Serien-Update: Better Call Saul und Fargo

Derzeit ist eigentlich eine total tolle Zeit für Serienfreaks wie mich. Es gibt so viele Serien wie noch nie – angeblich soll es 2017 allein bis zu 500 neue US-Serien geben. Und dann gibt es ja noch die Briten, die Skandinavier, die Italiener, Franzosen, Israelis und, ja auch die Bulgaren, die 5. Staffel von Undercover habe ich inzwischen angefangen. Andererseits hat der aktuelle Serienboom auch seine Schattenseiten: Erstens, wann soll ich das alles ansehen – und vor allem: Wann soll ich darüber bloggen?!

Als Mitglied der arbeitenden Bevölkerung ist das echt eine enorme Herausforderung – zumal es ja eigentlich auch wichtigere Dinge im Leben geben sollte als Serien zu glotzen. Und dann auch noch darüber zu schreiben. Neben der Arbeit gibt es ja noch allerhand andere Dinge zu regeln. Deshalb befinde ich mich derzeit extrem im Rückstand mit meinen Blogeinträgen – denn zwei meiner absoluten Lieblingsserien haben im April endlich wieder neu durchgestartet, zum einen Better Call Saul, zum anderen Fargo. Da kommt mir die Verschiebung der dritten Mr.-Robot-Staffel vom Sommer in den Herbst schon fast gelegen, damit ich bis dahin all das andere Zeug wegglotzen kann.

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Sowohl Better Call Saul als auch Fargo sind mittlerweile ebenfalls in die dritte Staffel gegangen und aufgrund der altmodischen Nur-einen-Teil-pro-Woche-Ausstrahlungs-Tratition muss man immer eine Woche warten, bis der nächste Teil kommt. Das ist schlimm, weil beide neuen Staffeln schon ab dem ersten Teil wieder dermaßen stark waren, dass ich es jeweils kaum aushalten kann, bis die Fortsetzung kommt. Aber das hat auch wieder etwas für sich, weil Vorfreude bekanntlich die schönste ist. Better Call Saul gibt es seit dem 10. April, Fargo ist seit dem 19. April wieder am Start.

Und natürlich sind beide Fortsetzungen wieder zum Niederknien gut gemacht – bei Better Call Saul geht es in der schon in den früheren Breaking-Bad-Staffeln eingeführten Manier weiter, die jeweiligen Hauptpersonen durch kultverdächtige Sequenzen zu charakterisieren, die in anderen Serien vermutlich in wenigen Sekunden abgehandelt werden würden, hier aber zunehmend akribisch und detailreich inszeniert werden, so dass man entweder komplett aussteigt oder sich vor Begeisterung in die Knöchel beißt: Wie Mike Ehrmantraut sein Auto in sämtliche Einzelteile zerlegt, weil er weiß, dass irgendwo eine Wanze versteckt sein muss, ist dermaßen fantastisch, dass die Konsequenz einfach zwingend ist, nachdem er sie endlich, endlich gefunden hat – natürlich benutzt der clevere alte Fuchs die Waffe seiner Gegner nun gegen sie selbst, indem er die Wanze genau da lässt, wo sie platziert wurde hat. Nur hat er sie nach entsprechender Recherche gegen seine eigene Wanze ausgetauscht: Jetzt überwacht er seine Verfolger.

Ich liebe diese Subtilität, das ist einfach großartig. Mich erinnert dieser Mut zur langen Einstellung, zum Lupen-Blick auf bestimmte Details ziemlich an Edgar Reitz, insbesondere an Die Zweiten Heimat, auch wenn das eine ganz andere Geschichte ist, die ganz anders erzählt wird – aber in einer sehr eigenwilligen Erzählweise, auf die sich der Betrachter einlassen muss, um das alles wirklich genießen zu können. Natürlich haben auch Jimmy, Chuck und vor allem auch Kim ihre großen Momente und ja, es taucht tatsächlich der legendäre Gus Frings auf, jener gewiefte Imbißkettenbesitzer und Drogen-Pate, an dem sich Walter White in Breaking Bad abgearbeitet hat. Also ein dreifaches Daumen-hoch für die dritte Staffel von Better Call Saul!

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Ähnlich geht es mir mit Fargo – wir sind wieder im verschneiten Minnesota, es gibt wieder eine engagierte Polizistin, deren Stiefvater gleich im ersten Teil einer tragischen Verwechslung zum Opfer fällt. Und dann gibt es Mal aber ein zerstrittenes Brüderpaar, von denen der eine der Parkplatz-König von Minnesota ist, der andere aber ein heruntergekommener Bewährungshelfer, der nebenbei mit einer seiner Klientinnen als Partnerin an Bridge-Tunieren teilnimmt. Der Parkplatzkönig hat sich von den falschen Leuten mit einem Überbrückungskredit über den Tisch ziehen lassen – die wollen nämlich gar nicht das Geld zurück, sondern seine Firma als Geldwaschmaschine benutzen. Der Bewährungshelfer hingegen hat einen seiner anderen Klienten engagiert, um seinem Bruder eine wertvolle Briefmarke zu stehlen, was gründlich schief geht. Damit ist der Grundstein für eine schreiend komische Serie gelegt, falls man auf diese Art Humor steht.

Fargo lebt ja von den ganzen Knalltüten, die aus verschiedenen Gründen versuchen, kriminell zu sein, aber einfach nicht schlau genug sind, um vom oder manchmal auch nur mit dem aus Versehen begangenen Verbrechen leben zu können. Und den richtig Kriminellen, die sich einen Spaß draus machen, die Dummen für sich arbeiten zu lassen. Das ist schon ein gemeinsames Thema von Better Call Saul und Fargo – wobei BCS mehr auf den gnadenlosen Zweikampf intelligenter Krimineller herausläuft, während Fargo eher eine Charakterstudie von Gelegenheitskriminellen ist, die, wenn es um die Lösung ihrer Probleme geht, erstaunlich abgebrüht und einfallsreich seinen können, da mit aber nicht besonders weit kommen, weil sie eben aus der Situation heraus handeln, und nicht, weil sie wirklich einen Plan hätten. Insofern ist Fargo auch in dieser Staffel wieder deutlich lustiger als Better Call Saul. Zumindest wenn man auf diese Art von Humor steht. Empfehlen kann ich beides.

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2 Gedanken zu „Serien-Update: Better Call Saul und Fargo

  1. Bei „Fargo“ hänge ich noch ein Stück hinterher, aber bei BCS bin ich nun auf dem aktuellen Stand. Ich mag den gemächlichen Stil der Serie auch sehr, zumal ich sie deutlich unterhaltsamer finde als diverse HBO-Classics mit ihrem Charakter- und Milieustudienkonzept. Es war für den Einstieg aber wohl auch hilfreich, dass ich dank BB bereits in Saul und Mike als Figuren investiert war – dazu kamen mit Kim und Chuck großartig geschriebene neue Figuren. Auf das Autorenteam ist wirklich Woche für Woche Verlass, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. 3×05 „Chicanery“ war wohl nicht nur der Klimax der Geschichte, sondern auch die bisher beste Episode in meinen Augen. Die Charakterentwicklung Jimmys in Richtung Saul wird so nachvollziehbar konstruiert, dass es mich wirklich beeindruckt. Großartig auch, wie Kim und Jimmy in 3×07 allein mimisch transportieren, dass sie allmählich auseinanderdriften. Das werden drei tolle letzte Folgen!

    P.S.: Scheint ein optimales Jahr für herausragende 3. Staffeln zu sein, wenn ich da noch an „Twin Peaks“ und „The Leftovers“ denke.

    • Ja, BCS wird immer besser, das sehe ich auch so. Aber die neue Staffel von Fargo ist auch wieder ganz fantastisch. Und dann kommt ja im Oktober auch noch die dritte Staffel von Mr. Robot…

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