4 Blocks: Spannende Reportage aus der Parallelgesellschaft

Nachdem ich in der letzten Zeit viel darüber gejammert habe, dass es seit Jahren keine gute deutsche Serie mehr gegeben hat, kann ich jetzt berichten, dass es in diesem Jahr endlich wieder etwas Sehenswertes gibt: TNT Serie hat mit dem Gangster-Drama
4 Blocks tatsächlich etwas hingekriegt, an dem ZDFneo mit seiner Produktion Tempel ja leider kläglich gescheitert ist: Einen spannenden Mehrteiler nämlich, der ästhetisch und inhaltlich auf der Höhe der Zeit ist und tatsächlich etwas Neues über die Berliner Unterwelt erzählt, statt zum x-ten Male ausgelatschte Klischees neu zu bebildern. Hier geht es um den Aufstieg arabischer Klans, die inzwischen in einigen Berliner Bezirken das Sagen haben.

Der Libanese Ali Hamadi (Kida Khodr Ramadan), genannt „Toni“ – ob da wohl jemand an Tony Soprano gedacht hat? – lebt seit 26 Jahren in Berlin. Eigentlich wollen er und noch viel mehr seine treue und gläubige Frau Kalila (Maryam Zaree) nur gute deutsche Staatsbürger werden: Bald sollen sie endlich deutsche Pässe bekommen, und damit auch die entsprechenden Möglichkeiten, legal Geschäfte zu machen. Toni macht offiziell in Immobilien und liebt seine Frau und seine achtjährige Tochter, die er durchaus ermutigt, sich gegen die fiesen Jungs im Kiez zu behaupten. Die zum Beispiel der Ansicht sind, dass arabische Mädchen nicht Fahrrad fahren sollten. Und schon gar nicht unbegleitet.

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan)

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan) Bild: 4-blocks.de

Aber Toni wird immer wieder in die kriminellen Geschäfte seines chaotischen Bruders Abbas gezogen, der findet, dass sein großer Bruder, seit er Frau und Kind hat, ein echter Waschlappen geworden ist. Toni hat zwar mit vielen dreckigen Geschäften Geld verdient, aber sein Geschäftsgrundsatz ist klar: „Wir sind keine Mörder!“ Und daran hält er sich. Vor allem bringt man keine Polizisten um, denn das bringt viel zu viel Ärger. Abbas hingegen hält sich nicht daran, er hat einfach zu viel von dem Stolz, den er an seinem großen Bruder vermisst und baut immer wieder scheiße, weshalb Toni sich nicht wie geplant ins legale Familiengeschäft zurückziehen kann. Zum Glück taucht Tonis alter Kumpel Vince auf, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat.

Vince hat offensichtlich eine kriminelle Neuköllner Kiezvergangenheit – und kehrt nun nach längerer Abwesenheit in sein Heimatrevier zurück. Was Toni nicht weiß: Vince ist ein V-Mann, ein Informant, den die Polizei gezielt auf Toni angesetzt hat, damit er in den inneren Zirkel des abgeschotteten Araber-Klans eindringen kann – denn aus dieser Welt dringen kaum Informationen nach außen, so dass die Ermittlungsbehörden seit Jahren im Dunkeln tappen.

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan) und sein Bruder Abbas (Veysel Gelin)

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan) und sein Bruder Abbas (Veysel Gelin)eBild: 4-blocks.d

Und Vince ist ziemlich gut: Er hat einerseits den nötigen Stallgeruch, er kennt Toni und seine Familie von früher, andererseits hat er aber auch ein intaktes Unrechtsbewusstsein, viel Einfühlungsvermögen und gute Nerven – Toni führt Vince zu Abbas Ärger in die engeren Familienkreise ein und Vince bewährt sich, er übernimmt die dreckigen Jobs, die Toni seiner Familie wegen nicht mehr selbst machen will, für die Abbas aber ungeeignet ist. Denn Toni ist sehr daran gelegen, unter dem Radar zu bleiben, er weiß, dass er sich keinen Ärger leisten kann.

Mich erinnert das alles sehr an Undercover, jene bulgarische Serie, in der ein Informant in die bulgarische Mafia eingeschleust wird – diese Serie ist übrigens ebenfalls ein echter Geheimtipp. Aber es gibt auch Anklänge an die italienische Mafia-Serie Gomorrha, das israelische Undercover-Drama Fauda und nicht zuletzt einen Schuss Sons of Anarchy.

4 Blocks ist eine interessante Milieustudie einer gegen Fremde abgeschotteten Parallelgesellschaft, die sich in den bisher vernachlässigten Vierteln von Berlin (und anderen deutschen Großstädten) entwickelt hat und erzählt die Geschichte der Familie Hamady, eines jener berüchtigten arabischen Clans, von denen in letzter Zeit sehr viel die Rede ist: Wie bereits in den Herkunftsländern ist die Familie oft die einzige ökonomische und soziale Absicherung für ihre Mitglieder – und die sind zahlreich. Die Familie ist für diese Menschen die einzige Instanz, die zählt. Gut ist, was das Ansehen und den Reichtum der Familie mehrt, alles andere ist schlecht oder interessiert bestenfalls nicht. Was nicht heißt, dass es innerhalb der Familien keine Konflikte gibt – aber die werden untereinander geregelt. Und gegen alle anderen hält die Familie zusammen.

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan), Vince Kerner (Frederick Lau) und Abbas (Veysel Gelin)

4 Blocks: Toni Hamady (Kida Khodr Ramadan), Vince Kerner (Frederick Lau) und Abbas (Veysel Gelin) Bild: 4-blocks.de

Diese Parallelgesellschaften sind auch ein Produkt verfehlter Politik im Umgang mit Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen und komplett misslungener, oder eigentlich eher gar nicht erst versuchter Integration dieser Menschen in das hiesige Gesellschaftssystem: Weil es für die oft nur geduldeten ehemaligen Flüchtlinge extrem schwierig war und ist, an legale Jobs zu kommen, haben sie sich eben mit den illegalen Möglichkeiten der Geldbeschaffung befasst und sind mittlerweile in so ziemlichen allen Bereichen der organisierten Kriminalität vertreten, vom Drogenhandel über Prostitution, Schutzgelderpressung, windige Immobiliengeschäfte, Versicherungsbetrug und dergleichen mehr.

Und so behalten sie oft auch die patriarchalisch geprägten Strukturen ihrer Herkunftsgesellschaften bei: Die Männer haben das Sagen, die Frauen unterstützen ihre Männer. Erstrecht, wenn sie Unterstützung brauchen – als Tonis nicht ganz so heller Schwager Latif ins Gefängnis kommt, ist seine Frau Amara natürlich erstmal sauer auf ihn – aber ihre Schwägerin Kalila überzeugt sie, dass sie nun erstrecht für ihren Mann da sein müsse. Und natürlich nimmt Abbas Amara und ihren Sohn bei sich zu Hause auf – es muss ja alles seine Ordnung haben. Amara ist von der Lösung wenig begeistert, denn Abbas nervt mit seinem Kontrollwahn – aber eine gute arabische Frau fügt sich in ihr Schicksal. Interessanterweise hat Abbas aber eine Frau aus einem anderen Kulturkreis auserwählt – er ist mit der ehemaligen Prostituierten Ewa zusammen, die aus Polen kommt. Und Ewa tut sich schwer damit, die Regeln der Familie Hamady zu akzeptieren – etwa, sich nicht einzumischen, wenn die Männer etwas untereinander zu bereden haben. Und das es beim Shoppen keinen Schampus, ja nicht mal Prosecco gibt.

4 Blocks: Amara (Almila Bagriacik) und Vince (Frederick Lau)  Bild: 4-blocks.de

4 Blocks: Amara (Almila Bagriacik) und Vince (Frederick Lau) Bild: 4-blocks.de

Auch die Welt der Hamadys ist in mehrere Sphären getrennt – nach innen gibt es spießiges Familienglück, nach außen hartes kriminelles Tagesgeschäft. Regisseur Marvin Kren und sein Kameramann Moritz Schultheiß finden dazu die passenden Bilder – allein der Auftakt in der High-Deck-Siedlung nahe der Sonnenallee in Neukölln ist grandios: In der einstmals als progressiven Sozialbau konzipierten Beton-Kulisse eines heruntergekommenen Berliner Slums (hier ist es fast so schön wie in der neapolitanischen Beton-Sünde, die in Gomorrha eine heimliche Hauptrolle spielt) verfolgen überforderte Polizeibeamte einen ausländischen Drogendealer, der einen Trainingsanzug mit den Insignien der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trägt. Auf der oberen Ebene rotten sich Jugendliche zusammen – die Fronten sind klar: Alle gegen die Polizei. Die ihren Einsatz angesichts der eindeutigen Übermacht abbrechen muss – dieser Block ist eine NoGo-Area, soviel ist klar, zumindest für die Polizei.

Und nicht nur in der Bildsprache wird viel zitiert und auf anderes verwiesen. Mir gefällt die Art, in der das umgesetzt wird, sehr gut. Nichts ist mariniert, es ist eher augenzwinkerndes Understatement, das die Geschichte illustriert, zum Teil tatsächlich ziemlich komisch ist und mich schon deshalb nicht nervt. Wobei ich weiß, dass das Geschmacksache ist, aber ich hatte bei den drei Folgen, die ich bisher sehen konnte, viel Spaß daran. Die erste Staffel hat sechs Teile und die gute Nachricht ist, dass eine zweite Staffel bereits bestellt ist. Ich bin sehr gespannt.

Who am I – Kein System ist sicher

Vor ein paar Tagen bin ich im Zuge anderer Recherchen über einen Trailer zu Who am I gestolpert und erinnerte mich daran, dass ich diesen Film ja unbedingt sehen wollte, wenn er ins Kino kommt. Ich weiß nicht mehr, warum ich das im Herbst 2014 irgendwie nicht auf die Reihe gekriegt habe – doch inzwischen habe ich das nachgeholt und mir Who am I – Kein System ist sicher angesehen.

Und ja, das ist schon ein vergleichsweise guter Film aus deutscher Produktion. Einige Sachen, insbesondere, was das Hacking und die Motivation der Hauptfigur Benjamin Engel angeht, sind mir zwar dann doch zu flach bzw. zu plakativ – aber es handelt sich schließlich um einen Kinofilm, der auf ein Massenpublikum abzielt, insofern sollte ich hier nicht allzu strenge Maßstäbe anlegen – zumal Who am I das deutsche  Kinopublikum tatsächlich erreicht hat: Immerhin war Who am I der erfolgreichste deutsche Kinofilm seit den beiden Schimanski-Krimis, die in den 80ern im Kino gelaufen sind. Obwohl gerade diese Schimankis auch nicht so wahnsinnig gut waren. Aber wir hatten ja nüscht anderes.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin Engel (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin Engel (Tom Schilling)

Zurück zu Who am I. Dieser Film wirkt in erster Linie über seine Stars, und es sind eine ganze Menge an Bord: Tom Schilling spielt den unscheinbaren Hacker Benjamin, der nur am Computer ein Held und im wahren Leben ein Versager ist: Eine Null unter Einsen, wie er sich selbst beschreibt. In der Schule wurde er nicht mal verprügelt, weil keiner ihn wahrgenommen hat – was aber gleichzeitig auch seine Superkraft ist: Benjamin ist für die meisten Menschen unsichtbar. Das kann auch Vorteile haben.

Elyas M’Barek ist Max, Benjamins gut aussehendes und erfolgreiches Alter ego. Max ist ein charmanter Draufgänger, der all das hat, was Benjamin fehlt – auch wenn er gemessen an Benjamin das reinste Script-Kiddie ist. Doch dafür hat er ja seine Crew, zu der neben Benjamin auch der Software-Experte Stefan (Wotan Wilke Möhring) gehört, der immer auf der Suche nach Schwachstellen in Code und nach dem ultimativen Kick ist, und der paranoide Hardware-Freak Paul (Antoine Monot Jr alias TechNick).

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Hannah Herzsprung spielt Marie – Benjamins unerreichbare Jugendliebe, die er nun zufällig wieder trifft – die letztlich zum Auslöser für die verhängnisvollen Ereignisse wird, die Benjamin mit einem schlecht vorbereiteten Hack auslöst, weil er ihr imponieren will. Benjamin träumt seit seiner Schulzeit davon, Marie zu erobern, zu heiraten und für immer mit ihr glücklich zu werden – nur hat Marie von all dem nie etwas bemerkt. Deswegen lässt er sich jetzt dazu hinreißen, die Fragen für Maries Bachelor-Prüfung vom Uni-Server zu stehlen – er wird aber erwischt und zu Sozialarbeit verknackt. Dort trifft er Max.

Dann ist auch noch die großartige Trine Dyrholm dabei – sie verkörpert die dänische Europol-Ermittlerin Hanne Lindberg, die als Cybercrime-Expertin schon seit mehreren Jahren versucht, der gefährlichen Hackercrew FR13NDS das Handwerk zu legen. Die FR13NDS haben Verbindungen zur russischen Cybermafia – und die vier Jungs um Max, die sich zur Hacktivistengruppe CLAY zusammengeschlossen haben, geraten durch eine Aktion, mit der sie die Aufmerksamkeit ihres Idols MRX erregen wollen, sowohl ins Visier der russischen Hacker als auch von Europol. Der legendäre MRX, der in jedes System eindringen kann, hat mit sich mit respektlosen Aktionen auch über die Hacker-Szene hinaus einen Namen gemacht. Aber er nimmt CLAY nicht ernst, was die Jungs natürlich nicht auf sich sitzen lassen wollen – und sie beschließen den BND zu hacken.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Das ist ein interessantes Setting – und zugleich macht mich das etwas… ratlos, denn, wie die Leser meines Blogs wissen, bin ich ein großer Mr.-Robot-Fan. Und gerade weil ich diese Serie so gut finde, bin ich nun erstaunt, wie viele Parallelen sich in Who am I finden. Vermutlich haben sich Baran bo Odar und Sam Esmail für ihre Recherchen in denselben IRC-Channels herumgetrieben.

Natürlich ist die Story von Mr. Robot deutlich komplexer und, genau das hat mir gefallen, das ganze Hacking wird weitgehend akkurat ausgeführt. Aber die Grundidee vieler Hacks ist schon in Who am I zu sehen. Etwa als Benjamin sich von Max überreden lässt, bei ihm und seiner Crew mitzumachen und er ihm deshalb seine Methode erklärt: „Menschen sind leichtgläubig und konfliktscheu.“ Er setzt auf Social Engineering. Benjamin fragt erstaunt: „Du hackst Menschen?!“ Max erklärt: „Menschen sind die besten Sicherheitslücken!“ Das ist auch eine Grunderkenntnis von Elliot Alderson in Mr. Robot. Und wie sich herausstellt, ist Benjamin ebenfalls ziemlich gut darin, Menschen zu hacken.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Allerdings gibt es schon einen signifikanten Unterschied: Benjamin Engel ist kein besonders politischer Typ. Er will, anders als Elliot Alderson in Mr. Robot, nicht die Welt retten, auch wenn Benjamin ständig Superman zitiert. Sein Mantra ist eher: „Die Welt braucht keinen Retter. Auch wenn sie ständig nach einem ruft.“ Benjamin hackt, weil er es kann. Und weil er eine Freundin haben will und nicht weiß, wie er das anders hinkriegen soll. Seine Hacks haben keine politische Dimension im eigentlichen Sinne, zwar ärgert CLAY die NBD, die leicht als NPD zu erkennen ist und macht aus dem Verlauf der DAX-Kurve in den Nachrichten eine Hand mit ausgestreckten Stinkefinger – aber es geht nur um den Spaß und nicht um die Idee, wirklich etwas zu verändern, was ich dann wieder schade finde – für den naiven Benjamin ist das alles ein Spiel, dessen Regeln er ziemlich lange nicht kapiert. Elliot hingegen weiß sehr viel mehr über die Welt und wie er sie gern hätte. Er hackt, weil er mit der Gesellschaft nicht zufrieden ist und etwas verändern will.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Marie (Hannah Herzsprung)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Marie (Hannah Herzsprung)

Trotzdem hat Benjamin einiges mit Elliot gemeinsam (oder umgekehrt, Who am I kam ja vor Mr. Robot heraus): Er hat früh seine Eltern verloren – seinen Vater kennt er nicht, der ist schon vor seiner Geburt nach Frankreich abgehauen, und seine Mutter hat sich umgebracht, als er acht Jahre alt war. Benjamin war immer anders als die anderen, er hat Schwierigkeiten, sich mitzuteilen und er medikamentiert sich selbst – allerdings ist seine Droge nicht Morphium, sondern Ritalin. Er nimmt mehr davon, als gut für ihn ist und steigert sich in Wahnvorstellungen hinein. Wohin das führt, lässt sich auch schon ahnen: In Benjamins Zimmer hängt unter anderem ein Fight-Club-Plakat.

Aufgewachsen ist Benjamin bei seiner Oma, die aber nun unter fortgeschrittenem Alzheimer leidet – er kümmert sich um sie, so gut er kann – und er darf dafür in ihrem Haus wohnen, was schon mal nicht schlecht ist, zumal es sich in den Schnitten im Film zufolge irgendwo in Berlin Mitte befinden muss, wo es garantiert keine solchen Häuser gibt. Kleine Detailkritik am Rande: Gerade weil mich begeistert, das Berlin quasi eine Hauptrolle in dem Film spielt, finde ich es besonders ärgerlich, dass es auch wieder diese vielen Unplausibilitäten gibt. Etwa, wenn Benjamin und Max mit der U-Bahn im lindgrün gekachelten U-Bahnhof Berlin Alexanderplatz ankommen, dann aber, wenn sie die Treppe hochgehen, plötzlich  am S-Bahnhof Potsdamer Platz sind. Klar, die neuen Hochhäuser am Potsdamer Platz  sind cooler als die Plattenbauten um den Alexanderplatz – aber blöd finde ich das doch. Ich hasse das auch in allen anderen Filmen und Serien, die angeblich in Berlin (oder anderen Orten, die ich kenne) spielen. Auch Homeland war da nicht gänzlich korrekt – die haben zwar original in der S-Bahn gedreht, aber die angezeigten Bahnhöfe entsprechen nicht dem realen Fahrplan für die angeblich genutzte Linie.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Max (Elyas M'barei) erklärt Benjamin (Tom Schilling) Social Engineering

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Max (Elyas M’barei) erklärt Benjamin (Tom Schilling) Social Engineering

Zurück zu den Parallelen: Es gibt in Who am I auch eine Szene, die mich an Elliots Beichte bei seiner Psychologin Krista erinnert, nämlich als Benjamin Hanne Lindberg, als sie ihn verhört, erzählt, was er alles über sie weiß, weil er sie gehackt hat. Benjamin kennt ihre intimsten Geheimnisse, nicht nur ihre Sozialversicherungsnummer und ihre Konten in Dänemark und Deutschland, er weiß auch, dass sie während des Studiums, das sie als Jahrgangsbeste abgeschlossen hat, ein Fehlgeburt hatte und keine Kinder mehr bekommen kann. Hanne ist schockiert und fasziniert zugleich – sie ist es auch, die Benjamin später mit einer nicht weniger schockierenden Wahrheit über ihn selbst konfrontiert.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit

Es gibt sogar einen Bill Harper – auch wenn er in Who am I eine sie ist und Gerdi heißt. Die vier Jungs von CLAY wühlen sich auf der Suche nach einer Sicherheitslücke, die ihnen Zugang zum BND verschaffen kann, durch das Altpapier, dessen Abtransport aus dem BND-Gebäude sie beobachtet haben. Max findet, was sie brauchen: Eine Geburtstagskarte mit niedlichen Kätzchen, mit der die lieben Kollegen vom BND jene Gerdi bedacht haben. Wie sich herausstellt, ist Gerdi für die Putzkolonne zuständig, und damit auch für die Sicherheitsausweise, mit denen die Raumpflegekräfte ins Gebäude kommen. Anhand der Karte können die Hacker genug über Gerdi herausfinden, um ihr eine Phishing-Mail zukommen zu lassen, die Gerdi unmöglich als solche erkennen kann. Damit kommen sie an die entscheidenden Daten, mit denen sie sich Zutritt zum Gebäude verschaffen können. Das ist zwar weniger subtil wie in Mr. Robot – die Szene in Steel Mountain, in der Elliot Bill auseinandernimmt, um Zutritt zu der entscheidenden Ebene zu erlangen, ist Psychoterror pur. Das gibt es in Who am I nicht. Aber die Grundidee ist doch erstaunlich ähnlich.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit II

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit II

Mit dem erfolgreichen BND-Hack hat Benjamin aber auch einen entscheidenden Fehler gemacht: Um MRX zu beweisen, dass er wirklich im System war, lässt er ihm Daten aus einer verschlüsselten Partition eines BND-Servers zukommen, die er zufällig entdeckt hat. Das war gegen die Verabredung, nichts mitgehen zu lassen. Kurz darauf wird die Leiche des Hackers Krypton im Wald gefunden – ich vermute hier eine Referenz an den historischen Hacker Karl Koch, dessen Leiche ebenfalls in einem Waldstück gefunden wurde.

Benjamin schnallt jetzt, dass es wirklich ernst wird und er die ganze Sache unterschätzt hat: Für ihn ging es bisher nur darum, sich und der Welt zu beweisen, dass er ein Superheld im Cyberspace ist, ein cooler Hacker, der überall reinkommt, wo er reinkommen will. Aber jetzt ist jemand umgebracht worden – bei Kryptons Leiche wird ein Teil jener Daten gefunden, die Benjamin beim BND geklaut hatte. Darin befand sich unter anderem die Information, dass Krypton ein V-Mann für den BND war. Damit war sein Todesurteil besiegelt – die Friends verstehen nämlich keinen Spaß. Benjamin hat es jetzt mit der russischen Cyber-Mafia zu tun. MRX hat die Daten den Russen zukommen lassen – und die haben kurzen Prozess gemacht. Damit haben wir die Dark Army von Who am I – und MRX ist ein Art Whiterose.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit III: Die Geburtstagskarte für Gerdi vom BND

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit III: Die Geburtstagskarte für Gerdi vom BND

Aber Europol ist auch völlig nicht blöd, die haben ihrerseits eine Hackerin engagiert, die in Berlin verdächtige Cyber-Aktivitäten entdeckt. Benjamin zwar wird immer paranoider, er kommuniziert nur noch von öffentlichen Computerterminals aus, etwa der an der Humbold-Universität. Aber die Fahnder kommen ihm trotzdem auf die Spur. Er entgeht seinen Häschern nur dank seiner eingangs erwähnten Superkraft – er versteckt sich einfach unter einem Tisch in der Bibliothek und wird übersehen. CLAY will nun an MRX ran, um zu beweisen, dass MRX und nicht CLAY für den Tod von Krypton verantwortlich ist.

Dazu konstruieren sie ein „schwangeres Pferd“ – einen Trojaner im Trojaner, mit dem es möglich ist, einen Zugang ins System von Europol zu bekommen – gleichzeitig will Benjamin damit die Identität von MRX herausfinden. Aber der fällt nicht darauf rein, im Gegenteil, er hat Benjamin eine Falle gestellt und nun dessen Identität ermittelt.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Benjamin ist nun nirgends mehr sicher und muss untertauchen. Die Aufräum-Sequenz der CLAY-Hacker erinnert dann eher an Breaking Bad – CLAY entsorgt sämtliche Computerteile im Säurebad, und nicht per Bohrmaschine und Mikrowelle. Und er muss noch dringender als bisher herausfinden wer MRX ist und dafür sorgen, dass in der Szene bekannt wird, dass MRX Krypton ans Messer geliefert hat und nicht er. Benjamin schafft es am Ende aber wieder, auch bei Europol jemanden zu finden, der leichtgläubig und konfliktscheu genug ist, ihn hereinzulassen.

Benjamin kehrt nach seinem erfolgreichen Hack in das Hotel zurück und findet seine Mitstreiter tot vor. Er ist verzweifelt und will einfach wieder Benjamin sein, ein harmloser, unsichtbarer Typ. Aber natürlich ist es viel zu spät. Aber es gibt es eine glückliche Wendung – Marie taucht bei Benjamin auf, sie hat erfahren, dass jemand versucht hat, den Uniserver zu hacken, um die Prüfungsfragen für Rechtswissenschaften zu stehlen: Ihr ist sofort klar, dass Benjamin das für sie getan haben muss. Der bietet ihr an, mit ihm abzuhauen – wohin sie auch immer wolle. Sie will nach Kopenhagen: „Von allen Orten der Welt willst du unbedingt nach Kopenhagen?“ fragt Benjamin ungläubig. Aber warum eigentlich nicht – Dänemark ist das Land mit der höchsten Lebensqualität und hat hervorragende Restaurants, wenn man sie sich leisten kann. Das sollte für einen begnadeten Hacker nicht das Problem sein.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Max (Elyas M'Barek), Benjamin (Tom Schilling), Stefan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Max (Elyas M’Barek), Benjamin (Tom Schilling), Stefan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.)

Derweil hat Benjamin auch eine Falle für MRX ausgeheckt – damit kann er seinen Gegenspieler lokalisieren und seinen Standort den Ermittlungsbehörden in den USA mitteilen: Es handelt sich um einen Hacker aus New York. Benjamin stellt sich der Polizei fordert in ein Zeugenschutzprogramm zu kommen – aber bei Europol wird schnell bemerkt, dass es da Löcher in seine Geschichte gibt, die größer sind als ein Todesstern. Hanne Lindberg kommt Benjamin schließlich auf die Schliche, sie hat seine Vorgeschichte recherchiert und findet heraus, dass Benjamin seine Psyche in mehrere Persönlichkeiten aufgespalten hat: Er ist CLAY, und zwar jeder der vier.

Schließlich entschuldigt sich Benjamin bei Hanne: Es wäre nicht richtig gewesen, dass er sie gehackt hätte und es tue ihm wirklich leid. Aber das ist nur die Vorbereitung für Benjamins Meisterhack – er muss Hanne jetzt nämlich noch einmal in ihrer aktuellen Position, als Ermittlerin bei Europol, hacken, um aus der ganzen Sache rauszukommen. Aber so, dass sie sich nicht manipuliert fühlt: Hanna soll Benjamin nämlich Zugang zu dem Polizeicomputer gewähren, auf dem sich die Daten für das Zeugenschutzprogramm befinden, in das Benjamin gern kommen würde, aber wegen seiner psychischen Erkrankung nicht hineindarf.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Europol-Eimittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Europol-Eimittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm)

Keine Frage, am Ende kommt Benjamin auch hier wieder ans Ziel – und ist schließlich mit einer neuen Identität auf dem Weg nach Kopenhagen – gemeinsam mit Marie. Und Max, Paul und Stefan, die ihm zum größten Social Engineering-Projekt aller Zeiten gratulieren.

Mein Fazit: Alles in allem ist Who am I ein gelungener Hacker-Film – wobei ich außer 23 – Nichts ist wie es scheint auch keinen weiteren guten Hacker-Film kenne. Mal abgesehen von Dokumentationen, da gibt es einige, aber hier reden wir ja über Spielfilm. Deshalb ist der Vergleich mit Mr. Robot auch ein bisschen unfair – das ist zwar die einzige wirklich gute Hacker-Serie, die ich kenne, aber eben eine, die einfach neue Maßstäbe setzt.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Paul (Antoine Monot Jr.), Stefan (Wotan Wolke Möhring), Max (Elyas M'Barek), Benjamin (Tom Schilling) und Marie (Hannah Herzsprung)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Paul (Antoine Monot Jr.), Stefan (Wotan Wolke Möhring), Max (Elyas M’Barek), Benjamin (Tom Schilling) und Marie (Hannah Herzsprung)

Who am I setzt meiner Ansicht zwar keine neuen Maßstäbe in Sachen Hackerfilm, dazu ist mir die Geschichte, obwohl eine ganze Menge guter Ideen darin sind und der Plot zum Ende hin eigentlich immer besser wird, dann doch etwas zu einfach, was vor allem an den schon sehr eindimensionalen Charakteren liegt. Natürlich erklärt sich das vor allem aus der Tatsache, dass jeder der Jungs von CLAY am Ende nur eine Facette von Benjamins Persönlichkeit ist. Aber auch die anderen Personen bleiben blaß, selbst Marie, obwohl für den Film natürlich plausibel ist, dass sie Benjamin plötzlich mit anderen Augen sieht, als sie erfährt, dass er den Unicomputer gehackt hat, um ihre Prüfungsfragen für Rechtswissenschaften herauszufinden. Im Grunde ist Hanne Lindberg – abgesehen von Benjamin selbst – die interessanteste Person in diesem Film. Sie ist die einzige, die Benjamin versteht und deshalb geht sie auf den Deal ein, den er ihr anbietet: Er liefert ihr MRX und damit die FR13NDS, sie verhilft ihm zur Flucht und einer neuen Identität, auch wenn sie dafür ihre Karriere aufs Spiel setzt. Insofern ist dann auch wieder logisch, dass Benjamin und Marie ausgerechnet in die Heimat von Hanne Lindberg gehen, um ein neues Leben anzufangen.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Trotzdem macht der Film großen Spaß, er hat Tempo und bietet eine originelle Bildsprache – heute ging die Nachricht herum, dass Baran bo Odar die Regie bei der ersten Serie, die Netflix in Deutschland produzieren will, übernehmen wird. Wenn er sich da genauso austoben kann wie bei Who am I, könnte das ein neuer Hit werden. Ich bin gespannt.

Homeland: The Tradition of Hospitality

Jetzt hat es mich doch wieder gepackt: Mit der zweiten Folge der fünften Staffel hat das alten Homeland-Feeling wieder eingesetzt, das mir über die dritte Staffel abhanden gekommen ist – ich will jetzt wirklich wissen, wie es weiter geht. The Tradition of Hospitality ist zwar mitunter ziemlich unsubtil, dafür aber herrlich finster – es ist auf niemanden Verlass und so ziemlich jeder spielt ein dreckiges Spiel.

Nur Carrie nicht, interessanterweise, sie – wie immer – ist unfassbar loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber. Sie zieht wirklich alle Register, um ihren Job gut zu machen, eben für die Sicherheit von Otto Düring zu garantieren – und lässt sich nicht darauf ein, auch guten alten Kollegen von der CIA irgendwelche Insider-Tipps zu geben. Was diese um so mehr dazu veranlasst, zu glauben, dass Carrie und Saul ihr bewährtes Spiel spielen – bestimmt hat Saul Carrie bei der Düring Foundation platziert, um irgendein ganz großes Rad zu drehen.

Screenshot Homeland Staffel 5 - Brandenburger Tor

Screenshot Homeland Staffel 5 – Brandenburger Tor

Aber wie wir wissen, ist es dieses Mal wirklich anders. Oder nicht…? Carrie hat jedenfalls wieder keinen einfachen Job: Sie hat es zwar geschafft, für Düring eine offizielle Einladung für seinen Besuch in dem Flüchtlingscamp im Libanon zu bekommen, aber vor Ort gibt es weitere Schwierigkeiten: Offenbar sind sich die Chefs der Milizen vor Ort untereinander nicht einig: Zwar hat der eine Hisbollah-Chef gegen ein Schutzgeld für Dürings Sicherheit garantiert, aber der andere weiß davon nichts – Carrie muss also wieder einiges regeln. Und sie ist auch nur halbwegs erfolgreich – eine Stunde bekommt sie für den Rucksack voll Geld. Aber eine Stunde ist besser als nichts.

Otto Düring kann sein Rede vor den Flüchtlingen und einen Scheck über 10 Millionen Euro in die Kamera halten – und er verspricht auch, weitere Geldgeber zu finden, damit aus diesem Camp ein gutes Beispiel für alle wird, die Kinder sollen zur Schule gehen, die Leute versorgt und die Kranken geheilt werden, junge Menschen eine Ausbildung bekommen und die Älteren weitergebildet werden – damit sie nach dem Krieg in Syrien ihr Land wieder aufbauen können. Ach ja, super Idee, wir brauchen einfach einen Otto Düring!

Aber natürlich geht etwas schief- oder fast, Carrie als Sicherheitsexpertin rettet Otto Düring natürlich vor dem Anschlag, der auf dem Rückweg auf ihn verübt wird. Derweil geht aber auch zuhause in Deutschland einiges schief: Durch jene Veröffentlichung eines geheimen Dokuments durch Laura Sutton ist die illegale Zusammenarbeit zwischen CIA und BND aufgeflogen – der BND übt nun Druck auf Laura aus, weil er die Quelle wissen will. Aber als gute Journalistin wird Laura eher sterben als ihre Quelle preiszugeben.

Der BND agiert, wie Geheimdienste das in der Regel tun – er setzt sich über geltendes Recht hinweg und tut, was er für richtig und angemessen hält. Wie das in der Öffentlichkeit ankommt, ist letztlich scheißegal – denn Geheimdienste machen eh, was sie wollen und letztlich spielt kaum eine Rolle, was die Medien darüber berichten: Wenns um die nationale Sicherheit geht, sind alle Mittel recht.

Das ist beim BND nicht anders als bei der CIA. Und wir wissen das – gelegentlich wird darüber ja ganz offiziell berichtet. Was aber nichts an der Praxis ändert. Insofern sehe ich Homeland auch eher als vergleichsweise ehrlichen Zustandsbericht, nicht aber als Kritik an diesen Zuständen: letztlich wirbt Homeland um Verständnis für alle Seiten – man kann die Protagonisten auf Seiten der Geheimdienste genauso verstehen, wie die auf der anderen Seite, die ja auch ihre Gründe haben. Immerhin das ist schon mal nicht schlecht: Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ mehr: Die Leute machen einfach ihren Job.

Und das ist auch wieder ekelhaft, wenn ich so darüber nachdenke. Immerhin machen die Leute in Homeland ihre Jobs jeweils gut – natürlich auch die dreckigen Jobs. So will sich die CIA-Chefin in Berlin nicht von Saul absägen lassen und intrigiert ihrerseits gegen ihn: sein Kopf sei doch viel wertvoller, wenn die Deutschen wegen dieser Geheimdienstäffäre denn unbedingt Köpfe rollen lassen wollen. Quinn hingegen geht weiterhin seinem Killerjob nach und killt eine Frau, die junge Mädchen für den IS anwirbt.

Carrie macht ihren Job, indem sie in Beirut bleibt, um herauszufinden, wer das Attentat auf Düring verübt hat. Und als sie in ihr Hotelzimmer zurück kommt, findet sie einen Hisbollah-Kämpfer vor, der ihr den Rucksack mit dem Geld zurück gibt – Araber-Ehre. Das mit dem Schutz hat nicht geklappt, daher gibt es das Schutzgeld zurück. Und Carrie bekommt noch eine entscheidende Information: Der Anschlag galt gar nicht Otto Düring. Er galt ihr.

Und als Sahnehäubchen obenauf bekommt Quinn am Ende einen neuen Auftrag: Der Name seines nächsten Opfers ist Mathison.

Und ja, es macht mir schon Spaß, dass so viel Deutsch gesprochen wird – und eben nicht dieses Deutsch, wie die Amis sich das vorstellen, sondern eben richtig, von echten deutschen Schauspielern gesprochen. Ich habe keine Ahnung, wie das dem US-Publikum gefällt, aber mir gefällt es. Und ich verstehe auch deren Englisch viel besser 🙂

Retrokritik: 23 – Nichts ist wie es scheint. Tatsächlich?

Es ist gewiss kein Zufall, dass ich durch Mr. Robot wieder auf den einzigen guten Hacker-Film gekommen bin, den ich je gesehen habe: 23 – Nichts ist so, wie es scheint. Also nicht, dass ich keine anderen Hacker-Filme gesehen hätte, da gab es ja einiges, von War Games über Sneakers, Das Netz und so weiter bis hin zu The Fifth Estate. Aber Hollywood und Hacker – das passt einfach nicht zusammen.

Gerade The Fifth Estate: Dieser Film von Bill Condon mit Benedict Cumberbatch als Julian Assange und Daniel Brühl als Daniel Domscheid-Berg, der sich um die spektakulären Veröffentlichungen von US-Militärdokumenten auf der Enthüllungsplattform Wikileaks dreht, ist, wie ich Anfang vergangenen Jahres schon schrieb, erstaunlich schlecht: Ich kann kaum fassen, wie man eine so gute Geschichte dermaßen vermurksen kann.

Da half auch die erstklassige Besetzung nicht: Was in dem Köpfen der Menschen und in den Datennetzen passiert, bleibt hier weitgehend nebulös. Dabei hat Sam Esmail mit Mr. Robot gerade vorgemacht, wie man genau so etwas umsetzt: Nämlich nicht durch alberne Animationen, sondern durch echte, nachvollziehbare Befehle auf dem Computer-Monitor und ein paar erklärende Worten zu den Gedanken desjenigen, der sie eingibt. Dabei muss keineswegs die Welt erklärt werden – eine markante Zusammenfassung dessen, was gerade Sache ist, reicht.

23 - titelbild via video.com

23 – titelbild via vimeo.com

Das hat Hans-Christian Schmid in seinem Film aus dem Jahr 1998 deutlich besser hingekriegt. 23 beruht ebenfalls auf einer wahren Geschichte – dem kurzen Leben des Hackers Karl Koch, der am 23. Mai 1989 verschwand und dessen verkohlte Leiche einige Tage später in einem Waldstück gefunden wurde. Karl Koch wurde durch die KGB-Hacks bekannt, die so genannt wurden, weil er und ein paar Freunde das Material, das sie aus den damals noch schlecht gesicherten Computern von Forschungseinrichtungen und Unternehmen kopierten, an die Sowjets verkauften.

Jetzt, wo ich mir den Film noch einmal angesehen habe, bin ich erstaunt, welche Parallelen es zwischen Karl Koch und Elliot Alderson gibt: Beide wollen die Welt retten und sitzen nächtelang vor ihren Computern – und während sie über die Datennetze Kontakt zu potenziellen Zielen aufnehmen, kommt ihnen der Kontakt zu ihrem realen sozialen Umfeld abhanden. Beide bewegen sich zunehmend in einer virtuellen Welt, die sie sich selbst erschaffen und geraten darüber in Konflikt mit der Realität – irgendwann können sie beide nicht mehr unterscheiden, was nur in ihren Köpfen statt findet und was tatsächlich passiert – für sie fühlt es sich real an. Ist es aber nicht. Oder nur zum Teil.

Karl zieht sich immer häufiger eine Nase voll Koks rein, um seine Auftragshacks durchzuhalten, weil er das Geld dringend braucht – unter anderem, um seinen aus dem Ruder laufenden Kokain-Konsum zu finanzieren. Elliot zieht sich immer häufiger eine Line Morphin rein, weil er mit der Situation, in die er sich durch seine Aktivitäten als frei schaffender Selbstjustiz-Hacker selbst gebracht hat, anders nicht mehr umgehen kann. Beide werden immer paranoider – nicht zu völlig unrecht, wie sich zeigt, obwohl viel der jeweiligen Paranoia auf Einbildung beruht.

23 - Nichts ist so wie es scheint - Karl Koch (August Diehl) - via cinema.de

23 – Nichts ist so wie es scheint – Karl Koch (August Diehl) – via cinema.de

Auch Elliot redet am Anfang über die denkbar größte Verschwörung jener Ein-Prozenter, die heimlich die Welt regieren. Bei Karl sind es die Illuminaten – das ist natürlich Weltverschwörung zum Quadrat: Er hat einfach zu viel Illuminatus! gelesen. Die Illuminatus-Trilogie von Robert Anton Wilson war in den 80ern sehr populär, ich habe sie auch gelesen und bin eine Zeitlang entsprechend paranoid gewesen – das bleibt einfach nicht aus, plötzlich hat alles irgendwas mit Pentagrammen und der 23 zu tun. Aber ich verkehrte nicht in Hackerkreisen und nahm damals auch keine Drogen, also beruhigte sich das irgendwann wieder.

Zumindest ein bisschen, denn paranoid waren viele von uns, die wir in den 80er Jahren erwachsen wurden: Der Kalte Krieg, die RAF, die Friedensbewegung, die Anti-Atom-Bewegung, der Polizei-Staat – wir mussten die am Abgrund torkelnde Welt doch ständig retten und dabei noch gegen unsere Spießer-Eltern rebellieren, die so ewiggestrig waren, wie sich unsere Kinder sich das heutzutage einfach nicht mehr vorstellen können. Genau wie eine Welt ohne E-Mail, ohne Smartphones, ohne soziale Netzwerke.

Karl ist eben auch einer von denen, die zur Demo in Brokdorf gepilgert sind und kritische Schülermagazine herausgebracht haben, einer von den politisch engagierten. Aber einer, der dann zunehmend auf Abwege geraten ist, nachdem er sich darauf eingelassen hat, für Geld zu hacken, oder eigentlich: Für Drogen. Zwar versucht er anfangs noch sich selbst und einer Freundin zu beweisen, dass ihm Geld überhaupt nicht wichtig ist – nachdem sie ihm gesagt hat, dass er nach dem Tod seines Vaters echt zum Arschloch mutiert sei, fängt Karl an, die von seinem Erbe verbliebenen Geldscheine zu verbrennen – und natürlich höre ich im Voice-over Elliot: „I don’t give a shit of money!“

23 - Nichts ist so wie es scheint - Karl Koch (August Diehl) ist Geld nicht so wichtig - vie br.de

23 – Nichts ist so wie es scheint – Karl Koch (August Diehl) ist Geld nicht so wichtig – via br.de

Was, nebenbei bemerkt, ganz schön blöd ist: In einer Welt, in der auf allem, was man zum Leben braucht, ein Preisschild klebt, ist die Behauptung, dass Geld doch gar nicht so wichtig sei, um ein gutes Leben zu haben, die perfideste Propagandalüge, die sich denken lässt. Aber was sollen die Kapitalistenschweine von dem einen Prozent ganz oben auch sonst sagen, wenn sie wollen, dass wir obedient zombies (Elliot in eps1.2_d3bug.mkv) weiterhin für einen Hungerlohn ihren Reichtum mehren. Aber ich schweife ab.

Also: Nachdem Karl kurz hintereinander beide Eltern verloren und etwas Geld geerbt hat, kauft er sich einen Computer und dringt in die Welt der Mailboxen vor, weil er Gleichgesinnte sucht, mit denen er über Illuminatus diskutieren kann. Die findet er im Umfeld des gerade entstehen Chaos Computer Clubs. Hierüber entwickeln sich weitere Kontakte, die für Karl verhängnisvoll noch werden: Karl lernt nicht nur den freundlichen und sehr begabten Hacker David kennen, sondern auch den kriminellen Programmierer Lupo und dessen Kumpel Pepe, der Dealer ist und Karl künftig mit Kokain versorgt. Pepe ist es auch, der den Kontakt zum KGB herstellt.

Die naiven Idealisten Karl und David lassen sich im jugendlichen Leichtsinn darauf ein, als Hacker für den KGB zu arbeiten – in ihren Augen ist das erstmal eine gute Sache: Während die USA mit ihrem aggressiven Verhalten gegenüber Libyen den Weltfrieden gefährdet, wollen die Jungs für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen. Und sie bekommen auch noch Geld dafür!

Außerdem ist ein Journalist auf Karl aufmerksam geworden und drängt ihn dazu, ihm eine richtig gute Hacker-Story zu liefern. Karl, der inzwischen immer Geld braucht, lässt sich darauf ein, sich vor laufender Kamera ins AKW Jülich zu hacken. Durch diese Sache wird das BKA auf Karl und den Sender aufmerksam – Karls Paranoia bekommt also eine Grundlage, denn er wird jetzt wirklich überwacht. Als es kurz darauf zur Kernschmelze in dem Atomkraftwerk in Tschernobyl kommt, glaubt Karl, dass er irgendwie mit daran schuld sei – er hat in der letzten Zeit einfach zu viel Zeit auf Koks vor dem Bildschirm verbracht. Der Zusammenbruch ist unvermeidlich – er irrt halb nackt im Regen durch die Straßen und landet schließlich in einem Krankenhaus. Anders als Elliot kann er sich aber noch nicht ins System hacken, um seinen Krankenakten zu fälschen, denn die werden noch analog geführt.

Karl macht einen Entzug in einer entsprechenden Einrichtung und beschließt, mit seiner kriminellen Vergangenheit abzuschließen, denn Lupe und Pepe bedrohen ihn immer wieder. Er macht eine Aussage beim Verfassungsschutz und kommt in ein Zeugenschutzprogramm, während die beiden in den Knast wandern. Wenig später verschwindet Karl – die Umstände seines Todes sind bis heute nicht aufgeklärt worden. Was entschieden für eine Beteiligung von Geheimdiensten spricht – sonst wird ja im Grunde jeder Mord in Deutschland aufgeklärt.

Karl (August Diehl) und David (Fabian Busch) surfen um die Welt - via duassen-woebke-putz.de

Karl (August Diehl) und David (Fabian Busch) surfen um die Welt – via duassen-woebke-putz.de

Hans-Christian Schmid erzählt das Leben des Karl Koch sehr gradlinig und ohne dramaturgische Schnörkel – ganz in der Tradition des Dokumentarfilms, schließlich ist Schmid gelernter Dokumentarfilmer. Immer wieder ist echtes Dokumaterial zu sehen, die Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und Polizei, Bilder von der Konfrontation zwischen den USA und Libyen, der Ruine des havarierten Reaktorblocks in Tschernobyl, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow, Muammar al-Gadaffi, der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme – die paranoide Stimmung jener politisch engagierten jungen Menschen in den 80er wird dadurch fühlbar.

Und dazu kommt, dass August Diehl als Karl immer bleicher, hohlwangiger und nervöser wird, er starrt mit fiebrigen Blick auf den Bildschirm, kämpft in seinem Kopf mit übermächtigen Gegnern, und verfällt gleichzeitig einem heillosen Größenwahn – natürlich hätte er weder den Tod seines Vaters, der an einem Hirntumor gestorben ist, noch den Mord an Olof Palme, noch die Kernschmelze in Tschernobyl verhindern können, aber er glaubt, dass die Illuminaten ihn zu ihrem Werkzeug gemacht haben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sam Esmail sich unter anderem auch von diesem Film hat inspirieren lassen – als jemand, der sich für die Hacker-Kultur überhaupt interessiert, muss er den CCC und seine wichtigsten Mitglieder kennen, auch wenn Deutschland, von den USA aus gesehen, auf einem ziemlich entfernten Planeten liegen mag. Aber dank Internet ist die Welt ja ein Dorf, in dem jeder jeden um ein paar Ecken herum kennt.

Karl auf einem der erste CCC-Treffen - via kinoweg.de

Karl auf einem der erste CCC-Treffen – via kinoweg.de


Außerdem: Die Dämonen in Elliots Kopf haben auch Karl schon heimgesucht, der irgendwann als zuckendes Wrack auf seinem Bett liegt wie Elliot in da3m0ns.mp4 und genau wie bei Karl Koch verschwimmt auch bei Elliot irgendwann die Grenze zwischen dem, was er für die anderen, für die Gesellschaft erreichen will, und dem, was er für sich selbst tut. Und wie Elliot wird auch Karl immer paranoider – nur dass Karl nicht mit seinem toten Vater streitet, seinen Vater konnte er ja ohnehin nicht ausstehen, er hört aber Stimmen und Flugzeuge, die nicht da sind und irgendwann versucht er in einem Panikanfall aus einem fahrenden Auto zu steigen, das mit 180 Sachen auf der Autobahn unterwegs ist.

Hans-Christian Schmid braucht keine erfundenen Figuren, um Karls psychische Störungen zu illustrieren. Aber wir sind hier auch in einem anderen Genre: Während 23 weitgehend realistisch die Lebensgeschichte eines Hackers erzählt, der mit der Zeit durch übermäßigen Drogenkonsum an Halluzinationen, Verfolgungswahn und Realitätsverlust leidet, erzählt Mr. Robot von eben diesen Halluzinationen, dem Verfolgungswahn und dem Realitätsverlust seiner Hauptfigur – und zwar aus Elliots Perspektive. Mir ist klar, dass ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche – ich will das eigentlich auch gar nicht tun. Mir fiel nur auf, dass die historische Person Karl Koch und der fiktive Hacker Elliot Alderson einige Gemeinsamkeiten haben, die gewiss nicht zufällig sind.

Hans-Christian Schmid hat jedenfalls einen Film abgeliefert, der mittlerweile natürlich auch durch seine Retro-Ausstattung (C64! Atari! CBM-II!) Kultcharakter hat, aber auch sonst wirklich sehenswert ist. Für seine Darstellung des Karl Koch in 23 – Nichts ist so wie es scheint, bekam August Diehl den Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler.

Homeland goes Germany

Inzwischen hat die Ausstrahlung der 5. Staffel von Homeland angefangen – zumindest in den USA, wo Homeland jetzt sonntags auf Showtime läuft. Im deutschen Fernsehen wird die neue Staffel ab Februar 2016 auf SAT1 laufen, man kann die erste Folge aber schon bei Amazon Instant Video, maxdome oder iTunes sehen – das kostet zwar, man muss erstens nicht warten und noch wichtiger: keine Werbeunterbrechungen ertragen.

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie (Claire Danes)

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie (Claire Danes)

Homeland ist eine dieser Serien, von der ich zwar nicht wirklich überzeugt bin, die ich aber trotzdem immer weiter kucken muss: Einerseits finde ich das Original Hatufim total gut. Außerdem handelt es sich um eines der gelungeneren US-Remakes ausländischer Serien – wie The Killing oder The Bridge America, die ja ein interessantes Eigenleben entwickeln. Wobei das kein Wunder ist, weil Showtime ja Hatufim-Autor Gideon Raff im Boot hat.

Andererseits fand ich aber auch, dass Homeland vor allem ab der dritten Staffel ziemlich aus dem Ruder gelaufen ist – dass Brody sterben musste, geht klar, der war so und so längst am Ende. Aber dafür noch eine ganze Staffel zu verschleißen, fand ich reichlich übertrieben. Die vierte Staffel ging dann wieder – es gab Höhe- und auch Tiefpunkte. Natürlich hat mich in erster Linie der eindeutige Bezug auf die aktuelle Außenpolitik der USA bei der Stange gehalten, US-Imperialismus, äh, US-Sicherheitspolitik, die zu islamistischem Terror, Drohnenkrieg, Kollateralschäden und zu noch mehr Terror führt – wobei Carrie (Claire Danes) ja keineswegs hinterfragt, was sie da tut.

Screenshot Homeland Staffel 5: Otto Düring (Sebastian Koch)

Screenshot Homeland Staffel 5: Otto Düring (Sebastian Koch)

Sie ist ein psychisch ziemlich instabiles, aber äußerst effektives Werkzeug der CIA – aufgrund ihrer psychischen Störung hat sie ja diese außergewöhnlichen analytischen Fähigkeiten und die nötige Paranoia, die sie für ihren Job braucht. Eins der Hauptthemen von Homeland ist ja der Kampf von Carrie gegen ihre Krankheit und gegen sich selbst – und eben nicht ihr Kampf gegen das System. Wenn sie gegen das System kämpft, dann nur, weil es sie ihren Job nicht machen lässt. Carrie ist ein Teil davon und will das offenbar auch sein. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass sie vieles einfach tut, weil sie es kann. Und niemand sonst.

Wobei sie mittlerweile bei der CIA gekündigt hat – oder rausgeworfen wurde, so richtig klar ist das nicht. Die neue Staffel beginnt mit einem Gottesdienst – einem katholischen, in German. Nachvollziehen kann ich das nicht – ich kann mich nicht erinnern, dass Carrie Mathison in den Staffeln zuvor besonders religiös gewesen wäre. Aber warum nicht, wenn Carrie plötzlich die Liebe zu ihrer Tochter Franny entdeckt, kann sie ja auch ihre Liebe zu Gott gefunden haben.

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie feiert mit ihrer Tochter Geburtstag

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie feiert mit ihrer Tochter Geburtstag

Immerhin kommt in der nächsten Einstellung gleich unser toller Berliner Hauptbahnhof, bei dem es sich zwar um eine der misslungensten postmodernen Architekturruinen unserer Zeit handelt – aber zumindest das Glasdach sieht doch sehr cool aus. Aus der einfahrenden S-Bahn steigt ein arabisch aussehender Mensch aus – Achtung, potenzieller Terrorist!

Aber nein, er hat keine Bombe in der Tasche. Aber Klischees werden noch reichlich bemüht, Rotlichmilieu, Server-Racks im Hinterzimmer, immerhin wird Deutsch gesprochen: „Du kommst zu spät! Wir sind hier in Deutschland!“ Und dann gibt es zur Abwechslung mal wieder eine von den nicht so guten Hacker-Szenen, wo sich CIA und Terror-Hacker gegenseitig hacken – und damit der Zuschauer das auch kapiert jede Menge Zeilen über den Bildschirm laufen, in denen die Buchstaben CIA hervorgehoben werden. Nun ja.

Screenshot Homeland Staffel 5: Quinn (Rupert Friend)

Screenshot Homeland Staffel 5: Quinn (Rupert Friend)

Aber Carrie als Prenzlauer-Berg-Mom, unterwegs mit Kind im Fahrradsitz, das ist allerliebst. Und natürlich wohnt sie mit Franny und ihrem neuen deutschen Lover Jonas (Alexander Fehling) in einer stilechten Berliner Altbauwohnung, in der sich auch wunderbar Kindergeburtstage feiern lassen. Carrie und Jonas verdienen bestimmt nicht schlecht, sie ist Sicherheitsbeauftragte für den Milliardär Otto Düring (Sebastian Koch), bzw. für seine Düring Foundation, Jonas arbeitet als Jurist ebenfalls für diese Stiftung.

Die Stiftung sitzt natürlich in dem anderen coolen Neubau in Berlin Mitte: Dem schwarzen „iPhone-Haus“, das die Werbeagentur Scholz & Friends von Ivan Reimann hat bauen lassen: Sechs Etagen schwarzes und transparentes Glas, abgerundete Ecken, mit eingebautem Display über dem Eingang. Das alles sagt natürlich nichts über die Qualität der Serie aus, aber wann sieht man schon mal die Lieblingsgebäude aus der eigenen Nachbarschaft in einer US-Serie?

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffpunkt Gendarmenarkt, Berlin

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffpunkt Gendarmenmarkt, Berlin

Inhaltlich ist Homeland wieder brandaktuell: Es geht um die kommende Flüchtlingskrise – gegen die Otto Düring etwas tun will und die Frage, warum Assad noch immer an der Macht ist und sich der IS noch immer ausbreiten kann – obwohl das Team von Quinn seit 28 Monaten in Syrien operiert. Offenbar nicht mit dem gewünschten Erfolg. Dar Adal und Saul Berenson sind nicht begeistert von dem Bericht, den ein offenbar sehr müder und ausgebrannter Quinn (Rupert Friend) erstattet. Nichtsdestotrotz macht Quinn weiter – aber wir wissen ja inzwischen, dass er im Zweifelsfall immer weiter macht. Also räumt er jetzt halt in Berlin auf: Bad Guys, die er im Auftrag der CIA killen muss, gibt es schließlich auch hier.

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffen mit dem BND  - Astrid (Nina Hoss) und Adler (Martin Wuttke)

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffen mit dem BND – Astrid (Nina Hoss) und Adler (Martin Wuttke)

Natürlich dauert es nicht lange, bis Carries beschauliches Familienleben von ihrem Job bedroht wird: Otto Düring hat sich in den Kopf gesetzt, ein libanesisches Flüchtlingslager zu besuchen und auf dieser Tour bei weiteren Milliardären eine Menge Geld für seine gute Sachen einzusammeln. Carrie versucht ihm das ausreden: Viel zu gefährlich. Aber wie Milliardäre so sind – natürlich hört er nicht auf seine Beraterin. Also versucht Carrie erst über ihre alten CIA-Kontakte Informationen einzuholen, wobei die Berliner CIA-Chefin Allison Carr (Miranda Otto) sie formvollendet abblitzen lässt. Jetzt sucht Carrie über einen lokalen Imam Kontakt zu einem Hisbollah-Funktionär, der im Berliner Untergrund lebt: Der soll Düring eine offizielle Einladung für den Libanon-Besuch verschaffen. Das ist natürlich keineswegs einfach, zumal sich herausstellt, dass Carrie seinen Sohn auf dem Gewissen hat, der bei einer der Operationen, die sie geleitet hat, getötet wurde.

Screenshot Homeland Staffel 5: Saul Bereson (Mandy Patinkin) und Allision Carr (Miranda Otto)

Screenshot Homeland Staffel 5: Saul Bereson (Mandy Patinkin) und Allision Carr (Miranda Otto)

Und dann ist da noch die engagierte Journalistin Laura Sutton (Sarah Sokolovic), die sicher nicht zufällig wie Laura Poitras aussieht und die ebenfalls für die Düring Foundation arbeitet. Ihr werden geheime Dokumente zugespielt, mit denen die illegale Zusammenarbeit deutscher und US-amerikanischer Geheimdienste belegt wird. Während Carrie diese Informationen erst einmal überprüfen soll, will Laura sie sofort veröffentlichen – und tut das schließlich auch, obwohl auch Jonas sie davor warnt.

Saul (Mandy Patinkin), der ohnehin nicht gut auf Carrie zu sprechen ist – er ist inzwischen der Ansicht, dass sie für die falsche Seite arbeitet und hat offenbar auch nicht verwunden, dass er statt auf dem Chefsessel der CIA nur Chef der Europa-Abteilung geworden ist – hat derweil ein Treffen mit dem Bundesnachrichtendienst. Und BND-Offizier Adler (Martin Wuttke) kündigt jenes illegale Agreement zwischen den beiden Diensten auf. Allerdings zeigt sich die BND-Agentin Astrid (Nina Hoss, kennen wir bereits aus der vierten Staffel, eine alte Freundin von Quinn) kompromissbereiter. Mal sehen, was noch daraus wird. Auf jeden Fall war der Auftakt schon mal nicht schlecht.

Carrie in Berlin, das schwarze Haus am Litfaßplatz

Carrie in Berlin, das schwarze Haus am Litfaßplatz

Mein erstes Jahr mit Netflix

Das erste Jahr mit Netflix ist vorbei – und die Fernsehrevolution hat zumindest bei mir nicht statt gefunden. Aber um fair zu sein muss ich natürlich klar stellen, dass ich auch vor Netflix schon sehr wenig im klassischen Fernsehen angesehen habe – die Sachen, die ich sehen möchte, will ich ohne Werbeunterbrechungen sehen und zwar dann, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.

Das bedeutet, dass ich ohnehin fast alle Serien und Filme aufnehme und von Festplatten aus auf meinen noch nicht so richtig smarten, aber streaming-tauglichen Fernseher spiele. Mir zwischen unerträglichen Werbespots eine Serie häppchenweise in den Mund zählen zu lassen ist für mich unvorstellbar. Entsprechend habe ich keine Ahnung, wo in meiner Programmauswahl die Privatsender zu finden sind. Interessiert mich einfach nicht. Und auch die öffentlich-rechtlichen Programme interessieren mich zunehmend weniger, wobei ich ab und zu mal auf Phoenix oder ZDFneo hängen bleibe oder eine Doku auf einem der Dritten ansehe. Gut finde ich vor allem, dass über mein Apple TV neben Netflix jetzt auch die arte-Mediathek abgerufen werden kann. Damit habe ich fast alles, was ich brauche.

Fernsehe - der Imperativ mit der klassischen Note

Fernsehe – der Imperativ mit der klassischen Note


Und nun zu Netflix: Mein Hauptproblem ist, dass ich viele der guten Serien, die es auf Netflix gibt, schon gesehen hatte, bevor Netflix bei uns an den Start gegangen ist. Damit wurde die Sache weniger spannend, auch wenn es natürlich noch einige neue Highlights gibt, etwa Sense8 oder jetzt Narcos. Und ehrlich gesagt finde ich einige der momentan gehypten Netflix-Serien gar nicht so gut – in Orange Is The New Black habe ich mehrfach reingesehen – aber ich finde die Geschichte weder besonders lustig noch sonst bemerkenswert. Auch mit Daredevil oder Hemlock Grove werde ich nicht warm – vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Und die dritte Staffel von Lilyhammer war leider auch enttäuschend, obwohl die ersten beiden Staffeln durchaus ihre Höhepunkte hatten.

Ähnlich geht es mir mit dem Netflix-Flaggschiff House of Cards. Diese Serie finde ich gar nicht schlecht, insbesondere die erste Staffel, aber schon die zweite wurde etwas mühsam und die dritte, nun ja, Lars Mikkelsen als russischer Präsident ist natürlich sehenswert, aber hier wird das Problem, das ich schon mit den ersten beiden Staffeln hatte, nämlich, die Hauptfiguren keine interessante Entwicklung durchmachen, sondern von Anfang an Arschlöcher sind, die nie etwas anderes tun, als sich gegenseitig für die eigenen Ziele zu benutzen, wirklich grundsätzlich: Wie will man die Handlung noch so vorantreiben, dass ein Sog entsteht, wenn die Figuren das nicht leisten können?!

Ich finde Kevin Spacey und Robin Wright toll, aber ihre Charaktere sind einfach nicht so interessant wie Walt und Skyler White in Breaking Bad. Da haben Bryan Cranston und Anna Gunn einfach die besseren Karten gehabt. Da hat mir das andere Flaggschiff Sense8 besser gefallen – obwohl das bestimmt auch nicht jedermanns Sache ist. Aber ich mag nun man die Wachowskis und ich mag Tom Tykwer, und mir gefiel die Idee sehr gut, eine Geschichte mit acht Protagonisten zu machen, die in völlig unterschiedlichen Welten leben, aber auf seltsame Weise miteinander verbunden sind. Auf Narcos bin ich sehr gespannt, aber derzeit habe ich einfach nicht so viel Zeit, weshalb ich derzeit ja auch weniger schreibe.

In der zweiten Reihe gibt es auf Netflix durchaus eine ganze Menge sehenswerter Serien, Luther etwa, The Killing, Broadchurch, Deadwood, Person of Interest, um nur einige zu nennen, ansonsten fand ich einige erfreuliche Überraschungen im Doku-Bereich, etwa Chef’s Table. Bei der Filmauswahl überwiegen eindeutig die Lücken – aber Netflix will nach eigener Aussage ja auch kein Vollsortimenter sein, bei dem es gibt, was es überall sonst auch gibt, sondern Spezialist für besondere Inhalte. Nun ja. Ob das auf Dauer ausreichen wird, um in der Konkurrenz gegen Amazon, Maxdome oder Watchever zu bestehen, bleibt abzuwarten – ich werde mein Netflix-Abo erstmal behalten, zumal ich ja auch Kinder habe, die es intensiv mit nutzen – insofern lohnen sich die 8,99 Euro pro Monat allemal.

Obwohl ich eine Sache ganz schlimm finde: Netflix verweigert hartnäckig den Offline-Modus. Das bedeutet, dass ich mir unterwegs, etwa im Zug, wo die WLAN-Nutzung in absehbarer Zeit ein Glücksspiel mit eher schlechten Chancen bleiben wird, die Sachen, die ich sehen möchte, halt aus anderen Quellen als Netflix besorgen und auf meinen Laptop laden muss – genau, was laut Netflix angeblich zu kompliziert ist. Zu kompliziert für Netflix vielleicht, aber nicht für Serien-Profis, die dann eben auf Alternativen ausweichen. Wenn dann im nächsten Jahr die angekündigte Preiserhöhung auf für Bestandskunden kommt, werde ich gewiss noch einmal drüber nachdenken.

Deutschland 83: DDR-Held erobert die USA

Deutsche Serien – das ist ein schwieriges, in der Regel frustrierendes Thema, wenn man sich an richtig gute internationale Serienkost gewöhnt hat. Und aktuelle deutsche Serien über deutsche Geschichte – deutsch-deutsche noch dazu – ist quasi hoffnungslos: Mehrteiler wie Weissensee oder Tannbach mögen vielleicht als noch Spitzenprodukte des schlechten Geschmacks in die deutsch-deutsche Serien-Geschichte eingehen, werden ansonsten aber hoffentlich schnell vergessen.

Entsprechend erstaunt war ich also, als ich hörte, das die ersten beiden Teile der deutsch-deutschen Serie Deutschland 83 mit erstaunlich positiver internationaler Resonanz auf der Berlinale gelaufen sind und derzeit in den USA im Original mit englischen Untertiteln gezeigt werden – zwar nur auf dem Spartensender Sundance, der zu AMC gehört – aber eben AMC, genau, das sind die, die Mad Men gemacht haben, Breaking Bad und Better Call Saul. Also Experten für richtig gute, innovative Serien.

Also wurde ich neugierig und habe jetzt doch in Deutschland 83 reingesehen. Ja, und obwohl die Serie in Deutschland demnächst auf RTL gezeigt werden soll, ist sie eben keine dieser typischen RTL-Serien. Sondern erstaunlich gut. Aber warum sollte RTL seinem Publikum nicht auch ab und zu zwischen Castingsshows und Kakerlaken etwas richtig Gutes bieten, verdient haben die Zuschauer das allemal. Abzuwarten bleibt, wie sie Deutschland 83 dann tatsächlich finden.

Screenshot Deutschland 83 - Martin (Jonas Nay): Telefonieren in der Vor-Handy-Ära  via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 – Martin (Jonas Nay) Spionage ist ein gefährliches Geschäft via sundance.tv

Man kann natürlich auch auf Sat1 The Americans anschauen, dass ist auch eine 80er-Jahre-Retro-Spionage-Serie, die gar nicht schlecht, aber meiner Ansicht nach leider auch nicht so richtig gut ist: Das Politische an sich spielt in The Americans eine erstaunlich geringe Rolle, dabei könnte man auch am Kapitalismus und am Gesellschaftssystem in den USA nun wirklich einiges kritisieren. Das tun die russischen Top-Spione aber erstaunlicherweise so gut wie gar nicht – sie ziehen zwar mit vollem Einsatz ihren Mission durch, als Motivation werden aber nur irgendwelche Klischees angedeutet, was mir die Serie schon verleidet, obwohl sie gut gemacht ist.

Aber nach dem, was ich gesehen habe, ist Deutschland 83 in diesem Punkt besser – für mich persönlich, die 1983 als Teenie in der Mittelstufe erlebt und durchlitten hat, ist Deutschland 83 emotional natürlich auch viel näher: Der Stern publizierte im Jahr 83 die Hitler-Tagebücher, die sich später als dreiste Fälschung entpuppten, die rätselhafte Seuche AIDS tauchte in Titelgeschichten auf und Friedensbewegung konnte Millionen Menschen mobilisieren, die gegen die Nachrüstung im Zuge des Nato-Doppelbeschlusses von 1979 demonstrierten.

Screenshot Deutschland 83 - Martin (Jonas Nay) und Annett (Sonja Gerhardt) via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 – Martin (Jonas Nay) und Annett (Sonja Gerhardt)
via sundance.tv

Ich erkenne so ziemlich jede Einblendung echter Nachrichten-Sendungen in der Serie wieder – damals gab es ja ohnehin nicht mehr als drei Fernsehprogramme, heute und Tagesschau waren Pflicht, darüber redete man am nächsten Tag in der Frühstückspause.

Aber es ist nicht nur meine persönliche Erinnerung an jene Zeit, die mit dieser Serie wieder herauf beschworen wird – das war ja auch keine schöne Zeit: Es war die Hochzeit des kalten Kriegs und wir hatten damals völlig zu recht Angst, dass es jederzeit mit uns vorbei sein konnte: Die Supermächte USA und UdSSR richteten die Sprengköpfe ihrer Mittelstreckenraketen ja eben auf deutsche Ziele aus – wäre der kalte Krieg heiß geworden, wäre Deutschland das atomare Schlachtfeld gewesen. Hier wäre kein Stein auf dem anderen geblieben und vermutlich nicht nur Europa auf lange Zeit unbewohnbar. Einer der Hits von 1983 war Two Minute Warning von Depeche Mode – zwei Minuten Vorwarnzeit, bevor das atomare Inferno unser aller Leben auslöscht. Das traf das Lebensgefühl vieler. Wir kritzelten No Future auf unsere Jeansjacken – und wir wussten warum.

Screenshot Deutschland 83 - Martin (Jonas Nay) und Annett (Sonja Gerhardt) via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 – Martin (Jonas Nay) und Lenora (Maria Schrader)
via sundance.tv

Aber Deutschland 83 beschwört eben nicht nur diese Weltuntergangsstimmung, sondern ist streckenweise sogar ziemlich witzig. Martin Rauch (Jonas Nay) ist eben nicht der top ausgebildete Superspion, sondern eher eine Verlegenheitslösung: Weil sich gerade eine günstige Gelegenheit ergibt, wird er als MfS-Spion in den Westen einschleust – worauf er eigentlich gar keine Lust hat. Er will nicht in den Westen. Er will zuhause bleiben, bei seiner kranken Mutter und seiner schönen blonden Freundin Annett (Sonja Gerhardt).

Martin ist NVA-Soldat und guter Sozialist, der westdeutschen Studenten an der Grenze die billig im Osten eingekauften Bücher abnimmt, weil sie ihr Geld nicht zum vorschriftsmäßigen Kurs umgetauscht haben: Wer gegen die Gesetze der DDR verstößt, schadet dem Sozialismus. Aber als die Studenten auf die Frage, wer am Ende gewinnen wird – die Kapitalisten, die nur an sich selbst denken, oder die Sozialisten, die an einem Strang ziehen, damit es allen Menschen besser geht, die richtige Antwort geben, lässt Martin die Wessis laufen. „Aber der Shakespeare bleibt hier! Den Marx könnt ihr mitnehmen, da lernt ihr vielleicht noch was!“

Screenshot Deutschland 83 Alex Edel (Ludwig Trepte) und Martin/Moritz (Jonas Nay)  via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 Alex Edel (Ludwig Trepte) und Martin/Moritz (Jonas Nay) via sundance.tv

Natürlich wird auch bei Deutschland 83 tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Aber es trifft in diesem Fall eben nicht nur die DDR, sondern auch die Wests und ihre Verbündeten. Natürlich sind die Zonis skrupellos und gemein, insbesondere die Stasi-Kader Lenora Rauch (grandios: Maria Schrader) und Walter Schweppenstette (Sylvester Groth), die den jungen Martin brutal ins kalte Wasser werfen – nicht ohne ihm vorher die Finger zu brechen, weil das ist einzige Detail, das nicht mit dem Profil des jungen Wessie-Offiziers Moritz Stamm übereinstimmt, als der Martin in die Bundeswehr eingeschleust wird: Er kann nicht Klavier spielen.

Screenshot Deutschland 83 – Martin (Jonas Nay): Telefonieren in der Vor-Handy-Ära via sundance.tv

Er kann auch sonst einiges nicht, aber er bemüht sich – und es gibt immer ein paar echte Stasi-Topagenten in seiner Nähe, die aufpassen, dass er nicht allzu viel falsch macht. Und wenn doch etwas schiefläuft, Schadensbegrenzung betreiben. Natürlich tauchen reichlich Probleme auf – so befinden sich die geheimen NATO-Unterlagen, die Martin aus dem Safe von General Jackson klaut, nicht in einem herkömlichen Ordner, dessen Inhalt Martin wie inzwischen geübt heimlich abfotografieren könnte, sondern auf so einem viereckigen Plaste-Dings, einem, wie heißt das doch gleich? Floppy-Disk. Es für muss also erstmal ein IBM-Rechner beschafft werden, damit die Kollegen in der Analyse das Teil überhaupt lesen und auswerten können. Auch für die Stasi keine triviale Aufgabe.

Screenshot Deutschland 83 - das Floppy-Problem Schweppenstette (Sylvester Groth, Mitte) und Lenora (Maria Schrader) via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 – das Floppy-Problem Schweppenstette (Sylvester Groth, Mitte) und Lenora (Maria Schrader)
via sundance.tv

Und dann hat General Wolfgang Edel (Ulrich Noethen) eine Sohn, der zwar die für ihn vorgesehene Pflichtkarriere als Offizier durchzieht, sich aber eigentlich zur Friedensbewegung gezogen fühlt. Alex Edel nervt es, dass dieser Moritz Stamm sich genauso anhört wie sein Vater. Moritz ist eindeutig der bessere Soldat – aber wenn Alex wüsste, warum! Denn wenn es darum geht, die Welt, oder doch zumindest die DDR zu retten, wächst Martin immer wieder über sich hinaus und schafft Dinge, die er sich selbst zuvor kaum zugetraut hätte.

Bisher sind drei der insgesamt acht Teile gelaufen, die große Lust darauf machen, weiter zu sehen, auch wenn ich von Deutschland 83 nicht so hin und weg gerissen bin wie von Mr. Robot. Aber mal sehen, was die kommenden Teile jeweils bringen – UFA Fiction hat hier jedenfalls eine erstaunlich moderne und clever konstruierte Serie abgeliefert – genau das, was ich sonst im deutschen Fernsehen so vermisse.

Screenshot Deutschland 83 Auch die Generäle Jackson (Errol T. Harewood ) und Edel (Ulrich Noethen) haben in Brüssel eine eigene Agenda...  via sundance.tv

Screenshot Deutschland 83 Auch die Generäle Jackson (Errol T. Harewood ) und Edel (Ulrich Noethen) haben in Brüssel eine eigene Agenda… via sundance.tv