Hidden Figures

Na bitte, geht doch – Hollywood-Kino ohne Superhelden, wortkarge Rächer oder durchgeknallte Teenager. Hidden Figures war einer der Filme, auf die ich mich in diesem Jahr ganz besonders gefreut hatte. Und tatsächlich konnte er vieles von dem, was ich erwartet habe, einlösen. Vor allem gab es eine grandiose Taraji P. Henson zu sehen – schon in Person of Interest fand ich sie bemerkenswert, aber seit Empire bin ich bekennender Cookie-Fan. Auch wenn die eben so geniale wie disziplinierte Mathematikerin Kathrine Johnson ein ganz anderer Typ ist als die vulgäre, aber ebenfalls begabte und durchsetzungsstarke Musikproduzentin Cookie Lyon, die nach 17 Jahren im Gefängnis ihren Anteil an Empire fordert, das sie mitbegründet hat.

Doch zurück zu Hidden Figures. Zwar haben meine Recherchen ergeben, dass die Lebensgeschichten der NASA-Angestellten Kathrine Johnson, Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monaé) aus dramaturgischen Gründen nicht sehr wirklichkeitsnah erzählt werden – die drei waren keineswegs beste Freundinnen, wie der Film suggeriert, vermutlich kannten sie sich, wenn überhaupt nur flüchtig, schließlich war die NASA zu jener Zeit ein gigantisches Unternehmen. Aber im Grunde ist das auch egal, es geht schließlich um den Zeitgeist, der anhand dieser Geschichte offenbar wird.

Hidden Figures: : Mary Jackson (Janelle Monáe) Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer)Hidden Figures: : Mary Jackson (Janelle Monáe) Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer)

Hidden Figures: : Mary Jackson (Janelle Monáe) Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer)

Hidden Figures ist kein Dokumentar-, sondern ein Spielfilm – hier geht es nicht darum, die Biografien der drei Hauptpersonen möglichst realitätsnah wiederzugeben. Vielmehr wird eine Geschichte erzählt, die aus dem Leben in jener Zeit gegriffen ist: Es werden beispielhaft die Lebensgeschichten dreier afroamerikanischer Frauen erzählt, die versuchen, entgegen aller Hindernisse, die ihnen die Gesellschaft in den Weg stellt, einen guten Job zu machen. Und, schließlich sind es Frauen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Denn haben sie alle drei einen Traumjob ergattert: Sie dürfen an den Mercury- und Apollo-Programmen der NASA mitarbeiten! Das ist eine ganz große Sache, das erkennt sogar der Südstaaten-Cop, der die drei am Anfang des Films überprüft – drei schwarze Frauen, die eine Autopanne haben, das ist per se verdächtig. Doch die drei wirken seriös und kompetent – was sie auch sind, die in Mechanik begabte Dorothy kriegt den alten Schlitten auch wieder zum Laufen, sie werden sogar mit polizeilichem Geleitschutz auf der Überholspur zur Arbeit geleitet – vermutlich, weil der weiße Bulle wissen will, ob die NASA tatsächlich schwarze Frauen einstellt. Aber die NASA tut es – und wenn das so ist, dann muss das richtig und wichtig sein, schließlich geht es darum, die verdammten Commies auf dem Weg zum Mond noch zu überholen. Dazu ist jedes Mittel recht.

Der Sputnik-Schock im Jahr 1957 hatte die USA gedemütigt – dass die verhasste UdSSR einen Satelliten in eine Erdumlaufbahn bringen konnte und 1961 mit Juri Gagarin auch noch den ersten Menschen ins All schickte, hatte den Überlegenheitswahn der US-Amerikaner erheblich gedämpft. Nun wollten die USA, koste es, was es wolle, beweisen, dass sie technologisch weiterhin die überlegene Führungsmacht wären und legten entsprechend größenwahnsinnige Raumfahrtprogramme auf. Dafür wurden sämtliche verfügbaren Talente gebraucht – selbst wenn sie weiblich und schwarz waren.

Hidden Figures: : Mary Jackson (Janelle Monáe) Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer)

Hidden Figures: : Mary Jackson (Janelle Monáe) Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Dorothy Vaughan (Octavia Spencer)

Denn dass die Sowjets unter anderem deshalb so erfolgreich waren, weil sie viel in die Volksbildung investierten und eben nicht nach Geschlecht und Herkunft diskriminierten, hatten die Amis schon mitbekommen, auch wenn ihnen das nicht gefiel. Was aber keineswegs bedeutete, dass diese rassistische und sexistische Diskriminierung nun aufgeben wurde. Das ist sie bis heute noch immer nicht – ja, es gab einen US-Präsidenten, der ein farbiges Elternteil hatte, aber genau besehen, ist Barack Obama kein Schwarzer, sondern ein Mischling, der genauso weiß wie schwarz ist. Und eine US-Präsidentin gibt es bislang nur in Fernsehserien, nicht aber im wahren Leben. Stattdessen haben die Leute kürzlich einen alten weißen Fascho und Rassisten als neuen US-Präsidenten gewählt. Es ist also nichts wirklich besser geworden.

Insofern finde ich es jetzt besonders wichtig, dass diesen Frauen mit Hidden Figures eine total überfällige Anerkennung zuteil wird. Sämtliche im Film gezeigten Schikanen gegen Schwarze waren zu der Zeit leider völlig normal – auch wenn die drei Frauen, um die es hier geht, bei der NASA laut eigenen Aussagen tatsächlich nicht so viel davon mitbekommen haben. Zwar gab es nicht nur nach Geschlecht, sondern auch nach Rassen getrennte Toiletten und Kaffeeküchen, aber darüber haben sich die farbigen Angestellten schon damals hinweggesetzt, ohne dass es irgendwelche negativen Folgen für sie gehabt hätte. Genau diesen Part haben die Filmemacher aber bewusst überzeichnet, eben um zu zeigen, wie hirnrissig diese Schikanen waren und sind. Und so greift schließlich der unter enormen Zeitdruck stehende Direktor Al Harrison (Kevin Costner) zum Vorschlaghammer, um die diskriminierende Beschilderung über den Damentoiletten zu entfernen – er kann es sich nicht leisten, für jeden Toilettengang seiner besten Mathematikerin 40 wertvolle Minuten zu verlieren.

Die Computertechnik steckte noch in den Kinderschuhen – heutzutage, wo sich jeder die Rechenleistung zahlreicher antiker Mainframe-Rechner mit seinem Smartphone in die Tasche stecken kann, ist das schwer vorstellbar – aber früher musste man vieles tatsächlich „zu Fuß“ ausrechnen – ich habe in meiner Schulzeit noch gelernt, wie gedruckte Logarithmus oder Wurzeltabellen zu nutzen sind. In der Serie Manhattan gibt es ebenfalls einen „Rechner“, nämlich ein Büro voller engagierter Frauen, die quasi per Rechenschieber die komplizierten Berechnungen für die Physiker ausführen, die herauskriegen wollen, wie man am besten eine Atombombe zur Zündung bekommt. Im Grunde war das auch in der Zeit, in der Hidden Figures spielt, nicht viel anders – allerdings waren die mechanischen Hilfsgeräte ausgefeilter und es gab erste Großrechner – die so groß waren, dass auch hier wieder der Vorschlaghammer zum Einsatz kam, weil die Bauteile nicht durch die Tür des Computerraums passten.

Dorothy Vaughan, die faktisch Abteilungsleiterin für eine Gruppe farbiger Mathematikerinnen ist, erkennt sofort, dass die neue IBM-Maschine nicht nur die Zukunft, sondern auch eine Bedrohung für ihren und die Jobs ihrer Mädels ist: Sie beschließt, zu lernen, wie man solche Maschinen programmiert und empfiehlt das auch ihren Kolleginnen: „Lernt Mädchen, macht euch unentbehrlich!“ Aber auch das Lernen wird den Frauen nicht leicht gemacht – als Dorothy sich in der Stadtbibliothek ein Buch über FORTRAN ausleihen will, wird sie rausgeworfen, weil sie in der Abteilung für Weiße danach gesucht hat. In der Abteilung für Farbige gibt es so etwas nämlich nicht. Doch die resolute Dorothy hat das Buch einfach eingesteckt. „Schließlich zahle ich meine Steuern“, erklärt sie ihren Kindern, „und davon werden diese Bücher gekauft. Wie kann ich etwas stehlen, das ich schon bezahlt habe?“

Ähnlich ergeht es auch Mary Jackson, die Ingenieurin werden und an der Konstruktion der Raumkapsel für die nächsten Mission mitarbeiten will. Ihr Abteilungsleiter Karl Zielinksi (Olek Krupka), ein Jude polnischer Herkunft, dessen Eltern im KZ ermordet wurden, ermutigt sie, daran festzuhalten: „Wenn Sie ein Mann wären und weiß, würden Sie da Ingenieur werden wollen?“ Und Mary antwortet: „Dann müsste ich es nicht mehr wollen, weil ich es schon wäre!“ Mary erstreitet sich schließlich den Zugang zu der einzigen Hochschule in Virginia, die genau die Kurse anbietet, die sie für ihre Qualifikation braucht, vor Gericht. Noch in den 60er Jahren wurden im Land der unbegrenzten Möglichkeiten weite Teile der Bevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe von einer Hochschulbildung ausgeschlossen.

Wobei nicht vergessen werden sollten, dass auch hierzulande noch über Frauenquoten in Unternehmensvorständen diskutiert werden muss, weil Frauen im Berufsleben noch immer systematisch benachteiligt werden – und was für weiße Mitteleuropäerinnen gilt, gilt um so mehr auch für farbige oder gar für  Kopftuchträgerinnen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Arbeitgeber Frauen prinzipiell nicht so ernst nehmen wie Männer – ich habe selbst jahrelang eine Leitungstätigkeit ausgeübt, ohne ein entsprechendes Gehalt dafür zu bekommen. Aber es war halt niemand sonst da, der den Job gemacht hätte.

Genau wie bei Dorothy, die zwar aus dem Bewusstsein ihrer Verantwortung für die anderen und für die Sache heraus den Job eines Supervisors erledigt, aber nicht dafür bezahlt wird. Es war halt nicht vorgesehen, dass jemand wie sie (oder ich) Führungskraft sein kann – das gilt offenbar für schwarze und weiße Frauen gleichermaßen. Und erst, als ein sehr viel jüngerer Kollege mit sehr viel weniger Berufserfahrung eingestellt wurde, der auf Anhieb mehr bekommen hat, als ich nach vielen Jahren treuer und aufopferungsvoller Dienste, ist mir der Kragen geplatzt. Wobei das auch nicht nachhaltig geholfen hat. Aber die Zeiten sind schlecht. Heute wie damals geht es darum, den Job zu behalten.

All die weißen Männer... Hidden Figures

All die weißen Männer… Hidden Figures

Doch zurück zur in die 60er und zur NASA. Hidden Figures zeichnet ein Panorama jener Zeit, das trotz der wirklich haarsträubenden Ungerechtigkeiten, die thematisiert werden, erstaunlich unterhaltsam ist. Was Gleichheit die Stärke und die Schwäche dieses Films ist: Ja, es ist eine wirklich gute Idee gewesen, kein moralinsaures Drama aus dieser Geschichte zu machen – das hätte bei aller guten Absichten gewiss nicht nur mich total genervt. Insofern war geschickt, die ewig langen Wege, die Katherine zum abgelegenen Klo für schwarze Frauen zurücklegen muss, mit unterhaltsamer Tanzmusik der 60er Jahre zu unterlegen. Überhaupt finde ich den Soundtrack gelungen, obwohl das nicht unbedingt meine Lieblingsmusik ist – auf diese Weise wird vermittelt, was diese Zeit eben auch hatte: Eine gewisse Aufbruchstimmung und Zuversicht in die Zukunft – die Leute damals gingen davon aus, dass sie sich dafür krumm legen, dass es künftigen Generationen besser gehen wird.

Das ist ein nicht zu unterschätzender Antrieb. Darum beneide ich die Generationen vor mir. Heute müssen wir davon ausgehen, dass es den künftigen Generationen schlechter gehen wird. Das ist schon jetzt sehr deutlich zu spüren. Ja, Zukunft war wirklich schon mal besser.

Es ist gut, dass Hidden Figures den bisher unbekannten Kämpferinnen für eine bessere Zukunft ein Denkmal setzt. Ich persönlich – und das empfinde ich als die Schwäche des Films – hätte mir ein paar mehr Details gewünscht. Der Vorspann erzählt in sehr groben Zügen etwas über die Kindheit von Katherine – aber ich hätte auch gern mehr über Dorothy und Mary erfahren. Genau wie ich auch gern mehr über Colonel Jim Johnson (Mahershala Ali) wüsste, der schließlich erfolgreich um die Hand der brillanten Witwe Katherine anhält. Und auch darüber hätte ich gern mehr gewusst – wer war der Vater von Katherines Töchtern? Ich weiß, das ist komplex, aber als geübter Zuschauerin hätten mir ein paar kurz eingestreute Hinweise genügt – hier finde ich den Film dann doch etwas unterkomplex.

Andererseits ist das auch okay, Filme, die jede Menge Geschichten anreißen ohne sie zu erzählen, nerven mich auch – das prominenteste Beispiel dafür dürfte Cloud Atlas sein. Hidden Figures geht okay als unterhaltsamer Film über eine hässliche Seite des amerikanischen Traums. Und auch als ebenso unprätentiöses wie überfälliges Heldinnen-Biopic. Aber ein epochemachendes Meisterwerk ist der Film nicht. Und das ist nichtmal schade, weil: Ansehen lohnt sich doch. Übrigens spielen auch Kirsten Dunst und Jim Parsons mit – in nicht gerade vorteilhaften Rollen. Figuren eben, die entgegen aller Evidenz an der Überlegenheit der weißen Rasse festhalten. Auch wenn ihnen das vermutlich gar nicht bewusst ist.

Welche Farbe hat Elliot Alderson?

Ich weiß nicht, ob es jetzt nur ein Detail ist, über das ich immer wieder stolpere, weil meine Filter-Bubble entsprechend funktioniert, oder das tatsächlich eine breitere Diskussion ist – das ist ja das Ärgerliche an diesem rasenden technischen Fortschritt: Das Internet funktioniert eigentlich nicht mehr dem dem Sinne, dass man alles Relevante schon irgendwie mitbekommt. Im Gegenteil: Jeder von uns bekommt nur noch den Ausschnitt der Realität serviert, von dem Google und Konsorten annehmen, dass der uns interessiere. Insofern: Fuck Personalisierung.

Nun ja, wie dem auch sei, über meinen tumblr – das ist das einzige dieser sozialen Netzwerke, in dem ich freiwillig und aus Spaß an der Freude unterwegs bin, stoße ich immer wieder auf eine in meinen Augen ziemlich merkwürdige Rassismus-Diskussion, etwa hier: Don’t get it twisted: Mr. Robot is about a character of color.

Dazu ist mir vor einiger Zeit schon ein anderer Beitrag aufgefallen, der ebenfalls für Diskussionen sorgte, weil es tatsächlich Leute gibt, die an Mr. Robot nicht gut finden, dass ein „brauner“ Schauspieler eine „weiße“ Rolle spielt.

Damit bin ich jetzt auch schon wieder bei Mr. Robot, jener aus vielerlei Gründen lebhaft diskutierten Serie über den soziophoben Hacker Elliot Alderson, dessen korrekte ethnische Einordnung offenbar gar nicht so einfach ist: Die einen regen sich darüber auf, dass Elliot auch nur wieder nur so ein weißer Junge sei, zumindest dem Namen nach. Die anderen regen sich darüber auf, dass Elliot für seinen Namen letztlich nicht weiß genug ist. Denn Elliot Alderson wird von dem ägyptisch-stämmigen Schauspieler Rami Malek verkörpert, um den es wiederum eine kontroverse Diskussion gibt, ob der nun „weiß“ oder eben „farbig“ sei. Wobei sich alle einig sind, dass Malek diesen Elliot ganz fantastisch darstellt – offenbar ist er so gut, dass alle ihn gern für sich beanspruchen möchten.

Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich als hellhäutige Mitteleuropäerin in Sachen Diskriminierungserfahrung aufgrund meiner ethnischen Herkunft (aufgrund meiner sozialen Herkunft dagegen schon) hier eigentlich nicht mitreden kann – aber andererseits ist mir klar, dass es Rassismus gibt: Er tritt derzeit gerade wieder besonders hässlich zutage. Genau vor diesem Hintergrund erscheint mir diese Diskussion aber so absurd: Wäre Mr. Robot wirklich noch besser, wenn Elliot Alderson stattdessen Achmed Alderson hieße? Oder Elliot Malek, wie Amir Talai in seinem Artikel vorschlägt?

In der Serie 24 hat Rami Malek ganz dem gängigen Rollenklischee entsprechend den arabischen Selbstmordattentäter Marcos Al-Zacar gespielt – worüber man sich auch aufregen kann, denn es ist ja nun tatsächlich so, dass arabisch-stämmige Schauspieler in der Regel arabische Terroristen spielen – was Malek in einem Interview in der arabisch-sprachigen Sendung BBC Xtra auch traurig findet, und erklärt, dass er deshalb froh ist, dass er als Schauspieler arabischer Herkunft endlich jemanden spielen kann, bei dem diese Herkunft eben keine Rolle spielt – der Witz an der Figur des Elliot Alderson sei ja eben, dass dieser Typ wirklich überall auf der Welt sein könnte.

Trotzdem gibt es diese Rollenklischees weiterhin – genau wie Lateinamerikaner halt lateinamerikanische Dealer oder sonstige Verbrecher darstellen müssen – was übrigens auch in Mr. Robot der Fall ist, Elliot Carmelo Villar spielt den wirklich bösen Fernando Vera. Andererseits haben wir ja auch noch einen bösen Schweden, der von einem Schweden gespielt wird, und der Rest von fsociety ist doch mit Romero, Mobley, Trenton und Darlene eigentlich in einer Farbpalette von ganz schwarz bis ganz weiß politisch total korrekt abgedeckt. Und mit Elliots All-Safe-Kollegen Lloyd und der geheimnisvollen chinesischen Whiterose wird auch noch ein Asien-Kontingent bedient. Oder ist jetzt genau das wieder rassistisch?

Ist in den vergangenen Jahrzehnten echt so wenig in Sachen gesellschaftlicher Fortschritt passiert? Einer der Helden meiner Kindheit war Omar Sharif, der in den 60er Jahren als Ägypter die Hauptrolle in dem Hollywood-Blockbuster (wie man heute sagen würde) Dr. Schiwago die Hauptrolle gespielt hat – einen russischen Arzt. Nun könnte man natürlich anmerken, dass das für die alten weißen Männer in Hollywood vermutlich keine Rolle gespielt hat, weil ein Russe im Hollywood der 60er Jahre vermutlich noch viel exotischer war als ein Ägypter. Wobei Omar Sharif in Die Nacht der Generäle sogar einen deutschen Wehrmachtsoffizier gespielt hat – warum auch nicht.

Der Punkt ist, dass ich die berechtigten Beschwerden über Rassismus in den westlichen Gesellschaften gar nicht kritisieren will – es gibt ja leider mehr als genug Gründe dafür. Und ich bezweifle auch nicht, dass die westliche Film- und Fernsehindustrie, die tatsächlich weitgehend in der Hand von alten weißen Männern ist, fragwürdige Stereotype prägt, die die gesellschaftliche Realität in keiner angemessenen Weise abbilden. Das hat sich im Februar bei der ebenfalls völlig berechtigten Diskussion um die Nominierungen für die Academy Awards, die mal wieder so weiß gewesen sind wie schon lange nicht mehr, ja leider wieder bestätigt. Und da sehe ich eine Menge Stoff für Rassismus-Diskussionen.

Aber ein Elliot Alderson in einer Fernsehserie im Jahr 2015 muss entweder weiß sein oder anders heißen? Echt jetzt?