Preacher – Gebete um eine gute Serie wurden erhört!

Einen Serientipp hab ich noch vor meiner Sommerpause: Preacher.

Auch hier war ich erst skeptisch, weil Comic-Verfilmungen häufig nicht mein Ding sind – aber seit Jessica Jones bin ich in der Richtung deutlich aufgeschlossener, auch wenn vieles von dem ganzen Marvelzeugs weiterhin keine große Begeisterung bei mir auslöst. Andererseits habe ich ja durchaus was für schräge Fantasy-Serien übrig, True Blood beispielsweise fand ich ganz fantastisch.

Preacher - das Ensemble Bild: amc.com

Preacher – das Ensemble Bild: amc.com

Um ein ähnliches Kaliber handelt es sich bei Preacher – damit hat AMC doch mal wieder einen echten Knaller produziert. Es geht ziemlich zur Sache, man hat den Eindruck, dass Quentin Tarantino, David Lynch und die Jungs von Monty Python sich zusammengesetzt hätten, um gemeinsam eine Serie zu machen – tatsächlich stecken aber Evan Goldberg, Seth Rogen und Sam Catlin dahinter, die eine Comic-Geschichte von Garth Ennis und Steve Dillon verfilmt haben. Es geht – wie der Titel schon vermuten lässt – um einen eher mäßig begabten Prediger, der in einem gottverlassenen Nest im ländlichen Texas versucht, ein besserer Mensch zu werden.

Jesse Custer (Dominic Cooper) Bild: amc.com

Jesse Custer (Dominic Cooper) Bild: amc.com

Jesse Custer (Dominic Cooper) tut mit seinem neuen Job Buße für seine dunkle Vergangenheit. Die ihn in Form seiner Ex Tulip O’Hare (Ruth Negga) aber immer wieder einholt. Tulip ist eine extrem begabte Verbrecherin, die will, dass Jesse ihr bei einem Job hilft, den sie alleine nicht durchziehen kann. Aber Jesse hat dem Verbrechen abgeschworen und will nun zu den Guten gehören. Was ihm nicht leicht gemacht wird. Erst recht nicht, das Cassidy (Joseph Gilgun) auftaucht, ein irischer Vampir, der nach einer ausschweifenden Party an Bord eines Privatjets aus dem Flugzeug gesprungen ist, das er samt der dazugehörenden Mannschaft komplett verwüstet hat.

Cassidy hat keine Ahnung, wo er sich befindet, findet aber Gefallen an Jesse, der ausgerechnet heute Abend beschlossen hat, dass es manchmal auch nachhaltiger Gewaltanwendung bedarf, um etwas Gutes zu bewirken – er verprügelt einen gewalttätigen Ehemann, nachdem dessen Sohn ihn schon mehrfach um Hilfe gebeten hat. Zusammen landen sie im Knast, wo sie mal in Ruhe reden können.

Cassidy (Joseph Gilgun) Bild: amc.com

Cassidy (Joseph Gilgun) Bild: amc.com

Eins ist klar, diese Serie ist nichts für zartbesaitete, gleich am Anfang explodiert ein von einem geheimnisvollen außerirdischen Wesen heimgesuchter afrikanischer Prediger vor seiner Gemeinde, nachdem er sich für den Propheten hält. Überhaupt explodieren immer wieder falsche Propheten, so erfährt man nebenbei auf einem Fernsehschirm, dass Tom Cruise gerade explodiert ist. Das ist zwar nicht besonders subtil, aber Spaß macht es trotzdem. Genau wie es Spaß macht, Tulip zuzuschauen, wie sie ein paar böse Jungs erledigt, die es auf sie abgesehen hatten.

Nach einer rasanten Crashfahrt durch ein Maisfeld stopft sie dem Oberbösewicht noch mit einem finalen Maiskolben das Maul. Den beiden Kindern, die zufällig dabei zusehen, erklärt sie, dass das ein echt böser Mensch war. Und dann bringt sie ihnen bei, wie man aus den Hausmitteln, die sich auf der heruntergekommenen Ranch eines Schwarzbrenners so anfinden, eine Bazooka baut und dass man sich besser versteckt, wenn Erwachsene Verstecken spielen wollen. Die beiden vernachlässigten Gören – die Mutter ist tot, der Vater auf Arbeit – sind begeistert von der Show, die Tulip liefert – jede Wette, vor allem das Mädchen hat etwas fürs Leben gelernt: Frauen dürfen, können und müssen stark sein. Verdammt stark.

Tulip (Ruth Negga) Bild: amc.com

Tulip (Ruth Negga) Bild: amc.com

Auch sonst gibt es ein Sammelsurium an schrägen Gestalten, vom opportunistischen Sheriff über unkaputtbare Vampirjäger, die Cassidy immer wieder ausspüren, obwohl er sie immer wieder umbringt. Dann gibt es Eugene, den Sohn des Sheriffs, der versucht hat, sich umzubringen, in dem er sich mit einer Schrotflinte in den Mund geschossen hat und nun wie ein Arschloch aussieht, die masochistische Frau des bösen Mannes, dem Jesse den Arm brechen musste und so weiter und so fort. Und schließlich ist da auch noch die alleinerziehende Emily (Lucy Griffith), die sich als Kellnerin durchschlägt und ansonsten um die Organisation der Gemeinde kümmert – und irgendwie scheint sie eine Schwäche für Jesse zu haben. Vermute ich jetzt mal – ich habe erst zwei Folgen gesehen, bin auf den Rest aber sehr gespannt.

Emily Woodrow (Lucy Griffith) Bild: amc.com

Emily Woodrow (Lucy Griffith) Bild: amc.com

Allein die visuelle Aufbereitung ist das Ansehen wert – wer die Bildersprache von Breaking Bad mag, wird auch von der dieser Serie angetan sein – allein dieses marode Gotteshaus auf seinem kläglichen Hügel inmitten der texanischen Prärie ist so beklagenswert, wie die Menschen, die dort die sonntägliche Predigt ihres Predigers über sich ergehen lassen – der natürlich am besten ist, wenn er gerade nicht predigt. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wohin das alles führen soll – religiöse Menschen könnten sich möglicherweise in ihren Gefühlen verletzt fühlen. Was ich auf jeden Fall als Pluspunkt für Preacher werte. Mal sehen, wie es ausgeht.

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Der Hypnotiseur: Erstaunliche Parallelen

Es ist nicht leicht, immer eine neue Geschichte zu erfinden und ich habe wirklich nichts dagegen, wenn eine gute Geschichte noch einmal erzählt wird: Eine bereits bekannte Geschichte kann in einer neuen Variante durchaus wieder gut werden. Wie an anderer Stelle schon gesagt, bin ich gegenüber Remakes, durchaus aufgeschlossen – es gibt ja nun wirklich gelungene Neuverfilmungen. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden, es reicht, wenn man es gelegentlich verbessert.

Trotzdem bin ich andererseits immer wieder erstaunt, wie wenig wirklich neue Geschichten es zu geben scheint. Genauso ist es mit Charakteren – wenn man mal eine richtig gute Figur aufgebaut hat, muss man sie nicht immer wieder neu erfinden, sondern kann sie einfach immer wieder was Neues erleben lassen. Und es kommt auch vor, dass man einer Figur aus der einen Geschichte in einer anderen wieder begegnet – und je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr erkennt man wieder.

Screenshot: Der Hypnotiseur - winterliches Stockholm.

Screenshot: Der Hypnotiseur – winterliches Stockholm.

Das geht nicht nur mir so. Neulich las ich irgendwo in einem Blog, wie sich jemand darüber wunderte, wie viel von Detective Holder aus The Killing doch in diesem Frank Wagner aus GSI Göteborg stecken würde – was ich ziemlich lustig fand, denn es ging um die erste Staffel von GSI Göteborg, die in den USA zwar nicht sehr bekannt sein dürfte, die aber von 2009 ist und gewiss eine Visitenkarte für Joel Kinnaman war, der daraufhin im US-Remake von Forbrydelsen eben jenen Stephen Holder spielen durfte.

Insofern wurde eher Frank Wagner in The Killing importiert als umgekehrt. Andererseits – im Frank Wagner der zweiten GSI-Staffel von 2012 steckt vermutlich dann doch einiges von Stephen Holder, den Kinnaman seit 2010 verkörpert hat. Holder wiederum ist eine Neuauflage von Jan Meyer aus der dänischen Serie Forbrydelsen (Bei uns als Kommissarin Lund – das Verbrechen bekannt) nur dass die Autoren des Remakes dem zweiten Ermittler eine interessantere Rolle zugedacht haben als im Original. In Staffel 3 und 4 emanzipierte sich The Killing von der dänischen Vorlage – diese Staffeln waren durchaus etwas eigenes, auch wenn die Serienschreiber die Charaktere und die Stimmung der beiden vorangegangenen Staffeln übernommen und weiter entwickelt haben – die Markenzeichen von The Killing blieben erhalten: Sarah Linden und ihre Strickpullover, Stephen Holder mit den in den Kniekehlen hängenden Jeans und sein Kaputzenpulli, was dazu passt, dass Holder fließend Hiphop spricht. Und das düstere, regnerische, durch und durch deprimierende Seattle, in dem rätselhafte Verbrechen geschehen.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Mikael Persbrandt als gescheiterter Psychiater.

Screenshot: Der Hypnotiseur – Mikael Persbrandt als gescheiterter Psychiater.

Als Fan sowohl des Originals als auch des Remakes war ich durchaus glücklich mit der vierten Staffel, in der die Serie um Sarah Linden und Steppen Holder mit einem neuen, finalen Fall einen vernünftigen Abschluss fand, auch wenn ich nicht in jeder Hinsicht mit dem Staffelende einverstanden war. Um so überraschter war ich jedoch, als ich jetzt den schwedischen Thriller Der Hypnotiseur aus dem Jahr 2012 sah. Auch wenn in diesem Fall natürlich vieles anders als war in der vierten Staffel von The Killing, verblüffen doch die Parallelen: Eine Familie wird auf brutale Weise von einem offenbar total durchgeknallten Täter ausgelöscht – nur der Sohn überlebt schwer verletzt.

Die Ermittler, in Falle von The Killing Linden und Holder, im Fall des Hypnotiseurs sind es der Stockholmer Kommissar Joona Linna (Tobias Zilliacus) und der titelgebende Psychologe Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt), stehen vor einem Rätsel: Wo ist bitte das Motiv für ein solches Blutbad? Andererseits liegt auf der Hand, dass die Lösung des Falls in der Familiengeschichte der Opfer zu finden sein muss. Und natürlich haben die Ermittler jeweils auch einen Haufen privater Probleme – hier liegen die größten Unterschiede zwischen den Geschichten in Seattle und der in Stockholm.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Tobias Zilliacus als Kommissar Joona Linna.

Screenshot: Der Hypnotiseur – Tobias Zilliacus als Kommissar Joona Linna.

Während Holder und Linden in erster Linie damit beschäftigt sind, zu vertuschen, wie der Fall in der Staffel zuvor ausgegangen ist, weil sie den Rest ihres Lebens nicht im Knast zu verbringen wollen, haben wir beim Hypnotiseur wieder eine Paraderolle für Mikael Persbrandt, dieses Mal als genialen, aber dennoch gescheiterten Psychiater, der ohne starke Schlafmittel keine Ruhe mehr findet, sonst aber sehr vieler Dinge müde ist. Ich muss gleich dazu sagen, dass es nicht der beste Persbandt-Film ist, den ich je gesehen hätte. Und auch nicht beste Lasse-Hallström-Film, denn kein anderer hat beim Hypnotiseur Regie geführt. Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa oder Schiffsmeldungen fand ich deutlich besser.

Genzugenommen handelt es sich um einen eher durchschnittlichen Schweden-Thriller, wobei ein durchschnittlicher Schweden-Thriller in der Regel aber auch schon deutlich besser ist, als ein durchschnittlicher Deutschland-Thriller. Was mich einmal mehr zu der Frage bringt, warum das eigentlich so ist. Ja, es ist düster und kalt in Schweden, der Hypnotiseur spielt im verschneiten Stockholm, da muss man gar nicht viel Aufwand treiben, um eine entsprechende Stimmung herzustellen. Aber das ist es nicht allein: Während mir die privaten Probleme deutscher Ermittler unglaublich auf die Nerven gehen, gehören sie bei den Schweden selbstverständlich dazu. Im Grunde ist jeder ordentliche Schweden-Krimi in erster Linie ein Familiendrama, und zwar immer gleich auf mehreren Ebenen: Die Familienprobleme der Ermittler, die Familienprobleme der Kollegen, und natürlich die Familienprobleme, die bei Opfern und Tätern ans Licht kommen, menschliches Drama, wo man nur hinschaut, da ist doch ganz klar, dass die ganze Zeit schreckliche Dinge passieren müssen.

Screenshot: Der Hypnotiseur - die Ärztin Daniela (Helena af Sandberg) mit Linna und Bark

Screenshot: Der Hypnotiseur – die Ärztin Daniela (Helena af Sandberg) mit Linna und Bark

Deutsche Ermittler dagegen sind in der Regel keine Familienmenschen – sie leben nur für die Arbeit. Man muss nur die Liste der Tatort-Kommissare mal durchgehen. Mir fällt da bei den Dutzenden von Ermittlern außer Freddy Schenk keiner ein, der eine richtige Familie hätte – es gibt einige wenige Teilzeit-Eltern mit Kind, aber ohne Lebenspartner. Und manchmal hat einer auch eine Freundin, aber das wars dann schon. Familie und Beruf sind in Deutschland halt schwer vereinbar, das gilt auch für den Krimi. Für Familienprobleme gibt es hierzulande andere Genres – das ist halt die deutsche Art, alles muss schön ordentlich in Schubladen sortiert werden. Und Familie und Verbrechen gehören nicht in die selbe Schublade, auch wenn man eigentlich wissen müsste, dass das im wahren Leben ganz anders ist. Da sind die Schweden und (auch die Amis) einfach ehrlicher: Die meisten Verbrechen finden innerhalb von Familien statt, wenn es nicht gerade um organisierte Kriminalität im globalen Maßstab geht.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Erik und seine Frau Simone (Lena Olin)

Screenshot: Der Hypnotiseur – Erik und seine Frau Simone (Lena Olin)

Zurück zu den ermordeten Familien in Stockholm und in Seattle: In beiden Fällen stellt sich im Laufe der Ermittlungen heraus, dass der überlebende Sohn der Täter sein muss. Denn es handelt sich gar nicht um einen leiblichen Sohn der Familie, sondern um ein adoptiertes Kind. Und in beiden Fällen spielt die leibliche Mutter des Sohnes eine nicht gerade vorteilhafte Rolle bei der ganzen Sache – wobei ich Colonel Margaret Rayne, die immerhin noch versucht hat, ihren Sohn nach seiner Wahnsinnstat zu beschützen, insgesamt deutlich glaubwürdiger fand als das durchgeknallte Psychowrack von Mutter, die den Sohn des Hypnotiseurs entführt, um sich an dem Arzt rächen, der sie – wie man sieht, auch völlig zu recht – als verrückt in die Klapse eingewiesen hat. Insofern muss ich sagen: Lasse Hallström hin und Mikael Persbrandt her – in diesem Fall hat das Team von The Killing die bessere Version der Geschichte erzählt.

Serien-Finale: True Blood trifft den wahren Tod

Mit der letzten Folge von True Blood ist diese Serie nun den wahren Tod gestorben. Und ich muss sagen, auch wenn es nicht so schlimm war wie mit der letzten Dexter-Staffel, so ist es nun auch wirklich gut, dass es jetzt vorbei ist und die Serie nicht ins Zombie-Reich übergeht, wo die eigentlich längst Toten den Lebenden auf die Nerven gehen.

Was nicht heißt, dass man keinen Spaß mehr gehabt hätte, nach dem doch ziemlich mühsamen Anfang gab es zwischen drin durchaus paar gelungene Folgen, bei denen wieder richtig Freude aufkam. Leider konnte der Rest der Staffel das Niveau der vierten Folge (Death is Not the End) nicht halten und die letzten beiden Folgen waren im Grunde das Erledigen von Dingen, die getan werden müssen, wenn man weiß, dass das Ende bevor steht.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Jason, Sookie und Bill.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Jason, Sookie und Bill.

Besonders ärgerlich finde ich allerdings, dass eben nicht alles erledigt wurde, wo man doch eigentlich gerade dabei war: Es gibt beispielsweise keine Erklärung (nicht einmal eine schlechte!) dafür, warum die Zuschauer am Ende der sechsten Staffel dabei zustehen mussten, wie Eric auf einem Schneefeld seiner schwedischen Heimat verbrannt ist, um ab Ende des zweiten Teils der siebten Staffel zwar als schwerkranker, aber wie sich herausstellen sollte, eigentlich noch quicklebendiger Vampir die Handlung der weiteren Staffel zu weiten Teilen an sich zu reißen.

Nicht, dass ich als Eric-Northman-/Alexander-Skarsgård-Fan etwas dagegen gehabt hätte, dass Eric nicht nur weiterhin an Bord ist sondern gemeinsam mit seinem brillanten Geschöpf Pamela Swynford De Beaufort auch noch zu neuer Hochform aufläuft. Die beiden sind an abgefeimter Coolness nicht zu überbieten – aber trotzdem wünsche ich mir schon etwas mehr Plausibilität, Logik oder schlicht: Ernsthaftigkeit von den Serienschreibern. Ja, okay, True Blood ist Satire, lustig und sowieso nicht ganz ernst gemeint. Aber das heißt nicht, dass ich einfach nur einen Gag nach dem anderen sehen will, True Blood meint es an anderen Stellen ja durchaus ernst und will damit auch ernst genommen werden. Aber dann erwarte ich eben auch als Zuschauer ernst genommen zu werden. Verarschen lassen will ich mich nicht – genau das machen die Serienmacher aber, weshalb die ernst gemeinten Szenen wo es um die großen Fragen von Leben und Tod geht, dann eben auch eher lächerlich rüberkommen, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass das nicht so gemeint war – schließlich habe ich auch Six Feet Under gesehen, Alan Balls bisheriges Hauptwerk über Leben und Tod, wenn man so will. Und das hatte einfach eine bessere Balance zwischen Satire, Spaß und Ernst. Da hat True Blood nicht immer die Kurve gekriegt, obwohl ich ja viele abgedrehte Gagasequenzen letztlich auch wieder cool fand.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Andy traut Jessicsa und Hoyt.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Andy traut Jessica und Hoyt.

Auch sonst ging vieles okay, wir erleben vor allem eine ganz neue Kill-Bill-Variante. Dieser Bill Compton ist gerade als Vampir ein dermaßen integrer Bursche, dass Sookie am Ende gar nicht anders kann, als seinen letzten Willen zu vollstrecken. Jedenfalls fast, denn auf ihre Feen-Qualitäten will sie am Ende doch nicht verzichten. Deshalb variiert sie Bills letzten Wunsch, von ihr mit ihrem Lichtball getötet zu werden (was sie ihrer Feenhaftigkeit beraubt hätte) in Bill mit einem abgebrochenen Schaufel-Stiel zu töten – weil er sich durch seine Sterblichkeit wieder menschlich fühlt. Und endlich wieder menschlich zu sein war das, was er sich immer gewünscht hat. Also tut Sookie ein mal mehr, was getan werden muss – darin ist sie inzwischen ohnehin unschlagbar. Bills Tod ist dann auch das letzte Blutbad dieser Serie. Zuvor hat Bill Sookie wissen lassen, wie sehr er sie liebt und dass er ihr deshalb ein normales Menschenleben wünscht – kraft seiner Gedanken während der Trauung von Jessica und Hoyt, die nach Hoyts Flucht nach Alaska dann doch wieder zueinander gefunden haben.

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Hier haben wir den romantischen Höhepunkt der letzten Folge, der gewissermaßen ganz zum Anfang der Serie zurück geht, denn dort hatten wir die Geschichte mit der blutjungen Vampirin Jessica, die Bill als Strafe dafür, dass er zugunsten eines Menschen (Sookie) einen Vampir getötet hatte, als junges, unschuldiges Mädchen in einen Vampir verwandeln musste, und dem nicht ganz so jungen, aber total unschuldigen Hoyt, der ausgerechnet mit der frisch verwandelten Jessica seiner ersten Liebe begegnet.

Screenshot True Blood 7 - Thank You.

Screenshot True Blood 7 – Thank You.

Gegen derartige Arabesken habe ich überhaupt nichts, im Gegenteil, solche Rückgriffe gefallen mir, auch wenn die Hochzeitsgeschichte dann doch etwas breit ausgewalzt wurde. Für meine Geschmack gab es insgesamt aber zu wenige davon. Das ist offenbar auch etwas, was wirklich herausragende Serien wie Breaking Bad von den eben auch ganz guten Serien wie True Blood unterscheidet: Während in Breaking Bad sehr viele merkwürdige Details im Verlauf der weiteren Handlung erklärt werden (auch wenn diese Erklärungen nicht unbedingt naheliegend sind, aber sonst müsste man ja auch nichts erklären) wird in True Blood nicht alles erklärt, leider auch das nicht, was dringend einer Erklärung bedürfte.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Pam und Eric

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Pam und Eric

Okay, Breaking Bad ist zwar keine Krimi-Serie im klassischen Sinne, aber handelt von Verbrechen und vor allem von Wissenschaft und zwar durchaus im forensischen Sinne, da würde Walter White sicherlich drauf bestehen. Insofern muss alles logisch zu erklären sein. Im Gegensatz dazu ist True Blood eine Serie mit Fantasy-Elementen, was ja quasi als Freibrief für unlogische Handlungssprünge genommen wird – aber wie gesagt: Eigentlich will die Serie ja ernst genommen werden. Und deshalb will ich schon wissen, warum Eric nicht gestorben ist, sondern sich nur mit Hep-V infiziert hat, was ja schlimm genug, aber eben keine Erklärung ist. Schade finde ich auch, dass etwa Lafayette gegen Ende praktisch nicht mehr vorkam, oder Andys Feen-Tochter Adilyn – was ist eigentlich aus ihr geworden? Und wie kommt Sam Merlotte jetzt klar, nachdem er Bon Temps für seine neue Familie verlassen hat? Fragen über Fragen. Andererseits muss man nicht alles wissen, und ich rechne es den Autoren an, dass es für Sookie und Bill kein Happyend gegeben hat – nach all dem, was die beiden durchgemacht haben, war ja völlig ausgeschlossen, dass sie noch miteinander glücklich werden können. Das übernehmen dafür so ziemlich alle anderen, sofern sie überlebt haben. Wobei: Heirat ist der Hauptgrund für spätere Scheidungen.

Bill hat Sookie ein normales Leben gewünscht und jedem bleibt selbst überlassen, was er oder sie sich darunter vorstellt. Das Leben in Bon Temps geht weiter. Und Eric und Pam machen mit New Blood das Geschäft ihres langen Vampirlebens – zumal sie ja mit Sarah Newlin noch ein As im Ärmel bzw. im Keller haben: Ein Schluck Blut direkt von der Quelle bringt gigantische Summen ein – so hat sich die gute Sarah ihr neues Leben als Noomi, Erlöserin aller kranken Vampire, gewiss nicht vorgestellt. Aber man legt sich halt besser nicht mit Eric und Pam an. Insofern finde ich es auch völlig okay, dass die letzte Runde an diese beiden Vampire geht – mit den anderen war ja eh nichts mehr los.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Eric macht Werbung für New Blood.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Eric macht Werbung für New Blood.

Daybreakers: Fast ganz großes Kino

In Sachen Vampirfilm hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan, und vieles davon ist einfach nicht gut – etwa die Twilight-Filme, die letztlich ja nur die bombastische Bebilderung einer sehr amerikanischen Teenie-Romanze sind (Sex ist nicht, zumindest nicht vor der Ehe). Wobei ich finde, dass Robert Pattinson (der den Vampir Edward Cullen spielt) eigentlich ein guter Schauspieler ist. In dem BBC-Grusel-Drama The Haunted Airman spielt der noch sehr junge Pattinson einen ebenfalls sehr jungen RAF-Kampfpiloten im 2. Weltkrieg, der den Abschuss seiner Maschine als Krüppel überlebt und sich während seiner Reha, wie man heute sagen würde, in seine schöne Tante verliebt. Die aber lieber was mit seinem Arzt anfängt. Was man ja auch verstehen kann – Toby Jugg sieht zwar aus wie Robert Pattinson und ist ein Kriegsheld, aber eben auch ein Krüppel. Und er ist viel zu jung für Julie – ich sehen schon, das wäre eine eigene Kritik wert. Kommt noch!

So viel vorab: The Haunted Airman ist ein echter Geheimtipp für alle Freunde des mysteriösen britischen Kammerspiels mit faszinierenden Schauspielern – wegen Robert Pattinson hab ich mir dann überhaupt Twilight angesehen, zumindest den ersten Teil davon. Das hat mir dann aber auch gleich wieder gereicht.

Screenhot Daybreakers

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Doch jetzt zur Hauptsache: Einer der neueren Vampir-Filme, die sich meiner Ansicht nach durchaus zu sehen lohnen, ist der australisch-amerikanische Streifen Daybreakers. Drehbuch und Regie übernahmen die in Deutschland geborenen, aber in Australien aufgewachsenen Brüder Spierig. Peter und Michael Spierig verdienen ihr Geld in erster Linie als Werbefilmer, haben aber auch einen Faible für das Horror-Genre – und sie haben in dem Bereich schon einige Filme gedreht.

Daybreakers ist der zweite ernsthafte Film der beiden, der mit einem Budget von 20 Millionen US-Dollar gedreht wurde und mehr als 65 Millionen eingespielt hat. Also durchaus ein kommerzieller Erfolg – wobei der Film in Deutschland erst gar nicht im Kino gelaufen ist. Warum auch immer. Vampirfilme für Erwachsene werden dem deutschen Publikum nicht mehr zugemutet, die sollen sich lieber den Teenie-Kram reinziehen.

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Screenshot Daybreakers, USA 2009

Für Daybreakers haben die Spierigs nicht nur das Drehbuch geschrieben und Regie geführt – sie waren auch für einen Teil der Special Effects zuständig – von denen es eine Menge gibt, wie es sich für einen Vampirfilm gehört. Daybreakers ist also ein echter Autorenfilm, was ich ja prinzipiell auch oft gut finde.

Aber in diesem Fall ist es aber leider so, dass das dem Film nicht gut getan hat – denn das Drehbuch hat einfach eklatante Schwächen. Was die Spierig-Brüder offenbar auch gemerkt haben und diese Schwächen deshalb mit visueller Überwältigung ausbügeln wollten. Und das finde ich einfach nicht gut. Wobei ich ja durchaus eine Augenmensch bin, ich kann eine gekonnte ästhetische Umsetzung von was auch immer erkennen und als solche schätzen.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Aber das nützt den Filmemachern halt nicht so richtig, wenn sie nicht wissen, was sie sagen wollen. Und das ist schlimm. Oder wenn das, was sie zu sagen wollen, letztlich scheiße ist. Was schlimmer ist. Und dafür gibt es durchaus prominente Beispiele: Daybreakers hat mich sehr an Fritz Lang und seinen Klassiker Metropolis erinnert.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

In Daybreakers gibt es eine ganze Reihe Bilder, die wirklich sehr an Metropolis erinnern, und genau wie schon in Metropolis sieht man den politischen Anspruch, der große und wichtige Fragen aufwirft – was ja eigentlich super ist. Die aber dann erstaunlich naiv und unbefriedigend beantwortet werden. Oder eigentlich gar nicht. In Metrolpolis wird die Entfremdung in der Arbeitswelt durchaus thematisiert. Und was die Arbeiter für eine Scheißleben haben. „Es muss immer ein Mensch an der Machine sein!“ Und wir sehen einen Arbeiter, der ganz Untertan der Maschine ist und sich ihr völlig unterwerfen muss, die Maschine gibt den Takt vor. Wir sehen auch uniforme Arbeiter-Züge, die im Gleichschritt zur Arbeit marschieren, wir sehen sogar ganze Züge von Arbeitern, die der Maschine und ihren Herren – was die Eigentümer der Maschine sind, die sich auf Kosten der Arbeiter ein schönes Leben machen können. Aber letztlich analysiert und kritisiert Fritz Lang mit seinem Film diese Verhältnisse nicht. Im Gegenteil: Letztlich sagt er, dass es schon okay geht, wenn die da oben die da unten ausbeuten – aber sie sollten halt ein bisschen netter zu den Arbeitern sein. Deshalb soll auch Freder, der Sohn des Kapitalisten Joh Fredersen, das Herz sein, das zwischen denen „da oben“ – dem Hirn – und denen „da unten“ – der Hand – vermittelt. Als ob alles irgendwie nur ein Kommunikationsproblem wäre – was nun absolut Unsinn ist. Auch wenn das heute noch genau so dargestellt wird: Alles nur ein Kommunikationsproblem, die Gesellschaft die ist eigentlich ganz prima eingerichtet. Wir sitzen doch alle im selben Boot. Schon klar. Aber nur „die da oben“ haben Rettungswesten.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Metropolis ist also ein reaktionärer und keineswegs revolutionärer Film, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Aber die filmische Umsetzung ist grandios – was um so ärgerlicher macht, was da für ein Scheiß erzählt wird. Und genau wie ich mich über Metropolis ärgere, denn den Film finde ich von der Ästhetik her wirklich beeindruckend (für die damalige Zeit wohlgemerkt) – ärgere ich mich über Daybreakers. Wobei das jetzt auch schon wieder gemein ist, denn es geht hier nicht um reaktionären Scheiß, sondern schlicht darum, dass den Drehbuchschreibern bei entscheidenden Wendungen einfach die guten Ideen gefehlt haben.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Der Film ist so gut gemacht, dass er die schwache Story dahinter echt nicht verdient hat. Ausstattung, Stimmung, Bilder – großartig. Und mit Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Claudia Karvan und Michael Dorman sind auch hochkarätige Schauspieler dabei. Im Prinzip ist die Story auch gar nicht schlecht: Im Jahr 2019 wird die Erde von Vampiren beherrscht. Die verbliebenen Menschen sind in dramatischer Unterzahl – das ist schlecht für die Vampire, weil sie sich ja von Menschenblut ernähren. Die meisten Menschen werden matrixmäßig in Farmen gehalten, wo sie künstlich ernährt werden und ihnen gleichzeitig Blut abzapft.

Die entsprechenden Bilder erinnern auch sehr an Matrix – und an anklagende Bilder aus etwa aus Hühnerfarmen, wo fast kahle Hühner in zu kleinen Käfigen im Akkord Eier legen müssen, bis sie als Suppenhuhn im Kochtopf landen. Käfighaltung ist Menschenquälerei, das findet auch der Hämatologe Edward Dalton (Ethan Hawke) , der zwar ebenfalls Vampir ist, sich aber aus Überzeugung schon seit längerer Zeit vegan ernährt. Was fatale Nebenwirkungen hat: Wenn ein Vampir zu lange kein echtes Blut mehr konsumiert hat, wird er zum Subsider.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Das sind entartete Vampire, deren Aussehen immer mehr dem von Fledermäusen ähnelt und sie werden sehr aggressiv. Subsiders sind die Paria der Vampir-Socienty, es sind die Verlierer, die sich kein echtes Blut mehr leisten können und ihre adlige Vampir-Identität nach und nach verlieren. Auch hier haben wir wieder eine durchaus gelungene Analogie auf die menschliche Gesellschaft, die ihre Verlierer ebenfalls ausgrenzt und kriminalisiert, obwohl die Betroffenen ja eigentlich gar nichts dafür können.

Screenhot Daybreakers, USA 2009

Screenhot Daybreakers, USA 2009 – Edward (Ethan Hawke)

Edward stellt durch seinen Blutverzicht langsam erste Anzeichen von Subsiderismus an sich fest, seine Ohren verformen sich (das wird Spock nicht erfreuen). Seine große Hoffnung, endlich einen Blutersatzstoff gefunden zu haben, zerschlägt sich, als die Versuchsperson nach kurzer Zeit förmlich explodiert – das ist wie True Blood ohne True Blood. Durch einen Autounfall trifft Edward auf echte Menschen – die er vor der Verfolgung durch Vampir-Milizen rettet.

Screenshot Daybreakers, USA 2009 - Lionel Cormac (Willem Dafoe)

Screenshot Daybreakers, USA 2009 – Lionel Cormac (Willem Dafoe)

Mit Edwards Entschluss, den Menschen zu helfen, wird er zum Verräter an der Vampirgesellschaft. Aber Edward ist entschlossen, das durchzuziehen. Dumm nur, dass sein kleiner Bruder Frankie da ganz anderer Ansicht ist. Der ist nämlich stolz drauf, ein Vampir zu sein.

Die menschlichen Widerständler, allen voran ihre Anführerin Audrey Bennett (Claudia Karvan), machen Edward mit Lionel Cormac (Willem Dafoe) bekannt, der auch mal ein Vampir war, aber jetzt auf der Seite der Menschen kämpft, nachdem er zufällig entdeckt hat, wie ein Vampir wieder menschlich werden kann. Und da geht es schon los: Durch ein unfreiwilliges Sonnenbad, was den Vampir fest verbrannt hat, ist er wieder Mensch geworden – es ist halt alles eine Frage der richtigen Dosis. So richtig überzeugt mich dieses Heilmittel nicht – aber Edward probiert es in einem kontrollierten Experiment mit durch einen Spiegel umgeleitetes Sonnenlicht und stirbt dabei wie geplant fast – aber sein Herz beginnt wieder zu schlagen. Er wird wieder Mensch.

Screenshot Daybreakers, USA 2009 - Frankie Dalton (Michael Dorman) und Audrey (Claudia Karvan)

Screenshot Daybreakers, USA 2009 – Frankie Dalton (Michael Dorman) und Audrey (Claudia Karvan)

Tja, und dann geht es den Menschen auch gleich an den Kragen, denn die Vampire haben ihren geheimen Stützpunkt entdeckt und das große Schlachten beginnt – im Grunde erstaunlich, was ein Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget dann doch an Leichenteilen und Blutströmen her gibt. Und es ist ja auch nicht so, dass ich was gegen Action und Gewalt hätte, das stört mich nicht, im Gegenteil. Aber irgendwie vergisst der Film über die ganze Action, was er eigentlich wollte – da war doch mal was, irgendwie, am Anfang.

Und irgendwann ist es halt vorbei – und das ist dann auch okay. Aber schade ist es doch – ein paar bessere Ideen hätten der Geschichte wirklich gut getan – dann wäre Daybreakers ein grandioser Vampir-Film geworden. So ist er halt nur fast ganz großes Kino. Aber immerhin.