eps2.6_succ3ss0r.p1: Epische Dummheit

Für alle, denen die neue Staffel von Mr Robot bisher zu langweilig war, dürfte die neue Folge eps2.6_succ3ss0r.pdie Wende bringen – jetzt ist echt was los. Es handelt sich um die erste Folge, in der Elliot gar nicht auftaucht – aber wir wissen ja, dass er im Knast sitzt und gar nicht irgendwo auftauchen könnte. Was Trenton und Mobley aber offenbar noch nicht wissen, die in einem Ron’s Coffeeshop auf Elliot warten – allein, dass die Handlung an den Ort, an dem wir Elliot kennengelernt haben, zurückgekehrt ist, fand ich schon sehr vielversprechend und tatsächlich löst die neue Folge ihr Versprechen ein, denn sie war wirklich gut, bisher die beste der neuen Staffel.

Anstatt Elliot kommt nun Darlene in den Coffeeshop und verliest Elliots Statement, mit er uns zum Auftakt der Pilotfolge über eben jene Konspiration aufgeklärt hat, der er auf der Spur ist und die er brechen will, jene Konspiration, die größer sei als alles andere, die Verschwörung jener reichen und mächtigen Typen, die heimlich die Welt regieren, das oberste eine Prozent des obersten einen Prozents.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Jene ganz großen Jungs existieren wirklich, das wissen wir inzwischen auch, obwohl wir gleichzeitig natürlich auch wissen, dass Elliot ganz schön einen an der Waffel hat: Er ist depressiv und hat Angst vor anderen Menschen, gleichzeitig ist er ein Kontrollfreak, er hat Halluzinationen und redet mit seinem toten Vater. Und dann hat er auch noch ein massives Suchtproblem und lügt sich selbst und seiner gesamten Umwelt immer wieder die Hucke voll.

Aber gleichzeitig weiß Elliot ziemlich viel über diese Welt und hat interessante Schlüsse daraus gezogen: Er will dieses Gesellschaft, unter der er, und so viele andere Menschen mit ihm leiden, nachhaltig verändern. Er ist intelligent genug, zu tun, was die anderen von ihm erwarten, weshalb er ein so guter Lügner ist. Aber weil ihm eigentlich egal ist, was die anderen von ihm denken, kann er sehr ehrlich sein, was seine wahren Gefühle angeht. Genau dieser Gegensatz ist das Reizvolle an dieser Figur – Elliot sagt das eine und teilt uns gleichzeitig seine wahren Gedanken dazu mit.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin)  und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin) und Mobley (Azhar Khan)

Blöd nur, dass der Menschenfreund Elliot dermaßen damit beschäftigt ist, seine eigene bessere Welt zu kreieren, dass er nicht mitkriegt, was andere Menschen vielleicht wirklich brauchen. In der ersten Staffel hat Elliot mit seinem Drang, das Richtige zu wollen und das Falsche zu tun, bereits einige Menschen in Bedrängnis gebracht, schlimmer noch: Er hat Shayla vor ihrem Dealer retten wollen und damit ihren Tod verschuldet. Inzwischen wissen wir, dass er vermutlich auch Tyrell Wellick umgebracht hat, der allerdings selbst ein Mörder und definitiv kein guter Mensch war.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Und wir wissen auch, dass er hinter dem Hack des Jahrhunderts steckt, der die ganze Welt ins Chaos gestürzt und für die allermeisten Menschen leider überhaupt nichts verbessert hat, im Gegenteil: Die Leute haben zwar keine Schulden mehr, aber Evil Corp existiert weiterhin, dieses Unternehmen ist dermaßen wichtig, dermaßen systemrelevant, dass die US-Regierung alles tut, um es am Leben zu halten, wenn auch nicht alles, was Philip Price verlangt. Statt mit Dollar wird wird jetzt halt mit der neuen E-Corp-Währung E-Coin gezahlt – das war bestimmt das Letzte, was Elliot sich gewünscht hat. Er und seine Freunde von fsociety waren so naiv zu glauben, dass mit dem Geld auch das damit verbundene Übel aus der Welt verschwinden würde, aber sie haben einfach nicht kapiert, was Geld tatsächlich ist: Zugriffsmacht nämlich, auf alle Dinge, die man zum Leben braucht. Und wer diese Macht hat, kann einfach definieren, in welcher Währung jetzt gezahlt werden muss – an der Verteilung der Vermögen hat sich nach Five-Nine ja eigentlich nichts geändert: Den Reichen geht es weiterhin gut, den Habenichtsen geht es weiterhin schlecht – und fsociety hat auch noch dazu beigetragen, dass beispielsweise der Ladenbesitzer an der Ecke jetzt Pleite ist, weil einfach nicht mehr genug Leute genug Geld haben, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Insofern ist vollkommen nachvollziehbar, dass es Elliot jetzt wirklich schlecht geht und es war streckenweise auch nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er im Kampf mit sich selbst und zusätzlichen neuen Feinden immer wieder über die Grenzen des Erträglichen geht. Erstaunlich ist eher die Zähigkeit, mit der sich immer wieder aufrappelt, um den nächsten Schlag einzustecken.

In dieser Folge müssen sich aber Elliots Mitverschwörer mit den Folgen ihrer Tat auseinandersetzen. Das FBI ist auch Mobley, Trenton und Darlene auf der Spur. Vor allem der paranoide Mobley ist längst auf der Suche nach einer Exitstrategie – er traut Darlene und ihrem verrückten Bruder ja spätestens seit er den toten Romero gefunden hat, nicht mehr über den Weg. Mobley will Trenton überreden, aus New York zu verschwinden, aber Trenton will ihre Familie nicht verlassen. Für wen hat sie das alles denn getan?

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Doch die Kerntruppe von fsociety arbeitet zunächst an der weiteren Demontage wichtiger Institutionen: Durch ihren gelungenen FBI-Hack können sie eine Telefonkonferenz mitschneiden, in der die FBI-Chefs mal so richtig vom Leder ziehen: Natürlich werden Millionen US-Bürger anlasslos überwacht. Alles, was Edward Snowden gesagt hat ist wahr, und das hier ist noch schlimmer. Edward Snowden taucht auch kurz auf einem Bildschirm auf, er sagt ausgerechnet, dass er sich nicht um die Freiheit der Rede schere, weil er nichts zu sagen hätte.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Nachdem Darlene und ihre Mitstreiter ihre FBI-Enthüllungen in einem neuen Video veröffentlich haben, kehrt Madam Executioner in ihr schickes New Yorker Haus zurück, das fsociety zum ihrem Hauptquartier gemacht hat. Damit nimmt ein weiteres Verhängnis seinen Lauf: Darlene kennt Susan Jacobs (Sandrine Holt) sehr gut, sie will seit ewigen Zeiten den Tod der Chef-Justiziaren von Evil Corp. Als sie vier war, hat sie gesehen, wie Susan Jacobs während des Prozesses um den Tod ihren Vaters gelacht hat – sie hatte ja gut lachen, denn wir wissen, dass die Klage damals niedergeschlagen wurde, weil nicht bewiesen werden konnte, dass E-Corp von der Verstrahlung seiner Mitarbeiter gewusst hat. Damit haben die Familien der an Krebs verstorbenen E-Corp-Leute auch keine Entschädigung bekommen. Klein-Darlene hat das nicht vergessen und lange auf diese Gelegenheit gewartet.

Während die anderen noch diskutieren, wie mit Susan Jacobs, die sie ans Geländer ihres Swimmingpool gefesselt haben, weiter zu verfahren sei und ihre Handys und Computer nach für eine handfeste Erpressung tauglichen Dingen durchsuchen, ist für Darlene längst klar, was passieren wird. Sie schneidet Susans Fesseln durch und erklärt ihr, wer sie ist und warum sie beide jetzt hier sind.

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Dann nimmt Darlene ihren Elektroschocker, betäubt Susan und sieht zu, wie sie in ihrem eigenen Schwimmbecken ertrinkt. Sofern sie nicht ohnehin schon tot war – Susan hatte offenbar auch ein Herzproblem, wie die anderen inzwischen herausgefunden haben. Darlene behauptet zwar, nichts davon gewusst zu haben, aber die anderen kapieren natürlich sofort, dass Darlene Susan absichtlich getötet hat. Genau wie ihr Bruder ist Darlene jetzt also eine Mörderin. Ob ihr Vater das tatsächlich gewollt hat?

Darlene sagt Mobley und Trenton, dass sie abhauen sollen – sie und Cisco werden sich darum kümmern, die Leiche wegzuschaffen und Spuren zu verwischen. Genauso machen sie das auch – Mobley und Trenton suchen das Weite, Cisco hilft Darlene, Susans Leiche wegzuschaffen. Dafür nutzen sie das bereits bekannte Tier-Krematorium – Darlene hat ja Zugriff auf Susans E-Coins und ist auch sonst sehr überzeugend.

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Aber abgesehen von Darlenes (irgendwie ja auch Elliots) persönlicher Rache ist die Sache, obwohl sie weitgehend nach Plan verlaufen ist, ziemlich schief gegangen. „What we did was colossally fucking stupid and we can’t afford not to realize that anymore“ fasst Mobley die Situation zusammen. Nein, sie können es sich definitiv nicht mehr leisten, nicht zu erkennen, dass sie etwas kolossal verdammt Dummes getan haben. Kommen sie da je wieder raus, oder werden sie jetzt alle wie Romero mit einer Kugel im Kopf enden? Oder wie Elliot im Knast landen? Oder noch schlimmer?

Darlene findet heraus, dass Cisco sie offenbar an die Dark Army ausliefern will – was erstmal nicht so gut für Cisco ausgehen wird.

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Einzig für Angela scheint es derzeit gut zu laufen – sie versucht zumindest, sich am 4. Juli beim Karaoke zu amüsieren und singt „Everybody Wants To Rule The World“, ach ja, Tears for Fears, das waren noch Zeiten. Sie lässt ihr eigentliches Date, jenen netten jungen Schwarzen, zugunsten alter Kerle sitzen – es stellt sich allerdings heraus, dass der nette Typ sich offenbar im Auftrag des FBI an Angela herangemacht hat: Er beschwert sich bei Agent DiPierro, dass Angela eine uneinnehmbare Festung sei und er sich irgendwie traumarisiert fühle. Angela hingegen erklärt einem alten Freund ihres Vaters, der sie zufällig trifft und ihr gleich mit einer Moralpredigt kommt, weil sie nun offenbar zur Gegenseite übergelaufen sei, dass sie im Gegensatz zu ihm jung und erfolgreich wäre und gerade erst anfange. Und dann macht sie weiter und lässt sich von Duck Phillips (Mark Moses) aus Mad Men einladen.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es mit Angelas Karriere jetzt einfach so weiter geht. Zum einen ist sie sowohl an Five-Nine als auch am aktuellen FBI-Hack direkt beteiligt, zum anderen nehme ich ihr nicht ab, dass sie tatsächlich einfach nur Karriere machen will.  Aber ein paar Folgen haben wir ja noch.

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