8 Tage: Feiern bis zum Weltuntergang

Die Ankündigung machte mich neugierig: Eine neue deutsche Serie von Sky, die von den letzten acht Tagen vor dem Weltuntergang erzählt: Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Aufgrund seiner besonders lichtabsorbierenden Oberfläche hatte man ihn nicht kommen sehen. In vorletzter Minute wird versucht, ihn mit Atomraketen vom Kurs abzubringen, aber das Manöver misslingt. Für die Menschen in Europa, wo er auftreffen wird, beginnt der Countdown bis zum Untergang. Was bedeutet das für die Menschen in der Killzone?

Faszinierende Frage, eigentlich. Doch leider ist aus der tollen Idee eine insgesamt ärgerlich schwache Serie geworden. Was nicht an den Schauspielern liegt, mit Devid Striesow, Christiane Paul, Nora Waldstätten, Fabian Hinrichs, Mark Wasche, Murathan Muslu oder Henry Hübchen waren eine Menge echter Stars dabei. Aber aus einem drögen Drehbuch kann auch das engagierteste Spiel kein packendes Fernseherlebnis zaubern.

Serienposter 8 Tage Bild: sky.de

Serienposter 8 Tage Bild: sky.de

Es ist ja nicht so, dass ich ein teures Blockbuster-Spektakel à la Independence Day oder Armageddon erwartet hätte. Im Gegenteil freute ich mich auf das angekündigte Kammerspiel im Schatten der großen Katastrophe. Aber genau das ist grandios schief gelaufen: Wir sehen eine ganze Reihe eher unsympathischer Figuren, die vermutlich komplex-ambivalent sein sollten, aber leider wieder nur Personifikationen gängiger Klischees aus, nun ja, eben typisch deutschen Fernsehserien sind.

Ein weiteres Problem ist, dass die Autoren das ganze Setting nicht richtig gut durchdacht haben – es fühlt sich an wie „ist ja bloß Fernsehen, wir tun einfach mal so“. Mit Logik und Continuity haben es die Serienmacher auch nicht besonders, angefangen damit, dass der Asteroid einerseits ganz plötzlich aufgetaucht sei, weshalb die Vorwarnzeit so kurz und die Reaktion der Menschen so verzweifelt sein sollen, andererseits heißt es später dann wieder, die Bundesregierung hätte doch genügend Zeit gehabt, entsprechende Vorkehrungen zu treffen und Bunker zu bauen, was dann aber nicht passiert sei, weil die Politiker so böse und korrupt sind.

8 Tage: Marion (Nora Waldstätten) und Hermann (Fabian Hinrichs) Bild: Sky.de

8 Tage: Marion (Nora Waldstätten) und Hermann (Fabian Hinrichs) Bild: Sky.de

Dann soll die allgemeine Ordnung ist zusammengebrochen sein, was vor allem an geplünderten Supermärkten zu sehen ist, vor denen sich Müll und leere Einkaufswagen stapeln. Und natürlich an jungen Leuten, die Party machen bis zum Abwinken. Ansonsten läuft der Alltag erstaunlich normal weiter, es gibt selbstverständlich noch immer Strom, funktionierende Telefone und Handys und die Fernseher laufen sogar in den letzten Stunden vor der finalen Katastrophe noch und senden Bilder aus dem Regierungsapparat, der angeblich längst kollabiert sein soll und irgendwie doch noch immer Nachrichten liefert.

Okay, es ist durchaus nachvollziehbar, dass echte Journalisten von altem Schrot und Korn gerade in solchen Situationen nicht abhauen, sondern jetzt erst recht ihren Job machen, denn es gibt ja nun wirklich was zu berichten. Aber dass die politische und gesellschaftliche Elite einfach geschlossen abtaucht und das Schicksal der Nation einer Handvoll Journalisten überlässt, finde ich dann doch ziemlich billig. Man muss jetzt keine Politik-Serie auf dem Niveau von Borgen oder House of Cards daraus machen, aber einfach nur das Klischee zu bedienen, dass die Politiker unfähig sind, sich um nichts kümmern und am Ende nur an sich selbst denken, zeigt vor allem, dass die Serienschreiber sich auch nicht besonders anstrengen wollten.

8 Tage: Susanne (Christiane Paul), Uli (Mark Wasche) und Tochter Leonie (Anna Lena Klenke) auf der Flucht  Bild: Sky.de

8 Tage: Susanne (Christiane Paul), Uli (Mark Wasche) und Tochter Leonie (Anna Lena Klenke) auf der Flucht Bild: Sky.de

Eine Ausnahmesituation kurz vor dem Ende von allem stelle ich mir anders vor, panischer, chaotischer, euphorischer. Wenn es eh nicht mehr drauf ankommt, könnte man doch mal Dinge ausprobieren, die man sonst nie getan hätte. Da sollten noch andere Sachen denkbar sein als übermäßiger Drogenkonsum, laute Musik und kindische Zerstörungswut. Ich hoffe inständig, dass die Menschen insgesamt kreativer sind als die Erfinder dieser Serie.

Denn auch aus dem, was sich die Serienmacher vorgestellt haben, machen sie erstaunlich wenig: Eine finanziell eher gut gestellte Mittelstandsfamilie bestehend aus der Ärztin Susanne (Christiane Paul), dem Physiklehrer Uli (Mark Waschke) und deren Kindern Leonie und Jonas tritt die Flucht nach Osten, also Russland an. Hier gibt es einige für Normalbürger herausfordernde Ausnahmesituationen, aber im Vergleich zu dem, was man über Flüchtlingsschicksale berichten könnte, ist das alles ziemlich harmlos. Zumal alle Beteiligten einfach in ihr unversehrtes Einfamilienhaus in einem ruhigen grünen Vorort von Berlin zurückkehren können, als sich abzeichnet, dass sich alles anders als erwartet entwickelt. Hier gibt es immerhin noch ein kleines Vorstadtdrama, was ich dann aber auch wieder zu konstruiert fand.

8 Tage: Klaus (David Striesow) Bild: Sky.de

8 Tage: Klaus (David Striesow) Bild: Sky.de

Interessanter ist der Bauunternehmer Klaus (David Striesow), ein Psychopath, der sich für schlauer als alle anderen hält und für seine Familie einen Bunker gebaut hat. Dort sperrt er seine Tochter Nora (Luisa-Céline Gaffron) ein, die in Teenager-Art immer vehementer gegen ihren unerträglichen Vater rebelliert. Klaus ist ein typischer Prepper, der schon immer wusste, wie es kommen muss, entsprechend Vorräte anhäuft und auf Waffengewalt setzt. Er schart eine Gang von Gleichgesinnten um sich, die es allerdings im Zweifelsfall allerdings genau so halten wie er selbst: Der Stärkere setzt sich durch und nimmt keine Rücksicht auf Schwächlinge. Das kann auch gegen einen ausgehen, wenn die anderen in der Überzahl sind. Erst recht, wenn Schusswaffen im Spiel sind.

8 Tage: Deniz (Murathan Muslu) Bild: Sky.de

8 Tage: Deniz (Murathan Muslu) Bild: Sky.de

Doch nicht jeder, der eine Waffe in die Hand bekommt, knallt durch: Stoisch und die meiste Zeit rätselhaft unbeteiligt wirkt der Polizist Deniz, ein Kämpfer nicht nur für Gerechtigkeit, sondern für das Richtige, wie er gegen Ende erklärt. Deniz hält die Stellung auf seiner Polizeiwache noch, als alle anderen längst getürmt sind, er versucht, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten, als schon überdeutlich ist, dass es keinen Sinn mehr hat. Kurz vor Schluss noch stellt er einem Falschparker ein Knöllchen aus, genau wie Herr Luther, der heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, wenn er wüsste, dass morgen die Welt unter geht. Immerhin: Deniz ist tatsächlich ein Held und verzichtet zu Gunsten anderer auf seinen persönlichen Vorteil, als es hart auf hart kommt.

Ganz im Gegensatz zu Hermann (Fabian Hinrichs), dem Politiker. Der verhält sich genau so, wie man es von einem seiner Sorte erwartet: Er ist immer auf seinen Vorteil aus und im Zweifelsfall korrupt und feige. Erst versucht Hermann, für sich und seine hochschwangere Freundin Marion (Nora Waldstätten) ein rettendes Flugticket in die USA zu bekommen. Das geht schief. Dann versucht er verzweifelt, zwei der viel zu wenigen Bunkerplätze zu bekommen. Aber die werden nur an relevante Regierungsmitglieder vergeben, zu denen Hermann nicht gehört, die Restplätze werden unter der Bevölkerung verlost.

8 Tage: Ben (Thomas Prenn) und  Nora (Luisa-Céline Gaffron) Bild: Sky.de

8 Tage: Ben (Thomas Prenn) und Nora (Luisa-Céline Gaffron) Bild: Sky.de

Und siehe da, unsere wackere Familie zieht eins der großen Lose, denn Ärztinnen und Physiker werden später für den Wiederaufbau benötigt. Aber das mit der Eintrittskarte für die vermeintliche Lebensrettung geht auch wieder nach hinten los: Jetzt kommt ein bisschen Action, Teile der Bundeswehr finden nämlich, dass sie nicht nur Deutschland und dessen Politiker schützen, sondern ebenfalls Platz im Bunker bekommen sollten. Und die haben sogar funktionierende Waffen! Auf diese Weise endet das große Bunkerglück für viele dann tödlich, aber Uli kann mit den Kindern und Susanne entkommen. Doof nur, dass sie jetzt wieder draußen und ihre Stunden gezählt sind.

Die Frage, wo Dienst und Pflicht enden und das Eigeninteresse beginnen sollte oder darf, wird mehrfach behandelt. Das ist eine durchaus interessante Frage, aber man hätte auch noch andere Fragen stellen können. Etwa nach welchen Kriterien denn eine Auswahl zu treffen wäre, wer gerettet werden und wer sterben soll. Es wird zwar als irgendwie ungerecht dahingestellt, dass wie immer politischer Einfluss und Geld die entscheidenden Kriterien sind. Aber was wäre denn gerechter?

8 Tage: Der vermeintliche Erlöser Robin (David Schütter) Bild: Sky.de

8 Tage: Der vermeintliche Erlöser Robin (David Schütter) Bild: Sky.de

Das wird gar nicht erst gefragt, weil die Antwort schwer ist. Aber man könnte doch wenigstens mal drüber nachdenken. Und das zieht sich durch sämtliche acht Tage. Ich will nicht sagen, dass alles schlecht ist, so fand ich durchaus nachvollziehbar, dass ein junger Krebskranker sich freut, dass es jetzt nicht nur ihn erwischt, sondern alle, womit er sich die Frage, warum ausgerechnet er sterben soll, während die anderen weiterleben dürfen, nicht mehr stellen muss. Und klar, es gibt natürlich auch Menschen, die sich in den Glauben flüchten und in letzter Minute auf einen Erlöser setzen, der in Gestalt des einfältigen, aber gutwilligen Exkriminellen Robin erscheint. Der redet eigentlich nur wirres Zeug, aber es klingt ungefähr wie das, was auch in der Bibel nachzulesen ist. Immerhin taugt er dazu, Susannes Tochter Leonie die Freuden der ersten Liebe zu zeigen, bevor alles für immer vorbei ist.

8 Tage: Egon (Henry Hübchen) Bild: Sky.de

8 Tage: Egon (Henry Hübchen) Bild: Sky.de

Cool fand ich auch den ehemaligen NVA-Offizier Egon (Henry Hübchen), der seine Wut erst an seinen Möbeln auslässt und sich dann entschließt, seine heimliche Jugendliebe aufzusuchen. Wie sich herausstellt, war Egon schwul. Das war unsozialistisch und durfte somit nicht sein. Und Horst hat dann ohnehin rüber gemacht, in den goldenen Westen und dort ein unspektauläres Leben in einer klassischen heterosexuellen Beziehung geführt. Was Egon im Osten irgendwie auch getan haben muss, sonst hätte er keine Kinder. Denn Egon ist der Vater der auf jeweils ihre Art ziemlich ätzenden Geschwister Hermann und Susanne.

Immerhin lässt sich Susanne von ihrem kleinen Sohn schließlich noch überzeugen, ebenfalls etwas richtiges zu tun, nämlich Marion bei der Geburt ihres Kindes zu helfen und ihr dann das Familienauto zu überlassen, damit sie zu Hermann kann, der mittlerweile Bunkerplätze besorgt haben will. Nun ja, es ist gewiss kein übergroßer Spoiler, wenn ich verrate, dass die Sache für eine große Mehrheit der Bevölkerung nicht gut ausgeht, denn das war ja von Anfang an klar. Nicht jeder, der es verdient hätte, kann gerettet werden, und unter denen, die sich retten können, sind viele Arschlöcher. Aber gerade weil das Ende so vorhersehbar ist, hätte man sich mit dem, was in den acht Tage davor passiert, mehr Mühe geben können.

8 Tage: Ob jetzt alles gut wird?  Bild: Sky.de

8 Tage: Ob jetzt alles gut wird? Bild: Sky.de

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Game of Thrones: Endlich Finale

Nachdem ich dem Hype lange Jahre widerstanden habe, haben mich meine Kinder im vergangenen Winter hartnäckig (und mit Erfolg) bearbeitet: Als bekennender Serienfan dürfe ich nicht einfach die Serie aller Serien links liegen lassen. Wobei das ja keine böse Absicht war: Zuvor hatte ich schon mehrfach versucht, mit Game of Thrones warm zu werden. Aber die Serie macht es einem wirklich nicht leicht, wenn man die Bücher nicht kennt: Auch beim dritten oder vierten Versuch bin ich irgendwann im Verlauf der ersten Folge ausgestiegen – diese rätselhaften Toten im düsteren Winterwald waren einfach nicht mein Ding.

Game of Thrones: Ned Stark (Sean Bean)

Game of Thrones: Ned Stark (Sean Bean), die Hand des Königs auf dem Eisernen Thron Bild: hbo.com

Obwohl ich ja selbst Winter heiße. Meine  (mittlerweile erwachsenen) Kinder haben mir sogar eine GoT-Tasse geschenkt, die mit dem Wolfskopf der Starks und dem Motto: „Winter is coming“. Die Tasse mag ich tatsächlich, und auch wenn dieser Winter nun vorbei ist, fühle ich mich verpflichtet, meinen Teil zum Serienerlebnis beizutragen. Denn in einigen Tagen kommt die allerletzte Staffel raus und danach ist GoT für immer Geschichte.

Was bisher geschah: Ich war krank und hatte meine ganzen aktuellen Lieblingsserien schon ausgesehen. Meine Kinder veranstalteten in dieser Situation eine Art betreutes GoT-Watching mit mir: Ich durfte nicht ausschalten, bekam aber, wenn ich die Pausetaste drückte, umfangreiche Erklärungen zum gerade Gesehenen. Mit derartiger Nachhilfe kam ich über die ersten vier, fünf Teile hinweg langsam in die Handlung mit den am Anfang ja noch unübersichtlich vielen Hauptfiguren hinein – und dann wollte ich natürlich irgendwann von ganz allein wissen, wie es weiter geht.

Game of Thrones: Waren die mal süß! Bran, Arya und Sansa Stark. Im Hintergrund Thron Greyjoy und Jon Snow. Bild: hbo.com

Game of Thrones: Waren die mal süß! Bran, Arya und Sansa Stark. Im Hintergrund Theon Greyjoy und Jon Snow. Bild: hbo.com

In den vergangenen Monaten habe ich mir die bisherigen Staffeln von Game of Thrones in einer konzentrierten Nachhol-Aktion angesehen – auch wenn ich noch immer darauf bestehe, das Breaking Bad die bisher beste aller Serien ist, und dann kommen erstmal die Sopranos, The Wire und natürlich Mad Men. Langsam kann ich aber nachvollziehen, warum GoT einen Rekord nach dem anderem bricht: Die Serie ist wirklich spannend und bietet eine Menge Drama, Sex und Wahnsinn, so dass man kein ausgesprochener Fantasy-Fan sein muss, um Spaß daran zu finden.

Es ist wie damals, Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre mit dem Herrn der Ringe – auch den fand ich, ehrlich gesagt, ziemlich zäh, aber den musste man als junger Mensch einfach gelesen haben. Und für Vielleserinnen war das halt so eine Etappe, die man einfach durchhalten musste, wie die Bergwertung bei der Tour de France. Ich bin bis heute kein Fan von Mittelerde, aber manches muss man einfach mal durchgemacht haben, schon aus Gründen umfassender Allgemeinbildung. Ähnlich erging es mir mit Game of Thrones.

Game of Thrones: Cersei Lannister und Margaery Tyrell Bild: hbo.com

Game of Thrones: Cersei Lannister und Margaery Tyrell Bild: hbo.com

Wenn man Historienserien wie Vikings, The Last Kingdom oder Borgia mag, dann ist diese Geschichte eines fiktiven mitteleuropäischen Mittelalters ein unerwartetes Vergnügen. Denn sie ist eigentlich noch besser, weil hier eben nicht Geschichte, oder vielmehr das, was man heute vermeint, darüber zu wissen, nachgestellt wird, sondern anhand dessen, was aus der Geschichte bekannt ist, spannende Dinge über Menschen und ihre Beziehungen zueinander erzählt werden. Gerade Vikings ist eine reichlich brutale, aber sehr stylisch inszenierte Fantasyserie, die mythische Figuren aus nordischen Sagas zum Leben erweckt. Viele der Vikings-Charaktere haben zwar einen historischen Hintergrund, sind aber doch in erster Linie Personifizierungen neu interpretierter Legenden. In Game of Thrones ist halt auch die historische Vorlage erfunden, aber das stört letztlich nicht, weil sich George R.R. Martin das GoT-Universum überaus akkurat und detailreich ausgedacht hat. 

Das Setting von A Song of Ice and Fire ist realistisch enervierend, denn in Westeros gelten die üblichen patriarchalischen Regeln, die nicht nur hierzulande vor ewigen Zeiten etabliert wurden: Der Mann ist das Familienoberhaupt, es gibt Ritter (die „Ser“ heißen) und gelehrte Männer (die „Maester“ genannt werden), Frauen sollen nur hübsch und folgsam sein, Kinder gebären und ihren Familien keine Schande bereiten – während die Männer, nun ja, die haben oft andere Dinge im Kopf als gerade angebracht wäre. Insofern finde ich besonders interessant, dass sich in dieser Serie über eine wiedermal von starken Männern dominierte Welt eine Reihe ihnen mindestens ebenbürtige weiblicher Hauptcharaktere profilieren können: Allen voran Cersei Lannister (Lena Headey), die von Anfang an die Königin der sieben Königreiche ist, auch wenn ihr Ehemann Robert Baratheon (Mark Addy) offiziell auf dem Eisernen Thron sitzt. Robert ist ein Hitzkopf, ihm liegt das Regieren nicht, er geht lieber auf die Jagd oder ins Bordell, als sich um die Festigung seiner Macht zu kümmern. Deshalb holt er seinen alten Freund zur Hilfe, Eddard Stark (Sean Bean), den Wächter des Nordens an seinen Hof und macht ihn zur Hand des Königs.

Game of Thrones: Brienne of Tarth und Jaime Lannister Bild: hbo.com

Game of Thrones: Brienne of Tarth und Jaime Lannister Bild: hbo.com

Ned, wie er von seinen Freunden und seiner Familie genannt wird, ist ein Ehrenmann alter Schule, er erfüllt all die lästigen Pflichten, die er als Hand des Königs zu erfüllen hat. Und gerade weil er ein klassischer Ritter ist und mit Politik nichts am Hut hat, überlebt er in dieser heiklen Position auch nicht allzu lange. Ned hat gemeinsam mit seiner Frau Catelyn (Michelle Fairley), die ebenfalls aus einer alten und angesehen Familien stammt, eine Menge Kinder, von denen es einige in der grausamen Welt von Westeros ziemlich weit bringen. Auch wenn es das Schicksal ausgerechnet mit dem erstgeborenen Sohn Robb (Richard Madden), der in den frühen Staffeln als junger Wolf glänzt, nicht allzu gut meint.

Übles widerfährt auch den anderen Stark-Kindern, etwa dem kleinen Bran (Isaac Hempstead Wright), der früh in Folge eines Sturzes zum Krüppel wird, später allerdings übernatürliche Kräfte erlangt. Die älteste Stark-Tochter Sansa (Sophie Turner) hingegen erhofft, durch Heirat Königin zu werden – doch der Thronfolger Joffrey (Jack Gleeson), der Sohn von Cersei Bannister und Robert Baratheon, entpuppt sich als sadistisches Arschloch, das schließlich einer anderen den Vorzug gibt und Sansa damit unbeabsichtigt ein besseres Schicksal ermöglicht.

Game of Thrones: Lord Varys und Tyrion Lannister Bild: hbo.com

Game of Thrones: Lord Varys und Tyrion Lannister Bild: hbo.com

Sansa hat über die bisher sieben Staffeln der Serie eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen, von der naiven Prinzessin, die es allen recht machen wollte, und entsprechend ausgenutzt und missbraucht wurde, zu einer selbstbewussten jungen Frau, die menschliche Abgründe kennt und ebenso umsichtig wie mutig ihre Interessen verteidigt. Im Rennen um den Eisernen Thron sind allerdings noch einige andere, Sansas kleine Schwester Arya (Maisie Williams) etwa, die von Anfang an eine Vorliebe für Kampf und Konflikt gezeigt hat, und mittlerweile nicht nur eine talentierte Schwertkämpferin, sondern auch eine vielgesichtige Rachegöttin ist.

Und dann ist da natürlich das extrem problematische Traumpaar bestehend aus Jon Snow (Kit Harrington) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die wenn ich die Familienverhältnisse richtig verstanden habe, Tante und Neffe sind, aber das eben (noch?) nicht realisiert haben. Jon glaubt ja noch immer, ein Bastard-Kind von Ned Stark zu sein, auch wenn wir mittlerweile wissen, dass er der Sohn von Neds heißgeliebter Schwester Lyanna Stark und Rhaegar Targaryen und somit ein heißer Aspirant auf den Eisernen Thron ist. Wobei derartige Familienverhältnisse bei Targaryens nicht ungewöhnlich sind, ähnlich die ägyptischen Pharaonen haben die den Knall, innerhalb der Familie zu heiraten, damit die Blutlinie rein bleibt. Aus biologischer Sicht extrem problematisch, aber egal, so ist das mit Royals nun einmal. Daenerys jedenfalls ist ebenfalls eine extrem starke und sendungsbewusste Frau, die bisher sämtliche Anschläge auf ihr Leben überstanden und dazu noch eine vergleichsweise menschenfreundliche Art der Herrschaft entwickelt hat: Sie sieht sich nicht als Unterdrückerin, sondern als Befreierin. Ähnliches lässt sich über Jon berichten, der nach diversen Abenteuern nördlich der großen Mauer von seinen Leuten zum König des Nordens gewählt wurde, weil sie in ihm einen geeigneten Anführer sehen, der den Gefahren des anstehenden langen Winters trotzen kann.

Eis und Feuer: Jon Snow und Daenerys Targaryen Bild: hbo.com

Eis und Feuer: Jon Snow und Daenerys Targaryen Bild: hbo.com

Das Verhältnis von Cersei Lannister und ihrem Bruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) ist nicht weniger anrüchig. Inzwischen sind alle drei Kinder tot, die aus dieser inzestuösen Verbindung hervorgegangen sind und es zeichnet sich ab, dass Jaime sich von seiner intriganten und machthungrigen Schwester losgesagt. Und dann ist da auch noch ihr kleiner Bruder Tyrion (Peter Dinklage), der Gnom. Auch Tyrion Lannister hat eine interessante Entwicklung erfahren: Vom dekadenten Adelsspross, der seine Tage versoffen und verhurt hat, zum verantwortungsvollen und klugen Berater der (vermeintlich) letzten Überlebenden aus dem Haus Targaryen, Daenerys, der Sturmgeborenen, der rechtmäßigen Erbin des Eisernen Throns, der Herrscherin über die Andalen und die ersten Menschen, der Khaleesi des Großen Grasmeeres, der Unverbrannten, der Sprengerin der Ketten, der Mutter der Drachen. Auch Tyrion ist mit jeder Herausforderung gewachsen und stärker geworden. Er hat beschlossen, die weniger selbstsüchtige und grausame Daenerys im Kampf um den Eisernen Thron zu unterstützen, zumal er begreift, dass nur eine breite Allianz sämtlicher Häuser in der Lage sein wird, gegen den Nachtkönig und die Weißen Wanderer zu bestehen, die mit dem anstehenden langen Winter in die sieben Königreiche einfallen.

Game of Thrones: Die Last der Bildung. Sam in der Zitadelle der Maester. Bild: hbo.com

Game of Thrones: Die Last der Bildung. Sam in der Zitadelle der Maester. Bild: hbo.com

Das alles ist schon ziemlich cool, und man sehe mir an dieser Stelle nach, dass ich unmöglich die vielen bemerkenswerten Charaktere des Game-of-Thrones-Universums in einem einzigen Artikel unterbringen kann. Unbedingt muss ich erwähnen das nette Dickerchen Samwell Tarly (John Bradley), der zwar auf den ersten Blick keineswegs zum Ritter oder auch nur zu einem Mann der Nachtwache taugt, sich aber doch immer wieder als mutig und vor allem klug entpuppt. Seine Weisheit bezieht er in der Regel aus alten Büchern, Sam mag zwar schwach und feige erscheinen, aber er ist ein Mann der Weisheit, der zeigt, dass Bildung ebenso wichtig und nützlich sein kann, wie die Fähigkeit, im Kampf zu bestehen.

Der intrigante Littlefinger (Aidan Gillen) ist zwar mittlerweile Geschichte, aber die Figur des Petyr Baelish war streckenweise durchaus wegweisend für den Fortgang der Serie, ebenso wie die des Lord Varys (Conleth Hill), der noch immer seine Fäden spinnt. Wesentlich zupackender ist Brienne of Tarth (Gwendoline Christie), die zumindest körperlich stärkste Frau im Game-of-Thrones-Universum, die im Zweikampf sogar The Hound Sandor Clegane (Rory McCann) schlagen konnte, der nun keinesfalls ein Schwächling, sondern im Gegenteil ein überaus gefürchteter Gegner ist. Sie zieht die Aufmerksamkeit des ebenfalls nicht gerade schwächlichen Wildlings Tormund (Kristofer Hivju) auf sich. Mal sehen, ob draus noch etwas wird. Und wo wir bei den Wildlingen sind, muss ich unbedingt Gilly (in der deutschen Version Goldie, Hannah Murray) erwähnen, die Wildlingsfrau, in die Sam sich verliebt und weshalb er sie und ihren neugeborenen Sohn vor den weißen Wanderern rettet, und natürlich die wilde Ygritte (Rose Leslie), an die Jon Snow seine Umschuld verliert. Auch die beiden sind starke und eigenwillige Frauen, genau wie Osha (Natalia Tena), die gemeinsam mit den Halbriesen Hodor (Kristian Nairn) Bran auf seinem Weg zum dreiäugigen Raben beschützt.

Game of Thrones: Die Wildlinge Ygritte und Tormund. Bild: hbo.com

Game of Thrones: Die Wildlinge Ygritte und Tormund. Bild: hbo.com

Doch, wenn ich die Charaktere so durchgehe, stelle ich fest, dass GoT durchaus auch eine Frauenserie ist, was sicherlich einen Argument für den durchschlagenden Erfolg liefert: Da wäre noch die rote Priesterin des Lichts Melisandre (Carice van Houten) und natürlich Margaery Tyrell (Natalie Dorner), die in der Lage ist, dem Ekel Joffrey Baratheon einige menschliche Gesten abzutrotzen, damit er gut vor seinem Volk da steht. Noch besser gefiel mir allerdings ihre Großmutter Oleanna Tyrell (die von keiner geringeren als der Emma-Peel-Darstellerin Diana Rigg verkörpert wird. Als kleines Mädchen war sie mein erstes Idol), die als alte Dame in gehobener Position das Privileg hat, endlich zu sagen, was sie denkt. Und dann sind da natürlich noch die vielsprachige Missandei (Natalie Emmanuel) im Gefolge von Daenerys Targaryen,  die lustige Hure Shae (Sibel Kekilli), Yara Greyjoy (Gemma Whelan), die starke Schwester des nicht so wahnsinnig starken Theon Greyjoy (Alfie Allen) last but not least Talisa (Oona Chaplin), die unerschrockene Schönheit aus dem Süden, für die der junge Wolf Robb Stark sein Schicksal herausgefordert hat.

Game of Thrones: Die Stark-Kinder sind erwachsen geworden. Sansa, Bran und Arya in der 7. Staffel Bild: hbo.com

Game of Thrones: Die Stark-Kinder sind erwachsen geworden. Sansa, Bran und Arya in der 7. Staffel Bild: hbo.com

Natürlich gibt es auch noch ein paar erwähnenswerte Jungs, die zum Auftakt der letzten Staffel noch im Rennen sind, abgesehen von Jon Snow, Jaime und Tyrion Lannister etwa Robert Baratheons Bastard Gendry (Joe Dempsie), den schlagkräftigen Schmied, den alten Kämpen Ser Jorah Mormond (Iain Glen) oder den Zwiebelritter Davos Seaworth (Liam Cunningham). Die Reihen haben sich im Verlauf der vergangenen acht Staffeln ziemlich gelichtet, was die Sache inzwischen sehr viel übersichtlicher macht. Was allerdings nicht unbedingt ein Pluspunkt ist: Gerade die siebte Staffel hat für meinen Geschmack viel zu sehr auf überwältigende visuelle Effekte, als auf die vorher zwar nicht immer überzeugende, aber doch spannende Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen untereinander gesetzt. Insofern ist schon zu befürchten, dass die letzte Staffel in ein sehr teures Splatter-Movie mit viel Blut, Feuer und Massen von halbverwesten Untoten abkippt. Aber wie sollte nach all dem, was wir mit GoT schon erleiden und ertragen mussten, ein gutes Ende denn überhaupt aussehen? Am 20. Mai, wenn die letzte Folge vorbei ist, werden wir schlauer sein. 

Hanna: Noch auf der Suche

Es gab im Jahr 2011 einen bemerkenswerten britischen Film, der in Deutschland unter dem Titel Wer ist Hanna? lief. Die Hauptrollen spielten Saoirse Ronan, Eric Bana und Cate Blanchett. Nun hat Amazon eine Serie daraus gemacht, Drehbuchautor war wiederum David Farr, der auch das Originaldrehbuch zum Film geschrieben hat. Regie führte zumindest in den ersten beiden Episoden Sarah Adina Smith, die unter anderem für Buster’s Mal Heart verantwortlich ist. Nach der Pilotepisode, die schon Anfang Februar für kurze Zeit zur Verfügung stand, war ich sehr gespannt auf den Rest der Serie. Die sieben weiteren Folgen sind seit einigen Tagen über Amazon Prime verfügbar.

Hanna (Esme Creed-Miles) Bild via imdb.com

Hanna (Esme Creed-Miles) Bild via imdb.com

Mich lockte insbesondere die Tatsache, dass Joel Kinnaman und Mireille Enos die Rollen von Erik Heller und Marissa Ziegler übernommen haben. Die beiden haben sich als ungleiches Ermittlerduo in der US-Neuverfilmung von The Killing (in Deutschland als Kommissarin Lund bekannt) bereits in die Herzen vieler Fans gespielt. Und sie machen ihre Sache auch hier wieder sehr gut. Mireille Enos brilliert als eiskalte CIA-Agentin mit ihrem widerborstigen Charme, der mit einem kleinen Lächeln Todesdrohungen aussendet. Ihre Performance ist stahlhart und subtil zugleich, wie es eben jener CIA-Superagentin entspricht, die im Job über jede Menge Leichen geht, und in der doch irgendwie noch einen Funken Menschlichkeit glimmt, auch wenn man nie sicher sein kann, ob sie den nur für ihre Tarnung aktiviert oder ob da nicht doch noch ein Rest der Frau ist, die sie vielleicht lieber geworden wäre.

Hanna: Marissa Ziegler (Mireille Enos) Bild via imdb.com

Hanna: Marissa Ziegler (Mireille Enos) Bild via imdb.com

Joel Kinnamans Erik Heller ist weniger subtil, aber als ehemaliger Soldat mit reichlich Kampferfahrung nicht weniger gefährlich. Lustig ist, dass der Schwede hier einen Deutschen spielt – weil Kinnaman aber nicht besonders gut Deutsch spricht, ist seine Figur ziemlich wortkarg, zumindest in der Interaktion mit den deutschen Freunden von früher. Mit Hanna spricht Erik englisch, es wird überhaupt die meiste Zeit englisch gesprochen, auch wenn Marissa in Paris lebt und dort Mann und Kind hat. Was offenbar in erster Linie Tarnung ist, denn Marissa geht reichlich kühl über Gefühle und Bedürfnisse ihrer Familie hinweg, der Job steht für sie ganz klar erster Stelle.

Und der ist, Hanna und Erik zur Strecke zu bringen, denn die beiden sind die letzten Überlebenden eines unglaublich geheimen Projekts, bei dem die CIA in einem streng abgeschirmten Gelände tief in den Wäldern Rumäniens genmanipulierte Superagenten züchten wollte. Erik Hellers Job war es damals, abtreibungswillige Frauen zu überzeugen, ihre Kinder auszutragen und zur Adoption freizugeben. Adoptiert wurden die Säuglinge dann allerdings von Agenten eben jenes Projekts. Weil Erik sich dann aber ausgerechnet in Hannas Mutter verliebte, die ihr Kind unbedingt wieder haben wollte, entführte er Hanna aus jenem hochgeheimen Labor, woraufhin das Experiment abgebrochen und jeder Hinweis darauf getilgt wurde.

Hanna wird als Baby von Erik Heller (Joel Kinnaman) entführt Bild via imdb.com

Hanna wird als Baby von Erik Heller (Joel Kinnaman) entführt Bild via imdb.com

Bei der Flucht kam Hannas Mutter ums Leben. Erik zog Hanna fernab jeder Zivilisation im Wald auf und bildete sie mit hartem Suvivaltraining zu einer mehrsprachigen Killermaschine aus, wohl wissend, dass sie irgendwann entdeckt würden und Hanna dann nur eine Chance haben würde, wenn sie besser und härter als ihre Verfolger kämpfen könnte. Und in dem Punkt hat Erik tatsächlich gute Arbeit geleistet. Er hat sein Leben der Mission gewidmet, Hanna das Überleben zu sichern und ihr dann ein normales Leben zu ermöglichen. Erik ist bereit, alles dafür zu opfern – der Zweikampf zwischen Marissa und Erik ist unerbittlich und kostet eine ganze Reihe Menschenleben.

Hanna: Eriks alter Freund Dieter (Benno Führmann) Bild via imdb.com

Hanna: Eriks alter Freund Dieter (Benno Führmann) Bild via imdb.com

Alles in allem bleibt die Serie ziemlich dicht an der Filmhandlung und verschenkt leider die Chance, in der längeren Zeit genau die Geschichten zu erzählen, die man hier erwarten könnte: Die Geschichte von Hannas Mutter, von ihrem leiblichen Vater, von Eriks Kindheit und seiner Motivation, sich vom zynischen Söldner, der viel Geld verdienen will, zu Hannas Beschützer zu entwickeln, der vom Leben sonst nichts mehr erwartet, Stoff gäbe es jede Menge. Aber das alles wird nur angedeutet, dafür gibt es eine Reihe nicht besonders überzeugend motivierter Nebenhandlungen, durch die erst recht klar wird, wo das Manko dieser Serie liegt: Sie löst sich nicht weit genug von der Vorlage, um etwas wirklich eigenes zu entwickeln. Die Handlung des Films wird war noch großzügig ausgeschmückt, aber es wird in den acht knapp einstündigen Teilen letztlich nicht viel mehr erzählt, als in den 111 Minuten des Originals.

Hanna: Vater (Joel Kinnaman) und Tochter (Esme Creed-Miles) Bild via imdb.com

Hanna: Vater (Joel Kinnaman) und Tochter (Esme Creed-Miles) Bild via imdb.com

Immerhin gibt es dann noch Hanna selbst, Esme Creed-Miles ist eine tolle Neuentdeckung, es ist ihr zu wünschen, dass ihr mit der Neuverfilmung von Hanna ein ähnlicher Karriereauftakt gelingt wie zuvor Saoirse Ronan. Die fand ich als Hanna fantastisch, und ich kann nicht sagen, dass Esme Creed-Miles noch besser sei. Aber sie ist auf ihre Weise genauso überzeugend als naive Superheldin, die keine Ahnung hat, womit sich ihre Altersgenossen die Zeit vertreiben, aber dank ihrer ungewöhnlichen Fähigkeiten im Zweifelsfall allen Erwachsenen überlegen ist. Und dann ist da natürlich auch noch Rhianne Barreto als Sophie, die Hannas erste und wichtigste Bezugsperson in der Welt außerhalb des hermetischen Mikrokosmos ist, in dem Erik seine Ziehtochter hat aufwachsen lassen, um sie zu schützen. Sie definiert das Stereotyp des störrischen Teenagers neu – Sophie hat keine Superkräfte, aber sie rebelliert mit ihren Mitteln gegen die verlogene Welt der Erwachsenen und ist Hanna eine treue Freundin.

Hanna: Hanna (Esme Creed-Miles) und Sophie (Rhianne Barret) Bild via imdb.com

Hanna: Hanna (Esme Creed-Miles) und Sophie (Rhianne Barreto) Bild via imdb.com

Zum Ende hin zeichnet sich ab, dass es doch noch etwas Neues gibt: Das mysteriöse Utraxprojekt wurde gar nicht eingestampft, sondern mit einem neuen Leitungsteam weiter geführt. Mit dieser Entdeckung wird dann doch die Hoffnung auf eine weitere Staffel geschürt, denn eigentlich wäre es interessant, zu erfahren, was aus den ganzen anderen Hannas wird, die sich nicht von ihrer alternativ aufgezogenen „Schwester“ befreien lassen wollten. Es wäre nicht das erste Remake, das erst in weiteren Staffeln, die sich dann zwangsläufig von der Vorlage lösen müssen, zu seiner eigentlichen Form findet: Etwa bei The Killing oder The Bridge America fand ich die Folgestaffeln der Remakes, die dann eigene Geschichten erzählt haben, besser als die Fortsetzungen der Originalserien. Insofern wäre ich dafür, dass Amazon Hanna noch eine Chance gibt, auch wenn ich die erste Staffel (insbesondere im Vergleich zum Film) insgesamt nicht so richtig gut fand.

Hanna: Amazon macht mächtig Werbung

Hanna: Amazon macht mächtig Werbung