Blindspot – im toten Winkel

Nachdem Blindspot ja einen ziemlich starken Start auf Sat.1 hingelegt hatte, habe ich auch einmal reingesehen – es muss ja nicht alles schlecht sein, was im Privatfernsehen läuft. Wobei das meiste schon katastrophal ist, es ist einfach unfassbar, was sich die Leute so reinziehen, auch wenn ich gar nicht so arrogant sein will, wie ich jetzt wahrscheinlich wirke: Ich will mich ja auch nach einem anstrengenden Tag einfach mal beim Glotzen entspannen. Aber bitte ohne mir dafür komplett das Hirn wegschießen zu müssen.

Und dafür ist Blindspot gar nicht so schlecht. Obwohl ich die Serie gar nicht dermaßen gut finde, habe ich mir jetzt doch schon erstaunlich viele Folgen davon angesehen – denn mit jedem Teil wird es spannender, weil die Geschichte hinter den Geschichtchen eine ganz, ganz üble sein muss. Während mich die ersten Folgen eher an The Blacklist erinnert haben – eine Serie, die ich für ein paar Folgen ziemlich unterhaltsam fand, dann aber aufgegeben hatte, weil es einfach immer mehr vom Gleichen war – fühlte sich Blindspot nach einigen Folgen eher nach Person of Interest an, was auch nicht gerade die Champions-League unter den Fernsehserien repräsentiert, aber schon deutlich besser als viele andere Serien ist- noch so eine Serie, die bei den Emmys komplett bisher leer ausgegangen ist, fällt mir dabei auf – obwohl (oder am Ende vielleicht gerade weil?) Person of Interest mit ihrer Vision einer kompletten Überwachung von allem und jedem gesellschaftlich nun wirklich relevant ist. Vielleicht hat die NSA entsprechende Nominierungen kassiert. Würde mich nicht wundern.

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Es gibt in Blindspot zwar keine allgegenwärtige Maschine, keinen Harold Finch und keinen Mr. Reese, dafür aber eine Art Mrs. Reese, nämlich jene tätowierte, weibliche Kampfmaschine, die unter anderem fließend Chinesisch, Russisch und Bulgarisch spricht und sich leider nicht daran erinnern kann, wer oder was sie eigentlich ist und deshalb erstmal Jane Doe genannt wird, wie alle nicht identifizierbaren weiblichen Personen in den USA. Eines Tages kriecht Jane auf dem belebten Times Square mitten in New York aus einer Reisetasche – sie ist völlig unbekleidet und hat auch sonst nichts bei sich, nur ihr Körper ist mit frischen Tattoos übersät, die, wie sich bald herausstellen soll, allesamt Hinweise auf schwere Verbrechen enthalten, wenn man sie nur richtig entschlüsselt. Wobei das auffälligste Tattoo das einfachste ist: Kurt Weller, FBI.

Special Agent Weller (Sullivan Stapleton) kann sich zwar auch erstmal keinen Reim drauf machen, warum ausgerechnet sein Name auf den Rücken jener unbekannten Schönheit (Jaimie Alexander) tätowiert wurde, aber er übernimmt mit seinem Team die Ermittlungen. Das Team besteht aus Special Agent Edgar Reade (Rob Brown, fand ich in Treme schon toll), der Jane gegenüber extrem misstrauisch ist und bleibt, Special Agent Tasha Zapata (Audrey Esperanza), die sich von den falschen Leuten Geld geliehen hat, um ihre Spielschulden zu begleichen und Special Agent Patterson (Ashley Johnson), einer unglaublich begabten Forensikerin, die leider zu oft Arbeit mit nach Hause nimmt, was natürlich total verboten ist, auch wenn ihren Chefin Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) sie deckt.

Mayfair ist die stellvertretende Direktorin des New Yorker FBI-Büros und somit die direkte Vorgesetzte von Kurt und seinem Team. Und, wie sich im Laufe der Staffel herausstellen wird, eine von vier Personen, die von Operation Daylight wissen, einem gigantischen, illegalen Überwachungsprogramm, mit dessen Hilfe bereits zahlreiche Kapitalverbrechen aufgeklärt werden konnten. Die dafür nötigen Informationen wurden erfundenen Informanten zugeschrieben – und nur Myfair, der CIA-Direktor Tom Carter und Sofia Varma, eine hochrangige Vertreterin des Weißen Hauses, hatten Kenntnis davon.

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Aber leider weisen einige der Tattoos von Jane auf Operation Daylight hin – irgendwer muss also noch davon wissen. Deshalb ist CIA-Mann Carter dafür, die Sache CIA-mäßig zu regeln – er will, dass Jane verschwindet. Aber wie man sich denken kann, geht die Sache anders aus, denn sonst gäbe es noch reichlich Folgen ohne die markante Hauptfigur, die sich nach und nach an immer mehr Details aus ihrem Vorleben erinnert und sich sozusagen allmählich selbst auf die Spur kommt – das genau ist der Umstand, der diese Serie für mich spannender macht, als The Blacklist es war – hier war ja von Anfang an klar, dass Raymond Reddigton das überlegene Mastermind hinter allem ist und den ganzen FBI-Apparat für seine persönliche Rache benutzt. Wofür das FBI in Blindspot benutzt werden soll, ist weniger klar – aber immerhin gibt es hier etwas, dem man erstmal auf die Spur kommen muss.

Wobei Blindspot schon deutliche Schwächen hat – ich finde die Figuren zwar alle recht interessant, aber von subtiler Charakterzeichnung halten die Macher dieser Serie leider wenig, hier wird eher zum Holzschnittmuster gegriffen: Der wortkarge Weller, der seinem Vater nicht verzeihen kann, dass er ein schlechter Vater war, und sich selbst nicht, dass er nichts tun konnte, als seine Kindheitsfreundin Taylor Shaw verschwand, die geniale Patterson, die sich in ihre Arbeit vergräbt, erst recht, nachdem ihr Freund umgebracht wird, mit dem sie gerade erst Schluss gemacht hatte, weil sie sich eben für ihre Arbeit und gegen ihn entschieden hatte, die aufrechte FBI-Chefin Mayfair, die eigentlich gegen die illegale Überwachung war, nun aber die Ergebnisse ihrer Arbeit schützen will: Wenn bekannt wird, dass mit Daylight illegal Beweise beschafft wurden, dann müssen sämtliche dingfest gemachten Verbrecher wieder entlassen und die Verfahren neu aufgerollt werden. Und ist da natürlich Jane, die vielleicht Taylor Shaw, vermutlich aber Alice Kruger ist, deren Gedächtnis mit einer experimentellen Droge ausradiert wurde. Ist sie eine russische Superspionin, eine hyperintelligente Terroristin oder am Ende noch etwas ganz anderes?

Überhaupt wird ziemlich dick aufgetragen, wobei das durchaus Spaß machen kann: Es gibt eine Menge Sachschaden, sehr viel Geballer und es werden jede Menge Verschwörungstheorien bedient, wobei wir inzwischen ja auch wissen, dass vieles davon tatsächlich Verschwörung und keineswegs Theorie ist – dass wir alle von Regierungen, Unternehmen und mehr oder weniger geheimen Diensten ausführlichst ausgeforscht werden, ist eine Tatsache, die wir im Alltag zwar gern verdrängen – ein bisschen mehr Paranoia bei der Nutzung von Smartphone, Computer und vor allem Social Media wäre durchaus angebracht. Wobei hier natürlich die richtige Eingebung zur rechten Zeit und der vorhersehbare Zufall deutlich zu oft strapaziert werden – wirklich geniale Serien wie Breaking Bad oder Mr. Robot leben ja davon, dass bestimmte Dinge, die sich die schlauen Protagonisten ausgedacht haben, im entscheidenden Moment eben nicht funktionieren, und sie dann zu noch viel verwegeneren Alternativen greifen müssen, damit sie die Sache irgendwie überleben, obwohl alles gerade grandios schief geht. So subtil ist Blindspot nicht – hier ist klar, dass eine unmögliche Mission dank der unglaublichen Fähigkeiten der jeweiligen Protagonisten irgendwie noch glimpflich ausgehen muss, damit es überhaupt noch eine weitere Folge geben kann.

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Und es kommen dann auch verschwundene Passagierflugzeuge vor, die an unerwarteten Orten wieder auftauchen – und dann von Terroristen benutzt werden sollen, um das GPS-Satellitensystem der USA zu zerstören, was Team Weller knapp verhindern kann. Hier wächst Patterson einmal mehr über sich hinaus, in dem sie aus der Ferne Anweisungen gibt, wie Weller und Jane, denen es gelungen ist, an Bord einer einstmals entführten und jetzt als Abschussrampe für Raketen zu missbrauchenden Maschine zu gelangen, das Flugzeug erst übernehmen und schließlich auch wieder landen können. Und natürlich gibt es auch illegale Medizin-Experimente, um aus Soldaten willenlose Kampfmaschinen zu machen und Ärger mit dem OPR in Person von Chief Inspector Jonas Fisher, der es auf Mayfair abgesehen hat und ihr nachweisen will, dass sie ihr Büro nicht im Griff und sie selbst Dreck am Stecken hat.

Bemerkenswert finde ich vor allem, dass die weiblichen Protagonisten in Blindspot interessanter und komplexer sind als die männlichen – was andererseits auch wieder ein bisschen schade ist, denn sowohl Sullivan Stapleton als Kurt Weller als auch Rob Brown als Edgar Reade hätten als Schauspieler gewiss mehr zu bieten als die ziemlich eindimensionalen spröden FBI-Typen, die sie abliefern müssen. Aber so haben vor allem Jane, Patterson und Mayfair ihr Show – und das ist auch gut so. Insofern bleibt mein Fazit zu Blindspot durchwachsen: Kann man sich durchaus ansehen, wenn man auf Actionserien steht, in denen die Probleme der Gegenwart zumindest angesprochen werden, aber es gibt durchaus Serien, die besser sind.

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Ein toter Fisch im Darkroom

Nachdem ich mich von meinem Nervenzusammenbruch erholt habe, weil es in dieser Woche nur den ersten Teil der letzten Doppelfolge gegeben hat und ich noch eine weitere Woche auf das große Finale der zweiten Staffel von Mr. Robot warten muss, bin ich jetzt langsam in der Lage, eine Review zu eps2.9_pyth0n-pt1.p7z zu schreiben.

Es wird immer spannender – auch wenn dieser Teil fast ausschließlich aus Dialog bestand, und zu weiten Teilen aus ziemlich absurden Dialogen. So muss Angela in einem Dark Room, der mit einem auslaufenden Aquarium und einem C64 samt historischem Zubehör ausgerüstet ist, eigenartige Fragen beantworten, die ein kleines Mädchen stellt, das eine exakte Kopie ihres jüngeren Selbst sein könnte. Agent DiPierro hat ein deprimierendes Gespräch mit ihrer virtuellen Assistentin Alexa, das nahelegt, dass sie wirklich sehr, sehr einsam ist und Elliot redet nicht nur mit sich selbst und mit seinem unsichtbaren Freund, sondern auch mit einem Taxifahrer, der nur Arabisch spricht und einfach nicht kapiert, was Elliot von ihm will.

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Aber okay, die komplette zweite Staffel war ja bisher vor allem deshalb interessant, weil jede Folge so anders und eigen war – was man ja auch von anderen guten Serien kennt, nur ist hier oft die Erklärung, dass die Autoren und die Regisseure auch von Folge zu Folge wechseln. Das Neue an Mr. Robot ist nun aber, dass es einen Autor gibt, der alle Folgen im Kopf hat – auch wenn es dieses Mal durchaus Episoden gibt, die nicht Sam Esmail geschrieben hat – und dass Sam Esmail auch in sämtlichen Teilen die Regie übernommen hat.

Sein Erzählweise und sein Blick sind schon sehr speziell, was ich meistens mag – er hält sich in der Regel an die unterkühlte skandinavische Farbpalette im Anthrazit- bzw. Grau-Blau-Bereich, und wählt sehr spezielle Perspektiven. Für meinen Geschmack gibt es aber zu viele gewollte Unschärfen – das ist für Screenshots und Gifs immer blöd, genau wie diese Gegenschnitte, bei denen die Protagonisten immer ganz außen oder innen am jeweils konträren Bildrand zu sehen sind – das ist natürlich wahnsinnig aussagekräftig, wenn man die Serie auf dem großen Bildschirm kuckt, aber halt schlecht für tumblr und Co.

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Über die gesamte Staffel war der Zweikampf zwischen Elliot und Mr. Robot wichtig – meiner Ansicht nach zu wichtig – und auch wenn Elliot sich nun mit der Existenz von Mr. Robot als alternativem Ich abgefunden hat, so ist ihm noch immer nicht klar, was das eigentlich für ihn bedeutet. Ehrlich gesagt, hatte ich ja gehofft, dass es an dieser Front nun etwas ruhiger und übersichtlicher würde, aber das ist leider nicht der Fall – stattdessen kommt Elliot auf die Idee, dass er jetzt einfach mal der stille Beobachter sein möchte, der sich anschaut, was Mr. Robot so macht, wenn er glaubt, dass er allein ist. Und Elliot schafft es auch, sich in einen solchen Zustand zu versetzen – Mr Robot übernimmt und Elliot darf einfach zuschauen. Und am Ende klappt genau das, was Elliot sich davon erhofft hatte – Mr. Robot führt ihn nach einiger Knobelei – hier taucht auch wieder eine rote Schubkarre auf, wenn auch nur als Name eines Restaurants, dessen Karte als Grundlage für allerlei Zahlenspiele dient – tatsächlich zu Tyrell Wellick. Aber natürlich ist nicht klar, ob das alles jetzt in Elliots Kopf stattfindet, oder ob Tyrell real ist, denn Elliot weiß ja, dass weder sich selbst, noch Mr. Robot trauen kann. Das geht mir inzwischen doch ziemlich auf die Nerven.

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Aber es passieren ja auch andere Dinge – so hat Agent DiPierro einen weiteren frustrierenden Dialog mit ihrem Chef, der will, dass sie, nachdem sie einmal mehr in eine Schießerei mit Dark-Army-Beteiligung geraten ist, endlich mal Ruhe gibt und nach Hause geht. Aber natürlich will Dom jetzt erst recht dran bleiben: Sie weiß, dass sie auf der richtige Spur ist, der jüngste Vorfall ist ja die Bestätigung dafür – und sie betont, dass es möglicherweise kein Terrorangriff von fehlgeleiteten Radikalen mehr ist, sondern ein kriegerischer Akt gegen die USA: Die chinesische Regierung könnte beteiligt sein. Der Umstand, dass mehrere Zivilisten dabei umgekommen sind, spricht dafür, dass Cisco tot ist – möglicherweise auch Darlene. Dom jedenfalls ist einmal mehr davon gekommen. Und es scheint, als frage sie sich selbst, warum.

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Interessant ist auch, dass die rätselhafte Partnerschaft zwischen Philip Price und Whiterose offenbar in eine Krise geraten ist – Whiterose widmet Angela immerhin 28 Minuten ihrer kostbaren Zeit, um herauszufinden, was so speziell an ihr sei, dass Philip Price sich von ihr offenbar dazu ermuntert fühle, auf seinen wie auch immer gearteten Deal mit Whiterose zu pfeifen und mit ihrer Hilfe sein eigenes Ding durchzuziehen: Er will E-Coin als offizielle Währung durchsetzen, wogegen sich die Fed sträubt – schließlich sei es die Aufgabe der US-Zentralbank, über die Währung zu wachen. Die E-Coin-Strategie von Price passt aber auch Whiterose nicht in den Kram. Sie versucht Angela davon zu überzeugen, dass der Tod ihrer Mutter und von Elliots Vater einer wichtigen Sache gedient hätte, um sie von ihren Racheplänen abzubringen. „Was hat Elliot mit all dem zu tun?“ fragt Angela, die keine Ahnung hat, wer oder was Whiterose eigentlich ist.

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer weiß, vielleicht war sie erfolgreich, zumindest sucht Angela ihre Anwältin Antara Nayar am Abend zuhause auf, um ihr zu sagen, dass sie den Kontakt nun für immer abbrechen wird. Aber die abgebrühte Nayar vermutet gleich, dass Angela bedroht wird – auch wenn Angela das erstaunlich ruhig und entschieden verneint. Aber bisher war so vieles anders als es zunächst schien, dass ich hier ein weiteres großes Fragezeichen sehe. Vermutlich wird in der letzten Folge vieles nicht aufgelöst, so dass wir auf die dritte Staffel warten müssen.

Und dann vermutlich auf eine vierte und gar fünfte, sofern es kein Quotendesaster geben sollte. Bei der zweiten Staffel gab es schon leichte Verluste bei den Zuschauerzahlen in den USA, was mich aber nicht wundert – diese Staffel ist düsterer und anstrengender als die erste, und es fehlt auch Elliots erfrischender Zynismus, der ja leider schon im Laufe der ersten Staffel auf der Strecke geblieben ist, weil Elliot zunehmend mit seiner kranken Psyche zu kämpfen hatte. Aber ein paar Antworten erwarte ich in der kommenden Woche doch.

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da - Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da – Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Walking in my Shoes

Dafür, dass in den vergangenen Folgen eine ganze Menge neuer Fragen aufgetaucht sind, gibt es in eps2.7_init_5.fve nun irritierend viele Antworten. Aber die haben wir nach dem ganzen Mindfuck der vergangenen Folgen der zweiten Staffel – die ich alle toll fand, aber dennoch – auch verdient. Elliot ist also für den Michael-Hansen-Hack eingefahren – das ist nicht wirklich überraschend, denn wir wissen ja, dass Hansen, oder vielmehr Mr. Shannon zur Polizei gegangen ist.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Und wir wissen auch, dass Elliot mit Flipper, also dem Hund, den er vor dem in vielerlei Hinsicht unaufrichtigen neuen Freund seiner Psychologin Krista gerettet hat, beim Tierarzt war. Flippers Chip hat Elliot als Hundedieb überführt – aber offenbar hat Elliot diesen Umstand jetzt aber ausgenutzt, um sich aus der Schusslinie zu bringen – sein triumphierender Blick, als die Bullen ihn hochnehmen, spricht Bände: Besser, für einen vergleichsweise trivialen Hack in den Knast zu gehen, als für den Five-Nine-Hack verdächtigt und gesucht zu werden.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Elliot entpuppt sich einmal mehr als überlegenes Mastermind: Nicht einmal Mr. Robot kapiert, was Elliot da macht. Wobei das im Verlauf dieser Folge auch wieder ein bisschen verstörend ist: Elliot hat Mr. Robot als Teil seiner selbst zwar akzeptiert, aber er kann ihn nicht vollständig kontrollieren. Immer wieder muss Elliot Mr. Robot dabei zusehen, wie er mit den Menschen interagiert, mit denen Elliot selbst eigentlich gerade zugange ist – und die finden das auch merkwürdig: Immer wieder ist Elliot seltsam abwesend. Und es ist noch keineswegs klar, was gerade besser wäre: Lag bisher eigentlich der Verdacht nahe, dass Mr. Robot das abgefuckte Mastermind ist, das Elliot einerseits Dinge tun lässt, zu denen er sonst eigentlich nicht fähig wäre, aber ihn gleichzeitig auch davor schützt, unglaublich dumme menschliche Dinge zu tun, so ist es nun Elliot, der Mr. Robot austrickst, um noch schlauere Dinge zu in die Wege zu leiten.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Irgendwie nervt mich das, aber andererseits ist das eine coole Wendung – mal sehen, was noch daraus wird. Es gibt ja noch diverse andere Machtspielchen, bei denen nicht klar ist, wer Master und wer Sklave ist: So macht Philip Price jetzt massiv Punkte gegen Minister Zhang aka Whiterose – diese ganze Washington-Township-Geschichte hat offenbar mit den Interessen des chinesischen Partners an diesem Standort zu tun. Price erpresst Zhang, denn er braucht jetzt Geld. Sehr viel Geld. Und er droht Zhang damit, Chaos niederregnen zu lassen, sollte die Chinesen nicht mitspielen: Price wäre es lieber, seinen Gegner verlieren zu sehen, als selbst zu gewinnen.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Und Angela, so stellt sich nun heraus, hat sich ihre Position inside Evil Corp tatsächlich dazu angeeignet, um ihr eigentliches Ding durchzuziehen: E-Corp wegen des vertuschten Washington-Township-Skandals ans Messer zu liefern. Sie nutzt die Fallback-Lösung von Mobley, jenen USB-Stick mit der Gummiente dazu, sich die Passwörter der richtig wichtigen Menschen in der Risiko-Management-Abteilung zu beschaffen und damit die Unterlagen über eben jenen Washington-Township-Skandal zu stehlen – ihre Hacker-Schulung bei fcosiety war tatsächlich ziemlich nützlich. Angela hackt nun in Eigenregie E-Corp. Und sie geht mit den Unterlagen zur zuständigen Behörde, die sie allerdings so merkwürdig behandelt, dass Angela kalte Füße bekommt. Was durchaus nachvollziehbar ist. Und dann ist da ja noch Agent DiPierro, die plötzlich vor Angelas Tür steht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Aber die Informationen über den Washington-Township-Skandal sind nun in der Welt – und wer weiß, vielleicht war das von höherer Stelle so geplant – ich habe den Eindruck, dass der sinistre Philip Price damit noch mehr Punkte gegen den chinesischen Partner machen will. Aber dessen Motive sind nach wie vor unklar. Einerseits war die Dark Army ein Teil von Elliots Plan, Evil Corp zu zerstören – der nicht wirklich funktioniert hat – andererseits hat Zhang aka Whiterose offenbar Interessen, die denen von Elliot  und seinen Mitstreitern entgegen laufen. Elliot will nun herausfinden, was eigentlich Sache ist und benutzt einen der Dark-Army-Kommandanten, um Whiterose eine Nachricht zu übermitteln: Er will wissen, was Stufe 2 ist. Und wir erfahren über Darlene, die das kritische Handy abhört, dass Elliot derjenige sei, der sich diesen Plan überhaupt ausgedacht hat.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Okay, das sind jetzt doch schon wieder eine ganze Reihe neuer Fragen, dazu kommt, dass wir auch nicht wissen, was mit Trenton und Mobley los ist, die sich offenbar aus den fsociety-Aktivitäten ausgeklinkt haben und abgetaucht sind. Dafür wissen wir, dass Darlene Cisco mit dem Baseball-Schläger eine ziemliche Beule verpasst, aber ihn nicht umgebracht hat: Er behauptet, dass er Darlene vor der Dark Army habe schützen wollen. Und er ist noch immer bereit, sie weiterhin zu beschützen: Als Darlene entdeckt, dass sie eine der VHS-Kassetten, auf der ihr Gesicht zu sehen ist, in Susan Jacobs Haus vergessen haben muss, geht er zurück, um die Kassette zu holen. Die findet er auch, und offenbar noch etwas anderes. Aber was?

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Und weil ein Cliffhanger ja nicht ausreicht, wird auch noch ein anderes Motiv etwas überstrapaziert – wer klopft an Ciscos Wohnungstür? Und das reicht aber auch noch nicht, zum Schluss fährt Tyrell Wellicks schwarzer SUV vor Elliots Wohnung vor und Joanna begrüßt Elliot mit „Hallo Ollie“ – so hatte er sich ja ihr gegenüber genannt. Aber natürlich weiß sie, dass er nicht Ollie ist – wie sollte sie denn sonst wissen, wo Elliot wohnt?

Kleine Ironie am Rande: In dieser Folge wird der Wunsch von Rami Malek eingelöst, dass Elliot in der neuen Staffel endlich einmal etwas essen und die Kleider wechseln würde. Als Elliot in den Knast kommt, muss er sich ausziehen und bekommt einen orangen Sträflingsanzug. Und als Darlene ihren Bruder abholt, dass er nach 86 Tagen vorzeitig entlassen wird, bringt sie ihm offenbar sein Lieblingsessen mit – genau wie in der allerersten Folge steckt er sich ein paar Pommes in den Mund. Und dann gab es auch wieder einen meiner Lieblingsklassiker als Titelmusik: Walking in my Shoes von Depeche Mode.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Kleider Wechsel für Elliot (Rami Malek)

The Call of the Wild

Mittlerweile wurde auch die letzte Folge von The Night Of ausgestrahlt – die es allein noch einmal auf die Spielfilmlänge von gut eineinhalb Stunden bringt. Aber wie ich meine, hat sich das gelohnt: The Call of the Wild war noch einmal Justizdrama vom Feinsten – es gibt keine eindeutigen Antworten, aber es wird noch einmal durchexerziert, worum es bei Strafprozessen eigentlich geht: Was lässt sich objektiv beweisen und was nicht? Denn der Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt in Geschworenenprozessen nicht unbedingt, hier wird an das Rechtsempfinden und vor allem das Bauchgefühl von ganz normalen Menschen appelliert – und das muss nicht unbedingt gut und richtig sein.

Die Staatsanwältin Helen Weiss (Jeannie Berlin) hat ziemlich viel, was dafür spricht, dass Naz (Riz Ahmed) der Mörder von Andrea ist. Und sie schafft es am Ende sogar, Naz dazu zu bringen, öffentlich an sich selbst zu zweifeln: War er anfangs noch ziemlich sicher, dass er nicht Andreas Mörder ist, so ist er jetzt nicht mehr so sicher – wir wissen ja, dass er inzwischen ein anderes, härteres Selbst in sich entdeckt hat, ohne das er den Knast nicht überleben würde. Diesen Punkt fand ich schon im britischen Original so interessant wie beklemmend: Ausgerechnet im Knast geraten Jungs, die zuvor vielleicht noch eine Chance auf ein wie auch immer zu definierendes normales Leben gehabt hätten, auf die schiefe Bahn: Jetzt sind sie von lauter Profi-Kriminellen umgeben, die sie für sich ausnutzen, als angenehme Anregung für ihre durchaus vorhandene intellektuelle Seite, was mit herkömmlichen Straßenkriminellen nicht zu machen ist, und als Teil ihres kriminellen Geschäftsmodells, also dem Einschmuggeln und Konsumieren illegaler Rauschmittel. Naz ist inzwischen ein Junkie – und er hat gelernt, wie man in der Wildnis überlebt. Er ist mittlerweile Lichtjahre von seinem alten Leben entfernt, auch wenn seine Familie noch immer allerhand auf sich nimmt, damit er einen fairen Prozess bekommt. Aber seine Eltern wissen nicht mehr, an was sie glauben sollen.

The Night Of: Jack Stone (John Turturro) und Naz (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

The Night Of: Jack Stone (John Turturro) und Naz (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

Das geht soweit, dass Chandra – die für ihren Mandanten in mehr als einer Hinsicht ihre Karriere riskiert, Naz Mutter daran erinnern muss, dass es einfach nicht gut für ihren Sohn aussieht, wenn sie im Gerichtssaal bei seiner Verhandlung nicht anwesend ist: Wenn die eigene Mutter nicht von seiner Unschuld überzeugt ist, warum sollen die Geschworenen ihn für unschuldig halten? Chandra wird zur tragischen Figur in diesem Prozess – sie hat so viel dafür getan, die Zweifel an Naz Täterschaft zu widerlegen. Aber gerade weil sie ihn so sympathisch findet, dass sie sogar Pillen für ihn ins Gefängnis schmuggelt und es dann irgendwann auch ein verhängnisvolles Video gibt, das zeigt, wie Naz und Chandra sich küssen, bringt sie den Prozess in Gefahr. Und so kann am Ende wieder Jack Stone übernehmen, der abgezockte Könner, der inzwischen wieder von seiner Hautkrankheit gezeichnet ist – die Mittelchen des chinesischen Quacksalbers hatten offenbar nur eine kurzzeitige Wirkung.

The Night Of: Chandra (Amara Karan) Bild: hbo.com

The Night Of: Chandra (Amara Karan) Bild: hbo.com

Doch auch Detective Dennis Box, mittlerweile eigentlich im Ruhestand, hat dieser Fall keine Ruhe gelassen. Als guter Bulle hört auch er auf sein Bauchgefühl und das sagt ihm, dass Naz nicht der Mörder sein kann, auch wenn alles danach aussieht. In akribischer Feinarbeit wertet er Überwachungsvideo aus und siehe da – er findet etwas: Bevor Andrea zu Naz ins Taxi gestiegen ist, hatte sie einen Streit mit einem Unbekannten. Mittels illegal beschaffter Telekommunikations- und Kreditkartendaten finde Box auch raus, wer dieser Unbekannte ist: Ein Finanzberater, der ziemlich viel von Andreas geerbten Geld in den Sand gesetzt hat. Keine Frage, der Typ hätte durchaus ein Motiv.

Box geht damit zu Helen Weiss, aber die winkt ab: Die Beweise gegen Naz sind einfach viel besser als die gegen einen so aus dem Hut gezauberten neuen Verdächtigen. Und davon gibt es ja noch mehr, etwa Andreas Stiefvater, der gern Beziehungen mit älteren Frauen eingeht, um sie zu beerben. Nur Andrea war im Weg – und die ist jetzt tot. Es gibt also durchaus andere Verdächtige und andere Motive – aber gegen niemand gibt es so viele Indizien wie gegen Naz. Und mit ihrer unaufgeregten und unglaublich professionellen letzten Befragung von Naz dekonstruiert Helen Weiss Naz‘ mühsam aufrecht erhaltenes Selbstbild eines netten, harmlosen jungen Mannes, dem einfach nur übel mitgespielt wird: So harmlos ist Naz gar nicht, er ist zuvor schon gewalttätig geworden, er hat schon gelogen, Drogen genommen, und das alles weiß er auch ganz genau: Deshalb gibt er ja zu, dass er kein Unschuldslamm ist. Aber genau das kann ihm jetzt das Genick brechen.

Die Geschworenen sind sich zu seinem Glück nicht einig – nach endloser Beratung bleibt das Ergebnis sechs zu sechs: Die Hälfte ist von seiner Schuld überzeugt, die andere von seiner Unschuld. Beides ist plausibel und deshalb kommt die Jury auch zu keinem anderen Ergebnis. Naz wird von der Mordanklage freigesprochen, weil die Jury sich nicht auf einen eindeutigen Spruch einigen kann. Und auch die Staatsanwältin Weiss, die hier ein letztes Wort sprechen könnte, verzichtet auf einen weiteren Termin, weil ihr inzwischen offenbar selbst Zweifel gekommen sind: Sie will nun lieber, dass sie und Box den vermutlich wahren Täter finden.

The Night Of: Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

The Night Of: Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

Das war alles verdammt knapp – und ob es letztlich gut für Naz ausgegangen ist, wissen wir nicht, denn seine Welt ist nun eine andere. Zwar steht sein Vater weiterhin zu ihm, er ist es auch, der ihm aus dem Gefängnis abholt – aber ob das Verhältnis so bleibt, steht in den Sternen. Denn wir wissen, dass Naz nun ein anderer ist – er hat im Gefängnis Dinge getan, von denen seine Eltern keine Ahnung haben. Und er hat weiterhin ein Drogenproblem – er feiert seinen ersten Abend in Freiheit, in dem er sich an dem Ort, an dem er mit Andrea Ecstasy eingeworfen hat, eine gepflegten Dröhnung mit was auch immer gönnt- da kenne ich mich nicht so aus.

Sicher ist, dass Naz seine Sucht in den Griff kriegen muss, wenn er nicht wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten will. Und einen genialen Zug fand ich auch, dass der neue Verdächtige offenbar bei Jack Stone anruft, damit der ihn verteidigt. Vielleicht war der Fall ja doch ein Karrieresprung für Jack, der bei seinem Schlussplädoyer zu Hochform aufgelaufen ist. Auch wenn man dem echten Mörderarsch einen so guten Anwalt eigentlich nicht gönnt. Also ich jedenfalls nicht. Aber so läuft es halt. Und das ist nicht immer schön, und es halt auch nichts mit unserer naiven Vorstellung von Gerechtigkeit zu tun. Das zu zeigen, ist das Verdienst dieser Serie.

 

Musik in Serie: Mozart in New York

In meinem Blog sind Drama- und Krimiserien hoffnungslos überrepräsentiert, vermutlich, weil mir die meisten Familien- und Comedyserien einfach zu blöd sind. Und definitiv nicht lustig genug – ich kapiere einfach nicht, was beispielsweise an OITNB dermaßen witzig sein soll. Obwohl es ja durchaus Netflix-Serien gibt, die ich richtig gut finde. Noch weniger verstehe ich, warum The Bing Bang Theory ein so durchschlagender Erfolg ist, dass es gefühlt jeden Tag irgendwo im Fernsehen läuft – ich glaube, Pro 7 lässt das als Endlosschleife laufen, weil es sonst einfach nichts gibt, was ähnliche Quoten erreicht. Dabei ist die Geschichte eigentlich nichts anderes als das gnadenlose Durchexerzieren sämtlicher Vorurteile, die es über Nerds und Blondinen gibt – da ist eigentlich nichts neu und auch nichts gut dran, auch wenn ich im Grunde nichts dagegen habe, dass mit Stereotypen und Vorurteilen gespielt wird.

Damit komme ich zu meiner aktuellen Neuentdeckung: Mozart in The Jungle. Diese Amazon-Original-Serie ist im Grunde auch eine Nerdserie, in der sämtliche Vorurteile und Stereotypen durchgespielt werden, die es über professionelle Musiker gibt – es handelt sich um eine Serie über die New Yorker Symphoniker, einem altehrwürdigen Klangkörper, dem ein junges aufstrebendes Genie neues Leben einhauchen will.

Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa Bild: amazon.com

Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa Bild: amazon.com

Rodrigo De Sousa (Gael Garcia Bernal) heißt der junge Wilde, der als Wunderkind schon früh zu Ruhm und Ehre gelangt ist und trotzdem noch eine hippieske Lebensfreude an den Tag legt. Die Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet sein Vorgänger Thomas Pembridge (Malcolm McDowell), ein Stardirigent alter Schule mit entsprechenden Allüren, den Jungen entdeckt hat, der nun den Ast absägt, auf dem Thomas es sich gemütlich machen wollte. Denn auch die New Yorker Symphoniker sind keine staatliche Institution, sondern ein Geschäft, das nur funktioniert, wenn sich immer wieder großzügige Sponsoren finden, die sich in der Rolle eines Förderers der schönen Künste gefallen. Das ist nicht so einfach – und bei aller Verehrung für den großen Maestro stehen alle auf das unkonventionelle junge Genie.

Gleichzeitig versucht die junge Oboistin Hailey Rutledge (Lola Kirke, ihre große Schwester Jemima Kirke spielt die Lebenskünstlerin Jessa in Girls) , den Fuß in die Tür zu einer Karriere in der klassischen Musik zu bekommen – ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Haileys Welt kennen wir aus der Serie Girls: Im Moloch New York gestrandete Möchtegern-Künstlerinnen, die sich an falschen Lebensentwürfen, anstrengenden Beziehungen und einem gnadenlosen Alltag abarbeiten, in dem man jeden Monat irgendwie Miete zahlen muss, auch wenn man nur eine Stelle als unbezahlte Praktikantin bekommt.

Nur ist Hailey aber tatsächlich ziemlich begabt und mit Leidenschaft bei der Sache, was auch Rodrigo erkennt – er macht Hailey, die als professionelle Instrumentalistin im Haifischbecken der Symphoniker noch keine Chance hat, zu seiner persönlichen Assistentin – Hailey wird schlecht bezahltes Mädchen für alles, dafür ist sie aber ganz nah dran an ihrem Lebenstraum. Also lernt sie, wie man Mate-Tee richtig zubereitet und steht rund die Uhr zur Verfügung, um ihren Meister auf Zuruf an die eigenartigsten Orte zu kutschieren.

Screenshot Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa: Ouvertüre 1812 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Screenshot Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa: Ouvertüre 1812 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Aber auch für die Veteranen ist es nicht so einfach – das ständige Üben, der stressige Lebensrhythmus eines Berufsmusikers, der genau dann arbeiten muss, wenn die anderen sich amüsieren gehen, all das hinterlässt Spuren – der eine hat inzwischen Kniescheiben aus Titan, die andere spritzt sich einen bedenklichen Medikamentencocktail gegen die chronische Sehnenscheidenentzündigung. Und dann sind da natürlich die ständigen Grabenkämpfe – der Gewerkschaftler besteht auf die Einhaltung der Pinkelpausen, gleichzeitig kämpfen die Musiker gegen eine Schlechterstellung bei der Krankenversicherung, an der die Orchestermanagerin bei den Neuen sparen will. Wo fängt Solidarität an, und wo hört sie auf? Die Frage stellt sich mittlerweile doch in so ziemlich jedem Betrieb für jede Belegschaft – das ist bei einem klassischen Orchester mit Weltruf keineswegs anders.

Genau das ist es auch, was mir gefällt, es geht eben nicht nur um abgedrehte Künstler und ihren verschobenen Blick auf die Welt, sondern um handfeste Probleme, mit denen jeder, der auf Lohnarbeit angewiesen ist, umgehen muss, sogar anerkannte Musikgenies mit Weltruhm. Hier gibt es auch immer wieder die Parallele zu Wolfgang Amadeus, der ja eben auch Geld verdienen musste und seine ganze wunderschöne Musik nicht nur so zum Spaß geschrieben hat. Trotzdem verlangen alle ganz selbstverständlich, dass sich die wahren Künstler mit heroischer Selbstausbeutung ihrer Kunst und damit der Erbauung und dem Vergnügen der anderen zu widmen hätten. Warum ist das eigentlich so?! Das fragen sich auch Hailey und ihr Freund, der eigentlich Tänzer werden will, aber irgendwann die Nase voll davon hat, sich nicht einmal regelmäßig vernünftige Mahlzeiten leisten zu können und ständig Angst vor der nächsten Verletzung zu haben. Man kann auch mit weniger Stress mehr Geld verdienen – aber was wird dann aus der Kunst?

Gleichzeitig wird die Kunst, in dem Fall die klassische Musik, als etwas gefeiert, das Grenzen überwinden und Menschen zusammenbringen kann – meine Lieblingsstelle bisher ist, als Rodrigo seine Musiker zu einer Konzertprobe irgendwo auf einem brachliegenden Grundstück zitiert, wo sie vollkommen überrascht und unvorbereitet vor den zunehmend interessierten Bewohnern der umliegenden Sozialwohnungsblocks die Ouvertüre 1812 von Tschaikowski spielen – die Musiker kennen dieses Stück sehr gut und sind auch ohne Noten und Vorbereitung total bei der Sache – aber, so bemerkt der gewerkschaftliche organisierte Orchesterrat: „Rodrigo, du weißt schon, dass das ein Auftritt war und keine Probe?“

„Ja, das war ein Auftritt und sogar ein ziemlich guter!“ sagt Rodrigo begeistert und räumt ein, dass er zwar ungenehmigt gewesen wäre, aber auch ungefesselt und sonst noch einiges un-. Es entwickelt sich eine spontane Nachbarschaftsparty mit den Musikern und der interessierten Nachbarschaft – aber irgendwelche Spielverderber haben die Bullen gerufen. Die lösen die Party schließlich auf und nehmen die Ruhestörer mit. Den Bullen vom NYPD ist scheißegal, ob das die New Yorker Symphoniker sind oder randalierende Kids. Also muss die ohnehin schon ständig am Nervenzusammenbruch entlangschrammende Orchestermanagerin Gloria ihre Stars aus dem Knast auslösen.

Doch es gibt noch einige andere Höhepunkte, und vor allem in der letzten Folge orchestriert Rodrigo ein versöhnliches Ende, nachdem er sich in den Kopf gesetzt hatte, ausgerechnet seine geniale, aber leider auch völlig durchgeknallte Ex-Frau Anna Maria als Solo-Violinistin zu besetzen, was wie erwartet grandios schief geht: Anna Maria bringt es einfach nicht über sich, vor diesen bourgeoisen Schlappschwänzen, vor diesen reichen, aber total bornierten Untoten zu spielen. Sie bricht nach wenigen Takten ab und lässt Rodrigo nach einer saftigen Publikumsbeschimpfung stehen.

Mozart In The Jungle: Hailey Rutledge (Lola Kirke, mit Oboe) und Cynthia Taylor (Saffron Barrows)

Mozart In The Jungle: Hailey Rutledge (Lola Kirke, mit Oboe) und Cynthia Taylor (Saffron Barrows)

Doch der hatte schon einen Plan B vorbereitet, eigentlich vor allem für Hailey, die von seiner ersten Oboistin Betty übel schikaniert wird, was Rodrigo jetzt wieder gut machen will: Er lässt alle Musiker für das große Eröffnungskonzert für die neue Spielsaison mit einer Limousine abholen – und Bettys Limousine fährt sie gepflegt ins New Yorker nirgendwo, so dass sie ihren Auftritt verpasst. Also muss die zweite Oboe zur ersten aufrücken und Hailey bekommt ihre verdiente Chance, sich mit diesen ungeplanten Einsatz als professionelle Oboistin zu beweisen – der umsichtige Rodrigo hat dafür gesorgt, dass ihre Freundin und Mitbewohnerin Lizzie rechtzeitig mit ihrem Instrument zur Stelle ist. Jetzt fehlt nur noch die Solo-Geige – Rodrigo beschließt, selbst Geige zu spielen, aber für das Solo sei er nicht gut genug – also bekommt die verbitterte erste Geige im Orchester ihre Chance.

Nun fehlt allerdings ein Dirigent. Doch zum Glück ist ja Thomas Pembridge in Saal, der von seiner Geliebten Cynthia, die Cellistin im Orchester ist, in Kuba aufgespürt und nach Hause geholt wurde. Natürlich fühlt er sich geschmeichelt und in der Lage, das Violin-Konzern Sibelius zu dirigieren. So wird der Abend nach dem verpatzten Auftakt doch noch ein Erfolg und die erste Staffel von Mozart in The Jungle entpuppt sich als modernes Großstadtmärchen mit grandiosem Happy End. Das ist zwar nicht unbedingt realistisch, aber wunderschön und man hat genau wie Lizzie und der Musik-Blogger Bradford Sharpe am Ende des Konzerts Tränen der Rührung in den Augen. Ein paar Minuten heile Welt finde ich total in Ordnung – Mozart in The Jungle ist wirklich eine erfrischende Abwechslung.

Mein Tipp für alle, die nach einer unterhaltsamen Serie suchen, die keineswegs die Augen vor dem hässlichen und anstrengendem Alltag verschließt, aber sowohl ihren Protagonisten als den Zuschauern den einen oder anderen glücklichen Moment gönnt. Vielleicht gehe ich auch mal wieder in ein klassisches Konzert…

eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Tyrant: Die dritte Staffel läuft. Und lohnt sich

Derzeit wird auch die dritte Staffel von Tyrant ausgestrahlt – genau wie bei Mr. Robot gab es am vergangenen Mittwoch in den USA die fünfte Folge, und ich warte, wenn auch nicht ganz so hibbelig wie bei Mr. Robot, doch jedes Mal gespannt auf die Fortsetzung. In der zweiten Staffel von Tyrant wird die Sache nämlich interessanter. Es kommt soweit, dass Barry Al-Fayeed (Adam Rayner) sich an einem Staatsstreich gegen seinen Bruder Jamal (Aschraf Barhom) beteiligt und am Ende der ersten Staffel im Gefängnis landet, wo er auf das Urteil wartet. Klare Sache, wie das ausgehen muss: Auf Hochverrat steht nun mal die Todesstrafe und es wird dann am Anfang der zweiten Staffel auch jemand aufgehängt.

Aber auch ein Fiesling wie Jamal kann seinen eigenen Bruder nicht einfach so umbringen, auch wenn es in der Bibel da schon andere Beispiele geben hat, nicht umsonst heißt die erste Folge der zweiten Staffel Mark of Cain. Aber wir wissen ja bereits, dass Jamal eigentlich ein Schwächling ist. Er hat Barrys Hinrichtung nur vorgetäuscht und seinen Bruder statt dessen in der Wüste ausgesetzt – soll Allah über sein Schicksal entscheiden. Barrys Familie weiß davon nichts, schockiert kehrten Molly (Jennifer Finnigan)  und ihre Kinder in die USA zurück und versuchen, nach dieser Katastrophe irgendwie weiter zu leben.

Tyrant: Bassam (Adam Rayner) wartet auf sein Todesurteil

Tyrant: Bassam (Adam Rayner) wartet auf sein Todesurteil

In Abuddin versuchen die Al-Fayeeds derweil einen großen Deal mit den Chinesen einzufädeln, gleichzeitig haben sie aber Stress mit den fanatischen Kämpfern des Kalifats, das inzwischen Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht hat. Barry hat seinen Wüstentrip mit Überlebenswillen und Glück überlebt – er wurde von zwei Beduinen-Jungs gefunden, die den an seiner Kleidung als Sträfling zu erkennenden Fremden gern gegen Belohnung ausgeliefert hätten, doch ihr Vater ist ein Beduine alter Schule: Erstens haben Beduinen etwas gegen Staaten und Regierungen an sich, die sie an ihrer alten Lebensweise hindern, und sie dazu zwingen, Grenzen anzuerkennen, die in ihren Augen keinen Sinn ergeben. Und zweitens ist die Gastfreundschaft heilig – wenn Allah diesen Fremden zu ihnen geschickt hat, dann hat er das getan, weil ihm das so gefallen hat, und natürlich müssen sie sich um ihn kümmern.

Tyrant - Despoten leben gefährlich. Irgendwer hat was dagegen, dass Abbudin Geschäfte mit China macht.

Tyrant – Despoten leben gefährlich. Irgendwer hat was dagegen, dass Abuddin Geschäfte mit China macht.

Dem Alten ist klar, dass Khalil – so nennt sich Barry jetzt – etwas zu verbergen hat – aber er ist trotzdem bereit, Khalil dabei zu helfen, nach Beirut zu gelangen. Dort will er nämlich hin. Und von da aus nach Hause in die USA. Aber natürlich kommt alles anders, denn die schöne, junge Zweitfrau (Melia Kreiling als Dalidah Al-Yazbek) des alten Beduinen wird auserwählt, um in Deutschland zur Solar-Ingenieurin ausgebildet zu werden und ihre Heimat damit voranzubringen. Aber gleich nach ihrer Abreise mit der deutschen Delegation wird sie von Anhängern des Kalifats entführt. Wie man sich denken kann, geschehen allerlei spannende und dramatische Dinge und am Ende können sich Dalidah und Khalil gegenseitig immer mal das Leben retten – Khalil entscheidet schließlich, nicht nach Beirut abzuhauen, sondern zu bleiben und gegen das Kalifat zu kämpfen.

Ironischerweise wird Bassam aka Khalil im Lauf der zweiten Staffel also vom Hochverräter zum Kriegsheld der Verteidigung Abuddins gegen die Irren vom IS promoviert, was eine nette Idee ist – er wird zum Volksheld, weil niemand weiß, dass er eigentlich ein Al-Fayeed ist. Das ist natürlich alles ganz schön überkonstruiert, aber in Homeland ist das ja auch nicht besser – und ich finde es in Tyrant sogar unterhaltsamer. Was gewiss auch daran liegt, dass die Bewohner von Abuddin ihre Regierung zu recht kritisieren dürfen, ob sie nun mehr Freiheit und Demokratie oder mehr Islam wünschen: Dieser durch Erbfolge ins Amt gelangte Präsident Jamal Al-Fayeed muss einfach weg – obwohl er der einzige Garant für Stabilität und somit das Funktionieren des Staates ist. Wie bescheuert das alles ist, kann man in allen Ländern sehen, die durch den Arabischen Frühling in Unsicherheit und Bürgerkrieg gestürzt wurden. Aber in Tyrant wird es noch einmal fernsehtauglich aufbereitet, auch wenn das zum Teil dann doch ziemlich trashig geraten ist. Aber immerhin Hochglanztrash, der Spaß macht.

Tyrant: Melia Kreiling als Daliyah

Tyrant: Melia Kreiling als Daliyah

So taucht mit Rami Said (Keon Alexander) ein früher verleugneter Sohn des alten Al-Fayeed und somit ein Halbbruder von Jamal und Bassam auf, der in Diensten der UN eine beeindruckende Militärkarriere hingelegt hat – genau so einen Typ kann Abuddin brauchen, nachdem sich General Tariq mit seiner Strategie von Härte und Angst beim Volk total unbeliebt und international untragbar gemacht hat. Deshalb kann sich die Witwe Amira Al-Fayeed auch plötzlich an den Nachkommen ihres verstorbenen Mannes erinnern, der ihr früher gewiss viel weniger willkommen war.

Molly und ihre Kinder indes sind wegen einer Erbschaftsauseinandersetzung wieder nach Abuddin zurückgekehrt – Barry gilt weiterhin als tot und sein Sohn Samy (Noah Silver) kann das Erbe seines Vater nur unter bestimmten Bedingungen antreten. Und natürlich macht Samy vor Ort erstmal sein eigenes Ding – viel mehr als die Millionen, der er möglicherweise erben kann, interessiert ihn, was aus seinem Freund und Liebhaber Abdul geworden ist. Der ist in die Hände das Kalifats geraten und Samy will ihn retten – und ja, notfalls auch mit dem Geld seines Vaters, also bietet er an, den Widerstand zu finanzieren, wenn er ein Treffen mit dem Anführer der „Roten Hand“ vermittelt bekommen kann, jenem geheimnisvollen Anführer, der das Kalifat zurückdrängen will. Am Ende kann Samy seinen Freund nicht retten, trifft aber auf Kahlil – der niemand anders als sein totgesagter Vater ist. Zum Glück überleben die beiden die Kämpfe in Maan, bei denen es ziemlich zur Sache geht – aber der verwöhnte amerikanische Jungmann Samy begegnet der Realität der jungen Menschen in anderen Ländern, die es weniger gut getroffen haben als er. Und er bekommt eine ziemlich heftige Lektion. Er muss nicht nur den Tod von Abdul verkraften, der vom Kalifat mit anderen ihrer Ansicht nach Perversen umgebracht wird, er erlebt (genau wie sein Vater), was es heißt, nicht nur für Ideale, sondern ums bloße Überleben zu kämpfen.

Tyrant: Leila (Moran Atias), Jamal (Ashram Barhom) und Rami (Keon Alexander)

Tyrant: Leila (Moran Atias), Jamal (Ashram Barhom) und Rami (Keon Alexander)

Derweil verstrickt sich Jamal einmal mehr in dämliche Aktionen, die nach hinten los gehen: Mit einem von ihm höchstselbst beauftragten Attentat tötet er versehentlich seine Mutter Amira, statt den verhassten Rami, der ihm zunehmend Konkurrenz macht. Nur zu klar, dass Jamal Rami die ganze Sache in die Schuhe schieben will. Dabei hätte er sich eigentlich ganz andere Sorgen: Bassam kann tatsächlich einen entscheidenen Schlag gegen das Kalifat landen – Molly weiß inzwischen, dass ihr Mann noch lebt und ihr Sohn bei ihm ist und sie bringt Jamals Frau Leila (Moran Atias) dazu, dafür zu sorgen, dass ihnen militärische Unterstützung gewährt wird.

Leila muss dafür ziemlich heftige Kröten schlucken – die arabische Liga verlangt für ihre Unterstützung, dass Leila als Zeugin für die Kriegsverbrechen auftritt, die ihrem Mann zugeschrieben werden. Wir und Leila wissen, dass eigentlich General Tariq dafür verantwortlich war, aber so geht halt Politik. Und Leila als gute orientalische Mutter tut natürlich alles, um ihren Sohn den Weg frei zu machen – sie willigt in alles ein, wenn nur ihr Ahmed (Cameron Gharaee) eine n Platz am Tisch bekommt. Ahmed erleidet sein eigenes Drama, seine Frau Nusrat (Sibylla Deen), die ihn immer wieder abgewiesen hat, obwohl sie ihn so liebt, ist endlich schwanger – aber eben auch traumarisiert davon, dass ihr Schwiegervater Jamal am Tag ihrer Hochzeit höchst persönlich untersucht hat, ob sie wirklich noch Jungfrau ist. Was Ahmed noch nicht weiß – er wundert sich nur, was mit Nusrat los ist.

Tyrant:  Rami (Keon Alexander)

Tyrant: Rami (Keon Alexander)

Natürlich gibt es noch weitere höchst tragische Verwicklungen, die dazu führen, dass genau zu dem Zeitpunkt, an dem Leila gegen ihren Mann aussagt, um die Arabische Liga zu befriedigen, Jamal nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Denn genau das, was man ihm vorwirft, hat er ja nicht getan. Aber dafür so viele andere miese Dinge. Insofern ist nur konsequent, dass die empörte Nusrat Jamal vor laufender Kamera niederschießt – sie kann nicht damit leben, dass dieses Arschloch wieder davon kommt.

Blöd nur, dass in der dritten Staffel schnell klar wird, dass sie diejenige ist, die auch dafür Verantwortung übernehmen muss. Natürlich darf niemand ungestraft einen Präsidenten niederschießen, schon gar nicht dessen Schwiegertochter. Jetzt geht es drunter und drüber – man weiß nicht, ob Jamal die Sache überlebt oder nicht, klar ist aber, dass Abuddin eine starke Regierung braucht, damit das Land nicht im Chaos versinkt. Und Bassam – so nennt sich Barry jetzt wieder ganz bewusst – übernimmt als Bruder des Präsidenten das Ruder, obwohl es zahlreiche Strömungen im Land gibt, die der Herrschaft der Al-Fayeeds ein Ende bereiten wollen und dem amerikanischen Fremdling prinzipiell aus tiefstem Herzen misstrauen. Bassam hat nun genau den Job, den er nie haben wollte – aber er versucht, ihn so gut wie eben möglich zu machen.

Tyrant:  Samy (Noah Silver) und Halima (Oliva Popica)

Tyrant: Samy (Noah Silver) und Halima (Oliva Popica)

Das ist der Punkt, der mir persönlich gut gefällt: Tyrant ist, bei allen blöden Klischees, die hier bemüht werden, eine Serie, die reflektiert, was man denn selbst tun würde, wenn man das Ruder in die Hand bekäme: Durch Zufall ist man in einer Position, in der man das Leben der Menschen eines ganzen Staates zum Guten oder Schlechten nachhaltig beeinflussen kann. Einerseits gibt es vielversprechende Möglichkeiten, wirklich irgendwas besser zu machen, gleichzeitig gibt es diese vielen Sachzwänge der Politik, und zwar sowohl im regionalen, nationalen als auch internationalen Rahmen, aus denen man einfach nicht rauskommt. Und man muss mit allen fiesen Partei verhandeln – mit den Islamisten, den demokratisch gesinnten Oppositionellen, die einen Neuanfang wünschen, mit der Arabischen Liga und natürlich mit dem Amis. Und alle haben ganz eigene Interessen – insbesondere die Oppositionellen sind sich keineswegs einig, was sie eigentlich wollen.

Das ist die Stärke und die Schwäche dieser Serie: Ja, alle Seiten werden nicht in ihrer ganzen Komplexität gewürdigt – aber immerhin, es kommen sehr viele verschiedene Interessen vor. Das hat man nicht allzu oft. Und sogar die Vertreter des Kalifats dürfen ab und zu einen Punkt machen – so ist es ja auch in der Realität. Natürlich ist es zynisch, Schulen und Krankenhäuser als Tarnung für militärische Ziele zu benutzen. Nichtsdestotrotz haben die Verfechter von Freiheit und Demokratie keine Skrupel, eben diese Krankenhäuser und Schulen zu zerstören, wenn es darum geht, ihre Interessen wahrzunehmen. In dem Punkt finde ich Tyrant sehr viel besser als die Kritik darüber: Hier wird wenigstens im Ansatz erklärt, warum im Nahen und Mittleren Osten, warum im Maghreb genau das passiert, was passiert: Die Leute wollen einfach ein gerechteres, ein besseres System, ein System, das einfach mal für sie da ist. Aber weder die Islamisten, noch die zynischen Vertreter des freien globalen Marktes sind in der Lage, das Leben der Menschen tatsächlich und nachhaltig zu verbessern – denn sie dienen eben ihrem Scheißsystem und nicht den Menschen, die darauf hoffen, dass sich ihre beschissene Situation endlich mal verbessert.

Barry aka Khalil (Adam Rayner)

Barry aka Khalil (Adam Rayner)

Nein, Tyrant ist natürlich nicht kapitalistisch-kritisch, wie es hier jetzt vielleicht anklingt. Das ist es definitiv nicht, genau dieses Element kommt hier eher als Folklore, denn als Erklärung vor, was ich dann auch wieder kritikwürdig finde.

Aber: Der Aufhänger zu den folgenschweren Ereignissen ist ja eben jener Familienvater, der sich selbst auf einem zentralen Platz öffentlich verbrennt, weil er keine Aussicht auf einen angemessenen Job und damit auch ein Leben für sich und seine Familie hat. Genau so hat der arabsiche Frühung angefangen – eben mit jenem Gemüsehändler mit Universitätsabschluss, der sich in Tunesien selbst verbrannt hat, weil er die Bestechungsgelder an die Behörden nicht mehr zahlen konnte, um seinen Gemüsestand weiterhin zu betreiben. Interessanterweise ist Tunesien, zumindest meinen Recherchen zufolge, das einzige Land, in dem diese „Revolution“, die aus dieser Verzweiflungstat erwuchs, irgendwas halbwegs Gutes getan hat. Es geht den Tunesiern zwar nicht gut, aber immerhin ist ihr Land nicht in Chaos und Bürgerkrieg oder unter neuer Militärherrschaft versunken.

Tyrant: Molly (Jennifer Finnegan) und Bassam Al-Fayeed (Adam Rayner)

Tyrant: Molly (Jennifer Finnegan) und Bassam Al-Fayeed (Adam Rayner)

Und ich erspare mir und allen nun eine Analyse der einzelnen Länder und dem, was seit dem arabischen Frühling alles schlechter geworden ist – aber das fiktive Abuddin ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, was um warum alles ziemlich schief läuft – ohne Patentrezepte anzubieten, warum das so ist. Man muss sich das halt ansehen – und kann sich dann entweder mehr oder weniger gut unterhalten lassen oder mal selbst drüber nachdenken. Und was diesen Aspekt angeht, muss ich Tyrant in meinem persönlichen Serien-Ranking doch deutlich höher bewerten, als die einschlägigen Kritiken nahelegen. Die sechste Folge der dritten Staffel läuft nachher in den USA.