Wonder Woman: Leider kein Wunder

Superheldenfilme – oder inzwischen ja auch Superheldinnenfilme – sind nicht gerade mein Lieblingsgenre, auch wenn ich mich gelegentlich dazu hinreißen lasse, mir so etwas anzusehen. Meistens bestätigt das, was ich sehe, meine Vorbehalte gegenüber diesem Genre. Genauso ist das auch bei Wonder Woman. Der Film ist entgegen vieler freundlicher Kritiken, die anderes erwarten ließen, leider auch wieder nur so ein Superheldinnenstreifen mit viel Krawumm und noch mehr Spezialeffekten, also genau das, was mich an diesem Blockbuster-Überwältigungs-Kino so nervt, weil es hauptsächlich um die Optik geht und die Geschichte, die erzählt wird, eigentlich fast keine Rolle mehr spielt. Wobei das jetzt ein bisschen unfair ist, gemessen an anderen Superheldenstreifen gibt es hier vergleichsweise viel Geschichte, wobei die griechische Antike aus der Sicht der Götter, die in den ersten zwanzig Minuten abgehandelt wird, noch der beste Teil ist. Dazu kommt, dass heutzutage jeder Actionfilm versucht, wie ein Computerspiel auszusehen, was mir zusätzlich auf den Keks geht. Nur dass dieses Mal eine Frau auf den Putz hauen darf, statt dem Held nur assistieren zu dürfen oder sich gar retten lassen zu müssen.

Filmplakat Wonder Woman Bild via kadacinemas.com

Filmplakat Wonder Woman Bild via kadacinemas.com

Aber macht das einen Film schon „feministisch“, wie einige der Kritiken behaupteten? Meiner Ansicht nach: nein. Und auch die Tatsache, dass eine Frau Regie geführt hat, hilft da nicht weiter, auch wenn Patty Jenkins hier beweist, dass eine Frau genauso  in der Lage ist, Blockbuster-Produktionen zu dirigieren wie ein Mann. Warum auch nicht. Klar gefällt mir das, und aus Prinzip auch, dass in Wonder Woman gleich reihenweise superstarke Frauen zu bewundern sind. Selbst die matronenhafte Sekretärin (bemerkenswert: Lucy Davis als Etta) in der „realen Welt“ entpuppt sich als extrem patent, auch wenn sie nicht über Superkräfte verfügt, sondern einfach nur so auf Zack ist. Interessant auch, dass Wonder Woman auf dem nordamerikanischen Markt kinokassenmäßig längst an den anderen Superheldenepen aus dem Hause DC vorbeigezogen ist. Aber andererseits auch wieder klar – Man of Steel, Suicide Squad oder Batman vs Superman sind halt eher für Jungs als für Mädchen gemacht.

Und jetzt wird das gleiche Spektakel zur Abwechslung mal so aufgezogen, dass auch die Mädels sich das ansehen wollen, und ihren Freund mit schleppen, der bei Wonder Woman gewiss auch auf seine Kosten kommt. Natürlich geht es wieder mal darum, dass die Welt gerettet werden muss und in diesem Fall wird sie halt von der Wunderfrau Diana/Diane Prince (Gal Gadot) gerettet. Und Diana ist nicht nur wahnsinnig stark und mutig, sondern erkennt schließlich auch, dass die Liebe die allerstärkste Kraft ist. Hach. Da kann am Ende auch der wahnsinnig mächtige Kriegsgott Ares nicht mehr viel ausrichten. Das reicht für satte 92 Prozent auf dem Tomatometer – Suicide Quad kommt nur auf 25 Prozent. Auf imdb erreicht Wonder Woman eine glatte 8, Suicide Squad immerhin eine 6,2.

Wonder Woman: Robin Wright als Generalin Antiope Bild: Warner Bros via moviepilot.de

Wonder Woman: Robin Wright als Generalin Antiope Bild: Warner Bros via moviepilot.de

Aber warum?! Okay, Gal Gadot ist als Wonder Woman ebenso sexy wie schlagkräftig – die Kostüme der Amazonen sind spektakulär und die ehemalige Miss Israel Gal war vor ihrer noch jungen Schauspielkarriere Kampftrainerin bei der israelischen Armee. Insofern sieht sie nicht nur gut aus, sondern ist als Kämpferin ähnlich überzeugend wie Lagertha aus Vikings, deren Darstellerin Kathryn Winnick ebenfalls als Trainerin für verschiedene Kampfsportarten angefangen hat, bevor sie zur Schauspielerei kam. Und mit Connie Nielsen (Königin Hippolyta, Dianas Mutter) und Robin Wright (Generalin Antiope) sind weitere starke Frauen an Bord, überhaupt diese ganzen Amazonen, die alle wahnsinnig gut aussehen, furchteinflößende Kriegerinnen sind und nebenbei auch sämtliche Sprachen sprechen – blöd nur, dass sich die Damen vom Rest der Welt so vollständig abgekapselt haben, dass sie überhaupt nicht mehr mitkriegen, was da eigentlich los ist.

Von den antiken Göttern ist nur noch einer übrig geblieben, ausgerechnet der Kriegsgott Ares (David Thewlis, herrlich perfide auch als Steves Geheimdienstchef Chef Sir Patrick Morgan). Und der flüstert den Menschen eine Menge übler Ideen ein, die sie dann gegeneinander verwenden – Menschen sind bekanntermaßen ziemlich blöd. Und manche dabei auch noch ziemlich böse, wie General Ludendorff (Danny Huston) und die Chemikerin Dr. Isabel Maru (Elena Anaya), die den ersten Weltkrieg mit dem Einsatz eines noch tödlicheren Giftgases, das auch Schutzmasken zerstört, noch für die Deutschen entscheiden wollen. In Wonder Woman ist also auch die Rolle des besessenen Genies, das für die dunklen Mächte schreckliche Waffen entwickelt, mit einer Frau besetzt. Toller Fortschritt, nicht wahr? Wobei es ja nun mal so ist, dass Frauen nicht unbedingt bessere Menschen sind, weil sie zwei X-Gene haben. Ich sag nur Maggie Thatcher, Hillary Clinton, Angela Merkel. Sie sind aber auch keine schlechteren Menschen als beliebige XY-Varianten.

Wonder Woman: Chris Pine als Steve Trevor Bild: Warner Bros via filmstarts.de

Wonder Woman: Chris Pine als Steve Trevor Bild: Warner Bros via filmstarts.de

Was in der Zeit, in der die Handlung des Films spielt, noch nicht öffentliche Meinung war. Damals kämpften die Frauen in Europa noch um Anerkennung als vollwertige Menschen, etwa beim Wahlrecht. Bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit kämpfen wir noch immer darum, das nur nebenbei. Die eigentlich recht wenigen lustigen Szenen in dem Film ergeben sich aus dem Unverständnis der unter starken Frauen aufgewachsenen Diana gegenüber den Gepflogenheiten der britischen Gesellschaft, in der Frauen sich unpraktisch kleiden und offenbar nicht in den Kampf ziehen, sondern undankbare Hilfsarbeiten leisten müssen und sonst nichts zu sagen haben. Denn der Bruchpilot Steve Trevor (Chris Pine), der in der Nähe der paradisischen Insel Themyscira abgestürzt ist und von der Amazone Diana gerettet wurde, nimmt Diana mit nach London. Einen furchtbaren Ort, wie Diana findet.

Zuvor wurden zahlreiche Amazonen von den Deutschen getötet, die auf der Suche nach dem britischen Spion ebenfalls nach Themyscira gelangt sind – und moderne Waffen haben. Gegen Gewehre und Kanonen können auch die besten Kämpferinnen mit ihren antiken Schwertern, Lanzen und Bögen nicht viel ausrichten. Einzig Diana ist kugelsicher und somit für die nun anstehende Mission geeignet: Sie will in den Krieg ziehen, um dessen Verursacher Ares zu finden und zu töten, damit das weltweite Schlachten endlich ein Ende hat. So weit, so naiv – das kommt davon, wenn Mama ihr wertvolles Töchterchen der bösen Welt nicht gönnt. Aber immerhin hat Diana, die übrigens direkt von Zeus abstammt, die beste und härteste Ausbildung durchlaufen, die Amazonen zu bieten haben und eben auch das gewisse Etwas, mit dem sie Steve Trevor überzeugen kann, sie mitnehmen. Denn den Krieg beenden, das ist auch seine Mission. Nur hat die wenig mit dem Kriegsgott Ares zu tun, an den er sowieso nicht glaubt.

Wonder Woman: Das historische Foto aus dem ersten Weltkrieg Bild via slashfilm.com

Wonder Woman: Das historische Foto der Chaostruppe aus dem ersten Weltkrieg                        Bild via slashfilm.com

Diana hat immer wieder die Gelegenheit, Steve und seinen Kumpanen das Leben zu retten – und sie ist empört über diese Kriegsführung, die einfach nicht mit ihren altertümlichen Vorstellungen von Ehre und Gerechtigkeit in Übereinstimmung zu bringen ist. So versucht sie, die Bewohner des belgischen Dorfes Veld im Niemandsland zwischen deutschen und französischen Truppen zu retten – was ihr entgegen aller Erwartung tatsächlich gelingt. Allerdings fällt genau dieses Dorf später dann den Giftgasgranaten von Ludendorff und Dr. Maru zum Opfer. Diana glaubt deshalb, Ludendorff sei Ares und will ihn töten. Das tut sie auch, doch dann gibt sich der wahre Kriegsgott zu erkennen, nämlich Sir Morgan. Der will Diana überzeugen, dass die Menschheit schwach und korrupt ist, und dass es sich nicht lohnt, für die Menschen zu kämpfen. Derweil opfert Steve sein Leben, um einen Giftgasangriff auf London zu verhindern. Diana und Steve waren sich nach der Befreiung von Veld näher gekommen, und aus Liebe zum jetzt leider toten Steve wächst Diana über sich hinaus und schafft es schließlich, den mächtigen Ares zu vernichten.

Nun ja, man weiß ja, dass es mit dem Ende des ersten Weltkriegs eigentlich erst richtig angefangen hat – der zweite Weltkrieg war noch grausamer und derzeit sieht es auch nicht gerade toll auf der Welt aus. Ares ist definitiv noch am Ruder und Wonder Woman wäre jetzt eigentlich nötiger denn je. Aber die sortiert ja nun Fotos im Louvre.  Ist das jetzt die feministische Antwort auf Krieg und Konflikt? In sentimentalen Erinnerungen an vergangene Siege und verlorene Liebe schwelgen, während die Welt um einen herum in Stücke fällt? Also ich weiß nicht.

Wonder Woman mag zwar weniger hirnlos als andere Blockbuster aus dem Hause DC sein, aber ich finde nicht, dass man diesen Film unbedingt gesehen haben muss. Aber wenn man sich schon einen Krawumm-Streifen reinziehen will – warum dann nicht diesen. Schlechter als andere Comic-Verfilmungen ist Wonder Woman auf keinen Fall. Aber leider auch nicht besser.

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Buster’s Mal Heart: Schicksal ist ein Arschloch

Ein Film, auf den ich lange gewartet habe, ist Buster’s Mal Heart – einer von diesen „kleinen“ US-Indipendet-Filmen, die hierzulande nie ins Kino kommen, auch wenn sie auf zahlreichen Indipentent-Festivals erfolgreich gelaufen sind. Erfreulicherweise erscheint der Film jetzt auf Amazon Video und iTunes – und ich habe keine Kosten und Mühen gescheut, den Film schon einmal vorab zu sichten. Und es gleich vorweg zu nehmen: Ein Publikumsrenner wird dieser Film vermutlich nicht, dazu ist der Plot viel zu verschroben.

Aber – schlecht finde ich ihn wirklich nicht, Buster’s Mal Heart erinnert mich sehr an die eigenartigen Filme von Herbert Achternbusch – es geht um Identität, kosmische Missgeschicke, Liebe, Schicksal, Pflichterfüllung, das Elend mit der Freiheit und der Frage, wie man denn leben soll, wenn man die meiste Zeit damit beschäftigt ist, einen blöden Job machen zu müssen, weshalb man das eigentliche Leben verpasst. Daraus lässt sich schon ein sehenswerter Film stricken – und die Autorin-Regisseurin Sarah Adina Smith macht aus einem vergleichsweise schmalen Budget und wenigen Drehtagen eine ganze Menge.

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Der eine oder die andere wird sich Buster’s Mal Heart ohnehin schon allein deshalb ansehen, weil Mr. Robot mitspielt – der fleißige Rami Malek war zwar schon in einer ganzen Reihe von zum Teil durchaus bekannten Filmen als Nebendarsteller zu sehen, aber hier hat er seine erste Hauptrolle in einem Spielfilm – und er ist auch fast in allen Szenen zu sehen.

Und erstaunlich viel erinnert dann doch an Mr. Robot – der Protagonist Jonah ist nämlich zwei Männer: Zum einen ein mexikanischer Seemann, der nach einem Sturm 1000 Tage in einem winzigen Rettungsboot auf dem Meer treibt, zum anderen ein junger Familienvater, der endlose Nachtschichten in einem Hotel am Arsch der Welt – der sich in diesem Fall in Montana befindet – schiebt, um seine Familie zu ernähren. Die da sind seine junge Frau Marty (Kate Lyn Shell) und ihre niedliche kleine Tochter Roxanne (Sukha Belle Potter).

Marty und Jonah lieben sich, soviel wird klar, und Roxanne ist ein wirklich süßes kleines Kind. Die drei leben bei Martys Eltern, die es mit dem Christentum haben – keine Ahnung, welche der unzähligen Spielarten amerikanischer christlicher Sekten das ist, aber die tatkräftigen Christen haben Marty geholfen, von ihrer Drogensucht wieder loszukommen, und sie haben irgendwie auch Jonah akzeptiert, diesen Latino, den ihre Tochter angeschleppt hat. Über dessen Herkunft erfahren wir nicht viel, außer, dass er Spanisch spricht, was er auch versucht, seiner Tochter beizubringen – was die Schwiegereltern gar nicht so gut finden, das Kind soll doch lieber erstmal richtig Englisch lernen.

Und auch Jonah scheint keine astreine Vergangenheit zu haben – als sein Kollege, der die Tagschicht machen darf, Jonah fragt, wie er denn an diesen Job gekommen sei, wenn er nicht mal einen Highschool-Abschluss habe, antwortet Jonah, dass er dem Chef (der natürlich auch zu dieser christlichen Gemeinde gehört) sein Vorstrafenregister gezeigt hätte.

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Wir erfahren nicht, was Jonah verbrochen hat, aber wir sehen dabei zu, wie er sich redlich bemüht, seinen Job zu machen und gleichzeitig auch noch ein liebender Familienvater zu sein. Und er wie er daran scheitert – mechanisch wie ein Roboter erledigt er seine Arbeit, um dann völlig übermüdet zu Frau und Kind heimzukehren. Jonah träumt von einem ganz anderen Leben, er will ein Stück Land kaufen, ein Haus bauen und dort das eigentliche, richtige Leben verwirklichen, von dem er träumt. Aber Marty holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: „Du weißt doch überhaupt nicht, wie man ein Haus baut!“

Und es stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Jonah auch keine Ahnung davon hat, wie man in der Natur überlebt. Was ihm sein mexikanisches Alter Ego auf See voraus hat – der überlebt, er trinkt seinen eigenen Urin und fängt Fische, auch wenn er Gott verflucht und bittet, ihn jetzt endlich sterben zu lassen, weil man so ja auf Dauer nicht leben kann. Jonah hingegen überlebt, in dem er in luxuriöse Ferienhäuser einbricht, die reiche Leute in den Bergen von Montana haben. So richtig autark ist das nicht, immerhin er genießt den vorübergehenden Luxus sichtlich. In seinem jeweiligen Quartieren dreht er alle Familienbilder auf den Kopf und telefoniert mit Sex- und Radiohotlines, um seine Botschaft zu verkünden: Das Ende der Welt ist nah – also der Welt, die wir so kennen, wie sie ist. Die zweite Inversion steht bevor, bei der sich alles auf den Kopf stellt.

Das entspricht ziemlich genau der Hysterie, die vor der Jahrtausend-Wende grassierte, Y2K, das Jahr-2000-Problem. An das kann ich mit gut erinnern, schließlich war ich damals in meinen sehr frühen Dreißigern. Ich hatte das damals nicht dermaßen ernst genommen, schließlich stamme ich aus einer Generation, die in der Hochzeit des kalten Krieges mit der Angst aufgewachsen ist, dass ihre Welt innerhalb von Minuten von einem Atomkrieg pulverisiert wird.  Davor hatten wir die ganze Zeit Angst, und das war keineswegs unrealistisch. In Deutschland lebten wir schließlich auf dem wahrscheinlichst anzunehmenden Schlachtfeld einer solchen Auseinandersetzung. Da war Y2K ein Klacks gegen. Was ja auch zutraf.

Aber das hat in Buster’s Mal Heart eher eine anekdotische Funktion. Immerhin, die Geschichte spielt in den späten 90ern, also kurz vor Y2K, und während einer dieser quälend endlosen Nachtschichten im Hotel taucht ein rätselhafter Typ (DJ Qualls) auf, der Jonah seinen Namen nicht verraten will, aber behauptet, der letzte freie Mensch der Welt zu sein. Und nebenbei ist er ein Computer-Spezialist. Und als solcher habe er Sachen gesehen – CIA, FBI, Pentagon, da läuft eine ganz, ganz üble Scheiße und die Menschen werden alle verarscht. Immer.

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Jonah saugt die Worte dieses zweifelhaften Propheten auf, sei es, weil ihm einfach sterbenslangweilig ist, sei es, weil er tatsächlich an diesen Scheiß glauben will, weil er sich ein anderes Leben und eine andere Welt wünscht, auch wenn er nicht so richtig kapiert, was eigentlich falsch läuft – Jonah beschäftigt sich mit diesem ganzen Zeug und lässt es sich einleuchten. Und er versucht weiterhin ein guter Mensch zu sein, was sein Chef irgendwann auch honoriert, in dem er Jonah zwar nicht von der ungeliebten Nachtschicht befreit, aber ihm immerhin anbietet, dass seine Frau und Tochter eine Weile in dem ohnehin nicht besonders frequentierten Hotel wohnen können, damit Jonah sie ab und zu auch mal im wachen Zustand sehen kann.

Das ist erst einmal ganz nett – für Marty und Roxanne fühlt es sich wie ein Ferienaufenthalt an und Jonah ist auch ganz happy, die drei vergnügen sich (sittsam!!!) im Hotelpool, Jonah kann zumindest theoretisch endlich Job und Familie unter einen Hut bringen – doch dann taucht dieser Fremde wieder auf. Er sieht ziemlich ramponiert aus, und der gutmütige Jonah gibt ihm unerlaubterweise eine Schlüsselkarte, obwohl der Fremde nach wie vor keine ID vorweisen will. Klar, das hätte Jonah besser nicht getan.

Okay, für diesen Spoiler würden mich meine Kinder auch schon wieder killen, aber die lesen ja meinen Blog nicht. Vermutlich. Für Jonah geht die Sache nicht gut aus, auch wenn er tapfer gegen das Unausweichliche ankämpft und versucht, später selbst als gesuchter Schwerverbrecher und Outlaw noch ein netter Mensch zu sein. Aber das ganze Universum scheint sich gegen ihn verschworen zu haben – letztlich erweist sich seine Existenz als epischer Fehler im kosmischen System: Irgendwo ist irgendetwas kolossal schief gelaufen. Aber weder der verzweifelte, aber doch zäh an seinem Leben hängende Schiffbrüchige auf dem Meer, noch der zum verrückten Buster mutierte Jonah geben auf, sie kämpfen bis zum Schluss – und am Ende gibt es zumindest für einen von ihnen eine versöhnliche Wendung.

Wer auf Filme mit ausgefeilten Plots steht, in denen am Ende immer alles erklärt wird, wird mit diesem Film vermutlich nicht glücklich. Womit ich nicht sagen will, dass dieser Film keinen ausgefeilten Plot hätte – die Geschichte an sich gefällt mir ziemlich gut, allerdings gleicht der Film einem Puzzle, dessen Teile sich der Zuschauer beim Ansehen selbst zusammensetzen muss. Liebhaber von mehrdeutigen, diffusen Geschichten werden hier viel besser bedient – wobei ich das alles gar nicht dermaßen rätselhaft finde. Es gibt eine Menge Andeutungen und Querverweise, der Film verlangt allerdings eine gewisse Aufmerksamkeit. Was mir gefällt ist, dass es keine dieser abgefuckten Hollywoodgeschichten ist, in denen mit viel Ironie und noch mehr Zynismus eine klassische Heldengeschichte auf den Kopf gestellt wird – das ist ja dieses ganze nervige Antihelden-Helden-Kino, das in den aktuellen Blockbustern abgefeiert wird.

Jonah ist einfach ein Mensch, der versucht, das Beste aus einer Situation zu machen, in die man besser nicht geraten will – die man aber doch wieder erkennt: Die allermeisten von uns müssen mit einem Job klar kommen, den sie eigentlich gar nicht machen wollen, aber machen müssen, weil auf allem, was man zum Leben braucht, ein verdammtes Preisschild klebt. Und das ist ja noch die freundliche Variante, die das Arschloch von Schicksal bereit hält – Jonahs Alter Ego auf hoher See würde wahrscheinlich nur zu gern mit Jonah und seinen Nachtschichten tauschen, wenn er nur die Gelegenheit dazu hätte.

Aber dann schlägt diese Bitch von Schicksal Jonah doch wieder dermaßen, dass vielleicht der mexikanische Seemann doch noch besser dran ist – mir fällt da spontan die Geschichte von diesem Rabbi ein, der über Land wanderte und bei einem freundlichen Bauern-Pärchen einkehrte. Die Bauersleute bewirteten ihn gut, aber am nächsten morgen lag ihre beste Kuh tot im Stall. Und als der Bauer fragte, womit er das verdient hätte, wo er doch die Regeln der Gastfreundschaft so vorbildlich eingehalten hätte, gab ihm der Rebbe die Antwort, dass eigentlich beschieden war, dass seine Frau hätte sterben sollen. Aber weil sie so gut zu dem Fremden gewesen waren, hätte es nur die Kuh getroffen. busters-mal-heart-movie-trailer-images-stills-rami-malek4

Diese Geschichte habe ich immer gehasst, genau wie das Buch Hiob und alle diese anderen üblen Geschichten aus der Bibel, in denen es darum geht, wie Gott uns Menschen prüft. Was für ein grausames, zynisches Arschloch. Das Leben ist unendlich beschissen. Aber wir haben nur dieses eine, beschissene Leben, insofern lohnt es sich daran festzuhalten und zu versuchen, auf dieser Erde das Beste draus zu machen. Auch wenn man keine Ahnung hat, wie man das anstellen soll.

Retrokritik: Ein Mann will nach oben

In Sachen Serie tut sich das deutsche Fernsehen seit einiger Zeit nicht mehr mit Innovationen hervor und selbst solide Standardkost (also Serien, die nicht total peinlich sind) ist mittlerweile ziemlich rar geworden. Das war nicht immer so, selbst das ZDF, das in den vergangenen Jahren außer KDD – Kriminaldauerdienst nichts Bemerkenswertes hervor gebracht hat – und KDD kam bei den typischen ZDF-Zuschauern ja leider nicht besonders gut an, obwohl das meiner Ansicht nach eines der wenigen interessanten deutschen Serienprojekte der letzten zehn Jahre war – hat ab und zu mal ein blindes Korn gefunden. Sozusagen. Ich trau mich das kaum zu sagen, aber früher war schon ab und zu mal etwas besser, es gab vor Jahrzehnten sogar mal brauchbare Serien im ZDF. Nein, ich meine nicht Die Schwarzwaldklinik. Sondern Projekte wie den Dreizehnteiler Ein Mann will nach oben nach dem Roman von Hans Fallada.

Nun ist eine Romanverfilmung natürlich nichts besonders Innovatives – aber mir ist die gelungene Serienadaption einer interessanten Geschichte, die sich bereits in der Buchvorlage bewährt hat, deutlich lieber als ein schlechtes Serienkonzept, das irgendwie innovativ sein will, aber tatsächlich nur teuerer Schrott ist. Viele erfolgreiche Fernseh-Serien beruhen auf Romanen, Game of Thrones, 13 Reasons Why, Dexter, Bosch – und eben auch Ein Mann will nach oben aus dem Jahr 1977.

Screenshot: Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Ich habe keins der diesen Serien zugrunde liegenden Bücher gelesen, weshalb ich nicht sagen kann, wie gut oder schlecht die Romanvorlage jeweils umgesetzt wurde, aber das ist ja auch egal, solange die jeweilige Serie als Serie funktioniert. Und das ist bei den genannten Beispielen der Fall. Ein Mann will nach oben war natürlich auch 1977 schon eine Retroserie, in der mit viel Liebe zum Detail eine längst vergangene Epoche wieder heraufbeschworen wurde. Wenn man das jetzt sieht, ist es quasi ein doppelter Retroeffekt, weil die Zehnerjahre des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive der 70er Jahre gezeigt werden, was nun auch schon wieder 40 Jahre her ist – und da war schon einiges anders.

Mal davon abgesehen, dass mit sehr viel längeren Einstellungen, viel weniger Schnitten und dafür oft ziemlich ausführlichen Dialogen gearbeitet wurde, was den Erzählfluß recht gemächlich macht und für heutige Sehgewohnheiten erst einmal ziemlich altbacken und ein bisschen langweilig wirkt, ist auch viel mehr von dem damaligen Anliegen des öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehens zu spüren, die Zuschauer eben nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu informieren, ja sogar zu bilden – im Sinne von Ausbildung eines kritischen bürgerlichen Bewusstseins und natürlich guter Allgemeinbildung.

Screenshot: Karl Siebrecht (Mathieu Carrière) Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Karl Siebrecht (Mathieu Carrière) Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Gut, was die Leute denken sollen, spielt im heutigen Fernsehen natürlich auch eine enervierend wichtige Rolle, weshalb viele Leute inzwischen auch so genervt von den „Lügenmedien“ sind und lieber formal unprofessionelleren Lügnern auf den Leim gehen, aber das ist hier jetzt nicht mein Thema. Was ich meine, ist, dass es mich geradezu gerührt hat, das sogar im ZDF gelegentlich sozialkritische Töne angeschlagen wurden, wobei Hans Fallada, mit bürgerlichem Namen Rudolf Ditzen ja nicht unbedingt ein besonders linker oder sozialkritischer Schriftsteller war. Sondern ein unglücklicher Sohn aus einer großbürgerlichen Familie, der zeitlebens unter seiner Alkohol- und Morphiumsucht litt und als junger Mann nur knapp einen als Duell getarnten Doppelselbstmordversuch überlebte.

Fallada schlug sich ähnlich wie sein Held Karl Siebrecht aus Ein Mann will nach oben mit allen möglichen Hilfsjobs durch, in denen er dank seiner guten Schul- und Allgemeinbildung oft schnell reüssieren konnte. Bildung ist wichtig, das wird auch in der Serie klar, wer schreiben, lesen und rechnen kann, ist klar im Vorteil. Und natürlich braucht es auch „jenügend Vastehste im Koppe“, wie Rieke sagen würde, die Berliner Jöre aus dem Wedding, die nicht nur ein flottes Mundwerk, sondern auch das Herz auf dem richtigen Fleck hat. Und Karl Siebrecht hat nicht nur genügend Verstand, sondern er ist im Gegensatz zu seinen Freunden Rieke und Kalli auch ehrgeizig und hart genug, um Karriere zu machen.

Screenshot: Rieke Busch (Ursula Monn) und Tilda Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Rieke Busch (Ursula Monn) und Tilda Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Im Jahr 1909 verlässt der sechzehnjährige Karl (Mathieu Carrière), der früh seine Eltern verloren hat, sein Heimatdorf in der Uckermark, um in Berlin sein Glück zu machen. In jener Zeit war es tatsächlich möglich, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen – Rieke wird später zu ihrem Sohn sagen, dass alle amerikanischen Präsidenten mit Zeitungen austragen angefangen hätten. Wir wissen zwar, dass das nicht stimmt, der aktuelle US-Präsident hat vermutlich nicht mal Zeitung gelesen, sondern einfach eine Hotelkette geerbt, aber das spielt für die hier behandelte Berliner Variante des amerikanischen Traums keine Rolle.

Im Zug trifft Karl auf die noch etwas jüngere Rieke (Ursula Monn), die Karl gleich in ihre Unternehmung einspannt: Sie war bei einer Tante auf dem Land, um sich einen Anteil vom Schlachtfest zu sichern und braucht jemanden, der ihr mit den schweren Körben und der kleinen Schwester hilft. Karl hilft – und hat mit Rieke auch eine treue Seele gefunden, die ihm in der fremden großen Stadt weiterhelfen kann. Karl zieht mit in die enge Arbeiterwohnung der Familie Busch, Küche und Stube teilt sich Rieke fortan mit ihrem Vater, der sich nach dem Tod seiner Frau vor allem dem Schnaps widmet, der kleinen Tilda und Karl, bald kommt auch noch Kalli Flau (Reiner Hunold) hinzu, der schlagkräftige Seemann, der ebenfalls in Berlin auf eine bessere Zukunft hofft.

Screenshot: Vater Busch ((Walter Buschhoff), Rieke (Ursula Monn) und Karl (Mathieu Carrière) Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Vater Busch ((Walter Buschhoff), Rieke (Ursula Monn) und Karl (Mathieu Carrière) Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Rieke versorgt ihre Familie, so gut sie kann und geht nebenher noch in die Schule – wie so viele Frauen arbeitet sie praktisch rund um die Uhr, denn Haushalt ist Frauensache und zu jener Zeit noch ein echter Knochenjob, außerdem geht sie putzen und lernt nähen, denn das Leben ist teuer und Geld immer knapp.

Karl schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch – gleich am ersten Tag heuert er auf einer Baustelle an, von denen es viele gibt im der Berliner Gründerzeit. Sein Job ist es, Koks für die Trockenwohner in die Wohnungen zu schleppen. Arme Familien, die sich keine Mietwohnung leisten können, entgehen mit dem Trockenwohnen der feuchten Neubauten der Obdachlosigkeit – auf Kosten der Gesundheit natürlich, aber so ist das eben. Als der naive Karl sich gegenüber seinem Arbeitgeber, dem Immobilienhai Kalubrigkeit empört über diese Zustände zeigt, ist er seinen Job gleich wieder los: So einen roten Bubi will der nicht in seinen Diensten. Karl muss feststellen, dass es offenbar nicht nur darauf ankommt, gute Arbeit leisten zu wollen, sondern auch darauf, gegenüber Höhergestellten Demut und Gehorsam zu zeigen. Das fällt ihm schwer, denn Karl hat seinen Stolz. An dem er auch stur festhält.

Screenshot:  Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Karl, Rieke und Kalli müssen sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, denn viele ihrer Versuche, mit ehrlicher Arbeit Geld zu verdienen, scheitern daran, dass Karl und Rieke einfach noch zu jung sind, um Verträge zu schließen, weshalb sie immer wieder betrogen und über den Tisch gezogen werden. Schließlich versuchen Karl und Kalli sich als Gepäckträger, was einerseits ein einträgliches Geschäft ist, denn Berlin hat, wie viele Großstädte zu jener Zeit, eine ganze Reihe großer Kopfbahnhöfe, die am Rand des Zentrums liegen, aber jeweils nicht durch Bahnstrecken miteinander verbunden sind. S- und U-Bahnen waren zu jener Zeit noch in Planung bzw. im Bau. Passagiere und Gepäck müssen also jeweils durch die Innenstadt zum nächsten Bahnhof befördert werden. Doch weil im preußischen Berlin alles seine Ordnung hat, braucht man dafür eine Lizenz als Dienstmann.

Und Karl und Kalli sind auch dafür noch zu jung, und dann muss man sich auch noch mit der Innung gut stellen, um eine Lizenz als Dienstmann übernehmen zu können, wenn etwa einer aus Altersgründen ausscheidet. Also arbeiten sie als Haifische – so werden die Gepäckbeförderer ohne Lizenz genannt, die denen mit Lizenz die Fuhren wegschnappen, weil sie schwarz arbeiten und ihre Dienste entsprechend billiger anbieten. Diese illegale Konkurrenz ist natürlich keineswegs beliebt, und die Rotmützen drohen dem alten Kürass, der sich von Karl und Kalli helfen lässt, an, seine Karre zu zerstören, weil die drei natürlich mehr wegschaffen können, als jeweils einer allein.

Screenshot: Kalle Flau (Rainer Hunold) und Karl Siebrecht Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Kalle Flau (Rainer Hunold) und Karl Siebrecht Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Ganz aus ist es dann, als Karl auch noch auf die Idee kommt, die Gepäckbeförderung mit einem Pferdefuhrwerk zu rationalisieren – damit lässt sich mit einer Fuhre noch viel mehr transportieren. Karl leiht sich bei dem windigen Fuhrunternehmer Wagenseil (Harald Juhnke in einer Vorstudie zu seiner Rolle in Der Trinker) Pferde und Wagen und bietet den Dienstmännern an, ihr Gepäck zu befördern – für die Hälfte ihrer Taxe. Das sorgt für Empörung: So ein grüner Junge macht ihnen das Geschäft kaputt! Denn natürlich sehen die ehrbaren Dienstmänner Karls Initiative nicht als Arbeitserleichterung und Win-Win-Situation an, wie Karl sich das eigentlich vorgestellt hat: Da kommt einer, der was Neues ausprobieren will – und das ist erstmal ein Ärgernis.

Aber der sture Karl hält tatsächlich durch und kann mit Kallis schlagkräftiger Unterstützung seinen Hauptfeind Kiesow schließlich zur Aufgabe des für alle beteiligten destruktiven Boykotts zwingen: Die Gepäckbeförderungsfirma Siebrecht & Flau entwickelt sich schnell zu einem erfolgreichen Unternehmen. Jetzt stellt sich allerdings auch heraus, dass der gerissene Wagenseil Karl einen ungünstigen Vertrag angedreht hat – vor allem die Klausel, dass Karl die Gespanne ausschließlich bei Wagenseil beschaffen muss, wird zum Klotz am Bein. Außerdem macht Karl es zunehmend zu schaffen, dass Wagenseil einen erheblichen Anteil seiner Einnahmen kassiert, ohne selbst einen Finger krumm zu machen und beschließt, in die Offensive zu gehen: Er bewirbt sich um eine Generallizenz für die Einrichtung von Gepäckaufgabestellen in allen Berliner Bahnhöfen und bootet Wagenseil aus, der sich ebenfalls darum beworben hat.

Screenshot:  Wagenseil (Harald Juhnke) und Karl Siebrecht  Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Wagenseil (Harald Juhnke) und Karl Siebrecht Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Doch Wagenseils Rache ist bitter: Er stellt Karl nur noch die schwächsten Klepper und die brüchigsten Wagen – die Gepäckbeförderung bricht schnell zusammen. Karl, Rieke und Kalli müssen einen neuen Rückschlag verkraften. Doch es zeichnet sich eine neue Chance ab: Die Stammkneipe von Vatern Busch steht zum Verkauf. Wenn sie ihre Ersparnisse zusammenschmeißen, können sie Die Funzel kaufen – das wäre zumindest Riekes und Kallis Lebenstraum. Doch sie müssen sich schnell entscheiden, der Verkäufer will am nächsten Morgen in sein neues Leben aufbrechen. Auch wenn Karl nicht wirklich überzeugt ist, macht er mit – und es stellt sich schnell heraus, dass die drei schon wieder auf einen Betrüger hereingefallen sind. Nur weniger Stunden zuvor ging das Objekt an einen Architekten, der Vertrag, den die drei gegen ihr Bargeld bekommen haben, ist wertlos, sämtliche Ersparnisse futsch.

Doch nun auf dem Tiefpunkt hysterischer Verzweiflung kommt Karl die rettende Eingebung: Wozu Pferdewagen mieten, wenn man Automobile haben kann? Karl setzt alles auf eine Karte und fährt zur Villa des Autohändlers Ernst Gollmer. Dessen Tochter Ilse hält Karl für den erwarteten Gärtner und lässt ihn hinein – die beiden hatten sich schon einmal kurz zuvor zufällig getroffen. Karl erklärt, dass er nicht der erwartete Gärtner sei, stellt sich aber durch seine Jugend auf dem Land als patent genug heraus, den von ihm erwarteten Job zu erledigen. Damit hat er das Interesse von Ilse und ihrem Vater geweckt – Karl darf sein Projekt pitchen, wie man heute sagen würde, und er präsentiert dermaßen überzeugend, dass der alte Gollmer gleich einen Businessplan aufstellt und Karl zu seinem Geschäftspartner in Sachen Hauptstadtgepäckbeförderung macht. Gollmer liefert fünf Lastwagen an Siebrecht &Flau und Karl fängt an, sein Unternehmen zu professionalisieren – er stellt einen Buchhalter ein, womit er seine bisherige Sekretärin Fräulein Palude tief kränkt, und auch Rieke und Kalli sind mit den Entwicklungen überfordert und beschließen, stattdessen die Funzel zu pachten. Deren Käufer hat den beiden ein entsprechendes Angebot gemacht, weil sie ja offenbar mit Herzblut bei der Sache sind.

Screenshot:  Die missgünstigen Dienstmänner  Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Die missgünstigen Dienstmänner Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Damit bricht die jahrelange Wohn- und Schicksalsgemeinschaft der drei Freunde auseinander – Rieke und Kalli richten sich mit der Funzel ein, Karl hingegen pendelt zwischen der Grunewald-Villa seiner neuen Freundin Ilse und dem proletarischen Wedding. Aber in keiner dieser Welten ist er wirklich zuhause. Und dann kommt der erste Weltkrieg – sowohl Karl als auch Kalli werden einberufen und müssen an die Front. Und weil man ja nicht weiß, was kommt, verbringt Rieke sowohl mit Karl als auch mit Kalli jeweils eine Liebesnacht – dabei ist Rieke eigentlich nicht so eine, und die Freunde hatten sich vor Jahren auch gegenseitig versprochen, dass sie sich bei Rieke zurückhalten wollen, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Aber Rieke wird natürlich prompt schwanger – und sie ist ganz sicher, dass Karl der Vater ist. Was auch zutrifft. Kalli aber stört das nicht, als er als Kriegsversehrter nach Hause kommt – er hat an der Ostfront seine linke Hand verloren.

Karl hingegen ist an der Westfront gelandet und hat prompt wieder Ärger mit einem Vorgesetzten, was in diesem Fall lebensgefährlich ist, denn er wird auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Aber auch hier kann er sich mit kühlem Kalkül, Mut und etwas Glück wieder aus der Affäre ziehen – allerdings erblindet er nach einem Giftgasangriff vorübergehend und gerät in französische Kriegsgefangenschaft. Er gilt als verschollen. Rieke und Kalli schlagen sich Zuhause mit Vater, Kind und der heranwachsenden Tilda in der Funzel durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Die beiden beschließen, endlich zu heiraten. Doch ausgerechnet da kommt der langvermisste Karl zurück.

Screenshot:  Karl und Kalli  Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)Screenshot:  Karl und Kalli  Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Screenshot: Karl und Kalli Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Rieke ist überglücklich und heiratet ihren Karl, auch wenn der schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt ist – er ist in Schiebergeschäfte mit Freikorpssoldaten verwickelt, denn sowohl das Taxigeschäft, als auch die Kneipe werfen einfach nicht genug Gewinn ab. Natürlich geht die Sache mit Rieke und ihm nicht gut, sie lassen sich schließlich einvernehmlich scheiden. Jetzt hat endlich der geduldige Kalli seine Chance und natürlich nimmt er Rieke – er hat ja nie etwas anderes gewollt.

Karl hingegen trifft Ilse Gollmer wieder, die mit ihrem Vater ein Fluggeschäft in Tempelhof aufbaut. Der alte Gollmer stellt Karl natürlich ein, er weiß ja, dass Karl ein tüchtiger Geschäftsmann ist. Und er hätte zu gern, dass Karl Ilse heiratet, eine Familie gründet und den Betrieb übernimmt. Doch die jungen Leute haben heutzutage andere Pläne…

Alles in allem erzählt Ein Mann nach oben also von der Sehnsucht nach Glück und den unterschiedlichen Definitionen davon – während Rieke und Kalli schon selig sind, wenn sie sich zum Frühstück warme Schrippen mit Honig und echten Bohnenkaffee leisten können, hastet Karl schon zum nächsten Geschäftstermin weiter. Mit gutem Essen und edlem Schampus ist er nicht zufrieden, auch wenn ihm das natürlich gefällt, genau wie ein maßgeschneiderter Anzug mit einem elegantem Hut. Karl will beeindrucken, und er will immer noch mehr, er will besser sein, cleverer, er ist einer, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann, jedenfalls fast, aber er ist kein Betrüger, im Gegenteil, er ist für diese Welt eigentlich zu ehrlich. Wenn er ab und zu mal fünfe grade sein lassen könnte, ginge es ihm und seinen Freunden sicherlich besser.

Screenshot: Die

Screenshot: Die „Dreier-WG“ Karl, Rieke und Kalli Ein Mann will nach oben (Deutschland 1977)

Aber Karl Siebrecht kann eben nicht raus aus seiner Haut. Das macht ihn dann doch wieder sympathisch, weil er eben nicht einer dieser modernen Strebertypen ist, die für ihren Erfolg über Leichen gehen, sondern einfach ein pfiffiger junger Mann mit Ambitionen und Prinzipien. Überhaupt sind die Typen in Ein Mann will nach oben alle herrlich menschlich – Hans Fallada hatte ein Herz für Verlierer, soviel steht fest. Aber er hat auch nichts dagegen, wenn seine Helden ab und zu ein bisschen Glück haben – vor allem der großherzigen Rieke würde man noch ein bisschen mehr davon gönnen. Aber die gehört ja zu denen, die nicht rumjammern, sondern die Ärmel hochkrempeln und aus allem das Beste machen. Rieke würde definitiv Limonade machen, wenn das Leben ihr Zitronen gäbe, wie es in This Is Us so schön heißt. This Is Us ist ja ein aktuelles Beispiel dafür, dass man aus dem Leben an sich noch immer serientaugliche Geschichten machen kann – man braucht nur jemand, der es wagt, sie zu erzählen.

Erzählungen wie Ein Mann will nach oben sind in diesen Zeiten natürlich nicht mehr zeitgemäß – aber irgendwie dann wieder doch, einfach um sich klar zu machen, dass wir derzeit einen unglaublichen und ärgerlichen gesellschaftlichen Rückschritt erleiden: Vor gut hundert Jahren bedeutete es einen ungeheuren Aufstieg, wenn man sich aus der engen Hinterhofwohnung in die Belle Etage im Vorderhaus hocharbeiten konnte. Aber der war mit Fleiß und Bildung möglich. Heute ist es eher so, dass man sich trotz guter Ausbildung und einer Menge Einsatz dem ständig drohenden Abstieg gegenüber sieht, der erfolgt, sobald man einen halbwegs vernünftig bezahlten Job verliert und das eigene Haus oder die zentral gelegene Wohnung nicht mehr bezahlen kann. Heute wäre das Thema also eher: Ein Mensch will nicht nach unten. Eine solche Geschichte sollte es doch auch wert sein, erzählt zu werden. Aber vermutlich macht heutzutage kein Sender dafür Produktionsgelder locker – heute soll das Volk nicht mehr ausgebildet und aufgeklärt, sondern eingelullt werden. Die da oben wissen schon, was gut für uns ist. Wir haben ja Freiheit und Demokratie, wenn jetzt alle die die Hände spucken und ranklotzen, wird alles gut.

Wers gloobt, dem vakoof ick nen Jebrauchtwagen.

Alle Himmel sind gleich – aber manche sind gleicher

Das ZDF wollte mal wieder Geschichte schreiben – und weil die jüngere deutsche Geschichte vor allem eine Geschichte über die deutsche Teilung ist, geht es in dem ZDF-Dreiteiler Der gleiche Himmel um Stasispione und ihre ebenso weiblichen wie westlichen Zielpersonen, denen sie Geheimnisse über die militärische und politische Lage des feindlichen Lagers entlocken sollen. Und darum, dass es im Westen halt schöner, bunter und in jeder Beziehung besser war als im grauen, freudlosen Osten. In dem zwar keiner Not leiden, aber dafür alle den Mund halten mussten. Und um ein dunkle west-östliche Familiengeschichte, die ebenso gnadenlos überkonsturiert wie absurd ist. Doch eins nach dem anderen.

Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich nicht, wie sonst oft das Bedürfnis, nach zehn Minuten anzuschalten bzw. das Programm zu wechseln. Was aber nicht daran lag, dass das ZDF plötzlich die Kurve gekriegt hätte und auf einmal Mehrteiler produzieren würde, die tief, subtil und überraschend gut wären. Ich würde es eher mit Faszination des Grauens überschreiben, denn Der gleiche Himmel bietet genau die Holzhammer-Kost, die man von diesem Sender gewohnt ist. Natürlich konnte ich mir nicht alle drei Teile am Stück reinziehen, sondern immer nur einen pro Abend, aber das war ganz gut auszuhalten, schon weil sich das deutsche Fernsehen immer dermaßen viel Mühe mit der Ausstattung gibt – die 70er Jahre sahen tatsächlich ungefähr so aus wie jetzt im Fernsehen. Ich weiß das, denn 1974, dem Jahr, in dem die Agentenoper spielt, bin ich in die erste Klasse gekommen. In der BRD allerdings, also da, wo die Leute VW-Käfer, R4 oder Mercedes fuhren, nicht in Trabbi-Land.

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Friederike Echt), Lars Weber (Tom Schilling) Laure Faber (Sofia Helen) Ralf Müller (Ben Becker) Bild: zdf

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Friederike Becht), Lars Weber (Tom Schilling) Laure Faber (Sofia Helen) Ralf Müller (Ben Becker) Bild: zdf

Der Anfang der Handlung so holzhammermäßig, dass es schon fast Richtung Satire geht, und da bin ich ja gleich dabei. Leider ging es nicht so lustig weiter. Aber wenn der Stasiausbilder seinen Stasischülern, die alle brav wie Erstklässler an ihren hölzernen Pulten sitzen, erklärt, wie eine Frau tickt, präziser: Wie das weibliche Hirn funktioniert, dann weiß er, wovon er spricht. Denn die Frauen werden sich später netterweise genau an dieses Drehbuch halten, womit die Mission des aufstrebenden Stasischülers dann irgendwie auch erfolgreich ist, wobei mir gerade auffällt, dass für die Geschichte erstaunlich egal ist, was da an Informationen eigentlich abgeschöpft werden soll.

Aber zurück auf die Schulbank für angehende Ost-Spione. Gute Sozialisten wissen: Frauen haben durchaus ein Gehirn! Aber auch die bestausgebildetsten Datenanalystinnen der westlichen Welt sind eben Frauen. Und die werden, so ist das bei Frauen nun einmal,  von ihren Emotionen gesteuert, also rechte Hirnhälfte, die wiederum für das linke Auge zuständig ist. Über das linke Auge der jeweiligen Frau hat der findige Romeo-Agent quasi den direkten Zugriff auf das westliche Datencenter. Jetzt gilt es also nur noch die richtigen Passwörter zu finden, mit denen die jeweilige Alte zu knacken ist.

Das ist tatsächlich so schlecht, dass es schon wieder gut ist, nur ist dieser Scheiß kein Privileg sozialistischer Ideologie, auch die Westler befleißigen sich bis heute idiotischer Modelle aller Art, um die Welt zu erklären und zu beherrschen – aber ich schweife schon wieder ab. Tatsächlich habe ich mit das alles auch deshalb angesehen, weil ich Tom Schilling als Schauspieler wirklich gut finde, auch wenn ich ihn für diese Rolle inzwischen doch zu alt fand – aber, wie er als Agent erklärt: „Vielleicht bin ich eine alte Seele.“ Wie ein 25jähriger sieht er tatsächlich nicht mehr aus.

Der erste Schritt für Lars Weber (Tom Schilling) ist getan: Er hat seine

Der erste Schritt für Lars Weber (Tom Schilling) ist getan: Er hat seine „West-Wohnung“ bezogen. Wird er seinen Auftrag erfolgreich abschließen können? Bild: zdf

Und ich mag auch Sofia Helin, die seine Zielperson Lauren Faber spielt. Als leicht autistische Kommissarin hat sie mir in Die Brücke wirklich gut gefallen. Natürlich ist sie auch als Lauren Faber überzeugend – eine alleinerziehende Mutter eines 17jährigen, ziemlich missratenen Sohnes, die für den britischen Geheimdienst arbeitet. Der sie wiederum auf dem Teufelsberg einsetzt, einer US-Abhörstation in Westberlin, mit der die NSA nicht nur den Osten, sondern auch den Westen belauscht.

Für ihre Figur haben sich die Serienmacher wenigstens eine halbwegs glaubhafte Legende ausgedacht – Lauren ist schwedisch-britischer Herkunft und hat einen Deutschen geheiratet. Das erklärt, warum sie sowohl perfekt Englisch, als auch Deutsch spricht – Deutsch allerdings mit leichtem schwedischen Akzent. Ihr Mann hat sie aber mit dem Kind sitzen lassen und sich wieder nach Westdeutschland verdrückt, ihr Sohn pubertiert wüst vor sich hin.

Lauren macht ihren Job natürlich gut, sie ist erfahren, umsichtig und pflichtbewusst – genau deshalb fühlt sie sich als Mutter als Versagerin. Was ihr Sohn natürlich ausnutzt: Er beklaut sein Mutter und verkifft das Geld, hört gern laut Musik und sperrt sich in sein Zimmer ein, das mit RAF-Fahndungsplakaten geschmückt ist – ziemlich normaler 70er-Jahre-Teenie würd ich mal sagen, aber für eine Frau wie Lauren ist das alles wirklich schlimm. Zumal sie ziemlich einsam ist: Außer ihrer jungen Kollegin Sabine Cutter (Frederike Becht) hat sie eigentlich niemand, mit dem sie reden oder sonst irgendwas unternehmen kann. Ein ideales Opfer also für Romeo-Agenten Lars Weber.

Der gleiche Himmel: Lauren (Sofia Helin) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Der gleiche Himmel: Lauren (Sofia Helin) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Aber die Sache läuft aus dem Ruder – Lauren überlebt die Mission nicht. Und Lars wird jetzt auf Sabine angesetzt, die ihm von Anfang an viel besser gefallen hat als die deutlich ältere und weniger attraktive Lauren, die aber genau deshalb ja auch das leichtere Opfer war. Aber Sabine ist praktischerweise die Adoptiv-Tochter eines ranghohen NSA-Offiziers, der mit einer Deutschen verheiratet ist – vermutlich ist das auch der Grund, warum die vergleichsweise junge Sabine schon so einen verantwortungsvollen Job hat. Sie ist das weibliche, westliche Gegenstück zum Erfolgsossi Lars Weber – ja, und es ist tatsächlich so, wie man jetzt ahnen soll, aber wünscht, dass es eine andere Erklärung geben möge:  Immer wieder wird ein Bild von einer Frau gezeigt, die zwei Säuglinge im Arm hält.

Sowohl in der Plattenbau-Wohnung, die Lars mit seinem Vater Gregor (Jörg Schüttauf) teilt, der ebenfalls bei der Stasi ist, aber sich damit begnügt die Nachbarschaft zu überwachen, als auch in der Villa der Familie Cutter gibt es dieses einen Abzug dieses Fotos. Dagmar Cutter (Claudia Michelsen) ist also Lars’ Mutter, die damals in den Westen abgehauen ist und von der Lars nichts weiß, genau wie er auch nichts von einer Zwillingsschwester weiß. Und Vater Gregor ist zwar der einzige, der von Lars geheimer Mission weiß, aber er weiß offensichtlich auch nicht viel mehr. Dafür ist Gregor der Prototyp des überzeugten Sozialisten, der an den Sieg der guten Sache glaubt und seinen Sohn zu einem guten Staatsbürger erzogen hat – deshalb macht er ja auch den Blockwart (dafür hängt er sich auch gut sichtbar einen großen Feldstecher um den Hals – die Leute sollen durchaus sehen, was er tut) und ermahnt die Menschen, sich nicht vom Westfernsehen verblenden zu lassen. Und er päppelt liebevoll ein Vögelchen auf, das sich den Flügel verletzt hat – schaut ihm aber doch recht nachdenklich hinterher, als es davon fliegt.

Der gleiche Himmel: Gregor Weber (Jörg Schütthauf) Bild: zdf

Der gleiche Himmel: Gregor Weber (Jörg Schütthauf) Bild: zdf

Einerseits ist die Geschichte nicht wirklich schlecht. Wobei die Komplexität dann doch wieder arg gekünstelt ist: Weil Der gleiche Himmel ja mehr sein soll als ein einfach nur weiterer Agententhriller, wird ein Panorama der Zeit aufgespannt – was eigentlich eine gute Idee ist, 1974 war ein interessantes Jahr. Schon wegen der Fußball-WM, in der die DDR die BRD zwar besiegte, die BRD aber trotzdem Weltmeister wurde.

Genau das ist ja das Thema:  Der Osten hat zwar ab und zu mit ach und krach einen Punkt gegen den Westen geholt – aber im Prinzip ist der Westen eben hoffnungslos überlegen, egal wie die Ossis sich abzappeln. Sie haben halt auf das falsche System gesetzt und das wird auch hier wieder ausgiebig in Filmform zelebriert. Einmal mehr wird all das gezeigt, was im Osten so richtig schlecht war: Die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung  – was an der DDR zwar ununterbrochen kritisiert wird, im Westen aber, wenn man die Zeichen richtig deutet, ja endlich mal hoffähig werden soll, nur dass es jetzt nicht die Stasi oder der KBG ist, die alle unsere Daten sammeln und auswerten, sondern gute kapitalistische Großkonzerne wie Google, Facebook und Amazon. Deshalb gibt es in Der gleiche Himmel auch die ganzen anderen hässlichen Sachen, Romeo-Agenten für den Westen, Doping von Staats wegen, Fahnenappell und Fahnenflucht, in diesem Fall eine versuchte Republikflucht durch den Bau eines Tunnels vom Osten in den Westen.

Schon irre, was sich die Menschen einfallen lassen, um in den vermeintlich goldenen Westen zu gelangen. In dem aber auch nur mit Wasser gekocht wird – zumindest einer der Agenten sieht das so, der herrlich schmierige, kettenrauchende und Junk-Food fressende Macho Ralf Müller (Ben Becker), der zwar Westberliner ist, aber für die Stasi arbeitet. Weil er halt irgendwie so eine subversive Ader hat, wie er Lars erklärt, als der ihn danach fragt. Besonders nachvollziehbar ist das zwar nicht, aber einer muss den Job ja machen.

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Frederike Echt) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Frederike Becht) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Andere legen sich lieber krumm oder animieren ihre Kinder, das zu tun – etwa die ehrgeizige Gita Weber (Anja Kling), die Frau von Gregors Bruder Conrad (Godehard Giese), die im Plattenbau gleich nebenan wohnen. Mutter Gita ist so stolz auf ihre Töchter – die ältere soll Medizin studieren, die jüngere, Klara (Stefanie Amarell), schafft die Aufnahme in den Olympia-Kader der Schwimmerinnen. Dort bekommen die Mädchen von ihrem fiesen Trainer Doping-Medikamente, die sie zwar schneller machen, von denen ihnen aber auch Haare auf der Brust wachsen. Aber das Training ist Trainer-Sache, das wird den vielleicht dann doch besorgten Eltern eingetrichtert. Um die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren braucht es eben Opferbereitschaft und Goldmedallien.

Ich finde solche Methoden absolut nicht okay und total kritikwürdig – aber interessanterweise ist das Doping-Problem im Leistungssport mit dem Zerfall des Ostblocks nicht verschwunden, es dopen ja bekannterweise auch Athleten des freiheitlichen Westens, nur vermutlich nicht, weil der Trainer es empfiehlt, sondern aufgrund ihrer frei getroffenen Entscheidung, besser als die anderen sein zu wollen. Das ist natürlich etwas ganz anders. Obwohl, das kann und muss man der DDR ankreiden, sie war ja der Staat, der es doch eigentlich besser machen wollte als die auf Ausbeutung abzielenden Kapitalisten, um die Konkurrenz der Einzelnen untereinander zugunsten einer Orientierung auf das Gemeinwohl abzuschaffen. Epic Fail heißt ein solche Versagen heutzutage wohl – in dieser Hinsicht war die DDR tatsächlich ein Failed State. Und überhaupt: Wenn ein Staat glaubt, seine Bürger einsperren zu müssen, damit sie ihm nicht weglaufen und dann nicht selbstkritisch genug ist, zu analysieren warum das der Fall ist und wie man das abstellen kann, dann verdient er eben auch nichts anderes. Das blöde ist nur, dass wir heute keine überhaupt keine Alternative mehr haben.

Axel Lang (Hannes Wegener, r.) erklärt seinen Schülern im Physikunterricht die Auftriebskräfte. Bild: zdf

Axel Lang (Hannes Wegener, r.) erklärt seinen Schülern im Physikunterricht die Auftriebskräfte. Bild: zdf

Und das merkt man eben auch dieser Produktion an: Sie bebildert im Grunde dieses ganze alternativlose Weiter so!, das in Deutschland seit der Jahrtausendwende die Maxime deutscher Politik und damit irgendwie auch gesellschaftlich relevante Handlungsanweisung für uns alle ist. Durch die Demontage wichtiger sozialer Errungenschaften in Ost UND West wurde Deutschland für den Weltmarkt und die Weltpolitik zugerichtet, wir sind wieder wer, nicht nur Fußball- sondern auch Exportweltmeister, verlässlicher NATO-Partner und informelle Führungskraft der EU. Und es ist eigentlich egal, wie „wir“ das geschafft haben – Hauptsache, es geht irgendwie so weiter. Genau so funktioniert das Drehbuch dieser Geschichte hier.

Und da drängen sich Fragen auf, etwa: Wozu das alles, wenn es den meisten Menschen im Lande damit gar nicht gut geht? Der aktuelle Armutbericht der Bundesregierung war ja wieder so desillusionierend, dass er umfassend frisiert werden musste, damit die dafür zuständige SPD-Ministerin damit noch irgendwie leben kann. Interessant natürlich, dass genau dieses Gefühl wieder nur anhand der üblichen Klischees über die untergegangenen DDR gezeigt wird, während im Westen zwar nicht alles gut, aber doch vieles besser ist. Weil es hier Kapitalismus, also Freiheit und Demokratie gibt. Wobei, die DDR hat das „Demokratisch“ sogar in ihrem Namen. Aber das war die falsche Sorte Demokratie, die nämlich ohne Alternative. Oder habe ich da was verwechselt?

Immerhin wird angedeutet dass die NSA mit ihren schicken Lauschantennen auf dem Teufelsberg auch ihre westlichen Verbündeten abhört – auch die Amis verlassen sich auf ihren Lenin: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Da sind sich letztlich Stasi-Agent Lars und NSA-Vater Cutter gar nicht so unähnlich. Aber das ist eben auch wieder ein Beispiel für die allgemeine Beliebigkeit an der die ganze Sache krankt: Die Motivation der Charaktere ist jeweils mehr als schematisch. Wir haben den guten Sozialisten Gregor, die verzweifelt um Anerkennung ringende kleine Schwester einer erfolgreichen älteren Tochter und eine auf materielle Vergünstigungen geifernde Mama. Ach ja, einen schwulen Ossi-Lehrer und dessen ebenso schwulen, aber weniger coolen dicken Freund haben wir auch noch, dazu noch ein paar Verschwörer, die abhauen wollen und einen schwulen Ausländer, der irgendwie auf schwule Ossis steht und einfach nur helfen will, aber missverstanden wird.

Klara Weber (Stephanie Amarell, l.), Gita Weber (Anja Kling, M.) und Juliane Weber (Muriel Wimmer, r.) Bild: zdf

Klara Weber (Stephanie Amarell, l.), Gita Weber (Anja Kling, M.) und Juliane Weber (Muriel Wimmer, r.) Bild: zdf

Aber was ist mit den Hauptfiguren? Warum tut Lars das, was er tut? Einerseits wird in dem, was er vor sich hinfaselt, ja eine gewisse Tiefe angedeutet, aber dann entpuppt er sich doch immer wieder als gnadenloser Opportunist, der seine Erfolge genießt und erstaunlich wenig darunter leidet, dass seine erste Zielperson einen frühen und rätselhaften Tod stirbt. Aber dafür kriegt er ja dann auch die schnittige Sabine. Was noch irgendwie okay gehen würde, wenn sie nicht seine Schwester wäre.

Es ist ja nicht so, dass ich gewagte Plotwists prinzipiell ablehnen würde. Elliot Anderson kann sich in Mr. Robot ja auch nicht an seine Schwester Darlene erinnern – die sich aber schon an ihren verrückten Bruder, der halt immer mal wieder wichtige Dinge vergisst. Letztlich erklärt diese Sache ja auch, WIE verrückt Elliott ist und ist insofern wichtig für die Handlung an sich. Aber in Der gleiche Himmel sehe ich das nicht – Lars ist nicht verrückt, er ist einfach gut in seinem Job, und er könnte jede Frau rumkriegen. Warum dann also seine Schwester? Um auszudrücken wie pervers das alles mit der Mauer war? DAS wissen wir doch ohnehin.

Trotzdem liegt Mauerbau im Trend. Liebes ZDF, mach doch mal was Perverses über die USA. Mit Mauer, Sex und NSA. Sollte so schwierig nicht sein.

Good Girls Revolt

Um endlich mal wieder das von mir vernachlässigte Genre „Frauen-Serie“ und gleichzeitig auch die Rubrik „Amazon Video“ zu bedienen – Designated Survivor war ja wieder bloß wieder „Männer-Serie“ und „Netflix“: Es gibt ab Anfang Dezember Good Girls Revolt in der deutschen Version auf Amazon. In Good Girls Revolt trifft Mad Men auf The News Room – und das ist wirklich Zeit- und Mediengeschichte vom Feinsten.

Wir blicken in deprimierende, aber eben auch revolutionäre und deshalb beflügelnde Zeiten zurück: Die Generation Woodstock schreibt nicht nur Musikgeschichte, sondern inspiriert junge Menschen, anstatt auf ihre Eltern zu hören, lieber ihre Träume zu leben – und eben nicht fürs Vaterland in den Krieg zu ziehen, sondern tatsächlich Liebe statt Krieg zu machen. Und sich die Haare wachsen zu lassen, coole bunte Klamotten an (und wieder aus) zuziehen und natürlich alles an Drogen einzuwerfen, was gerade verfügbar ist: Pop Art verkraftet man nur auf LSD.

Good Girls Revolt Bild: Amazon

Good Girls Revolt Bild: Amazon

Natürlich ist das rückblickend oft reichlich naiv – aber genau das war ja auch das Schöne daran: Die Leute glaubten damals eben noch, dass man den Traum von einer besseren Welt tatsächlich leben kann – heute wissen wir, dass Musik, Klamotten und Zeitgeist auch wieder nur Geschäftsmodelle sind, mit denen findige Leute Geld verdienen, dass sie uns aus den Taschen ziehen. Und das muss erstmal verdient werden – auch davon handelt Good Girl Revolt. Es ist eine der wenigen Serien, die ganz explizit die moderne Arbeitswelt zum Thema hat, davon gibt es interessanterweise nicht allzu viele, obwohl die allermeisten Menschen auf der Welt die meiste Zeit, in der sie nicht schlafen, damit verbringen müssen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Und auch Mädchen müssen Geld verdienen. Sie können und wollen ihren Eltern nicht ewig auf der Tasche liegen, denn es dauert ja auch, bis Mr. Right gefunden ist – und selbst diejenigen, die sich jung in eine Ehe gestürzt haben, sind oft schon deshalb gezwungen, mit zu verdienen, weil das Leben in der Großstadt New York teuer ist und der Liebste selbst noch in der Ausbildung steckt. Oder gerade in Vietnam für Freiheit, Demokratie und Coca Cola kämpft und stirbt.

Screenshot Good Girl Revolt: Patte Robinson (Genevieve Angelson) und Douglas Rhodes (Hunter Parrish)

Screenshot Good Girl Revolt: Patte Robinson (Genevieve Angelson) und Douglas Rhodes (Hunter Parrish)

Wir schreiben das Jahr 1969 und wir sind in der Redaktion von The Newsweek. Wie jede andere Zeitung zu der Zeit wird dieses Magazin von Männern dominiert. Männer dürfen Reporter sein, Redakteure und natürlich Chefredakteure. Männer geben Anweisungen, Frauen machen die Arbeit. Die Good Girls telefonieren, recherchieren, tippen ins Reine, machen und bringen Kaffee, holen Sandwiches und Zigaretten und spenden Trost. Und verdienen damit nur einen Bruchteil von dem, was die Jungs dafür kriegen.

Viel Mühe haben sich die Serienmachern bei der Ausstattung gegeben – allein diese vielen Schreibmaschinen! Auch ich habe auf einer solchen Olympia noch meine erste Hausarbeit geschrieben – und entschieden, dass ich meinen nächsten Semesterferienlohn in einen Computer investiere. Für jeden Vertipper muss man noch mal komplett von vorn anfangen. Und immer berechnen, vielviel man auf der Seite unten noch für die Fußnoten braucht. Der reinste Horror.

Screenshot Good Girls Revolt: Der Chef läuft Amok

Screenshot Good Girls Revolt: Der Chef läuft Amok

Es gab noch kein Internet, keine (a)sozialen Netzwerke, ja nicht mal Computer auf den Schreibtischen. Die Journalisten mussten damals noch analog recherchieren, in dem sie zahllose Telefongespräche führten, mit dem Notizblock auf die Straße gingen und sich durch Archive wühlten. Oder nein – dafür gab es ja die fleißigen Mädchen, die für ihren Reporter, Investigator oder Redakteur die mühsame Recherche-Arbeit übernahmen, damit der sich ganz auf das Schreiben konzentrieren konnte. Wobei auch das von den Good Girls oft noch übernommen wurde, weil sie zum einen ohnehin besser im Thema waren und zum anderen darin geübt, aus den genialen Gedanken ihrer Vorgesetzten einen lesbaren Text ohne Rechtschreibfehler zu machen.

Und die meisten der Mädels sind damit zufrieden – ihr Job ist ja nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Ehe. Sie haben die Schule abgeschlossen, viele sogar ein College – klar ist eine Ausbildung immer gut. Vor allem aber, um den Richtigen zu finden. Der ihnen dann einen Ring überreicht und sie ihrer eigentlichen Aufgabe zuführt: Sich um Mann und Kinder zu kümmern – genau, wie sie es jetzt für ihren jeweiligen Vorgesetzten tun.

Screenshot Good Girl Revolt: William 'Wick' McFadden (Jim Belushi) und Evan Phinnaeus 'Finn' Woodhouse (Chris Diamantopoulos)

Screenshot Good Girl Revolt: William ‚Wick‘ McFadden (Jim Belushi) und Evan Phinnaeus ‚Finn‘ Woodhouse (Chris Diamantopoulos)

Pflichtbewusst, wie Frauen nun einmal sind, machen sie diesen Job hervorragend – sie machen Überstunden, um an die fehlenden Details für die Story zu kommen. Im richtigen Augenblick haben sie die entscheidende Eingebung, um die ganze Geschichte noch zu retten und kurz vor der Deadline schreiben sie den Artikel mal eben schnell um, damit alles korrekt in den Druck gehen kann. Nur eben nicht unter ihren eigenen Namen, sondern unter dem des jeweiligen Reporters, dem sie zugeteilt werden.

Was mich übrigens an meine eigenen Anfänge erinnert – meine Karriere als Redakteurin fing auch damit an, dass ich für einen Schnösel, der deutlich jünger war als ich, sich aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen bereits Chefredakteur nennen durfte, Recherchenarbeiten leisten musste, die er dann als Artikel unter seinem Namen veröffentlicht hat. Aber als Mutter von zwei kleinen Kindern war ich natürlich froh, überhaupt einen Job bekommen zu haben – und so geht es auch den Mädchen in der Serie, sie freuen sich, dass sie überhaupt eigenes Geld verdienen dürfen.

Screenshot Good Girl Revolt: William 'Wick' McFadden (Jim Belushi) und Evan Phinnaeus 'Finn' Woodhouse (Chris Diamantopoulos)

Screenshot Good Girl Revolt: William ‚Wick‘ McFadden (Jim Belushi) und Evan Phinnaeus ‚Finn‘ Woodhouse (Chris Diamantopoulos)

Auf der einen Seite klingt das total irre – denn jeder normale Mensch weiß, dass Geld verdienen kein Privileg, sondern eine lästige Pflicht ist. Auf der anderen Seite ist es noch viel irrer, denn es geht ja genau um das Recht der Frauen, sich freudig und bereitwillig in die ganz normale Ausbeutungsmaschinerie stürzen zu dürfen. Und so sehr ich die Zwänge der modernen Arbeitswelt als unzumutbar für normale Menschen empfinde, so sehr verstehe ich natürlich doch das Bedürfnis jener enthusiastischen Idiotinnen, sich wenigstens zu den Bedingungen ausbeuten lassen zu wollen, die für die Männer gelten.

Doch selbst vom Recht auf den besseren Job müssen viele der Mädels erst mühsam überzeugt werden. Die einen finden, dass es zu gefährlich sei, in die Hand zu beißen, die sie füttert – was, wenn sie nicht befördert, sondern gefeuert werden? Sie brauchen den Job doch so dringend. Die ohnehin schon privilegierteren finden, dass sie es auch aus eigener Kraft schaffen können, in dem sie die richtige Gelegenheit erkennen und nutzen, um mehr Geld und mehr Anerkennung zu bekommen. Sie sind zu stolz, um Gleichberechtigung einzuklagen, sie haben das Leistungsdenken dermaßen verinnerlicht, dass sie bereit sind, einfach immer besser zu sein, um das Gleiche zu erreichen.

Screenshot Good Girls Revolt: Cindy Reston (Erin Darke), Nora Ephron (Grace Gummer) und Jane Hollander (Anna Camp)

Screenshot Good Girls Revolt: Cindy Reston (Erin Darke), Nora Ephron (Grace Gummer) und Jane Hollander (Anna Camp)

Mit der Hilfe der engagierten Anwältin Eleanor Holmes Norton (Joy Bryant) schaffen Patti Robertson (Genevieve Angelson) und Cindy Reston (Erin Darke) es schließlich aber doch, genügend Mitstreiterinnen für ihr Projekt zu gewinnen: Sie reichen eine formelle Beschwerde gegen die systematische Diskriminierung in ihrer Redaktion ein und verweisen darauf, dass sie ein von der Verfassung garantiertes Recht auf Gleichbehandlung haben. Und damit auch auf die gleichen Jobs und das gleiche Gehalt wie die Jungs.

Genau das ist bis heute noch nicht erreicht: Männer verdienen zwar nicht mehr das Dreifache, aber im Durchschnitt gut ein Fünftel mehr als Frauen in vergleichbaren Positionen. Das ist auch in meinem Laden nicht anders. Und es liegt nicht daran, dass Frauen nicht genug verlangen – sie werden mit ihren Forderungen einfach nicht so ernst genommen. Auch wenn sich inzwischen einiges getan hat – es ist längst noch nicht genug. Dabei sind die Männer auch in der Newsweek-Redaktion ja keineswegs durch die Bank Arschlöcher.

Screenshot Good Girls Revolt: Eleanor Holmes Norton (Joy Bryant)

Screenshot Good Girls Revolt: Eleanor Holmes Norton (Joy Bryant)

Chefredakteur Finn Woodhouse (Chris Diamantopoulos) ist zwar mitunter etwas cholerisch und er hat Beziehungsprobleme, weil ihm sein Job immer wichtiger als alles andere ist, aber er erkennt durchaus, das Patti Robertson Talent hat. Und auch Pattis Reporter Douglas Rhodes (Hunter Parrish) ist eigentlich ein netter Kerl – er will ja auch, dass die Verhältnisse sich ändern, deshalb ist er ja Journalist. Er will Missstände aufdecken und darüber berichten – er und Patti sind ein super Team, das gute Storys produziert. Nur will Patti eben auch Reporterin sein und ihre eigenen Artikel schreiben – unter ihrem Namen. Aber ihm geht es, wie vielen Männern: Warum angestammte Privilegien einfach so aufgeben? Ihm wäre lieber, wenn Patti einfach seine Frau würde. Aber Patti will nicht heiraten, Patti will über sich selbst bestimmen und sie will kämpfen.

Denn eins ist klar, das erklärt auch Eleanor: „Wenn ihr mehr Geld bekommt, dann werden andere entsprechend weniger bekommen. Wenn ihr den besseren Job bekommt, dann bekommt ihn einer von den anderen nicht!“ Kampflos wird das nicht zu haben sein. Und es ist ja noch immer nicht kampflos zu haben – seit der Revolte der Good Girls hat sich einiges geändert. Aber mir ist beim Ansehen der Serie einmal mehr klar geworden, dass es noch längst nicht genug ist.

Screenshot Good Girls Revolt: Patti (Genevieve Angelson), Naomi (Frankie Shaw) und Jane (Anna Camp)

Screenshot Good Girls Revolt: Patti (Genevieve Angelson), Naomi (Frankie Shaw) und Jane (Anna Camp)

Und angesichts des Gejammers über den demografischen Wandel, der ja an allem schuld sein soll, ist eigentlich die nächste Revolution längst überfällig. Wir Frauen sind ja eh wieder für alles zuständig: Von den kommenden Armutsrenten über den Fachkräftemangel bis zur schwindenden Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft: Das alles nur, weil die Frauen heute lieber arbeiten gehen, statt Kinder in die Welt zu setzen! Und die, die Kinder kriegen, kriegen zu wenig Kinder und überhaupt liebe Frauen: Statt als Kanzlerin den Standort D zu ruinieren, besinnt euch lieber auf die guten alten Zeiten, in denen ihr als Trümmerfrauen Deutschland wieder aufgebaut und neben bei noch jede Menge Kinder großgezogen habt – da habt ihr die Männer doch auch in Ruhe arbeiten und Geld verdienen lassen. Es ist so zum Kotzen.

Deshalb: Nehmt euch lieber ein Beispiel an Patti – zieht euch einen Joint rein und macht Party. Und dann aber nicht zurück an die Arbeit, sondern auf zur Revolution. Es ist noch viel zu tun.

The Get Down ist das bessere Vinyl

Rückwirkend scheinen die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein einziger knallbunter LSD-Trip gewesen zu sein, unterlegt mit einem fantastischen Soundtrack. Mit der Retroserie Vinyl haben Terrence Winter und Martin Scorsese versucht, diese Stimmung einzufangen – was aber nur bedingt gelungen ist, letztlich ist Vinyl dann doch nur eine eher mittelere Mafia-Serie in lustig und mit jeder Menge Stars aus den 70ern geworden – fast ausschließlich weißen Stars, wohlgemerkt.

The Get Down: This boardwalk is my little prairie  Bild via Netflix

The Get Down: This boardwalk is my little prairie Bild via Netflix

Netflix hat jetzt richtig viel  Geld in die Hand genommen (das Budget soll an das der ebenfalls sehr teuren HBO-Serie Game of Thrones herankommen und bei um die 10 Millionen Dollar pro Folge liegen) und einen schwarzen Gegenentwurf dazu verfilmt: Die Retro-Musik-Serie The Get Down erzählt von der Geburtsstunde des Hiphop in der Bronx – lange bevor das Ding diesen Namen bekam. Und auch wenn The Get Down gerade in ersten Teil, der zwar nicht ganz so überdimensioniert ist, wie die Pilotfolge von Vinyl es war, einige Fehler von Vinyl wiederholt – streckenweise gleicht die Inszenierung einem bombastischen Videoclip, der nicht nur ein paar Minuten, sondern gefühlt Stunden dauert – so ist die Geschichte hier doch deutlich besser: Es geht hier nämlich nicht um ein paar abgehalfterte weiße Koksnasen, die ihre Pfründe nicht aufgeben wollen, sondern um ein paar in der gnadenlosen US-Gesellschaft vergleichsweise chancenlose schwarze Jungs, die in der total runtergekommenden Bronx ihren Traum von einem besseren Leben verwirklichen wollen – und zwar mithilfe dieser neuen Musik, die daraus entsteht, dass sie vorhandene Musik nehmen und mittels zwei Plattenspielern neu zusammensetzen – und ihren Frust über die Welt auf dem daraus entstehenden Beat ins rhytmisch Mikrofon rotzen.

The Get Down: Grandmaster Flash erfindet den Hiphop

The Get Down: Grandmaster Flash erfindet den Hiphop
Bild via Netflix

The Get Down zeigt die Ghetto-Version der 70er-Musik-Geschichte, hier, in den von der Politik aufgegebenen Gebieten von New York sieht man kein einziges weißes Geschichte mehr, hier wohnen nur noch Schwarze und Latinos in heruntergekommenen Mietskasernen. Das ist in der für meinen Geschmack etwas zu musicalartigen Inszenierung zwar in erster Linie Kulisse, in der die Protagonisten gemessen an ihren beschissenen Lebensumständen noch erstaunlich viel Spaß haben, wirkt aber trotzdem deutlich realistischer als dieses eigenartige 70er-Jahre Holodeck, in dem Vinyl spielt.

Der verträumte Zeke (Justice Smith)  hat früh seine Eltern verloren und wächst bei seiner Tante und ihrem Freund auf – er ist ein begabter Dichter, der sich in der Schule vor den anderen für genau dieses  Talent schämt, dort dominieren die coolen und harten Jungs, die Graffisprayer, die Gangmitglieder. Und dann ist Zeke auch noch verliebt – in die schöne Mylene Cruz (Herizen F. Guardiola), die ihre Wahnsinnsstimme auf Geheiß ihres strengen Vaters, der Prediger ist (und von Giancarlo Esposito gespielt wird) nur in der Kirche zu Ehre Gottes erklingen lassen soll. Aber auch Mylene hat einen Traum – sie will Sängerin werden, und war nicht im Gospelchor.

The Get Down: Zeke und seine Gang Bild via Netflix

The Get Down: Zeke und seine Gang
Bild via Netflix

Zu diesem Zweck wird sie sich mit ihren Freundinnen in den heißesten Club in der Bronx schmuggeln, um dort den wöchentlichen Tanzwettbewerb zu gewinnen und damit vielleicht die Aufmerksamkeit des derzeit angesagtesten DJs zu gewinnen – der ihr dann ein Vorsingen bei seiner Plattenfirma verschaffen soll. Während Mylene aufgrund ihrer Stimme und ihres Aussehens eine gewisse Chance hat, diesen Plan umzusetzen, sieht es für Zeke ziemlich übel aus. Aber Zeke greift nach dem rettenden Strohhalm – wenn er die überaus seltene Platte mit der bestimmten Version von Mylenes Lieblingssong besorgen kann, wird Mylene gar nicht anders können, als mit ihm zu tanzen und gemeinsam werden sie diesen Tanzwettbewerb ganz bestimmt gewinnen!

The Get Down: Zeke im Glück

The Get Down: Zeke im Glück
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Zeke findet diese Platte sogar, doch bevor er sie käuflich erwerben kann, wird der Plattenladen von der örtlichen Gang überfallen, die ein höheres Schutzgeld kassieren will. Und bevor Zeke sich verdrücken kann, kommt noch eine dritte Partei ins Spiel: Shaolin Fantastic (Shameik Moore) – ein offensichtlich von Bruce Lee inspirierter früher Parkour-Künstler, der mit seinen roten Puma-Turnschuhen höchst elegant über die Dächer der Bronx turnt. Er reißt Zeke die Platte aus den Händen und turnt davon – verfolgt von der wütenden Meute und von Zeke, der jetzt auf keinen Fall aufgeben wird – und Zekes Hartnäckigkeit wird am Ende belohnt – nach einer halsbrecherischen Jagd über die Dächer brennender Häuser muss Shaolin die Platte loslassen, um nicht in die Tiefe zu stürzen – und das begehrte Stück fällt Zeke direkt vor die Füße. Jetzt muss sich Zeke nur noch schick machen – sein bester Freund besorgt ihm Ausgehgarderobe seines Musiker-Vaters – und noch irgendwie am Türsteher vorbeikommen.

Im Les Inferno geht es derweil hoch her – es ist die Hochzeit der Disco-Tanzhits und hier wird im sexy Glitzerkleid und schniekem weißen Dreiteiler samt schräg am Kopf festgetackertem Hut eine heiße Sohle aufs Parkett gelegt. Mylene hat längst die Aufmerksamkeit von Supertänzer Cadillac (Yahya Abdul-Mateen II) erregt, der aber ganz andere Sachen von ihr will, als sie sich vorgestellt hat. Nein, so eine ist sie nicht.

The Get Down: Mylene (Herizen F. Guardiola) und ihre Freundinnen

The Get Down: Mylene (Herizen F. Guardiola) und ihre Freundinnen

Draußen vor der Tür hat Shaolin Zeke entdeckt – und fordert jetzt seine Schallplatte zurück. Schließlich hat er sie zuerst geklaut und er braucht sie für einen Get Down später am Abend. Aber Zeke gibt das gute Stück nicht her, selbst, als Shaolin ihm mit allerlei Kung-Fu-Firlefanz furchtbare Prügel androht. Zeke erklärt, dass er verliebt sei und diese Platte seine einzige Chance ist. Wenn Shaolin sie ihm wegnehmen wolle, könne er ihn auch gleich umbringen. Und weil die Sache ohnehin aussichtlos ist, rappt Zeke noch eine eindrucksvolle Beschimpfung zusammen.

Shaolin ist beeindruckt: So einen furchtlosen Meister der Worte hat er gesucht, um sich als DJ einen Namen zu machen. Er bietet Zeke an, ihn in den Club zu bringen – Shaolin ist dort gern gesehen, weil er die komplette Mannschaft mit Koks versorgt. Doch obwohl Zeke es ins Les Inferno schafft, der DJ die Platte auflegt und Mylene freudig überrascht ist, Zeke zu sehen, endet der Abend erstmal in einem überaus blutigen Desaster, denn nicht vergessen, wir sind in der Bronx, und die war in den 70er Kriegsgebiet.

The Get Down: Shaolin Fantastic (Shameik Moore) auf der Flucht

The Get Down: Shaolin Fantastic (Shameik Moore) auf der Flucht
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Natürlich gibt es in The Get Down auch ein bisschen Politik: Das New York der 70er Jahre ist eine hoffnungslose Stadt, pleite und fest in der Hand korrupter Eliten. Nachdem die Stadt 1975 offiziell bankrott war, wurde dort genau das gemacht, was die Politik in Zeiten der Krise immer macht: Staatsbedienstete rausschmeißen, also nicht die Politiker natürlich, die für die Misere zuständig sind, sondern Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten, Krankenpfleger oder Feuerwehrleute, Sozialausgaben kürzen, privatisieren, also staatliche Aufgaben wie die Wasserversorgung oder die Müllabfuhr an private Halsabschneider deligieren. Und natürlich wird dadurch alles immer nur noch schlimmer: Je mehr Menschen ihre Jobs und damit ihre Existenzgrundlage verlieren, desto stärker werden die Spannungen in der Gesellschaft – nur Gewalt und Verbrechen nehmen einen rasanten Aufschwung, während alles, was bisher noch funktioniert hat, vor die Wand gefahren wird.

The Get Down: Politiker und ihre Visionen Bild via Netflix

The Get Down: Politiker und ihre Visionen
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Immer wieder werden in die Handlung originale Fernsehbeiträge aus jener Zeit in die Handlung montiert, Bilder, die brennende Häuser, vergebliche Feuerwehreinsätze, verwahsloste und total vermüllte Straßen oder auch wütende Proteste aufgebrachter Bürger zeigen. Überhaupt fackelt in fast jeder Außenszene von The Get Down irgendwo im Hintergrund ein Haus ab – die Hauseigentümer brennen ihre Häuser lieber nieder, statt sie instandzusetzen. Stattdessen wollen sie neue Hochhäuser bauen, mit denen sie eine bessere Rendite erzielen können. Und weil die Stadt aus Budgetgründen eine Feuerwache nach der anderen geschlossen hat, werden diese Feuer nicht mehr gelöscht, sondern fressen sich Block um Block ganze Straßenzüge entlang.

Kein Wunder, dass die Stimmung in der Stadt einer Party auf dem Vulkan gleicht – Zeke und seine Freunde haben nichts zu verlieren und befinden sich genau deshalb im permanenten Kampf ums Überleben – genau daraus schöpfen sie aber die Energie, von der diese Serie lebt.

The Get Down: Sonntagsessen bei Familie Cruz Bild via Netflix

The Get Down: Sonntagsessen bei Familie Cruz
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Unheimliche Begegnungen der dritten Art

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes

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Die ersten 20 Minuten der neuen Folge von Mr. Robot sind ein einziger langer WTF-Moment – wobei ich mir den gleich im Anschluss noch einmal ansehen musste: Schrecklichstes End-80er-Anfang-90er-Fernsehen, in exakt dem Format und der Auslösung, in der wir damals eben auch fern sehen mussten. Aber wir waren ja nichts anderes gewöhnt. Elliot ist in einer Anfang-90er-Sitcom gelandet und sitzt neben seiner entsprechend gestylten Schwester Darlene, die auf einem historischen Gameboy-Modell von Nintendo spielt – auf dem Display sieht Elliot allerdings jene schreckliche Szenen, in denen er von Rays Leuten zusammengeschlagen wird. „Schau immer schön nach vorn, auf die Straße vor dir!“ sagt sein Vater, der am Steuer sitzt, daneben Elliots Mutter, wie immer rauchend.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Familienausflug der Aldersons

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Familienausflug der Aldersons

Die Aldersons sind auf einem Familienausflug und unterhalten sich, wie man das ein einer Sitcom so tut, sie machen Witze über Elliot und über sich gegenseitig, und das Publikum lacht vergnügt. Nur Elliot ist mit der Situation nicht so richtig zufrieden, er will wissen, was hier vorgeht, aber nun ja, alle wissen, dass Elliot nicht ganz dicht ist und behandeln ihn entsprechend. Wobei die Witze immer fieser werden und Mutter Alderson die schnippische Darlene schließlich wiederholt  k.o. schlägt.

Als sie zum Tanken anhalten und Elliot im Tankstellenshop ALF begegnet, wundert man sich sowieso über nichts mehr – Elliots Eltern nehmen nur schnell noch die Gelegenheit war, ein paar Säcke voll Naschwerk und Zigaretten zu klauen – nachdem sie Angela, die auf gutem Weg zur Tankstellen-Chefin ist, mit Pfefferspray aus dem Verkehr gezogen haben. Ach ja, sie haben auch noch Tyrell Wellick im Kofferraum, im alternativen-Sitcom-Vorspann zu Mr. Robot als „Special Guest Star: Man in The Trunk“ angekündigt. Und der tote Gideon hat einen skurrilen Gastauftritt als Cop – aber er wird leider gleich wieder von ALF überfahren.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Außerirdische unter sich

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Am Ende stellt sich natürlich heraus, dass Elliots Hirn sich das alles zusammenfantasiert, um dem Schmerz zu entgehen, der, nachdem er im Krankenhaus zu sich kommt, über ihn herfällt. Dieses Mal sieht Elliot wirklich ramponiert aus – Rays Schläger sind offenbar gut darin, ihren Opfern Schmerz zuzufügen. Ray macht Elliot in einem langen Monolog über seinen kranken Hund noch einmal ausdrücklich klar, wer hier der Boss ist – die Folge heißt schließlich nicht zufällig eps2.4_m4ster-s1ave.aes.

Derweil versuchen Darlene, Mobley und Trenton Angela binnen 24 Stunden das Hacken beizubringen – denn mit einfach ein Gerät in den 23. Stock zu stellen, wie Darlene Angela den Job schmackhaft machen wollte, ist es natürlich nicht getan. Schließlich muss die Femtozelle erst mal aktiviert und sowohl mit dem Netzwerk im Gebäude als auch mit dem WLAN verbunden werden, mit dem Darlene auf den Datenverkehr innerhalb der Mobilfunkzelle zugreifen will.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Gideon als Cop

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Gideon als Cop

Angela ist zwar motiviert und gibt sie wirklich Mühe, aber sie hat von dem, was sie da tun soll, nicht allzu viel Ahnung. Aber weil nach dem Attentat auf die FBI-Delegation in China Alarmstimmung herrscht, soll das FBI-Büro in E-Corp-Gebäude wieder aufgelöst werden. Darlene und ihre Leute müssen also sofort handeln, sonst ist die Chance, gerade noch rechtzeitig ins FBI-Netzwerk einzudringen, für immer verspielt. Das Mobilfunkgerät, mit dem die Femtozelle aufgespannt werden soll, liefert ausgerechnet Darlenes Ex-Freund Cisco über seine chinesischen Dark-Army-Kontakte. Die haben ihm bei der Gelegenheit allerdings noch einmal nachdrücklich klar gemacht, dass er zu viele Fragen stellt und sich bitte schön dran erinnern soll, wem seine Loyalität gelten sollte – Cisco wird zwar nicht so misshandelt wie Elliot, aber gemein sind die Chinesen auch.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: So installiert man eine Femtozelle

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: So installiert man eine Femtozelle

Angela erkennt in Cisco natürlich den Typ wieder, der ihr diesen ganzen Ärger überhaupt eingebrockt hat. Aber sie bleibt dabei und sie schlägt sich ziemlich gut, auch wenn bei ihrer riskanten Operation nicht alles glatt geht. Angela ist zwar nicht so cool und nervenstark wie Darlene und ihre Hackerfeunde, aber sie ist fokussiert genug, um auch bei unerwarteten Schwierigkeiten durchzuhalten. Am Ende funktionieren sowohl die Femtozelle als auch das Netzwerk der Hacker – die Frage ist nur, was wird, wenn das alles rauskommt, spätestens, wenn das Büro geräumt wird, werden die Geräte schließlich auffallen. Angela ist von mehreren Leuten gesehen worden, vermutlich wird ihr nicht viel nützen, dass Darlene sie daran erinnert hat, ihre Fingerabdrücke überall abzuwischen.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Agent DiPierro wollte Angela nicht stören.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Agent DiPierro wollte Angela nicht stören.

Agent DiPierro will  ohnehin mit Angela sprechen – schließlich war sie bis kurz vor dem Five-Nine-Hack bei Allsafe beschäftigt. Dom ist wie wir bereits wissen, ziemlich auf Zack, sie ist auch die einzige, die durchschaut, dass der angebliche Terror-Anschlag in China nur dazu dienen sollte, die derzeit auf den Five-Nine-Fall angesetzten Ermittler auszuschalten oder wenigstens für einige Zeit von den Ermittlungen abzuziehen.

Damit ist die Folge auch schon fast wieder vorbei – Elliot wird allerdings noch aus dem Krankenhaus entführt und in einen Kellerraum gesperrt. Der Ärmste ist jetzt sprichwörtlich am Boden, wo er sich vor Schmerz weinend zusammenkrümmt. Jetzt ist es ganz gut, dass er wenigsten noch Mr. Robot hat, auch wenn der ihn nicht vor den Schlägen beschützen konnte. Elliot ist Mr. Robot plötzlich überaus dankbar, dass er noch für ihn da ist.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Ist Angela schon aufgeflogen?

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Ist Angela schon aufgeflogen?

Und er erinnert sich daran, wie sein Vater ihm von seiner Krankheit erzählt hat, und dass er seinen Job verloren hat, aber nun einen Computerladen eröffnen werde. Der kleine Elliot ist erst traurig, fängt dann aber an, sich über die neuen Möglichkeiten zu freuen – für ein Kind wie ihn ist ein Computerladen wesentlich attraktiver als einer mit Süßigkeiten. Ob er auch dort arbeiten dürfe? Bestimmt. Aber nun soll er sich erstmal einen Namen für das neue Geschäft ausdenken. Und Schnitt.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Der kleine Elliot findet die Idee mit dem Computerladen super

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Der kleine Elliot findet die Idee mit dem Computerladen super