Öffentliche Geldverbrennung

Inzwischen habe ich auch den zweiten Teil der ersten Folge unm4sk-pt2.tc gesehen – jetzt wird einiges klarer, obwohl natürlich nichts aufgeklärt wurde, sondern noch mehr Chaos herrscht. Der zweite Teil beginnt mit einem Geniestreich von fsociety: Nachdem sich Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell) als CTO von E-Corp bereit erklärt hat, auf die Forderung der Hacker einzugehen und das von Darlenes Erpressung-Trojaner geforderte Lösegeld von 5,9 Millionen Dollar („Den Betrag finden wir doch zwischen unseren Sofakissen!“ erklärt E-Corp-Justiziarin Susan Jacobs) persönlich zu übergeben, wird er gezwungen, das Geld im Battery Park öffentlich zu verbrennen. Um die Demütigung perfekt zu machen, muss er dabei auch noch diese alberne fsociety-Maske tragen.

unm4sk-pt2.tcScreenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Öffentliche  Geldverbrennung

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Öffentliche Geldverbrennung

Das sorgt natürlich für reichlich Aufmerksamkeit in den Sozialen Netzwerken – E-Corp verbrennt das Geld der Menschen jetzt auch noch ganz wörtlich vor aller Augen. Trotzdem beweist E-Corp-CEO Philip Price (Michael Christopher) geradezu dämonisches Verhandlungsgeschick, als ihm die US-Regierung in Washington nun endlich den Geldhahn zudrehen und ihn zum Rücktritt zwingen will: Genau das würde das letzte bisschen Vertrauen zerstören, dass die Menschen noch in die Institutionen hätten – und auf das Vertrauen der Leute käme es jetzt gerade an. Letztlich seien die eigentlichen Zahlen doch völlig gleichgültig, solange die Menschen nur glauben würden, dass das System weiterhin funktioniert: Dann funktioniere es auch, eben weil die Leute mitmachen. Insofern habe die Regierung gar keine andere Wahl, als ihn und E-Corp weiterhin zu unterstützen. Natürlich hat sie keine Wahl.

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Und genau so ist es ja tatsächlich: Genau das ist die Grundlage moderner, freiheitlicher (und kapitalistischer, wobei das ja dasselbe ist) Gesellschaften: Zwar geht es den meisten Menschen damit objektiv gar nicht so gut, aber weil sie glauben, dass es nun mal die beste aller Möglichkeiten sei, machen sie artig mit. Und genau diese ergebene Haltung der Leute wollte fsociety verändern – aber damit sind die rebellischen Alderson-Geschwister und ihre Mitstreiter gescheitert.

Aber während Elliot sich jetzt selbst immer neue Regeln auferlegt, um diesen anarchistischen Mr. Robot in seinem Kopf in den Griff zu bekommen, kämpft Darlene ihren Kampf weiter, auch wenn sie bis auf den standhaften Mobley keine verlässlichen Mitstreiter mehr hat.

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Darlene (Carly Chaikin)

Im zweiten Teil erfahren wir endlich aus mehr darüber, wie die anderen sich mit den neuen Zuständen arrangiert haben: Joanna Wellick, die Elliot im letzten Teil der ersten Staffel noch auf dänisch damit gedroht hat, ihn umzubringen, sofern er ihrem Ehemann Tyrell etwas angetan haben sollte, hat sich einen neuen Lover (Chris Conroy als Derek) für ihre Sadomaso-Spielchen zugelegt. Allerdings will sie sich auf keinen Fall mit ihm sehen lassen – man kann ja nie wissen. Und siehe da: Jemand lässt ihr ein rätselhaftes Geschenk zukommen, eine kitschige Spieluhr, unter der ein Smartphone versteckt ist. Versucht Tyrell auf diese Weise mitzuteilen, dass er noch lebt? Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter?

Rätselhaft ist auch, was in Angela vorgeht: Dass sie einen gewissen beruflichen Ehrgeiz an den Tag legt, hat sie ja bereits bei Allsafe gezeigt, auch wenn sie dort nicht weit damit gekommen ist. Wesentlich erfolgreicher war sie bekanntlich damit, den Ex-CTO von E-Corp, Terry Colby in die Knie zu zwingen und die Anwältin Antara Nayar (Sakina Jaffrey) zu überzeugen, erneut ein Verfahren gegen E-Corp aufzurollen. Nachdem Colby ihr mit einer Empfehlung einen Job in der Presse-Abteilung von E-Corp verschafft hat, wird auch Philip Price auf Angela aufmerksam, wobei Angela noch nicht sicher ist, was sie davon halten soll: Schließlich arbeitet sie nun für die Leute, die ihre Mutter und Elliots Vater gekillt haben.

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Nun, einen Monat später, geht Angela in ihrem Job total auf. Sie ist bei ihren alteingesessenen Kolleginnen zwar nicht sehr beliebt, weil sie sich nichts sagen lässt, erreicht aber mit genau dieser Methode bei den Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern, dass die auf ihre Bedingungen eingehen. Genau das ist schließlich ihr Job, aus dem sie nun neues Selbstbewusstsein schöpft. Und den will sie unbedingt behalten, deshalb serviert sie auch Anwältin Nayar ab, die meint, dass es für die Klage gegen E-Corp schlecht aussieht, wenn Angela für genau diesen Laden arbeitet: Sie, Angela hätte schließlich schon mehr für die Klage getan als alle anderen. Was nicht völlig von der Hand zu weisen ist – schließlich wollte Angela eigentlich für Nayar arbeiten, die das wiederum abgelehnt hatte, weil sie Angela nicht ausreichend qualifiziert dafür fand, obwohl sie es geschafft hatte, mit Terry Colby einen Insider zum Reden zu bringen.

Trotzdem finde ich Angelas radikalen Sinneswandel nicht wirklich nachvollziehbar – und die hohlen Selbstkonditionierungsphrasen, mit denen sie sich in ihrer neuen Luxuswohnung ein positives Verhältnis zum Erfolg einredet, machen die Sache nicht glaubwürdiger. Was ist da los?

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Ray (Craig Robinson) und Elliot (Rami Malek) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Ray (Craig Robinson) und Elliot (Rami Malek) Bild: USA Network

Das fragt sich auch Elliot, der auf dem Sportplatz hartnäckig von einem gewissen Ray (Craig Robinson) angequatscht wird. Ray ist ebenso freundlich wie redselig und hat einen Hund, der Elliot mag und er weiß – woher auch immer – dass Elliot ihm möglicherweise bei Computerproblemen helfen kann. Elliot sagt ihm, dass er so etwas nicht mehr tue und überhaupt, er wolle jetzt echt kein Arschloch sein, aber bitte schön einfach seine Ruhe haben.

So ist Elliot auch entsprechend irritiert, dass Ray ihn weiterhin sehr vertraulich anspricht – und dann erstaunt feststellt, dass Elliot sich offensichtlich wirklich an nichts erinnern könne. Elliot wird panisch und rennt weg: An was kann er sich nicht mehr erinnern?

Auch seine Aufzeichnungen verraten nichts über ein Treffen mit Ray: Mr. Robot hat sich offenbar wieder selbstständig gemacht und tut Dinge, von denen Elliot nichts weiß. Ja, er behauptet sogar, dass die Leute IHN sehen würden und nicht Elliot. Lächerlich! Oder vielleicht doch nicht? Elliot muss zu seiner Kirchengruppe – es ist tatsächlich ein Bibelkreis und keine Selbsthilfegruppe, wie ich erst noch vermuten wollte. Hier ringt Elliot weiterhin mit seinem Bewusstsein, er kann sich kaum wach halten, während die anderen sich markanten Bibelstelle vorlesen – aber er braucht ja nur ab und zu mal „Amen!“ zu sagen.

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) Bild: USA Network

Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) Bild: USA Network

Derweil entwickeln sich die Dinge für Gideon Goddard noch viel dramatischer: Er wird von einem Unbekannten in einer Bar erst in ein Gespräch verwickelt und dann niedergeschossen – dabei durfte er zuvor noch erklären, dass er doch ein viel zu kleines Licht für eine Symbolfigur im großen E-Corp-Skandal sei. Jetzt ist er als Attentat-Opfer definitiv zu einer geworden. Aber wer ist der Attentäter? Und was ist sein Motiv?

Immerhin wird zum Schluss der Folge nahegelegt, dass Tyrell Wellick offenbar noch lebt – denn wer sonst sollte die Telefonnummer von Elliots Mutter rausgekriegt haben und Elliot mit der immer wieder ebenso unangebrachten wie markanten Phrase „Bonsoir, Elliot!“ begrüßen?

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot unm4sk-pt2.tc: Elliot (Rami Malek)

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