The Expanse: Underdogs auf Raumstation

Netflix hat seit ein paar Tagen The Expanse im Angebot – und auf neue Science-Fiction-Serien bin ich immer sehr neugierig – leider gibt es nicht sehr viele, die ich gut finde. Bei The Expanse bin ich mir auch noch nicht ganz sicher – die Geschichte an sich ist schon ziemlich gut, das Ambiente ist Blade-Runner-mäßig düster, was ich auch gut finde, es gibt auch interessante Charaktere. Aber die könnten noch interessanter sein, wenn sie nicht immer tun würden, was man von ihnen erwartet. Und weil vieles so erwartbar ist, gibt es immer wieder Passagen, die ich nicht besonders überzeugend finde, weil ich das Gefühl hatte, sie in anderen Serien und Filmen schon ein Dutzend Mal gesehen zu haben – und zwar in durchaus besseren Varianten.

The Expanse Bild: syfy.com

The Expanse Bild: syfy.com

Aber es ist ja auch schwierig, sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Vermutlich werden alle, die die Western-SciFi-Serie Firefly nicht gesehen haben, weniger streng mit The Expanse sein, denn es erinnert mich verdammt viel an Firefly – schließlich geht es auch hier um die Besiedlung des Sonnensystems, in dem eben andere Regeln herrschen als auf der Erde. Und es gibt eine kleine Crew, die zu bedingungsloser Zusammenarbeit verdammt ist, wenn sie im feindlichen Weltall überleben will, auch wenn sich die Mitglieder in vielerlei Hinsicht nicht grün sind. Und dann gibt es natürlich jede Menge Interessenkonflikte und Ungerechtigkeiten, die irgendwie gehandelt werden müssen, von den typischen Weltraumpannen mal ganz abgesehen.

The Expanse ist allerdings deutlich komplexer angelegt als Firefly – das war ja eine klassische Serie, in der die Crew der Serenity in jeder Folge ein neues Abenteuer zu bestehen hatte, The Expanse dagegen spannt einen Handlungsbogen über die komplette Staffel von zehn Teilen und, was einem zum Schluss am Haken halten soll, auch darüber hinaus – klar warte ich jetzt auch auf die nächste Staffel, schon weil man mit dem Ende der ersten Staffel nicht glücklich werden kann. Doch worum geht es eigentlich?

The Expanse: Die Crew der Canterbury: Naomi Nagata (Dominique Tipper), Amos Burton (Wes Chatham), Alex Kamal (Cas Anvar), Shed Garvey Paulo Costanzo und James „Jim“ Holde (Steven Strait) Bild: syfy.com

The Expanse: Die Crew der Canterbury: Naomi Nagata (Dominique Tipper), Amos Burton (Wes Chatham), Alex Kamal (Cas Anvar), Shed Garvey Paulo Costanzo und James „Jim“ Holde (Steven Strait) Bild: syfy.com

Die Menschen auf der hoffnungslos übervölkerten Erde haben ihren Planeten in der Vergangenheit zwar nachhaltig ruiniert, es aber trotzdem hingekriegt, nicht auszusterben und außerdem noch den Mars zu besiedeln. Und das Sonnensystem bis zu jenem Asteroidengürtel zu erschließen, der sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter befindet. Dort kreisen neben den Zwergplaneten Ceres, Pallas, Juno und Vesta mehrere Hunderttausend Asteroiden um die Sonne, auf denen es alle möglichen Rohstoffe gibt, die von Erde und Mars dringend benötigt werden.

Auf den Raumstationen jenes Gürtels leben die Gürtler (im englischen Original Belter) unter elenden Bedingungen: Anders als die Terraner, die das Privileg hatten, unter artgerechten Bedingungen auf der Erde aufzuwachsen, leiden die Gürtler nicht nur unter miesen Arbeitsbedingungen, denn selbstverständlich sind sie in erster Linie dazu da, in den Minen auf den jeweiligen Asteroiden zu schuften. Sie haben auch zahlreiche Krankheiten und Gendefekte, weil sie ohne Sonnenlicht, frische Luft und sauberes Wasser existieren müssen, von der fehlenden Schwerkraft gar nicht zu reden.

The Expanse: Detective Josephus „Joe“ Miller (Thomas Jane) und Dmitri Havelock (Jay Hernandes) Bild: syfy.com

The Expanse: Detective Josephus „Joe“ Miller (Thomas Jane) und Dmitri Havelock (Jay Hernandes) Bild: syfy.com

Vieles davon haben sie mit den Marsianern gemeinsam, die ebenfalls in Raumstationen leben – Wälder und Ozeane oder gar eine für Menschen verträgliche Atmosphäre gibt es auf dem Mars noch immer nicht. Aber die Marsianer waren offensichtlich besser auf Zack als die Gürtler und haben es geschafft, sich von der Erde zu emanzipieren – wobei, vermutlich wurden eben nur die besten der Besten zum Mars geschickt, um das Überleben der Menschheit unabhängig von der Erde zu garantieren. Und der Gürtel kam erst später – und dort wurden eben Arbeitskräfte gebraucht und keine mutigen Pioniere, die neue Welten erobern.

Wobei es auch die weiterhin gibt, in einem Nebenhandlungsstrang geht es um ein gigantisches Raumschiff, das im Asteroidengürtel gebaut wird, das sich auf eine hundertjährige Reise zu einer neuen Welt begeben soll – Auftraggeber sind ausgerechnet die Mormonen. Ja, jene US-Sekte, diese Heiligen der letzten Tage und das Schiff heißt Nauvoo, wie jene Stadt in Illinois, die die Mormonen aufkauften, weil sie in Missouri nicht bleiben konnten. Lustigerweise hieß der Ort früher Commerce, aber das hat mit The Expanse eigentlich nichts zu tun. Oder vielleicht doch?

The Expanse: Die verschwundene Juliette „Julie“ Andromeda Mao (Florence Faivre) Bild: syfy.com

The Expanse: Die verschwundene Juliette „Julie“ Andromeda Mao (Florence Faivre) Bild: syfy.com

Wie auch immer, die Marsianer jedenfalls sind allesamt bereit, sich für ein größeres Ganzes zu opfern und dazu auch noch intelligent und effektiv, so dass sie eine eigene Militärmacht aufbauen konnten, die derjenigen ihres einstigen Heimatplaneten trotzen kann – und möglicherweise sogar überlegen wäre, wenn es zu einem Krieg zwischen Erde und Mars kommen sollte. Auf der Erde herrscht inzwischen die UN, die so etwas wie eine Weltregierung für das gesamte Sonnensystem sein möchte. Das klingt einerseits ganz nett: Endlich eine Weltregierung! Doch wie das so ist, eine Regierung ist eben eine Regierung und die vertritt die Interessen der Mächtigen und nicht die der kleinen Leute. Etwa der Gürtler, an die unter den Sparmaßnahmen der Geschäftemacher von der Erde besonders leiden. Aber sie haben damit begonnen, sich zu organisieren und sie haben die OPA gegründet, die Outer Space Alliance, eine militante Gruppe, die für die Interessen der Gürtler eintritt.

Die UN bekämpft diese Aktivisten mit allen Mitteln, das sind nämlich fiese Terroristen, die gegen die Interessen der Erde kämpfen. Die da sind, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel aus den Gürtlern herauszuholen. Und wenn dann der Wassertransporter von der Erde nicht kommt oder die versifften Luftfilter noch einmal recycelt werden, obwohl jetzt schon keiner mehr atmen kann, dann werden eben ein paar Sicherheitskräfte mehr angeheuert, um Ordnung zu schaffen. Weil das viel billiger ist, als frische Luft und frisches Wasser für alle.

The Expanse: Überleben im Weltraum - es lebe die Bastellösung! Bild: syfy.com

The Expanse: Überleben im Weltraum – es lebe die Bastellösung! Bild: syfy.com

Unter diesen Bedingungen ermittelt Detective Joe Miller in einem eigenartigen Vermisstenfall. Miller ist selbst ein Gürtler, er ist auf Ceres aufgewachsen und kennt nichts anders. Allerdings arbeitet er für Star Helix Security, eine private Sicherheitsfirma, die Polizeiaufgaben auf Ceres wahrnimmt. Miller nimmt Bestechungsgelder an und gilt unter den aufrechten Gürtlern als Verräter. Offenbar ist er aber gut in seinem Job, weshalb er beauftragt wird, Juliette Andromeda Mao zu finden, eine junge Terranerin, die aus einer einflussreichen Familie stammt. Wie sich noch herausstellen wird, hat sich Julie der OPA angeschlossen und kämpft für die Rechte der Gürtler, was ihrer Familie überhaupt nicht gefällt.

Julies Spur kreuzt sich mit der des Raumfrachters Canterbury, der Eis nach Ceres bringen soll. Die Canterbury empfängt einen Notruf von der Scopuli. Die Mannschaft tendiert dazu, diesen Notruf zu ignorieren, weil dieser Umweg Zeit und Energie kostet, und niemand weiß, was sie letztlich erwartet. Der erste Offizier der Canterbury, James Holden, entscheidet allerdings, der Sache nachzugehen. Eine kleine Mannschaft von Freiwilligen benutzt eine Fähre der Canterbury, um zu dem verlassenen Schiff abzubrechen, von dem der Notruf kam – und das stellt sich für die Crew der Fähre als Glücksfall heraus, denn wie aus dem Nichts taucht ein unbekanntes Kriegsschiff auf und zerstört die Canterbury.

The Expanse: Detective Miller bei der Arbeit Bild: syfy.com

The Expanse: Detective Miller bei der Arbeit Bild: syfy.com

Das Ausbleiben des Eisfrachters verschärft die Situation auf Ceres, wo Miller nicht nur dem Fall der verschwundenen Julie, sondern auch Wasserdiebstählen nachgeht – er erwischt ein paar dumme Kids, die mit dem abgezapften Naß auf einen schnellen Extraverdienst hoffen. Außerdem ging auf Ceres der Notruf von Holden ein – der indirekt die Marsianer beschuldigt, die Canterbury zerstört zu haben, schließlich deutet das, was sie bei ihrer Mission herausgefunden haben, auf eine Beteiligung der Marsianer hin. Das führt zu gewaltsamen Protesten gegen den Mars – offensichtlich will jemand einen Krieg zwischen Erde und Mars anzetteln.

Und dann gibt es ja noch die OPA – und es stellt sich heraus, dass die Ingenieurin Naomi Nagata, die sich mit Holden an der Rettungsaktion beteiligt hat, der OPA nahesteht. Und damit nicht genug erweist sich Alex Kamal, ein Schiffsführer von der Canterbury, der die Rettungs-Fähre geflogen hat, als Marsianer. Denn der Notruf der Canterbury-Überlebenden wird von dem marsianischen Flaggschiff Donnager empfangen, dem sich die vier Überlebenden der Canterbury schließlich ausliefern. Der vierte Mann ist übrigens Amos Burton, ein schießwütiger Mechaniker. Aber es gibt auch ein paar Charaktere, die weniger holzschnittartig angelegt sind – der Gürtler Miller ist eigentlich ein ganz cooler Typ.

The Expanse: Julies letzte Zuflucht Bild: syfy.com

The Expanse: Julies letzte Zuflucht Bild: syfy.com

Doch, alles in allem ist das eine der besseren Science-Fiction-Serien, auch wenn ich (noch) nicht richtig begeistert bin. Aber vielleicht wird das ja noch – nächstes Jahr kommt die zweite Staffel. Auf jeden Fall gibt es schrammelige Raumstationen, beeindruckende marsianische Militärtechnik und coole Handys haben sie auch auf Ceres – die auch schon mal einen Sprung im Display haben, schließlich wird die Technik richtig beansprucht. Das gibt auf jeden Fall Bonuspunkte.

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