Bosch: Die 3. Staffel lohnt sich

Hieronymus Bosch, der knurrige Detective von der Mordkommission des LAPD, ist mein derzeitiger Lieblingsermittler aus den USA. Insofern war ich sehr erfreut, dass die dritte Staffel der Serie Bosch in Deutschland zeitnah zur Verfügung stand.  Die neue Staffel setzt 16 Monate nach den Ereignissen der zweiten Staffel ein – hier ging es unter anderem um einen Mordfall, in den die armenische Mafia verwickelt war und den Tod des Sohnes von Deputy Chief Irvin Irving (Lance Reddick), der während eines Einsatzes erschossen wurde. Außerdem konnte Bosch endlich den Mord an seiner Mutter aufklären – der ihn allerdings auch in der dritten Staffel noch nicht wirklich los lässt.

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Während Bosch (Titus Welliver) gemeinsam mit der Staatsanwältin Anita Benitez (Paola Turbay) darum kämpft, dass seine Ermittlungen aus der Staffel zuvor überhaupt zu einem Prozess führen, liegt schon eine neue Leiche in einem schäbigen Wohnmobil. Die Kollegen winken ab – es sieht nach einem Mord im Obdachlosen-Mileu aus, ziemlich aussichtslose Sache. Aber die sind, wie wir wissen, Boschs besondere Spezialität: Entweder zählt jeder oder keiner.

Also fängt Bosch an zu ermitteln. Es dauert gar nicht lange, da fällt Bosch eine zweite Leiche vor die Füße – oder eher auf die Füße, denn der mutmaßliche Mörder Billy Meadows, den Bosch schon seit einiger Zeit rankriegen will, begeht Selbstmord. Die Kollegen, die den Fall übernehmen, kommen schnell darauf, dass hier wohl nachgeholfen wurde – was für Bosch aber blöd ist, denn dadurch kommen sie auch seiner eigenmächtigen Ermittlung auf die Spur: Bosch hatte heimlich Kameras installiert, um den Kerl zu überwachen. Vor allem Boschs Partner Jerry Edgar (Jamie Hector) ist irritiert, als die Kollegen ihm stecken, dass Bosch offenbar in die Sache verwickelt ist.

Und dann ist da auch noch die Presse:  Der umtriebige Reporter Scott Anderson (Eric Ladin) würde zu gern endlich mal wieder eine richtig große Story schreiben – und weil es nicht gut aussieht, wenn jemand intern einen Kollegen verpfeift, kann man ja auch einen Tipp an die Medien geben und drauf vertrauen, dass die interne Ermittlung spätestens dann aufmerksam wird, wenn etwas in der Zeitung steht, was am Image der ohnehin schon nicht beliebten Polizei kratzt.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Bosch schafft es also einmal mehr, gleich mehrfach anzuecken –  und es ist ihm lange nicht klar, wer dieses Mal der fieseste seiner Gegner ist. Denn der selbstverliebte Hollywood-Regisseur Andrew Holland, den Bosch gern wegen des Mordes an einem Callgirl rankriegen würde, aber sonst nicht für voll nimmt, ersinnt einen perfiden Racheplan, der erstmal ganz gut funktioniert – aber am Ende ist Holland von seinem eigenen Drehbuch dermaßen begeistert, dass er über seine Eitelkeit stolpert: Er hätte das alles lieber für schön sich behalten sollen.

Die ehemaligen Special-Forces-Kämpfer, die hinter dem Mord an ihrem gestrauchelten Kumpel ihm Wohnmobil stecken, sind da schon ein anderes Kaliber – aber Bosch kennt sich mit diesen Typen aus, schließlich war er selbst einmal einer von ihnen. Er weiß, wie gefährlich die werden können, was seine Rolle als alleinerziehender Vater einer Teenie-Tochter nicht gerade erleichtert. Denn Maddie (Madison Lintz)  wohnt nun bei ihm, nachdem ihre Mutter Eleanor (Sarah Clarke) als professionelle Pokerspielerin nach Hongkong gezogen ist.

Maddie will ins Auswahl-Team der Volleyballmannschaft ihrer Schule und sie will Autofahren lernen – Bosch muss sich also in Verständnis und Geduld üben, was nicht seine besonderen Stärken sind. Aber er meistert das ganz gut, zumal er seine Tochter überzeugen kann, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn sie eine Weile zu Grace (Amy Aquino) zieht, der manchmal zu verständnisvollen Vorgesetzten von Bosch. Genau das wird Lieutenant Grace Billetts, die gern zum Captain aufsteigen würde, auch zum Verhängnis, obwohl sie, genau wie Bosch, wahnsinnig qualifiziert ist und einfach gute Arbeit macht.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Genau das ist es, was ich an dieser Serie mag: Wie bei der legendären Serie The Wire sind die Polizisten, (aber auch die Gangster) alle ernsthaft bei der Arbeit, auch wenn die oft aus nervtötender Routine besteht – am Ende ist es eben ein einziger fehlender Eintrag in einer offiziellen Ermittlungsakte, der beim Abgleich mit einer älteren Kopie des Originals auffällt, weil er dort noch vorhanden ist und darauf hinweist, dass hier offenbar etwas vertuscht werden soll.

Es geht bei Bosch nicht darum, immer noch spektakulärere Verbrechen zu inszenieren und die Zuschauer möglichst lange an der Nase herumzuführen, sondern einfach um solides Krimi-Handwerk: Je nach Spurenlage sieht ein Fall so oder anders aus. Insofern ist Bosch schon fast frustrierend realistisch, auch wenn die Serienmacher sich natürlich eine Reihe fernsehtauglicher Charaktere ausgedacht haben, die mehr oder weniger liebenswerte Schrullen haben und für die Serie gut funktionieren. Die Serienmacher geben ihnen Raum, sich zu entfalten, Boschs Kollegen sind allesamt ernstzunehmende Polizisten und nicht einfach nur Stichwortgeber, und auch die Typen auf der anderen Seite haben ihre eigenen Geschichten.

Insofern erinnert Bosch auch ein bisschen an Kommissarin Lund, die sture dänische Ermittlerin, die ihr Privatleben und ihre Karriere ruiniert, um eine ganze ausführliche Staffel lang einen einzigen Fall zu lösen – wobei Bosch zu cool ist, um das dermaßen auf die Spitze zu treiben. Und er ist einfach zu gut, um ihn stillzulegen: „Wollen Sie wirklich einen Detective aus dem Dienst ziehen, der in den letzten zehn Jahren 33 Morde aufgeklärt hat?“ fragt sein Oberboss entsetzt, als die interne Ermittlung ihm genau das nahelegt. Bosch kommt also wieder mit einem blauen Auge davon – aber wir brauchen ihn mindestens für eine Staffel vier noch, denn es ist noch längst nicht alles aufgeklärt.

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Westworld: Der Freizeitpark für Intellektuelle

Anfang Oktober hatte ich ja schon einen Einstandsartikel zu Westworld geschrieben – jetzt, nach dem ich das Finale gesehen habe, bin ich etwas unschlüssig. Einerseits: Ja, das ist definitiv großes Kino  – also eine optisch opulente und inhaltlich interessante Serie, der in jeder Hinsicht anzumerken ist, dass die Macher (in diesem Fall HBO) hier viel investiert haben. Andererseits habe ich aber auch schon Serien gehen, die mit sehr viel weniger Budget ähnlich viel Hirnfutter geliefert haben: Etwa die schwedische Serie Real Humans.

Wobei mir natürlich klar ist, dass es in Westworld durchaus noch um etwas anderes geht, als um die Frage, ob es ethisch okay ist, Roboter zu bauen, die zwar einerseits mit jeder Menge Intelligenz und, damit sie Menschen eben perfekt verstehen und entsprechend mit ihnen interagieren können, auch mit menschlichen Gefühlen ausgestattet werden, also praktisch ein menschliches Bewusstsein haben, aber letztlich nur Menschen zweiter Wahl sind. Technisch zwar überlegen, aber von den echten Menschen programmiert und kontrolliert sind sie nichts als Spielzeug, mit denen die Gäste im exklusiven Freizeitpark der Zukunft entsprechend umspringen. Oder im Fall von Real Humans sind sie moderne Dienstboten, die all das übernehmen, wofür Menschen keine Zeit und Lust mehr haben: Kinderbetreuung, Altenpflege und überhaupt langweilige und eintönige Jobs.

Westworld: Dolores (Evan Rachel Wood) und Bernard (Jeffrey Wright) Bild: hbo.com

Westworld: Dolores (Evan Rachel Wood) und Bernard (Jeffrey Wright) Bild: hbo.com

Eine noch interessantere Frage wäre allerdings, ob es angesichts der Tatsache, dass man noch viel mehr blöde oder gefährliche Jobs an intelligente Roboter outsourcen könnte, letztlich nicht noch inhumaner ist, die echten Menschen weiterhin zu zwingen, menschenunwürdige Jobs zu machen, weil wir noch immer nicht in der Lage sind, ein globales Gesellschaftssystem zu etablieren, in dem es allen einigermaßen gut geht, ohne dass man von ihnen verlangt, absurde, überflüssige und lebensverkürzende Jobs zu machen, weil sie sonst keine Existenzberechtigung erhalten. Warum gibt es eigentlich keine Serie, die sich damit beschäftigt, wie man das in einer alternativen Realität für alle besser machen könnte?

Zurück zu Westworld: Die Frage, ob Androiden von elektrischen Schafen träumen, konnte schon in Blade Runner nicht beantwortet werden. Und die Erinnerung an eine Kindheit oder den Verlust eines Kindes kann genau so einprogrammiert sein wie alles andere, das ein humanoider Roboter können und wissen soll. Und leider ist es auch in unserer realen Welt relativ einfach, Gefühle zu programmieren – das weiß jeder erfolgreiche Serien- oder Buchautor genauso wie jeder erfolgreiche Politiker – die Spin-Doktoren, die Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben (nein, und ich glaube nicht, dass der auf eine Big-Data-Verschwörung zurückzuführen ist, sondern Ausdruck eines real existierenden freiheitlich-demokratischen Wählerwillens ist, so fragwürdig ich den auch finde) waren jedenfalls ziemlich gut darin.

Westworld: Lawrence (Clifton Collins Jr.) und William (Jimmy Simpson) Bild: hbo.com

Westworld: Lawrence (Clifton Collins Jr.) und William (Jimmy Simpson) Bild: hbo.com

Die Westworld-Kreativen haben ebenfalls einen guten Job gemacht – ihre Geschöpfe verhalten sich tatsächlich wie Menschen, auch wenn keine Menschen anwesend sind, und nur durch die ständigen Wiederholungen ewig gleicher Szenen, in denen ab und zu Teilnehmer ausgetauscht werden, wird klar, dass diese ganzen Interaktionen einem bestimmten Programmablauf folgen – was mir teilweise zu redundant war, aber für weniger aufmerksame Zeitgenossen schadet die eine oder andere Wiederholung vermutlich nicht.

Westworld hat allerdings noch an einer anderen Stelle einen eigenartig blinden Fleck, den ich sehr bezeichnend finde: Während im schwedischen Real Humans skrupulös die Frage gestellt wird, ob man menschenähnliche Geschöpfe wie Hubots überhaupt ausbeuten, diskriminieren und misshandeln darf – schließlich fühlen sie doch wie Menschen – ist es in der US-Westworld nicht nur okay, sondern im Grunde der Inhalt des hyperrealistischen Spiels, menschenanaloge Wesen nicht nur auszubeuten, sondern auch zu foltern, zu vergewaltigen und natürlich auch zu töten. Wobei das zynisch ausgedrückt ja gerade der humane Fortschritt gegenüber Dystopien wie The Hunger Games ist, wo in einer totalitären Gesellschaft echte Jugendliche dazu gezwungen werden, sich in einer gigantischen Arena gegenseitig umzubringen, damit der Sieger und seine Familie ein Jahr lang sorgenfrei leben können.

Westworld: Ingrid Bolsø Berdal (Angela), Felix (Leonardo Nam), Hector (Rodrigo Santoro) und Maeve (Thandie Newton) Bild: hbo.comWestworld: Ingrid Bolsø Berdal (Angela), Felix (Leonardo Nam), Hector (Rodrigo Santoro) und Maeve (Thandie Newton) Bild: hbo.com

Westworld: Ingrid Bolsø Berdal (Angela), Felix (Leonardo Nam), Hector (Rodrigo Santoro) und Maeve (Thandie Newton) Bild: hbo.com

Westworld hingegen ist völlig im real existierenden Kapitalismus verankert: Solange die echten Menschen dafür bezahlen, funktioniert das Geschäftsmodell, ohne das es die ganzen sorgsam in jahrelanger Fleißarbeit entwickelten Figuren wie Dolores, Teddy, Maeve oder Clementine gar nicht gäbe – ihr Schicksal, das sie in immer neuen Varianten erleiden müssen, ist quasi ihr Job, für den sie nicht mal bezahlt werden müssen, weil es ja keine echten Menschen sind, sondern Kunstfiguren, die sich die ach so kreativen echten Menschen ausgedacht haben. Und sie haben sogar so weit gedacht, dass sie ihre Figuren mit künstlerischen Fähigkeiten ausstatten – so malt Dolores gern Landschaftsbilder, weil sie überhaupt das Schöne in der Welt sieht. Wie es ihr Programm für sie vorgesehen hat. Genau wie es vorsieht, dass sie immer wieder Opfer von Gewalttaten wird. Genau wie ihre Leidensgenossen.

Wenn sie wieder einmal von einem Westword-Besucher zerstört wurden, kommen sie ins Labor, werden repariert und auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Doch hier schleichen sich Fehler ein – wie sich herausstellt, war einer der Westworldgründer mit seinem Bestreben, Roboter mit menschlichen Zügen zu schaffen, so erfolgreich, dass es ihm tatsächlich gelungen ist, Erinnerungen und damit verbundene Gesten so tief im Code seiner Geschöpfe zu verankern, dass auch nach dem Zurücksetzen noch Teile davon vorhanden sind: Einige der Hosts fangen an, sich unberechenbar zu verhalten, insbesondere die, die schon lange dabei sind und bereits viele Reparaturzyklen durchlaufen haben.

Westworld: Dolores (Even Rachel Wood), Teddy (James Marsden) und Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins) Bild: hbo.com

Westworld: Dolores (Even Rachel Wood), Teddy (James Marsden) und Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins) Bild: hbo.com

Sie erinnern sich an Ereignisse, die gelöscht sein müssten und entwickeln dadurch unberechenbare Gefühle. Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass der Chefprogrammierer Bernard Lowe (Jeffrey Wright) selbst ein Host ist, er ist ein Nachbau eben jenes geheimnisvollen Geschäftspartners von Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins), der angeblich gestorben ist, möglicherweise aber noch irgendwo in Westworld sein Unwesen treibt – was ja am Ende auch der Fall ist. Sein Geist ist noch vorhanden, auch wenn er sich vor Jahren von seinen eigenen Geschöpfen hat umbringen lassen, um zu verhindern, dass Westworld je eröffnet wird – ihm war bewusst geworden, dass es für seine Geschöpfe eine lebenslange Qual bedeuten würde.

Doch Arnolds Opfer war vergeblich, Westworld wurde eröffnet und damit auch die ewige Leidensgeschichte der Hosts angestoßen, die sich allmählich über ihre Situation bewusst werden, insbesondere Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton), die nun jeweils auf ihre Weise versuchen, ihrer künstlichen Welt, in der sie gefangen sind, zu entkommen. Und weil sie ja eigentlich viel stärker und intelligenter als Menschen sind, lässt sich unschwer erraten, wie die Sache ausgeht, auch wenn ironischerweise der menschliche Faktor natürlich auch eine Rolle dabei spielt – wenn die humanoiden Roboter nicht auf Menschen zählen könnten, deren Schwächen sich ausnutzen lassen, wären sie ziemlich aufgeschmissen. Aber weil Menschen eben Menschen sind, lassen sie sich verarschen – das Thema hatten wir ja auch in Ex Machina schon.

Westworld: The Man in Black (Ed Harris) und Dolores (Even Rachel Wood) Bild: hbo.com

Westworld: The Man in Black (Ed Harris) und Dolores (Even Rachel Wood) Bild: hbo.com

Ja, ich drehe mich im Kreis – so richtig zufrieden bin ich mit Westworld also nicht, obwohl ich die Serie  an sich schon sehr gut finde. Und natürlich finde ich den aktuellen Critics Choice Award für Evan Rachel Wood als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie total angemessen, wie auch den für Thandie Newton als beste Nebendarstellerin. Ihre beiden Figuren sind tatsächlich die stärksten der Serie. Mir fällt gerade auf, das Westworld in dieser Hinsicht tatsächlich eine „Frauenserie“ ist, es gibt viele interessante weibliche Charaktere, etwa Teresa Cullen (Sidse Babett Knudsen), die Chefin der Qualitätssicherung, oder Clementine (Angela Sarafyan), eine Partnerin von Maeve. Bei den Hosts sind es eindeutig die weiblichen Charaktere, die überlegen sind, der arme Teddy (James Madsen) ist ein redlicher Idiot, interessanter ist die Situation bei den echten Menschen – wenig überraschend sind die beiden Parkgründer Robert und Arnold Männer. Aber Arnold ist ein legendärer Geist, von dem es einen Nachbau gibt, eben Bernard, der wiederum auch nur eine (wenn auch sehr intelligente) Marionette des Dr. Robert Ford ist. Der wiederum zwischen Genie und Wahnsinn changiert – abgesehen davon, dass er offenbar großes Vergnügen daran findet, möglichst lebensechte Kunstfiguren zu erschaffen und damit ein Schweinegeld zu verdienen, weiß man erstaunlich wenig über ihn.

Westworld: Teddy Flood (James Marsden) Bild: hbo.com

Westworld: Teddy Flood (James Marsden) Bild: hbo.com

Und dann gibt es auch noch jenen Man in Black (Ed Harris), der seit über 30 Jahren in den Park kommt und offensichtlich besessen davon ist, das höchste Level zu erreichen und endlich die Antwort auf all seine Fragen zu finden – aber dass eine solche Antwort in der Regel nicht taugt, weiß man entweder aus Stalker oder aus Per Anhalter durch die Galaxis.

Immerhin: Das überlange Finale hat für die Zuschauer tatsächlich einige Fragen beantwortet. Aber vielleicht bin ich selbst einfach zu wenig (Rollen-)Spieler, um wirklich in diese Welt eintauchen zu können. Westworld ist eben per definitionem eine künstliche Welt, und das ist es vermutlich, was mich stört.

Wobei, ich schätze komplexe Erzählungen und Westworld erzählt viel über das Erzählen an sich. Aber eben auf eine einerseits zu konkrete und andererseits zu abstrakte Weise – genau wie sich die Entwicklung der Handlung einerseits sehr viel Zeit lässt, was ich ja eigentlich schätze, aber dann doch wieder sehr brachial ist, was cool sein könnte, aber mitunter etwas gezwungen wirkt. In gewisser Weise empfinde ich Westworld tatsächlich als nicht wirklich zeitgemäß – die Serie beruht ja auf einem Film von 1973. Damals glaubte man tatsächlich noch, dass Computer bzw. Roboter den Menschen das Leben angenehmer und bequemer machen könnten, weil sie ja dann mehr Zeit hätten, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Aber das war ein verdammter Irrtum – mal sehen, ob Staffel 2 was daraus macht.

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Westworld: Dr. Ford (Anthony Hopkins) Bild: hbo.com