Was mit Weltraum: Space Force

Was mit Weltraum ist oft nicht die schlechteste Idee für eine Serie, und Apple hat mit For all Mankind eine ziemlich gute Weltraumserie hingelegt. Die bei genauerem Hinsehen ein Familiendrama ist, verteilt über mehrere Familien. Aber warum nicht. Auch im Weltraum bleiben Menschen Menschen und müssen vor allem menschliche Probleme lösen, die technischen Probleme sind nur Vehikel dafür.

Die besten Weltraumserien spielen ohnehin auf der Erde, wie die Hulu-Serie The First, die von der ersten bemannten Marsmission handelt. Leider gibt es davon nur eine Staffel, weil das Publikum offenbar etwas anderes erwartet hatte. Nun ja, wer Action auf dem Mars sehen will, kann sich ja die Pseudo-Doku Mars des National Geographic Channel ansehen. Die zeigt die Abenteuer der ersten sechs Astronauten, die im Jahr 2033 tatsächlich auf dem Mars landen. Mars ist solide Science Fiction, die viele reale Elemente verwendet, die Serie kann ich ausdrücklich empfehlen. 

Serienposter space force Bild: Netflix.com

Serienposter Space Force: John Malkovich, Tawny Newsome, Lisa Kudrow, Steve Carell, Jimmy O.Yang, Ben Schwartz, Diana Silvers Bild: Netflix.com

Von der Realität überholt wurde indes die neue Netflix-Serie Space Force, die zwar auch sentimentale Familiendrama-Momente hat, aber ausdrücklich Comedy ist. Die United States Space Force wurde tatsächlich im Dezember 2019 als eigenständige Teilstreitkraft der USA eingerichtet. US-Präsident Trump wird als Initiator der Weltraumtruppe in der Serie nicht namentlich genannt, aber ein US-Präsident, der gern twittert und dabei skurrile Rechtschreibfehler macht, muss nicht extra erklärt werden.

Steve Carell spielt den Vier-Sterne-General Mark R. Naird. Eigentlich wollte Naird seinen einstigen Vorgesetzten General Kick Grabaston (Noah Emmerich) bei der Air Force ablösen, doch nun muss er mitsamt seiner Familie von Washington DC ins ländliche Colorado umziehen, um die neue Einheit zu formieren. Bis 2024 will der Präsident Soldaten auf dem Mond sehen. („Boots on the moon“ oder vielmehr „Boobs on the moon„, wie der Originaltweet forderte).

Eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten, vor allem für Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) und seinen Assistenten Dr. Chan Kaifang (Jimmy O. Yang). Mallory mag ein brillanter Wissenschaftler sein, aber er ist durch und durch Zivilist. Er will durch den Aufbau der US-Mondbasis unsterblich werden, aber nicht, dass sein Name mit Blutvergießen und Krieg in Verbindung gebracht wird. Ziemlich unmöglich, wenn man bedenkt, dass die Space Force die US-Überlegenheit im Weltraum erobern und sichern soll. Denn die Russen und die Chinesen sind ebenfalls auf dem Weg zum Mond.

Natürlich sind die Chinesen noch schneller, und sie haben sogar die Frechheit, den Amerikanern die Landung am eigentlich angepeilten Landeplatz verbieten zu wollen, weil sie angeblich irgendwelche wissenschaftlichen Experimente durchführen, die die Amerikaner mit ihrer Landung stören würden. Wobei, vorher haben sie schon einem ersten Modul des Projektes sauber die Sonnenpaneele amputiert, die für die Energieversorgung zuständig waren. Daraufhin mussten zufällig im All verbliebene Tiere als Astronauten aktiviert werden, ein Schimpanse und ein Hund, die aber beide an der Komplexität menschlicher Technik sowie ihren tierischen Schwächen scheiterten.

Doch auch auf der Erde hat Naird seine Not, seine Ehefrau Maggie (Lisa Kudrow) landet aus nicht näher erklärten Gründen für lange Zeit im Knast und so steht der Vier-Sterne-General als alleinerziehender Vater einer störrischen Teenager-Tochter da (Diana Silvers als Erin), die ihre Freunde aus der Stadt vermisst und versucht, auf Teenager-Art auf dem Lande Spaß zu haben. Was immer wieder grandios misslingt, so dass Naird gefordert ist. Außerdem hat er auch noch alte Eltern, die er mit der Weltraumtechnik lokalisieren muss, wenn sie den Weg nach Hause nicht mehr finden.

Und dann sind da noch politische Querelen mit schwierigen Kongressabgeordneten, aus denen das nächste Budget für neue Missionen herausgeleiert werden will oder die Oberknalltüte Tony Scarapiducci (Ben Schwartz), der PR-Beauftragte der Space Force, dem keine Idee dumm genug ist, um eine Menge Aufmerksamkeit in den Asozialen Medien zu generieren. Denn von seinem Oberchef, dessen Name nicht genannt werden darf, hat er ja gelernt, dass es nur darauf ankommt.

Subtile Anspielungen gibt es in Space Force eigentlich keine, hier findet Holzhammerhumor krachendster Güte statt, der mich aber mit den ersten zehn Folgen gut unterhalten hat, so dass ich mir tatsächlich eine Fortsetzung wünsche.

Insbesondere John Malkovich als arroganter, aber irgendwie auch humanistisch motivierter Wissenschaftler ist überragend. Erwähnen muss ich unbedingt auch Tawny Newsome als Captain Angela Ali, die von der persönlichen Hubschrauberpilotin des General Naird zur Kommandatin der ersten Weltraumbasis der USA aufsteigt. Und natürlich Dr. Chan Kaifang (Jimmy O. Yang), den man als Jian Yang aus Silicon Valley kennt. Diversitäts- und gendertechnisch macht die Serie also ziemlich viel richtig. Ansonsten ist sie so konfus und durchgeknallt, wie die Zeit, in der wir leben. 

Ziemlich dunkel: Into the Night

Mich interessiert ja immer sehr, was unsere europäischen Nachbarn in Sachen Serien so drauf haben. Aus Belgien kommt die neue Endzeitserie Into the Night, die seit einigen Tagen auf Netflix zu sehen ist. Weil es sich um nur sechs gut halbstündige Teile handelt, kann man diese Serie an einem Regentag komplett ansehen, ich fand sie spannend genug, um dabei zu bleiben, auch wenn es zum Teil haarsträubende Logiklöcher gibt. Es geht mir mit dieser Serie wie mit dem deutschen Endzeit-Drama 8 Tage: Eine prinzipiell vielversprechende Idee wurde wenig überzeugend umgesetzt, insofern bin ich alles in allem enttäuscht.

Wie es zum gelungenen Auftakt in Flugzeug-Katastrophen-Filmen gehört, beginnt auch Into the Night damit, dass eine der Protagonistinnen, in diesem Fall die ehemalige Hubschrauberpilotin Sylvie Dubois (Pauline Etienne), den Flug fast verpasst und es gerade noch an Bord schafft. Der Flug soll von Brüssel nach Moskau führen, doch alles kommt anders: Der italienische NATO-Offizier Terenzio Gallo (Stefano Cassetti) zwingt den Co-Piloten Mathieu Douek (Laurent Capelluto) mit Waffengewalt zum vorzeitigen Abflug und zwar nach Westen. So weit wie möglich.

Into the Night: Terenzio, Rik, Ines, Laura, Horst und Ayaz. Bild: Netflix via serienjunkies.de

Into the Night: Terenzio, Rik, Ines, Laura, Horst und Ayaz. Bild: Netflix via serienjunkies.de

Weil Terenzio Mathieu in die Hand geschossen hat, muss Sylvie im Cockpit aushelfen. Währenddessen rätseln die wenigen, zufällig schon bzw. noch an Bord befindlichen Passagiere, ob es sich um eine Terrorattacke oder eine herkömmliche Flugzeugentführung handelt und wie sie ihr begegnen können. Was sie noch nicht wissen: Mit dem nächsten Sonnenaufgang wird sämtliches menschliches Leben auf der Erde erlöschen. Die Sonnenstrahlung ist plötzlich tödlich geworden, mit weiteren Details halten sich die Serienmacher nicht auf. Terenzio hat diese schlechte Nachricht zufällig im Brüsseler NATO-Hauptquartier aufgeschnappt.

Selbstverständlich gibt es von Anfang an jede Menge Probleme: Das Funkgerät im Flugzeug wurde von Terenzio versehentlich zerstört und auch das Internet funktioniert nicht, deshalb können die anderen Passagiere nicht überprüfen, ob Terenzio ein Spinner ist oder ob wirklich tödliche Gefahr für alle droht. Doch zuvor ist bei Telefonaten in andere Teile der Welt schon aufgefallen, dass Gesprächspartner plötzlich nicht mehr geantwortet haben. Die wenigen Eingeweihten beschließen, zumindest erst einmal so zu tun, als ob sie die Sache glauben würden, um Terenzio bei nächster Gelegenheit zu überwältigen.

An Bord des belgischen Airbusses sind unter anderem die russische Mutter Zara (Regina Bikkinina) mit ihrem kranken Sohn Dominik, der am kommenden Tag in Moskau behandelt werden sollte, ein alter Mann, der von seiner persönlichen Krankenpflegerin Laura (Babetida Sadjo) begleitet wird, der polnische Ingenieur Jakub (Ksawery Szienkier), der marokkanische Techniker Osman (Nabil Mallat), die Influencerin Ines (Alba Gaia Bellugi), der deutsche Wissenschaftler Horst (Vincent Londez), der belgische Sicherheitsmann Rik (Jan Bijvoet) und der türkische Geschäftsmann Ayaz (Mehmet Kurtulus). Damit ist eine Menge Potenzial für spannende Entwicklungen vorhanden.

Leider schaffen die Serienmacher es nicht, ihren Protagonisten wirklich Charakter einzuschreiben, auch wenn die eine oder andere Geschichte in Rückblenden erzählt wird. So richtig sympathisch ist eigentlich keiner von ihnen, abgesehen vielleicht von der erfahrenen Stewardess Gabrielle (Astrid Whettnall), die leider schon den zweiten Teil nicht übersteht.

Into the Night: Silvie und Mathieu Bild: Netflix via musikexpress.de

Into the Night: Silvie und Mathieu Bild: Netflix via musikexpress.de

Natürlich lebt jede Serienhandlung in erster Linie von den Konflikten ihrer Protagonisten, aber an Bord dieser Maschine überwiegt kleingeistiges Gezänk, was mich einfach nervt. Obwohl das vermutlich gar nicht mal unrealistisch ist, weil viele Menschen auch oder gerade in absoluten Krisensituationen eben nicht über sich hinauswachsen, sondern sich genauso idiotisch verhalten wie sonst auch. Der Umgang mit der so genannten Corona-Krise macht das gerade wieder überdeutlich. Klar, es gibt auch selbstlose Alltagshelden, aber die meisten Leute sind einfach nur selbstbezogen und kleinkariert. So sieht es auch unter den Passagieren in der Belgischen Maschine aus.

Das führt, wenig überraschend, zu immer neuen Konflikten und Problemen, während sonst frustrierend wenig über die eigentliche Katastrophe zu erfahren ist: Warum verstrahlt die Sonne plötzlich alle Menschen? Warum gehen die nicht einfach in den Keller? Warum ist eigentlich nur genau dieses Flugzeug und dessen Besatzung übrig? Wären nicht, wie in seligen Vor-Corona-Zeiten mit dem ganzen (überflüssigen?) Vielgefliege üblich, nicht sowieso eine Menge anderer Flugzeuge von anderen Flughäfen, ganz regulär auf dem Weg nach Westen? All das erfahren wir nicht.

Nun gibt es durchaus Beispiele für spannende Serien, bei denen grundsätzliche Fragen gnadenlos offen bleiben, etwa die Flugzeug-Unglück-Rätselserie Lost, wo das über weite Strecken auch herzlich egal ist, weil die Dynamik unter den Überlebenden mitreißend genug ist, um weiterhin mitzufiebern. Wobei ich Lost nun auch kein gutes Beispiel für die gelungene Umsetzung eines Katastrophenthrillers finde, Lost ist halt eine Mysterieserie, mit deutlich zu viel Mystery für meinen Geschmack. Insofern bekommt Into the Night ein paar Bonuspunkte, weil kein Mysteryansatz. Aber eben leider auch kein Sci-Fi, weil dafür Science viel zu kurz kommt.

Pandemie: Der nächste Ausbruch kommt bestimmt

Derzeit kann man der Covid-19-Pandemie kaum entgehen, auch wenn seit Anfang dieser Woche wieder ein bisschen Normalität eingekehrt ist: Viele kleine Läden haben wieder auf, die Straßen sind nicht mehr so leer, dass man befürchtet, die längst überfällige Zombie-Apokalypse verschlafen zu haben. Das Leben fühlt zwar noch nicht wieder normal an, wie sollte es auch, denn wir stecken alle noch mittendrin in der Pandemie.  Aber die Schockstarre lässt langsam nach. Was gar nicht gut ist, denn besiegt ist das Virus noch lange nicht.

Ehrlich gesagt, habe ich den Lockdown genossen: Man braucht erstaunlich vieles nicht. Man muss nicht die ganze Zeit arbeiten und einkaufen. Stattdessen kann man einfach auf dem Balkon in der Sonne sitzen und lesen. Oder den ganzen Tag fernsehen. Oder beides abwechselnd, zwischendurch was Leckeres zu essen kochen, aufräumen, umräumen, die Wohnung optimieren, so lange man noch allein raus darf, um eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen… ich könnte das noch monate-, ach was, jahrelang durchhalten. Gern bis zur Rente.

Damit sind wir beim eigentlichen Problem: blöd, dass man zum Leben weiterhin Geld braucht. Und ich sehe ein, dass der aktuelle Zustand für Menschen mit Kindern, die nicht in die Kita oder in die Schule können, alles andere als ideal ist. Bin ich froh, dass meine Kinder inzwischen erwachsen sind und sich selbst um ihren Scheiß kümmern müssen. Und dann die bedauernswerten Leute in den sogenannten systemrelevanten Berufen, die richtig ran müssen, und das oft für wirklich wenig Geld. Das wird in den Medien derzeit durchaus gewürdigt. Wobei ich eine grundsätzliche Diskussion, was warum systemrelevant ist und was nicht, viel dringender fände, als den ganzen wohlfeilen Beifall, von dem sich die Kassiererin in Supermarkt, die Altenpflegerin oder die Erzieherin in der Notbetreuung auch nichts kaufen können. Währenddessen schütten Konzerne, die nach Staatshilfen rufen, noch Dividenden aus und zahlen absurde Managergehälter, Boni und Abfindungen. So viel zur Systemrelevanz.

pandemie serienposter netflix

pandemie Serienposter netflix.com

Ich möchte an dieser Stelle keine umfassende Medienkritik über die Berichterstattung zur Coronakrise abgeben. Ich fühle mich alles in allem umfassend zur Sache informiert. Ich finde nicht, dass zu viel über die Coronakrise berichtet wird, wem es zu viel wird, der kann man ja einfach abschalten. Ich bin durchaus ein Corona–Berichterstattungsjunkie, ein bis zwei Sondersendungen pro Tag ziehe ich mir noch immer rein, dazu den Drosten-Podcast, natürlich auch den einen oder anderen Artikel aus dem Internet, wo es eine breite Palette kritischer und alternativer Berichterstattung rund um die Covid-19-Pandemie gibt, da weiß man kaum, ob Aluhut oder Stahlhelm besser schützt. Vermutlich doch die anfangs sträflich unterschätzte Gesichtsmaske.

Allerdings gäbe es durchaus andere Themen, über die mal wieder berichtet werden könnte, den Klimawandel beispielsweise, der ebenfalls in vollem Gange ist und unser Leben mittel- und langfristig noch vehementer beeinträchtigen wird, als das Covid-19-Virus es nun vergleichsweise kurzfristig geschafft hat. Was mir definitiv zu kurz kommt, ist eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion über echte Alternativen zum Satus quo.

Es ist auch in unseren Breiten nicht länger zu übersehen, dass die neoliberal globalisierte Weltwirtschaft sehr schädlich für die allermeisten Menschen ist, und dazu noch extrem störanfällig. Also sollte man die Zeit nicht länger mit blödsinnigen Diskussionen verschwenden, etwa mit wie vielen Millionen (oder gar Milliarden?) Euro die Ressourcen verschlingende Autoindustrie dieses Mal gepampert wird, sondern wie man es hinkriegt, dass die Leute sich einigermaßen komfortabel von A nach B bewegen können. Ja, ja, es geht doch um Arbeitsplätze, Schlüsselindustrie, Technologiestandort, blablabla. Vielleicht ist dieses Konzept inzwischen auch mal überholt. Viel wichtiger wäre, zu überlegen, wie man die Menschheit langfristig ernähren kann, wenn immer mehr Ackerland durch menschliche Unvernunft unbenutzbar wird.

Derzeit gehen ohnehin jede Menge Arbeitsplätze verloren, im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Tourismus, in Kultur und Kunst. Statt diese ganzen Branchen gegeneinander auszuspielen und so zu tun, als sei die eine wichtiger als die andere, wäre es an der Zeit zu überlegen, wie man es organisiert, dass alles, was Menschen zum Leben brauchen, von der Nahrungsmittelerzeugung über die Müllabfuhr bis hin zu Sport, Spiel, Spaß und Kultur, als systemrelevant erkannt wird und deshalb allen zur Verfügung gestellt werden muss. Geld sollte dabei keine Rolle mehr spielen. Sondern nur noch, ob Menschen bereit sind, alles, was nötig ist, zu tun. Ich bin mir sicher, dass alles Notwendige und noch sehr viel mehr getan wird, wenn Menschen keine Zeit mehr mit ungeliebter Lohnarbeit verschwenden müssen.

Denkt einfach mal drüber nach.

Pandemie: Epidemiologin bei der Arbeit. Bild: Netflix

Pandemie: Epidemiologin bei der Arbeit. Bild: Netflix

Nun zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte: Kurz bevor die Covid-19-Welle akut wurde, entdeckte ich auf Netflix die sechsteilige Dokuserie Pandemie. Sie stellt Menschen vor, deren Job es ist, den Ausbruch von Infektionskrankheiten weltweit zu verhindern bzw. einzudämmen. Denn, so heißt es in der Serie eindringlich: Die Frage sei nicht, ob ein Ausbruch kommt. Sondern lediglich, wann er kommt. Die Antwort kam bekanntlich schneller als erwartet.

Insofern erschien Pandemie erschreckend prophetisch – doch wenn man die zum Teil etwas reißerisch aufgemachten Informationen nüchtern verarbeitet, wird klar, dass die Weltbevölkerung bei den durchaus vorhandenen Pandemien der vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Seit dem Wüten der so genannten Spanischen Grippe, die ihren Ursprung eigentlich in den USA hatte und durch US-Soldaten Ende des ersten Weltkriegs in die Welt getragen wurde, gab es keine vergleichbare Katastrophe mehr. A/H1N1 brachte zwischen 1918 und 1920 schätzungsweise 50 Millionen Menschen um. Soviel zu allen, die noch immer behaupten, das neue Coronavirus sei nicht schlimmer als eine „kleine Grippe.“

In Pandemie wird unter anderem die Ärztin Syra Madad vorgestellt, die in New York als Direktorin des Centers for Global Healthcare Special Pathogens Preparedness dafür zuständig ist, die New Yorker Krankenhäuser auf einen Ausbruch vorzubereiten.  Weitere Serienhelden sind ein Chefarzt in Rajasthan, ein Ebola-Spezialist der WHO, Forscher in Ägypten, Vietnam und dem Libanon und eine Ärztin, die auf dem flachen Land in den USA im einzigen Krankenhaus weit und breit so ziemlich alles zuständig ist. Auch eine Tierärztin wird begleitet, die Enten auf Influenzaviren untersucht, denn gerade Vögel tragen zur Ausbreitung dieser Erreger bei.

Ich hätte mir eine etwas systematischere Aufbereitung der vielen Informationen gewünscht, aber immerhin wird klar, wie komplex die Herausforderungen sind. Denn, wie die aktuelle Corona-Pandemie bestätigt, ist die Globalisierung ein Riesenproblem: Ein potenziell tödlicher Erreger wird heute binnen weniger Tage rund um den Erball verbreitet. Früher hat das Monate, manchmal Jahre, gedauert. Vom Zusammenbruch globaler Lieferketten, etwa mit Schutzausrüstung und Medikamenten, gar nicht zu reden. Und natürlich können mit dem beständigen Wachstum der Weltbevölkerung auch viel mehr Menschen sterben.

Dass immer mehr Menschen auf der Welt leben, führt noch zu weiteren Problemen, denn mehr Menschen brauchen mehr Nahrung, also gibt es viel mehr Nutzvieh. Mehr Tiere auf engem Raum wiederum erhöhen das Risiko, dass sich Erreger schneller verbreiten und mutieren. Dazu kommt das Problem der Antibiotikaresistenzen, die durch deren massenhaften Einsatz in der industriellen Tierhaltung verschärft werden. Okay, Antibiotika helfen ohnehin nicht gegen Viren, aber es gibt ja auch bakterielle Infektionen, an denen Menschen und Tiere sterben. Und dann gibt es außerdem noch immer mehr Erreger, die vom Tier auf den Mensch überspringen, weil es die Rückzugsorte für Wildtiere immer kleiner werden. Die Tiere unterschiedlicher Arten haben keine Möglichkeit mehr, sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen und tragen immer mehr Erreger in sich, die sie schließlich an uns Menschen weiter geben.

Lehrreich könnte die Serie also auch für Anhänger von Verschwörungstheorien sein, denn sie zeigt, dass es überhaupt keine künstlich im Labor hergestellten Killerviren braucht, um eine anständige Pandemie zu produzieren. Solche Viren sind schon lange in der Welt. Sie wechseln ihre Wirte und mutieren vor sich hin, bis es wieder eine Variante gibt, für die Menschen besonders empfänglich sind. Und weil Menschen gern alles mögliche ausprobieren, um die Welt reisen und soziale Wesen sind, verteilen sie diese Erreger ausgerechnet in ihrem engsten Umfeld. Der Rest ist bekannt.

Pandemie ist die passende Serie dieser Zeit. Und so frustrierend es sein mag, da Covid-19 uns noch eine Weile beschäftigen wird: Die nächste Pandemie kommt bestimmt. Wir wissen nur noch nicht, wann. Wie schön wäre es, wenn man das Leben auf dieser Erde bis dahin so organisiert hätte, dass die Mehrheit der Menschen dann nicht mehr ihr Leben aufs Spiel setzen müsste, um irgendwelche beschissenen Jobs für das Glück der anderen zu machen. Sondern wenn die Menschheit sich darauf konzentrieren könnte, ein möglichst angenehmes Überleben für alle zu erreichen und zu sichern.

Haus des Geldes: Fast perfektes Verbrechen

Nachdem ich eine längere Zeit nicht dazu gekommen bin, mich meinem Lieblingshobby zu widmen, sorgt die Corona-Krise für eine Art Neuanfang: Es gibt, sofern man in der glücklichen Lage ist, über Freizeit zu verfügen, ja nicht viel anderes zu tun, als fernzusehen. Und in Sachen Serien ist einiges passiert, so dass ich noch eine Weile damit beschäftigt sein werde, die wichtigsten Versäumnisse aufzuholen.

Der Professor und seine Gang: Nairobi, Stockholm, Palermo, Denver, Helsinki, Lissabon, Bogota, Marseille, Rio, Tokio Bild: Netflix via serienjunkies.de

Der Professor und seine Gang: Nairobi, Stockholm, Palermo, Denver, Helsinki, Lissabon, Bogota, Marseille, Rio, Tokio Bild: Netflix via serienjunkies.de

Heute möchte ich mit einem echten Serienknaller beginnen, auch wenn die Serie nicht ganz neu ist: Haus des Geldes oder Casa del Papel, eine spanische Serie über einen spektakulären Raub. Gestern startete eine neue Staffel auf Netflix – Netflix behauptet, es sei die vierte Staffel, streng genommen handelt es aber um den zweiten Teil der zweiten Staffel. Wie dem auch sei, es geht um einen perfekt durchgeplanten Coup. Das Verbrechen des Jahrhunderts, zumindest in Spanien.

Eine hochprofessionelle Bande krimineller Spezialisten dringt in die Spanische Münze ein und druckt dort nach akribischer Vorbereitung fast eine Milliarde Euro. Ein Teil des Geldes wird im Zuge der Flucht der Gangster ans Volk verteilt, denn der geniale Kopf hinter dem Coup, der Professor (Álvaro Morte), hat von Anfang an eingeplant, dass seine Aktion als eine Art Widerstandshandlung gegen die brutale Staatsgewalt gesehen wird. Obwohl die Verbrecher Geiseln nehmen und nicht alles nach Plan verläuft, werden die Kriminellen von vielen Menschen als Helden gefeiert. Denn die Staatsmacht spielt auch nicht nach fairen Regeln. Vor allem die auf Krisensituationen trainierte Verhandlerin der Polizei und der Geheimdienst geraten aneinander, wobei allerlei privater Dreck aufgerührt wird.

Auch auf der Seite der Kriminellen spielen unmögliche Beziehungen und unkontrollierbare Emotionen eine verhängnisvolle Rolle. Obwohl der Professor sich bei der Vorbereitung größte Mühe gegeben hat, private Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gang zu unterbinden, um den Coup nicht durch persönliche Gefühle oder Befindlichkeiten zu gefährden, bleibt nicht aus, dass sich einige der Gangmitglieder näher kommen und Loyalitätskonflikte und Rivalitäten die Folge sind. Verhindert werden sollte derartige Komplikationen eigentlich durch die konsequent genutzte Tarnidentitäten, die Verbrecher werden nach Großstädten benannt, Tokio, Berlin, Moskau, Nairobi, Rio, Helsinki, Oslo und Denver. Es stellt sich heraus, dass sich der persönliche Hintergrund der Gangmitglieder nicht dauerhaft ausblenden lässt, je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr erfahren sie übereinander, ob sie wollen oder nicht. 

Dazu kommt, dass selbst der Professor seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, er verliebt sich ausgerechnet in die Polizistin, die ihn zur Aufgabe bringen soll, während sich eine der Geiseln ausgerechnet zu dem hitzköpfigen Denver hingezogen fühlt. So kommen noch Stockholm und Lissabon ins Team. In den weiteren Staffeln stoßen weitere Schwergewichte wie Palermo, Bogota oder Marseille dazu, dafür gibt es auch herzzerreißende Verluste zu beklagen. Okay, so beim Aufschreiben klingt das alles reichlich klischeegeladen und überkonstruiert, aber die Serie ist so intensiv und spannend gemacht, dass man einfach dabei bleiben muss. Für mich ist Haus des Geldes eine der besten Verbrechensserien, die es derzeit auf Netflix gibt. 

Wir sind keine Welle

Inzwischen gibt es neue deutsche Serien auf Netflix, aber ich muss leider feststellen, dass ich mit diesen Serien genau die Probleme habe, die ich prinzipiell mit deutschen Serien im „normalen“ deutschen Fernsehen habe. Das bedeutet, dass es offenbar doch nicht am übermäßig Proporz-orientierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk liegt, der es immer möglichst allen recht machen will, und auch nicht an den immer auf die Quote schielenden Privatsendern, die mit reißerischen Projekten auf bestimmte Zielgruppen aus sind. Und es ist ja nicht so, dass es überhaupt keine guten deutschen Serien gibt, spontan fallen mir 4 Blocks und Das Institut ein, aber das ist sehr wenig, gemessen am sonstigen Output von leider nicht besonders guten Serien.

Das muss ich nun leider auch für Netflix konstatieren, Netflix haut eine Menge neuer Serien raus, leider sind viele davon ziemlich mittelmäßig, und das gilt leider auch für die Netflix-Neuheiten aus Deutschland. Klar kommt es auch bei Netflix am Ende darauf an, wie gut die Serien ankommen, sprich, wie viele Abrufe es gibt – und ein bisschen auch, wie die Kritiken ausfallen. Aber ich hätte schon erwartet, dass es auf dieser vom deutschen Fernsehen und vom deutschen Mainstream unabhängigen Plattform mehr künstlerische Experimente und weniger deutsch-typischen Serien-Holzhammer gibt.

Wir sind die Welle: Tristan (Ludwig Simon),Zazie (Michelle Barthel), Hagen (Daniel Friedl), Lea (Luise Befort) und Rahim (Mohamed Issa). Bild: Netflix

Wir sind die Welle: Tristan (Ludwig Simon),Zazie (Michelle Barthel), Hagen (Daniel Friedl), Lea (Luise Befort) und Rahim (Mohamed Issa). Bild: Netflix

Immerhin gibt es auch hier (sehr wenige) Ausnahmen, Dark und How To Sell Drugs Online (Fast) fand ich durchaus okay, HTSDOF ist sogar ziemlich witzig. Dark hingegen bietet für meinen Geschmack viel zu viel Mindfuck, aber offenbar kommt genau diese Art von metaphysischer Feinmechanik im Ausland gut an, gerade weil das so herrlich deutsch ist. Dogs of Berlin ist einfach Trash-TV, aber als solches schon wieder gut. Skylines ist so ähnlich, aber mit Musik statt Fußball und statt einem dunklen, bösen Berlin gibt es ein dunkles, böses Frankfurt. Hat mir alles in allem aber besser gefallen als Dogs of Berlin, weil nicht ganz so klischeehaft überzeichnet.

Nun also Wir sind die Welle, ein sehr deutscher Sechsteiler über eine Handvoll Außenseiter, die ihre Mitmenschen mit zunehmend spektakulären Aktionen zum Nachdenken bringen wollen. Mit dem Roman Die Welle von Morton Rhue hat die Serie eigentlich nicht mehr viel zu tun, hier geht es im Gegenteil eher darum, wie Jugendliche gegen gesellschaftliche Missstände, aber auch gegen ihre Fascho-Mitschüler, rebellieren. Für mich sieht Wir sind die Welle wie ein nicht so richtig gelungenes Remake des Films The East aus. In The East geht eine geheimbündlerisch organisierte Gruppe von Ökoterroristen gegen Pharmakonzerne vor, um deren Chefs für die von ihnen verursachten Gesundheits- und Ökoschäden zu bestrafen.

Ähnliches treibt auch den harten Kern der Welle um, vor allem Hagen (Daniel Friedl), der Sohn von Ökobauern, deren Betrieb durch einen der großen Arbeitgeber vor Ort ruiniert wurde, will ein Zeichen setzen. Hilfe bekommt der dickliche Außenseiter von anderen Außenseitern, etwa Rahim (Mohamed Issa), der als Ausländer gemobbt wird und dem Mauerblümchen Zazie (Michelle Barthel). Der ebenso angstfreie wie charismatische neue Mitschüler Tristan (Ludwig Simon) sammelt ganz gezielt die Loser um sich, die mit seiner Hilfe plötzlich über sich hinaus wachsen und zur Welle werden. Nur Lea (Louise Beford), die tennisspielende höhere Tochter fällt aus dem Rahmen, bei ihr ist es eher der Überdruss am Überfluss, der in ihr die Lust am Protest als Lifestyle weckt. Was ja auch keine neue Sache ist, von den Mitgliedern der RAF kamen ja auch viele aus dem Bildungsbürgertum und nicht aus der Arbeiterschicht. Wobei nein, linke Gewalt oder gar Linksextremismus wird hier keinesfalls verherrlicht. Dafür sind die jungen Leute bei der Welle viel zu unpolitisch. Höchstens Tristan, der Diplomatensohn, der arabisch spricht und offenbar viel gelesen hat, sympathisiert (ich würde eher sagen kokettiert) mit extremen Ideen aus dem linken Spektrum. Bei den anderen geht es um ihre persönliche Betroffenheit, auch bei Lea, die von ihrer Mutter ordentlich den Kopf gewaschen kriegt, als sie ihre Luxusklamotten aus einer Laune heraus spenden will.

Denn so sehr ich mich darüber gefreut habe, dass es jetzt quasi eine Serie zum FridaysForFuture-Feeling gibt, so enttäuscht war ich, dass die Serie eben keine „erfrischend politische Mainstream-Produktion“ ist, wie der Deutschlandfunk fand. Also Mainstream-Produktion schon, aber nicht erfrischend politisch. Und leider sind die Charaktere durchgehend wandelnde Klischees, von denen einige eine nicht weniger klischeehafte Entwicklung erfahren. Hier hätten mehr Tiefgang und weniger didaktisch gutgemeinter Holzhammer sicher viel bewirken können.

Was die Politik angeht und die persönlichen Konsequenzen, bleibt alles reiner Aktionismus. Während die Aktivisten in The East sich auch in ihrem Alltag in radikalem Verzicht üben, sie leben spartanisch auf einer verlassenen Farm, containern Lebensmittel und benutzen moderne Technik nur für ihre Aktionen, ändern die Jugendlichen in der neuen Serie auch, nachdem die Welle sie erfasst hat, keineswegs ihren Lebensstil. Ja, sie kritisieren Umweltverschmutzung, ja, ihre Aktionen werden radikaler, und es werden immer neue Grenzen überschritten, den Aspekt fand ich gut. Und ich gönne Hagen, Zazie und Rahim, dass sie dank ihrer Selbstermächtigung zumindest eine Weile mehr Spaß am Leben haben. Wobei das FFF ganz gut abbildet, so traurig das auch ist: Die Jugend sagt den Alten mal, wie frustrierend dieses ganze Scheißleben in dieser Scheißwelt ist, die andere für uns eingerichtet haben. Und der ganze Protest wird dann auch mal im Fernsehen gezeigt und gut is‘.

Denn um wirklich etwas zu ändern, braucht es eben mehr als verständlichen, aber wohlfeilen Protest. Selbst wenn der in einzelnen Aktionen auch mal total radikal wird. Denn es ist ja nicht so, dass die Leute nur unter einem Mangel an Information leiden. Jeder und jede, die es wissen will, weiß, dass Industrieabfälle die Umwelt vergiften, Plastikmüll das Leben erstickt, die Überproduktion von allem Ressourcen verschleudert, die eigentlich für das Überleben der Menschheit gebraucht würden, deutsche (und anderer Herstellerländer) Waffen in aller Welt nicht unbedingt Frieden schaffen, Rassisten Arschlöcher sind und Neonazis dumm. Dafür haben wir keine weitere Serie gebraucht.

Denn um eine Idee zu entwickeln, was nach dem Protest kommen könnte, bräuchte es wirklich mal erfrischend politische Diskussionen, in denen über den Tellerrand des Mainstreams hinaus geschaut wird. Mir ist klar, dass keine Serie der Welt das leisten kann. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn es wenigstens mal versucht würde: Angenommen, wir hören auf euch, liebe jugendliche Protestierer, wie sähe denn eure Welt aus? Verzichtet ihr auf das neue Handy, fahrt ihr mit dem Rad, statt euch von Mama mit dem Auto abholen zu lassen, bringt ihr Papa veganen Lebensstil bei?

Okay, das könnte jetzt als Jugendbashing missverstanden werden. Ich meine es aber ernst: Ich bin durchaus der Meinung, dass man gegen so ziemlich alles, was in dieser Welt gerade stattfindet, ganz entschieden protestieren muss. Weil es so nicht weiter gehen kann. Und jetzt wünsche ich mir eine Serie, die eine Utopie entwickelt. Ist doch egal, ob realistisch oder nicht. In einem fiktionalem Medium sollte man doch noch träumen dürfen. Aber das ist vielleicht ein Symptom dieser Zeit: Es gibt keine Zukunft mehr. Und schon gar keine bessere.

Im Zweifel gegen das Opfer

Als Fan von True-Crime-Serien musste ich mir natürlich Unbelievable ansehen, ebenfalls ein Achtteiler, der seit einigen Wochen auf Netflix zu sehen ist. Und was wir zu sehen bekommen, ist tatsächlich unglaublich, im Sinne von unfassbar. Denn es handelt sich um die Erlebnisse einer jungen Frau, die das Pech hat, von einem abgebrühten Serienvergewaltiger in ihrer eigenen Wohnung überfallen und stundenlang missbraucht zu werden. Und als ob das nicht schon schlimm genug ist, wird sie dann ausgerechnet von den Institutionen der Strafverfolgung, an die sie sich nachvollziehbarerweise wendet, aufgrund ihrer schwierigen Vorgeschichte falsch eingeschätzt und im Stich gelassen: Weil die Detectives kaum brauchbare Hinweise auf einen möglichen Täter finden, wird am Ende das Opfer als Täterin denunziert und wegen angeblicher Falschaussage vor Gericht gestellt. So kann man einen rätselhaften Fall natürlich auch lösen.

Unbelievable: Marie (Kaitlyn Dever) Bild: Netflix.com

Unbelievable: Marie (Kaitlyn Dever) Bild: Netflix.com

Zum Glück, und das ist der andere Teil der Geschichte, gibt es auch weibliche Detectives, die vergleichbare Fälle deutlich einfühlsamer bearbeiten und begleiten, als die Polizeibeamten, an die Marie (Kaithyln Dever) geraten ist. Das Leben hat es mit ihr bisher schon nicht gut gemeint. Sie kommt aus prekären Verhältnissen, wurde als Kind mit Hundefutter abgespeist und von den zweifelhaften Freunden ihrer Mutter missbraucht. Sie lebte in zahlreichen Pflegefamilien und versucht gerade, im Rahmen einer Art betreuten Wohnens in ein selbstverantwortliches Erwachsenenleben zu starten. Die Voraussetzungen sind eigentlich ganz gut, sie hat verständnisvolle Betreuer, Freunde, einen Job. Doch dann wird sie das Opfer eines Vergewaltigers, der seine Opfer geduldig ausspäht und keine verwendbaren Spuren am Tatort hinterlässt. Ihr ganzes Leben, das sie mit so viel Mühe für sich aufgebaut hatte, gerät komplett aus den Fugen.

Die Serie zeigt sehr einfühlsam und unaufgeregt, warum eine Ermittlung bei Vergewaltigung für das Opfer, aber auch die Polizei, so schwierig ist. Wenn eine Frau eine Vergewaltigung anzeigt, muss sie eine schier endlose Prozedur an Untersuchungen und Befragungen über sich ergehen lassen. Das ist einerseits nachvollziehbar, denn es müssen Spuren und Beweise gesichert werden. Andererseits ist es furchtbar, gerade nach einer brutalen Verletzung der Intimsphäre genau diese Intimsphäre noch einmal vor mehreren Menschen, die man überhaupt nicht kennt, ausbreiten zu müssen. Und zwar auch körperlich. Und dann immer wieder in Befragungen durch Ermittler, die nicht unbedingt überzeugt sind, dass das Opfer die Wahrheit sagt.

Es ist ohnehin nicht schön, Gegenstand polizeilicher Ermittlungen und juristischer Prozesse zu sein, denn bei der Aufklärung von Verbrechen, der Suche nach der „Wahrheit“, also dem, was tatsächlich vorgefallen ist, kann das Opfer nicht unbedingt mit Zuneigung rechnen. Es geht eben nicht um Verständnis für das Opfer, sondern darum, einen Täter zu finden und gegebenenfalls zu bestrafen. Es geht um Recht und Ordnung, es geht um die Durchsetzung von Gesetzen. Häufig übernehmen die Opfer auch den impliziten Vorwurf, dass sie an dem Gesetzesverstoß ja beteiligt sind, also irgendwie mit schuld sein müssen, dass es überhaupt ein Verbrechen gegeben hat. Warum sind sie auch allein durch den Park gelaufen, warum haben sie sich so und nicht anders gekleidet, warum haben sie das Fenster nicht richtig zu gemacht?

Unbelievable: Marie (Kaitlyn Dever) wird von den Detectives Parker (Eric Lange) und Pruitt (Bill Fagerbakke) befragt Bild: Netflix.com

Unbelievable: Marie (Kaitlyn Dever) wird von den Detectives Parker (Eric Lange) und Pruitt (Bill Fagerbakke) befragt Bild: Netflix.com

Das, was Marie erlebt, ist noch viel schlimmer, denn gerade aufgrund ihrer bisherigen Geschichte mit Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch im familiären Umfeld, gehen einige ihrer Vertrauenspersonen und leider auch die Ermittler bei der Polizei davon aus, dass sie Lüge und Wahrheit nicht unterscheiden kann. Detective Parker (Eric Lange), ist durchaus kein Unmensch. Er ermittelt ernst- und gewissenhaft in diesem Fall, es ist keineswegs so, dass er Marie nicht glauben will. Aber weil es im Grunde keine verwertbaren Spuren gibt, und auch Judith (Elizabeth Marvel), eine von Maries Pflegemüttern, Zweifel an Maries Geschichte hat (gerade weil sie selbst vergewaltigt wurde, aber ganz anders damit umgegangen ist), lässt er Marie spüren, dass auch andere Versionen denkbar sind. Auch die wechselnden Kollegen an Parkers Seite sind nicht unbedingt hilfreich, sie fragen sich, warum man so viel Zeit und Energie in einen vielleicht ausgedachten Kriminalfall investieren sollte, wo doch so viele andere reale Verbrecher zu verfolgen wären?

Für Marie ist dieser Zweifel fatal: Nicht nur, dass ihr nicht geglaubt wird, sie ist plötzlich die Beklagte wegen einer angeblichen Falschaussage. Aber weil sie inzwischen gelernt hat, dass es nichts bringt, aufzubegehren, findet sie sich damit ab, sie zahlt die Strafe, sie unterschreibt die entsprechende Erklärung, sie will, dass es einfach aufhört. Auch wenn es an ihr nagt, dass sie eher in Ruhe gelassen wird, wenn sie lügt, als wenn sie die Wahrheit sagt. Das nimmt sie mit. Sie versteht die Welt nicht mehr. Sie verliert ihren Job, ihre Freunde, die sie nun als Lügnerin bloßstellen und auch sonst fast jeden Halt. Ich denke, dass ist eine Geschichte, die sich viel zu oft ereignet und für deren Opfer wir an dieser Stelle eine Art Gedenkminute einlegen sollten. Denn aus den Geschichten, die hier einfach enden, würde niemand eine Serie machen. So wichtig es auch wäre, sie zu erzählen.

Unbelievable: Die Detectives Karen Duvall (Merritt Wever) und Grace Rasmussen (Toni Colette) Netflix.com

Unbelievable: Die Detectives Karen Duvall (Merritt Wever) und Grace Rasmussen (Toni Colette) Netflix.com

Aber in dieser Geschichte gibt es ja glücklicherweise die Detectives Karen Duvall (Merritt Wever) und Grace Rasmussen (Toni Colette), die ebenfalls an Vergewaltigungsfällen arbeiten, bei denen sich zufällig herausstellt, dass es auffällige Übereinstimmungen gibt. Denn der Täter blieb in diesen Fällen so lange unerkannt, weil er wusste, wie die Polizei arbeitet. Er wusste, dass sich die jeweiligen regionalen Polizeibehörden in solchen Fällen nicht austauschen, weshalb die Serie seiner Verbrechen so lange unerkannt blieb – bis der Mann von Karen, der ebenfalls Polizist ist, von einem ähnlichen Fall in einer anderen Gegend erzählt, und Karen beginnt, systematisch nach vergleichbaren Fällen zu suchen. Gemeinsam mit Grace findet sie eine ganze Reihe davon. Der Rest ist kleinteilige und ausdauernde Polizeiarbeit.

Im Zuge ihrer Ermittlungen stoßen die beiden auch auf Fotos von bisher unbekannten Opfern. Eins davon ist Marie, weshalb dieses Verbrechen schlussendlich auch aufgeklärt werden kann. So gibt es nach den ganzen schwer auszuhaltenden Fehlern und Ungerechtigkeiten doch noch ein versöhnliches Ende.

 

Opfer Nummer Acht

Den schönen warmen Sommer über gab es genügend andere Dinge zu tun, als Serien zu sehen. Doch nachdem das Wetter nach dem letzten heißen Wochenende plötzlich wieder normal geworden ist, gab es einige kühle Abende, so dass ich mich tatsächlich nach einer neuen Serie umgesehen habe. Und ich fand La victima número 8, einen spanischen Achtteiler, den es auf Netflix zu sehen gibt. Ausschlaggebend für meine Wahl war unter anderem, dass die Serie in Bilbao spielt. Da wollte ich schon immer einmal hin. Die Handlung greift die Terroranschläge in Nizza, Berlin und Barcelona auf, bei denen islamistische Attentäter mit Lastwagen zahlreiche Menschen töteten und verletzten. 

In der Serie fährt ein angeblich islamistischer Attentäter mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge vor einem bekannten Café in Bilbao. Acht Menschen sterben, darunter auch Gorka Azkárate, der Erbe des Großunternehmers José Maria Azkárate (Alfonso Torrègrosa). Der Täter ist angeblich Omar Jamal Salama (César Mateo), ältester Sohn einer in Bilbao hervorragend integrierten arabischen Familie. Ausgerechnet an dem Abend, an dem seine Freundin Edurne (Maria de Nati)  Omar ihren Eltern vorstellen wollte, kommt er nicht. Das Essen wird kalt, die Eltern ungeduldig, Edurne kann ihren Freund per Handy nicht erreichen. Dann die schreckliche Nachricht im Fernsehen: Es hat einen Anschlag gegeben. Und Omar soll der Täter sein.

La victima número 8 Bild: Telemadrid

La victima número 8 Bild: Telemadrid

Edurne, ein anständiges Mädchen aus gutem Haus, die als Krankenschwester in einer Klinik arbeitet, ist fest von der Unschuld ihres Freundes überzeugt. Genau wie Omars Mutter Adila Salama (Farah Amed). Sie werden beide hart auf die Probe gestellt.

Ja, ich weiß, ich spoilere zu viel. Aber in diesem Fall geht es nicht anders. Denn selbstverständlich handelt es sich bei der schrecklichen Tat nicht um einen weiteren Terroranschlag, sondern um einen gut getarnten Mord, an dessen Vertuschung ein wichtiger Teil der zuständigen Polizeieinheit beteiligt ist. Es geht also nicht um Terrorismus, sondern um Korruption.

Und um problematische Familienverhältnisse in höchsten Kreisen der Bilbao-Society: Der jüngere Sohn Gaizka Azkárate stand immer im Schatten seines großen Bruders Gorka. Aber Gaizka gefällt sich nicht in der Rolle des unfähigen zweiten Sohnes, er ist eifersüchtig auf so ziemlich alles, was der erfolgreiche Gorka hatte: Die Liebe des Vaters, die Achtung der Leute in der Firma und nicht zuletzt die schöne Almundena (Lisi Linder), Gorkas Frau. Gaizka nutzt die guten Verbindungen, die er als Sproß einer einfluss- und auch sonst sehr reichen Familie hat, um seinen Bruder aus dem Weg zu räumen. Gorka ist das Opfer Nr. 8 jenes Anschlags, den Gaizka hat inszenieren lassen.

Alles in allem also eine ziemlich kranke Geschichte, die leider gar nicht so weit hergeholt ist: Immer wieder in der Geschichte haben mächtige Leute zahlreiche Untertanen geopfert, um ihre Interessen durchzusetzen. Über die anderen sieben Opfer erfahren wir wenig bis gar nichts. Aber die Serie folgt dem eigentlichen Opfer Omar und seiner Familie. Und der ebenso eigensinnigen wie hochschwangeren Ermittlerin Koro Olaegi (Verónika Moral), die von Anfang an ahnt, dass an diesem Fall irgendetwas nicht stimmt, aber von interessierter Stelle immer wieder sabotiert wird. Denn das Kind, das sie erwartet, ist ausgerechnet von Gorka, mit dem sie eine Affäre hatte. Allerdings war die vorbei, als Koro beschloss, das Kind zu behalten. 

Ihr Gegenspieler im Polizeiapparat ist Gorostiza (Óscar Zafra), der den Anschlag mit seinen Leuten inszeniert hat. Gorostiza versucht, Olaegi kaltzustellen, was ihm zumindest teilweise immer wieder gelingt. Aber Olaegi ist beharrlich und schlau, sie erinnert mich mit ihrer todesverachtenden Sturheit an die legendäre Kommissarin Lund. Und dann gibt es noch den abgehalfterten Journalisten Juan Echevarría genannt  „Eche“ (Marcia Alvarez), der Edurne aus der Klinik kennt, wohin Eche regelmäßig zur Dialyse muss. Eche wittert eine gute Story, mit der er wieder groß heraus kommen kann und schafft es, Edurnes Vertrauen zu gewinnen: Er will ihr helfen, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen. Eche weiß im Gegensatz zu Edurne, dass sie sich mit sehr mächtigen und einflussreichen Gegnern anlegen.

Währenddessen steht Omars Familie unter dem Verdacht, einen islamistischen Terroristen groß gezogen zu haben und wird mit dem entsprechendem Volkszorn überzogen. Nur die alte Dame Maria (Itziar Aizpuru), bei der Omars Mutter Adila als Altenpflegerin arbeitet, lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie schätzt Alida sehr und besteht gegen den Willen ihrer Kinder darauf, weiterhin von Adila betreut zu werden. Ihr tut auch Adilas kleinster Sohn leid, der nun von Mitschülern und vor allem deren Eltern ausgegrenzt und angefeindet wird. Ob und was die Familie überhaupt mit dem schrecklichen Anschlag zu tun haben könnte, spielt im Zeitalter der öffentlichen Social-Media-Pranger letztlich keine Rolle. 

Mir hat an der Serie gefallen, dass dieser Aspekt gezeigt wird. Auch wenn es in der Geschichte insgesamt einige größere Logiklöcher gibt und mir die Familieneifersüchteleien im Azkárate-Clan auf die Nerven gehen (ich mochte auch schon Dallas und den Denver-Clan nicht, weil ich dick aufgetragene Reiche-Familien-Geschichten blöd finde) fand ich La victima número 8, dann doch spannend und interessant genug, um bis zum Schluss dabei zu bleiben. 

Tiefer Süden: Queen of the South

Im Universum der Verbrecherserien dominieren männliche Protagonisten. Insbesondere, wenn es um das besonders schmutzige Geschäft des internationalen Drogenhandels geht. Dort kommen Frauen in der Regel nur als Endnutzerinnen oder als Ware vor, oder auch beides, denn Drogen- und Menschenhandel ist oft eng verzahnt und die Mädchen und Frauen, die als Prostituierte verkauft werden, wurden mit Drogen gefügig gemacht. Oder umgekehrt, weil sie die Drogen aus welchen Gründen auch immer brauchen, verkaufen sie sich selbst. Was oft nicht lange gut geht.

Insofern ist Queen of the South von USA Network eine Ausnahmeserie, denn sie handelt vom Aufstieg der mexikanischen Geldwechslerin Teresa Mendoza (Alice Braga) zu einer mächtigen Jefa im Testosteron gesteuerten Drogenbusiness. Obwohl die Serie insgesamt durchaus Schwächen hat und an Meisterwerke wie Breaking Bad (AMC, nicht USA Network) nicht herankommt, so verdient sie meines Erachtens mehr Aufmerksamkeit als ihr, zumindest hierzulande, zuteil wird. Queen of the South ist die US-Adaption der Telenovela La Reina del Sur, die der ebenfalls in den USA operierende Sender Telemundo für die spanischsprachige Community in den USA produziert hat. Der englischsprachige Partnersender der Neuauflage ist USA Network, der auch meine Lieblingsserie Mr. Robot produziert hat. Was erklären dürfte, wie ich auf Queen of The South gekommen bin. Nun ist gewiss nicht jede USA-Serie toll, aber Queen of the South hat was.

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Titelposter Queen of the South: Teresa Mendoza (Alice Braga) Bild: Netflix

Teresa ist ein typisches (also armes) Mädchen aus Sinaloa, einem mexikanischem Bundesstaat, der vor allem für das Sinaloa-Kartell bekannt ist. Teresa verliebt sich in einen Drogenkurier, der ihr eine zeitlang ein vergleichsweise angenehmes Leben ermöglicht. Als ihr Freund ermordet wird, wird ihr klar, wie tödlich dieses Geschäft ist. Sie selbst gerät in die Fänge des Kartells und soll als Frischfleisch verkauft werden, weshalb sie sich spontan als Muli meldet – lieber will sie in ihrem Körper Drogen schmuggeln, als sich serienmäßig vergewaltigen zu lassen.

Teresa ist zäh und kämpft, sie weiß, dass sie eigentlich keine Chance hat, aber sie greift nach jedem Strohhalm und siehe da, ab und zu ist Gott mit den Unverzagten. Gerade weil sie arm war, weiß sie, dass es besser ist, reich zu sein. Und dann hat sie auch noch die Nerven, jede noch so kleine Chance zu nutzen, um genau das zu erreichen, anstatt sich der erdrückenden Übermacht der offensichtlich so viel Mächtigeren zu beugen. Teresa ist cool, berechnend und wenn es sein muss, konsequent: Verräter müssen sterben. Gleichzeitig bekämpft sie aber die in ihren Augen sinnlose Grausamkeit und Brutalität der anderen, männlichen, Kartellchefs.

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Teresa (Alice Braga) mit ihrer Freundin Brenda (Justina Machado)

Sie versucht, ein alternatives Business-Modell zu etablieren: Ihr Stoff ist besonders rein, deshalb ist die Nachfrage danach hoch und die gesundheitlichen Auswirkungen kontrollierbar. Außerdem ist sie eine überaus faire Geschäftspartnerin, die immer hält, was sie verspricht. Und ihr ist es zuwider, abhängige Menschen auszunutzen. Obwohl, oder vielleicht gerade weil, sie unter harten Bedingungen lebt und aufgewachsen ist, will sie es besser machen. Das ist ihre Entscheidung. Sie will nicht so zynisch und brutal sein, wie die Menschen, denen sie ausgeliefert war und ist. Sie entscheidet sich, es anders zu machen. 

Ihre Haltung wird von Gegnern gern als Schwäche verstanden. Aber sie erreicht mit ihrer Art, dass ihre Leute wirklich loyal sind, weil sie gut finden, wie ihre Chefin die Dinge angeht. Während ihre fiesen Gegner immer mehr Angst und Schrecken verbreiten müssen, um ihre Macht zu sichern. Natürlich wird Teresa in ihrer brutalen Sphäre trotzdem noch oft genug gezwungen, Dinge zu tun, die sie nicht tun will, um zu überleben. Und immer wieder stellt sich heraus, dass sie eine Überlebenskünstlerin ist, was im Laufe der Serie dann doch sehr strapaziert wird. Andererseits ist das bei Breaking Bad nicht anders: Immer, wenn man sich fragt, wie denn bitte schön die Protagonisten aus dieser Situation herauskommen sollen, damit die Staffel weiter gehen kann, passiert entsprechend etwas Unerwartetes.

Oder eben doch nicht sooo dermaßen unerwartet, weil die Nummer kennen wir ja schon, muss halt irgendwie klappen, weil sonst wäre ja Schluss. Dabei ist Queen of the South mittlerweile in der verdienten vierten Staffel angekommen, in der Teresa versucht, in New Orleans Fuß zu fassen. Zuvor musste sie schon eine Menge unlösbar scheinender Herausforderungen meistern, sich aus der Abhängigkeit von allmächtigen Kartellchefs befreien, durchgeknallte Produzenten von ihrem Geschäftsmodell überzeugen, skrupellose Konkurrenten aus dem Weg räumen, innovative Transport- und Bezahlmechanismen für ihr eigenes Businessmodell zu etablieren und nicht zuletzt unter dem Radar von nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden zu bleiben. Was oft bedeutet, entsprechende Menschen in entsprechenden Positionen von sich zu überzeugen, auf welche Art auch immer.

Und dann gibt es auch noch Familie, wie immer die definiert wird. Für Teresa spielen Loyalitäten eine größere Rolle als ein gemeinsamer Genpool, ihre Herkunftsfamilie spielt im Grunde keine Rolle, Teresa kommt quasi aus dem Nichts. Aber sie muss ständig mit den komplizierten mexikanischen Familien- und Machtverhältnissen umgehen, die für andere in ihrem Business so wichtig sind. Wobei, mafiöse Strukturen sind auch in anderen Gesellschaften zu finden, Teresa arbeitet sich überall daran ab, egal, wohin sie geht.

Queen of the South gibt es nicht nur bei Netflix, sondern auch bei Amazon, Google Play, maxdome, Videoload, iTunes und magenta-TV, die Erstausstrahlung in Deutschland fand im Sommer 2017 bei DMAX statt.

Dark: Zeit ist nur eine Illusion

Als die erste für Netflix produzierte deutsche Serie Dark Ende 2017 erschien, war ich ziemlich enttäuscht. Ich hatte so etwas wie Who Am I erwartet, jenem Hacker-Film von Baran bo Odar, der eine Art Vorläufer für die Ausnahmeserie Mr. Robot von Sam Esmail war. Oder eine vielschichtige Krimiserie wie The Killing. Aber Dark war etwas ganz anderes. Eine sehr deutsche Serie, die in der zwar fiktiven, aber eben auch sehr deutschen Kleinstadt Winden spielt. Und noch schlimmer: Dark war weder eine Krimi-, noch eine Hackerserie, sondern ein Mysterydrama. Und Mystery ist einfach nicht mein Ding. 

Ich habe mir Dark dann aber trotzdem angesehen, weil es schon gut gemacht ist, es gibt stimmungsvolle Bilder von deutschen Waldlandschaften, ein imposantes Kernkraftwerk und auch mit der sonstigen Ausstattung haben sich die Serienmacher große Mühe geben. Und irgendwie ist es auch eine Familienserie, es geht um das Schicksal von vier Familien, die in Winden leben: Die Dopplers, die Nielsens, die Kahnwalds und die Tiedemanns. Sie alle haben ihre Geheimnisse und pflegen die üblichen Lebenslügen. Die Handlung setzt am 21. Juni 2019 mit dem Selbstmord von Michael Kahnwald (Sebastian Rudolph) ein, der einen Brief hinterlässt, der nicht vor den 4. November um 22:13 geöffnet werden soll. Und es verschwinden Kinder. Im Jahr 2019 ist es Erik Obendorf, der vermisst wird.

Poster Netflix-Serie Dark

Poster Netflix-Serie Dark Bild: Netflix

Charlotte Doppler (Karoline Eichhorn) und Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) von der örtlichen Polizeieinheit nehmen die Ermittlungen auf. Ulrich Nielsen ist Mikkels Vater, dem kleinen Bruder von Magnus und Martha, der als nächstes verschwindet. Mikkel war mit einer Gruppe Jugendlicher aus dem Ort unterwegs, die nach dem Drogenversteck gesucht hat, das Erik angeblich angelegt hat. Sie suchen in den Windener Höhlen, die eine zentrale Rolle in der Serie spielen.

Das weit verzweigte Höhlensystem birgt allerlei Geheimnisse und soll sogar bis unter das Gelände des Kernkraftwerks reichen, das für den ansonsten unspektakulären Ort der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist. Nun ja, geologisch wirft das durchaus Fragen auf, aber Kernkraftwerke wurden auch in Deutschland nicht unbedingt an den dafür geeignetsten Standorten gebaut, sondern dort, wo der Widerstand in der Bevölkerung nicht unüberwindbar hoch war, insofern geht das schon klar. Das Atomkraftwerk spielt in der Serie durchaus eine Rolle, aber eher als geheimnisvoller Ort, an dem rätselhafte Dinge passieren, es geht in der Serie schließlich nicht um das Protokoll einer Atomkatastrophe, sondern um Zeitreisen.

Bei der Suchaktion der Polizei wird die Leiche eines Jungen gefunden, der am Kopf merkwürdige Verbrennungen hat. Es handelt sich allerdings weder um Erik, noch um Mikkel. Die Nervosität in Winden steigt, die Leute sind verunsichert und bekommen Angst. Mikkel hingegen taucht wieder auf und geht nach Hause, dort wohnen allerdings Menschen, denen er noch nie begegnet ist. Mikkel ist im Jahr 1986 gelandet. Danach springt die Handlung zwischen den Jahren 2019 und 1986 hin und her, wir erleben, wie Mikkel im Jahr 1986 fest hängt, während in Winden ein weiterer Junge verschwindet. Michael Kahnwalds Sohn Jonas (Louis Hofmann) bekommt von einem rätselhaften Fremden ein Paket, in dem neben einer coolen Lampe und einem Geigerzähler auch der verloren geglaubte Abschiedsbrief seines Vaters ist. Jonas erfährt, dass sein Vater Michael der kleine Mikkel Nielsen aus dem Jahr 1986 ist, der von Ines Kahnwald aufgezogen wurde. Anhand einer Karte der Windener Höhlen, die Jonas im Atelier seines Vaters gefunden hat, findet er den Durchgang, der die Zeitreisen ermöglicht.

Es kriselt in sämtlichen betroffenen Familien, die irgendwie mit dem Verschwinden ihrer Kinder und Geschwister klar kommen müssen. Da ist beispielsweise Ulrich Nielsen, dessen jüngerer Bruder Mads im Jahr 1986 verschwunden ist. Als sein Sohn Mikkel verschwindet, scheint sich alles zu wiederholen. Charlotte muss ihn schließlich wegen Befangenheit von dem aktuellen Vermissten-Fall abziehen. Aber Ulrich ermittelt auf eigene Faust weiter. Er findet heraus, dass die Kinderleiche, die gefunden wurde, sein Bruder Mads sein muss.

Aufgrund von Notizen in alten Polizeiakten verdächtigt Ulrich den inzwischen dementen Helge Doppler, etwas mit dem Verschwinden von Mads und Mikkel zu tun zu haben. Ulrich folgt Helge, als der aus dem Heim verschwindet und sich zu den Windener Höhlen aufmacht und findet auf diese Weise heraus, wo der Durchgang für die Zeitreisen ist. Allerdings landet Ulrich im Jahr 1953. Dort trifft er tatsächlich auf den kleinen Helge und versucht, ihn zu erschlagen, um zu verhindern, dass er als Erwachsener Mads und Mikkel ermorden kann, was er nicht getan hat, aber Ulrich ist davon überzeugt. Helge überlebt allerdings, auch wenn er für den erst seines Lebens von den schweren Kopfverletzungen gezeichnet bleibt.

Bevor Ulrich zurück in seine Zeit reisen kann, wird der vom jungen Polizist Egon Tiedemann aufgegriffen und verhaftet. Kurz zuvor wurden die Leichen von Erik Obendorf und Yasin Friese auf der Baustelle des künftigen Atomkraftwerks gefunden. Die Polizei kann sich keinen rechten Reim auf die merkwürdige Kleidung der Kinder machen, aber sie sind tot und der blutbeschmierte Ulrich ist mehr als verdächtig. Ulrich wird als verrückter Kindermörder für den Rest seines Lebens eingesperrt.

Am Ende der ersten Staffel landet Jonas in einer düsteren Zukunft, um das offensichtlich zerstörte Atomkraftwerk wurde eine Sperrzone errichtet. Jonas wird von einer Gruppe zerlumpter, bewaffneter Gestalten gefangen genommen, die junge Anführerin schlägt ihn mit den Worten „Willkommen in der Zukunft“ ohnmächtig.

In der zweiten Staffel wird die Figur von Jonas noch wichtiger, er glaubt, dass er derjenige ist, der alles, was durch die Fehler in der Zeit schief gegangen ist, wieder in Ordnung bringen kann. Er ist allerdings nicht der einzige, der alte Fehler ausbügeln will. So kommen Egon Jahrzehnte später (also 1986) Zweifel, ob er damals richtig gehandelt hat. Seine überaus intelligente Tochter Claudia (Julika Jenkins) ist die inzwischen erste Chefin eines Atomkraftwerks in Deutschland, worauf Egon sehr stolz ist, auch wenn das Verhältnis zu seiner Tochter und seiner Enkelin Regina sonst eher kühl ist. Egon will, bevor er in Rente geht, das Verschwinden von Mads Nielsen aufklären und erinnert sich an den Fall von 1953.

Claudia hingegen verschwindet in gewisser Weise ebenfalls, sie streift als Zeitreisende durch die Epochen. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die Sic-Mundus-Organisation zu bekämpfen, ein Geheimbund von Zeitreisenden, den es bereits seit 1921 gibt. Claudia lässt auch die Zeitmaschine bauen, sie bringt dem Uhrmacher H. G. Tannhaus im Jahr 1953 die Pläne für eine komplizierte mechanische Maschine, die erst 33 Jahre später fertig sein wird. Die Zeitmaschine wird mit Cäsium-137 betrieben. Cäsium ist das Element, dessen Frequenz für die Atomuhren genutzt wird, mit denen die gültige Weltzeit bestimmt wird. Als Chefin eines Kernkraftwerks kommt sie natürlich an eine solche Substanz, die bei der Kernspaltung entsteht.

Gleich am ersten Tag als Nachfolgerin des bisherigen Chefs des Windener Atomkraftwerks, Bernd Doppler, dem Vater von Helge Doppler, hat sie herausbekommen, dass kurz zuvor ein atomarer Störfall vertuscht wurde. Claudia will damit an die Öffentlichkeit, lässt sich aber vom alten Doppler überzeugen, dass ein Aus für das AKW den wirtschaftlichen Niedergang für die ganze Region bedeuten würde. Als es einen weiteren Zwischenfall gibt, wertet Claudia die Daten aus und entdeckt darin den Nachweis für die Existenz des so genannten Gottesteilchens, des Higgs-Bosons. Leider kann sie diese sensationelle Entdeckung nicht veröffentlichen, ohne die Störfälle bekannt zu machen. Also hält sie ihre Entdeckung geheim, stellt aber weitere Nachforschungen an. Sie will ihre Erkenntnisse ebenfalls dazu nutzen, um die Dinge in Winden wieder in Ordnung zu bringen. Mit ihren älteren Ich nimmt sie in unterschiedlichen Zeiten zu verschiedenen Windenern Kontakt auf, um ihr Wissen mit ihnen zu teilen, damit sie in ihrer jeweiligen Zukunft richtig handeln können. Allerdings muss sie dabei erkennen, dass sie dadurch genau die Ereignisse erst verursacht, die sie eigentlich verhindern wollte.

Es bleibt nicht aus, dass immer mehr Menschen in Winden von der Existenz der Zeitreisen und der Zeitmaschine erfahren. Das macht die Sache aber noch viel komplizierter, weil es immer mehr Interaktionen in den unterschiedlichen Zeitebenen gibt, die wiederum Konsequenzen auf das künftige Leben aller anderen haben können. Wer auf derartige Mindfuck-Geschichten steht, kann mit Dark ziemlich glücklich werden. Ich liebte in den 80ern Zurück in die Zukunft, allerdings war gerade der erste Film der Trilogie sehr viel lustiger als Dark. Das ist auch eins der Probleme dieser Serie, die sich überaus philosophisch und total ernst gemeint gibt und deshalb leider vollkommen humorfrei ist. Ab und zu mal ein Augenzwinker-Moment und dafür weniger schwülstiges Geschwurbel aus dem Off, und Dark wäre eine richtig gute Serie geworden, der man das eine oder andere schwarze Logik-Loch verzeihen kann, weil sie wenigstens gut unterhält. So macht es Dark einem aber schwerer als nötig, den ganzen Handlungssprüngen, Zeitschleifen und Paradoxien zu folgen. Wobei ich auch sagen muss, dass ich die zweite Staffel besser fand als die erste. Vielleicht hatte ich mich jetzt auch einfach darauf eingelassen, dass Dark eben so ist, wie es ist. Vielleicht reißt es die dritte Staffel ja endgültig heraus, nach der dann für immer Schluss sein wird.

Was man besser nicht googeln sollte

Netflix hat eine weitere deutsche Serie produziert, und dieses Mal ist es tatsächlich gut gegangen – bekanntlich sind alle guten Dinge drei: Nach der ambitionierten, aber irgendwie dann doch enttäuschenden Mysterieserie Dark und dem gründlich misslungenen Versuch, mit Dogs of Berlin eine coole Verbrecherserie im Gang-Milieu von Berlin abzuliefern, die tatsächlich einfach nur eine manchmal alberne, oft aber ärgerliche Aneinanderreihung dämlicher Klischees war, ist How to Sell Drugs Online (Fast) eine erstaunlich unterhaltsame Teenager-Serie, an der auch Erwachsene Spaß haben können.

Die Serienidee beruht auf der wahren Geschichte eines Schülers, der unter dem Alias Shiny Flakes aus seinem Kinderzimmer heraus einen illegalen Drogenhandel im Darknet betrieb, der mehrere Millionen Euro Umsatz machte. Die Serienmacher haben die Handlung von Leipzig in die fiktive Kleinstadt Rinseln im Umland von Köln verlegt, deren beeindruckende Trostlosigkeit es locker mit Niederkaltenkirchen aufnehmen kann, der hässlichsten (ebenfalls fiktiven) Stadt in Niederbayern, bekannt aus den Eberhofer-Krimis. Für die Serie verantwortlich zeichnet übrigens die bildundtonfabrik aus Köln-Ehrenfeld, die unter anderem auch das Neo Magazin Royale produziert. How to Sell Drugs Online (Fast) ist die erste fiktionale Serie der Ehrenfelder.

How To Sell Drugs Online (Fast): Serienposter Bild: Netflix

How To Sell Drugs Online (Fast): Serienposter Bild: Netflix

Es geht um den siebzehnjährigen Moritz (Maximilian Mundt), der sehnsüchtig darauf wartet, dass seine Freundin Lisa (Lena Klenke) wieder nach Hause kommt. Sie war für ein Austauschjahr in den USA und es kommt, wie es kommen muss, sie interessiert sich nun für andere Dinge und Menschen. Sie macht zwar nicht gleich komplett mit Moritz Schluss, aber will erstmal auf die Pausetaste drücken. Wie man das heute so nennt, wenn man eigentlich nicht mehr will, aber keine Lust auf den Stress einer richtigen Trennung hat.

Natürlich kapiert Moritz das und leidet fortan unter unerträglichem Liebeskummer, sein Lebenssinn ist nun dahin und darunter wiederum leiden in der Folge andere. Lenny (Danilo Kamperidis) zum Beispiel, der beste (und offenbar einzige) Freund von Moritz, der aufgrund einer schweren Erkrankung im Rollstuhl sitzt. Er teilt Moritz Begeisterung für Computerspiele und alles, was sonst mit Computern zu tun hat. Die beiden Nerds planen, ein Start-Up für virtuelle Computerspielausrüstung aufzuziehen, die man für echtes Geld kaufen kann. Doch der Pitch für MyTems geht gründlich schief, weil Moritz nicht bei der Sache ist.

Dafür entwickelt er eine andere Idee: Als er mitbekommt, dass der gut aussehende Dan (Damian Hardung) epische Parties im Haus seiner Eltern schmeißt, auf denen es Ecstasy-Pillen gibt, beschließt er, selbst ins Dealergewerbe einzusteigen, damit er endlich auch cool ist und Einladungen zu den wichtigen Events bekommt, mit denen er Lisa beeindrucken kann, die er um so ziemlich jeden Preis zurück gewinnen will.

Dabei verstrickt er sich in allerlei Schwierigkeiten, natürlich klappt alles nicht so wie geplant, vor allem ist mit Buba (Bjarne Mädel) nicht zu spaßen, dem brutalen Teilzeit-Dealer, der hauptamtlich einen Pferdehof betreibt. Doch Nerd Moritz, ein bekennender Steve-Jobs-Fan, denkt inzwischen in größeren Kategorien und  knüpft internationale Kontakte mit Drogenherstellern. Und er benutzt die hauptsächlich von Lenny entwickelte Verkaufsplattform für Gaming-Zubehör als Onlineshop für seine illegalen Geschäfte. Businessmäßig ist er auf dem Erfolgstrip, zwischenmenschlich entpuppt er sich immer wieder als selbstbezogenes Arschloch, das andere ausnutzt, um dann aber doch im richtigen Moment wieder sein Gewissen und sein Herz zu entdecken. Wie sonst ist denn ein Typ gestrickt, der seiner Angebeteten eine Gehirnzelle als Kuschelltier schenkt?!

How To Sell Drugs Online (Fast): Buba (Bjarne Mädel), Lenny (Danilo Kamperidis) und Moritz (Maximilian Mundt) Bild: Netflix

How To Sell Drugs Online (Fast): Buba (Bjarne Mädel), Lenny (Danilo Kamperidis) und Moritz (Maximilian Mundt) Bild: Netflix

Die Serie mag inhaltlich vielleicht nicht super originell sein, aber sie ist flott und verspielt gemacht. Es gibt eine Menge eingeblendeter Chats inklusive albernster Emojis, aber so kommunizieren die jungen Menschen heutzutage nun einmal. Und nebenbei gibt Moritz immer wieder Tipps, was man besser nicht online stellen sollte. How to Sell Drugs Online (Fast) spielt mit dem Selbstinszenierungszwang der Generation Social Media, dem leider nicht nur bei BWLern äußerst beliebten Bullshit-Bingo aus Motivations- und Coaching-Seminaren und der abgefuckten Business-Denke aktueller und bereits verblichener Silicon-Valley-Ikonen.

Zusätzlich gibt es unzählige Zitate und Querverweise aus anderen Filmen und Serien und eine ganze Reihe illustrer  Gastauftritte, etwa Ulrike Folkerts als Mutter von Lenny, Olli Schulz als Onkel einer Freundin oder Florentin Will als Polizist. Selbst die 90er-Ikone Jonathan Frakes ist dabei, der im besten X-Factor-Stil auftritt – alles in allem ein Riesenspaß, der leider schon allzu bald vorbei ist, denn HTSDO(F) besteht nur aus sechs halbstündigen Teilen.

Aber klar, besser eine gute Serie, die schnell weg gebinged ist, als ein zäher Brocken mit gefühlt unendlicher Laufzeit. Liebes Netflix, bitte mehr davon! Da sind doch noch ein paar weitere Staffeln drin! Und liebes deutsches Fernsehen, schau dir das mal an: So geht Serie Made in Germany. Man kann sich an die Sehgewohnheiten junger Menschen auch heranwanzen, ohne die intellektuellen Bedürfnisse der etwas älteren und nicht völlig ungebildeten Zuschauer komplett zu vernachlässigen. Ich meine jetzt die, die nicht der Hauptzielgruppe des ZDF entsprechen. Wobei, die ARD hat auch ihre Schwächen und ZDFneo ist manchmal sogar ganz hipp. Aber Netflix ist hipper. Leider. Denn den bekloppten Rundfunkbetrag muss ich ja trotzdem zahlen. Netflix zahl ich freiwillig.