Arrival: Warum sind sie hier?

Was Science-Fiction-Filme angeht, habe ich leider schon lange keinen guten mehr gesehen – obwohl es in der letzten Zeit durchaus einige gab, die auf ihre Weise zumindest interessant waren, Der Marsianer beispielsweise oder Interstellar. Und noch schlimmer wird es, wenn Aliens auftauchen – dann gibt es eigentlich nur noch Krieg und Zerstörung. Auf die Idee, dass auch mal Besucher vorbei kommen könnten, die weder die Erde zerstören, noch die Erdlinge versklaven und ausbeuten wollen, scheint kaum ein Filmemacher zu kommen – aber wie auch, wenn das einzig anerkannte, inzwischen global auf unserem Planeten praktizierte Wirtschaftssystem auf Ausbeutung und Konkurrenz beruht, statt auf Kooperation und gegenseitiger Anerkennung.

Um so erstaunlicher eigentlich, dass mit Arrival nun doch ein neuer Science-Fiction-Streifen in die Kinos gekommen ist, der von Außerirdischen handelt, die den Menschen gar nichts tun wollen. Wobei das ja lange Zeit nicht so richtig klar wird – in dem Film des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve geht es vor allem darum, wie man mit Wesen kommuniziert, von deren Art der Kommunikation man überhaupt keinen Schimmer hat.

Arrival: Merkwürdiges Flugobjekt in Montana

Arrival: Merkwürdiges Flugobjekt in Montana Bild: Apple Trailer

Die Menschen haben untereinander ja schon erhebliche Kommunikationsprobleme – und die heutige Art hysterischer Live-Berichterstattung mit all ihren Irrungen und Wirrungen (oder auf Neusprech fake news und alternative facts) macht die Sache auch nicht besser. Insofern ist Dr. Louise Banks (Amy Adams) eine in ihrer Ernsthaftigkeit schon ziemlich aus der Zeit gefallene Wissenschaftlerin – genau wegen dieser Eigenschaft gelingt es ihr schließlich aber auch, die rätselhafte Sprache der Ankömmlinge zu entschlüsseln. Dabei bekommt sie anfangs nicht mal mit, dass die Aliens auf der Erde landen – sie wundert sich nur, dass so wenig Studenten in ihre Vorlesung gekommen sind. Die dann auch noch gebannt auf ihre Laptops starren, anstatt sich anzuhören, was ihre Dozentin über die Besonderheiten des Portugiesischen zu berichten hat. Aber als Zuschauer weiß man ja ohnehin noch nicht so richtig, woran man ist, denn im Schnelldurchlauf wurde als Vorspann gezeigt, dass Dr. Louise Banks gerade ihre Tochter verloren hat, die als junge Frau an irgendeiner Krankheit gestorben ist.

Doch dann geht es richtig los: Kampfjets und Hubschrauber lärmen, die USA machen mobil und die Linguistin, die bereits mehrfach für die US-Regierung gearbeitet hat, wird als Expertin beauftragt, mit den frisch gelandeten Aliens Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) leitet Louise ein Team, das herausfinden soll, wer die Ankömmlinge sind, woher sie kommen und was sie vor haben. Weltweit sind zwölf der eigenartigen Schiffe gelandet, die ihrer Form wegen als „Muscheln“ bezeichnet werden, auch wenn sie nicht wirklich wie Muscheln aussehen – sondern eher wie rätselhafte, einen halben Kilometer hohe Designobjekte, die knapp über der Erdoberfläche schweben. In den elf anderen betroffenen Ländern arbeiten ebenfalls Expertenteams an einer Kontaktaufnahme – aber nicht alle haben die Mittel und die Geduld der Amerikaner, was sich noch als zunehmend problematisch herausstellen wird. Zumal das US-Militär eigentlich auch nicht dermaßen geduldig ist.

Dr. Louise Banks (Amy Adams) Bild: Arrival Trailer (Youtube)

Dr. Louise Banks (Amy Adams) Bild: Arrival Trailer (Youtube)

Alle 18 Stunden öffnet sich eine Tür in dem sonst mit keinerlei sichtbaren Öffnungen versehenen Raumschiff, das über einem Tal in Montana schwebt, durch die das Team ins Innere gelangen kann. Natürlich schützen sich die Menschen mit luftdichten Schutzanzügen, auch wenn sie einen Kanarienvogel im Käfig mitführen, dem es bei den Besuchen weiterhin gut zu gehen scheint.

Die erste Begegnung ist unglaublich spannend, obwohl gar nicht viel passiert – aber man fühlt mit Louise, die mit der Situation kaum klar kommt – dieser ungewohnte Schutzanzug und dann die Ungewissheit der ganzen Unternehmung – was erwartet sie überhaupt im Inneren dieses rätselhaften Dings? Aber sie nimmt sich zusammen – schließlich ist das eine Mission, die nur wenigen Auserwählten zuteil wird. Natürlich ist das eine einzigartige Chance – und Dr. Louise Banks wird das Beste daraus machen.

Im Inneren des Raumschiffs werden in einer Art Kanal die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben – die Wissenschaftler und ihre Beschützer können einfach an den Wänden entlang gehen – schließlich sieht man durch einen Nebel hinter einer Trennwand zwei große, tintenfischartige Wesen mit sieben Armen oder Beinen, die sehr merkwürdige Geräusche von sich geben, die Louise beim besten Willen nicht übersetzen kann.

Die Aliens kommunizieren... Bild: Arrival Trailer (Youtube)

Die Aliens kommunizieren… Bild: Arrival Trailer (Youtube)

Aber als findige Sprachexpertin kommt Louise schließlich auf die Idee, zu testen, ob die Außerirdischen etwas mit visueller Kommunikation anfangen können, in dem sie HUMAN und später ihren Namen auf eine Tafel schreibt, die sie den Heptapoden zeigt. Diese antworten tatsächlich, in dem sie mit ihrer Tinte kreisförmige Schriftzeichen auf die Trennwand schreiben, die leicht variieren. Louise und Ian fangen damit an, diese Zeichen zu entschlüsseln und finden in mühsamer Kleinarbeit auch einiges heraus – allerdings können sie sich nie sicher sein, ob das, was sie hineinlesen, auch wirklich so gemeint ist.

Nach einiger Zeit haben Menschen und Aliens einige grundlegende Begriffe ausgetauscht – und die Aliens überraschen mit einer Botschaft, die sich mit „Waffe anbieten“ oder „Waffe benutzen“ übersetzen lässt. Nicht nur im US-Team sorgt das für Aufregung, sondern auch in China und einigen weiteren Ländern. Während Louise weiterhin überzeugt ist, dass die Aliens etwas anderes meinen müssten, werden weltweit Waffen in Stellung gebracht. Eine Gruppe Soldaten bringt eigenmächtig eine Bombe in das Raumschiff, in dem Louise und Ian weitere Informationen von den Aliens erhalten wollen.

Doch die Aliens lassen sich auch von dieser Aktion nicht aus der Ruhe bringen – sie retten Louise und Ian, wobei einer der beiden Außerirdischen dabei zu Tode kommt. Kurz vor der Explosion haben sie noch eine Menge Zeichen übermittelt, die Ian nun entschlüsselt. Er findet heraus, dass die Aliens auf den Verbund der zwölf Raumschiffe hinweisen. Louise macht sich unterdessen noch einmal allein auf den Weg zum Raumschiff und wird von dem verbliebenen Alien an Bord geholt. Sie findet heraus, dass die Aliens der Menschheit ein Geschenk machen wollen – ihre universelle Sprache, die auch die Wahrnehmung von Zeit verändert – Louise begreift, dass die Träume, die sie die ganze Zeit hat, ein Blick in die Zukunft sind. Später, hoffen die Aliens, werden die Menschen ihnen damit einmal helfen können.

Jetzt gilt es nur noch, die anderen Menschen zu überzeugen…

Doch, das ist ein toller Film, der mich mehr beeindruckt, als jedes Effektgewitter á la Star Wars oder Independence Day. Hier geht es endlich einmal nicht um Technik, sondern um Kommunikation – und um die Mühen ernsthafter Wissenschaft, die ausnahmsweise nicht benötigt wird, um neue Waffen zu entwickeln oder fremde Waffen zu zerstören, sondern um Erkenntnis zu gewinnen. Mehr Science und weniger Fiction also, das sollte man öfter wagen. Wobei dieser Film ja durchaus in die Zukunft blickt, wie man es von guter Science Fiction auch erwarten kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s