Quantico – unterhaltsamer Terror-Trash

Quantico ist eine dieser Serien, mit denen ich prinzipiell ein Problem habe, weil sie von Menschen handelt, die sich ganz klar auf die Seite eines „Guten“ schlagen, das ich durchaus fragwürdig finde: Armee, Polizei, FBI, BKA, CIA, SEK, irgendeine Institution jedenfalls, die schon deshalb „gut“ sein soll, weil sie den Staat (und dessen Gewaltmonopol) repräsentiert. Und damit die Werte, die gemeinhin damit verbunden werden, Recht und Ordnung, Demokratie, Freiheit und so weiter – Dinge eben, für die es sich angeblich zu kämpfen lohnt. Und zwar mit allen Mitteln.

Gekämpft wird ständig in Quantico – auch wenn immer wieder reichlich unklar ist, wer gegen wen und warum. Aber eigentlich ist Quantico ein kleiner Ort in Virginia, der hauptsächlich aus einer Kaserne des Marine Corps besteht, auf dessen Gelände auch die FBI-Akademie liegt, um die es in der Serie geht. Hier werden neue FBI-Agenten ausgebildet – und wie man sich denken kann, landen hier nur die besten der besten, also wahnsinnig begabte, ehrgeizige junge Menschen, die den unwiderstehlichen Drang haben, Menschen, die USA und am besten gleich die ganze Welt zu retten.

Quantico Bild: prosieben.deQuantico Bild: prosieben.de

Quantico Bild: prosieben.de

Die talentierteste Anwärterin ihres Jahrgangs ist Alex Parrish (gespielt von der Bollywood-Schönheit Priyanka Chopra), die aber gleich am Anfang der Serie in eine ungeheure Verschwörung gerät, so dass sie als Hauptverdächtige für ein Attentat auf das Grand Central Terminal in New York gilt und ihre Fähigkeiten erstmal dazu einsetzen muss, zu beweisen, dass sie es nicht gewesen sein kann, indem sie die tatsächlichen Attentäter findet.

Das ist ziemlich dick aufgetragen und es gibt natürlich reichlich Verwicklungen und mehr oder weniger überraschende Wendungen, weil so ziemlich alle der hoffnungsvollen FBI-Anwärter dunkle Geheimnisse verbergen, die eigentlich beim üblichen Backgroundcheck hätten auffallen müssen. Die aber aus Gründen erst ans Licht kommen, wenn es dramaturgisch gerade passt. Die Serienmacher sind hier nicht gerade zimperlich – natürlich könnte es am Ende eigentlich jede und jeder gewesen sein. Und nach und nach entpuppt sich das ganze FBI als verlogene und ziemlich verrottete Institution – was in der Realität vermutlich stimmt, innerhalb der Serienlogik aber unglaubwürdig ist, denn trotz aller schlimmen Dinge, die passieren, retten die besseren unter den FBI-Leuten ja trotzdem ständig die Welt oder zumindest sich gegenseitig.

Am Ende wird ein ehemaliger FBI-Anwärter, der als Analyst gearbeitet hat, als Attentäter überführt – der behauptet aber, zu dieser Tat gezwungen worden zu sein und begeht Selbstmord. Kurz danach gibt es einen weiteren Anschlag – genau, wie Alex, die mittlerweile von allen für verrückt gehalten wird, vorausgesagt hat: Es gibt mindestens noch eine weitere Bombe. Und damit weitere mögliche Attentäter.

Quantico: Liam O'Connor (Josh Hopkins), Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), Alex Parrish (Priyanka Chopra), Ryan Booth (Jake McLaughlin), Raina Amin (Yasmine Al Massri), Simon Asher (Tate Ellington), Caleb Haas (Graham Rogers) und Shelby Wyatt (Johanna Braddy)

Quantico: Liam O’Connor (Josh Hopkins), Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), Alex Parrish (Priyanka Chopra), Ryan Booth (Jake McLaughlin), Raina Amin (Yasmine Al Massri), Simon Asher (Tate Ellington), Caleb Haas (Graham Rogers) und Shelby Wyatt (Johanna Braddy)

Das erinnert alles ziemlich an Homeland, nur eben mit FBI statt CIA – allerdings gleicht die Machart eher der ebenfalls klischeegetriebenen und krawalligen Anwaltsserie How To Get Away With Murder: Es gibt verschiedene Zeitebenen, wodurch die Handlung rasanter vorangetrieben werden kann. Einerseits wird rückblickend die Geschichte der FBI-Anwärter erzählt, die eine harte, aber gründliche Ausbildung durchlaufen, andererseits gibt es den Terror-Anschlag, der nach dem Dienstantritt des neuen FBI-Jahrgangs stattfindet. Mir geht diese Konstruktion allerdings zunehmend auf die Nerven, zumal ich es nicht leiden kann, wenn immer wieder längere Sequenzen in Ermangelung intelligenterer Einfälle einfach mit zu lauter und nicht mal guter Musik unterlegt werden. Wobei die Dialoge auch nicht besonders brillant sind – dabei sollte man doch eigentlich annehmen, dass es, wenn sich hochbegabte Alleskönner treffen, eine Menge interessanter Gesprächsthemen geben sollte, die über das übliche Wer-mit-wem- und Ich-bin-besser-Geschwätz hinausgehen. Oder zieht das FBI tatsächlich in erster Linie ehrgeizige Anti-Intellektuelle an? Dann verwundert es allerdings nicht, dass die Terroristen immer ein paar Schritte voraus sind.

Insbesondere in den ersten Teilen der Serie liegt der Focus allerdings auf der Ausbildung und dem Teambuilding in Quantico, wo sich die neuen FBI-Azubis erstmal zusammenraufen müssen. Da wären neben Alex Parrish Ryan Booth (Jake McLaughlin), mit dem Alex auf dem Weg nach Quantico schon ein heißes Date hatte, obwohl oder eher weil er gar nicht ihr Typ ist. Dann gibt es die sehr blonde, sehr reiche und sehr begabte Shelby Wyatt (Johanna Braddy), deren Eltern am 11. September 2001 umgekommen sind, den angeblich schwulen Juden Simon Asher (Tate Ellington), der verheimlicht, dass er schon in der israelischen Armee gedient hat, die moslemischen Zwillingen Nimah und Raina Amin (Yasmine Al Massri), die als eine Person auftreten sollen, die ehrgeizige Ex-Polizistin Natalie Vazquez (Annabelle Acosta) und Caleb Haas (Graham Rogers), der nur aufgenommen wurde, weil seine Eltern beide schon beim FBI waren – der sich am Ende aber als weniger doof heraus stellt, als er den Anschein erweckt.

Quantico - Alex in Aktion Bild: prosieben.de

Quantico – Alex in Aktion Bild: prosieben.de

Und dann gibt es noch Assistant Director Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), die sich um ihren vorbestraften Sohn Charly sorgt, der plötzlich verschwindet sowie den Ausbilder Liam O’Connor (Josh Hopkins), der, wie eine Reihe anderer FBI-Agents auch, darunter leidet, vor Jahren einen verheerenden Anschlag nicht verhindert zu haben. Und wie sich herausstellt, einer der wenigen Menschen ist, die die wahre Identität von Alex Vater kennen: Der war nämlich früher Liams Chef und kam noch weniger mit dem Versagen seiner Institution klar als Liam. Ach ja, fast vergessen, Alex hatte eine traumatische Kindheit mit einem saufenden Vater, der ihre Mutter verprügelte – bis Alex ihn erschoss, um ihre Mutter zu beschützen. Die, wie Alex in Quantico herausfindet, möglicherweise mit dem pakistanischen Geheimdienst in Verbindung stand.

Subtil ist an dieser Serie gar nichts – und das Grande Finale der ersten Staffel ist so brachial spektakulär, dass man sich gar nicht mehr fragt, was der echte Attentäter, der im Laufe der vielen Folgen so ziemlich alle von Alex Mitbewerbern zu irgendwelchen schrecklichen Handlungen gezwungen hat, eigentlich für ein Motiv für eine dermaßen grauenhafte Tat haben könnte – immerhin kann man sich merken, dass die größte Gefahr für das FBI vom FBI selbst ausgeht. Was man unter Ironie verbuchen könnte, wenn man den Serienmachern so etwas unterstellen möchte und das tue ich definitiv nicht. Ich halte sie eher für schizophren: Diese schweinecoolen FBI-Leute sind so gut, dass sie sogar mit sich selbst fertig werden, wenns drauf ankommt. Und es kommt eigentlich immer drauf an.

Bleibt die Frage, warum ich mir das eigentlich angesehen habe? Vielleicht, weil Quantico plakativer Terror-Trash ist, den man sich einfach aus Spaß reinziehen kann, wenn man gerade nichts besseres vor hat. Und Priyanka Chopra als unkaputtbare Super-Agentin ist natürlich auch ein Argument.

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