Modus: Das Böse aus Übersee

Im ZDF läuft sonntags um 22 Uhr derzeit der Vierteiler Modus. Den konnte ich als interessierte Schwedenkrimi-Konsumentin natürlich nicht auslassen. Zumal Melinda Kinnaman mitspielt, eine der großen Schwestern von Joel Kinnaman, der gerade in Hollywood so richtig durchstartet. Aber zurück nach Schweden – wobei, das Buch Gotteszahl von Anne Holt, das Grundlage für diesen Vierteiler hergenommen wurde, spielt eigentlich in Norwegen. Aber das ist eigentlich auch egal, der Mörder jedenfalls ist ein durchgeknallter US-Amerikaner – die Zuschauer wissen von Anfang an, wer der Mörder ist. In Modus geht es also eher darum, wie lange die Kriminal-Psychologin Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) brauchen wird, um ihm auf die Spur zu kommen.

Modus Bild: zfd.de

Modus Bild: zfd.de

Es ist kurz vor Weihnachten. Johanne (Melinda Kinnaman) ist mit ihren Töchtern zur Hochzeit ihrer Schwester in Stockholm. Während die Erwachsenen feiern, vertreiben sich die Kinder die Zeit mit Fernsehen und Smartphone-Spielen im Hotelzimmer. Johannes ältere Tochter Stina (Esmeralda Struwe) kann nicht einschlafen – und wie sich noch herausstellen wird, ist sie ohnehin ziemlich eigen: Sie ist autistisch und kann nicht gut mit anderen reden – schon gar nicht, wenn es um Gefühle geht. Und wie es der Zufall in Krimis so will, wird Stina Zeugin eines Mordes, der ganz Schweden noch beschäftigen wird: In jenem Hotel wird nämlich die beliebte TV-Köchin Isabella Levin (Julia Dufvenius) umgebracht. Doch sie ist nur das erste Opfer in einer Serie von rätselhaften Morden.

Der Täter sieht Stina, die daraufhin verstört die Flucht ergreift. Sie rennt im Schlafanzug auf die Straße, wo sie fast von einem Lkw überfahren wird – doch ausgerechnet der Mörder (Marek Oravec als Richard Forrester) rettet das Kind im letzten Augenblick und verschwindet dann unerkannt im Dunkel. Als der Kriminalbeamte Ingvar Nyman (Henrik Norlén) eher zufällig am Unfallort auftaucht, ist er längst verschwunden.

Modus: Forrester (Marek Oravec) und Stina (Esmeralda Struwe) Bild: zfd.de

Modus: Forrester (Marek Oravec) und Stina (Esmeralda Struwe) Bild: zfd.de

Wie sich dann herausstellt, haben Johanne und Ingvar eine gemeinsame Vergangenheit, an die sie im Verlauf der Handlung wieder anknüpfen. Warum auch nicht, Johanne ist von ihrem Mann Isak geschieden, der wiederum eine neue Partnerin hat. Johanne war zwischendurch Profilerin beim FBI, hat diesen Job aber aufgegeben, weil sie zu sehr darin aufgegangen ist und darüber ihre Kinder vernachlässigt hat – das ist ein Konflikt, den ich nur zu gut nachvollziehen kann. Es werden ja nun wirklich unerfüllbare Anforderungen an Mütter gestellt, insbesondere, wenn sie darauf angewiesen sind, selbst für sich und die Kinder Geld verdienen zu müssen. Und gerade wenn sie dann noch einen Job haben, in dem sie richtig gut sind, ist es geradezu unvermeidlich, dass es immer wieder knallt und entweder der Job oder die Kinder zu kurz kommen.

Johanne Vik hat sich schließlich für ihre Kinder entschieden und ist ausgestiegen, um jetzt als freie Autorin mehr freie Zeit zu haben (was für eine naive Idee ist das denn? Aber okay, vielleicht geht das mit Büchern über Mörder) Aber natürlich kommt alles ganz anders. Stina ist offensichtlich traumarisiert von dem, was sie erlebt hat, kann es aber nicht mitteilen. Sie schweigt – zumal der Mörder sie aufsucht und ihr droht – offenbar erkennt er aber auch, dass sie anders ist und er sich deshalb darauf verlassen kann, dass sie nichts sagen wird.

Modus: Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman)  Bild: zfd.de

Modus: Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) Bild: zfd.de

Johanne und Ingvar können sich Stinas Verhalten nicht erklären, die sich jetzt noch eigenartiger benimmt als zuvor – was ich ehrlich gesagt ziemlich schwach für eine ehemalige FBI-Profilerin finde. Aber natürlich ist es schwierig, einen Vierteiler zu machen, wenn die Heldin der Geschichte alles schon im ersten Teil herausfindet.

Isabella Levins Leiche bleibt deshalb zunächst unentdeckt und der Mörder schlägt wieder zu.  Ausgerechnet an Heiligabend tötet er die beliebte, aber auch umstrittene Bischöfin von Uppsala. Ingvar bittet Johanne, ihn als Profilerin bei der Lösung dieses Falles zu unterstützen. Als die besorgte Partnerin der Köchin herausfindet, dass ihre Freundin gar nicht wie geplant bei ihren Kindern war und nach ihr sucht, wird auch die Leiche der TV-Köchin entdeckt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden?

Modus: Ingvar Nyman (Henrik Norlén) Bild: zfd.de

Modus: Ingvar Nyman (Henrik Norlén) Bild: zfd.de

Außerdem hat Johanne mitgekriegt, dass jener rätselhafte Mann, der Stina in jener Nacht gerettet hat, sie aus welchen Gründen auch immer beobachtet – sie ist nun alarmiert und will schon aus Eigeninteresse bei der Aufklärung der Morde helfen – zumal sich nun ja auch herausstellt, dass sie und ihr Kinder am Abend, an dem Isabella erfordert wurden, in der Nähe des Tatorts waren.

Natürlich bleibt es nicht bei diesen beiden Morden – Forrester, der in einen Wohnwagen im tiefverschneiten nordischen Wald lebt und offenbar über jeweils ein spezielles Smartphone, von denen er insgesamt sechs in einer Kiste hat, mit weiteren Morden beauftragt wird, schlägt wieder zu. Wie Johanne noch herausfinden wird, ist er der bewaffnete Arm einer autoritären Sekte, die im liberalen skandinavischen Gesellschaftsmodell den Grund für alles Übel in der Welt sieht: Gleichgeschlechtliche Beziehungen, Regenbogenfamilien und diese ganze beschissene Toleranz der Skandinavier ist Ausdruck der Verderbtheit dieser Welt und muss entsprechend bestraft werden – der Mörder ist im Auftrag des Herrn unterwegs.

Modus: Erik Lindgren (Krister Henriksson) Bild: zfd.de

Modus: Erik Lindgren (Krister Henriksson) Bild: zfd.de

Das ist einerseits interessant, weil genau dieser Offenheit für alternative Lebensmodelle einen großen Teil der hohen Lebensqualität in skandinavischen Ländern ausmacht. Somit löst auch Modus ein, was das Wesen nordischer Krimis ausmacht: Das sie vor allem Gesellschaftsanalysen, Sozialdramen und Beziehungsgeschichten sind. Und obwohl es von all dem in Modus eine Menge gibt, fand ich den Vierteiler am Ende doch nicht so richtig überzeugend – obwohl für die Drehbücher das dänische Autoren-Paar Mai Brostrøm und Peter Thorsboe zuständig war, das bereits für einige internationale Serienhits verantwortlich ist, etwa für  The Team, Der Adler oder Unit One – Die Spezialisten.

Am Ende fand ich die Geschichte doch ziemlich überkonstruiert – keine Frage, es gibt Typen, die einen Haß auf die Gesellschaft haben, es gibt Schwulen- und Lesbenhasser, und es gibt Menschen, die ausflippen, weil sie wollen, dass alles wieder so wie früher ist, in gottgewollter Ordnung, wo jeder weiß, was er oder sie zu tun hat. Die gibt es in jeder Gesellschaft – da braucht man keinen Rächer aus Amerika. Mir gefallen jene skandinavischen Krimis besser, in denen es darum geht, warum sich jemand in der eigenen, ach so offenen und toleranten Gesellschaft entscheidet, zum Verbrecher zu werden – oder jene, die sich damit beschäftigen, warum eben jene Gesellschaft bestimmte Verbrechen einfach nicht in den Griff kriegt. Insofern ist Modus kein besonders gutes Beispiel für einen gelungenen Schwedenkrimi, auch wenn ich Melinda Kinnaman und Henrik Norlén gern bei der Arbeit zusehe. Aber es halt ist keine der Serien, die man gesehen haben muss.

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2 Gedanken zu „Modus: Das Böse aus Übersee

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