anfang explodiert ein von einem geheimnisvollen außerirdischen Wesen heimgesuchter afrikanischer Prediger vor seiner Gemeinde, nachdem er sich für den Propheten hält. Überhaupt explodieren immer wieder falsche Propheten, so erfährt man nebenbei auf einem Fernsehschirm, dass Tom Cruise gerade explodiert ist. Das ist zwar nicht besonders subtil, aber Spaß macht es trotzdem. Genau wie es Spaß macht, Tulip zuzuschauen, wie sie ein paar böse Jungs erledigt, die es auf sie abgesehen hatten.

Nach einer rasanten Crashfahrt durch ein Maisfeld stopft sie dem Oberbösewicht noch mit einem finalen Maiskolben das Maul. Den beiden Kindern, die zufällig dabei zusehen, erklärt sie, dass das ein echt böser Mensch war. Und dann bringt sie ihnen bei, wie man aus den Hausmitteln, die sich auf der heruntergekommenen Ranch eines Schwarzbrenners so anfinden, eine Bazooka baut und dass man sich besser versteckt, wenn Erwachsene Verstecken spielen wollen. Die beiden vernachlässigten Gören – die Mutter ist tot, der Vater auf Arbeit – sind begeistert von der Show, die Tulip liefert – jede Wette, vor allem das Mädchen hat etwas fürs Leben gelernt: Frauen dürfen, können und müssen stark sein. Verdammt stark.

Tulip (Ruth Negga) Bild: amc.com

Tulip (Ruth Negga) Bild: amc.com

Auch sonst gibt es ein Sammelsurium an schrägen Gestalten, vom opportunistischen Sheriff über unkaputtbare Vampirjäger, die Cassidy immer wieder ausspüren, obwohl er sie immer wieder umbringt. Dann gibt es Eugene, den Sohn des Sheriffs, der versucht hat, sich umzubringen, in dem er sich mit einer Schrotflinte in den Mund geschossen hat und nun wie ein Arschloch aussieht, die masochistische Frau des bösen Mannes, dem Jesse den Arm brechen musste und so weiter und so fort. Und schließlich ist da auch noch die alleinerziehende Emily (Lucy Griffith), die sich als Kellnerin durchschlägt und ansonsten um die Organisation der Gemeinde kümmert – und irgendwie scheint sie eine Schwäche für Jesse zu haben. Vermute ich jetzt mal – ich habe erst zwei Folgen gesehen, bin auf den Rest aber sehr gespannt.

Emily Woodrow (Lucy Griffith) Bild: amc.com

Emily Woodrow (Lucy Griffith) Bild: amc.com

Allein die visuelle Aufbereitung ist das Ansehen wert – wer die Bildersprache von Breaking Bad mag, wird auch von der dieser Serie angetan sein – allein dieses marode Gotteshaus auf seinem kläglichen Hügel inmitten der texanischen Prärie ist so beklagenswert, wie die Menschen, die dort die sonntägliche Predigt ihres Predigers über sich ergehen lassen – der natürlich am besten ist, wenn er gerade nicht predigt. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wohin das alles führen soll – religiöse Menschen könnten sich möglicherweise in ihren Gefühlen verletzt fühlen. Was ich auf jeden Fall als Pluspunkt für Preacher werte. Mal sehen, wie es ausgeht.