Z – The Beginning of Everything

Der Wettstreit um immer neue Inhalte, mit denen Streaming-Kunden gefüttert werden können, bringt derzeit eine ganze Reihe Serien hervor, die vielleicht nicht unbedingt das neue Breaking Bad sind, aber doch durchaus sehenswert. Amazon hat sich jetzt an einer Art neuem Downton Abbey versucht – allerdings geht es hier nicht um die Geschichte einer britischen Adelsfamilie, die mit den Umbrüchen während und nach dem ersten Weltkrieg klar kommen muss, sondern um die Lebensgeschichte zweier Kultfiguren der goldenen 20er des vorherigen Jahrhunderts, die in den USA gelebt haben: Zelda und F. Scott Fitzgerald.

In Z – The Beginning of Everything wird das Leben der jungen Zelda Sayre (Christina Ricci) erzählt. Die jüngste von drei Töchtern eines strengen Richters wächst in Montgomery, Alabama, auf. Das Klima ist warm, aber die Menschen dort sind langweilig und konservativ – und alles ist irgendwie alt, wie Zelda findet. Sie weiß zwar noch nicht, was sie stattdessen will, ist sich aber sicher, dass es überall besser sein muss als in Montgomery.

Amazon_Z_8.1.16_0391.CR2

Z – The Beginning Of Everything: Zelda (Christina Ricci)

Zelda ist jung, schön und pfeift auf die Konventionen – und kommt mit ihrer Frechheit auch immer wieder durch. Zwar nicht beim strengen Papa, aber in ihrer Mutter hat sie eine heimliche Verbündete, die ihr allerlei durchgehen lässt. Mama will doch nur, dass ihr Mädchen glücklich ist. Also sorgt sie dafür, dass Zelda nicht nur zu zweifelhaften Tanzvergnügen geht, sondern auch mit einem seriösen Ballett-Auftritt für die jungen Soldaten glänzen kann, die in Kürze nach Europa in den Krieg ziehen werden. Darunter auch der schneidige Leutnant F. Scott Fitzgerald (David Hoflin), der nach dem Krieg ein berühmter Schriftsteller werden will.

Scott verliebt sich sofort in die hübsche Tänzerin, doch die hat einen ganzen Schwarm von Verehrern und lässt sich zwar von Scott den Hof machen, lehnt seinen Antrag aber ab – obwohl er witzig und gebildet ist. Aber er ist eben auch ein Angeber, er trinkt und es ist völlig unklar, ob er von seinen Schriftsteller-Träumen jemals eine Familie unterhalten können wird. Insofern ist Zelda dann doch weniger durchgeknallt, als ihr Vater denkt, offensichtlich legt sie doch Wert auf Solidität und bandelt mit einem lokalen Langweiler aus einer guten Familie an.

Doch Scott gibt nicht auf. Er nimmt einen Brotjob in einer New Yorker Werbeagentur an und schreibt einen Roman (This Side of Paradise), der tatsächlich ein grandioser Erfolg wird. Scott holt Zelda nach New York, wo sie in so schnell heiraten, dass eine der eigens angereisten Schwestern die Zeremonie verpasst. Die anschließende Party in der Hotelsuite, in der Scott sich eingemietet hat, ist sogar für Zelda verstörend – da benehmen sich lauter Menschen daneben, die sie überhaupt nicht kennt.

Hier zeichnet sich schon ab, dass das wilde, aufregende Leben an der Seite des schillernden Scott vielleicht doch nicht das ist, was Zelda sich erhofft hat. Trotzdem lügt sie ihrer Mutter am Telefon die Hucke voll, damit die sich keine Sorgen macht. Zelda schafft es auch, sich in dieser Bohème-Szene eine gewisse Aufmerksamkeit zu verschaffen, aus der sie Kapital zu schlagen versucht – doch stellt sich heraus, dass Scott sich zwar damit abfinden kann, dass Zelda kein Heimchen am Herd ist, und haushaltstechnisch Hilfe braucht, die er ihr auch verschafft, aber gleichzeitig verwehrt er ihr das, was er für sich selbst als völlig selbstverständlich empfindet: Karriere zu machen.

Scott hat überhaupt keine Skrupel, Zeldas Aufzeichnungen für seine eigenen Werke zu benutzen – nach meinen Recherchen stammen eine ganze Reihe von Geschichten, die unter seinem Namen veröffentlicht wurden, tatsächlich von ihr – doch Zeldas Bestrebungen, sich selbst einen Namen als Künstlerin zu machen, findet er lächerlich: Das ist etwas für Männer. Vermutlich fürchtet er sich nicht zu unrecht davor, dass Zelda ihm Konkurrenz in seiner Profession machen könnte.

Doch er unterminiert auch ihre Anstrengungen, sich in anderen Bereichen einen Namen zu machen – als Zelda das Angebot bekommt, nach Hollywood zu gehen und eine Karriere als Schauspielerin zu beginnen, ist Scott dagegen: „Ohne Ausbildung, Erfahrung und Beziehungen? Die fragen dich doch nur, weil du meine Frau bist?!“ Und auch mit dem Ballett klappt es nicht, obwohl Zelda in dem Bereich ja durchaus eine Ausbildung hat und ihr Training wieder aufnimmt. So gern sich Scott mit Zelda schmückt – ihm ist es wichtig, dass sie als seine originelle und geistreiche Frau wahrgenommen wird, aber nicht als eigenständige Größe.

Insofern ist kaum verwunderlich, dass Zelda einen viel zu großen Anteil ihrer relativ wenigen Jahre in psychiatrischen Einrichtungen verbracht hat – das war früher sehr oft die Antwort auf Nonkonformität: wer sich gesellschaftlichen Gepflogenheiten nicht unterwerfen will, muss verrückt sein. Und eine Frau, die einen erfolgreichen Künstler heiratet und dann auch noch selbst Erfolg haben will, muss ja wohl doppelt verrückt sein. Auch wenn das verrückte Genie von Ehemann nicht mit Geld umgehen kann und lieber trinkt als schreibt. Das haben Frauen halt zu erleiden – sie können gern aus dem Hintergrund das Schlimmste verhindern, aber wehe, sie wollen dafür auch noch Anerkennung.

Zwar har sich inzwischen einiges geändert, aber leider noch längst nicht genug. Insofern ist Z – The Beginning of Everything eine interessante gesellschaftliche Studie der 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts, die daran erinnert, dass es noch einiges zu tun gibt. Weshalb ich sie unbedingt empfehle, auch wenn die Handlung vielleicht doch ein bisschen zu sehr vom einstigen Ruhm ihrer Protagonisten zehrt und nicht von einem originellen und überraschendem Drehbuch. Aber weil Amazon Serien gern im praktischen 27-Minuten-Format produziert, ist der Zeitaufwand für die 10 Teile durchaus überschaubar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s