Seven Seconds: Kein Handy am Steuer

Für Fans der leider nicht mehr auf Netflix verfügbaren Krimiserie The Killing hat die Plattform einen würdigen Ersatz im Programm: Den Zehnteiler Seven Seconds. Auch hier war Veena Sud für Drehbuch und Produktion verantwortlich. Wie schon bei The Killing  (und der großartigen dänischen Vorlage Forbrydelsen) geht es in der Krimi-Handlung nicht nur darum, einen Schuldigen zu finden, sondern auch zu zeigen, was der gewaltsame Tod eines geliebten Menschen für Auswirkungen auf die Überlebenden hat. Auf die Familie des Opfers, aber auch auf den Täter und sein Umfeld, und nicht zuletzt auf die Menschen, die ein solches Verbrechen als Angehörige von Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden aufzuklären und zu ahnden haben.

Serienposter seven seconds Bild: Netflix

Serienposter seven seconds Bild: Netflix

Genau wie bei The Killing es handelt es sich um ein Remake – in diesem Fall war es allerdings keine komplette Serie, deren Handlung in die USA verlegt wurde. Als Inspiration diente der russische Film Майор, der im Jahr 2013 sowohl in Cannes als auch auf den Filmfestival in Toronto vorgestellt wurde. In dem Film von Yuri Bykow überfährt der russische Polizist Sergei Sobolev versehentlich ein Kind, als er auf dem Weg zu seiner Frau ist, bei der die Wehen eingesetzt haben. Aus Korpsgeist vertuschen die Kollegen das Verbrechen, in dem sie die einzige Zeugin des Vorfalls, die Mutter des Jungen, in Misskredit bringen. Im Laufe der Zeit bereut Sobolev seine Entscheidung und beschließt, zu gestehen und die Strafe dafür in Kauf zu nehmen, doch seine Kollegen sind damit nicht einverstanden, denn jetzt hängen sie ja alle mit drin. Alles in allem handelt es sich um einen ziemlich brutalen Film über Korruption innerhalb der russischen Polizei, den ich mir schon deshalb angesehen habe, weil es auffallend wenig Filme aus Russland überhaupt auf westliche Filmfestivals schaffen.

Es ist kein schöner, sondern ein alles in allem sehr unangenehmer Film, der aber genau deshalb wieder gut ist, weil er genau das Übel, das sein Thema ist, schonungslos offenlegt. Ich kann mir vorstellen, dass die offiziellen russischen Behörden, um die es unter anderem geht, Probleme damit haben. Was wiederum auch erklärt, warum dieser Film im Westen gelaufen ist: Hier wird ja gern gezeigt, was in Russland nicht funktioniert und einfach nur schlimm ist.

Insofern ist es ein besonderes Verdienst von Veena Sud und ihrer Serie, dass sie dieses Übel überaus glaubwürdig in den US-Polizeiapparat verlegt hat: In den USA ist die Korruption im System nicht weniger schlimm. Ich persönlich fände ja auch mal eine Serie gut, in der die Korruption und der Korpsgeist innerhalb der deutschen Polizei einmal kritisch aufgearbeitet würde, die Mordserie des NSU beispielsweise wäre da ein schier unerschöpfliches Thema. Dafür könnte man gern ein paar Millionen aus dem Rundfunkbeitrag abzweigen, den ich jeden Monat zahlen muss, obwohl ich inzwischen lieber Netflix und Amazon kucke. Die ja letztlich auch nur böse Konzerne sind, die Geld scheffeln wollen.

Seven Seconds: Peter Jablonski (Beau Knapp), Felix Osorio (Raúl Castillo) und Mike DiAngelo (David Lyons) Bild: Netflix

Seven Seconds: Peter Jablonski (Beau Knapp), Felix Osorio (Raúl Castillo) und Mike DiAngelo (David Lyons) Bild: Netflix

Zurück zu Seven Seconds: Anders als in The Killing steht hier nicht eine Ermittlerin der Polizei im Vordergrund, die für die Aufklärung des titelgebenden Verbrechens nicht nur ihr Privatleben, sondern auch ihre berufliche Karriere ruiniert, sondern eine Schicksalsgemeinschaft aus sehr unterschiedlichen Menschen, deren Lebenswege sich durch einen tragischen Unfall kreuzen: Als der junge Drogenfahnder Peter Jablonski (Beau Knapp)  an einem kalten Wintermorgen auf dem Weg zu seiner schwangeren Frau ist, die wegen Blutungen ins Krankenhaus musste, telefoniert er mit dem Handy und achtet ein paar Sekunden nicht auf die Straße. Er kollidiert plötzlich mit etwas, was sich wenig später als ein Radfahrer herausstellt – unter dem Fahrzeug ragt der Hinterreifen eines teueren BMX-Rads hervor, in dem eine Pappmaché-Möwe steckt.

Voller Panik informiert der junge Polizist seinen Vorgesetzten Mike DiAngelo (David Lyons), der sich mit seinen Team sofort an den Unfallort begibt. Dem abgebrühten Cop ist gleich klar, dass das nicht gut aussehen wird – ein weißer Bulle überfährt ein schwarzes Kind. Und weil das teure Fahrrad darauf hinweist, dass der Junge zu einer in Jersey City berüchtigten Gang gehört, trifft Captain DiAngelo die folgenschwere Entscheidung, die Sache zu vertuschen. Eigentlich will der ehrliche Cop Jablonski sich stellen, doch DiAngelo überredet ihn, ins Krankenhaus zu seiner Frau zu fahren und ihm und den beiden Kollegen den Rest zu überlassen. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Wie in der russischen Vorlage Майор sind die handelnden Personen gezwungen, im Verlauf der Handlung immer schlimmere Dinge zu tun, um ihre Story glaubwürdig erscheinen zu lassen. Und weil eine Serie sehr viel mehr Zeit für Nebenhandlungen hat, gibt es in Seven Seconds noch zwei bemerkenswerte Antagonisten: Die ermittelnde Staatsanwältin KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und den skeptischen Bullen Joe „Fish“ Rinaldi (Michael Mosley).

Das schwarze Waisenkind KJ wurde von weißen Eltern in einem komfortablen Vorort von New York aufgezogen, konnte von einer erstklassigen Ausbildung profitieren und ist doch ein Wrack, sie hat eine verhängnisvolle Beziehung zu Gin und zu Karaoke-Bars. Im Verlauf der Handlung kommt ihre verstörende Geschichte ans Licht; in ihrer Funktion als Vollstreckerin der Staatsgewalt muss sie Dinge anordnen, die mitunter fatale Auswirkungen auf Unbeteiligte haben. Das musste KJ auf die harte Tour lernen und sie ist daran zerbrochen.

Insofern ist es nicht unbedingt ein Glück für die Eltern von Brenton Butler, dass ihr Fall ausgerechnet bei KJ landet. Aber – wie wir als ausgebufftes Serienpublikum ahnen – KJ wird diesen Fall zu ihrer persönlichen Definition von Sieg oder Niederlage machen und damit dann entweder mit wehenden Fahnen untergehen, oder einen unerwarteten Sieg einfahren. Oder auch keins von beiden, denn das Justizsystem der USA ist, nun ja, kompliziert.

Seven Seconds: Die Eltern Latrice Butler (Regina King) und Isaiah Butler (Russell Hornsby) Bild: Netflix

Seven Seconds: Die Eltern Isaiah Butler (Russell Hornsby) und Latrice (Regina King) Bild: Netflix

 

Der Fall erweist sich für alle Beteiligten als harte Nuss. Das Umfeld von Brenton Butler ist nicht unbedingt ideal: Auch wenn seine Mutter eine Mittelschullehrerin ist und sein Vater ein hart arbeitender Mann, der immer seine Schulden bezahlt und beide Eltern in ihrer Kirchengemeinde gut integriert sind: Der kleine Bruder des Vaters ist Mitglied einer berüchtigten Gang in New Jersey, und dieses teure Fahrrad, mit dem Brenton zum Zeitpunkt des Unfalls unterwegs war, unterstützt die These seiner Gangzugehörigkeit. Und klar, das ist rassistisch, aber dennoch ein Umstand, der gegen ihn spricht: Mitglieder von kriminellen Gangs kommen nun mal schneller unter ungeklärten Umständen zu Tode als unbescholtene Bürger. Angesichts der Faktenlage ist es also naheliegend, Brenton Butler als Opfer eines Konfliktes unter rivalisierenden Gangs zu deklarieren.

Natürlich sind Brentons Eltern mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Ihr Junge war ein guter Junge, und sie bekommen starken Rückhalt in der Black-Lives-Matter-Bewegung. Mit der hat Detective Rinaldi zwar nichts am Hut, aber auch ihm fällt auf, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Er gehört nicht zur eingeschworenen Bruderschaft in seinem Polizeirevier, er ist ein streitbarer Außenseiter, der seinen Job ernst nimmt. Entsprechend hartnäckig ermittelt er in diesem unbefriedigenden Fall, den seine Vorgesetzten nur zu gern zu den Akten legen würden.

Seven Seconds: KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und Joe "Fish" Rinaldi (Michael Mosley) Bild: Netflix

Seven Seconds: KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und Joe „Fish“ Rinaldi (Michael Mosley) Bild: Netflix

Wie in der Vorlage führt der Ermittlungsdruck dazu, dass die Polizisten zu immer extremeren Maßnahmen greifen müssen, um ihre Version des Vorfalls zu stützen. Natürlich bleibt es auch Jablonskis Frau Marie nicht verborgen, dass etwas passiert sein muss: Ihr Peter ist nicht mehr derselbe. Nach und nach gerät das Leben sämtlicher Beteiligten aus den Fugen.

Insgesamt handelt es sich also um eine reichlich düstere Geschichte, in der am Ende alle verlieren. Aber genau das macht die Qualität dieser Serie aus: Die handelnden Personen haben alle vermeintlich gute Gründe, für das, was sie tun. Oder lassen. Ihren persönlichen Maßstäben nach wollen sie einfach das Richtige tun, was sich dann aber als falsch herausstellt. Und auch die Eltern des Opfers Brendon Butler müssen erkennen, dass sie ihren Sohn nicht wirklich gekannt haben. Seven Seconds ist eine mutige und wichtige Serie über soziale und rassistische Vorurteile und gleichzeitig eine Reflexion über Schuld und Sühne. 

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Das Verschwinden von Madeleine McCann

Es gibt immer wieder Kriminalfälle, die ein größeres Publikum erreichen als andere – und hier spielen die Medien oft eine unrühmliche Rolle. Bad news is good news, manches Verbrechen wird nur durch das so genannte öffentliche Interesse ein Skandalfall, also durch Geschäftsmodelle von Medien, die auf die Sensationslust des Publikums setzen. Im Zeitalter von Social Media dreht sich diese Schraube noch schneller, jetzt sind es oft nicht einmal mehr bezahlte Profis, die entsprechend aufbereitete Nachrichten verbreiten, sondern irgendwelche Gaffer, die zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und ungefiltert jeden Scheiß posten, auf dass er massenhaft geteilt und verbreitet werde. Auch deshalb wird es immer schwieriger, zwischen fake news und seriöser Information zu unterscheiden. Und einem Großteil des Publikums ist das vermutlich sowieso egal, das klickt einfach auf alles, was zum eigenen Weltbild passt.

Insofern tue ich mich auch mit den durch vergleichsweise seriöse Contentproduzenten wie Netflix verbreiteten True-Crime-Serien schwer, Stichwort Sensationslust. Obwohl ich andererseits auch wieder gern Dokumentationen sehe, in denen historische Ereignisse aufbereitet werden. Die sind mir zwar oft zu tendenziös, aber man kann nebenbei durchaus interessante Dinge erfahren. Insofern war ich mir nicht sicher, ob ich die seit kurzer Zeit verfügbare Netflix-Doku über den Fall Maddie McCann wirklich ansehen wollte. Ich habs jetzt doch getan, aber aus rein wissenschaftlichem Interesse versteht sich.

Das Verschwinden von Madeleine McCann Bild: Netflix

Das Verschwinden von Madeleine McCann Bild: Netflix

Die kleine Maddie verwand im April 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal, während ihre Eltern mit Freunden in einem Tapas-Restaurant zu Abend aßen. Der Fall ist bis heute nicht gelöst, es wurde weder ihre Leiche gefunden, noch der Verbleib des Kindes aufgeklärt. Der Fall an sich stellt ein reichlich dunkles Kapitel sowohl in Sachen Berichterstattung als auch Polizeiarbeit dar, weshalb sich die Netflix-Doku dann doch lohnt, denn genau hier setzt der Achtteiler an: Die Ereignisse selbst, der Fortgang der Ermittlungen, die Berichterstattung und deren Auswirkungen auf alle Beteiligten werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Wobei die Berichterstattung über diese Doku an sich auch schon wieder ziemlich hysterisch ist: Es mögen vielleicht einzelne Journalisten, die in der Doku zu Wort kommen, aber nicht „die Presse“ an sich etwas aus der zum Teil desaströsen Berichterstattung über diesen Fall gelernt haben. Angeblich neue Erkenntnisse aus der Serie werden derart weitergedreht, dass sich noch die eine oder andere klickträchtige Schlagzeile herrausschinden lässt. Und tatsächlich sind eine ganze Reihe der Fakten, die in den acht Teilen der Serie zusammengetragen werden, im Rückblick geradezu verstörend. Aber das sollte doch gerade Anlass sein, erstmal die Luft anzuhalten und dann noch einmal nachzudenken, anstatt einmal mehr irgendwelche Halbwahrheiten zu neuen Fakten aufzublasen.

Nachdem ich nun alle Teile gesehen habe, kann ich sagen, dass ich die Doku alles in allem ausgewogen und informativ fand, auch wenn ich die ablehnende Haltung der Eltern gegenüber diesem Projekt verstehen kann. Was mich andererseits aber auch wieder ein bisschen wundert, denn in der Vergangenheit haben Kate und Gerry McCann unglaubliche Mittel und Anstrengungen aufgeboten, um in den Medien immer und immer wieder auf das Verschwinden ihrer Tochter hinzuweisen. Was nicht immer und überall gut angekommen ist: So verständlich es ist, dass Eltern alles versuchen, ihr geliebtes Kind zu finden – so drängt sich doch die Frage auf, ob man mit den mehr als elf Millionen Pfund, die diese Suche bisher gekostet hat, nicht auch viele andere Kinder hätten retten können, deren Eltern eben kein Geld und keine großzügigen Sponsoren hatten.

Klar, das ist auch wieder eine dieser zynischen Neiddebatten, die ich zum Kotzen finde, denn es wird in dieser Welt so viel Geld für irgendwelchen Scheißdreck verbrannt, während gleichzeitig Millionen Menschen aus Geldmangel verrecken. Aber hier wird dieses Missverhältnis einmal mehr deutlich: Die einen verkaufen ihre kleinen Kinder für eine Handvoll Dollar an solvente Touristen, die anderen geben Millionen aus, um ihre Kinder vor einem solchen Schicksal zu bewahren. Und selbst das gelingt nicht immer, das ist in diesem Fall noch einmal extra bitter. Zumindest kann man den Eltern von Maddie McCann nicht vorwerfen, dass sie nicht alles versucht hätten, um ihre Tochter wiederzubekommen.

Unter anderem mit diesem Bild bitten die Eltern von Madeleine McCann um Hinweise über den Verbleib ihrer Tochter.

Unter anderem mit diesem Bild bitten die Eltern von Madeleine McCann um Hinweise über den Verbleib ihrer Tochter. Bild: findmadeleine.com

An Anfang der Doku wird noch einmal minutiös aufgedröselt, was am 3. Mai 2007 in Praia da Luz geschah. Dabei kommen Zeugen, Ermittler und Journalisten zu Wort. Insgesamt wird versucht, die unterschiedlichen Interessen und Standpunkte aller Beteiligten an diesem Fall darzulegen: Da sind die britischen Eltern und deren Freunde (auch fast alle Eltern), die ohne ihre Kinder Essen gegangen sind, was bei den Portugiesen vor Ort die Frage provoziert, warum diese Leute ihre kleinen Kinder allein in einer Ferienwohnung gelassen haben, statt sie einfach mit ins Restaurant zu nehmen? Und warum haben sie nicht wenigstens eine Kinderbetreuung engagiert, wo es in der Anlage sogar einen entsprechenden Service gegeben hätte? 

Interessante Frage. Es gibt heute allgemein die Tendenz, dass Kinder zu sehr behütet werden, was ich durchaus auch kritisch sehe. Aber wirklich kleine Kinder, eine nicht einmal Vierjährige mit zwei zweijährigen Geschwistern allein in einer für sie fremden Umgebung (Ferienwohnung) zu lassen, finde ich grenzwertig – warum haben die Erwachsenen der Gruppe sich nicht koordiniert und ihre Kinder gemeinsam in einer Wohnung schlafen lassen, während abwechselnd einer von ihnen Stallwache hatte? Offenbar sind die Erwachsenen dieser Reisegruppe davon ausgegangen, dass ihre Kinder sich wohl fühlen und friedlich schlafen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass fremde Menschen in die Anlage eindringen, um ein Kind mitzunehmen, was den aktuellen Erkenntnissen zufolge geschehen sein muss.

Im Verlauf der Doku stellt sich allerdings auch heraus, dass Maddie nicht das einzige Kind ist, das in dieser Gegend verschwand. Und es kommen eine ganze Reihe Fällen sexueller Belästigung von kleinen Kindern ans Licht, die den Verdacht nahelegen, dass die beliebte Urlaubsgegend an der portugiesischen Algarve auch bei Pädophilen beliebt ist, die sich hier in entspannter Atmosphäre den Objekten ihrer Begierde nähern können, ohne dass das weiter auffällt. Die portugiesische Polizei ermittelte auch in diese Richtung, konzentrierte sich in der Folge aber darauf, den Verdacht gegen die Eltern von Maddie zu erhärten. Es gab einige, wenn auch sehr dünne Spuren, die vermuten ließen, dass Maddie in der Wohnung gestorben sein und die Leiche später von den Eltern versteckt worden sein könnte. Hier wurden offenbar auch Informationen an die Presse weiter gegeben, die sich später als falsch herausstellten, erst einmal aber für eine bösartige Berichterstattung sorgten. Mehrere Boulevardzeitungen entschuldigten sich später bei der Familie McCann und zahlten hohe Entschädigungssummen.

Die McCanns stoppten auch ein Buch von Gonçalo Amaral, dem ersten Chefermittler des Falls, der die These vertrat, Madeleine sei vermutlich durch einen tragischen Unfall gestorben und die Eltern hätten eine Entführung vorgetäuscht und die Leiche verschwinden lassen. Zwei portugiesische Gerichte verboten den Verkauf des Buches und sprachen den Eltern eine Entschädigung zu, die Urteile wurden allerdings von Revisionsinstanzen wieder aufgehoben. Den Schadensersatzprozess vor dem Obersten Gericht in Portugal verloren die McCanns im Jahr 2017 endgültig, weil das Gericht befand, dass Amarals Thesen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Eine Entschädigung bekam auch der als Entführer von Madeleine verdächtigte Brite Robert Murat, der in der Nähe der Ferienanlage wohnte und in den Fokus der Ermittler geriet, eben weil er ständig vor Ort war. In der Doku kommt er ausführlich zu Wort, genau wie auch einer der später von einem britischen Millionär angeheuerten Privatdetektive, der ausführlich in Pädophilenforen ermittelt hat, um Maddie zu finden. Auch wenn er dieses Kind nicht gefunden habe, so konnte er doch umfangreiches Material zusammentragen und der Polizei übergeben, was zur Festnahme einiger der kriminellen Hintermänner geführt hat.

Auch wenn die Doku keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse bietet, so wird in den acht Teilen doch klar, dass die Ermittlungen in diesem Fall häufig mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten können und auch, welche Auswirkungen die gewaltige Medienresonanz hatte, die unter anderem zahlreiche Trittbrettfahrer dazu animierte, angebliche Erkenntnisse teuer verkaufen zu wollen oder mit Fakeseiten im Internet von der Spendenbereitschaft der Leute zu profitieren.

Wer also auf der Suche nach einer interessanten Serie mit einer außerordentlich komplexen Krimihandlung, Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur sowie gesellschaftlicher Relevanz ist, wird mit dieser Dokuserie gut bedient. 

Good Girls: Verbrechen aus Verzweiflung

Von Good Girls ist mittlerweile eine zweite Staffel verfügbar – höchste Zeit, ein paar Worte über die Dramedy mit Christina Hendricks, Mae Whitman und Retta in den Hauptrollen zu verlieren. Die Serie handelt von drei Müttern, die in Detroit finanziell nicht mehr über die Runden kommen und aus Not beschließen, kriminell zu werden. Allerdings ist keine der drei eine geborene Verbrecherin, was zu erwartbaren Komplikationen führt.

Beth Boland (Hendricks) ist eine vorbildliche amerikanische Hausfrau, die darin aufgeht, ihre vier Kinder und ihren Mann zu umsorgen. Ihr Leben bricht zusammen, als sie herausfindet, dass ihr Mann Dean (Matthew Lillard), der in Detroit ein Autohaus führt, sie mit seiner Sekretärin betrügt und hinter ihrem Rücken erhebliche Schulden angehäuft hat, so dass die Familie Gefahr läuft, ihr schönes Haus zu verlieren. Anders als ihre chaotische jüngere Schwester Annie (Whitman) ist Beth gut organisiert und weiß eigentlich immer, was zu tun ist.

Good Girls: Mae Whitman, Retta und Christina Hendricks

Good Girls: Mae Whitman, Retta und Christina Hendricks

Annie ist die alleinerziehende Mutter einer Tochter, die Probleme mit ihrer sexuellen Identität hat und deshalb in der Schule schikaniert wird. Sadie (Izzy Stannard) trägt lieber Männersachen und ist für ihr Alter erstaunlich reif. Sie hängt an ihrer Mutter, weil sie weiß, dass Annie alles für sie tun würde und verzeiht ihr deshalb, dass sie in Alltagsdingen immer wieder versagt.

Die dritte im Bunde ist Ruby (Retta), die als Kellnerin in einem Diner arbeitet. Ihr Mann Stan (Reno Wilson) ist Sicherheitskraft in einer Shopping Mall. Er strebt allerdings nach Höherem und hat sich bei der Polizei beworben. Ruby und Stan haben zwei Kinder, die ältere Tochter Sara (Lidya Jewett) ist schwer krank und bräuchte eigentlich sehr teure Medikamente oder eine Nierentransplantation, die sich ihre Eltern natürlich nicht leisten können.

Die drei Freundinnen treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Fernsehen und beschließen in einer Mischung aus Sektlaune und Verzweiflung, den Supermarkt zu überfallen, in dem Annie als Kassiererin arbeitet. Dank Annies Insiderkenntnissen gelingt der Coup, obwohl nicht alles glatt läuft: Annies Schichtleiter Boomer (David Hornsby) erkennt seine maskierte Kassiererin an einem markanten Tattoo. Und dann haben die drei noch ein ganz anderes Problem: Es war viel zu viel Geld im Safe.

In diesem Supermarkt wurde Schwarzgeld gewaschen, und die wirkliche kriminelle Gang hinter diesem Geschäft will natürlich ihr Geld zurück. Damit landen Beth, Annie und Ruby in einer Welt, für die sie nicht geschaffen sind. Oder vielleicht ja doch…?

Vor allem die gut organisierte Beth erweist sich als kreativ und entschlossen, den neuen Herausforderungen zu begegnen. Sie kann Rio (Manny Montana), den Chef der kriminellen Gang überzeugen, die solide Bürgerlichkeit der drei Freundinnen für seine Zwecke zu nutzen: Wenn eine von ihnen umkäme, würde das gründliche Ermittlungen nach sich ziehen, denn sie sind eben good girls, unbescholtene Bürgerinnen, die von ihren Familien und Freunden vermisst würden. Aber als solche haben sie beispielsweise auch offizielle Papiere, echte Pässe, mit denen sie unauffällig ins Ausland reisen können.

Good Girl: Hausfrauen überfallen Supermarkt Bild: NBC

Good Girl: Hausfrauen überfallen Supermarkt Bild: NBC

Damit wird die Grube, die die drei Freundinnen sich graben, immer größer, zumal sie es nicht schaffen, sich ungeliebte Mitwisser auf unbürokratische Weise vom Hals zu schaffen. Es ist ein bisschen wie Breaking Bad, allerdings weniger subtil. Nun würde ich der Good-Girls-Erfinderin Jenna Bans nicht unterstellen, ein neues Breaking Bad schaffen zu wollen, denn Jenna Bans kommt aus dem Shonda-Rhimes-Universum, das für Serien wie Grey’s Anatomy, Scandal oder How To Get Away With Murder verantwortlich ist. Also für eher krachige, aber unterhaltsame Shows und gerade nicht für subtiles story telling.

Wobei, ein bisschen mehr Reflexion hätte Good Girls schon gut getan: So pragmatisch die Freundinnen mit den Situationen umgehen, in die sie geworfen werden: Keine der drei kommt auf die Idee, zu hinterfragen, warum die Dinge so sind, wie sie sind: Die Hypothek auf das Haus muss bezahlt werden, koste es, was es wolle. Warum darf die Bank oder wer immer Eigentümer der Immobilie ist, die Beth mit ihrer Familie bewohnt, eigentlich einen Großteil ihres mühsam ergaunerten Einkommens abzocken, nur weil die Familie irgendwo wohnen muss?

Und es ist rührend, dass Beth ein Problem damit hat, nette Rentnerinnen zu bestehlen. Aber warum hat sie darüber überhaupt nachgedacht, anstatt sich damit zu beschäftigen, wie man diejenigen schädigen könnte, die wirklich ohne Ende Kohle haben? Warum plagt Ruby sich damit ab, Zehntausende von Dollars zusammenzukratzen, die sie dem privat organisierten US-Gesundheitssystem in den Rachen wirft, statt einmal darüber nachzudenken, warum es kein Gesundheitssystem gibt, in dem ihre Tochter einfach versorgt würde, weil sie die Medikamente halt braucht, die sie braucht?!

Gut, das kann man von US-Drehbuchautorinnen nicht wirklich erwarten, die kennen ja kein anderes System, und sie sind in einem System aufgewachsen, in dem der Gedanke an ein anderes spätestens durch Joseph McCarthy nachhaltig ausgerottet wurde. Bei aller Sympathie, die sie für ihre verzweifelten, um die Zukunft ihrer Kinder kämpfenden, aber leider auf die schiefe Bahn geratenden Protagonistinnen entwickeln – es wird immer nur gezeigt, wie Menschen in dem offenbar von Gott gegebenen System agieren, wofür man dann Verständnis haben kann oder auch nicht. Das System als solches wird niemals angezweifelt, obwohl es objektiv mehr als genug Gründe dafür gäbe.

Aber abgesehen von diesen Überlegungen, die vermutlich auch dem durchschnittlichen deutschen Serienpublikum nicht in den Sinn kommen würden, ist Good Girls durchaus gute Unterhaltung: Gerade die Mischung aus Krimidrama und Comedy hat mir gefallen – für eine Familien-Sitcom ist die Geschichte vielleicht doch zu brutal, aber durch das Überangebot von ernst gemeinten Krimiserien bin ich für diese locker flockig aufbereitete Krimisatire schon wieder dankbar. Zumal es einfach Spaß macht, Christina Hendricks, Mae Whitman und Retta beim Spielen zuzusehen. 

The Break: Grüße aus Heiderfeld

Ein Verdienst von Netflix ist zweifelsohne, dass die Plattform sich ausdrücklich auch um die Interessen ihrer Nicht-US-Kunden bemüht, weshalb es für das europäische Publikum eine ganze Reihe europäischer Serien gibt. Selbst in den einschlägigen US-Foren lese ich inzwischen Dinge wie „vergesst das US-Remake von Broadchurch, schaut euch lieber das Original an!“ Den Titel Broadchurch kann man selbstverständlich durch andere ersetzen, US-Remakes von europäischen Serien gibt es ja mehr als genug. Weiterer Vorteil: Netflix bietet viele Originalversionen an. Vor einiger Zeit bin ich auf die belgische Serie La Trêve gekommen, die für deutsche Kunden unter dem Titel The Break angeboten wird. Der Zehnteiler spielt in der Wallonie, die Originalsprache ist also Französisch, was gut zu meinem Vorsatz passt, meine Französischkenntnisse mit entsprechenden Serien wieder aufzupolieren.

The Break Belgische Serie auf NetflixThe Break Belgische Serie auf Netflix

The Break Belgische Serie auf Netflix Bild via youtube

Nach dem Tod seiner Frau kehrt Kriminalkommissar Yoann Peeters (Yoann Blanc) der belgischen Hauptstadt Brüssel den Rücken und zieht mit seiner Teenagertochter Camille (Sophie Breyer) wieder aufs Land, zurück nach Heiderfeld, das Peeters vor vielen Jahren verlassen hat. Zu Peeters Erstaunen hat sich gar nicht viel verändert: Heiderfeld ist noch immer die piefige Kleinstadt, in der jede und jeder meint, jeden und jede zu kennen. Aber wie Peeters inzwischen erfahren musste, kennt man die Menschen niemals wirklich. Und natürlich wird er damit recht behalten: Im Laufe der Handlung kommen eine ganze Menge irritierender Details über die Bewohner von Heiderfeld als Licht, die mehr schmutzige Geheimnisse haben, als man ihnen zutrauen würde.

Vorerst jedoch sieht alles nach einer halbwegs harmonischen Heimkehr aus, unter anderem will Peeters seine Tochter Camille vor den Gefahren der Großstadt schützen. Aber wie sich ahnen lässt, wird das nicht funktionieren. Jugendliche wollen nun einmal Dinge ausprobieren und die Erwachsenen können  nichts dagegen tun, das gilt auf dem Land genau wie in der Großstadt.

Überhaupt scheint das Leben in Heiderfeld nicht ungefährlich zu sein: Der Kommissar hat noch gar nicht damit angefangen, seine Umzugskartons auszupacken, da klingelt es an der Tür. Der junge Kollege Sebastian Drummer (Guillaume Kerbusch) steht vor der Tür, es ist Sonntag, er hat den Chef nicht erreicht und es wurde eine Leiche im Fluss gefunden. Vermutlich ein Selbstmord, aber es ist Drummers erster Toter. Deshalb bittet er den erfahrenen Kollegen um Hilfe.

Es stellt sich schnell heraus, dass Kommissar Peeters Vorstellungen von professioneller Polizeiarbeit nicht mit dem Alltag der dörflichen Polizeistelle von Heiderfeld kompatibel sind: Schaulustige haben sich um die Leiche versammelt, die fröhlich sämtliche Spuren zertrampeln, die es eventuell gegeben hätte. Für die Leute im Ort ist die Sache klar: Der junge Mann hat sich von der alten Eisenbahnbrücke in den Fluss gestürzt, aus dem er nun geborgen wurde. Es sei nicht der erste, heißt es. Nicht umsonst werde die Brücke „Selbstmörderbrücke“ genannt.

Bei dem Toten handelt es sich um Driss Amani (Jérémy Zagba), einen jungen Schwarzafrikaner, einen begabten Fußballer. Dank Driss ist Heiderfeld in die 3. Liga aufgestiegen. Peeters ist mit der Selbstmordtheorie nicht zufrieden. Als sein direkter Vorgesetzter Rudy Geeraerts (Jean-Henri Compère) ihm weitere Ermittlungen praktisch verbietet, weil der eine Obduktion der Leiche für überflüssig hält, ist Peeters davon überzeugt, dass an der Sache irgendetwas extrem faul ist.

Und faul ist in Heiderfeld so einiges. Die Methoden etwa, mit denen die Bürgermeisterin Brigitte Fischer (Catherine Salée) ein ehrgeiziges Infrastrukturprojekt durchdrücken will: Einen Staudamm, der Energie erzeugen und Arbeitsplätze in die strukturschwache Region bringen soll. Allerdings müssen dafür ein Dutzend alteingessener Bauern überzeugt werden, ihr Land aufzugeben. Keine leichte Aufgabe bei den Heiderfelder Sturköppen. Und der Fußballverein wird ausgerechnet von einem Manager betreut, der jahrelang wegen Korruption gesperrt war. Egal welchen Stein Peeters umdreht, er entdeckt dunkle Geheimnisse, mit deren Aufdeckung der Fall immer mysteriöser wird.

Dazu kommt, dass Peeters nicht der diplomatischste Typ ist und aufgrund der stressigen Situation immer mehr Medikamente einwirft. Dass die Sache nicht gut ausgegangen sein kann, ist von Anfang an klar, denn Peeters befindet sich in einer psychiatrischen Anstalt, wo er von der kriminologischen Gutachterin Dr. Orban (Jasmina Douieb) befragt wird. Peeters leidet an einer Amnesie und versucht gemeinsam mit Dr. Orban die Erinnerungslücken zu füllen. Das wird ein Stück harter Arbeit, macht die Sache aber bis zum Schluss spannend: Mit jedem Detail, an das Peeters sich wieder erinnert, nimmt der Fall eine neue Wendung.

Dazu passend wird die Handlung mit ungewöhnlichen Landschaftsaufnahmen illustriert, die zerklüfteten Schluchten der Ardennen mit ihren dichten Wäldern erscheinen so schroff und düster wie das Innenleben des Yoann Petersen. Insofern ist La Trêve nicht nur für Krimifans interessant, die Serie bietet auch Einblicke in eine geheimnisumwitterte Region mitten in Europa. 

 

True Detective 3: Vom Verschwinden

True Detective war eine der ganz großen Serien im Jahr 2014, die zweite Staffel im Jahr danach war eine ebenso epische Enttäuschung. Auch wenn das ein bisschen ungerecht ist, denn an sich war die Geschichte gar nicht schlecht. Sie war nur völlig so völlig anders.

Außerdem fehlte eben dieses spezielle True-Detecive-Feeling, dieses düstere Geheimnis hinter einen rätselhaften Fall, das die Protagonisten Rust und Hart so sehr in den Bann zog, das sie selbst ein Teil davon wurden. Und dann dieses schwüle, sehr ländliche Louisiana und natürlich die schwer philosophischen Gaga-Dialoge von Rust und Hart – was man so redet, wenn der Tag lang ist und man nicht weiter kommt und privat eigentlich auch ganz andere Sorgen hat, das aber keinesfalls zugeben will.

Detective Wayne Hays (Mahershala Ali) ist ein gute Spurenleser. Bild: HBO

Detective Wayne Hays (Mahershala Ali) ist ein gute Spurenleser. Bild: HBO

Das lange Warten auf die dritte Staffel hat sich definitiv gelohnt: Mit Wayne Hays (Mahershala Ali) und Roland West (Stephen Dorff) gibt es wieder ein echtes True-Detective-Team, das dieses Mal in den Ozarks ermittelt, einem gleichfalls sehr ländlichen Gebiet, das von einem wirtschaftlichen Niedergang gezeichnet ist. Jedenfalls sind viele Orte in Fortgang der Handlung verlassen und verfallen. 

Die Geschichte wird in drei Zeitebenen erzählt: Es gibt den eigentlichen Fall von 1980, die Wiederaufnahme der Ermittlungen zehn Jahre danach und schließlich eine Dokumentation durch eine investigative Journalistin im Jahr 2015, die in dieser Dokumentation über den noch immer nicht gelösten Fall nachweisen will, dass bei den Ermittlungen 1980 und 1990 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Deshalb hat sie den alternden und inzwischen an Gedächtnisstörungen leidenden Hays aufgerieben, der damals auch unzufrieden mit dem Verlauf der Dinge war.

Dumm nur, dass er sich eben nicht mehr an alles erinnern kann. Aber eins wird klar: Dieser Fall hat ihn nicht mehr los gelassen. Und das gilt nicht nur ihn, sondern auch für seine Frau Amelia (Carmen Ejogo). Wayne hat Amelia im Zuge seiner Ermittlungen kennen und lieben gelernt. Amelia war die Englischlehrerin der verschwundenen Kinder. Auch Amelia beschäftigt sich intensiv mit dem Fall, erst hilft sie den beiden Detectives bei den Ermittlungen, später schreibt sie ein Buch darüber.

Wayne (Mahershala Ali) und Amelia (Carmen Ejogo)

Wayne (Mahershala Ali) und Amelia (Carmen Ejogo) Bild: HBO

Die zehn- und zwölfjährigen Geschwister Julie und Will Purcell verschwinden am 7. November 1980 im Wald in der Nähe ihres Wohnorts in den Ozarks. Ihr Vater Tom (Scoot McNairy) ging davon aus, dass sie bei einem Schulfreund zum Spielen verabredet gewesen wären, doch es stellt sich heraus, dass sie niemals dort angekommen sind. Einige Zeugen haben die Kinder am Nachmittag noch gesehen, wie sie auf ihren Fahrrädern unterwegs gewesen sind, doch dann verliert sich ihre Spur.

Die alarmierten Arkansas State Police Detectives Hays und West gehen erst einmal davon aus, dass es ein Routinefall wird, meistens finden sich verschwundene Kinder in wenigen Tagen wieder. Doch schnell wird klar, dass sie auch nicht bei der Mutter Lucy (Mamie Gummer) sind, die kurze Zeit später auftaucht und ihren Mann wüst beschimpft.

Wayne, genannt Purple Hays, hat seine Einsätze als Soldat in Vietnam überlebt, weil er ein hervorragender Spurenleser ist. Diese Fähigkeit nutzt er auch im Polizeidienst – und er findet schließlich die Leiche des Jungen. Seine Schwester Julie allerdings bleibt verschwunden. Hays und West gehen einer Menge Spuren nach, aber sie finden Julie nicht.

Wayne (Mahershala Ali), Roland West (Stephen Dorff) und Tom Purcell (Scott McNairy), der Vater der verschwundenen Kinder Bild HBO

Wayne (Mahershala Ali), Roland West (Stephen Dorff) und Tom Purcell (Scott McNairy), der Vater der verschwundenen Kinder Bild HBO

Und wie sich im Nachhinein herausstellt, wurde nicht so gut und sauber ermittelt, wie sich die damaligen Ermittler zu erinnern vermeinen – nach einer neuen Spur wird der Fall zehn Jahre später noch einmal aufgerollt, Roland, der inzwischen Lieutenant West ist, holt seinen alten Partner an Bord, der nach dem unbefriedigenden Abschluss der ersten Ermittlungen auf einen unattraktiven Schreibtischjob abgeschoben wurde. Doch auch im Zuge der Wiederaufnahme gelingt es Hays und West nicht, den Fall zu lösen. Allerdings erhärtet sich der Verdacht, dass möglicherweise eine größere Verschwörung dahinter steckt, denn es gibt im Umfeld der Ermittlungen eine ganze Reihe merkwürdiger Todesfälle.

Und im Jahr 2015 muss Wayne feststellen, dass die investigative Journalistin Eliza Montgomery tatsächlich einige Informationen hat, von denen er nichts wusste – wobei nicht ganz klar ist, ob er vielleicht doch inzwischen einfach nur viel mehr vergessen hat, als er wahrhaben wollte. Oder vielleicht wollte er manches auch vergessen, denn sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Ermittlung sind einige Dinge ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Auf jeden Fall beschäftigt ihn die Sache so sehr, dass er beschließt, mit Roland Kontakt aufzunehmen, den er seit fast 25 Jahren nicht mehr gesehen hat. Er will jetzt endlich wissen, was damals wirklich passiert ist.

True Detectives: Roland West (Stephen Dorff) und Wayne Hays (Mahershala Ali) Bild: HBO

True Detectives: Roland West (Stephen Dorff) und Wayne Hays (Mahershala Ali) Bild: HBO

Die dritte Staffel bietet wieder alles, was True-Detective-Fans von ihrer Serie erwarten: Einen vertrackten Fall mit vielen Sackgassen und komplizierte Charaktere, die intensive, aber schwierige Beziehungen haben. Auch optisch und akustisch ist die Staffel wieder ganz großes Kino, ich habe jeden einzelnen Teil genossen, auch wegen des großartigen Mahershala Ali. Vor allem wie der alternde Wayne versucht, das Rätsel seines Lebens am Ende doch noch zu lösen, während er um sein entschwindendes Erinnerungsvermögen ringt, ist anrührend und beeindruckend.

 

Deutsche Serie kommt auf den Hund

Netflix produziert weiterhin Serien, und zwar zu viele davon. Überhaupt gibt es inzwischen viel zu viele Serien. Als Serienjunkie fühle ich mich von der schieren Masse des Angebots total überfordert – es ist überhaupt nicht mehr möglich, alles anzusehen, was gerade irgendwie in ist, selbst wenn man den ganzen Tag Zeit dafür hätte. Und wer auf andere Art und Weise Geld verdienen muss, hat sowieso verloren. Trotzdem kann ich es nicht lassen und schaue immer wieder in Serien hinein – aber ich bleibe nur noch dabei, wenn mich die ersten 10, 15 Minuten wirklich überzeugen. Deshalb habe ich vor Jahren bereits den Tatort aufgeben, obwohl ich da jahrzehntelang so etwas wie ein Gewohnheitsfan war. Dieser alte Zopf ist ab, in der Zeit kann man wirklich Besseres kucken.

Dennoch muss ich zugeben, dass es natürlich Serien gibt, die gewisse Vorschusslorbeeren mitbringen, weshalb ich beim Reingucken großzügiger bin als bei solchen, von denen ich noch nie gehört habe. Etwa bei Netflixserien, die von exotischen Ländern außerhalb des anglo-amerikanischen Serienkontin(g)ets produziert werden. So gibt es nach Dark eine weitere deutsche Netflixserie, die bereits seit einiger Zeit auf Netflix zu sehen ist: Dogs of Berlin. Zwar war schon Dark nicht der große Wurf, auf den ich gehofft hatte, aber doch ganz okay: Eine interessante Geschichte mit verschiedenen Zeitebenen, aber einem leider total überambitionierten Soundtrack, der mich zunehmend genervt hat. Ich muss nicht mit viel zu lauten Geräuschen darauf hingewiesen werden, dass jetzt etwas Merkwürdiges passiert. Subtilität ist eine Tugend. Aber nicht die der deutschen Serie. Und Dogs of Berlin ist insofern eine total deutsche Serie, weil, etwas Unsubtileres habe ich selten gesehen. Außer in Amiserien versteht sich. Aber da regt sich keiner drüber auf. Die Amis dürfen das. Die wählen ja auch Typen wie Donald Trump als Präsident.

Dogs of Berlin - die deutsche Serie ist auf den Hund gekommen. Aber ich finde das gar nicht schlimm.

Dogs of Berlin – die deutsche Serie ist auf den Hund gekommen. Aber ich finde das gar nicht schlimm. Bild via Filmstarts.de

Also: Dogs of Berlin. Das ist definitiv etwas ganz anderes. Kann man so nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bringen, wobei, eigentlich wurde total auf Proporz geachtet: Es gibt einen aufrechten schwulen türkischen Ermittler, einen spielsüchtigen deutschen LKA-Typ mit Neonazivergangenheit, eine deutsche Hartz-4-Mutti, die ihren Kindern zerbröselte Kekse mit Kakao als Frühstück improvisiert und ihre Nächte lieber mit zweifelhaften Liebhabern, Computerspielen und einem illegalen Nebenverdienst an der Sexhotline verbringt, als gleich früh morgens in ihr trostloses Loserleben in Marzahn-Hellersdorf durchzustarten. Außerdem gibt eine politisch-korrekte, lesbische Polizeipräsidentin, die mindestens so streng ist wie Mutti Merkel, und schließlich noch einen toten türkischen Nationalspieler, den die deutsche Fußballmannschaft ganz dringend brauchen würde, wenn sie nicht gleich wieder aus der Vorrunde von was auch immer fliegen will. Und alle anderen Figuren sind genauso schon Karikaturen ihrer selbst wie die bereits genannten.

Aber genau das ist dann auch wieder cool, weil es konsequent durchgezogen wird. Katrin Sass als Neonazi-Oma, die ihren Enkeln auf dem Spielplatz beibringt, dass sie sich gegen „diese Kuffnutten“ durchzusetzen hätten und im Zoo doziert, dass gewisse Arten halt verdienen, auszusterben, ist gruselig, bringt aber diese ekelhafte Einstellung genau auf den Punkt. Okay, der Rest der Neonazi-Kameradschaft ist irgendwie viel zu 90er, das Problem derzeit sind ja viel eher die Nazis in den feinen Anzügen der Neoliberalen, die sich in der AfD organisieren, als die tätowierten Prolls, die ein sehr eingeschränktes Weltbild, reichlich kriminelle Energie und einen Faible für mittelalterliche Bestrafungsrituale haben und damit ihren Kollegen von den türkischen Rockergangs ziemlich ähnlich sind. Deshalb kann die Ehefrau von LKA-Ermittler Grimmer dann sogar mit einem von den türkischen Rockern, die auch ihren feinen Laden mit überflüssigen Dingen in Prenzlauer Berg zwecks Schutzgelderpressung heimsuchen, etwas anfangen. Sie glaubt, dass man mit totaler Ehrlichkeit jeden retten kann.

Und das war längst nicht alles, natürlich gibt es noch die Osteuropa-Connection mit Mišel Matičević und einen fiesen arabischen Clanchef samt Clan und dann natürlich noch die abgedrehten Luxusfußballer der Nationalmannschaft, die inzwischen einen eigenen Dienstleister haben, der hinter ihnen her räumt. Oder hinter ihnen her räumen lässt, deshalb gibt es ja eine Figur wie Trinity Sommer (Hannah Herzsprung), eine Mischung aus Modesty Blaise und Jessica Jones, aus der man gelegentlich mehr machen könnte. In dem Zusammenhang ist sie eher unglaubwürdig, aber im Prinzip finde ich, dass es viel zu wenig solcher Superheldinnen gibt.

Der Tenor vieler Kritiken, die ich dazu gelesen habe, ist: Dogs of Berlin sei der schlechtere Abklatsch von 4 Blocks. Da ist etwa dran, gleichzeitig finde ich das aber auch ungerecht, denn der Stoff, aus dem Dogs of Berlin gemacht sein soll, sei deutlich älter als 4 Blocks, las ich zumindest, und das würde einiges erklären. 4 Blocks ist ja tatsächlich eine gute Serie, obgleich ich sagen muss, dass die zweite Staffel gegenüber der ersten deutlich zurück fällt, Vince fehlt einfach.

Dogs of Berlin ist allerdings etwas ganz anderes, diese Serie ist im Grunde bereits ihre eigene Satire, ähnlich wie das bei Homeland oder House of Cards oder Designated Surviver der Fall ist. Diese Serien suhlen sich in Klischees und tragen extrem dick auf, und genau das macht ja auch den Spaß daran aus: Natürlich ist das nur ein Zerrbild unserer Realität, aber eben ein unterhaltsames. Wenn man sich darauf einlässt, einfach mal eine deutsche Krawumm-Serie zu sehen, dann ist Dogs of Berlin keine schlechte Wahl. Eine soziologisch relevante Studie unserer Gesellschaft ist sie nicht. Und ein politisch korrekter oder lieber nicht korrekter, aber intellektuell ernstzunehmender Kommentar zum Zeitgeschehen erst recht nicht. Und auch wenn ich sehr intensiv nachdenke, fallen mir kaum Serien ein, die solche Kriterien bedienen könnten. The Wire vielleicht, um im Genre zu bleiben. Die früheren Tatorte zum Teil. Ansatzweise KDD – Kriminaldauerdienst.

Wie auch immer, die deutschen Kritiker sollten sich mal keinen Kopf machen von wegen „oh Gott, das kann man jetzt mit Netflixabo auf der ganzen Welt sehen, was sollen die Leute nur von uns denken!“ Genau so geht deutsche Serie. Also wenn man es nicht jedem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk recht machen muss, was in der Regel dazu führt, dass noch stereotypere Klischees bedient werden müssen und es noch weniger lustig ist. Bin ich jetzt nicht besonders stolz drauf, aber trifft den Kern der Sache. Natürlich wünsche ich mir, dass es demnächst endlich mal wieder etwas richtig Gutes gibt. Übung macht den Meister. 

Sex, Drugs and Techno

Amazon hat inzwischen eine zweite deutsche Eigenproduktion im Angebot: Beat. Und Beat ist zum Glück nicht so schlecht wie You are Wanted, aber das heißt nicht sehr viel, denn der erste Serienversuch von Matthias Schweighöfer war wirklich nicht gut. Beat gefällt mir schon deutlich besser: Allein dass der Protagonist Robert Schlag (Jannis Niewöhner), der von allen nur Beat genannt wird, seit mindestens zehn Jahren täglich gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt, gibt der Serie den entscheidenden Kick, den Beat sich damit selbst verpasst: Er bringt die Welt in die Ordnung, in der er sie erträgt. Und der Tag ist voller Arschlöcher.

Amazons neue Serie: Beat mit Jannis Niewöhner Bild: Amazon

Amazons neue Serie: Beat mit Jannis Niewöhner Bild: Amazon

Damit Beat nicht allzu vielen Arschlöchern begegnen muss, macht er die Nacht zum Tag. Er feiert seine Nächte im coolsten Club Berlins durch und versorgt seine Gemeinde der Techno- und Tanzwütigen mit allem, was sie zum Feiern brauchen. Den Club hat er vor Jahren zusammen mit seinem besten Freund Paul (Hanno Koffler) gegründet. Im Gegensatz zu Beat hat Paul inzwischen aber Frau und Kind, er sorgt sich um seine bürgerliche Existenz, was Beat irgendwie als Verrat empfindet, auch wenn er seinen Freunden natürlich immer ein guter Freund ist. Richtig sauer wird Beat, als er erfährt, dass Paul aus finanziellen Gründen einen weiteren Geschäftspartner am Club beteiligt hat. Es handelt sich ausgerechnet um Philipp Vossberg (Alexander Fehling), der ein hohes Tier in einem internationalen Konzern ist, der mit zweifelhaften Geschäften Milliarden umsetzt.

Dass Vossberg der Kopf eines kriminellen Netzwerks von Waffen-, Drogen- und Menschenhändlern ist, vermutet auch der europäische Geheimdienst ESI. Deshalb wird die ESI-Agentin Emilia (Karoline Herfurth) auf Beat angesetzt: Sie soll den in der Berliner Subkultur gut vernetzten Beat dazu bringen, als Informant für ESI zu arbeiten und Vossberg und dessen Umfeld ausspähen. Dazu hat Beat allerdings wenig Lust, auch wenn er Vossberg nicht leiden kann. Aber Emilia und ihr Vorgesetzter Richard Diemer (Christian Berkel) verfügen als Geheimdienstler über allerhand Möglichkeiten, die auch den eigenwilligen Beat nicht unbeeindruckt lassen, so dass er schließlich, wenn auch widerwillig, mitmacht. Leider rutscht die Geschichte damit dann komplett in eine ziemlich krude Krimihandlung ab, was ich schade finde, denn es wäre ja theoretisch durchaus denkbar, ausnahmsweise mal eine Serie zu machen, die keine Krimiserie ist.

Beat (Jannis Niewöhner) in seinem Element Bild: Amazon

Beat (Jannis Niewöhner) in seinem Element Bild: Amazon

Warum nicht mal einfach eine Serie über schräge Vögel in der Berliner Clubszene? Da gäbe es doch Stoff genug, und man muss es ja nicht so bombastisch aufziehen wie es HBO mit The Get Down versucht hat. Es zeigt sich immer wieder, dass weniger mehr sein kann. Und melancholische Bilder von Zerfall und Niedergang gibt das Berliner Umland auch ohne die schrecklichen Dinge her, die sich die Serienmacher extra ausgedacht haben.

Klar gibt es viel Böses in der Welt, aber der Alltag ist doch auch so schon beschwerlich genug. Insbesondere, wenn man als Mensch, der nicht scharf auf eine bürgerliche Karriere mit anstrengendem Arbeitstag und Familienleben ist, damit klar kommen muss, dass man sich heutzutage in Berlin längst nicht mehr so gut durchschlauchen kann wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Das wäre meiner Ansicht nach ein geradezu unerschöpfliches Thema, das eine ganze Reihe Serien füllen könnte, wenn man nur kreative Menschen mit Tiefgang und Humor einfach mal machen lassen würde. Oder meinetwegen auch ohne Tiefgang aber mit Humor, wie das Team hinter Gutes Wedding Schlechtes Wedding.

Diemer (Christian Berkel) und Emilia (Karoline Herfurth) wollen Beat als Informant anwerben. Bild: Amazon

Diemer (Christian Berkel) und Emilia (Karoline Herfurth) wollen Beat als Informant anwerben. Bild: Amazon

Nun ist Beat nach einem vielversprechenden Auftakt aber leider doch wieder nur eine Krimiserie geworden, deren Handlung es so ähnlich schon mal in einem NDR-Tatort mit Cenk Batu (Mehmet Kurtuluş) gegeben hat, damals allerdings ohne Techno und Drogen. Und ohne RAF-Bezug. An sich finde ich es auch keine schlechte Idee, die letzten der RAF zugeschriebenen Morde, die allesamt nicht aufgeklärt wurden, für eine Serie aufzugreifen. Oder die Frage nach dem Verbleib der mutmaßlichen RAF-Mitglieder zu stellen, die nicht gefasst werden konnten. Aber in Beat wirkt das ziemlich an den Haaren herbeigezogen und das nervt. Nicht alle Eltern, die plötzlich verschwinden, müssen Terroristen sein. Ein Verkehrsunfall ist viel realistischer, das passiert gar nicht so selten.

Und nicht alle, die eine schwere Kindheit hatten, müssen als Psychopathen enden. Hier nervt die Serie mit einem weiteren, schon viel zu oft bemühten, Klischee, zumal die Figur des unheimlichen Jasper Hoff (intensiv und verstörend gespielt von Kostja Ullmann), nachdem sie mühevoll aufgebaut wurde, plötzlich fallengelassen wird. Vielleicht sollte man auch hierzulande mal versuchen, nicht einfach einen Drehbuchautor vor sich hinschreiben zu lassen, sondern ein Team von Autoren auf eine Serie anzusetzen, die gegenseitig auf sich aufpassen, dass sie sich nicht in immer weiteren Einfällen verheddern, sondern statt dessen vielschichtige und trotzdem plausible Charaktere entwickeln und für diese dann spannende und komplexe Handlungsbögen konstruieren, in denen nicht immer willkürlich neue Fässer aufgemacht, sondern auch mal etwas genauer analysiert und nachvollziehbar motiviert und, ja, der eine oder andere Handlungsstrang vernünftig zu Ende gebracht wird.

Der Serienspychopath Jasper (Kostja Ullmann) Bild: Amazon

Der Serienspychopath Jasper (Kostja Ullmann) Bild: Amazon

Alles in allem ist Beat aber trotzdem nicht schlecht, allein die Besetzung ist top, Jannis Niewöhner überzeugt als idealistischer Realitätsverweigerer, der immer mehr Drogen braucht, um die Grausamkeit des Alltags und der Welt zu ertragen. Bleibt zu hoffen, dass eine nächste deutsche Serie für den internationalen Markt noch besser wird.