Politik und Medien. Ein Kommentar

Es passiert wirklich: Donald J. Trump wird der 45. Präsident der USA. Ein ordinäres, rassistisches, hässliches, aber sehr reiches weißes Arschloch, das vermutlich gern das Wahlrecht für Frauen und sonstige Minderheiten (wobei Frauen natürlich keine Minderheit sind, genau wie Nicht-Weiße oder Nicht-Milliardäre oder sonstige Menschen, die nicht so sind, wie Donald Trump) wieder abschaffen würde. Ja, ich weiß, das sind alles Vorurteile. Aber wo wir schon bei Vorurteilen sind – die werden derzeit in jeder Hinsicht reichlich bedient. Etwa dass die Medien mit daran schuld sein könnten, dass Donald Trump überhaupt so populär werden konnte.

Gut, vielleicht ist da sogar etwas dran, denn es wurde enervierend viel über Donald Trump und seine diversen verbalen Ausfälle berichtet. Und gewiss war es auch nicht vorteilhaft für Hillary Clinton, dass diese E-Mail-Geschichte im letzten Moment noch einmal hochgekocht wurde. Aber vor allem hat sich doch gezeigt, dass TROTZ aller Berichterstattung für oder gegen bestimmte KandidatInnen die Wähler eben nicht so einfach zu beeinflussen sind, wie die Medienberater das gerne hätten.

Gestern noch waren sich Meinungsforscher und die einschlägigen Medien ziemlich einig, dass Trump nach seinem Achtungserfolg im schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwinden würde, während Hillary einer Business-as-usual-Präsidentschaft nachgeht. Aber es ist ganz anders gekommen – und jetzt sind alle betroffen und faseln von der Welle, die keiner gesehen habe. Aber die Welle ist eher eine Blase, eine Filterbubble nämlich – heutzutage kann man sich nämlich dank Facebook, Twitter und YouTube genau die Nachrichten zusammenstellen, die man lesen oder sehen möchte. Oder von denen die Betreiber der jeweiligen Internet-Plattformen denken, dass wir sie sehen wollen. Und die kennen uns inzwischen besser als wir selbst – und auf diese Weise entstehen unterschiedliche Realitäten, die gelegentlich aufeinander prallen, genau wie es am gestrigen Wahltag in den USA passiert ist. Die Clinton-Befürworter waren sich sicher, dass ihre Wahrnehmung der Realität entsprach – nämlich, dass es zu Clinton keine Alternative gibt. Aber die Trump-Wähler sahen das anders – und setzen sich mit ihrer Wahrnehmung der Dinge durch. Was immer das für künftige Realitäten bedeutet.

By the way: Bernie Sanders wäre eine Alternative gewesen. Ich sage bewusst nicht eine bessere, sondern überhaupt eine. Mag sein, dass das Ergebnis am Ende gar nicht viel anders ausgefallen wäre als es jetzt ist – aber ich bin mir sicher, dass es sich weniger beschissen anfühlen würde. Bernie Sanders wäre auf jeden Fall ein glaubwürdigerer Kandidat gewesen, ein Außenseiter, der sich gegen das Establishment durchsetzen kann – genau diese Rolle konnte irrerweise jetzt Donald Trump besetzen, der gewiss nicht zum politischen Establishment der USA gehört, aber auf jeden Fall zu den rechten weißen Geldsäcken, die sich mit ihrem Geld eben auch eine Präsidentschaft-Kandidatur kaufen können. Und mit denen sich erstaunlicherweise mehr US-Wähler identifizieren konnten als mit einer vielleicht nicht ganz so reichen, aber politisch sehr erfahrenen und gut vernetzten weißen Frau, die von eben jenem inzwischen so verhassten Establishment als angeblich alternativlose Kandidatin durchgedrückt wurde.

Eins noch: An der Etablierung jener so genannten postfaktischen Politik, über die in der letzten Zeit viel schwadroniert wird und die sich mit der Tatsache bestätigt hat, dass ein grotesk unqualifizierter Typ wie Donald Trump ins wichtigste politische Amt der Welt gewählt werden konnte, sind die Mainstream-Medien diesseits und jenseits des Atlantik jedenfalls nicht unbeteiligt: Es gab jede Menge Skandalberichte a la Pussy-Gate oder E-Mail-Gate, ja, und Trump will die Mauer wieder aufbauen. Seriöse Analysen, wie es den Leuten mit der Politik geht, die derzeit gemacht wird – im Durchschnitt ziemlich schlecht nämlich – gab es kaum. Wieso auch – wenn über Krisengebiete in Afrika oder im Nahen Osten berichtet wird, kann man ja behaupten, dass es den Leuten da so schlecht geht, weil sich Freiheit und Demokratie in ihren Ländern noch nicht so richtig durchgesetzt haben. Aber wenn es den Leuten ausgerechnet dort beschissen geht, wo Freiheit und Demokratie quasi erfunden wurden, dann fällt die Erklärung dafür schwer, also lässt man es lieber.

Insofern erwartete ich für die kommenden Zeiten nichts Gutes – weder für die Entwicklung der medialen Berichterstattung, noch für die Politik, über die zu berichten sein wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s