Das Verschwinden von Madeleine McCann

Es gibt immer wieder Kriminalfälle, die ein größeres Publikum erreichen als andere – und hier spielen die Medien oft eine unrühmliche Rolle. Bad news is good news, manches Verbrechen wird nur durch das so genannte öffentliche Interesse ein Skandalfall, also durch Geschäftsmodelle von Medien, die auf die Sensationslust des Publikums setzen. Im Zeitalter von Social Media dreht sich diese Schraube noch schneller, jetzt sind es oft nicht einmal mehr bezahlte Profis, die entsprechend aufbereitete Nachrichten verbreiten, sondern irgendwelche Gaffer, die zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und ungefiltert jeden Scheiß posten, auf dass er massenhaft geteilt und verbreitet werde. Auch deshalb wird es immer schwieriger, zwischen fake news und seriöser Information zu unterscheiden. Und einem Großteil des Publikums ist das vermutlich sowieso egal, das klickt einfach auf alles, was zum eigenen Weltbild passt.

Insofern tue ich mich auch mit den durch vergleichsweise seriöse Contentproduzenten wie Netflix verbreiteten True-Crime-Serien schwer, Stichwort Sensationslust. Obwohl ich andererseits auch wieder gern Dokumentationen sehe, in denen historische Ereignisse aufbereitet werden. Die sind mir zwar oft zu tendenziös, aber man kann nebenbei durchaus interessante Dinge erfahren. Insofern war ich mir nicht sicher, ob ich die seit kurzer Zeit verfügbare Netflix-Doku über den Fall Maddie McCann wirklich ansehen wollte. Ich habs jetzt doch getan, aber aus rein wissenschaftlichem Interesse versteht sich.

Das Verschwinden von Madeleine McCann Bild: Netflix

Das Verschwinden von Madeleine McCann Bild: Netflix

Die kleine Maddie verwand im April 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal, während ihre Eltern mit Freunden in einem Tapas-Restaurant zu Abend aßen. Der Fall ist bis heute nicht gelöst, es wurde weder ihre Leiche gefunden, noch der Verbleib des Kindes aufgeklärt. Der Fall an sich stellt ein reichlich dunkles Kapitel sowohl in Sachen Berichterstattung als auch Polizeiarbeit dar, weshalb sich die Netflix-Doku dann doch lohnt, denn genau hier setzt der Achtteiler an: Die Ereignisse selbst, der Fortgang der Ermittlungen, die Berichterstattung und deren Auswirkungen auf alle Beteiligten werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Wobei die Berichterstattung über diese Doku an sich auch schon wieder ziemlich hysterisch ist: Es mögen vielleicht einzelne Journalisten, die in der Doku zu Wort kommen, aber nicht „die Presse“ an sich etwas aus der zum Teil desaströsen Berichterstattung über diesen Fall gelernt haben. Angeblich neue Erkenntnisse aus der Serie werden derart weitergedreht, dass sich noch die eine oder andere klickträchtige Schlagzeile herrausschinden lässt. Und tatsächlich sind eine ganze Reihe der Fakten, die in den acht Teilen der Serie zusammengetragen werden, im Rückblick geradezu verstörend. Aber das sollte doch gerade Anlass sein, erstmal die Luft anzuhalten und dann noch einmal nachzudenken, anstatt einmal mehr irgendwelche Halbwahrheiten zu neuen Fakten aufzublasen.

Nachdem ich nun alle Teile gesehen habe, kann ich sagen, dass ich die Doku alles in allem ausgewogen und informativ fand, auch wenn ich die ablehnende Haltung der Eltern gegenüber diesem Projekt verstehen kann. Was mich andererseits aber auch wieder ein bisschen wundert, denn in der Vergangenheit haben Kate und Gerry McCann unglaubliche Mittel und Anstrengungen aufgeboten, um in den Medien immer und immer wieder auf das Verschwinden ihrer Tochter hinzuweisen. Was nicht immer und überall gut angekommen ist: So verständlich es ist, dass Eltern alles versuchen, ihr geliebtes Kind zu finden – so drängt sich doch die Frage auf, ob man mit den mehr als elf Millionen Pfund, die diese Suche bisher gekostet hat, nicht auch viele andere Kinder hätten retten können, deren Eltern eben kein Geld und keine großzügigen Sponsoren hatten.

Klar, das ist auch wieder eine dieser zynischen Neiddebatten, die ich zum Kotzen finde, denn es wird in dieser Welt so viel Geld für irgendwelchen Scheißdreck verbrannt, während gleichzeitig Millionen Menschen aus Geldmangel verrecken. Aber hier wird dieses Missverhältnis einmal mehr deutlich: Die einen verkaufen ihre kleinen Kinder für eine Handvoll Dollar an solvente Touristen, die anderen geben Millionen aus, um ihre Kinder vor einem solchen Schicksal zu bewahren. Und selbst das gelingt nicht immer, das ist in diesem Fall noch einmal extra bitter. Zumindest kann man den Eltern von Maddie McCann nicht vorwerfen, dass sie nicht alles versucht hätten, um ihre Tochter wiederzubekommen.

Unter anderem mit diesem Bild bitten die Eltern von Madeleine McCann um Hinweise über den Verbleib ihrer Tochter.

Unter anderem mit diesem Bild bitten die Eltern von Madeleine McCann um Hinweise über den Verbleib ihrer Tochter. Bild: findmadeleine.com

An Anfang der Doku wird noch einmal minutiös aufgedröselt, was am 3. Mai 2007 in Praia da Luz geschah. Dabei kommen Zeugen, Ermittler und Journalisten zu Wort. Insgesamt wird versucht, die unterschiedlichen Interessen und Standpunkte aller Beteiligten an diesem Fall darzulegen: Da sind die britischen Eltern und deren Freunde (auch fast alle Eltern), die ohne ihre Kinder Essen gegangen sind, was bei den Portugiesen vor Ort die Frage provoziert, warum diese Leute ihre kleinen Kinder allein in einer Ferienwohnung gelassen haben, statt sie einfach mit ins Restaurant zu nehmen? Und warum haben sie nicht wenigstens eine Kinderbetreuung engagiert, wo es in der Anlage sogar einen entsprechenden Service gegeben hätte? 

Interessante Frage. Es gibt heute allgemein die Tendenz, dass Kinder zu sehr behütet werden, was ich durchaus auch kritisch sehe. Aber wirklich kleine Kinder, eine nicht einmal Vierjährige mit zwei zweijährigen Geschwistern allein in einer für sie fremden Umgebung (Ferienwohnung) zu lassen, finde ich grenzwertig – warum haben die Erwachsenen der Gruppe sich nicht koordiniert und ihre Kinder gemeinsam in einer Wohnung schlafen lassen, während abwechselnd einer von ihnen Stallwache hatte? Offenbar sind die Erwachsenen dieser Reisegruppe davon ausgegangen, dass ihre Kinder sich wohl fühlen und friedlich schlafen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass fremde Menschen in die Anlage eindringen, um ein Kind mitzunehmen, was den aktuellen Erkenntnissen zufolge geschehen sein muss.

Im Verlauf der Doku stellt sich allerdings auch heraus, dass Maddie nicht das einzige Kind ist, das in dieser Gegend verschwand. Und es kommen eine ganze Reihe Fällen sexueller Belästigung von kleinen Kindern ans Licht, die den Verdacht nahelegen, dass die beliebte Urlaubsgegend an der portugiesischen Algarve auch bei Pädophilen beliebt ist, die sich hier in entspannter Atmosphäre den Objekten ihrer Begierde nähern können, ohne dass das weiter auffällt. Die portugiesische Polizei ermittelte auch in diese Richtung, konzentrierte sich in der Folge aber darauf, den Verdacht gegen die Eltern von Maddie zu erhärten. Es gab einige, wenn auch sehr dünne Spuren, die vermuten ließen, dass Maddie in der Wohnung gestorben sein und die Leiche später von den Eltern versteckt worden sein könnte. Hier wurden offenbar auch Informationen an die Presse weiter gegeben, die sich später als falsch herausstellten, erst einmal aber für eine bösartige Berichterstattung sorgten. Mehrere Boulevardzeitungen entschuldigten sich später bei der Familie McCann und zahlten hohe Entschädigungssummen.

Die McCanns stoppten auch ein Buch von Gonçalo Amaral, dem ersten Chefermittler des Falls, der die These vertrat, Madeleine sei vermutlich durch einen tragischen Unfall gestorben und die Eltern hätten eine Entführung vorgetäuscht und die Leiche verschwinden lassen. Zwei portugiesische Gerichte verboten den Verkauf des Buches und sprachen den Eltern eine Entschädigung zu, die Urteile wurden allerdings von Revisionsinstanzen wieder aufgehoben. Den Schadensersatzprozess vor dem Obersten Gericht in Portugal verloren die McCanns im Jahr 2017 endgültig, weil das Gericht befand, dass Amarals Thesen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Eine Entschädigung bekam auch der als Entführer von Madeleine verdächtigte Brite Robert Murat, der in der Nähe der Ferienanlage wohnte und in den Fokus der Ermittler geriet, eben weil er ständig vor Ort war. In der Doku kommt er ausführlich zu Wort, genau wie auch einer der später von einem britischen Millionär angeheuerten Privatdetektive, der ausführlich in Pädophilenforen ermittelt hat, um Maddie zu finden. Auch wenn er dieses Kind nicht gefunden habe, so konnte er doch umfangreiches Material zusammentragen und der Polizei übergeben, was zur Festnahme einiger der kriminellen Hintermänner geführt hat.

Auch wenn die Doku keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse bietet, so wird in den acht Teilen doch klar, dass die Ermittlungen in diesem Fall häufig mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten können und auch, welche Auswirkungen die gewaltige Medienresonanz hatte, die unter anderem zahlreiche Trittbrettfahrer dazu animierte, angebliche Erkenntnisse teuer verkaufen zu wollen oder mit Fakeseiten im Internet von der Spendenbereitschaft der Leute zu profitieren.

Wer also auf der Suche nach einer interessanten Serie mit einer außerordentlich komplexen Krimihandlung, Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur sowie gesellschaftlicher Relevanz ist, wird mit dieser Dokuserie gut bedient. 

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Jede Regierung lügt

In der Arte-Mediathek gibt es noch bis zum 16. Februar die kanadische Doku Jede Regierung lügt, die von Oliver Stone und Jeff Cohen produziert wurde. Die lohnt es sich auf jeden Fall ansehen, schon weil Lügen-Präsident Donald Trump darin entsprechend eingeordnet wird – er erscheint derzeit zwar als besonders drastischer Fall, aber das dürfte eher auf das extrem ungeschickte Agieren seiner Sprecher zurückzuführen sein. Noch hat er sein Land nicht in einen Krieg gelogen, wie so mancher US-Präsident zuvor. Und, da sollte man sich nichts vormachen, auch ein Barack Obama und eine Hillary Clinton lügen sich und den anderen ständig etwas vor, nur tun sie das geschickter und nicht so offensichtlich wie der Donald das mit seinen Kinderlügen tut. Er muss halt immer den größten und längsten haben – im Grunde müsste man froh sein, dass er sich an solchen Nichtigkeiten abarbeitet, da wäre sehr viel Schlimmeres denkbar. Ansonsten ist er leider vergleichsweise ehrlich: Er setzt konsequent um, was er im Wahlkampf angekündigt hat – Ausländer raus, Obamacare abschaffen, Bildungssystem ruinieren, Steuern für Reiche senken und Arme dafür zahlen lassen – kann keiner behaupten, dass man das nicht hätte wissen können.

Screenshot Jede Regierung lügt

Screenshot Jede Regierung lügt

Doch ich schweife ab, denn darum geht es in der Doku gar nicht. Hier geht es eher darum, dass Donald Trump erstaunlicherweise Erfolg hat, obwohl er kein bisschen auf die Forderungen jener enttäuschten Verlierer eingeht, die ihn offenbar massenweise gewählt haben (ich weiß, Hillary hatte ein paar Millionen Stimmen mehr, aber es waren ja offenbar noch genug Verlierer für Trump übrig). Kritische Medienanalyse dazu: Fakten spielen keine Rolle. Trump hat geschafft, wofür in Deutschland Die Partei vor gut zehn Jahren angetreten ist: Inhalte überwinden.

Aber auch das kommt in dieser Doku nicht vor. Und leider geht diese sehr engagierte Doku auch leider überhaupt nicht darauf ein, WARUM jede Regierung lügt, ja, lügen muss!

Was nicht heißt, dass man sich die Zeit dafür sparen sollte, im Gegenteil. Sie liefert ja eine Menge Munition, nur wird sie leider ziellos verschossen. Hier geht es darum, zu erklären, dass man echten, kritischen Journalismus braucht, um all die Lügen aufzudecken. Denn die Mainstreammedien tun das nicht, diese Analyse ist durchaus korrekt. Die sind ja als Unternehmen darauf angewiesen, aus ihren Nachrichten ein Geschäft zu machen – also berichten sie über genau die Dinge, die Auflage, Reichweite und gute Quote versprechen.

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Screenshot Jede Regierung lügt

Und nicht über die Dinge, die unangenehm und ärgerlich sind. Wie Massengräber in Texas, in denen hunderte von illegalen Einwanderern verscharrt wurden. Aufrechte Journalisten regen sich zu recht darüber auf, dass das keinem der großen Sender und Medienverlage eine Meldung wert gewesen ist, statt dessen würde lieber gemeldet, dass Kim Kardashian im Central Park in eine Pfütze getreten sei. Und so wird eben auch nicht über Umweltskandale, oder Missstände in den Sozialsystemen, die Kriege, die von freiheitlich-demokratischen Regierungen vom Zaun gebrochen und unterstützt werden und so weiter berichtet – denn das will ja keiner wissen, meinen die Chefs. Wer will denn abends zur Entspannung Blut und Elend sehen. (Und warum dann die ganzen Krimis?! Nur so als ketzerische Überlegung)

Diese Doku beschreibt einen Ist-Zustand – natürlich ist das alles schlimm. Und es wird auch ganz gut erklärt, wie das mit der Selbstbestätigung der Medien (eine elaborierte Art der Filterblase) funktioniert, weil eben nur die Journalisten nach oben kommen, die sagen und schreiben, was die Chefs hören und lesen wollen. Und die haben es gern staatstragend und nicht kritisch. Denn das herrschende System ist ja das einzige denkbare. Insofern soll irgendwie schon „kritisch“ berichtet werden, aber es ist eben nur die Kritik zugelassen, die nicht an bestehenden Verhältnissen rüttelt, sondern sie bestätigt. Und im herrschenden System ist der Gedanke, dass die Welt untergeht, eher akzeptiert, als der Gedanke, dass der Kapitalismus vielleicht doch nicht das beste aller möglichen Systeme ist.

Screenshot Jede Regierung lügt

Screenshot Jede Regierung lügt

Und so heißt es auch hier: Wenn sich alle an die Regeln halten würden, wäre alles besser. Insofern ist nur logisch, dass der Wahlsieg von Trump für die etablierten Medien so ein Schock war – sie haben genau das gemeldet, was sie melden wollten, hier war die gefühlte Wahrheit tatsächlich noch realer als die Realität. Aber ich bin schon wieder ganz wo anders – aber trotzdem sage ich: Schaut euch diese Doku an. Sie öffnet eine Tür, aber weiter denken muss man dann halt selbst.

Es kommen eine Reihe Journalisten zu Wort, die für unabhängige Medien arbeiten, und natürlich finde ich es gut und wichtig, über ihre Arbeit zu berichten. Genau wie es gut und wichtig ist, diese ganzen Lügen aufzudecken. Trotzdem wundert mich, dass eine entscheidende Frage nicht gestellt wird: WARUM lügen alle Regierungen?

Screenshot Jede Regierung lügt

Screenshot Jede Regierung lügt

Die Antwort auf die Frage bleiben die Macher uns schuldig, also versuche ich mich mal daran: Weil alle Regierungen gegen die Interessen einer riesigen Mehrheit von Leuten handeln – nämlich so ziemlich aller außer den paar Superreichen, die von den Verhältnissen profitieren, die Mithilfe der ganzen Lügen sämtlicher Regierungen eingerichtet wurden.

Denn ganz offensichtlich sind die Verhältnisse gar nicht so, wie behauptet wird: Es geht eben nicht um das Wohl der Menschen, sonst wären die ganzen Lügen doch überhaupt nicht nötig. Wenn es darum ginge, allen Menschen ein auskömmliches Leben zu ermöglichen, bräuchte man weder Kriege, noch Mauern oder schärfere Einwanderungsgesetze, dann würde man sich eben zusammen hinsetzen und überlegen, wie man das sinnvoll organisiert.

Aber genau das passiert nicht.

Ich wünsche mir ein paar kritische Journalisten, die genau hier ansetzen: Was müssen wir tun, damit Regierungen nicht mehr lügen müssen? Die Antworten darauf werden vielen erstmal nicht gefallen. Aber irgendwo muss man doch anfangen.

Inside the NSA

Die US-Spitzelbehörde NSA fristete bisher ein Dasein im Schatten der Überwachungsgiganten CIA, FBI oder der nach 9/11 geschaffenen DHS. Bekannt geworden ist die NSA jetzt vor allem, weil ein 29jähriger Techniker, der als Computerfuzzi für einen Dienstleister der NSA arbeitete, seinen Job nicht mehr ausgehalten hat. Nun kann man sich natürlich fragen, warum einer seinen gut bezahlten Job und das damit verbundene angenehme Leben aufgibt, um den Rest seiner Tage als Staatsfeind von den US-Behörden gejagt zu werden. Julian Assange oder Bradley Mannings sind traurige Beispiele für das, was mit Menschen passiert, die der US-Regierung an Bein pinkeln, in dem sie veröffentlichen, was diese Regierung tut. Es ist ja nicht so, dass diese Leute sich böse Lügengeschichten ausgedacht hätten – das ist überhaupt nicht nötig, denn die Realität ist schlimm genug, wenn nicht schlimmer.

Deshalb hat mich die Dokumentation Inside the NSA so enttäuscht. Zuvor hatte ich The Gatekeepers gesehen – eine Doku, in der ehemalige Chefs des israelischen Geheimdienstes Shin Bet (das ist der für die innere Sicherheit in Israel zuständige Geheimdienst, während der Mossad im Ausland tätig ist) auspacken und erstaunlich offen über das reden, was sie in ihrer Geheimdienstzeit getan und gedacht haben. Ich war total von den Socken, was die israelischen Geheimdienstler vor laufender Kamera so alles erzählen. Insofern hatte ich hohe Erwartungen, was die NSA-Sendung betraf.

Die wurden aber auf ganzer Linie enttäuscht – Inside the NSA ist ein 45minütiger Werbefilm für eben diese Behörde, in dem die Macher immer wieder darauf hinweisen, dass sie jetzt erstmalig noch nie gezeigte Bilder zeigen, die einem dann erstaunlicherweise kein bisschen neu vor kommen, denn irgendwie kennt man sämtliche gezeigten Ereignisse schon aus den Nachrichten der vergangenen Jahre bis zum Erbrechen.

Vielleicht habe ich aber einfach nur zu viele Spionagethriller gesehen – die Bilder von Einsatzzentralen mit allerlei raffinierter Technik und vielen großen Bildschirmen kennt man ja aus zahlreichen Filmen und Fernsehserien. Natürlich kann man schon einige interessante Details erfahren, etwa, dass die Aufklärung über Bedrohungen durch Terroristen von 9/11 kaum eine Rolle gespielt hat, während der Terror jetzt als Bedrohung Nr. 1 gesehen wird.

Seit 2001 wurde die NSA massiv aufgerüstet, sowohl was das Budget, als auch was neue Technik und Personal angeht. Nebenbei wird dafür geworben, was man als mathematisch oder sonstwie begabter junger Mensch doch für tolle Karrierechancen bei der NSA hat. Es werden jede Menge Spezialisten gebraucht, Kryptologen, Analytiker, Computer- und Technik-Experten aller Art aber auch Fremdsprachenspezialisten und Kulturwissenschaftler sind gefragt. Denn letztlich nützt die modernste Technik nichts, wenn man nicht auch die schlausten Köpfe hat, die den ganzen Kram auswerten. Aber das hätte man auch ohne diese Doku gewusst.

Sehr viel mehr über die herrschenden Zustände in den USA erfährt man aus dem dokumentarischen Film Kapitalismus eine Liebesgeschichte von Michael Moore. Es ist kein kapitalismuskritischer Film im eigentlichen Sinne. Moore dokumentiert lediglich die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Leben der Menschen, insbesondere, wenn die Krise kommt. Da gibt es beklemmende, haarsträubende, empörende Fakten ohne Ende – Michael Moore IST ein Empörter, der die Auswüchse des Systems anprangert, ohne Werbung für eventuelle Alternativen zu machen. Vermutlich, weil er nicht daran zu glauben wagt, dass es eine Alternative geben könnte. Aber das ist eine andere Frage, die ein anderes Mal diskutiert werden soll.