Das realsozialistische Traumschiff

Die zweite Staffel von Deutschland 83 ist da, die konsequenterweise Deutschland 86 heißt. Allerdings handelt es sich bei der Fortsetzung streng genommen nicht mehr um eine deutsch-deutsche Spionage-Dramedy, sondern um, nun ja, darüber könnte man sich streiten, wenn man wollte. Die Kritiker der etablierten Blätter sind sich da auch nicht einig. 

Fans von depressivem Retro-DDR-Kitsch à la Weissensee könnten enttäuscht sein, denn in der zweiten Staffel geht es nach Afrika: Die HVA-Spitzenkraft Lenora Rauch (Maria Schrader) versucht in Südafrika, aus den illegalen Waffengeschäften westdeutscher Konzerne mit dem Apartheitsregime für die DDR Kapital zu schlagen, während ihr Neffe Martin (Jonas Nay) als Lehrer in einem Waisenhaus in Angola geparkt wurde. Denn eigentlich wollen die Realsozialisten ja die Unterdrückten dieser Erde im Kampf gegen die Imperialisten unterstützen. Aber wie so vieles gerät auch das zur Farce – für die Serie ist das allerdings ein Vorteil.

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Klar wird auch hier wieder ausgiebig darauf herumgeritten, wie pleite die DDR Mitte der 80er Jahre war (ähnlich wie man derzeit täglich daran erinnert wird, wie pleite diese Griechen und derzeit vor allem die Italiener doch sind) und zu welchen verzweifelten Maßnahmen die DDR-Führung gegriffen hat, um Devisen zu beschaffen, weil man mit dem „Spielgeld“ der DDR auf dem Weltmarkt nicht einkaufen konnte. 

Aber fragwürdige Geschäfte werden natürlich auch vom Westen getätigt, etwa Waffenverkäufe an Regimes, die ihre und andere Leute damit unterdrücken. Aber hey, so geht halt Kapitalismus. Doch wenn Sozialisten so etwas tun, dann verraten sie ihre Leute, und noch schlimmer, ihre Ideale. Was natürlich doppelt und dreifach schlimm ist. Wie schön ist doch die Welt, wenn man erst gar keine Ideale hat.

Ungefähr so geht auch Deutschland 86, aber alles in allem fand ich die Fortsetzung besser als die erste Staffel. Gerade weil sie unkorrekter ist als die erste Staffel und in jeder Hinsicht dicker aufträgt, macht sie einfach mehr Spaß. Was daran liegen kann, dass RTL nach dem krachenden Misserfolg der deutschen Ausstrahlung ausgestiegen ist – ich hatte ja gleich geunkt, dass ich die Serie für ein RTL-Publikum für eher nicht geeignet halte. Man muss einfach zu viel wissen, um daran Vergnügen zu finden. Und wer komplexeren Inhalten folgen kann und will, verzeiht keine Werbeunterbrechung. 

Jetzt hat Amazon übernommen. Nun war die erste deutsche Amazon-Serie You Are Wanted leider kein gutes Beispiel für eine gelungene Amazon-Serie, aber Deutschland 86 kann das ändern. Natürlich wäre auch hier noch eine Menge Verbesserungspotenzial, aber gemessen an dem, was deutsche Serien sonst bieten, ist das schon mal ein Anfang.

Deutschland 86

Lenora Rauch (Maria Schader) und Rose Seithath (Florence Kasumba) Bild: Amazon

Es werden in der neuen Staffel eine ganze Menge Fässer aufgemacht: Internationaler Waffenhandel, in dem westdeutsche Rüstungskonzerne auf die Hilfe der DDR für die Umgehung von Sanktionen zurückgreifen, der Kampf gegen die Apartheit in Südafrika, der Stellvertreterkrieg in Angola, von westdeutschen Pharmakonzernen finanzierte klinische Studien (genauer: Menschenversuche) in der DDR, internationaler Terrorismus, der wiederum von Staaten unterstützt wird, die mit dem westlichen Modell, sich die Erde untertan zu machen, nicht einverstanden sind, die ständige Verstrickung von Interessen der nationalen Sicherheit mit dem Profitstreben, und nicht zuletzt die Versuche aller Beteiligten, dem Leben noch irgendetwas abzutrotzen, mit dem sie wenigstens für ein paar Augenblicke glücklich sein können. 

Das ist eine schwere Last, und die muss man irgendwie über die Strecke bringen. Und leider, muss man sagen, ist nichts von dem, was gezeigt wird, erfunden. Klar, die Auswahl der historischen Ereignisse und der jeweiligen Perspektive ist nicht objektiv, das kann sie auch gar nicht sein. Trotzdem hätte ich es gut gefunden, wenn nicht nur die DDR-Bürger von damals frech werden dürften: „Was hamse denn jerade da? Keen Huhn oder keen Schnitzel?“ Sind denn damals allen im Westen die gebratenen Tauben in den Mund geflogen?!

Nun ist es halt so, dass es die DDR nicht mehr gibt, insofern muss sie nun immer und immer wieder als Projektionsfläche für alles, was damals angeblich oder tatsächlich schief gelaufen ist, her halten. Und da muss man auch nichts beschönigen – das politische und wirtschaftliche System der DDR war leider so konstruiert, dass es nicht auf Veränderungen reagieren konnte, die im großen Plan der wohlmeinenden, aber eben nicht allwissenden, dafür aber allmächtigen, Führungskader nicht vorgesehen waren. Dabei weiß doch eigentlich jede und jeder, dass alles immer anders kommt. Angesichts der immer größeren Abweichungen von Plan und Realität haben die DDR-Oberen dann nicht den Plan überdacht, sondern die Realität ausgeblendet. Insofern war es nur konsequent, dass sie für die Volksbespaßung das ausgediente ZDF-Traumschiff aufgekauft haben, von dem in der Serie HVA-Chef Walter Schweppenstette (Sylvester Groth) so lange geträumt hat. Die Serienmacher bringen das schon gut auf den Punkt.

Deutschland 86

Parteisoldat wird Punk: Martin Rauch (Jonas Nay)

Genau wie die Figur der Barbara Dietrich (Anke Engelke), ein weiblicher Schalck-Golodkowsky, gegen die jeder noch so abgefeimte McKinsey-Berater alt aussehen würde. Für Devisen geht die Dietrich über Leichen. Da muss selbst die treue Parteisoldatin Anett Schneider (Sonja Gerhardt) schlucken, die Ex-Freundin von Martin, die im SED-Apparat schnell aufgestiegen ist, weil sie die Werte der Partei wie kaum eine andere verinnerlicht hat – aber tatsächlich noch an den Sozialismus glaubt. Wobei es in Deutschland 86 weder um Sozialismus, noch um eine Kritik daran geht.

Hier werden reale Ereignisse, historische Personen und erfundene Charaktere für eine spannende Staffel bunt zusammengestrickt, wobei der eine oder andere Handlungsstrang immer mal irgendwo hängen bleibt, so dass die eine oder andere Wendung etwas zu willkürlich daher kommt. Genau diesen Mix finde ich aber ganz reizvoll, zumal die Hauptpersonen nicht mehr so holzschnittartig wirken wie in der ersten Staffel: Martin ist nicht mehr der naive Spion wider Willen, sondern beherrscht sein Handwerk  (inzwischen auch das Klavierspiel) inzwischen recht virtuos, auch wenn er selbst nicht so sicher ist, ob und für wen er seine Talente wirklich einsetzen will. Diese Ambivalenz ist überall zu spüren – und das ist gut so.

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Gomorrha 2: Der Anfang im Ende

Nach einigen Anläufen habe ich nun auch die zweite Staffel von Gomorrha gesehen – schon der erste Teil war dermaßen deprimierend, dass ich danach erstmal ein paar andere Serien sehen musste, um darüber hinweg zu kommen. Denn genau wie bei der ersten Staffel muss man sich wirklich darauf einlassen, sich in eine sehr düstere und freudlose Welt zu begeben, um dann unbedingt wissen zu wollen, wie schlimm alles noch kommen wird – und es kommt natürlich alles auch mindestens so schlimm wie man erwartet hat.

Nach dem blutigen Ende der ersten Staffel ist Genny Savastano damit beschäftigt, um sein Leben zu kämpfen, während sein Vater aus dem Gefängnis ausbricht und nach Deutschland flieht. Ciro hingegen lässt sich in einem Haus am Ende der Welt wieder, wo er sich mit seiner Familie vor den zahlreichen Feinden versteckt, die er sich gemacht hat – und pragmatisch wie er ist, versucht er nun, sich mit seinem Erzfeind Salvatore Conte zu verbünden: Beide müssen sie die Rache der Savastanos fürchten – warum dann nicht einfach zusammenarbeiten? Schließlich sind die Reihen ihrer Leute nach dem finalen Gemetzel deutlich reduziert, nur gemeinsam haben sie eine Chance gegen den noch immer einflussreichen Savastano-Clan.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Die umkämpften Wohnblocks von Scampi, Neapel.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Die umkämpften Wohnblocks von Scampi, Neapel.

Ciro schlägt Conte vor, als Großhändler für alle verbliebenen Dealerfamilien zu fungieren – dafür müsse er im Gegensatz zu den anderen keine Abgaben leisten: Den Profit aus seinem eigenen Territorium kann er allein einsacken. Und die anderen können dank der guten Qualität von Contes Stoff mehr verdienen – eine echt Win-Win-Situation. Conte lässt sich davon überzeugen.

Weniger gut läuft es für Ciro in privaten Dingen – seine Frau Deborah will dieses Leben in Angst und Unsicherheit nicht länger ertragen und macht ihm heftige Vorwürfe. Und Ciro stellt frustriert fest, dass ihm die ganzen Anstrengungen der letzten Jahre gerade mal eine Tasche mit 60.000 Euro eingebracht haben – ein lausiger Lohn für die ganzen schrecklichen Dinge, die er dafür auf sich genommen hat. Ciro beschließt, es damit nicht bewenden zu lassen: Er will zum neuen Mafiaboss von Neapel aufsteigen, koste es, was es wolle. Und weil seine Frau dabei nicht mitspielen will, erwürgt er sie in einem Anfall von Wut und Paranoia. Jetzt bleibt ihm nur noch seine Tochter, der er gerade die Mutter genommen hat. Typisch Gomorrha – und natürlich wird das auch noch schreckliche Konsequenzen haben.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Waffengeschäfte in Deutschland

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Waffengeschäfte in Deutschland

Doch erstmal räumt der nun völlig abgestumpfte Ciro alle aus dem Weg, die ihm irgendwie in die Quere kommen, etwa die Wachen für den Geldtransporter, den er ausrauben muss, um das nötige Kleingeld für seine Geschäfte mit Conte zu beschaffen.

Derweil richtet sich Don Pie in Köln ein – in jenem kalten Scheißland, in dem Mafiabosse sich gern vor der italienischen Strafverfolgung verstecken. Der inzwischen genesene Genny stattet seinem Vater dort einen Besuch ab – aber es wird schnell klar, dass die beiden sich einander gründlich entfremdet haben und nicht mehr miteinander klar kommen. Während Genny inzwischen gelernt hat, selbst wie ein Anführer aufzutretenund zu handeln, verlangt sein Vater noch immer Gehorsam und Gefolgschaft von seinem Sohn, Pietro Savastano ist und bleibt ein knallharter Mafiaboss, dessen einziges Interesse ist, der einzige Boss zu sein.

Deshalb hört er auch nicht auf seinen Sohn, der ihn warnt, dass die konkurrierende N’Drangheta nicht zufrieden mit der Arbeit von Don Pies Kontaktmann Mico ist und ihn nach Mafiaart entsorgen will. Bei einem Waffengeschäft mit den Leuten kommt zum Eklat – Mico und seine Leute werden alle erschossen, den beiden Savastnos gelingt nur knapp die Flucht – hier erweist sich Genny als guter Sohn, der seinem verletztem Vater das Leben rettet. Was der Alte aber dermaßen selbstverständlich findet, dass er sich nicht mal bedankt und sich, während Genny in dem improvisierten Versteck ausschläft, von seinen Leuten abholen lässt: Don Pie lässt seinen Sohn einfach liegen und begibt sich auf den Heimweg: Auch in Deutschland ist ihm der Boden nun zu heiß geworden.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Ciro, Conte und Scianel.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Ciro, Conte und Scianel.

Für Genny ist die Botschaft klar: Er wird zuhause in Italien jetzt auf jeden Fall sein eigenes Ding machen. In Neapel werden die Dinge derweil immer unübersichtlicher – das Zweckbündnis von Ciro und Conte ist keineswegs von Harmonie geprägt, sondern es kommt immer wieder zu Reibereien, weil sich insbesondere die Leute von Ciro über den Tisch gezogen fühlen. Dazu kommt, dass die örtliche Gemeinde nicht froh über  die Entwicklung der Dinge ist, ein Priester bittet den strenggläubigen Conte sogar, etwas gegen die Dealer zu unternehmen, die rund um die Kirche ihren zerstörerischen Geschäften nachgehen. Natürlich unternimmt Conte nichts, denn er verdient zu gut an diesem Geschäft, er schlägt aber vor, dass der Padre eine Demo organisieren könne. Das tut der auch, was dazu führt, dass die Position von Ciros Leuten, die dort ja ebenfalls ihren Geschäften nachgehen weiter geschwächt wird. Ciro durchschaut Contes Taktik und ermahnt seine Leute, sich nicht provozieren zu lassen: Sie müssen auf einen Fehler von Conte warten, um ihn dann fertig zu machen.

So belauern sich einmal mehr alle gegenseitig und warten darauf, dass der Gegner zuerst zuckt, um dann um so heftiger zurückzuschlagen. Und Conte hat tatsächlich eine Schwäche: Seine geheime Liebe zu einer transsexuellen Sängerin. Das geht in Mafiakreisen überhaupt nicht, deshalb hat Conte noch eine Zweitfreundin, die er bei offiziellen Anlässen vorzeigen kann. Aber im Grunde weiß jeder Bescheid. Bei einer Feier, mit der Conte mit seiner Vorzeigefreundin erschienen ist, tritt auch seine echte Flamme als Sängerin auf – und sie wird von einem sehr unfreundlichem Publikum überaus anzüglich beleidigt. Conte ist natürlich nicht so blöd, gleich auszurasten, allerdings auch nicht so beherrscht, die Sache einfach auszusitzen. Schließlich wartet er, bis alle versammelt sind und rammt seinem vorlauten Vorarbeiter das Tortenmesser in die Hand. Außerdem nimmt er ihm seinen Verkaufsplatz weg und gibt ihn an einen Kollegen weiter – daraus ergibt sich für Ciro die Chance, den Frust von Contes Mann zu nutzen, um ihn auf seine Seite zu ziehen.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Genny Savastano kämpft um angestammtes Territorium

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Genny Savastano kämpft um angestammtes Territorium

Am Ende ist Ciro damit erfolgreich – nach einer kirchlichen Prozession, an der Conte teilnimmt und sich gemeinsam mit anderen selbst geißelt, bis das Blut fließt, ist Conte eigentlich davon überzeugt, dass er Ciro in eine Falle gelockt hat. Doch es stellt sich heraus, dass Conte das Opfer des aktuellsten Komplotts ist – er wird in der Kirche ermordert, der er ein Madonnenbild geschenkt hat, das die Züge seiner Freundin trägt. So ist das eben: Nicht mal mehr die Kirche ist der Mafia noch heilig.

Auch sonst zeigt sich, dass über die Folgen der neuen Staffel so ziemlich alle Prinzipien alter Mafia-Ehre inzwischen außer Kraft gesetzt wurden – nicht nur die Kirche ist nicht mehr heilig, auch Familie zählt nicht mehr, weder die eigene und schon gar nicht die der anderen. Waren Frauen und Kinder früher tabu, so ist das nun vorbei. Vorbei ist es aber auch mit dem Glanz und der Herrlichkeit der Savastanos: Don Pie muss sich in einem kleinen Apartment in einem der vernachlässigten Wohnblocks in Scampi verstecken, jener heruntergekommenen Vorstadt von Neapel, deren Hässlichkeit und Elend die Serienmacher nutzen, um das traurige Innenleben ihrer Protagonisten mit ebenso treffenden wie ausdrucksstarken Bildern zu untermalen: Die Leute, die in diesem vergessenen Hinterhof von Europa ihr Leben fristen, haben keine andere Wahl, sie sind gezwungen, sich irgendwie durchzuschlagen und sich dabei mit der Mafia zu arrangieren. So auch das Rentnerpaar, das einen Teil seiner Wohnung für Don Pie abzweigen muss, der quasi eingemauert wird, um ihn vor seinen immer zahlreicheren Feinden zu schützen. Sein einziger Zugang zur Welt ist eine kleine Klappe, die hinter der Waschmaschine versteckt ist.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Don Pietro und Patricia

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Don Pietro und Patricia

Durch diese Klappe muss Patricia kriechen, um den Don täglich mit Nahrung und Nachrichten zu versorgen, sie ist die Nichte eines der wenigen Getreuen, die Don Pie noch hat. Patricia tut es, um ihre jüngeren Geschwister abzusichern – ihr ist klar, dass das ein gefährlicher Job ist: Wenn jemand im Viertel dahinter kommt, was sie neben ihrem eigentlichen Job in einer kleinen Modeboutique noch tut, ist sie tot. Ironischerweise hat Patricia noch Glück, nach anfänglicher Skepsis findet Don Pie Gefallen an der intelligenten, jungen Frau, er bittet sie später sogar, bei ihm zu bleiben, als er wieder in sein luxuriöses Haus zurück zieht. Natürlich ist ein Leben mit Don Pietro nicht unbedingt etwas, wovon Frauen träumen – aber ein goldener Käfig ist immer noch besser als eine Gefängniszelle oder ein Grab.

Aber ich greife schon wieder viel zu weit vor – da wäre beispielsweise noch Genny, der sich mittlerweile in Rom eingerichtet hat. Er nutzt das Geld, das er mit dem Drogenhandel verdient, nun für solidere Geschäftsmodelle und steigt über seinen künftigen Schwiegervater in die Immobilienbranche ein: Dieses Geschäft ist um einiges ertragreicher und dabei auch noch viel weniger gefährlich für Leib und Leben: Genny wird nun selbst Vater und muss an die Sicherheit und Zukunft seiner eigenen Familie denken. Und der aufstrebende Mafioso demonstriert während der Hochzeit mit der Tochter seines neuen Förderers auch gleich, dass er sein Handwerk längst in Perfektion beherrscht – er liefert seinen Schwiegervater wegen Korruption ans Messer, weil er der alleinige Herrscher über das Imperium sein will: Ganz der Papa.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Genny und Azzurra

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Genny und Azzurra

Der Papa stiftet unterdessen Unfrieden in Neapel – sein Ziel ist es, die brüchige Waffenruhe, die Ciro unter den konkurrierenden Dealer-Familien in seinem Territorium ausgehandelt hat, zu zerstören, damit er das Ruder wieder in die Hand nehmen kann: Die Leute sollen erkennen, dass nur er, der große Pietro Savastano für Ordnung und Ruhe sorgen kann. Und die Front bröckelt.

Das gibt reichlich Raum für interessante Nebenstränge – da ist beispielsweise die Patin Scianel – benannt nach dem Modelabel Chanel, deren Sohn Raffaele im Knast sitzt, weshalb sie sorgsam über dessen Frau wacht, die sie in der Wohnung gegenüber einsperrt, damit sie angemessen sehnsüchtig auf ihren Raffaele wartet. Hier haben wir eine weitere junge Frau im goldenen Käfig – und je eifersüchtiger Scianel über die Schritte ihrer Schwiegertochter wacht, desto vehementer versucht diese aus ihrem Käfig auszubrechen. Sie lässt sich mit dem Fahrer von Scianel ein, was natürlich kein gutes Ende nimmt. Scianel ist nämlich eine Hyäne, wie sie selbst erklärt: „denn bei den Hyänen herrschen die Frauen“.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Ciro und Genny

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Ciro und Genny

Für die Männer läuft es tatsächlich nicht so gut in dieser Staffel, vor allem für die alten Patriarchen nicht: Auch wenn Don Pie einen weiteren Krieg anzettelt, der zahlreiche Opfer fordert, unter anderem Scianels Sohn Raffaele, als der endlich aus dem Knast kommt und schließlich sogar Ciros kleine Tochter Maria Rita – das ist eine der härtesten unter den zahlreichen harten Szenen dieser Serie – so ist seine Zeit längst abgelaufen: Der völlig desillusionierte Ciro und sein eigener Sohn Genny, den er so lange Zeit nicht für voll genommen und schlecht behandelt hat, verbünden sich gegen ihn. Am Ende erscheint nicht der erwartete Gennaro am verabredeten Ort auf dem Friedhof, sondern Ciro.

Als der alte Savastano realisiert, dass sein Sohn ihn verraten hat, stellt er fest: „Am Ende des Tages sind wir als hier!“ Dann schießt Ciro ihn nieder. Doch damit ist die Serie noch nicht vorbei – denn Gennys Sohn kommt zur Welt und bekommt einen Namen – Pietro. Es gibt also einen neuen Pietro Savastano, auch wenn der erstmal ein Baby ist. Warum nur habe ich das Gefühl, dass dem kleinen keine hoffnungsvolle Zukunft beschieden sein wird, obwohl seine Eltern stinkreich sind?!

Eine dritte und sogar ein vierte Staffel des Mafiadramas sind bereits beauftragt.

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Don Pie und Ciro

Screenshot Gomorrha, Staffel 2: Don Pie und Ciro

Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Ein toter Fisch im Darkroom

Nachdem ich mich von meinem Nervenzusammenbruch erholt habe, weil es in dieser Woche nur den ersten Teil der letzten Doppelfolge gegeben hat und ich noch eine weitere Woche auf das große Finale der zweiten Staffel von Mr. Robot warten muss, bin ich jetzt langsam in der Lage, eine Review zu eps2.9_pyth0n-pt1.p7z zu schreiben.

Es wird immer spannender – auch wenn dieser Teil fast ausschließlich aus Dialog bestand, und zu weiten Teilen aus ziemlich absurden Dialogen. So muss Angela in einem Dark Room, der mit einem auslaufenden Aquarium und einem C64 samt historischem Zubehör ausgerüstet ist, eigenartige Fragen beantworten, die ein kleines Mädchen stellt, das eine exakte Kopie ihres jüngeren Selbst sein könnte. Agent DiPierro hat ein deprimierendes Gespräch mit ihrer virtuellen Assistentin Alexa, das nahelegt, dass sie wirklich sehr, sehr einsam ist und Elliot redet nicht nur mit sich selbst und mit seinem unsichtbaren Freund, sondern auch mit einem Taxifahrer, der nur Arabisch spricht und einfach nicht kapiert, was Elliot von ihm will.

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Aber okay, die komplette zweite Staffel war ja bisher vor allem deshalb interessant, weil jede Folge so anders und eigen war – was man ja auch von anderen guten Serien kennt, nur ist hier oft die Erklärung, dass die Autoren und die Regisseure auch von Folge zu Folge wechseln. Das Neue an Mr. Robot ist nun aber, dass es einen Autor gibt, der alle Folgen im Kopf hat – auch wenn es dieses Mal durchaus Episoden gibt, die nicht Sam Esmail geschrieben hat – und dass Sam Esmail auch in sämtlichen Teilen die Regie übernommen hat.

Sein Erzählweise und sein Blick sind schon sehr speziell, was ich meistens mag – er hält sich in der Regel an die unterkühlte skandinavische Farbpalette im Anthrazit- bzw. Grau-Blau-Bereich, und wählt sehr spezielle Perspektiven. Für meinen Geschmack gibt es aber zu viele gewollte Unschärfen – das ist für Screenshots und Gifs immer blöd, genau wie diese Gegenschnitte, bei denen die Protagonisten immer ganz außen oder innen am jeweils konträren Bildrand zu sehen sind – das ist natürlich wahnsinnig aussagekräftig, wenn man die Serie auf dem großen Bildschirm kuckt, aber halt schlecht für tumblr und Co.

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Über die gesamte Staffel war der Zweikampf zwischen Elliot und Mr. Robot wichtig – meiner Ansicht nach zu wichtig – und auch wenn Elliot sich nun mit der Existenz von Mr. Robot als alternativem Ich abgefunden hat, so ist ihm noch immer nicht klar, was das eigentlich für ihn bedeutet. Ehrlich gesagt, hatte ich ja gehofft, dass es an dieser Front nun etwas ruhiger und übersichtlicher würde, aber das ist leider nicht der Fall – stattdessen kommt Elliot auf die Idee, dass er jetzt einfach mal der stille Beobachter sein möchte, der sich anschaut, was Mr. Robot so macht, wenn er glaubt, dass er allein ist. Und Elliot schafft es auch, sich in einen solchen Zustand zu versetzen – Mr Robot übernimmt und Elliot darf einfach zuschauen. Und am Ende klappt genau das, was Elliot sich davon erhofft hatte – Mr. Robot führt ihn nach einiger Knobelei – hier taucht auch wieder eine rote Schubkarre auf, wenn auch nur als Name eines Restaurants, dessen Karte als Grundlage für allerlei Zahlenspiele dient – tatsächlich zu Tyrell Wellick. Aber natürlich ist nicht klar, ob das alles jetzt in Elliots Kopf stattfindet, oder ob Tyrell real ist, denn Elliot weiß ja, dass weder sich selbst, noch Mr. Robot trauen kann. Das geht mir inzwischen doch ziemlich auf die Nerven.

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Aber es passieren ja auch andere Dinge – so hat Agent DiPierro einen weiteren frustrierenden Dialog mit ihrem Chef, der will, dass sie, nachdem sie einmal mehr in eine Schießerei mit Dark-Army-Beteiligung geraten ist, endlich mal Ruhe gibt und nach Hause geht. Aber natürlich will Dom jetzt erst recht dran bleiben: Sie weiß, dass sie auf der richtige Spur ist, der jüngste Vorfall ist ja die Bestätigung dafür – und sie betont, dass es möglicherweise kein Terrorangriff von fehlgeleiteten Radikalen mehr ist, sondern ein kriegerischer Akt gegen die USA: Die chinesische Regierung könnte beteiligt sein. Der Umstand, dass mehrere Zivilisten dabei umgekommen sind, spricht dafür, dass Cisco tot ist – möglicherweise auch Darlene. Dom jedenfalls ist einmal mehr davon gekommen. Und es scheint, als frage sie sich selbst, warum.

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Interessant ist auch, dass die rätselhafte Partnerschaft zwischen Philip Price und Whiterose offenbar in eine Krise geraten ist – Whiterose widmet Angela immerhin 28 Minuten ihrer kostbaren Zeit, um herauszufinden, was so speziell an ihr sei, dass Philip Price sich von ihr offenbar dazu ermuntert fühle, auf seinen wie auch immer gearteten Deal mit Whiterose zu pfeifen und mit ihrer Hilfe sein eigenes Ding durchzuziehen: Er will E-Coin als offizielle Währung durchsetzen, wogegen sich die Fed sträubt – schließlich sei es die Aufgabe der US-Zentralbank, über die Währung zu wachen. Die E-Coin-Strategie von Price passt aber auch Whiterose nicht in den Kram. Sie versucht Angela davon zu überzeugen, dass der Tod ihrer Mutter und von Elliots Vater einer wichtigen Sache gedient hätte, um sie von ihren Racheplänen abzubringen. „Was hat Elliot mit all dem zu tun?“ fragt Angela, die keine Ahnung hat, wer oder was Whiterose eigentlich ist.

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer weiß, vielleicht war sie erfolgreich, zumindest sucht Angela ihre Anwältin Antara Nayar am Abend zuhause auf, um ihr zu sagen, dass sie den Kontakt nun für immer abbrechen wird. Aber die abgebrühte Nayar vermutet gleich, dass Angela bedroht wird – auch wenn Angela das erstaunlich ruhig und entschieden verneint. Aber bisher war so vieles anders als es zunächst schien, dass ich hier ein weiteres großes Fragezeichen sehe. Vermutlich wird in der letzten Folge vieles nicht aufgelöst, so dass wir auf die dritte Staffel warten müssen.

Und dann vermutlich auf eine vierte und gar fünfte, sofern es kein Quotendesaster geben sollte. Bei der zweiten Staffel gab es schon leichte Verluste bei den Zuschauerzahlen in den USA, was mich aber nicht wundert – diese Staffel ist düsterer und anstrengender als die erste, und es fehlt auch Elliots erfrischender Zynismus, der ja leider schon im Laufe der ersten Staffel auf der Strecke geblieben ist, weil Elliot zunehmend mit seiner kranken Psyche zu kämpfen hatte. Aber ein paar Antworten erwarte ich in der kommenden Woche doch.

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da - Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da – Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Walking in my Shoes

Dafür, dass in den vergangenen Folgen eine ganze Menge neuer Fragen aufgetaucht sind, gibt es in eps2.7_init_5.fve nun irritierend viele Antworten. Aber die haben wir nach dem ganzen Mindfuck der vergangenen Folgen der zweiten Staffel – die ich alle toll fand, aber dennoch – auch verdient. Elliot ist also für den Michael-Hansen-Hack eingefahren – das ist nicht wirklich überraschend, denn wir wissen ja, dass Hansen, oder vielmehr Mr. Shannon zur Polizei gegangen ist.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Und wir wissen auch, dass Elliot mit Flipper, also dem Hund, den er vor dem in vielerlei Hinsicht unaufrichtigen neuen Freund seiner Psychologin Krista gerettet hat, beim Tierarzt war. Flippers Chip hat Elliot als Hundedieb überführt – aber offenbar hat Elliot diesen Umstand jetzt aber ausgenutzt, um sich aus der Schusslinie zu bringen – sein triumphierender Blick, als die Bullen ihn hochnehmen, spricht Bände: Besser, für einen vergleichsweise trivialen Hack in den Knast zu gehen, als für den Five-Nine-Hack verdächtigt und gesucht zu werden.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Elliot entpuppt sich einmal mehr als überlegenes Mastermind: Nicht einmal Mr. Robot kapiert, was Elliot da macht. Wobei das im Verlauf dieser Folge auch wieder ein bisschen verstörend ist: Elliot hat Mr. Robot als Teil seiner selbst zwar akzeptiert, aber er kann ihn nicht vollständig kontrollieren. Immer wieder muss Elliot Mr. Robot dabei zusehen, wie er mit den Menschen interagiert, mit denen Elliot selbst eigentlich gerade zugange ist – und die finden das auch merkwürdig: Immer wieder ist Elliot seltsam abwesend. Und es ist noch keineswegs klar, was gerade besser wäre: Lag bisher eigentlich der Verdacht nahe, dass Mr. Robot das abgefuckte Mastermind ist, das Elliot einerseits Dinge tun lässt, zu denen er sonst eigentlich nicht fähig wäre, aber ihn gleichzeitig auch davor schützt, unglaublich dumme menschliche Dinge zu tun, so ist es nun Elliot, der Mr. Robot austrickst, um noch schlauere Dinge zu in die Wege zu leiten.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Irgendwie nervt mich das, aber andererseits ist das eine coole Wendung – mal sehen, was noch daraus wird. Es gibt ja noch diverse andere Machtspielchen, bei denen nicht klar ist, wer Master und wer Sklave ist: So macht Philip Price jetzt massiv Punkte gegen Minister Zhang aka Whiterose – diese ganze Washington-Township-Geschichte hat offenbar mit den Interessen des chinesischen Partners an diesem Standort zu tun. Price erpresst Zhang, denn er braucht jetzt Geld. Sehr viel Geld. Und er droht Zhang damit, Chaos niederregnen zu lassen, sollte die Chinesen nicht mitspielen: Price wäre es lieber, seinen Gegner verlieren zu sehen, als selbst zu gewinnen.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Und Angela, so stellt sich nun heraus, hat sich ihre Position inside Evil Corp tatsächlich dazu angeeignet, um ihr eigentliches Ding durchzuziehen: E-Corp wegen des vertuschten Washington-Township-Skandals ans Messer zu liefern. Sie nutzt die Fallback-Lösung von Mobley, jenen USB-Stick mit der Gummiente dazu, sich die Passwörter der richtig wichtigen Menschen in der Risiko-Management-Abteilung zu beschaffen und damit die Unterlagen über eben jenen Washington-Township-Skandal zu stehlen – ihre Hacker-Schulung bei fcosiety war tatsächlich ziemlich nützlich. Angela hackt nun in Eigenregie E-Corp. Und sie geht mit den Unterlagen zur zuständigen Behörde, die sie allerdings so merkwürdig behandelt, dass Angela kalte Füße bekommt. Was durchaus nachvollziehbar ist. Und dann ist da ja noch Agent DiPierro, die plötzlich vor Angelas Tür steht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Aber die Informationen über den Washington-Township-Skandal sind nun in der Welt – und wer weiß, vielleicht war das von höherer Stelle so geplant – ich habe den Eindruck, dass der sinistre Philip Price damit noch mehr Punkte gegen den chinesischen Partner machen will. Aber dessen Motive sind nach wie vor unklar. Einerseits war die Dark Army ein Teil von Elliots Plan, Evil Corp zu zerstören – der nicht wirklich funktioniert hat – andererseits hat Zhang aka Whiterose offenbar Interessen, die denen von Elliot  und seinen Mitstreitern entgegen laufen. Elliot will nun herausfinden, was eigentlich Sache ist und benutzt einen der Dark-Army-Kommandanten, um Whiterose eine Nachricht zu übermitteln: Er will wissen, was Stufe 2 ist. Und wir erfahren über Darlene, die das kritische Handy abhört, dass Elliot derjenige sei, der sich diesen Plan überhaupt ausgedacht hat.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Okay, das sind jetzt doch schon wieder eine ganze Reihe neuer Fragen, dazu kommt, dass wir auch nicht wissen, was mit Trenton und Mobley los ist, die sich offenbar aus den fsociety-Aktivitäten ausgeklinkt haben und abgetaucht sind. Dafür wissen wir, dass Darlene Cisco mit dem Baseball-Schläger eine ziemliche Beule verpasst, aber ihn nicht umgebracht hat: Er behauptet, dass er Darlene vor der Dark Army habe schützen wollen. Und er ist noch immer bereit, sie weiterhin zu beschützen: Als Darlene entdeckt, dass sie eine der VHS-Kassetten, auf der ihr Gesicht zu sehen ist, in Susan Jacobs Haus vergessen haben muss, geht er zurück, um die Kassette zu holen. Die findet er auch, und offenbar noch etwas anderes. Aber was?

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Und weil ein Cliffhanger ja nicht ausreicht, wird auch noch ein anderes Motiv etwas überstrapaziert – wer klopft an Ciscos Wohnungstür? Und das reicht aber auch noch nicht, zum Schluss fährt Tyrell Wellicks schwarzer SUV vor Elliots Wohnung vor und Joanna begrüßt Elliot mit „Hallo Ollie“ – so hatte er sich ja ihr gegenüber genannt. Aber natürlich weiß sie, dass er nicht Ollie ist – wie sollte sie denn sonst wissen, wo Elliot wohnt?

Kleine Ironie am Rande: In dieser Folge wird der Wunsch von Rami Malek eingelöst, dass Elliot in der neuen Staffel endlich einmal etwas essen und die Kleider wechseln würde. Als Elliot in den Knast kommt, muss er sich ausziehen und bekommt einen orangen Sträflingsanzug. Und als Darlene ihren Bruder abholt, dass er nach 86 Tagen vorzeitig entlassen wird, bringt sie ihm offenbar sein Lieblingsessen mit – genau wie in der allerersten Folge steckt er sich ein paar Pommes in den Mund. Und dann gab es auch wieder einen meiner Lieblingsklassiker als Titelmusik: Walking in my Shoes von Depeche Mode.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Kleider Wechsel für Elliot (Rami Malek)

eps2.6_succ3ss0r.p1: Epische Dummheit

Für alle, denen die neue Staffel von Mr Robot bisher zu langweilig war, dürfte die neue Folge eps2.6_succ3ss0r.pdie Wende bringen – jetzt ist echt was los. Es handelt sich um die erste Folge, in der Elliot gar nicht auftaucht – aber wir wissen ja, dass er im Knast sitzt und gar nicht irgendwo auftauchen könnte. Was Trenton und Mobley aber offenbar noch nicht wissen, die in einem Ron’s Coffeeshop auf Elliot warten – allein, dass die Handlung an den Ort, an dem wir Elliot kennengelernt haben, zurückgekehrt ist, fand ich schon sehr vielversprechend und tatsächlich löst die neue Folge ihr Versprechen ein, denn sie war wirklich gut, bisher die beste der neuen Staffel.

Anstatt Elliot kommt nun Darlene in den Coffeeshop und verliest Elliots Statement, mit er uns zum Auftakt der Pilotfolge über eben jene Konspiration aufgeklärt hat, der er auf der Spur ist und die er brechen will, jene Konspiration, die größer sei als alles andere, die Verschwörung jener reichen und mächtigen Typen, die heimlich die Welt regieren, das oberste eine Prozent des obersten einen Prozents.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Jene ganz großen Jungs existieren wirklich, das wissen wir inzwischen auch, obwohl wir gleichzeitig natürlich auch wissen, dass Elliot ganz schön einen an der Waffel hat: Er ist depressiv und hat Angst vor anderen Menschen, gleichzeitig ist er ein Kontrollfreak, er hat Halluzinationen und redet mit seinem toten Vater. Und dann hat er auch noch ein massives Suchtproblem und lügt sich selbst und seiner gesamten Umwelt immer wieder die Hucke voll.

Aber gleichzeitig weiß Elliot ziemlich viel über diese Welt und hat interessante Schlüsse daraus gezogen: Er will dieses Gesellschaft, unter der er, und so viele andere Menschen mit ihm leiden, nachhaltig verändern. Er ist intelligent genug, zu tun, was die anderen von ihm erwarten, weshalb er ein so guter Lügner ist. Aber weil ihm eigentlich egal ist, was die anderen von ihm denken, kann er sehr ehrlich sein, was seine wahren Gefühle angeht. Genau dieser Gegensatz ist das Reizvolle an dieser Figur – Elliot sagt das eine und teilt uns gleichzeitig seine wahren Gedanken dazu mit.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin)  und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Trenton (Sunita Mani), Darlene (Carly Chaikin) und Mobley (Azhar Khan)

Blöd nur, dass der Menschenfreund Elliot dermaßen damit beschäftigt ist, seine eigene bessere Welt zu kreieren, dass er nicht mitkriegt, was andere Menschen vielleicht wirklich brauchen. In der ersten Staffel hat Elliot mit seinem Drang, das Richtige zu wollen und das Falsche zu tun, bereits einige Menschen in Bedrängnis gebracht, schlimmer noch: Er hat Shayla vor ihrem Dealer retten wollen und damit ihren Tod verschuldet. Inzwischen wissen wir, dass er vermutlich auch Tyrell Wellick umgebracht hat, der allerdings selbst ein Mörder und definitiv kein guter Mensch war.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Der harte Kern von fsociety.

Und wir wissen auch, dass er hinter dem Hack des Jahrhunderts steckt, der die ganze Welt ins Chaos gestürzt und für die allermeisten Menschen leider überhaupt nichts verbessert hat, im Gegenteil: Die Leute haben zwar keine Schulden mehr, aber Evil Corp existiert weiterhin, dieses Unternehmen ist dermaßen wichtig, dermaßen systemrelevant, dass die US-Regierung alles tut, um es am Leben zu halten, wenn auch nicht alles, was Philip Price verlangt. Statt mit Dollar wird wird jetzt halt mit der neuen E-Corp-Währung E-Coin gezahlt – das war bestimmt das Letzte, was Elliot sich gewünscht hat. Er und seine Freunde von fsociety waren so naiv zu glauben, dass mit dem Geld auch das damit verbundene Übel aus der Welt verschwinden würde, aber sie haben einfach nicht kapiert, was Geld tatsächlich ist: Zugriffsmacht nämlich, auf alle Dinge, die man zum Leben braucht. Und wer diese Macht hat, kann einfach definieren, in welcher Währung jetzt gezahlt werden muss – an der Verteilung der Vermögen hat sich nach Five-Nine ja eigentlich nichts geändert: Den Reichen geht es weiterhin gut, den Habenichtsen geht es weiterhin schlecht – und fsociety hat auch noch dazu beigetragen, dass beispielsweise der Ladenbesitzer an der Ecke jetzt Pleite ist, weil einfach nicht mehr genug Leute genug Geld haben, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Klar hatte Edward Snowden recht. Es ist nur alles noch viel schlimmer.

Insofern ist vollkommen nachvollziehbar, dass es Elliot jetzt wirklich schlecht geht und es war streckenweise auch nicht einfach, ihm dabei zuzusehen, wie er im Kampf mit sich selbst und zusätzlichen neuen Feinden immer wieder über die Grenzen des Erträglichen geht. Erstaunlich ist eher die Zähigkeit, mit der sich immer wieder aufrappelt, um den nächsten Schlag einzustecken.

In dieser Folge müssen sich aber Elliots Mitverschwörer mit den Folgen ihrer Tat auseinandersetzen. Das FBI ist auch Mobley, Trenton und Darlene auf der Spur. Vor allem der paranoide Mobley ist längst auf der Suche nach einer Exitstrategie – er traut Darlene und ihrem verrückten Bruder ja spätestens seit er den toten Romero gefunden hat, nicht mehr über den Weg. Mobley will Trenton überreden, aus New York zu verschwinden, aber Trenton will ihre Familie nicht verlassen. Für wen hat sie das alles denn getan?

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Angela (Portia Doubleday)

Doch die Kerntruppe von fsociety arbeitet zunächst an der weiteren Demontage wichtiger Institutionen: Durch ihren gelungenen FBI-Hack können sie eine Telefonkonferenz mitschneiden, in der die FBI-Chefs mal so richtig vom Leder ziehen: Natürlich werden Millionen US-Bürger anlasslos überwacht. Alles, was Edward Snowden gesagt hat ist wahr, und das hier ist noch schlimmer. Edward Snowden taucht auch kurz auf einem Bildschirm auf, er sagt ausgerechnet, dass er sich nicht um die Freiheit der Rede schere, weil er nichts zu sagen hätte.

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Screenshot eps2.6_succ3ss0r.p1: Susan Jacobs (Sandrine Holt)

Nachdem Darlene und ihre Mitstreiter ihre FBI-Enthüllungen in einem neuen Video veröffentlich haben, kehrt Madam Executioner in ihr schickes New Yorker Haus zurück, das fsociety zum ihrem Hauptquartier gemacht hat. Damit nimmt ein weiteres Verhängnis seinen Lauf: Darlene kennt Susan Jacobs (Sandrine Holt) sehr gut, sie will seit ewigen Zeiten den Tod der Chef-Justiziaren von Evil Corp. Als sie vier war, hat sie gesehen, wie Susan Jacobs während des Prozesses um den Tod ihren Vaters gelacht hat – sie hatte ja gut lachen, denn wir wissen, dass die Klage damals niedergeschlagen wurde, weil nicht bewiesen werden konnte, dass E-Corp von der Verstrahlung seiner Mitarbeiter gewusst hat. Damit haben die Familien der an Krebs verstorbenen E-Corp-Leute auch keine Entschädigung bekommen. Klein-Darlene hat das nicht vergessen und lange auf diese Gelegenheit gewartet.

Während die anderen noch diskutieren, wie mit Susan Jacobs, die sie ans Geländer ihres Swimmingpool gefesselt haben, weiter zu verfahren sei und ihre Handys und Computer nach für eine handfeste Erpressung tauglichen Dingen durchsuchen, ist für Darlene längst klar, was passieren wird. Sie schneidet Susans Fesseln durch und erklärt ihr, wer sie ist und warum sie beide jetzt hier sind.

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Dann nimmt Darlene ihren Elektroschocker, betäubt Susan und sieht zu, wie sie in ihrem eigenen Schwimmbecken ertrinkt. Sofern sie nicht ohnehin schon tot war – Susan hatte offenbar auch ein Herzproblem, wie die anderen inzwischen herausgefunden haben. Darlene behauptet zwar, nichts davon gewusst zu haben, aber die anderen kapieren natürlich sofort, dass Darlene Susan absichtlich getötet hat. Genau wie ihr Bruder ist Darlene jetzt also eine Mörderin. Ob ihr Vater das tatsächlich gewollt hat?

Darlene sagt Mobley und Trenton, dass sie abhauen sollen – sie und Cisco werden sich darum kümmern, die Leiche wegzuschaffen und Spuren zu verwischen. Genauso machen sie das auch – Mobley und Trenton suchen das Weite, Cisco hilft Darlene, Susans Leiche wegzuschaffen. Dafür nutzen sie das bereits bekannte Tier-Krematorium – Darlene hat ja Zugriff auf Susans E-Coins und ist auch sonst sehr überzeugend.

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Aber abgesehen von Darlenes (irgendwie ja auch Elliots) persönlicher Rache ist die Sache, obwohl sie weitgehend nach Plan verlaufen ist, ziemlich schief gegangen. „What we did was colossally fucking stupid and we can’t afford not to realize that anymore“ fasst Mobley die Situation zusammen. Nein, sie können es sich definitiv nicht mehr leisten, nicht zu erkennen, dass sie etwas kolossal verdammt Dummes getan haben. Kommen sie da je wieder raus, oder werden sie jetzt alle wie Romero mit einer Kugel im Kopf enden? Oder wie Elliot im Knast landen? Oder noch schlimmer?

Darlene findet heraus, dass Cisco sie offenbar an die Dark Army ausliefern will – was erstmal nicht so gut für Cisco ausgehen wird.

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Einzig für Angela scheint es derzeit gut zu laufen – sie versucht zumindest, sich am 4. Juli beim Karaoke zu amüsieren und singt „Everybody Wants To Rule The World“, ach ja, Tears for Fears, das waren noch Zeiten. Sie lässt ihr eigentliches Date, jenen netten jungen Schwarzen, zugunsten alter Kerle sitzen – es stellt sich allerdings heraus, dass der nette Typ sich offenbar im Auftrag des FBI an Angela herangemacht hat: Er beschwert sich bei Agent DiPierro, dass Angela eine uneinnehmbare Festung sei und er sich irgendwie traumarisiert fühle. Angela hingegen erklärt einem alten Freund ihres Vaters, der sie zufällig trifft und ihr gleich mit einer Moralpredigt kommt, weil sie nun offenbar zur Gegenseite übergelaufen sei, dass sie im Gegensatz zu ihm jung und erfolgreich wäre und gerade erst anfange. Und dann macht sie weiter und lässt sich von Duck Phillips (Mark Moses) aus Mad Men einladen.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es mit Angelas Karriere jetzt einfach so weiter geht. Zum einen ist sie sowohl an Five-Nine als auch am aktuellen FBI-Hack direkt beteiligt, zum anderen nehme ich ihr nicht ab, dass sie tatsächlich einfach nur Karriere machen will.  Aber ein paar Folgen haben wir ja noch.

eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)