Liste trauriger Dinge: BCS, Fargo, Mikael Nykvist

Hach, ist das traurig – am Wochenende habe ich jeweils den letzten Teil der dritten Staffel von Better Call Saul und von Fargo gesehen. Und beides geht nicht gut aus, wie man sich denken kann, aber es sind jeweils dermaßen passende und genial gesetzte Schlusspunkte, dass ich meiner Begeisterung hier noch einmal Ausdruck verleihen muss. Auch wenn es Menschen geben soll, die genau diese Art Serien tot langweilig finden. Aber die haben es auch nicht anders verdient.

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Mit der Folge Laterne klärt sich endlich das Verhältnis der McGill-Brüder, wenn auch auf schlimmstmögliche Weise: Chuck gibt endlich zu, dass ihm Jimmy eigentlich total egal ist – Jimmy hat also die ganze vergeblich um die Anerkennung durch seinen großen Bruder gekämpft. Der eigentlich immer nur darauf versessen ist, zu verhindern, dass Jimmy Anwalt wird, weil er ihn charakterlich für völlig ungeeignet hält: Chuck weiß, dass Jimmy ein notorischer Lügner ist, ein begabter Trickbetrüger, ein brillanter Schwindler – und das alles ist Jimmy ja tatsächlich. Der kleine Bruder kann nur mit Betrug und unfairen Tricks besser sein als der große Bruder, das haben wir in der Staffel davor bereits gesehen. Aber Chuck übersieht bei all seinen berechtigten Vorbehalten gegen Jimmys Berufsauffassung, dass Jimmy bei trotzdem ein gutes Herz hat. Und es ist inzwischen klar, dass Chuck der verrücktere und herzlosere von beiden Brüdern ist.

Screenshot Better Call Saul: "Chuck" Charles McGill (Michael McKean)

Screenshot Better Call Saul: „Chuck“ Charles McGill (Michael McKean)

Chuck wird mit einer großzügigen Abfindung aus der von ihm mit gegründeten Kanzlei heraus komplimentiert, während sein kleiner Bruder Jimmy mit seiner Kanzlei-Gründung in so ziemlich jeder Hinsicht scheitert. Und Jimmy fühlt sich auch noch schuldig am Unfall seiner Partnerin Kim, die völlig überarbeitet am Steuer ihres Autos eingenickt ist. Und dann ist da auch noch das Dilemma mit den alten Damen, das Jimmy dann aber in Überwindung seines Egos noch erfolgreich lösen kann – denn wie gesagt, eigentlich hat er ein gutes Herz. Es tut ihm dermaßen leid, dass die von ihm übertölpelte Irene in der Seniorenresidenz wie eine Aussätzige behandelt wird, dass er seinen guten Ruf bei den anderen Ladys ruiniert, um die Sache wieder ins Reine zu bringen. Wie die Sache mit Kim und Jimmy ausgeht, ist hingegen noch immer nicht klar.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Immerhin wissen wir nun, warum sich Gus Frings und Hector Salamanca nicht ausstehen können, und auch warum Hector in Breaking Bad an den Rollstuhl gefesselt ist und seine Sprachfähigkeit eingebüßt hat. Und auch, dass der Verwandlung des betrügerischen, aber letztlich menschenfreundlichen Slipping Jimmy in den aalgatten Kriminellen-Anwalt Saul Goodman irgendwas mit dem überaus grausamen Ende des letzten Teils zu tun haben dürfte. Inzwischen ist eine vierte Staffel von Better Call Saul beauftragt – heute habe ich gelesen, dass Better Call Saul zwar nicht die Quoten der letzten Staffeln von Breaking Bad erreicht, aber doch unter den drei meist gesehenen Serien im US-Kabelfernsehen gehört. Immerhin muss ich sagen, denn Vince Gilligan und Peter Gould haben den doch sehr eigenen Breaking-Bad-Stil in Better Call Saul noch einmal verfeinert und quasi unter die Lupe gelegt: Ich kann nachvollziehen, dass es Serienseher gibt, die bei so etwas einfach aussteigen.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Aber das ist genau das, was mir besonderes Vergnügen bereitet – wir haben doch jetzt hochauflösende Bilder und riesige Bildschirme, also ist es doch super, wenn es akribische Bildkompositionen zu analysieren gibt. Und wir kennen bereits so viele Stereotypen aus anderen Serien, da muss man einfach mit vielschichtigen, widersprüchlichen Charakteren aufwarten, die so genervt kucken können wie Mike Ehrmantraut oder so verächtlich wie Hector Salamanca. Oder so zerknirscht wie Jimmy McGill. Mich erinnert das an die zweite Staffel der Serienhits Heimat – statt des lustig-volkstümlichen Heimattheaters der ersten Staffel (und das meine ich jetzt nich so, wie es vielleicht klingt, denn ich fand das wirklich gut) kam dann so ein manieriertes Kunstprodukt mit eigenartiger Musik zu eigenwilligen Schwarzweißbildern – aber dass die sich das getraut haben! Genau das ist es, was Kunst ausmacht. Better Call Saul ist hohe Serienkunst und wird von Staffel zu Staffel besser.

Michael Nyqvist

Und jetzt muss ich eine Gedenkminute für Michael Nyqvist einlegen – die Nachricht von seinem Tod trifft mich hart.

Meinen Eindruck von der dritten Fargo-Staffel gibt es dann beim nächsten Mal.

Serien-Update: Better Call Saul und Fargo

Derzeit ist eigentlich eine total tolle Zeit für Serienfreaks wie mich. Es gibt so viele Serien wie noch nie – angeblich soll es 2017 allein bis zu 500 neue US-Serien geben. Und dann gibt es ja noch die Briten, die Skandinavier, die Italiener, Franzosen, Israelis und, ja auch die Bulgaren, die 5. Staffel von Undercover habe ich inzwischen angefangen. Andererseits hat der aktuelle Serienboom auch seine Schattenseiten: Erstens, wann soll ich das alles ansehen – und vor allem: Wann soll ich darüber bloggen?!

Als Mitglied der arbeitenden Bevölkerung ist das echt eine enorme Herausforderung – zumal es ja eigentlich auch wichtigere Dinge im Leben geben sollte als Serien zu glotzen. Und dann auch noch darüber zu schreiben. Neben der Arbeit gibt es ja noch allerhand andere Dinge zu regeln. Deshalb befinde ich mich derzeit extrem im Rückstand mit meinen Blogeinträgen – denn zwei meiner absoluten Lieblingsserien haben im April endlich wieder neu durchgestartet, zum einen Better Call Saul, zum anderen Fargo. Da kommt mir die Verschiebung der dritten Mr.-Robot-Staffel vom Sommer in den Herbst schon fast gelegen, damit ich bis dahin all das andere Zeug wegglotzen kann.

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Sowohl Better Call Saul als auch Fargo sind mittlerweile ebenfalls in die dritte Staffel gegangen und aufgrund der altmodischen Nur-einen-Teil-pro-Woche-Ausstrahlungs-Tratition muss man immer eine Woche warten, bis der nächste Teil kommt. Das ist schlimm, weil beide neuen Staffeln schon ab dem ersten Teil wieder dermaßen stark waren, dass ich es jeweils kaum aushalten kann, bis die Fortsetzung kommt. Aber das hat auch wieder etwas für sich, weil Vorfreude bekanntlich die schönste ist. Better Call Saul gibt es seit dem 10. April, Fargo ist seit dem 19. April wieder am Start.

Und natürlich sind beide Fortsetzungen wieder zum Niederknien gut gemacht – bei Better Call Saul geht es in der schon in den früheren Breaking-Bad-Staffeln eingeführten Manier weiter, die jeweiligen Hauptpersonen durch kultverdächtige Sequenzen zu charakterisieren, die in anderen Serien vermutlich in wenigen Sekunden abgehandelt werden würden, hier aber zunehmend akribisch und detailreich inszeniert werden, so dass man entweder komplett aussteigt oder sich vor Begeisterung in die Knöchel beißt: Wie Mike Ehrmantraut sein Auto in sämtliche Einzelteile zerlegt, weil er weiß, dass irgendwo eine Wanze versteckt sein muss, ist dermaßen fantastisch, dass die Konsequenz einfach zwingend ist, nachdem er sie endlich, endlich gefunden hat – natürlich benutzt der clevere alte Fuchs die Waffe seiner Gegner nun gegen sie selbst, indem er die Wanze genau da lässt, wo sie platziert wurde hat. Nur hat er sie nach entsprechender Recherche gegen seine eigene Wanze ausgetauscht: Jetzt überwacht er seine Verfolger.

Ich liebe diese Subtilität, das ist einfach großartig. Mich erinnert dieser Mut zur langen Einstellung, zum Lupen-Blick auf bestimmte Details ziemlich an Edgar Reitz, insbesondere an Die Zweiten Heimat, auch wenn das eine ganz andere Geschichte ist, die ganz anders erzählt wird – aber in einer sehr eigenwilligen Erzählweise, auf die sich der Betrachter einlassen muss, um das alles wirklich genießen zu können. Natürlich haben auch Jimmy, Chuck und vor allem auch Kim ihre großen Momente und ja, es taucht tatsächlich der legendäre Gus Frings auf, jener gewiefte Imbißkettenbesitzer und Drogen-Pate, an dem sich Walter White in Breaking Bad abgearbeitet hat. Also ein dreifaches Daumen-hoch für die dritte Staffel von Better Call Saul!

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Ähnlich geht es mir mit Fargo – wir sind wieder im verschneiten Minnesota, es gibt wieder eine engagierte Polizistin, deren Stiefvater gleich im ersten Teil einer tragischen Verwechslung zum Opfer fällt. Und dann gibt es Mal aber ein zerstrittenes Brüderpaar, von denen der eine der Parkplatz-König von Minnesota ist, der andere aber ein heruntergekommener Bewährungshelfer, der nebenbei mit einer seiner Klientinnen als Partnerin an Bridge-Tunieren teilnimmt. Der Parkplatzkönig hat sich von den falschen Leuten mit einem Überbrückungskredit über den Tisch ziehen lassen – die wollen nämlich gar nicht das Geld zurück, sondern seine Firma als Geldwaschmaschine benutzen. Der Bewährungshelfer hingegen hat einen seiner anderen Klienten engagiert, um seinem Bruder eine wertvolle Briefmarke zu stehlen, was gründlich schief geht. Damit ist der Grundstein für eine schreiend komische Serie gelegt, falls man auf diese Art Humor steht.

Fargo lebt ja von den ganzen Knalltüten, die aus verschiedenen Gründen versuchen, kriminell zu sein, aber einfach nicht schlau genug sind, um vom oder manchmal auch nur mit dem aus Versehen begangenen Verbrechen leben zu können. Und den richtig Kriminellen, die sich einen Spaß draus machen, die Dummen für sich arbeiten zu lassen. Das ist schon ein gemeinsames Thema von Better Call Saul und Fargo – wobei BCS mehr auf den gnadenlosen Zweikampf intelligenter Krimineller herausläuft, während Fargo eher eine Charakterstudie von Gelegenheitskriminellen ist, die, wenn es um die Lösung ihrer Probleme geht, erstaunlich abgebrüht und einfallsreich seinen können, da mit aber nicht besonders weit kommen, weil sie eben aus der Situation heraus handeln, und nicht, weil sie wirklich einen Plan hätten. Insofern ist Fargo auch in dieser Staffel wieder deutlich lustiger als Better Call Saul. Zumindest wenn man auf diese Art von Humor steht. Empfehlen kann ich beides.

Emmy Awards 2016: Diversität und Monokultur

Weil ich ja leider nachts schlafen muss, um tagsüber für meinen Job fit zu sein, konnte ich mir die Verleihung der 68. Emmy Awards heute erst als Feierabend-Event reinziehen – ohne Werbung zwischendurch waren es etwas über zwei Stunden, das kann man schon aushalten, auch wenn sich alle Preisträger bei Cast, Crew und Familie bedanken müssen (immerhin in wechselnder Reihenfolge), was dann irgendwann doch langweilig wird, genau wie die unvermeidlichen Politwitze: Donald Trump hat eine ganze Reihe von RL-Memes gesetzt, denen man einfach nicht entkommen kann. Make the Emmys Great Again. Make Television Great Again. And somehow we make the Mexicans pay for that. And so on.

Nichtsdestotrotz war Jimmy Kimmel gut in Form, und alles in allem ist der Abend ja gut ausgegangen: Rami Malek hat den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie gewonnen, was mich natürlich sehr freut, wobei für mich auch okay gewesen wäre, wenn Bob Odenkirk ihn für Better Call Saul bekommen hätte. Und klar, auch die anderen waren alle sehr gut, aber Mr. Robot ist nun mal die beste der hier nominierten Serien, auch wenn Better Call Saul nur knapp dahinter liegt.

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

Ich denke, dass hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, dass Rami Malek der einzige nicht eindeutig weiße männliche Schauspieler unter den Nominierten in dieser Kategorie war – was seiner Performance keinen Abbruch tut, denn Rami Malek ist einfach der beste denkbare Elliot Alderson. Aber so betont divers, wie sich die Emmys dieses Mal gegeben haben, liegt der Verdacht nahe – und das kritisiere ich ausdrücklich nicht: Vor wenigen Jahren noch hätte ein arabisch-stämmiger Schauspieler vermutlich gar keine Chance gehabt, eine Hauptrolle in einer stylischen, coolen, sehr ambitionierten US-amerikanischen Primetime-Serie zu spielen.

Unter den Nominierten waren insgesamt durchaus zahlreiche Afroamerikaner, so hat beispielsweise Courtney B. Vance den Emmy als beste Hauptdarsteller in einer Mini-Serie gewonnen oder Sterling K. Brown den als bester Nebendarsteller, die beste weibliche Nebendarstellerin in der Kategorie war Regina King. Und natürlich sind auch die Master-of-None-Autoren (und Darsteller) Aziz Ansar und Alan Yang Vertreter von Minderheiten – wobei der aus Taiwan stammende Alan Young bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Autor einer Comedy-Serie daran erinnert hat, dass es ungefähr genauso viele Amerikaner ostasiatischer wie italienischer Herkunft gibt – was sich aber in der Film- und Fernsehgeschichte der USA bisher nicht niedergeschlagen habe, im Gegensatz zu den Italienern mit ihren ikonischen Mafia-Dramen. Und er forderte die asiatischen Eltern auf, ihren Kindern Kameras statt Geigen in die Hand zu geben – dann hätten sie vielleicht auch mal eine Chance.

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Und insofern geht natürlich auch total in Ordnung, dass Jeffrey Tambor einen Emmy für seine Darstellung von Moira Pfefferman in Transparent wieder eine Auszeichung bekommen hat – und der gleichzeitig betonte, dass es hoffentlich das letzte Mal sei, dass er als Mann für die Darstellung einer Transgenderfrau herhalten musste, lieber solle man doch den echten Transgenders eine Chance geben.

Passend dazu hat Jill Soloway, die einen Emmy für die beste Regie in einer Comedy-Serie – eben Transparent – bekommen hat, die Kleiderordnung für Frauen souverän missachtet: Die Kombination von Bluse (mit Schleife) und Blazer war gewagt, aber total misslungen, rausgerissen haben das nur die roten Sportschuhe. Vor der Verweigerung der üblichen Highheels habe ich echt Respekt – mir ist ohnehin ein Rätsel wie andere Frauen Folterwerkzeuge mit 8 bis 10 Zentimeter Absatzlänge (oder gar mehr) einen Arbeitstag oder Abend am Fuß ertragen können. Wenn die Schuhe sehr gut gepolstert sind, kann ich das auch mal für ein paar Stunden ab, aber laufen in dem Sinne geht damit einfach nicht. Es gibt so vieles, was Frauen sowieso immer noch aushalten müssen – warum dann auch noch unbequeme Schuhe?! Männer tun sich das doch auch nicht an!

Wo wir aber gerade bei Frauen sind: Mich hat natürlich auch der Emmy für Susanne Bier gefreut, die als beste Regisseurin einer Miniserie den Preis für ihre Arbeit mit The Night Manager bekam. Es gibt ja nun wirklich nicht viele weibliche Regisseurinnen und noch weniger international anerkannte – aber vielleicht ändert sich das ja nun auch langsam mal. Wobei mich dann doch schon wieder ein bisschen genervt hat, dass Veep mit Emmys förmlich überhäuft worden ist. Ja, eine Comedyserie über eine erste weibliche US-Präsidentin ist schon lustig, und die Entschuldigung von Julia Louis-Dreyfus für das eigenartige politische Klima in den USA – eigentlich hätten sie ja eine Comedy-Serie machen wollen, nun sei Veep aber leider eine Dokuserie über den traurigen alltäglichen Wahnsinn – fand ich auch total sympathisch – aber ab und zu hätte in Sachen Comedy auch mal eine andere Serie irgendwas gewinnen können, so ging Silicon Valley komplett leer aus.

Genau wie bei den Dramaserien, wo Game of Thrones wieder so ziemlich alles abgeräumt hat: ja, das ist gewiss eine grandiose Serie, aber für alle, die es nicht so mit Drachen und epischen Schlachten haben, gibt es auch noch ziemlich gutes Fernsehen – so fällt mir gerade auf, dass es nicht eine einzige Nominierung für Halt and Catch Fire gab, was auch eine ziemlich gute Serie ist. Oder für Manhattan. Und tolle Serien wie Fargo oder Better Call Sauldie ebenfalls nominiert waren, konnten dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen. Und bei den Mini-Serien war es nicht besser, da hat The People vs. O. J. Simpson fast alles andere platt gemacht.

Wobei, ich muss zugeben, dass es sympathische Ausreißer gab, etwa den Emmy für die beste männliche Gast-Rolle, der an Peter Scolari ging, der in Girls Hannahs Vater spielt oder für Margo Martindale, die sozusagen das weibliche Pendant in The Americans gab. Insofern sind auch die Emmys längst noch nicht so ausgewogen und perfekt, wie sie sich gerade feiern. Aber immerhin schon sehr viel weiter als die Oscars – was auch ständig betont wurde. Jimmy Kimmel hat das in löblich kritischer Selbstanalyse ja während der Show definiert:“Was wir hier in Hollywood noch mehr schätzen als Vielfalt, ist, uns selbst dafür zu feiern, wie sehr wir Vielfalt schätzen.“ Das ist aber genau die Selbstreflexion, zu der das Fernsehen bereits in der Lage ist. Mal sehen, wann das in der Kino-, äh Blockbusterindustrie denn ankommt.

Nachlese: Better Call Saul (2. Staffel)

Leider bin ich seit einiger Zeit in meinem Brotjob viel zu gefordert, um meine Lieblingsserien in diesem Blog Folge für Folge beschreiben zu können – immerhin habe ich meistens aber Zeit genug, sie mir wenigstens anzusehen. Wobei ich beim Highlight des diesjährigen Frühlings für eine Kritik schon wieder viel zu spät dran bin – selbstverständlich rede ich von der 2. Staffel des Breaking-Bad-Spin-offs Better Call Saul.

Auch die zweite Staffel habe ich Folge für Folge zelebriert und mir dann den Luxus geleistet, erstmal gar nicht darüber zu schreiben – dass Breaking Bad als Gesamtkunstwerk noch immer die beste Serie der Welt ist, steht ja wohl außer Zweifel, genauso wie ganz klar ist, dass auf die Breaking-Bad-Erfinder Vince Gilligan und Peter Gould Verlass ist: Sie laufen auch in der Fortsetzung von Better Call Saul zu Hochform auf. Wobei sie auch anders können, wie ich mit einem Blick in Battle Creek festgestellt habe. Doch das ist eine andere Kritik, die ich ein andermal schreiben werde.

Better Call Saul - Jimmy (Bob Odenkirk) entspannt sich. Bild: Netflix.com

Better Call Saul – Jimmy (Bob Odenkirk) entspannt sich. Bild: Netflix.com

Wie ich zur ersten Staffel bereits schrieb, findet sich in Better Call Saul genau das wieder, was ich an Breaking Bad so großartig fand: Der Mut zum großen Wurf, gepaart mit der Liebe zum Detail. Die Serie leistet sich den Luxus, skurrile Szenen nicht als Beiwerk zur Auflockerung, sondern als völlig ernsthafte Hauptsache aufzubereiten: Allein die Eingangssequenzen zu jeder weiteren Folge sind mit ihren, oft aus dem sonstigen Zusammenhang des eigentlichen Handlungsverlaufs gerissenen, rätselhaften Binnenhandlungen schon kleine Kunstwerke für sich.

Better Caul Saul - Mike (Jonathan Banks) Bild: Netflix.com

Better Caul Saul – Mike (Jonathan Banks) Bild: Netflix.com

Und in der zweiten Staffel wird das Skurrile auf die Spitze getrieben: Ob nun Mike, der inzwischen eine Rechnung mit Hector Salamanca offen hat, seiner Enkelin die Schutzbrille aufsetzt, um sie in akribisch ausgemessenen Abständen Löcher in einen Gartenschlauch bohren zu lassen, oder ob Jimmy (Bob Odenkirk) sich eine Auswahl seiner schon in Breaking Bad zu bewundernden farbenfrohen Kombinationen unmöglicher Krawatten mit nicht weniger unmöglichen Hemden und Anzügen zulegt und dann anfängt, im Büro Dudelsack zu üben, damit sein Chef ihn endlich rauswirft – das sind nun wirklich nicht die Dinge, mit denen herkömmliche Drehbuchschreiber die Handlung vorantreiben, um Zuschauer zu fesseln. Aber es wirkt genau so: Ich will einfach immer mehr davon.

Und natürlich gibt es wirklich spannende Handlungstränge: Wir erfahren, auf welche Weise Mike (Jonathan Banks) in diese fiese Sache mit dem Salamanca-Clan geraten ist und natürlich auch mehr über Jimmys Kampf, sich aus dem gigantischen Schatten seines großen Bruders zu  befreien. Charles „Chuck“ McGill (Michael McKean), der vernünftige, der ebenso korrekte wie geniale Anwalt, der zwar einen komplett-Knall hat – an seine totale Elektrosensibilität ist zwar nur eine eingebildete, wie wir in der ersten Staffel bereits erfahren haben, aber trotzdem ist sie für ihn erschöpfende Realität. Chuck versucht zwar immer wieder, Jimmy vor sich selbst zu bewahren, aber er ist zum Scheitern verdammt, schon weil es ihm gar nicht zusteht, seinem Bruder beibringen zu wollen, was gut für ihn ist und was nicht.

Better Caul Saul - Jimmy (Bob Odenkirk) und Kim Wexler (Rhea Seehorn) Bild: netlix.com

Better Caul Saul – Jimmy (Bob Odenkirk) und Kim Wexler (Rhea Seehorn) Bild: netlix.com

Chuck weiß, dass Jimmy es war, der mit seinem wiederholten Griff in die Ladenkasse ihres Vaters letztlich für den Ruin des kleinen elterlichen Geschäfts verantwortlich war: Ihr Vater war einfach ein ehrlicher, etwas naiver Mann, der an das Gute im Menschen glauben wollte. Obwohl der kleine Jimmy, der im Laden aushelfen und sein Taschengeld auf diese Weise verdienen musste, ihn vor ausdrücklich Betrügern gewarnt hatte. Aber weil sein Vater nicht auf ihn hören wollte, hat Jimmy dann dessen Glauben an das Gute in den falschen Menschen halt für auch sich selbst genutzt.

Noch bitterer der Tod ihrer Mutter: Sterbend fragt sie nach Jimmy, der sich gerade irgendwas zur Erfrischung holt, während der gute, ehrliche Chuck an ihrem Sterbebett mit ihr aushält. Das ist nicht schön. Das ist frustrierend. Doch die zweite Staffel offenbart, dass auch Chuck es faustdick hinter den Ohren hat: Vielleicht ist er seinem missratenen Bruder ähnlicher, als er es selbst wahrhaben will.

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Better Call Saul – Jimmy lässt seinen Charme spielen – Bild: Netflix.com

Natürlich hat er eine eigene Agenda, als er Kim Wexler (Rhea Seehorn), zu verstehen gibt, was der Partner, mit dem sie sich selbstständig machen will für ein Typ ist. Kim ihrerseits ist ja auch eine engagierte, begabte, aber eben auch ehrliche Anwältin, die mit den Geschäftsgebaren von Jimmy überhaupt nicht einverstanden ist. Andererseits will sieht sie, dass Jimmy auf seine sehr spezielle Weise ein gutes Herz hat.  Und sie will ihr eigenes Ding machen – deshalb willig sie ein, mit Jimmy, der nichts sehnlicher wünscht, als dass sie seine Partnerin würde – aber eben auch im Privatleben – mitteilt, sie würde es tun. Aber nur unter der Bedingung, dass sie beide nur die Räumlichkeiten und die Ressourcen teilen, und ansonsten komplett ihr eigenes Ding durchziehen würden. Jimmy auf seine Art und sie eben auf ihre. Das ist nicht das, was Jimmy sich vorgestellt hatte, aber als flexibler Pragmatiker nimmt er lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Better Call Saul - Mike (Jonathan Banks) und Hector Salamanca (Mark Margolis) - Bild: Netflix.com

Better Call Saul – Mike (Jonathan Banks) und Hector Salamanca (Mark Margolis) – Bild: Netflix.com

Chuck läuft daraufhin zur Hochform auf, um Kim ihren wichtigsten Kunden wegzuschnappen – indem er einfach nur den staubtrockenen Aktenfresser gibt, der er ja auch tatsächlich ist. Und siehe da: Die auf Sicherheit versessenen Großkunden wählen die etablierte Kanzlei samt ihren schier unendlichen Ressourcen und nicht die engagierte Newcomerin. Doch Chuck hat die Rechnung ohne Jimmy gemacht – und seinem Bruder ist bekanntlich jedes Mittel recht, um Erfolg zu haben: Jimmy fälscht in einer groß angelegten Aktion eine wichtige Adresse in den Gerichtsakten, die er bei seinem Bruder vorfindet, um die Sache noch in Kims, also seinem, Sinn zu drehen.

Natürlich kommt Chuck im Verlaufe des völlig misslingenden Gerichtstermins darauf – und so haben wir in bester Breaking-Bad-Manier wieder einen Cliffhanger, der die Wartezeit zur nächsten Staffel unerträglich macht. Gut nur, dass es mittlerweile so viele andere Serien gibt, mit denen sich die Wartezeit überbrücken lässt. Aber es bleibt weiterhin schwer, an Breaking Bad und Better Call Saul heranzukommen.

Better Call Saul - Charles "Chuck" McGill (Michael McKean) - Bild: Netflix.com

Better Call Saul – Charles „Chuck“ McGill (Michael McKean) – Bild: Netflix.com

Einen Tipp habe ich aus aktuellem Anlass aber doch: Bei Netflix ist seit heute London Spy verfügbar. Das ist zwar keine Serie, die in der Breaking-Bad-Liga spielt, aber ein solider Tipp für die Freunde des britischen Spionage-Thrillers. Und Ben Whishaw, Charlotte Rampling und Jim Broadbent sind auch an Bord.

Die 10 besten Serien 2015

1. Mr. Robot

Hier mögen die Meinungen auseinander gehen – ja, und ich bin auch nicht damit einverstanden, dass alles am Ende so ins Psychologische abgekippt ist – aber trotzdem ist diese Serie diejenige, die ich für die in vielerlei Hinsicht für die relevanteste Neuerscheinung des ganzen Jahres halte. Sowohl, was die Relevanz der behandelten Themen angeht, als auch, was die Erzählweise und die Ästhetik betrifft: Mr. Robot ist einfach auf der Höhe der Zeit.

Ein psychisch instabiler Held, der mit der Gesellschaft unzufrieden ist, und die neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche nutzt, um Dinge, an denen er sich stört, irgendwie in Ordnung zu bringen – was letztlich aber auch nicht so funktioniert, wie er sich gedacht hat: Das ist an sich schon eine ziemlich gute Idee. Und über die ganze Palette möglicher Bedrohungen im und durch das Internet von Stalking, herkömmlicher Cyberkriminalität, Identitätsdiebstahl, über Ashley Madison, den Sony Hacks und Anonymous bis hin zur ganz normalen Überwachung durch Google, Facebook, Amazon, Netflix oder den eigenen Arbeitgeber werden viele negative Aspekte der wunderbaren Vollvernetzung aufgegriffen.

Sam Esmail hat ein tolles Drehbuch abgeliefert, aus dem USA Network etwas Besonderes gemacht hat. Und natürlich ist Rami Malek super – aber auch alle anderen im Cast. Jeder Preis und jede Auszeichnung dafür ist mehr als angemessen. Insofern freut mich natürlich, dass es nun eine Menge Nominierungen für Mr. Robot hagelt – den Audience Award vom SXSW Film Festival hatte die Pilot-Folge ja schon gewonnen und Sam Esmail den Gotham Independent Film Award für die Breaktrough Serie 2015.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Elliot (Rami Malek)

2. Fargo

Die erste Staffel von Fargo war einfach der Hammer, aber auch die zweite bewährt sich – obwohl ich zugeben muss, dass ich mir nach einigen Teilen nicht mehr so sicher war: Jede Menge Leichen, aber ziemlich wenig roter Faden. Aber zum Staffelende nahm die Geschichte wieder deutlich an Fahrt auf und alles war wie erwartet wunderbar – und zwar nicht nur das bonbonbunte 70er-Jahre-Ambiente. Selten hat man so grandios aneinander vorbei geredete Dialoge erlebt wie die von Peggy und Ed. Und überhaupt die ganze Ausweglosigkeit dieser beiden Helden, die eigentlich ja einfach nur Verlierer sind, aber sich weigern, das einzusehen – das ist große Klasse. Aber auch Sheriff Larsson und State Trooper Lou Solverson werden durch die Auseinandersetzung mit dem hochkriminellen Gerhardt-Clan und seiner Konkurrenten schwer geprüft. Und dann ist da noch Lous krebskranke Frau Betsy, die ihr Schicksal tapfer trägt. Doch Coen-typisch gerät jeder noch so tiefe Griff in die Klischee-Kiste hier nicht zum Kitsch, sondern zu einer absurd komischen oder eben auch absurd tragischen Zuspitzung dieser ohnehin schon reichlich eigenwilligen Geschichte – was eben das Besondere dieser Serie ausmacht.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Peggy (Kirsten Dunst) und Ed Blomqist (Jesse Plemons)

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Peggy (Kirsten Dunst) und Ed Blomqist (Jesse Plemons)

3. Better Call Saul

Nicht ganz so haarsträubend wie die Ursprungsserie Breaking Bad, aber auch schlimm genug: Jimmy McGill, der schlecht bezahlte Pflichtverteidiger, der dumme Jungs aus dummen Situationen retten muss, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben, entdeckt als Geschäftsmodell die Alten und Kranken. Die brauchen auch Beistand und ein vernünftiges Testament. Und wie wir erfahren, war Jimmy schon immer ein bisschen kriminell – als Slipping Jim hat er in seiner Heimatstadt darauf gelauert, dass Menschen sich bei Glatteis die Knochen brechen und Jimmy dann an der Schadensersatzklage mitverdienen kann. Dieses Modell funktioniert im warmen Süden aber nicht, wie er schnell feststellen muss – denn er legt sich leider mit dem Falschen an. Dafür steigert sich Jimmy mit eigenwilligen Mitteln zum Geheimtipp für die ganz hoffnungslosen Fälle. Als Running Gag gerät Jimmy immer wieder in Konflikt mit dem mürrischen Parkplatzwärter Mike Ehrmantraut, der früher einmal Polizist war. Aber, wie man auch Breaking Bad ja schon weiß, führt das Schicksal diese beiden zusammen – und jetzt erfahren wir, wie. Doch, Better Call Saul ist nicht Breaking Bad, aber diese Serie hilft einem zu verkraften, dass es nach Breaking Bad kaum noch etwas besseres geben kann.

Better Call Saul - Noch heit Saul Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Better Call Saul – Noch heit Saul Jimmy McGill (Bob Odenkirk) – Bild: amctv.com

4. Sense8

Das vermutlich größenwahnsinnigste Serien-Projekt des Jahres dürfte Sense8 gewesen sein, und mal abgesehen von Games of Thrones, das weiterhin ohne mich stattfindet, war es bestimmt auch eins der teuersten: Drehorte auf der ganzen Welt, von Island über London, Berlin, Mexico City, San Francisco, Chicago, bis hin zu Nairobi, Mumbai und Seoul, und acht Hauptcharaktere, deren Geschichten und Leben miteinander in Beziehung stehen, obwohl sie einander noch nie gesehen haben. Und obwohl ich eigentlich nicht so sehr auf Mysterien und Übernatürliches stehe, hat mir Sense8 alles in allem doch großen Spaß gemacht, weil die Helden letztlich dann doch normal genug waren, um als Zuschauer ihre Probleme noch ernst nehmen zu können. Mir hat auch gefallen, dass man etwa durch den Kenianer Capheus (Aml Ameen) auch etwas über den Alltag in Nairobi („Welcome to Nai-Robbery“ sagt der Gangster, der den Bus überfällt) erfährt oder die Inderin Kala über die gesellschaftlichen Spannungen auf dem indischen Subkontinent. Die Vielseitigkeit war eindeutig ein Plus, auch wenn hier natürlich auch viele eigenartige Klischees anzutreffen waren. Es ist ja nun wirklich nicht so, dass in Berlin nur russische und jüdische Gangster leben und ganz San Francisco eine einzige Pride-Parade ist. Und auch wenn ich die Story ingesamt reichlich konfus und alles in allem doch etwas schwach finde, spielt das letztlich keine Rolle: Sense8 waren zwölf Stunden bildgewaltige Unterhaltung aus dem globalen Wachowski-Universum, das hat sich allein deshalb schon gelohnt.

Sense8: Wolgang (Max Riemelt)

Sense8: Wolgang (Max Riemelt)

5. Halt an Catch Fire

Die meiner Ansicht nach unterschätzteste Serie derzeit ist Halt and Catch Fire – ein wirklich sehenswertes Retro-Drama über die beginnende Computerisierung von Arbeitswelt und Alltag zu Beginn der 80er Jahre. Im Mittelpunkt der zweiten Staffel, die in diesem Sommer heraus gekommen ist, stehen nun die noch sehr junge, aber sehr begabte Programmierin Cameron und die Technik-Expertin Donna, die beide gemeinsam ein Internet-Start-Up gegründet haben, wie man heute sagen würde: In einem mit Technik vollgestellten Haus werkeln sie gemeinsam mit einer Horde Nerds an der Zukunft der Online-Spiele. Und natürlich ist das alles nicht so einfach – es gab damals ja noch keine Infrastruktur, die für solche Anwendungen vorgesehen war. Außerdem tun sich die Männer mit den neuen Rollenbildern schwer – dass Frauen arbeiten gehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ist in den USA zwar normal, aber normal ist eben auch, dass sie sich nebenbei noch um Mann und Kinder kümmern – was Donna bei ihrem Arbeitspensum einfach nicht schafft. Es geht also nicht nur um neue Technik und wie man daraus ein Geschäftsmodell machen kann, sondern unter anderem auch um die bis heute nicht gelöste Frage, wie frau Arbeitsleben und Familie unter einen Hut bekommt.

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6. Narcos

Narcos ist die realistische Variante von Breaking Bad – die Geschichte des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar und dem Aufstieg seines Medellín-Kartells zu einer der mächtigsten Organisationen im internationalen Drogengeschäft. Auch diese Serie spielt in den späten 70er und den 80er Jahren und zeigt unter anderem, wie schwierig es damals ohne Internet und Handy war, Leute gezielt zu überwachen und abzuhören. Die Handlung wird aus der Sicht des DEA-Agenten Steve Murphy und dessen Partners Javier Pena erzählt, die mit der Zeit selbst mehr und mehr in den Sumpf aus Korruption und Gewalt gezogen werden, mit denen das Kartell das ganze Land überzieht. Die Serie ist gnadenlos, brutal und kein bisschen lustig – aber sie zeigt, wie das Drogengeschäft und das Geld, das sich damit verdienen lässt, eine komplette Gesellschaft unterminiert. Und das ist nicht mal die hässlichste Variante des Kapitalismus.

Pablo Escobar (Wagner Moura) in Narcos (Bild: Netflix)

Pablo Escobar (Wagner Moura) in Narcos (Bild: Netflix)

7. Master of None

Tatsächlich hat es mit Master of None eine echte Comedy in meine Bestenliste geschafft. Es ist ja nicht so, dass Fargo oder Better Call Saul nicht auch zum Teil sehr lustig wären, aber es gibt ja mittlerweile zumindest für die Emmy-Nominierungen inzwischen eine knallharte Definition, was bitte schön Drama- und was Comedy-Serie sei: Serien mit Teilen unter 30 Minuten sind Comedy, Serien mit 40-55 Minuten-Teilen sind Drama – egal ob lustig oder nicht. Master of None ist also Comedy und tatsächlich auch sehr lustig: Aziz Ansari ist ein Meister darin, die Absurditäten des New Yorker Alltags von nicht mehr ganz jungen Immigranten-Kindern auf den Punkt zu bringen, die es in jeder Beziehung besser haben als ihre Eltern, aber einfach keine Lust, daraus etwas zu machen, worauf ihre Eltern stolz sein könnten. Ihre größte Sorge ist, wie das nächste Date verläuft und dass es dann ein weiteres gibt. Klingt unspektakulär – aber genau das macht den Charme der Sache aus.

Master of None

Master of None

8. The Man in the High Castle

Doch, diese Retro-Sci-Fi-Serie aus dem Hause Amazon sollte man gesehen haben – so verstörend waren die 60er Jahre noch nie. New York im Look von Berlin 1936, japanische Straßenschilder in San Francisco und eine Gesellschaft, in der es normal ist, dass Menschen verschwinden, vergast werden und als Ascherregen auf blühende Wiesen niedergehen – es ist ja nicht so, dass es das nicht tatsächlich schon gegeben hätte. Genau das ist ja so erschreckend daran – und auch, wie bereitwillig sich die Menschen unter unmenschlichen Umständen anpassen, weil sie für sich hoffen, irgendwie davon zu kommen. Und wer dabei nicht mitmachen will, riskiert sein Leben – und das seiner Mitmenschen. Was also tun, wenn es keine Lösung gibt, bei der man sich gegen unerträgliche Zustände wehren und gleichzeitig mit dem Leben davon kommen kann?

Screenshot: The Man in the High Castle: In weniger als zweit Stunden von New York nach San Francisco

Screenshot: The Man in the High Castle: In weniger als zweit Stunden von New York nach San Francisco

9. Hand of God

Eine weitere Amazon-Serie, die ich in diesem Jahr sehenswert fand, ist Hand of God, ein Psychodrama über den einflussreichen Richter Parnell Harris, der durch den Selbstmord seines einzigen Sohnes Zuflucht in der Religion sucht und sich auf einen fatalen Rachefeldzug begibt. Es geht auch hier um Geld und Korruption, Macht und Intrigen. Und darum, ob es nun Gottes Wille ist, der Pernell dazu bringt, dass Recht in die eigenen Hände zu nehmen, oder nicht viel mehr sein eigener. Es gibt erstaunlich wenig Serien, die sich damit beschäftigen, was Menschen überhaupt motiviert, an Gott (in welcher Form auch immer) zu glauben – insofern ist Hand of God tatsächlich mal etwas anderes, auch wenn die Geschichte, die hinter dem Selbstmord des Sohnes dann auch wieder nicht dermaßen originell ist. Aber auf jeden Fall solide Serienkost mit interessanten Charakteren.

Hand of God - Pernell mit Reverend Curtis (Julian Morris)

Hand of God – Pernell mit Reverend Curtis (Julian Morris)

10. Deutschland 83

Gut, als bei der einzigen deutsche Serie, die ich in diesem Jahr ganz interessant fand, spielt bei Deutschland 83 ein erheblicher Mitleidsbonus mit – bei den RTL-Zuschauern ist der Achtteiler über den Stasi-Spion wider Willen ja komplett durchgefallen. Aber ganz ehrlich: Das hat RTL sich nun wirklich selbst zuzuschreiben. Denn wer eine solche Serie sehen will, der wartet nicht, bis sie endlich mal im deutschen Fernsehen läuft. Und dann noch auf einem Sender, der einem nur von nerviger Werbung unterbrochene Handlungshäppchen anbietet. Also ehrlich: Ein echter Serien- oder Filmfan akzeptiert keine Werbeunterbrechungen. Früher half da nur die Aufzeichnung, aus der man die Werbung halt rausschneiden konnte, heute gibt es entsprechende Angebote im Internet.

Und noch was, RTL: Die Zielgruppe für eine halbwegs gute Serie über deutsch-deutsche Geschichte sieht sich am Donnerstagabend schon die Serie auf arte an – da kommen auch immer zwei Teile hintereinander und zwar ohne Werbung. Die Idee, einfach mal zu versuchen, Zuschauer, die man verloren hat, mit guten Inhalten zurückzugewinnen, ist prinzipiell eine gute. Aber in heutigen Zeiten reicht das halt nicht mehr – die Leute wollen ihre Serien dann ansehen, wenn sie Zeit und Lust dazu haben. Und nicht, wann ein Sender meint, sie senden zu müssen.

Screenshot Deutschland 83 - Martin (Jonas Nay) und Annett (Sonja Gerhardt) via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 – Martin (Jonas Nay) und Lenora (Maria Schrader) via sundance.tv

11. Jessica Jones

So, und was wäre mein 10. Platz ohne Mitleidsbonus gewesen? Jessica Jones. Ich kann zwar sonst nicht viel mit Marvel anfangen, überhaupt bin ich eine Comic-Banausin – nicht aus einer prinzipiellen Missachtung des Genres heraus, aber ich lese trotzdem lieber Bücher ohne Bilder. Und wenn Bild, dann doch gleich Film. Aber das funktioniert für mich auch nicht immer: Daredevil beispielsweise war definitiv nicht mein Ding – aber die düstere Privatdetektivin aus New York hat mich jetzt doch überzeugt: Allein der Vorspann und die Musik dazu, und natürlich Krysten Ritter – die verhängnisvolle Jane Margolis aus Breaking Bad. Und dann die Idee, eine alkoholsüchtige Ex-Superheldin auf einen gewissenlosen Superfiesling loszulassen, der anderen Menschen seinen Willen aufzwingen und sie damit zu den Schrecklichsten Dingen bringen kann, das hat schon was. Es geht um Missbrauch und Schuld und die Frage, wie man sich aus Abhängigkeiten und der Opferrolle befreien kann. Das ist ein gutes und wichtiges Thema. Endlich eine Frauenserie, die mich nicht nervt!

Jessica Jones (Kristen Ritter)

Jessica Jones (Kristen Ritter)

Natürlich gab es noch eine Reihe weiterer Höhepunkte im Serienjahr 2015 – zu denen komme ich noch in weiteren Blogeinträgen.

Homeland – Better Call Saul

Nun ja, eigentlich finde ich den Witz wirklich zu plump, aber weil die Handlung mit der vorherigen Folge deutlich an Fahrt aufgenommen hat, habe ich natürlich auch mit Homeland weiter gemacht. Und weil Saul Berenson ja nun wirklich Saul heißt und Carrie tatsächlich besser daran getan hat, ihn nicht direkt anzurufen, denn so etwas tut man in CIA-Agentenkreisen besser nicht, siehe das Dilemma mit dem unerwarteten Anruf auf Allisons Handy – man lässt sich also Profi auf subtilere Weise Nachrichten zukommen und genau das hat sie getan – geht der Episoden-Titel letztlich schon in Ordnung.

Die ehrgeizige Allison ist also eine Doppelagentin – sie trifft sich mit eben jenem Kontaktmann vom russischen Geheimdienst SWR, der sicherlich nicht nur für den Tod von Katja und Korzy verantwortlich ist. Dass die Russen ein Interesse daran haben, Assad im Amt zu behalten ist ja nun wirklich keine Erfindung der Homeland-Autoren – was die derzeitigen Entwicklungen bestätigen. Hier sind die Serien-Autoren durchaus auf der Höhe der Zeit, auch wenn man sich sonst natürlich fragen kann und muss, was sie eigentlich zeigen und letztlich aussagen wollen. Erstmal geht es hier nicht um einen aktuellen Kommentar zur Weltpolitik, sondern um eine gar nicht so schlechte Fernseh-Serie darüber.

Homeland - Astrid (Nina Hoss)

Homeland – Astrid (Nina Hoss)

Ich muss auch sagen, dass ich diese Rassismus-Kritik an Homeland ziemlich larmoyant finde – die Bösen sind ja eben nicht die Araber, unter denen es gewiss auch böse Typen gibt, sondern die Feinde in den eigenen Reihen der US-Geheimdienste und deren Verbündeten. Und der weiße, rothaarige US-Marine Nicholas Brody aus den ersten Staffeln entspricht ja nun wirklich nicht dem Klischeebild eines islamistischen Selbstmordterroristen.

Und Carrie ist ja auch nicht so angelegt, dass sie als Vorlage zu Identifikation für die guten blonden und auch weniger blonden Mädchen taugen würde – dazu ist sie viel zu gestört. Was ich gerade wieder gut finde – ich kann mich mit keiner von den Hauptfiguren in Homeland identifizieren. Genauso wenig wie bei den Sopranos, oder Breaking Bad oder Hand of God – wir haben hier Serien, in denen alle Hauptfiguren irgendwie unsympathisch sind, aber dann auch irgendwie menschlich, weshalb man sich trotzdem für sie interessiert. Ich denke, dass man hier eher die Kriterien der Kritiker kritisieren muss, als das Serien-Konzept: Seit wann sind denn Thriller-Serien ein Vorbild für das wahre Leben?!

Dem mündigen Fernseher ist doch hoffentlich klar, dass Serien eben nicht das wahre Leben abbilden, sondern eine wie auch immer idealisierte Form davon. Klar, gute Serien behandeln alle wichtigen Fragen des echten Lebens – aber sie sind keine Handlungsanweisung. Wer danach verlangt, soll hat Ratgebersendungen ansehen, von denen es mehr als genug gibt. Wobei ich ausdrücklich davor warnen möchte. Ich hasse Ratgeber-Sendungen.

Zurück zu Allison: Sie versucht, den Anschlag auf die Syrien-Hoffnung der USA, General Youssef, dem Mossad in die Schuhe zu schieben – halbwegs erfolgreich sogar, denn Saul macht sich gleich auf den Weg zu seinem Freund Etai, bei dem die beiden zum Seder-Abend eingeladen waren. Aber der versichert Saul, nichts damit zu tun zu haben, in dem er folgenden Kultsatz loslässt: „We didn’t murder the general you never met to discuss the coup you weren’t planning.“ Das hat tatsächlich schon Better-Call-Saul-Niveau.

Ansonsten zieht Carrie mal wieder alle Register, um zu bekommen, was sie will, auch wenn es wie so oft gar nicht für sie selbst, sondern in diesem Fall für Quinn ist: Sie behauptet Jonas gegenüber, dass sie verletzt sei und dass er ihr helfen soll. Carrie nutzt natürlich auch aus, dass Jonas Schwester Ärztin ist – sie soll Quinn Antibiotika und Verbandszeug beschaffen, denn Quinn sollte bekanntlich nach seinem Auftrag Carrie zu ermorden umgebracht werden und ist dem Anschlag nur knapp entgangen. Noch lebt er, während Carrie versucht, Laura Sutton zu finden, die, wie Carrie meint, im Besitz jener geheimen CIA-Dokumente ist, die Aufschluss über diese ganzen Verwicklungen geben können.

Homeland - Saul Berenson (Mandy Patinkin)

Homeland – Saul Berenson (Mandy Patinkin)

Aber Laura hat diese Dokumente nicht – für die sind Korzy und Katja vergeblich gestorben. Informant Numan hat auch bereits einen Plan B angestoßen, er fordert die Berliner Öffentlichkeit auf, vor der russischen Botschaft zu demonstrieren – das wiederum ist reichlich naiv, denn man sollte ja spätestens seit den arabischen Frühlingsdemos und Occupy mitbekommen haben, dass man zwar gern auf die Straße gehen kann, aber nie das bekommt, was dort gefordert wird: Wenn man mit Demonstrationen die Politik tatsächlich beeinflussen könnte, wären sie verboten.

Okay, manche Demos werden tatsächlich verboten – aber das nur, dass die Leute da oben noch nicht kapiert haben, wie man mit Demonstranten umgeht: Man lässt die Leute ein paar Stunden rumbrüllen und sich gut fühlen, dann räumt man auf und geht zum Tagesgeschäft über: Business as usual. Die Leute, die für oder gegen eine Sache auf die Straße gehen, sind ja eben nicht die gefährlichen, sondern vielmehr die naiven Menschen, die noch immer an das Gute in der Demokratie glauben. Dem Aufruf von Numan folgen auch viele und es gibt eine große Demo mit vielen Maskierten – was Carrie entgegen kommt, da fällt sie nicht auf, obwohl sie sich ja ohnehin mit ihrem Baader-Meinhof-Look schon ein Kompliment von BND-Astrid verdient hat, an die sie sich wendet, weil sie sonst niemanden mehr hat, an den sie sich noch wenden könnte: Sie ist ja eigentlich tot. Und natürlich hilft Astrid Carrie oder vielmehr Quinn – mit dem hatte Astrid ja mal was, wie wir aus Staffel 4 wissen.

Dieses Mal sind die Locations übrigens nicht so akkurat wie bei der vorherigen Folge, natürlich findet die Demo vor der russischen Botschaft nicht vor der russischen Botschaft statt – ehrlich gesagt, hab ich nicht so gut aufgepasst, ich würde Littenstraße vermuten, es kann aber auch ganz wo anders sein. Genau wie ich nicht sicher bin, wo sich Quinn versteckt, es gibt eine Menge alter Sakralgebäude, die bunten Fenster legen das nahe – bei den Außenaufnahmen vermute ich eher RAW-Gelände. Kann aber auch wo anders sein, alte Industrieanlagen mit Gleisen und an der Spree gibt es jede Menge in Berlin.

Carrie trifft Laura im Ostbahnhof, den erkenne ich wieder – was aber jetzt von der russischen Botschaft aus auch nicht naheliegend ist, das wäre eher Friedrichstraße oder Alexanderplatz. Aber egal, es geht ja um die Geschichte, nicht um Geografie. Und sowohl Carrie als auch Saul werden gerade massiv verladen – gut möglich, dass sie das jetzt trotz aller Differenzen wieder zusammen führt. Und dann ist auch sicher, dass der rettende Engel, der Quinn versucht, davon abzuhalten, sich zu Carries Schutz in der Spree zu versenken, nicht zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort ist.

Tja, ich werde wohl auch die nächste Folge sehen müssen…

Mein erstes Jahr mit Netflix

Das erste Jahr mit Netflix ist vorbei – und die Fernsehrevolution hat zumindest bei mir nicht statt gefunden. Aber um fair zu sein muss ich natürlich klar stellen, dass ich auch vor Netflix schon sehr wenig im klassischen Fernsehen angesehen habe – die Sachen, die ich sehen möchte, will ich ohne Werbeunterbrechungen sehen und zwar dann, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.

Das bedeutet, dass ich ohnehin fast alle Serien und Filme aufnehme und von Festplatten aus auf meinen noch nicht so richtig smarten, aber streaming-tauglichen Fernseher spiele. Mir zwischen unerträglichen Werbespots eine Serie häppchenweise in den Mund zählen zu lassen ist für mich unvorstellbar. Entsprechend habe ich keine Ahnung, wo in meiner Programmauswahl die Privatsender zu finden sind. Interessiert mich einfach nicht. Und auch die öffentlich-rechtlichen Programme interessieren mich zunehmend weniger, wobei ich ab und zu mal auf Phoenix oder ZDFneo hängen bleibe oder eine Doku auf einem der Dritten ansehe. Gut finde ich vor allem, dass über mein Apple TV neben Netflix jetzt auch die arte-Mediathek abgerufen werden kann. Damit habe ich fast alles, was ich brauche.

Fernsehe - der Imperativ mit der klassischen Note

Fernsehe – der Imperativ mit der klassischen Note


Und nun zu Netflix: Mein Hauptproblem ist, dass ich viele der guten Serien, die es auf Netflix gibt, schon gesehen hatte, bevor Netflix bei uns an den Start gegangen ist. Damit wurde die Sache weniger spannend, auch wenn es natürlich noch einige neue Highlights gibt, etwa Sense8 oder jetzt Narcos. Und ehrlich gesagt finde ich einige der momentan gehypten Netflix-Serien gar nicht so gut – in Orange Is The New Black habe ich mehrfach reingesehen – aber ich finde die Geschichte weder besonders lustig noch sonst bemerkenswert. Auch mit Daredevil oder Hemlock Grove werde ich nicht warm – vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Und die dritte Staffel von Lilyhammer war leider auch enttäuschend, obwohl die ersten beiden Staffeln durchaus ihre Höhepunkte hatten.

Ähnlich geht es mir mit dem Netflix-Flaggschiff House of Cards. Diese Serie finde ich gar nicht schlecht, insbesondere die erste Staffel, aber schon die zweite wurde etwas mühsam und die dritte, nun ja, Lars Mikkelsen als russischer Präsident ist natürlich sehenswert, aber hier wird das Problem, das ich schon mit den ersten beiden Staffeln hatte, nämlich, die Hauptfiguren keine interessante Entwicklung durchmachen, sondern von Anfang an Arschlöcher sind, die nie etwas anderes tun, als sich gegenseitig für die eigenen Ziele zu benutzen, wirklich grundsätzlich: Wie will man die Handlung noch so vorantreiben, dass ein Sog entsteht, wenn die Figuren das nicht leisten können?!

Ich finde Kevin Spacey und Robin Wright toll, aber ihre Charaktere sind einfach nicht so interessant wie Walt und Skyler White in Breaking Bad. Da haben Bryan Cranston und Anna Gunn einfach die besseren Karten gehabt. Da hat mir das andere Flaggschiff Sense8 besser gefallen – obwohl das bestimmt auch nicht jedermanns Sache ist. Aber ich mag nun man die Wachowskis und ich mag Tom Tykwer, und mir gefiel die Idee sehr gut, eine Geschichte mit acht Protagonisten zu machen, die in völlig unterschiedlichen Welten leben, aber auf seltsame Weise miteinander verbunden sind. Auf Narcos bin ich sehr gespannt, aber derzeit habe ich einfach nicht so viel Zeit, weshalb ich derzeit ja auch weniger schreibe.

In der zweiten Reihe gibt es auf Netflix durchaus eine ganze Menge sehenswerter Serien, Luther etwa, The Killing, Broadchurch, Deadwood, Person of Interest, um nur einige zu nennen, ansonsten fand ich einige erfreuliche Überraschungen im Doku-Bereich, etwa Chef’s Table. Bei der Filmauswahl überwiegen eindeutig die Lücken – aber Netflix will nach eigener Aussage ja auch kein Vollsortimenter sein, bei dem es gibt, was es überall sonst auch gibt, sondern Spezialist für besondere Inhalte. Nun ja. Ob das auf Dauer ausreichen wird, um in der Konkurrenz gegen Amazon, Maxdome oder Watchever zu bestehen, bleibt abzuwarten – ich werde mein Netflix-Abo erstmal behalten, zumal ich ja auch Kinder habe, die es intensiv mit nutzen – insofern lohnen sich die 8,99 Euro pro Monat allemal.

Obwohl ich eine Sache ganz schlimm finde: Netflix verweigert hartnäckig den Offline-Modus. Das bedeutet, dass ich mir unterwegs, etwa im Zug, wo die WLAN-Nutzung in absehbarer Zeit ein Glücksspiel mit eher schlechten Chancen bleiben wird, die Sachen, die ich sehen möchte, halt aus anderen Quellen als Netflix besorgen und auf meinen Laptop laden muss – genau, was laut Netflix angeblich zu kompliziert ist. Zu kompliziert für Netflix vielleicht, aber nicht für Serien-Profis, die dann eben auf Alternativen ausweichen. Wenn dann im nächsten Jahr die angekündigte Preiserhöhung auf für Bestandskunden kommt, werde ich gewiss noch einmal drüber nachdenken.