Das Institut: Crashkurs Deutsch

Die Deutschen halten sich für eine Bildungsnation und sind auch sonst der Ansicht, dass am deutschen Wesen die Welt genesen könnte und sollte. Auch deshalb exportieren sie deutsche Qualitätsprodukte gern in alle Welt. International beliebt sind vor allem die Bestseller aus deutscher Waffenfabrikation, weniger beliebt sind deutsche Dichtung, deutsches Drama und die komplizierte deutsche Sprache. Damit diese Kulturgüter bei der Außendarstellung unseres schönen Landes nicht zu kurz kommen, gibt es in zahlreichen anderen Ländern der Erde Goethe-Institute, in denen interessierte Ausländer Deutsch lernen können, außerdem soll ganz allgemein deutsche Kultur vermittelt werden. Entsprechend werden dort Veranstaltungen zu deutscher Literatur, Theater, Film, Musik und so weiter angeboten. Doch erstaunlicherweise rennen die Ausländer diesen Instituten nicht an allen Standorten die Türen ein. Insbesondere, wenn sie in ihren jeweiligen Ländern ganz andere Probleme haben, etwa den Kampf um das tägliche Überleben in ihrer eigenen Kultur. Um ein solches Institut, auch wenn es in der Serie nicht ausdrücklich nach Goethe benannt wurde, dreht sich die Satire-Serie Das Institut – Oase des Scheiterns.

insitut

Die Koproduktion von BR, NDR, WDR, BR-Plus und ARD-alpha ist mit Abstand die lustigste Serie, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hat. Was allerdings auch nicht so schwer ist, denn mir fällt auf Anhieb keine weitere Comedyserie aus deutscher ÖR-Produktion ein. Ja, gut, es gibt schon weitere deutsche Comedyserien, die gar nicht so schlecht sind, etwa die maxdome-Produktion jerks. Und bei angestrengtem weiteren Nachdenken fällt mir noch die Serie Blockbustaz ein, die auf ZDFneo lief. Aber die ist nicht annähernd so gut wie Das Institut.

Um so erfreulicher, dass es diese Serie gibt, in der fünf wackere deutsche Angestellte des titelgebenden Instituts gemeinsam mit ihrem einzigen einheimischen Mitarbeiter versuchen, den in einer fiktiven mittelöstlichen islamischen Volksrepublik ansässigen Kisbeken die deutsche Kultur nahezubringen. Dem Institut in der kisbekischen Hauptstadt Kallalabad geht es wie so vielen kulturellen Einrichtungen, die vom deutschen Staat oder genauer: Vom deutschen Steuerzahler finanziert werden (müssen): Angesichts anderer Prioritäten ist die Ausstattung des Instituts mit finanziellen und sonstigen Mitteln prekär, möglicherweise soll die Filiale sogar aufgegeben werden.

Man sollte annehmen, dass die gemeinsamen Anstrengungen, dieses Institut zu erhalten, schon um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, das Team zusammenschweißen würden. Doch unter den Angestellten des Instituts verteidigt jede und jeder eifersüchtig seine Pfründe: Die Institutsleiterin Dr. Eckart (Christina Große) ist eine Bilderbuchkarrieristin, die über Leichen geht (sie hat ja auch die besten Chancen auf eine Weiterbeschäftigung an einem anderen Ort), während ihr Vertreter Gmeiner (Rainer Reiners) eher ein gemütlicher Typ ist, der sich gern als Goethe verkleidet und unfreiwillig komische Kurzvorträge über deutsche Geschichte halten kann.

Ebenso naiv wie um die deutsche Sprache bemüht ist die Deutschlehrerin Jördis (Nadja Bobyleva), die so gern jeden ihrer Schützlinge durch die Prüfung bringen möchte, während der Theaterexperte Titus (Robert Stadlober) damit hadert, mit seinen revolutionären Inszenierungen deutscher Dramatiker an den Arsch der Welt verbannt worden zu sein. Die einzige ostdeutsche im Club ist die Bibliothekarin Margarete (Swetlana Schönfeld), die immer wieder günstige Gesamtausgaben von DDR-Schriftstellern einkauft und sich im Verlauf der Serie als die alltagstauglichste unter den abgehobenen Schöngeistern herausstellt. Egal, ob es um eine dringend nötige Wahlfälschung oder um die Verteidigung des Instituts gegen schwer bewaffnete islamistische Fundamentalisten geht, Margarete überrascht mit entsprechenden (einst in der DDR erworbenen) Kompetenzen.

Das Institut: Die komplette Belegschaft

Das Institut: Dr. Eckart (Christina Große), Gmeiner (Rainer Reiners), Haschim (Omar El-Saeidi), Jördis (Nadja Bobyleva), Titus (Robert Stadlober) und Margarete (Swetlana Schönfeld)

Haschim (Omar El-Saeidi), der einzige Kisbeke im Team, liebt seine Arbeit im Institut, obwohl er mehr oder weniger Mädchen für alles ist, weshalb die Praktikantin Swantje (Antonia Bill) ihm immer wieder zuredet, er solle sich nicht alles gefallen lassen. Bezeichnenderweise ist Swantje die einzige unter den Deutschen, die sich ernsthaft für die kisbekische Kultur interessiert. So aufgeschlossen und weltgewandt sich die anderen auch geben, sie interessieren sich nur für ihre eigene Kultur, die sie für die überlegene halten und sind entsprechend unsensibel unterwegs, was immer wieder zu komplizierten Situationen führt.

Aber es gibt ja nun auch eine Menge Herausforderungen, die zu bewältigen sind, ob es nun um die Gestaltung eines Tags der offenen Tür geht, für den leider nur belgische Dekofähnchen aufzutreiben sind, oder die bessere Blutspendebilanz des niederländischen Instituts, um eine Aufführung des deutschen Toleranz-Stücks schlechthin, Nathan der Weise, mit kisbekischen Laiendarstellern und Hakenkreuz-Umhang („Ich will verstören!“ bekräftigt Titus), ein Fußballturnier im Mienenfeld oder um das Ansinnen lokaler Warlords, einen Crashkurs in deutscher Kultur zu bekommen, weil man ja den Feind kennen muss, um ihn zu besiegen, die wackeren Institutsmitarbeiter*innen (wie ist mittlerweile eigentlich die korrekte Schreibweise, wenn man alle und jede*n einbeziehen möchte?) haben es nicht leicht. Und auch wenn sie irgendwie selbst schuld an ihrer Lage sind, so kann man doch den einen oder die andere mit der Zeit lieb gewinnen: Sie meinen es ja meistens gut. Bis auf Dr. Eckart, aber jede Serie braucht ihre Buhfrau.

Und was mir sonst noch gefällt: Die Serie wurde hauptsächlich in einem ehemaligen Gefängnis in Berlin Moabit gedreht, was das gesamte Ambiente etwas klaustrophobisch wirken lässt. Wobei das die Situation in einem von islamischen Warlords beherrschten Mittelostland vermutlich gut einfängt. Hoffentlich gibt es noch eine weitere Staffel. Oder besser noch mehrere.

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