eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: We can’t beat them

Die neue Folge eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx ist einerseits die Vorbereitung auf den großen Knall, der in den letzten beiden Folgen sicherlich noch kommen wird – andererseits hat mich allein der Auftakt schon wieder sehr begeistert: Der selbsterklärte Meister des Universums, Philip Price, unterhält sich in seinem Büro mit Terry Colby, der gerade ein Buch veröffentlicht hat – „Der letzte ehrliche Mann“. Das ist schon fast wieder zu viel der Ironie, aber davon gibt es in dieser Folge ohnehin eine ganze Menge, allein dass der Schwanzlutscher Donald Trump ernsthaft für die Präsidentschaftswahlen antritt, kann Terry kaum fassen.

Seinem alten Fellow Philip widmet er sein letztes Vorabexemplar – wie wir wissen, verdankt Terry dieses eigenartige Image der kurzzeitigen PR-Mangerin von E-Corp, Angela Moss, die, wie wir auch wissen, ihre durch Terry eingeleitete Blitz-Karriere bei E-Corp gerade gegen die zweifelhafte Ehre eingetauscht hat, eine Whistleblowerin zu sein: Denn Angela hat aus freien Stücken hochbrisante Unterlagen über das mächtigste Unternehmen der westlichen Welt gestohlen und geleakt. Allerdings nicht mit dem erhoffen Erfolg – wobei hier das letzten Wort vielleicht noch nicht gesprochen ist. Und überhaupt – hatte Terry Colby am Ende noch einen eigenen Plan, als er Angela bei E-Corp eingeschleust hat?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Jetzt muss Angela jedenfalls erst einmal erfahren, was es heißt, eine Whistleblowerin zu sein – dieses Leben im Klandestinen halten die meisten nicht aus. Aber ich greife vor: Noch sitzen Philip und Terry in jenem Büro mit der humoristischen Weltkarte Europas 1914 – allein das ist ein Witz, der so gut ist, dass ich mich frage, was eigentlich ein Sam Esmail damit verbindet – ist es die europäische Kleinstaaterei, die ignorante Konkurrenz unter den alten, selbstgefälligen Kolonialmächten, die meinten, die ganze Welt unter sich aufteilen zu können?

Obwohl, Philip sagt es ja selbst, als Terry ihn fragt, warum ausgerechnet Kongo, warum überhaupt dieses Zocken mit ganzen Ländern, die Philip so ausspiele, wie andere ihre Karten. Und Philip: Ist das nicht, worum es in der Geschichte immer und überhaupt geht – imaginäre Linien in der Landschaft, die immer wieder neu gezogen würden? Es gibt dann eine noch interessante Aussage von Philip, die ich jetzt aber mal nicht spoilern will – vor allem fand ich die Musik in dieser Szene einmal mehr großartig: Im Hintergrund hört man die Gnossienes von Erik Satie. Das verrate ich gern, denn ich liebe die Musik von Satie – und vermutlich haben viele diese Musik schon gehört, ohne zu wissen, von wem sie ist – von Satie gibt es sehr viele repetitive, auf den ersten Eindruck hin sehr einfache und langsame Klavierstücke, die als Vorbild und Grundlage für die spätere Minimal Music gelten.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover "The Last Honest Man"

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover „The Last Honest Man“

Zurück zu Mr. Robot: Es geht weiter mit Japan-Punk oder wie immer man das nennt, The Head That Controls Both Right and Left Sides Eats Meats and Slobbers Even Today von Bleach und Joanna Wellick, die sich schick macht, um Elliot zu treffen: Sie will ihn dazu bringen, das Smartphone zu hacken, von dem sie glaubt, dass Tyrell mit ihr darüber Kontakt hält. Was Elliot reichlich absurd findet, denn er weiß ja, was mit Tyrell passiert ist. Oder hat Mr. Robot vielleicht doch gelogen?

Elliot weiß aber auch, dass er ein toter Mann ist, wenn er Joanna einfach sagt, dass er Tyrell erschossen hat. Also lässt Elliot sich schließlich doch darauf ein – vermutlich ist er selbst neugierig, was hinter diesem Smartphone steckt. Und Joanna ist mehr als überzeugend – sie ist wirklich verstörend mit dieser Kombination aus Betörung und Bedrohung. Mir fällt gerade auf, dass eigentlich sie das weibliche Gegenstück zu Elliot ist – auf den ersten Blick harmlos, irgendwie sympathisch, gleichzeitig aber etwas eigenartig – und am Ende immer diejenige, die die Kontrolle hat und die anderen nach ihrer Pfeife tanzen lassen kann. Joanna hofft, über den Aufenthaltsort des mysteriösen Anrufers ihren verschwundenen Ehemann aufzuspüren.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Aber Elliots komplette Hardware wurde beschlagnahmt, als er vom FBI hochgenommen wurde, also muss er erstmal einkaufen gehen, er kann ja nicht mit bloßen Händen ein Polizeirevier und darüber den Anbieter der SIM-Karte in jenem Smartphone hacken. Unterwegs denkt Elliot darüber nach, wie schief alles bisher gelaufen ist – die häßliche, schmutzige Welt da draußen ist jedenfalls nicht die, für die er gekämpft hat. Schlimmer noch: Im Elektronik-Markt realisiert er, dass E-Corp durch dem Five-Nine-Hack mit der Einführung einer eigenen Cryptowährung noch mächtiger geworden ist  – und er jetzt von Rabatten profitieren kann, wenn er mit E-Coin zahlt.

Anschließend lernen wir, wie man mit aus einer leeren Pringle-Dose und etwas Zubehör eine WLAN-Antenne baut – natürlich nutzt man ein etwas weiter entferntes WLAN, wenn man etwas Illegales tun will, und dann gibt es einen schicken Retro-Hack mit Faxen für das Polizeirevier, das dann für die Datenauskunft beim Mobilfunkprovider herhalten muss. Elliot ist, wie immer in aussichtslosen Situationen, extrem cool und genial – aber Mr. Sutherland ist mit dem von Elliot gelieferten Ergebnis nicht so richtig zufrieden – von der Adresse, die Elliot ermittelt hat, würde Tyrell Wellick niemals telefonieren. Keine Ahnung, was das für eine Adresse ist, aber die Lage am Central Park lässt darauf schließen, dass es eine extrem teure Gegend ist. Wohnt dort einer von den E-Corp-Chefs?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Derweil hat Darlene mit der unwillkommenen Entdeckung von Cisco zu kämpfen, die er in Susan Jacobs Haus gemacht hat. Das war, wie sich nun herausstellt, eben jener society-Funktionär, der die Leitung der Operation in Washington hatte, bei der die abgesägten Eier des Bullen von der Wall Street durch das Oberlicht im Kongress – oder wars das Repräsentantenhaus? – gekracht sind. Auf jeden Fall wars ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam. Ihr Kamerad wurde, von wem auch immer, schwer verletzt und Cisco hat ihn mit nach Hause genommen – aber es geht ihm so schlecht, dass er sterben wird, wenn er nicht sehr bald ins Krankenhaus gebracht wird.

Rational ist Darlene dagegen – sie weiß genau, dass man ihnen dadurch auf die Schliche kommen wird. Aber letztlich lässt sie sich von Cisco überzeugen – also bringen sie den armen Kerl in die Notaufnahme. Darlene mag eine Mörderin sein – aber sie lässt ihre Leute nicht im Stich. Irgendwie ist ein Thema dieser Folge, dass alle langsam realisieren, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befinden, und sich besser mit dem Gedanken anfreunden, dass sie mit dem, was sie getan haben, nicht einfach so davon kommen werden.

Also sie bleiben in der Nähe des Krankenhauses, um zu erfahren, wie es um ihren Kumpel steht – was das FBI tatsächlich auf ihre Spur bringt, denn inzwischen wurde ein Phantom-Bild von Cisco veröffentlicht, von dem das FBI weiß, dass er irgendwas mit dem Five-Nine-Hack zu tun haben muss. Agent DiPierro ist dagegen, dass das Bild veröffentlicht wird – sie geht völlig zu recht von aus, dass die Dark Army Cisco jetzt schnellstmöglich killt, weil er ohnehin verbrannt ist, und sie damit einen der wenigen Zeugen verliert, der ihr bei der Aufklärung des Five-Nine-Hacks helfen könnte. Aber sie kann sich nicht durchsetzen.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Angla (Portia Doubleday)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Angla (Portia Doubleday)

Was ich auch wahnsinnig gut fand, war die Geschichte, die Darlene Cisco erzählt, während sie im Krankenhaus warten: Darlene erklärt Cisco, dass er recht hatte, und sie eben nicht so speziell wäre – das sei immer nur Elliot. Und dazwischengeschnitten sind immer Szenen, wie Elliot von seiner alten Wohnung aus den Hack für Joanna ausführt, während Darlene von den Cops erzählt, die sie bei jener alten Frau aufgespürt haben, die Darlene mitgenommen hat, als sie mit fünf Jahren bei einem Familienausflug nach Coney Island verloren ging: Sie hatte überhaupt keine Angst und die freundliche Frau hätte sie wie eine Prinzessin behandelt – da hätte sie kurzzeitig geglaubt, dass sie jemand besonderes wäre. Bis die Polizei  sie aufgespürt und wieder nach Hause gebracht hätte. Sie würde sich immer wieder fragen, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie bei dieser Frau geblieben wäre. Aber wenn sie dort geblieben wäre, hätte sie Elliot nicht.

Der sehr spezielle Elliot hingegen kann sich nach dem erledigten Job endlich um den Notruf kümmern, den er von Angela erhalten hat – sie treffen sich in einem menschenleeren U-Bahn-Waggon und Angela erklärt Elliot, dass sie dem FBI gestehen werde, dass sie die Femtozelle für den FBI-Hack platziert habe – was Agent DiPierro ja ohnehin bereits weiß. „Wir werden niemals gegen sie gewinnen – glaub mir, ich habs wirklich versucht!“ Sie verspricht Elliot, dass sie nichts sagen werde, was ihn belastet, aber es läge natürlich auf der Hand, dass man früher oder später eine Spur zum ihm und fsociety finden werde.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot (Rami Malek)

Elliot versucht nicht, sie davon abzubringen, er gesteht sich selbst ein, dass er alle, die er beschützen wollte, in Gefahr gebracht hat. Und er stellt fest, dass er eigentlich bei Angela bleiben will. Trotzdem steht er auf, als Angela meint, dass er nun besser aussteigen solle – aber wie bereits in der allerersten Folge umarmt er seine Freundin, dieses Mal küsst er sie sogar – tut er dass, weil er ahnt, dass es ein Abschied für immer sein könnte? Nachdem er ausgestiegen ist, stehen jedenfalls zwei Unbekannte hinter ihr – und es ist sicher, dass das keine Freunde sind, Agent DiPierro hatte genau das ja schon angedroht: Beim nächsten Mal würde man ihr keinen freundlichen Deal und nichts zu essen anbieten, damit sie redet, sondern sie in eine dunkle Zelle werfen.

Der schrecklichere Cliffhanger ist aber, was bei dem Imbiss vor sich geht, in dem Darlene und Cisco sich endlich einmal aussprechen – manchmal sei es besser, einfach nichts zu tun, findet Cisco. Doch dafür ist es zu spät, denn Dom DiPierro hat die beiden endlich gefunden und fordert per Handy Unterstützung an. Doch bevor die Bullen da sind, kommt die Dark Army – auch wieder eine unglaublich gute Szene, aus der Distanz ist zu sehen, dass Dom Darlene und Cisco anspricht, sich dann aber duckt, weil sie den Angreifer mit dem Maschinengewehr kommen sieht. Ob jemand getroffen wird, ist nicht zu erkennen, es gibt reichlich Sachschaden, auf jeden Fall aber steht Dom wieder auf und schießt den Mann nieder, der zwar noch versucht, sich zum Motorrad zu schleppen, mit dem der Fahrer auf ihn wartet, sich dann aber nach Dark-Army-Manier in den Kopf schießt, weil jetzt endlich die Polizei eintrifft. Ich vermute, dass Cisco tot ist, weil er das Ziel der Attacke war – aber was ist mit Darlene…?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Einerseits bin ich inzwischen fast froh, dass es jetzt die letzte Woche sehnsüchtigen Wartens ist – andererseits ist es mit der kommenden Doppelfolge dann erstmal wieder für ein Jahr vorbei. Aber die Drittel Staffel kommt, dass ist schon einmal eine gute Nachricht.

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