Gar nicht mal so gut: You Are Wanted

Freitag kam mit You Are Wanted die erste deutsche Amazon-Serie heraus. Aber ich hatte wichtigeres zu tun, denn Depeche Mode stellten in Berlin ihr neues Album Spirits vor. Tolles Konzert, zumal ich schon immer mal das ehemalige DDR-Funkhaus in der Nalepastraße von Innen sehen wollte. Ganz großes Kino also, eine Kultband meiner Jugend an einem nicht weniger kultigen Ort in meiner Heimatstadt – besser geht es kaum.

Doch nun zurück zum kleinen Monitor: Inzwischen habe ich mir die sechs Teile von You Are Wanted aus Pflichtbewusstsein tatsächlich angesehen und muss konstatieren: Gar nicht mal so gut. Streckenweise sogar ziemlich schlecht. Und das, obwohl ich natürlich nichts erwartet hatte, was einer komplexen Hackerserie wie Mr. Robot ähnlich sein würde, obwohl Amazon mit Bosch, Hand of God oder Sneaky Pete ja auch schon wirklich gute Serien mit komplexer Handlung und interessanten Charakteren produziert hat.

You Are Wanted: Amazon

You Are Wanted: Amazon

Aber nichts davon ist in You Are Wanted zu finden – die Serie ist in jeder Hinsicht so himmelschreiend unterkomplex wie ein mittlerer Tatort, nur eben auf doppelt bis dreifache Länge gezogen. Nun muss ja nun wirklich nicht jeder Hack akribisch erklärt werden, wie das in Mr. Robot der Fall ist. Trotzdem fühle ich mich verarscht, wenn überhaupt nichts erklärt wird. Und das nicht nur in Sachen Computer, wo anfangs zumindest noch ein bisschen Social Engineering betrieben wird, um zu erklären, warum der eigentlich doch ziemlich smarte Hotelmanager Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) die verhängnisvolle Nachricht auf seinem Smartphone akzeptiert, die ein angeblicher Hotelgast ihm sendet.

You Are Wanted: Der erfolgreiche Manager und Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer)

You Are Wanted: Der erfolgreiche Manager und Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer)

Warum aber mit dem Virus auf dem Smartphone plötzlich das ganze Leben des Lukas Franke auf den Kopf gestellt wird, weiß allein der Hacker – und der ist irritierender Weise schon tot, bevor die Serie so richtig anfängt. Das gibt dem Zuschauer dann immerhin ein Rätsel auf, das erst in den letzten beiden Teilen gelöst wird. Zwischendrin passiert dann aber gar nicht dermaßen viel, und das, was passiert, wird nicht besonders überzeugend erklärt.

Genau deshalb bleiben die Figuren auch so holzschnittartig, wie man das aus dem deutschen Fernsehen leider nur zu gut kennt, die interessanteste Figur ist die kettenrauchende Ermittlerin Sandra Jansen (Catrin Striebeck), die ihr tägliches Zigarettenpensum nur mit dem Einsatz von Asthmaspray schafft. Am Ende ist sie dann aber doch nicht so doof wie ihre Kollegen vom BND. Der offenbar von fast jedem ambitionierten Teenie-Hacker gehackt werden kann, was aber auch kein Wunder ist, wenn die Super-BND-IT-Experten hauptamtlich eigentlich Kinderspiele programmieren.

You Are Wanted: Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic)

You Are Wanted: Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic)

Dieser böse Marc Wessling (Tom Beck) ist auch wieder so eine typisch deutsche Fernsehfigur – ebenso unwahrscheinlich wie schlecht ausgedacht: Warum ist der Kerl zugleich der charmante Chef von Lukas erstaunlich naiver Ehefrau Hanna (Alexandra Maria Lara) und dann aber gleichzeitig der zwielichtige IT-Experte beim BND? Gibt es in ganz Deutschland nur einen einzigen ITler, so dass der dann auch noch als Experte für die Polizei abgestellt werden muss, weil die ja keine eigenen IT-Forensiker haben, um Hackern auf die Spur zu kommen?

Ist es denn dermaßen schwer, sich drei unterschiedliche ITler auszudenken, von denen einer Hannas Chef, einer der Finsterling vom BND und einer ein ehrlicher Ermittler sein kann, deren Wege sich im Zuge der Geschichte kreuzen? Das wäre dann wenigstens halbwegs realistisch. Klar, dann muss man sich drei Charaktere ausdenken und braucht auch drei Schauspieler, aber andererseits wäre die jeweilige Motivation viel leichter zu erklären. Denn warum Wessling tut, was er tut, wird nicht so richtig klar: Hat er jetzt nur so viel Stress, weil die bösen Amis (klar, am Ende steckt irgendwie die NSA dahinter, das weiß heute ja jeder) hinter ihm her sind und soviel Druck machen, dass er den NSA-Häuptling, der nach Berlin kommt, in die Luft jagen will – oder ist er am Ende nur eifersüchtig auf Lukas, weil er sich in Hanna verliebt hat – was übrigens auch eine brauchbare Motivation wäre, die ich sogar in Erwägung gezogen hätte: Wessling hängt Lukas eine Terror-Karriere an, um an seine Frau zu kommen. Aber klar, das wäre dann wieder zu einfach.

You Are Wanted: Anleihen von Mr. Robot

You Are Wanted: Anleihen von Mr. Robot

Wobei es sich die Drehbuchautoren an anderen Stellen erst recht viel zu einfach machen – etwa mit Lena Arandt (Karoline Herfurth), über die man letztlich auch enervierend wenig erfährt, außer, dass sie immer ohne Helm, dafür aber mit Sonnenbrille Motorrad fährt und zufällig immer zur Stelle ist, wenn Lukas dringend vor der Polizei gerettet werden muss. Warum hatten es der oder die Hacker ausgerechnet auf Lena abgesehen? Okay, weil sie Journalistin ist und irgendwas rausgefunden hat, und nun dazu benutzt werden soll, Lukas zu motivieren, zu tun, was der oder die Hacker von ihm wollen. Aus dieser Figur hätte man wirklich mehr machen können, aber sie bleibt dank des schlechten Drehbuchs genau das, was der Hacker aus ihr gemacht hat: Eine Marionette, die in sich zusammen sinkt, wenn keiner mehr an den Fäden zieht.

Ähnlich ist das bei Lukas Bruder Thomas (Jörg Pintsch), der wenig begeistert ist, als sein kleiner Bruder bei ihm auftaucht und ihn um Hilfe bittet – warum habe die beiden eigentlich ein so schwieriges Verhältnis? Klar, muss wohl so sein, weil Lukas erst so richtig fett in der Scheiße landen muss, damit sein Bruder ihm dann irgendwie doch noch hilft, weil sonst keiner mehr da ist, der helfen könnte. Und das fast mit seinem Leben bezahlt. Aber auch über ihn erfährt man letztlich nur das, was man unbedingt wissen muss, um zu kapieren, dass er offenbar tatsächlich irgendwie helfen kann.

You Are Wanted: Noch mehr Anleihen von Mr. Robot

You Are Wanted: Noch mehr Anleihen von Mr. Robot

Schlimmer ist es eigentlich noch bei Hanna – diese Figur besteht eigentlich nur aus gängigen Klischees über Ehefrauen, anfangs hält sie noch tapfer zu ihrem Ehemann, sie lässt sich dann aber schnell durch ein paar Tittenfotos auf dem Handy ihres Mannes irritieren. Wobei der Hacker dann doch noch etwas deutlicher werden muss – er schickt Lukas auf eine ziemlich undurchsichtige Mission nach Frankfurt, wo er auf Lena trifft und später festgenommen wird, so dass er die Einschulung seines Sohnes Leon verpasst. Was Hanna ihm ziemlich übel nimmt, insbesondere, weil stattdessen diese Julia (Katrin Bauernfeind) auftaucht.

Auch über Julia erfahren wir nur das allernötigste, auch sie wird offenbar auch erpresst, um die Beziehung von Lukas und Hanna zu erschüttern. Was ihr auch gelingt. Und, hier wird es kurzzeitig sogar interessant, Lukas und sie hatten offenbar tatsächlich mal eine flüchtige Affäre. Endlich eine Andeutung von Komplexität! Doch zu früh gefreut, Julia verschwindet wieder von der Bildfläche, ex und hopp, Zweck erfüllt.

You Are Wanted: Aber wir sind in Berlin

You Are Wanted: Aber wir sind in Berlin

Und so geht das im Grunde mit allen Figuren – auch der Kollege von der Jansen Thorsten Siebert (Edin Hasanovic) gefiel mir eigentlich ganz gut. Er war dann aber leider so doof, sich durch einen beschissenen Anfängerfehler ins Jenseits zu befördern. Auch über Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic), der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat, hätte ich gern mehr gewusst, genau wie über das Hacker-Wunderkind Dalton (Louis Hofmann), das sich unter einem asiatischen Restaurant versteckt.

Über die sonstigen Hacker-Klischees, die in You Are Wanted bemüht werden, gar nicht zu reden – warum Lukas überhaupt Zutritt zu diesen doch eher exklusiven Zirkeln hat, wird überhaupt nicht erklärt, was aber auch wieder egal ist, weil es ohnehin nur aus der Form geratene Zombies sind, die in ihrer mit elektronischen Artefakten aller Art dekorierten Höhle vor den Bildschirmen sitzen und zocken statt coden. Und entsprechend wenig Interesse haben, Lukas zu helfen. Was wiederum total verständlich ist. Denn warum in aller Welt sollten die so einem bürgerlichen Manager-Arsch helfen  wollen?!

You Are Wanted: Leon, Lukas und Hanna

You Are Wanted: Leon, Lukas und Hanna

Andere Menschen haben auch Probleme – aber davon handelt diese Serie überhaupt nicht und das ist vielleicht die größte Schwäche der ganzen Sache: Der Protagonist ist ein Bilderbuch-Erfolgsmensch, dem übel mitgespielt wird. Ja und?! Lukas Franke wird aus seinem Luxusbüro mit Superaussicht über Berlin City-West herausgerissen, weil er vor Jahren mal Zivi in einer Klapsmühle war und dort auf eben jenen Jens Kaufmann traf, mit dem er sich – warum auch immer – irgendwie verstanden hat. Und Jens Kaufmann war irgendwie verrückt, jedenfalls verrückt genug, um als Verschwörungstheoretiker abgetan zu werden, dabei war er als begabter Hacker einer ganz, ganz großen Sache auf der Spur.

Von der wir seit spätestens seit Wikileaks, Chelsea Mannings und Edward Snowden wissen, dass sie existiert: Wir werden alle ständig überwacht und in der digitalen Welt können begabte und findige Leute Dinge tun, die einem ganz normalen Menschen das Leben zur Hölle machen. Um zu verhindern, dass diese ganz, ganz große, ganz, ganz üble Sache ans Licht kommt, wird nun eben Lukas Franke das Leben zur Hölle gemacht – weil er, aus noch immer nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, der einzige war, dem Kaufmann noch getraut hat. Denn er wusste, dass seine Tag gezählt sind und er irgendwem vertrauen muss, wenn nicht alles vergebens gewesen sein soll. Und ob Lukas es noch geschafft hat, das von Kaufmann zusammengetragene Wissen an Wikileaks zu schicken, oder ob die NSA schneller war, wissen wir nicht. Was vielleicht das Beste an dieser Serie ist.

You Are Wanted: Sandra Jansen (Catrin Striebeck)

You Are Wanted: Sandra Jansen (Catrin Striebeck)

Wobei ich hier zugeben muss, dass es in You Are Wanted schon eine Reihe netter Ansätze gibt – etwa Dilara Dogan (Lorna Ishema), eine sehr begabte Ermittlerin bei der Polizei, die sich aufgrund ihrer  Hautfarbe in Deutschland schlecht als verdeckte Ermittlerin eignet, aber sonst total auf Zack ist. Und ich mochte auch die französische Freundin (Lucie Aron) von Hanna. Aber was nützt ein interessantes Detail, wenn die Geschichte nicht gut ist?

Nee ganz ehrlich: Davon brauchen wir nicht noch mehr. Wobei You Are Wanted visuell schon ganz okay war – doch schöne Bilder sind nicht alles. Und obwohl ich seit 26 Jahren in Berlin lebe, freue ich mich noch immer zu sehen, wie viele coole Locations wir hier doch haben. Als Image-Film für Berlin ist diese Serie nicht schlecht. Aber als Werbung für Serien made in Germany taugt sie nicht. Da sollte Schweighöfer doch noch mal Rainer Werner Fassbinder oder Edgar Reitz studieren – oder bei Gideon Raff oder Sam Esmail anfragen, was heutzutage eine gute Geschichte ausmacht. Jedenfalls sehe ich mir lieber noch hundertmal den ersten Teil von Mr. Robot an, bevor ich darüber nachdenke, You Are Wanted eine zweite Chance zu geben.

You Are Wanted: Lena (Karoline Herfurth)

You Are Wanted: Lena (Karoline Herfurth)

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Einer der besseren Oliver-Stone-Filme: Snowden

Mit Oliver-Stone-Filmen ist das so eine Sache, es gibt schon welche, die ich richtig gut finde, U Turn beispielsweise ist ein meiner Ansicht nach total unterschätztes Meisterwerk, und Savages ist alles in allem auch ein guter Film, in dem ein paar freundliche und geniale Freaks versuchen, ausgerechnet im knallharten Drogengeschäft eine Art alternativen Kapitalismus einzuführen. Aber so funktioniert diese Welt halt nicht, wie sie brutalstmöglich erfahre müssen. Und dass Stone die Fidel-Castro-Doku Comandante gemacht hat, finde ich in Zeiten eines irrationalen Antikommunismus, der das realsozialistische, aber noch immer real existentierende Kuba als Zielscheibe hat, mehr als beachtlich – zumal Stone Fidel als nachdenklichen und durchaus sympathischen Landesvater porträtiert, dem vor allem am Wohlergehen der Leute in seinem Land gelegen ist – was gewiss auch zutrifft. Über Donald J. Trump könnte man einen ähnlichen Film unmöglich machen.

Aber dann gibt es auch wieder Filme, die ich schrecklich finde, gerade diese Patrioten-Filme über den Vietnam-Krieg, die ja auch irgendwie kritisch sein wollen, aber eigentlich vor allem zeigen, wie übel den armen Männern mitgespielt wird, die sich für ihr Land und ihre Sache opfern.  Anstatt zu hinterfragen, was das denn für eine bescheuerte Einstellung ist, die sie überhaupt in dieses Schlamassel gebracht hat – damit habe ich echt ein Problem. Denn hier wird letztlich ja bestätigt, dass das irgendwie eine gute Sachen gewesen ist, die sämtliche Opfer irgendwie rechtfertigen würde, wenn man nur mit den eigenen Jungs korrekt umgegangen wäre – was aber die böse US-Regierung nicht getan hat. Insofern habe ich natürlich auch ein Problem mit Snowden. Also nicht, weil ich annehmen würde, dass die US-Regierung eigentlich total menschenfreundlich wäre – das ist übrigens keine Regierung auf der Welt, und gerade die demokratisch gewählten können dabei besonders übel drauf sein, denn sie wurden ja vom Volk gewählt und exekutieren somit Volkes Willen, was per se gut sein muss, auch wenn die Leute das nicht so empfinden.

Und das macht die Causa Snowden auch so krass: Hier wird ein Mann als Verräter an die Wand gestellt, der ja nun wirklich ein hoffnungsloser Patriot ist und sich für die gute Sache opfert – das ist einerseits unglaublich bescheuert, weil es ihm von den entscheidenden Leuten nicht gedankt wird, im Gegenteil. Andererseits ist das aber auch wieder irgendwie – ja, ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll, aber es bewegt mich, und ich bewundere Menschen, die sich in vollem Bewusstsein der schrecklichen Konsequenzen trotzdem hinstellen und sich sagen, einer muss es ja tun. Und es tun, weil sie es können. NSA-Geheimnisse zum Beispiel kann ja nur einer verraten, der sie kennt.

Wobei ich aber auch sagen muss, dass ich den Film als Film ziemlich gut fand – ich hatte im Vorfeld ziemlich viel Negatives gehört und gelesen, insofern war ich jetzt positiv überrascht. Was erwartet man denn von einem Spielfilm über einen solchen Typen? Natürlich wird da eine Story nach dramaturgisch interessanten Gesichtspunkten aufbereitet – nur so funktioniert ein Spielfilm, mit dem man Menschen ins Kino locken will. Wenn man wissen will, wie das mit Snowden denn jetzt wirklich gewesen ist, kann man sich Citizenfour ansehen. Was ich auch ausdrücklich empfehle, das ist die Doku dazu – und zwar eine ziemlich gute. Nebenbei setzt Oliver Stone ja auch Laura Poitras (gespielt von Melissa Leo) ein Denkmal, die Citizenfour gemacht hat.

Der Film von Oliver Stone allerdings ist schon eine Art aktualisierter Neuauflage von Geboren am 4. Juli, was nicht unbedingt für diesen Film spricht – aber andererseits wird eben auch gezeigt, dass es in dieser Welt beim besten Willen keinen Grund gibt, der rechtfertigen würde, die Geheimdienste tun zu lassen, was sie tun können: Nämlich alle und jeden auf der Welt ständig zu überwachen. Und genau deswegen wird der konservative Patriot Edward Snowden auch zum Verräter. Oder zum Freiheitshelden, je nach Betrachtungsweise.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Meiner Ansicht nach hat Stone Edward Snowden nicht mal übertrieben glorifiziert – er beschreibt einen cleveren jungen Mann, der seinem Land dienen will, was ich persönlich ziemlich fragwürdig finde. Ich finde es gut, Menschen zu helfen und dafür einzutreten, die Lebensumstände aller zu verbessern.  Aber für einen Staat einzutreten, der – und das muss einem intelligenten Menschen wie Snowden doch auch klar sein, in allererster Linie versucht, dem Rest der Welt seine eigenen Interessen aufzuzwingen – das ist bornierter Patriotismus und das lehne ich ab. Da kann man sich ja auch gleich „Make Germany Great Again“ aufs T-Shirt drucken. Und leider gibt es mehr als genug Dumpfbacken, die sich das endlich wieder trauen wollen. Aber ich schweife ab.

Wer ist also Edward Snowden? Zuallererst einmal ein blasser Streber, der sich unter dem Eindruck von 9/11 freiwillig zur Army meldet, er will zu den Special Forces und sein Land verteidigen. Doch Ed ist einfach zu schwach – während des harten Trainings erleidet er Ermüdungsbrüche in den Beinen, weshalb er gegen seinen Willen ausgemustert wird. Aber es gäbe da noch andere Möglichkeiten, seinem Land zu dienen, erklärt ihm ein Kontaktmann der CIA – er sei doch ganz gut mit Computern? Ed macht also einen Eignungstest für die CIA – und eigentlich würde er den nicht bestehen, wie sein Prüfer ihm andeutet – aber sie bräuchten jetzt genau solche Typen wie ihn. Also bekommt Ed eine Chance.

Und die nutzt er und löst die Aufgabe, die den Prüflingen gestellt wird, nicht in den dafür vorgesehenen fünf bis acht Stunden, sondern in 38 Minuten. „Sie haben nicht gesagt, in welcher Reihenfolge ich das bearbeiten soll, da habe ich schon mal…“ – keine Frage, Ed bekommt den Job, und er ist wirklich gut darin. Offenbar ist Ed ein begnadeter Programmierer, der Spaß daran hat, alles, was er tut, so effizient wie möglich zu erledigen – und das stellt sich dann auch als fatal heraus, als er später feststellen muss, dass ein Programm, das von ihm eigentlich als Backup-Lösung entworfen wurde, dazu benutzt wird, um das Überwachen beliebiger Menschen einfacher zu machen. Das gefällt ihm nicht.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) und Lindsay Mills (Shaylene Woolley) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) und Lindsay Mills (Shailene Woodley) Bild: http://www.snowden-film.de

Und dann lernt Ed auch noch ein Mädchen kennen. Lindsay (Shailene Woodley) ist sexy, liberal und offen, all das, was Ed nicht ist, aber so gern wäre – und weil er ja ein intelligenter junger Mann ist, der vielleicht ein bisschen blass ist – sein Spitzname im Job ist Schneewittchen – aber eigentlich nicht hässlich, interessiert sich Lindsay für ihn, sie verliebt sich sogar in ihn – und er sich in sie. Ich erinnere mich, einige Kritiken gelesen zu haben, die gerade diesen Teil der Geschichte irgendwie blöd fanden „Im Bett mit Edward Snowden“ – „wollen wir ihm wirklich beim Sex zusehen?“

Aber die haben meines Erachtens nicht kapiert, worum es dabei eigentlich geht – natürlich ist es eigentlich gar nicht dermaßen spannend, wie das Sexleben des vermutlich bekanntesten Whistleblowers der Welt aussieht, und ich nehme an, dass es tatsächlich eher unspektakulär ist, wobei ich es Ed total gönne, überhaupt eins zu haben. Die Sexszene ist wichtig, weil ein offenbar inaktiver Laptop aufgeklappt auf dem Tisch steht und Ed weiß, dass die Kamera aktiv sein könnte, auch wenn das Kameralicht nicht leuchtet – er weiß eben auch, dass das ein Trick ist: Die Menschen fühlen sich unbeobachtet und genau das macht die Überwachung so effektiv.

Und er ist ein Teil dieser Überwachungsmaschinerie und fühlt sich zunehmen schuldig – vor allem, weil er irgendwann eifersüchtig wird und anfängt, seine eigene Freundin zu überwachen – was er gegenüber der internen Untersuchungskommission auch gesteht: Ja, er hat die NSA-Programme tatsächlich für sich selbst genutzt, über die vorgesehen Zwecke hinaus. Aber genau deshalb weiß er auch, wie groß die Versuchung ist. Und er ist ja einer der Gewissenhaften. Was, wenn ein weniger mit Skrupeln belasteter Mensch anfängt, die Maschinerie für seine Zwecke zu nutzen?

Es gibt eine Szene in der vierten Staffel von House of Cards, in der genau diese Frage gestellt wird – da noch für den vergleichsweise harmlosen Zweck die US-Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. (Hahaha) Frank Underwoods Gegenkandidat hat gute Beziehungen zum Chef einer Suchmaschine – zwar nicht Google, aber immerhin: Mit der Auswertung der Suchdaten kann Will Conway seine Kampagne auf das, was die Leute wollen, optimieren. Natürlich kotzt Frank das an – aber er ist ja bereits Präsident der USA. „Was ist schon eine Suchmaschine gegen die NSA?“ fragt er und fängt an, eine Bedrohung zu konstruieren, die es ihm erlaubt, auf die schier unendlichen Möglichkeiten des Überwachungsapparates zurückzugreifen, die unter anderem der engagierte Programmierer Edward Snowden mit geschaffen hat.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

In der Serie ist das noch eine coole Wendung, bei der einem die Gänsehaut über den Rücken läuft. Im Film Snowden macht das überhaupt keinen Spaß, weil man weiß, dass es eben keine Fiktion ist, sondern die schreckliche Realität. Die Botschaft ist nicht, dass auch ein blasser Nerd wie Ed tatsächlich auch eine Freundin haben kann, die mit ihm schläft – die Botschaft ist, dass Sex quasi ungeschützt vor den Geheimdiensten stattfindet, wenn ein Computer im Raum ist, dessen integrierte Kamera und Mikrofone nicht extra blockiert werden, damit die Überwachung nicht so einfach ist. Und dass Ed damit ein Problem hat. Bestimmt ist das nicht der entscheidende Punkt, warum er irgendwann tut, was er zu tun hat. Aber genau damit wird gezeigt, wie wenig Privatsphäre heute noch wert ist: Sie ist im Grunde nicht mehr vorhanden, wenn man sie sich nicht extra erschafft.

Die Art, wie Snowden mit diesen Dingen an die Öffentlichkeit gegangen ist, zeigt auch, dass er intensiv darüber nachgedacht haben muss, was danach passieren wird. Und dass er zu dem Schluss gekommen ist, dass er die ganzen Daten, die er aus dem System geschmuggelt hat, eben nicht einfach Wikileaks zuspielen kann, damit sie unkommentiert veröffentlicht werden, weil das zu gefährlich ist. Das ist übrigens auch, was ich an Wikileaks ausdrücklich kritisiere – man kann bestimmte Informationen nicht einfach veröffentlichen. Transparenz ist gut, aber nicht, wenn sie Menschenleben bedroht. Der Glaube, dass alles gut würde, wenn nur jeder über alles informiert wäre, ist bestenfalls naiv, tatsächlich aber vollkommen bescheuert.

Snowden hat sich stattdessen einer Auswahl von in diesen Dingen besonders qualifizierten Journalisten anvertraut – was definitiv für ihn spricht. Das ist es auch, was ein Assange nicht kapiert: Quellenschutz ist wichtig, ja, geradezu existenziell. Genau deshalb gibt es ja eben auch Journalisten – Menschen, die sich, wenn sie ihren Job ernst nehmen, eben einen Kopf machen, was man veröffentlichen kann und was nicht. Und die auch darüber nachdenken, wie man was veröffentlicht. Was nicht heißen soll, dass es tatsächlich eine unabhängige Presse gibt als vierte Gewalt im Staat gibt, die zu unrecht als Lügenpresse diffamiert wird: Natürlich folgen auch Journalisten Interessen – es hat sich gerade bei der US-Präsidentschaftwahl gezeigt, dass „die Presse“ auch komplett versagen kann: Die Vorstellung, ein Donald Trump könne US-Präsident werden, schien den maßgeblichen Redakteuren einfach zu absurd.

Und genau das zeigt eben auch die Grenzen dieser vierten Gewalt: So einfach geht das nicht mit der Propaganda. Aber zurück zu Snowden: Der hat sich auf die Kernkompetenzen ausgewählter Profis verlassen und ich denke, dass das gut war – und das kommt im Film meiner Ansicht nach auch gut rüber.

Genau wie die Überraschung der ehemaligen Förderer, die feststellen müssen, dass ihr Schützling sich ganz anders als erwartet entwickelt hat. Und ich finde es erbärmlich, dass sich der Friedensnobelpreisträger Barack Obama nicht dazu durchringen konnte, den Landesverräter Edward Snowden zu begnadigen – damit hätte er nun wirklich mal ein Zeichen setzen können. Aber ein Obama ist eben auch nur so ein US-Politfunktionär, der die Interessen seiner Nation zu verteidigen hat, auch wenn das gegen das Interesse von so ziemlich allen Menschen im Rest der Welt geht.

Ich persönlich finde es extrem gruselig, dass ein Donald Trump als Präsident Zugriff auf den mächtigsten Überwachungsapparat der Welt haben wird – vermutlich wird er den nicht wie Frank Underwood nur dazu benutzen, um politische Gegner aus dem Weg zu räumen. Man kann nur hoffen, dass sich noch ein paar Snowdens finden, um das Schlimmste zu verhindern. Aber andererseits ist Trump ein dermaßen gnadenloser Populist, dass er seine Sicht von Snowden möglicherweise noch komplett revidiert. Wie auch immer – meiner Ansicht nach lohnt es sich durchaus, den Film anzusehen: Man kann sich gar nicht oft genug klar machen, wie engmaschig und ausführlich jede und jeder heute bereits überwacht wird.

Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Ein toter Fisch im Darkroom

Nachdem ich mich von meinem Nervenzusammenbruch erholt habe, weil es in dieser Woche nur den ersten Teil der letzten Doppelfolge gegeben hat und ich noch eine weitere Woche auf das große Finale der zweiten Staffel von Mr. Robot warten muss, bin ich jetzt langsam in der Lage, eine Review zu eps2.9_pyth0n-pt1.p7z zu schreiben.

Es wird immer spannender – auch wenn dieser Teil fast ausschließlich aus Dialog bestand, und zu weiten Teilen aus ziemlich absurden Dialogen. So muss Angela in einem Dark Room, der mit einem auslaufenden Aquarium und einem C64 samt historischem Zubehör ausgerüstet ist, eigenartige Fragen beantworten, die ein kleines Mädchen stellt, das eine exakte Kopie ihres jüngeren Selbst sein könnte. Agent DiPierro hat ein deprimierendes Gespräch mit ihrer virtuellen Assistentin Alexa, das nahelegt, dass sie wirklich sehr, sehr einsam ist und Elliot redet nicht nur mit sich selbst und mit seinem unsichtbaren Freund, sondern auch mit einem Taxifahrer, der nur Arabisch spricht und einfach nicht kapiert, was Elliot von ihm will.

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Aber okay, die komplette zweite Staffel war ja bisher vor allem deshalb interessant, weil jede Folge so anders und eigen war – was man ja auch von anderen guten Serien kennt, nur ist hier oft die Erklärung, dass die Autoren und die Regisseure auch von Folge zu Folge wechseln. Das Neue an Mr. Robot ist nun aber, dass es einen Autor gibt, der alle Folgen im Kopf hat – auch wenn es dieses Mal durchaus Episoden gibt, die nicht Sam Esmail geschrieben hat – und dass Sam Esmail auch in sämtlichen Teilen die Regie übernommen hat.

Sein Erzählweise und sein Blick sind schon sehr speziell, was ich meistens mag – er hält sich in der Regel an die unterkühlte skandinavische Farbpalette im Anthrazit- bzw. Grau-Blau-Bereich, und wählt sehr spezielle Perspektiven. Für meinen Geschmack gibt es aber zu viele gewollte Unschärfen – das ist für Screenshots und Gifs immer blöd, genau wie diese Gegenschnitte, bei denen die Protagonisten immer ganz außen oder innen am jeweils konträren Bildrand zu sehen sind – das ist natürlich wahnsinnig aussagekräftig, wenn man die Serie auf dem großen Bildschirm kuckt, aber halt schlecht für tumblr und Co.

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Über die gesamte Staffel war der Zweikampf zwischen Elliot und Mr. Robot wichtig – meiner Ansicht nach zu wichtig – und auch wenn Elliot sich nun mit der Existenz von Mr. Robot als alternativem Ich abgefunden hat, so ist ihm noch immer nicht klar, was das eigentlich für ihn bedeutet. Ehrlich gesagt, hatte ich ja gehofft, dass es an dieser Front nun etwas ruhiger und übersichtlicher würde, aber das ist leider nicht der Fall – stattdessen kommt Elliot auf die Idee, dass er jetzt einfach mal der stille Beobachter sein möchte, der sich anschaut, was Mr. Robot so macht, wenn er glaubt, dass er allein ist. Und Elliot schafft es auch, sich in einen solchen Zustand zu versetzen – Mr Robot übernimmt und Elliot darf einfach zuschauen. Und am Ende klappt genau das, was Elliot sich davon erhofft hatte – Mr. Robot führt ihn nach einiger Knobelei – hier taucht auch wieder eine rote Schubkarre auf, wenn auch nur als Name eines Restaurants, dessen Karte als Grundlage für allerlei Zahlenspiele dient – tatsächlich zu Tyrell Wellick. Aber natürlich ist nicht klar, ob das alles jetzt in Elliots Kopf stattfindet, oder ob Tyrell real ist, denn Elliot weiß ja, dass weder sich selbst, noch Mr. Robot trauen kann. Das geht mir inzwischen doch ziemlich auf die Nerven.

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Aber es passieren ja auch andere Dinge – so hat Agent DiPierro einen weiteren frustrierenden Dialog mit ihrem Chef, der will, dass sie, nachdem sie einmal mehr in eine Schießerei mit Dark-Army-Beteiligung geraten ist, endlich mal Ruhe gibt und nach Hause geht. Aber natürlich will Dom jetzt erst recht dran bleiben: Sie weiß, dass sie auf der richtige Spur ist, der jüngste Vorfall ist ja die Bestätigung dafür – und sie betont, dass es möglicherweise kein Terrorangriff von fehlgeleiteten Radikalen mehr ist, sondern ein kriegerischer Akt gegen die USA: Die chinesische Regierung könnte beteiligt sein. Der Umstand, dass mehrere Zivilisten dabei umgekommen sind, spricht dafür, dass Cisco tot ist – möglicherweise auch Darlene. Dom jedenfalls ist einmal mehr davon gekommen. Und es scheint, als frage sie sich selbst, warum.

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Interessant ist auch, dass die rätselhafte Partnerschaft zwischen Philip Price und Whiterose offenbar in eine Krise geraten ist – Whiterose widmet Angela immerhin 28 Minuten ihrer kostbaren Zeit, um herauszufinden, was so speziell an ihr sei, dass Philip Price sich von ihr offenbar dazu ermuntert fühle, auf seinen wie auch immer gearteten Deal mit Whiterose zu pfeifen und mit ihrer Hilfe sein eigenes Ding durchzuziehen: Er will E-Coin als offizielle Währung durchsetzen, wogegen sich die Fed sträubt – schließlich sei es die Aufgabe der US-Zentralbank, über die Währung zu wachen. Die E-Coin-Strategie von Price passt aber auch Whiterose nicht in den Kram. Sie versucht Angela davon zu überzeugen, dass der Tod ihrer Mutter und von Elliots Vater einer wichtigen Sache gedient hätte, um sie von ihren Racheplänen abzubringen. „Was hat Elliot mit all dem zu tun?“ fragt Angela, die keine Ahnung hat, wer oder was Whiterose eigentlich ist.

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer weiß, vielleicht war sie erfolgreich, zumindest sucht Angela ihre Anwältin Antara Nayar am Abend zuhause auf, um ihr zu sagen, dass sie den Kontakt nun für immer abbrechen wird. Aber die abgebrühte Nayar vermutet gleich, dass Angela bedroht wird – auch wenn Angela das erstaunlich ruhig und entschieden verneint. Aber bisher war so vieles anders als es zunächst schien, dass ich hier ein weiteres großes Fragezeichen sehe. Vermutlich wird in der letzten Folge vieles nicht aufgelöst, so dass wir auf die dritte Staffel warten müssen.

Und dann vermutlich auf eine vierte und gar fünfte, sofern es kein Quotendesaster geben sollte. Bei der zweiten Staffel gab es schon leichte Verluste bei den Zuschauerzahlen in den USA, was mich aber nicht wundert – diese Staffel ist düsterer und anstrengender als die erste, und es fehlt auch Elliots erfrischender Zynismus, der ja leider schon im Laufe der ersten Staffel auf der Strecke geblieben ist, weil Elliot zunehmend mit seiner kranken Psyche zu kämpfen hatte. Aber ein paar Antworten erwarte ich in der kommenden Woche doch.

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da - Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da – Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: We can’t beat them

Die neue Folge eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx ist einerseits die Vorbereitung auf den großen Knall, der in den letzten beiden Folgen sicherlich noch kommen wird – andererseits hat mich allein der Auftakt schon wieder sehr begeistert: Der selbsterklärte Meister des Universums, Philip Price, unterhält sich in seinem Büro mit Terry Colby, der gerade ein Buch veröffentlicht hat – „Der letzte ehrliche Mann“. Das ist schon fast wieder zu viel der Ironie, aber davon gibt es in dieser Folge ohnehin eine ganze Menge, allein dass der Schwanzlutscher Donald Trump ernsthaft für die Präsidentschaftswahlen antritt, kann Terry kaum fassen.

Seinem alten Fellow Philip widmet er sein letztes Vorabexemplar – wie wir wissen, verdankt Terry dieses eigenartige Image der kurzzeitigen PR-Mangerin von E-Corp, Angela Moss, die, wie wir auch wissen, ihre durch Terry eingeleitete Blitz-Karriere bei E-Corp gerade gegen die zweifelhafte Ehre eingetauscht hat, eine Whistleblowerin zu sein: Denn Angela hat aus freien Stücken hochbrisante Unterlagen über das mächtigste Unternehmen der westlichen Welt gestohlen und geleakt. Allerdings nicht mit dem erhoffen Erfolg – wobei hier das letzten Wort vielleicht noch nicht gesprochen ist. Und überhaupt – hatte Terry Colby am Ende noch einen eigenen Plan, als er Angela bei E-Corp eingeschleust hat?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Jetzt muss Angela jedenfalls erst einmal erfahren, was es heißt, eine Whistleblowerin zu sein – dieses Leben im Klandestinen halten die meisten nicht aus. Aber ich greife vor: Noch sitzen Philip und Terry in jenem Büro mit der humoristischen Weltkarte Europas 1914 – allein das ist ein Witz, der so gut ist, dass ich mich frage, was eigentlich ein Sam Esmail damit verbindet – ist es die europäische Kleinstaaterei, die ignorante Konkurrenz unter den alten, selbstgefälligen Kolonialmächten, die meinten, die ganze Welt unter sich aufteilen zu können?

Obwohl, Philip sagt es ja selbst, als Terry ihn fragt, warum ausgerechnet Kongo, warum überhaupt dieses Zocken mit ganzen Ländern, die Philip so ausspiele, wie andere ihre Karten. Und Philip: Ist das nicht, worum es in der Geschichte immer und überhaupt geht – imaginäre Linien in der Landschaft, die immer wieder neu gezogen würden? Es gibt dann eine noch interessante Aussage von Philip, die ich jetzt aber mal nicht spoilern will – vor allem fand ich die Musik in dieser Szene einmal mehr großartig: Im Hintergrund hört man die Gnossienes von Erik Satie. Das verrate ich gern, denn ich liebe die Musik von Satie – und vermutlich haben viele diese Musik schon gehört, ohne zu wissen, von wem sie ist – von Satie gibt es sehr viele repetitive, auf den ersten Eindruck hin sehr einfache und langsame Klavierstücke, die als Vorbild und Grundlage für die spätere Minimal Music gelten.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover "The Last Honest Man"

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover „The Last Honest Man“

Zurück zu Mr. Robot: Es geht weiter mit Japan-Punk oder wie immer man das nennt, The Head That Controls Both Right and Left Sides Eats Meats and Slobbers Even Today von Bleach und Joanna Wellick, die sich schick macht, um Elliot zu treffen: Sie will ihn dazu bringen, das Smartphone zu hacken, von dem sie glaubt, dass Tyrell mit ihr darüber Kontakt hält. Was Elliot reichlich absurd findet, denn er weiß ja, was mit Tyrell passiert ist. Oder hat Mr. Robot vielleicht doch gelogen?

Elliot weiß aber auch, dass er ein toter Mann ist, wenn er Joanna einfach sagt, dass er Tyrell erschossen hat. Also lässt Elliot sich schließlich doch darauf ein – vermutlich ist er selbst neugierig, was hinter diesem Smartphone steckt. Und Joanna ist mehr als überzeugend – sie ist wirklich verstörend mit dieser Kombination aus Betörung und Bedrohung. Mir fällt gerade auf, dass eigentlich sie das weibliche Gegenstück zu Elliot ist – auf den ersten Blick harmlos, irgendwie sympathisch, gleichzeitig aber etwas eigenartig – und am Ende immer diejenige, die die Kontrolle hat und die anderen nach ihrer Pfeife tanzen lassen kann. Joanna hofft, über den Aufenthaltsort des mysteriösen Anrufers ihren verschwundenen Ehemann aufzuspüren.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Aber Elliots komplette Hardware wurde beschlagnahmt, als er vom FBI hochgenommen wurde, also muss er erstmal einkaufen gehen, er kann ja nicht mit bloßen Händen ein Polizeirevier und darüber den Anbieter der SIM-Karte in jenem Smartphone hacken. Unterwegs denkt Elliot darüber nach, wie schief alles bisher gelaufen ist – die häßliche, schmutzige Welt da draußen ist jedenfalls nicht die, für die er gekämpft hat. Schlimmer noch: Im Elektronik-Markt realisiert er, dass E-Corp durch dem Five-Nine-Hack mit der Einführung einer eigenen Cryptowährung noch mächtiger geworden ist  – und er jetzt von Rabatten profitieren kann, wenn er mit E-Coin zahlt.

Anschließend lernen wir, wie man mit aus einer leeren Pringle-Dose und etwas Zubehör eine WLAN-Antenne baut – natürlich nutzt man ein etwas weiter entferntes WLAN, wenn man etwas Illegales tun will, und dann gibt es einen schicken Retro-Hack mit Faxen für das Polizeirevier, das dann für die Datenauskunft beim Mobilfunkprovider herhalten muss. Elliot ist, wie immer in aussichtslosen Situationen, extrem cool und genial – aber Mr. Sutherland ist mit dem von Elliot gelieferten Ergebnis nicht so richtig zufrieden – von der Adresse, die Elliot ermittelt hat, würde Tyrell Wellick niemals telefonieren. Keine Ahnung, was das für eine Adresse ist, aber die Lage am Central Park lässt darauf schließen, dass es eine extrem teure Gegend ist. Wohnt dort einer von den E-Corp-Chefs?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Derweil hat Darlene mit der unwillkommenen Entdeckung von Cisco zu kämpfen, die er in Susan Jacobs Haus gemacht hat. Das war, wie sich nun herausstellt, eben jener society-Funktionär, der die Leitung der Operation in Washington hatte, bei der die abgesägten Eier des Bullen von der Wall Street durch das Oberlicht im Kongress – oder wars das Repräsentantenhaus? – gekracht sind. Auf jeden Fall wars ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam. Ihr Kamerad wurde, von wem auch immer, schwer verletzt und Cisco hat ihn mit nach Hause genommen – aber es geht ihm so schlecht, dass er sterben wird, wenn er nicht sehr bald ins Krankenhaus gebracht wird.

Rational ist Darlene dagegen – sie weiß genau, dass man ihnen dadurch auf die Schliche kommen wird. Aber letztlich lässt sie sich von Cisco überzeugen – also bringen sie den armen Kerl in die Notaufnahme. Darlene mag eine Mörderin sein – aber sie lässt ihre Leute nicht im Stich. Irgendwie ist ein Thema dieser Folge, dass alle langsam realisieren, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befinden, und sich besser mit dem Gedanken anfreunden, dass sie mit dem, was sie getan haben, nicht einfach so davon kommen werden.

Also sie bleiben in der Nähe des Krankenhauses, um zu erfahren, wie es um ihren Kumpel steht – was das FBI tatsächlich auf ihre Spur bringt, denn inzwischen wurde ein Phantom-Bild von Cisco veröffentlicht, von dem das FBI weiß, dass er irgendwas mit dem Five-Nine-Hack zu tun haben muss. Agent DiPierro ist dagegen, dass das Bild veröffentlicht wird – sie geht völlig zu recht von aus, dass die Dark Army Cisco jetzt schnellstmöglich killt, weil er ohnehin verbrannt ist, und sie damit einen der wenigen Zeugen verliert, der ihr bei der Aufklärung des Five-Nine-Hacks helfen könnte. Aber sie kann sich nicht durchsetzen.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Angla (Portia Doubleday)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Angla (Portia Doubleday)

Was ich auch wahnsinnig gut fand, war die Geschichte, die Darlene Cisco erzählt, während sie im Krankenhaus warten: Darlene erklärt Cisco, dass er recht hatte, und sie eben nicht so speziell wäre – das sei immer nur Elliot. Und dazwischengeschnitten sind immer Szenen, wie Elliot von seiner alten Wohnung aus den Hack für Joanna ausführt, während Darlene von den Cops erzählt, die sie bei jener alten Frau aufgespürt haben, die Darlene mitgenommen hat, als sie mit fünf Jahren bei einem Familienausflug nach Coney Island verloren ging: Sie hatte überhaupt keine Angst und die freundliche Frau hätte sie wie eine Prinzessin behandelt – da hätte sie kurzzeitig geglaubt, dass sie jemand besonderes wäre. Bis die Polizei  sie aufgespürt und wieder nach Hause gebracht hätte. Sie würde sich immer wieder fragen, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie bei dieser Frau geblieben wäre. Aber wenn sie dort geblieben wäre, hätte sie Elliot nicht.

Der sehr spezielle Elliot hingegen kann sich nach dem erledigten Job endlich um den Notruf kümmern, den er von Angela erhalten hat – sie treffen sich in einem menschenleeren U-Bahn-Waggon und Angela erklärt Elliot, dass sie dem FBI gestehen werde, dass sie die Femtozelle für den FBI-Hack platziert habe – was Agent DiPierro ja ohnehin bereits weiß. „Wir werden niemals gegen sie gewinnen – glaub mir, ich habs wirklich versucht!“ Sie verspricht Elliot, dass sie nichts sagen werde, was ihn belastet, aber es läge natürlich auf der Hand, dass man früher oder später eine Spur zum ihm und fsociety finden werde.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot (Rami Malek)

Elliot versucht nicht, sie davon abzubringen, er gesteht sich selbst ein, dass er alle, die er beschützen wollte, in Gefahr gebracht hat. Und er stellt fest, dass er eigentlich bei Angela bleiben will. Trotzdem steht er auf, als Angela meint, dass er nun besser aussteigen solle – aber wie bereits in der allerersten Folge umarmt er seine Freundin, dieses Mal küsst er sie sogar – tut er dass, weil er ahnt, dass es ein Abschied für immer sein könnte? Nachdem er ausgestiegen ist, stehen jedenfalls zwei Unbekannte hinter ihr – und es ist sicher, dass das keine Freunde sind, Agent DiPierro hatte genau das ja schon angedroht: Beim nächsten Mal würde man ihr keinen freundlichen Deal und nichts zu essen anbieten, damit sie redet, sondern sie in eine dunkle Zelle werfen.

Der schrecklichere Cliffhanger ist aber, was bei dem Imbiss vor sich geht, in dem Darlene und Cisco sich endlich einmal aussprechen – manchmal sei es besser, einfach nichts zu tun, findet Cisco. Doch dafür ist es zu spät, denn Dom DiPierro hat die beiden endlich gefunden und fordert per Handy Unterstützung an. Doch bevor die Bullen da sind, kommt die Dark Army – auch wieder eine unglaublich gute Szene, aus der Distanz ist zu sehen, dass Dom Darlene und Cisco anspricht, sich dann aber duckt, weil sie den Angreifer mit dem Maschinengewehr kommen sieht. Ob jemand getroffen wird, ist nicht zu erkennen, es gibt reichlich Sachschaden, auf jeden Fall aber steht Dom wieder auf und schießt den Mann nieder, der zwar noch versucht, sich zum Motorrad zu schleppen, mit dem der Fahrer auf ihn wartet, sich dann aber nach Dark-Army-Manier in den Kopf schießt, weil jetzt endlich die Polizei eintrifft. Ich vermute, dass Cisco tot ist, weil er das Ziel der Attacke war – aber was ist mit Darlene…?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Einerseits bin ich inzwischen fast froh, dass es jetzt die letzte Woche sehnsüchtigen Wartens ist – andererseits ist es mit der kommenden Doppelfolge dann erstmal wieder für ein Jahr vorbei. Aber die Drittel Staffel kommt, dass ist schon einmal eine gute Nachricht.

Walking in my Shoes

Dafür, dass in den vergangenen Folgen eine ganze Menge neuer Fragen aufgetaucht sind, gibt es in eps2.7_init_5.fve nun irritierend viele Antworten. Aber die haben wir nach dem ganzen Mindfuck der vergangenen Folgen der zweiten Staffel – die ich alle toll fand, aber dennoch – auch verdient. Elliot ist also für den Michael-Hansen-Hack eingefahren – das ist nicht wirklich überraschend, denn wir wissen ja, dass Hansen, oder vielmehr Mr. Shannon zur Polizei gegangen ist.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Und wir wissen auch, dass Elliot mit Flipper, also dem Hund, den er vor dem in vielerlei Hinsicht unaufrichtigen neuen Freund seiner Psychologin Krista gerettet hat, beim Tierarzt war. Flippers Chip hat Elliot als Hundedieb überführt – aber offenbar hat Elliot diesen Umstand jetzt aber ausgenutzt, um sich aus der Schusslinie zu bringen – sein triumphierender Blick, als die Bullen ihn hochnehmen, spricht Bände: Besser, für einen vergleichsweise trivialen Hack in den Knast zu gehen, als für den Five-Nine-Hack verdächtigt und gesucht zu werden.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Elliot entpuppt sich einmal mehr als überlegenes Mastermind: Nicht einmal Mr. Robot kapiert, was Elliot da macht. Wobei das im Verlauf dieser Folge auch wieder ein bisschen verstörend ist: Elliot hat Mr. Robot als Teil seiner selbst zwar akzeptiert, aber er kann ihn nicht vollständig kontrollieren. Immer wieder muss Elliot Mr. Robot dabei zusehen, wie er mit den Menschen interagiert, mit denen Elliot selbst eigentlich gerade zugange ist – und die finden das auch merkwürdig: Immer wieder ist Elliot seltsam abwesend. Und es ist noch keineswegs klar, was gerade besser wäre: Lag bisher eigentlich der Verdacht nahe, dass Mr. Robot das abgefuckte Mastermind ist, das Elliot einerseits Dinge tun lässt, zu denen er sonst eigentlich nicht fähig wäre, aber ihn gleichzeitig auch davor schützt, unglaublich dumme menschliche Dinge zu tun, so ist es nun Elliot, der Mr. Robot austrickst, um noch schlauere Dinge zu in die Wege zu leiten.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Irgendwie nervt mich das, aber andererseits ist das eine coole Wendung – mal sehen, was noch daraus wird. Es gibt ja noch diverse andere Machtspielchen, bei denen nicht klar ist, wer Master und wer Sklave ist: So macht Philip Price jetzt massiv Punkte gegen Minister Zhang aka Whiterose – diese ganze Washington-Township-Geschichte hat offenbar mit den Interessen des chinesischen Partners an diesem Standort zu tun. Price erpresst Zhang, denn er braucht jetzt Geld. Sehr viel Geld. Und er droht Zhang damit, Chaos niederregnen zu lassen, sollte die Chinesen nicht mitspielen: Price wäre es lieber, seinen Gegner verlieren zu sehen, als selbst zu gewinnen.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Und Angela, so stellt sich nun heraus, hat sich ihre Position inside Evil Corp tatsächlich dazu angeeignet, um ihr eigentliches Ding durchzuziehen: E-Corp wegen des vertuschten Washington-Township-Skandals ans Messer zu liefern. Sie nutzt die Fallback-Lösung von Mobley, jenen USB-Stick mit der Gummiente dazu, sich die Passwörter der richtig wichtigen Menschen in der Risiko-Management-Abteilung zu beschaffen und damit die Unterlagen über eben jenen Washington-Township-Skandal zu stehlen – ihre Hacker-Schulung bei fcosiety war tatsächlich ziemlich nützlich. Angela hackt nun in Eigenregie E-Corp. Und sie geht mit den Unterlagen zur zuständigen Behörde, die sie allerdings so merkwürdig behandelt, dass Angela kalte Füße bekommt. Was durchaus nachvollziehbar ist. Und dann ist da ja noch Agent DiPierro, die plötzlich vor Angelas Tür steht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Aber die Informationen über den Washington-Township-Skandal sind nun in der Welt – und wer weiß, vielleicht war das von höherer Stelle so geplant – ich habe den Eindruck, dass der sinistre Philip Price damit noch mehr Punkte gegen den chinesischen Partner machen will. Aber dessen Motive sind nach wie vor unklar. Einerseits war die Dark Army ein Teil von Elliots Plan, Evil Corp zu zerstören – der nicht wirklich funktioniert hat – andererseits hat Zhang aka Whiterose offenbar Interessen, die denen von Elliot  und seinen Mitstreitern entgegen laufen. Elliot will nun herausfinden, was eigentlich Sache ist und benutzt einen der Dark-Army-Kommandanten, um Whiterose eine Nachricht zu übermitteln: Er will wissen, was Stufe 2 ist. Und wir erfahren über Darlene, die das kritische Handy abhört, dass Elliot derjenige sei, der sich diesen Plan überhaupt ausgedacht hat.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Okay, das sind jetzt doch schon wieder eine ganze Reihe neuer Fragen, dazu kommt, dass wir auch nicht wissen, was mit Trenton und Mobley los ist, die sich offenbar aus den fsociety-Aktivitäten ausgeklinkt haben und abgetaucht sind. Dafür wissen wir, dass Darlene Cisco mit dem Baseball-Schläger eine ziemliche Beule verpasst, aber ihn nicht umgebracht hat: Er behauptet, dass er Darlene vor der Dark Army habe schützen wollen. Und er ist noch immer bereit, sie weiterhin zu beschützen: Als Darlene entdeckt, dass sie eine der VHS-Kassetten, auf der ihr Gesicht zu sehen ist, in Susan Jacobs Haus vergessen haben muss, geht er zurück, um die Kassette zu holen. Die findet er auch, und offenbar noch etwas anderes. Aber was?

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Und weil ein Cliffhanger ja nicht ausreicht, wird auch noch ein anderes Motiv etwas überstrapaziert – wer klopft an Ciscos Wohnungstür? Und das reicht aber auch noch nicht, zum Schluss fährt Tyrell Wellicks schwarzer SUV vor Elliots Wohnung vor und Joanna begrüßt Elliot mit „Hallo Ollie“ – so hatte er sich ja ihr gegenüber genannt. Aber natürlich weiß sie, dass er nicht Ollie ist – wie sollte sie denn sonst wissen, wo Elliot wohnt?

Kleine Ironie am Rande: In dieser Folge wird der Wunsch von Rami Malek eingelöst, dass Elliot in der neuen Staffel endlich einmal etwas essen und die Kleider wechseln würde. Als Elliot in den Knast kommt, muss er sich ausziehen und bekommt einen orangen Sträflingsanzug. Und als Darlene ihren Bruder abholt, dass er nach 86 Tagen vorzeitig entlassen wird, bringt sie ihm offenbar sein Lieblingsessen mit – genau wie in der allerersten Folge steckt er sich ein paar Pommes in den Mund. Und dann gab es auch wieder einen meiner Lieblingsklassiker als Titelmusik: Walking in my Shoes von Depeche Mode.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Kleider Wechsel für Elliot (Rami Malek)

eps2.6_succ3ss0r.p1: Epische Dummheit

Für alle, denen die neue Staffel von Mr Robot bisher zu langweilig war, dürfte die neue Folge eps2.6_succ3ss0r.pdie Wende bringen – jetzt ist echt was los. Es handelt sich um die erste Folge, in der Elliot gar nicht auftaucht – aber wir wissen ja, dass er im Knast sitzt und gar nicht irgendwo auftauchen könnte. Was Trenton und Mobley aber offenbar noch nicht wissen, die in einem Ron’s Coffeeshop auf Elliot warten – allein, dass die Handlung an den Ort, an dem wir Elliot kennengelernt haben, zurückgekehrt ist, fand ich schon sehr vielversprechend und tatsächlich löst die neue Folge ihr Versprechen ein, denn sie war wirklich gut, bisher die beste der neuen Staffel.

Anstatt Elliot kommt nun Darlene in den Coffeeshop und verliest Elliots Statement, mit er uns zum Auftakt der Pilotfolge über eben jene Konspiration aufgeklärt hat, der er auf der Spur ist und die er brechen will, jene Konspiration, die größer sei als alles andere, die Verschwörung jener reichen und mächtigen Typen, die heimlich die Welt regieren, das oberste eine Prozent des obersten einen Prozents.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Jene ganz großen Jungs existieren wirklich, das wissen wir inzwischen auch, obwohl wir gleichzeitig natürlich auch wissen, dass Elliot ganz schön einen an der Waffel hat: Er ist depressiv und hat Angst vor anderen Menschen, gleichzeitig ist er ein Kontrollfreak, er hat Halluzinationen und redet mit seinem toten Vater. Und dann hat er auch noch ein massives Suchtproblem und lügt sich selbst und seiner gesamten Umwelt immer wieder die Hucke voll.

Aber gleichzeitig weiß Elliot ziemlich viel über diese Welt und hat interessante Schlüsse daraus gezogen: Er will dieses Gesellschaft, unter der er, und so viele andere Menschen mit ihm leiden, nachhaltig verändern. Er ist intelligent genug, zu tun, was die anderen von ihm erwarten, weshalb er ein so guter Lügner ist. Aber weil ihm eigentlich egal ist, was die anderen von ihm denken, kann er sehr ehrlich sein, was seine wahren Gefühle angeht. Genau dieser Gegensatz ist das Reizvolle an dieser Figur – Elliot sagt das eine und teilt uns gleichzeitig seine wahren Gedanken dazu mit.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin)  und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin) und Mobley (Azhar Khan)

Blöd nur, dass der Menschenfreund Elliot dermaßen damit beschäftigt ist, seine eigene bessere Welt zu kreieren, dass er nicht mitkriegt, was andere Menschen vielleicht wirklich brauchen. In der ersten Staffel hat Elliot mit seinem Drang, das Richtige zu wollen und das Falsche zu tun, bereits einige Menschen in Bedrängnis gebracht, schlimmer noch: Er hat Shayla vor ihrem Dealer retten wollen und damit ihren Tod verschuldet. Inzwischen wissen wir, dass er vermutlich auch Tyrell Wellick umgebracht hat, der allerdings selbst ein Mörder und definitiv kein guter Mensch war.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Und wir wissen auch, dass er hinter dem Hack des Jahrhunderts steckt, der die ganze Welt ins Chaos gestürzt und für die allermeisten Menschen leider überhaupt nichts verbessert hat, im Gegenteil: Die Leute haben zwar keine Schulden mehr, aber Evil Corp existiert weiterhin, dieses Unternehmen ist dermaßen wichtig, dermaßen systemrelevant, dass die US-Regierung alles tut, um es am Leben zu halten, wenn auch nicht alles, was Philip Price verlangt. Statt mit Dollar wird wird jetzt halt mit der neuen E-Corp-Währung E-Coin gezahlt – das war bestimmt das Letzte, was Elliot sich gewünscht hat. Er und seine Freunde von fsociety waren so naiv zu glauben, dass mit dem Geld auch das damit verbundene Übel aus der Welt verschwinden würde, aber sie haben einfach nicht kapiert, was Geld tatsächlich ist: Zugriffsmacht nämlich, auf alle Dinge, die man zum Leben braucht. Und wer diese Macht hat, kann einfach definieren, in welcher Währung jetzt gezahlt werden muss – an der Verteilung der Vermögen hat sich nach Five-Nine ja eigentlich nichts geändert: Den Reichen geht es weiterhin gut, den Habenichtsen geht es weiterhin schlecht – und fsociety hat auch noch dazu beigetragen, dass beispielsweise der Ladenbesitzer an der Ecke jetzt Pleite ist, weil einfach nicht mehr genug Leute genug Geld haben, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Insofern ist vollkommen nachvollziehbar, dass es Elliot jetzt wirklich schlecht geht und es war streckenweise auch nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er im Kampf mit sich selbst und zusätzlichen neuen Feinden immer wieder über die Grenzen des Erträglichen geht. Erstaunlich ist eher die Zähigkeit, mit der sich immer wieder aufrappelt, um den nächsten Schlag einzustecken.

In dieser Folge müssen sich aber Elliots Mitverschwörer mit den Folgen ihrer Tat auseinandersetzen. Das FBI ist auch Mobley, Trenton und Darlene auf der Spur. Vor allem der paranoide Mobley ist längst auf der Suche nach einer Exitstrategie – er traut Darlene und ihrem verrückten Bruder ja spätestens seit er den toten Romero gefunden hat, nicht mehr über den Weg. Mobley will Trenton überreden, aus New York zu verschwinden, aber Trenton will ihre Familie nicht verlassen. Für wen hat sie das alles denn getan?

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Doch die Kerntruppe von fsociety arbeitet zunächst an der weiteren Demontage wichtiger Institutionen: Durch ihren gelungenen FBI-Hack können sie eine Telefonkonferenz mitschneiden, in der die FBI-Chefs mal so richtig vom Leder ziehen: Natürlich werden Millionen US-Bürger anlasslos überwacht. Alles, was Edward Snowden gesagt hat ist wahr, und das hier ist noch schlimmer. Edward Snowden taucht auch kurz auf einem Bildschirm auf, er sagt ausgerechnet, dass er sich nicht um die Freiheit der Rede schere, weil er nichts zu sagen hätte.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Nachdem Darlene und ihre Mitstreiter ihre FBI-Enthüllungen in einem neuen Video veröffentlich haben, kehrt Madam Executioner in ihr schickes New Yorker Haus zurück, das fsociety zum ihrem Hauptquartier gemacht hat. Damit nimmt ein weiteres Verhängnis seinen Lauf: Darlene kennt Susan Jacobs (Sandrine Holt) sehr gut, sie will seit ewigen Zeiten den Tod der Chef-Justiziaren von Evil Corp. Als sie vier war, hat sie gesehen, wie Susan Jacobs während des Prozesses um den Tod ihren Vaters gelacht hat – sie hatte ja gut lachen, denn wir wissen, dass die Klage damals niedergeschlagen wurde, weil nicht bewiesen werden konnte, dass E-Corp von der Verstrahlung seiner Mitarbeiter gewusst hat. Damit haben die Familien der an Krebs verstorbenen E-Corp-Leute auch keine Entschädigung bekommen. Klein-Darlene hat das nicht vergessen und lange auf diese Gelegenheit gewartet.

Während die anderen noch diskutieren, wie mit Susan Jacobs, die sie ans Geländer ihres Swimmingpool gefesselt haben, weiter zu verfahren sei und ihre Handys und Computer nach für eine handfeste Erpressung tauglichen Dingen durchsuchen, ist für Darlene längst klar, was passieren wird. Sie schneidet Susans Fesseln durch und erklärt ihr, wer sie ist und warum sie beide jetzt hier sind.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1

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Dann nimmt Darlene ihren Elektroschocker, betäubt Susan und sieht zu, wie sie in ihrem eigenen Schwimmbecken ertrinkt. Sofern sie nicht ohnehin schon tot war – Susan hatte offenbar auch ein Herzproblem, wie die anderen inzwischen herausgefunden haben. Darlene behauptet zwar, nichts davon gewusst zu haben, aber die anderen kapieren natürlich sofort, dass Darlene Susan absichtlich getötet hat. Genau wie ihr Bruder ist Darlene jetzt also eine Mörderin. Ob ihr Vater das tatsächlich gewollt hat?

Darlene sagt Mobley und Trenton, dass sie abhauen sollen – sie und Cisco werden sich darum kümmern, die Leiche wegzuschaffen und Spuren zu verwischen. Genauso machen sie das auch – Mobley und Trenton suchen das Weite, Cisco hilft Darlene, Susans Leiche wegzuschaffen. Dafür nutzen sie das bereits bekannte Tier-Krematorium – Darlene hat ja Zugriff auf Susans E-Coins und ist auch sonst sehr überzeugend.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1

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Aber abgesehen von Darlenes (irgendwie ja auch Elliots) persönlicher Rache ist die Sache, obwohl sie weitgehend nach Plan verlaufen ist, ziemlich schief gegangen. „What we did was colossally fucking stupid and we can’t afford not to realize that anymore“ fasst Mobley die Situation zusammen. Nein, sie können es sich definitiv nicht mehr leisten, nicht zu erkennen, dass sie etwas kolossal verdammt Dummes getan haben. Kommen sie da je wieder raus, oder werden sie jetzt alle wie Romero mit einer Kugel im Kopf enden? Oder wie Elliot im Knast landen? Oder noch schlimmer?

Darlene findet heraus, dass Cisco sie offenbar an die Dark Army ausliefern will – was erstmal nicht so gut für Cisco ausgehen wird.

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Einzig für Angela scheint es derzeit gut zu laufen – sie versucht zumindest, sich am 4. Juli beim Karaoke zu amüsieren und singt „Everybody Wants To Rule The World“, ach ja, Tears for Fears, das waren noch Zeiten. Sie lässt ihr eigentliches Date, jenen netten jungen Schwarzen, zugunsten alter Kerle sitzen – es stellt sich allerdings heraus, dass der nette Typ sich offenbar im Auftrag des FBI an Angela herangemacht hat: Er beschwert sich bei Agent DiPierro, dass Angela eine uneinnehmbare Festung sei und er sich irgendwie traumarisiert fühle. Angela hingegen erklärt einem alten Freund ihres Vaters, der sie zufällig trifft und ihr gleich mit einer Moralpredigt kommt, weil sie nun offenbar zur Gegenseite übergelaufen sei, dass sie im Gegensatz zu ihm jung und erfolgreich wäre und gerade erst anfange. Und dann macht sie weiter und lässt sich von Duck Phillips (Mark Moses) aus Mad Men einladen.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es mit Angelas Karriere jetzt einfach so weiter geht. Zum einen ist sie sowohl an Five-Nine als auch am aktuellen FBI-Hack direkt beteiligt, zum anderen nehme ich ihr nicht ab, dass sie tatsächlich einfach nur Karriere machen will.  Aber ein paar Folgen haben wir ja noch.