Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

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Emmy Awards 2016: Diversität und Monokultur

Weil ich ja leider nachts schlafen muss, um tagsüber für meinen Job fit zu sein, konnte ich mir die Verleihung der 68. Emmy Awards heute erst als Feierabend-Event reinziehen – ohne Werbung zwischendurch waren es etwas über zwei Stunden, das kann man schon aushalten, auch wenn sich alle Preisträger bei Cast, Crew und Familie bedanken müssen (immerhin in wechselnder Reihenfolge), was dann irgendwann doch langweilig wird, genau wie die unvermeidlichen Politwitze: Donald Trump hat eine ganze Reihe von RL-Memes gesetzt, denen man einfach nicht entkommen kann. Make the Emmys Great Again. Make Television Great Again. And somehow we make the Mexicans pay for that. And so on.

Nichtsdestotrotz war Jimmy Kimmel gut in Form, und alles in allem ist der Abend ja gut ausgegangen: Rami Malek hat den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie gewonnen, was mich natürlich sehr freut, wobei für mich auch okay gewesen wäre, wenn Bob Odenkirk ihn für Better Call Saul bekommen hätte. Und klar, auch die anderen waren alle sehr gut, aber Mr. Robot ist nun mal die beste der hier nominierten Serien, auch wenn Better Call Saul nur knapp dahinter liegt.

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

Ich denke, dass hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, dass Rami Malek der einzige nicht eindeutig weiße männliche Schauspieler unter den Nominierten in dieser Kategorie war – was seiner Performance keinen Abbruch tut, denn Rami Malek ist einfach der beste denkbare Elliot Alderson. Aber so betont divers, wie sich die Emmys dieses Mal gegeben haben, liegt der Verdacht nahe – und das kritisiere ich ausdrücklich nicht: Vor wenigen Jahren noch hätte ein arabisch-stämmiger Schauspieler vermutlich gar keine Chance gehabt, eine Hauptrolle in einer stylischen, coolen, sehr ambitionierten US-amerikanischen Primetime-Serie zu spielen.

Unter den Nominierten waren insgesamt durchaus zahlreiche Afroamerikaner, so hat beispielsweise Courtney B. Vance den Emmy als beste Hauptdarsteller in einer Mini-Serie gewonnen oder Sterling K. Brown den als bester Nebendarsteller, die beste weibliche Nebendarstellerin in der Kategorie war Regina King. Und natürlich sind auch die Master-of-None-Autoren (und Darsteller) Aziz Ansar und Alan Yang Vertreter von Minderheiten – wobei der aus Taiwan stammende Alan Young bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Autor einer Comedy-Serie daran erinnert hat, dass es ungefähr genauso viele Amerikaner ostasiatischer wie italienischer Herkunft gibt – was sich aber in der Film- und Fernsehgeschichte der USA bisher nicht niedergeschlagen habe, im Gegensatz zu den Italienern mit ihren ikonischen Mafia-Dramen. Und er forderte die asiatischen Eltern auf, ihren Kindern Kameras statt Geigen in die Hand zu geben – dann hätten sie vielleicht auch mal eine Chance.

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Und insofern geht natürlich auch total in Ordnung, dass Jeffrey Tambor einen Emmy für seine Darstellung von Moira Pfefferman in Transparent wieder eine Auszeichung bekommen hat – und der gleichzeitig betonte, dass es hoffentlich das letzte Mal sei, dass er als Mann für die Darstellung einer Transgenderfrau herhalten musste, lieber solle man doch den echten Transgenders eine Chance geben.

Passend dazu hat Jill Soloway, die einen Emmy für die beste Regie in einer Comedy-Serie – eben Transparent – bekommen hat, die Kleiderordnung für Frauen souverän missachtet: Die Kombination von Bluse (mit Schleife) und Blazer war gewagt, aber total misslungen, rausgerissen haben das nur die roten Sportschuhe. Vor der Verweigerung der üblichen Highheels habe ich echt Respekt – mir ist ohnehin ein Rätsel wie andere Frauen Folterwerkzeuge mit 8 bis 10 Zentimeter Absatzlänge (oder gar mehr) einen Arbeitstag oder Abend am Fuß ertragen können. Wenn die Schuhe sehr gut gepolstert sind, kann ich das auch mal für ein paar Stunden ab, aber laufen in dem Sinne geht damit einfach nicht. Es gibt so vieles, was Frauen sowieso immer noch aushalten müssen – warum dann auch noch unbequeme Schuhe?! Männer tun sich das doch auch nicht an!

Wo wir aber gerade bei Frauen sind: Mich hat natürlich auch der Emmy für Susanne Bier gefreut, die als beste Regisseurin einer Miniserie den Preis für ihre Arbeit mit The Night Manager bekam. Es gibt ja nun wirklich nicht viele weibliche Regisseurinnen und noch weniger international anerkannte – aber vielleicht ändert sich das ja nun auch langsam mal. Wobei mich dann doch schon wieder ein bisschen genervt hat, dass Veep mit Emmys förmlich überhäuft worden ist. Ja, eine Comedyserie über eine erste weibliche US-Präsidentin ist schon lustig, und die Entschuldigung von Julia Louis-Dreyfus für das eigenartige politische Klima in den USA – eigentlich hätten sie ja eine Comedy-Serie machen wollen, nun sei Veep aber leider eine Dokuserie über den traurigen alltäglichen Wahnsinn – fand ich auch total sympathisch – aber ab und zu hätte in Sachen Comedy auch mal eine andere Serie irgendwas gewinnen können, so ging Silicon Valley komplett leer aus.

Genau wie bei den Dramaserien, wo Game of Thrones wieder so ziemlich alles abgeräumt hat: ja, das ist gewiss eine grandiose Serie, aber für alle, die es nicht so mit Drachen und epischen Schlachten haben, gibt es auch noch ziemlich gutes Fernsehen – so fällt mir gerade auf, dass es nicht eine einzige Nominierung für Halt and Catch Fire gab, was auch eine ziemlich gute Serie ist. Oder für Manhattan. Und tolle Serien wie Fargo oder Better Call Sauldie ebenfalls nominiert waren, konnten dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen. Und bei den Mini-Serien war es nicht besser, da hat The People vs. O. J. Simpson fast alles andere platt gemacht.

Wobei, ich muss zugeben, dass es sympathische Ausreißer gab, etwa den Emmy für die beste männliche Gast-Rolle, der an Peter Scolari ging, der in Girls Hannahs Vater spielt oder für Margo Martindale, die sozusagen das weibliche Pendant in The Americans gab. Insofern sind auch die Emmys längst noch nicht so ausgewogen und perfekt, wie sie sich gerade feiern. Aber immerhin schon sehr viel weiter als die Oscars – was auch ständig betont wurde. Jimmy Kimmel hat das in löblich kritischer Selbstanalyse ja während der Show definiert:“Was wir hier in Hollywood noch mehr schätzen als Vielfalt, ist, uns selbst dafür zu feiern, wie sehr wir Vielfalt schätzen.“ Das ist aber genau die Selbstreflexion, zu der das Fernsehen bereits in der Lage ist. Mal sehen, wann das in der Kino-, äh Blockbusterindustrie denn ankommt.

Musik in Serie: Mozart in New York

In meinem Blog sind Drama- und Krimiserien hoffnungslos überrepräsentiert, vermutlich, weil mir die meisten Familien- und Comedyserien einfach zu blöd sind. Und definitiv nicht lustig genug – ich kapiere einfach nicht, was beispielsweise an OITNB dermaßen witzig sein soll. Obwohl es ja durchaus Netflix-Serien gibt, die ich richtig gut finde. Noch weniger verstehe ich, warum The Bing Bang Theory ein so durchschlagender Erfolg ist, dass es gefühlt jeden Tag irgendwo im Fernsehen läuft – ich glaube, Pro 7 lässt das als Endlosschleife laufen, weil es sonst einfach nichts gibt, was ähnliche Quoten erreicht. Dabei ist die Geschichte eigentlich nichts anderes als das gnadenlose Durchexerzieren sämtlicher Vorurteile, die es über Nerds und Blondinen gibt – da ist eigentlich nichts neu und auch nichts gut dran, auch wenn ich im Grunde nichts dagegen habe, dass mit Stereotypen und Vorurteilen gespielt wird.

Damit komme ich zu meiner aktuellen Neuentdeckung: Mozart in The Jungle. Diese Amazon-Original-Serie ist im Grunde auch eine Nerdserie, in der sämtliche Vorurteile und Stereotypen durchgespielt werden, die es über professionelle Musiker gibt – es handelt sich um eine Serie über die New Yorker Symphoniker, einem altehrwürdigen Klangkörper, dem ein junges aufstrebendes Genie neues Leben einhauchen will.

Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa Bild: amazon.com

Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa Bild: amazon.com

Rodrigo De Sousa (Gael Garcia Bernal) heißt der junge Wilde, der als Wunderkind schon früh zu Ruhm und Ehre gelangt ist und trotzdem noch eine hippieske Lebensfreude an den Tag legt. Die Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet sein Vorgänger Thomas Pembridge (Malcolm McDowell), ein Stardirigent alter Schule mit entsprechenden Allüren, den Jungen entdeckt hat, der nun den Ast absägt, auf dem Thomas es sich gemütlich machen wollte. Denn auch die New Yorker Symphoniker sind keine staatliche Institution, sondern ein Geschäft, das nur funktioniert, wenn sich immer wieder großzügige Sponsoren finden, die sich in der Rolle eines Förderers der schönen Künste gefallen. Das ist nicht so einfach – und bei aller Verehrung für den großen Maestro stehen alle auf das unkonventionelle junge Genie.

Gleichzeitig versucht die junge Oboistin Hailey Rutledge (Lola Kirke, ihre große Schwester Jemima Kirke spielt die Lebenskünstlerin Jessa in Girls) , den Fuß in die Tür zu einer Karriere in der klassischen Musik zu bekommen – ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Haileys Welt kennen wir aus der Serie Girls: Im Moloch New York gestrandete Möchtegern-Künstlerinnen, die sich an falschen Lebensentwürfen, anstrengenden Beziehungen und einem gnadenlosen Alltag abarbeiten, in dem man jeden Monat irgendwie Miete zahlen muss, auch wenn man nur eine Stelle als unbezahlte Praktikantin bekommt.

Nur ist Hailey aber tatsächlich ziemlich begabt und mit Leidenschaft bei der Sache, was auch Rodrigo erkennt – er macht Hailey, die als professionelle Instrumentalistin im Haifischbecken der Symphoniker noch keine Chance hat, zu seiner persönlichen Assistentin – Hailey wird schlecht bezahltes Mädchen für alles, dafür ist sie aber ganz nah dran an ihrem Lebenstraum. Also lernt sie, wie man Mate-Tee richtig zubereitet und steht rund die Uhr zur Verfügung, um ihren Meister auf Zuruf an die eigenartigsten Orte zu kutschieren.

Screenshot Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa: Ouvertüre 1812 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Screenshot Mozart In The Jungle: Gael García Bernal als Rodrigo De Sousa: Ouvertüre 1812 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Aber auch für die Veteranen ist es nicht so einfach – das ständige Üben, der stressige Lebensrhythmus eines Berufsmusikers, der genau dann arbeiten muss, wenn die anderen sich amüsieren gehen, all das hinterlässt Spuren – der eine hat inzwischen Kniescheiben aus Titan, die andere spritzt sich einen bedenklichen Medikamentencocktail gegen die chronische Sehnenscheidenentzündigung. Und dann sind da natürlich die ständigen Grabenkämpfe – der Gewerkschaftler besteht auf die Einhaltung der Pinkelpausen, gleichzeitig kämpfen die Musiker gegen eine Schlechterstellung bei der Krankenversicherung, an der die Orchestermanagerin bei den Neuen sparen will. Wo fängt Solidarität an, und wo hört sie auf? Die Frage stellt sich mittlerweile doch in so ziemlich jedem Betrieb für jede Belegschaft – das ist bei einem klassischen Orchester mit Weltruf keineswegs anders.

Genau das ist es auch, was mir gefällt, es geht eben nicht nur um abgedrehte Künstler und ihren verschobenen Blick auf die Welt, sondern um handfeste Probleme, mit denen jeder, der auf Lohnarbeit angewiesen ist, umgehen muss, sogar anerkannte Musikgenies mit Weltruhm. Hier gibt es auch immer wieder die Parallele zu Wolfgang Amadeus, der ja eben auch Geld verdienen musste und seine ganze wunderschöne Musik nicht nur so zum Spaß geschrieben hat. Trotzdem verlangen alle ganz selbstverständlich, dass sich die wahren Künstler mit heroischer Selbstausbeutung ihrer Kunst und damit der Erbauung und dem Vergnügen der anderen zu widmen hätten. Warum ist das eigentlich so?! Das fragen sich auch Hailey und ihr Freund, der eigentlich Tänzer werden will, aber irgendwann die Nase voll davon hat, sich nicht einmal regelmäßig vernünftige Mahlzeiten leisten zu können und ständig Angst vor der nächsten Verletzung zu haben. Man kann auch mit weniger Stress mehr Geld verdienen – aber was wird dann aus der Kunst?

Gleichzeitig wird die Kunst, in dem Fall die klassische Musik, als etwas gefeiert, das Grenzen überwinden und Menschen zusammenbringen kann – meine Lieblingsstelle bisher ist, als Rodrigo seine Musiker zu einer Konzertprobe irgendwo auf einem brachliegenden Grundstück zitiert, wo sie vollkommen überrascht und unvorbereitet vor den zunehmend interessierten Bewohnern der umliegenden Sozialwohnungsblocks die Ouvertüre 1812 von Tschaikowski spielen – die Musiker kennen dieses Stück sehr gut und sind auch ohne Noten und Vorbereitung total bei der Sache – aber, so bemerkt der gewerkschaftliche organisierte Orchesterrat: „Rodrigo, du weißt schon, dass das ein Auftritt war und keine Probe?“

„Ja, das war ein Auftritt und sogar ein ziemlich guter!“ sagt Rodrigo begeistert und räumt ein, dass er zwar ungenehmigt gewesen wäre, aber auch ungefesselt und sonst noch einiges un-. Es entwickelt sich eine spontane Nachbarschaftsparty mit den Musikern und der interessierten Nachbarschaft – aber irgendwelche Spielverderber haben die Bullen gerufen. Die lösen die Party schließlich auf und nehmen die Ruhestörer mit. Den Bullen vom NYPD ist scheißegal, ob das die New Yorker Symphoniker sind oder randalierende Kids. Also muss die ohnehin schon ständig am Nervenzusammenbruch entlangschrammende Orchestermanagerin Gloria ihre Stars aus dem Knast auslösen.

Doch es gibt noch einige andere Höhepunkte, und vor allem in der letzten Folge orchestriert Rodrigo ein versöhnliches Ende, nachdem er sich in den Kopf gesetzt hatte, ausgerechnet seine geniale, aber leider auch völlig durchgeknallte Ex-Frau Anna Maria als Solo-Violinistin zu besetzen, was wie erwartet grandios schief geht: Anna Maria bringt es einfach nicht über sich, vor diesen bourgeoisen Schlappschwänzen, vor diesen reichen, aber total bornierten Untoten zu spielen. Sie bricht nach wenigen Takten ab und lässt Rodrigo nach einer saftigen Publikumsbeschimpfung stehen.

Mozart In The Jungle: Hailey Rutledge (Lola Kirke, mit Oboe) und Cynthia Taylor (Saffron Barrows)

Mozart In The Jungle: Hailey Rutledge (Lola Kirke, mit Oboe) und Cynthia Taylor (Saffron Barrows)

Doch der hatte schon einen Plan B vorbereitet, eigentlich vor allem für Hailey, die von seiner ersten Oboistin Betty übel schikaniert wird, was Rodrigo jetzt wieder gut machen will: Er lässt alle Musiker für das große Eröffnungskonzert für die neue Spielsaison mit einer Limousine abholen – und Bettys Limousine fährt sie gepflegt ins New Yorker nirgendwo, so dass sie ihren Auftritt verpasst. Also muss die zweite Oboe zur ersten aufrücken und Hailey bekommt ihre verdiente Chance, sich mit diesen ungeplanten Einsatz als professionelle Oboistin zu beweisen – der umsichtige Rodrigo hat dafür gesorgt, dass ihre Freundin und Mitbewohnerin Lizzie rechtzeitig mit ihrem Instrument zur Stelle ist. Jetzt fehlt nur noch die Solo-Geige – Rodrigo beschließt, selbst Geige zu spielen, aber für das Solo sei er nicht gut genug – also bekommt die verbitterte erste Geige im Orchester ihre Chance.

Nun fehlt allerdings ein Dirigent. Doch zum Glück ist ja Thomas Pembridge in Saal, der von seiner Geliebten Cynthia, die Cellistin im Orchester ist, in Kuba aufgespürt und nach Hause geholt wurde. Natürlich fühlt er sich geschmeichelt und in der Lage, das Violin-Konzern Sibelius zu dirigieren. So wird der Abend nach dem verpatzten Auftakt doch noch ein Erfolg und die erste Staffel von Mozart in The Jungle entpuppt sich als modernes Großstadtmärchen mit grandiosem Happy End. Das ist zwar nicht unbedingt realistisch, aber wunderschön und man hat genau wie Lizzie und der Musik-Blogger Bradford Sharpe am Ende des Konzerts Tränen der Rührung in den Augen. Ein paar Minuten heile Welt finde ich total in Ordnung – Mozart in The Jungle ist wirklich eine erfrischende Abwechslung.

Mein Tipp für alle, die nach einer unterhaltsamen Serie suchen, die keineswegs die Augen vor dem hässlichen und anstrengendem Alltag verschließt, aber sowohl ihren Protagonisten als den Zuschauern den einen oder anderen glücklichen Moment gönnt. Vielleicht gehe ich auch mal wieder in ein klassisches Konzert…

eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

The Night Of: Scheiß auf die Wahrheit

Vor einigen Jahren sah ich Criminal Justice, eine ebenso brillante wie verstörende BBC-Miniserie über das britische Justizsystem – wobei die Serie insgesamt eher die Frage stellt, was Gerechtigkeit überhaupt ist bzw. was eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft daraus macht. Unbequeme Erkenntnis: Die Wahrheit, also das, was wirklich passiert ist, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, was die Leute glauben (wollen).

Eine junge Frau, die zur falschen Zeit am falschen Ort war, wird Opfer eines grausamen Verbrechens, und ein junger Mann, der ihr zufällig kurz zuvor begegnet ist, wird durch die Mühlen der Justiz gedreht, denn es weist so ziemlich alles darauf hin, dass er der Täter sein muss. Aber er ist sich ziemlich sicher, dass er nicht der Mörder ist. Blöd nur, dass er gemeinsam mit seinem angeblichem Opfer gefeiert hat, bis er einen Filmriss bekam und sich deshalb nicht erinnern kann, was in dieser verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert ist.

The Night Of: Nazir Khan "Naz" (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D'Elia) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan „Naz“ (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D’Elia) Bild: hbo.com

Und wie das bei wirklich guten Stoffen so oft der Fall ist, haben die Amis jetzt ihre eigene Version davon gedreht – und wie so oft, ist die US-Version ziemlich gut geworden. Genau wie es mit The Killing eine neue Version von Kommissarin Lund und mit The Bridge America eine von Die Brücke gibt, ist The Night Of eine wirklich gute Version von Criminal Justice. Einerseits finde ich etwas schade, dass europäische Serien in den USA nur eine Chance haben, wenn sie auf US-Verhältnisse angepasst werden – kein Wunder, dass die Leute da glauben, die USA sei das Maß aller Dinge und der Nabel der Welt. Trotzdem ist es für mich natürlich auch ganz interessant zu sehen, wie die Dinge in den USA gehandhabt werden.

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

Immerhin: Die Hauptrolle (im Original verkörperte Ben Whishaw den naiven Ben Coulter, der aus einer spontanen Laune heraus mit dem Taxi seines Vaters ins Verhängnis fährt) spielt der pakistanisch-stämmige Brite Riz Ahmed. Den kenne ich unter anderen aus Four Lions. Er verkörpert Nazir Khan, den bisher unauffälligen, gehorsamen und vielversprechenden Sohn pakistanischer Einwanderer, wodurch in der US-Version, die in New York spielt, noch eine rassistische Komponente hinzu kommt. In diesen Zeiten, da Moslems unter Generalverdacht stehen, gibt das der Sache einen interessanten zusätzlichen Kick. Sind es im Original die anständigen Eltern der eingeborenen weißen Londoner Working Class, die ihren Sohn nach Kräften unterstützen und einfach an dieses System glauben wollen, in dessen Mühlen ihr Sohn gerade zerrieben wird, so sind es nun die anständigen, hart arbeitenden Einwanderer, die gar keine andere Wahl haben, als an das freiheitlich- demokratische US-System zu glauben, auch wenn sie genau von diesem System ständig schlecht behandelt werden.

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

Wie auch bei The Killing oder The Bridge America ist die Geschichte sehr dicht am Original – Peter Moffat, der Schöpfer von Criminal Justice, ist auch einer der ausführenden Produzenten der HBO-Miniserie, die allerdings acht Teile hat – das BBC-Original hat fünf. Für die Rolle des Strafverteidigers war eigentlich der Sopranos-Hauptdarsteller James Gandolfini gesetzt – aber der ist bekanntlich viel zu früh von uns gegangen, deshalb müht sich John Torturro als abgerockter Strafverteidiger ab – Jack Stone ist so eine Art Jimmy McGill, der auf den großen Fall wartet, mit dem er endlich zu Saul Goodman werden kann: Ein gerissener und erfahrener Einzelkämpfer, der die hoffnungslosen Fälle vertritt. Er ist kein Star, er hat keine potente Kanzlei im Rücken, er hat ein Ekzem an den Füßen und das Problem, dass seine Klienten ihn eigentlich nie bezahlen können. Aber er ist so gut, wie man in diesem System, in es eben auch auf die Kohle ankommt, halt ohne Kohle sein kann.

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

Und er muss gegen den besten Mann im NYPD antreten und in diesem scheinbar ziemlich klaren Fall ermittelt Detective Dennis Box (Bill Camp), ein alter Fuchs, der schon alles gesehen hat. Er ist sich ziemlich sicher, dass Nazir der Täter ist, auch wenn er sich über dessen Motiv nicht klar ist und manipuliert sein gesamtes Umfeld entsprechend. Aber eben weil er ein dermaßen erfahrener Cop ist, spürt er, dass irgendwas an diesem Fall faul sein muss, auch wenn er das lange nicht einordnen kann.

Was bringt einen braven Sohn muslimischer Eltern dazu, eine solche Tat zu begehen? Auch die armen Eltern werden auf eine harte Probe gestellt: Schlimm genug, dass ihr Sohn einer solchen Tat verdächtigt wird. Aber weil er diesen ausgerechnet an diesem Abend das Taxi seines Vaters genommen hat, um zu dieser Party nach Downtown zu fahren, hat Nazir die Existenz seines Vaters ruiniert – und die seiner beiden Partner, die sich eben dieses Taxi teilen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Taxi ist nun ein Beweismittel in einem Mordfall – und kann entsprechend nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllen. Dabei wollte Nazir doch nur eins – endlich ein Mädchen kennenlernen. Immerhin ist er schon 23 und wohnt noch bei seinen Eltern. Er ist ein guter Student, er ist Tutor und gibt Nachhilfe – er hilft auch im Geschäft seiner Verwandten aus – aber offenbar ist er nicht völlig vom Lebensmodell seiner pakistanischen Familie überzeugt.

The Night Of: Die Eltern - Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

The Night Of: Die Eltern – Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

Deshalb lässt er sich auch darauf ein, diese geheimnisvolle schöne Fremde, die zu ihm ins Taxi steigt, an einen Strand zu fahren, so weit das in Manhattan möglich ist. Andrea nimmt den hübschen Jungen zu sich nach Hause – sie werfen Ecstasy ein, trinken Tequila und ziehen eine Nase Koks, Andrea scheint ein bisschen durchgeknallt zu sein, aber hey, Nazir wollte eigentlich auf eine Party und jetzt bekommt er, was er will – und Andrea will ihn offensichtlich auch. Aber irgendwann wacht Nazir vor dem offenen Kühlschrank auf und erinnert sich nicht, wie er dahin gekommen ist. Er geht nach oben, zieht sich an – es ist spät und er muss das Taxi zurück bringen. Als er Licht einschaltet, macht er es gleich wieder aus – zu schlimm ist das, was er da sieht.

Ab da nimmt das Verhängnis seinen Lauf – es ist keine schöne Serie im Sinne von guter Unterhaltung. Es geht hier nicht um Witz, Rasanz oder Coolness. Dafür gibt es andere Formate. Letztlich ist The Night Of sehr konventionell – aber das im guten Sinne, denn genau das ist hier Mittel zum Zweck: Es wird ermittelt, verhört und verhandelt. Aber das sehr intensiv und mit Liebe zum Detail. Auf das es in solchen Fällen bekanntlich ankommt. Und es wird der Alltag in Gefängnismauern gezeigt, der für normale Menschen ein absoluter Alptraum ist – denn hier sind die Kriminellen weitgehend unter sich. Gerade im Gefängnis zählen die Eigenschaften, die man für eine erfolgreiche Verbrecherkarriere braucht – hier bestimmt das Asphaltier und die Hackordnung ist strikt und erbarmungslos. Ein braver Junge wie Nazir kann hier nur Opfer sein, und als angeblicher Vergewaltiger und Mädchenmörder hat er weitere entscheidende Minuspunkte. Im Knast kann er nur überleben, wenn er mächtige Verbündete findet, und das ist noch mal ein Kapitel für sich. Draußen hingegen suchen seine Eltern nach Verbündeten. Was auch nicht einfach ist.

Insofern kann ich The Night Of absolut empfehlen. Diese Serie ist eine sehr gut gemachte Bestandsaufnahme von den Dingen, wie sie in unsere Welt nun mal sind. Das ist nicht schön, aber absolut sehenswert.

The Night Of Bild: hbo.com

The Night Of Bild: hbo.com

eps2.2_init1.asec – komm, lass uns die Kichererbsen zählen

In der neuen Folge eps2.2_init1.asec geht Elliot endlich wieder an den Computer – aber er brauchte für diese Entscheidung auch einen dringlichen Notruf von Darlene. Denn inzwischen gerät auch Elliots bisher sehr toughe und fokussierte kleine Schwester in Panik – und wir erfahren, dass sie zuvor schon an Panik-Attacken gelitten hat. Wobei sie findet, dass es heutzutage noch kranker ist, keine Panik-Attacken zu haben. Dem kann ich nur zustimmen, wenn man sich ansieht, in welchem Zustand die Welt ist.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Wie so oft beginnt der neue Teil mit einer Rückblende – Elliot sitzt in seiner alten Wohnung am Computer, als es heftig an der Tür klopft. Als er schließlich öffnet, steht Darlene dort – mit jener fsociety-Maske, die sie gerade in einem 99-Cent-Shop gekauft hat. Es ist Halloween und sie bittet ihren Bruder, der von ihrem Besuch wenig begeistert ist, den Abend mit ihr zu verbringen. Weil Elliot erwartungsgemäß ablehnend reagiert, benutzt Darlene ein Codewort, auf das ihr sozial gestörter Bruder einfach reagieren muss: Init-1. Das steht sowohl für den Einzelnutzer-Modus bei Unix-Rechnern, als auch für einen Notfallmodus – und für sie ist es ein Notfall. Und nur Elliot kann helfen.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Elliot ist dann doch großer Bruder genug, um mit seiner Schwester ihren gemeinsamen Lieblingsfilm anzusehen – The Careful Massacre of the Bourgeoisie, ein vorgebliches 80er-Jahre-Untergrund-Teenie-Spatter-Movie, das extra für die Serie erfunden wurde. Darlene führt sämtliche psychischen Störungen der Alderson-Geschwister auf diesen Film zurück. Sie postet schließlich sogar ein Foto auf Instagram, was sie sonst nie tut, aber „die Leute müssen wissen, dass es diesen Film gibt!“ Detailverliebte Filmfreaks können sich allein schon über die Filmauswahl, die in der Torrent-Bibliothek auf Elliots Rechner kurz zu sehen ist, in Begeisterungsdelirien hineinsteigern: Unter dem Buchstaben C finden sich Capote, The Careful Massacre of the Bourgeoisie, Carrie, Child’s Play, Chinatown, Chungking Express, Citizen Four, Citizen Kane, A Clockwork Orange, Closer, Comet, The Conversation, Cool Hand Luke, Creep, und schließlich Cries and Whispers. Allein darüber könnte man eine Hausarbeit schreiben – Comet ist natürlich ein besonderer Insider-Witz, der einzige Film nämlich, den Sam Esmail gemacht hat, bevor er sich mit Mr Robot in die erste Liga der Serienmacher katapultiert hat.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Nachdem die beiden zum Film etwas geraucht haben, erzählt Elliot, dass er gerade gefeuert wurde – er hat nämlich mal wieder einen Job zu gut gemacht: Elliot hat auftragsmäßig eine Firma gehackt, und die ITler haben es nicht hingekriegt, die Server dagegen zu schützen – aber dann kam der Feiertag und das freie Wochenende und alle wollten nach Hause. Die genervten Techniker haben Elliot kurzerhand im Serverraum eingesperrt. Als er später zu sich kam, waren alle Server zerstört. Elliot konnte sich zwar an nichts erinnern, wurde aber nicht nur rausgeworfen, sondern auch zu einer Anti-Aggressions-Therapie verdonnert. So kam er also zu Krista.

Als Darlene bedauert, dass sie sich nicht wirklich an ihren Vater erinnern kann, zeigt Elliot ihr die Mr-Robot-Jacke, die ihr Vater früher getragen hat – Elliot bewahrt sie offenbar wie eine Reliquie in seinem Schrank auf. Darlene verlangt, dass Elliot sie anzieht – und die Maske aufsetzt, die sie mitgebracht hat: Vor ihren Augen verwandelt sich Elliot in Mr. Robot. Er hat eine Idee, wie er E-Corp zerstören könnte – vielleicht sollte er den Job bei Allsafe annehmen, den Angela ihm aufschwatzen will. Er könnte dort als trojanisches Pferd den großen Hack vorbereiten. Darlene ist erschrocken und fasziniert zugleich, von dem, was da vor sich geht. Macht ihr Bruder Witze oder meint er das alles ernst?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Aber erst ziemlich viel später wird ihr klar, wie bitter ernst das alles ist: Ihr Freund Cisco spürt sie auf, denn er hat eine dringende Warnung: Das FBI war einer großen Sache auf der Spur, es gibt eine gigantische Ermittlung unter dem Begriff Berenstain. (Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Ersten Recherchen zufolge gab es wohl eine US-Zeichentrick-Serie The Bernstein Bears, meine erste Assoziation war natürlich das legendäre Bernsteinzimmer, aus dem Berliner Stadtschloss, das seit dem Ende des 2. Weltkriegs verschollen ist.)

Die Dark Army wird nervös, denn die befürchten, dass am Ende irgendwer von den society-Hackern etwas verraten hat – möglicherweise auch unwissentlich. Cisco weiß auch, dass das FBI die Arcade gefunden hat. Darlene wird daraufhin so panisch, dass sie sich an Elliot wendet, von dem sie ja weiß, wie instabil er gerade ist. Aber sie braucht ihn jetzt. Oder besser noch Mr Robot. Sie braucht nicht das Psychowrack, das ihr Bruder gerade ist, sondern einen fähigen Hacker, der ihr helfen kann, heraus zu finden, was gerade los ist. Und das ist ziemlich viel, und es klingt sehr bedrohlich. Nebenbei: Ich finds irgendwie sympathisch, dass Darlene mit Cisco einen Quickie im Klo der Kneipe, in der sie sich treffen, hinlegt. Sie verleugnet ihre menschlichen Bedürfnisse weniger konsequent als ihr Bruder. Weshalb sie vermutlich lebenstüchtiger ist. Wie ich hoffe.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Elliot hat weiterhin seine Kämpfe mit Mr Robot: Der ist nämlich nicht zu besiegen, wie Elliot inzwischen gelernt hat – sie spielen Schach, Mr. Robot und er, und zwar um seine Existenz. Ray hat ihm ein Schachspiel mitgegeben, damit er zuhause üben kann. Aber Elliot kann Mr. Robot nicht schlagen, genau wie Mr. Robot ihn nicht schlagen kann. Sogar  Krista empfiehlt ihm schließlich, dass er Mr. Robot als Teil seiner selbst besser akzeptieren müsse – er könne ihn nicht auslöschen ohne einen Teil seiner selbst auszulöschen. „Aber tun Menschen das nicht dauernd?“ fragt Elliot – die Teile von sich selbst ausradieren, die man an sich nicht leiden kann, ob es nun Warzen oder schiefe Zähne sind.

Aber Elliot ist nicht der einzige, der gegen sich selbst kämpft. Angela hat sich offenbar auf das Angebot, dass Philip Price gemacht hat, eingelassen: Sie hat die Informationen über einen hässlichen Insider-Deal an die Anwältin Nayar weiter geleitet – jedenfalls werden die beiden Manager, die sie im Teil zuvor kennengelernt hat, von der Polizei abgeführt. Angela trifft sich später mit Nayar, der sie erklärt, dass sie noch dabei ist, herauszufinden, was Price eigentlich von ihr will. Vielleicht ist sie doch nicht übergelaufen, sondern macht jetzt das, was Elliot mit seinem Job bei Allsafe gemacht hat?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Sie hat eine Idee, sie hat die ganze Sache offenbar auch viel genauer analysiert, als es erst den Anschein hatte, aber Price reagiert auf ihre Forderungen ganz anders, als Angela erwartet hat. Sie redet sich auch weiterhin ein, dass sie mit der richtigen Einstellung ihre eigene Realität kreieren kann – aber wenn sie damit nun auf dem Holzweg ist? So richtig klar wird das alles noch nicht, aber vermutlich wird es noch eine Rolle spielen. Auf jeden Fall ist Angela darauf aufmerksam geworden, dass es bei der Vertuschung des Washington-Township-Skandals noch eine weitere interessierte Partei gegeben haben muss.

Philip Price hat auf jeden Fall auch eine eigene Agenda – er telefoniert mit Whiterose, die endlich wieder einen Auftritt hat. Whiterose erscheint dieses Mal in einem grandiosen Outfit, das aus einem nostalgischen Wong-Kar-Wei-Film stammen könnte – mit Chungking Express ist ja auch ein Wong-Kar-Wei-Film in Elliots Filmliste, was gewiss kein Zufall ist. So richtig glücklich scheinen Price und Whiterose mit dem Fortgang der Dinge nicht zu sein. Die Uhr von Whiterose tickt weiterhin sehr schnell – auch Price bekommt seine Zeit nur minutenweise zugemessen, was er als selbsterklärter Master of the Universe nur schwer verdauen kann. Aber Price entgegnet: „Auch wenn Rom an einem einzigen Tag niedergebrannt ist – es wurde nicht an einem Tag erbaut – so schmerzvoll das für Sie zu hören ist.“ (In der letzten Szene der ersten Staffel war Whiterose zu Price gekommen, um Rom brennen sehen). Whiterose beendet das Gespräch und wendet sich einem männlichen Chinesen zu, der den Raum betritt. Sie ändert die Stimmlage und redet chinesisch, ganz Grande Dame. Sie wird nun Geduld brauchen, erklärt sie, so sehr sie das auch hasst.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Geduld braucht auch Joanna Wellick – oder eher Geld. Es gibt weiterhin nichts Neues von ihrem Ehemann Tyrell. Und E-Corp gibt kein Geld für sie frei. Die derzeit alleinerziehende Mutter kann bald nicht mal mehr den Parkplatzwärter bestechen, auf dessen Parkplatz das Auto ihres Mannes nach dem Hack gefunden wurde. Sie sucht Scott Knowles auf und bietet ihm an, auszusagen, dass Tyrell in der Nacht des Mordes an Scotts Frau Sharon nicht nach Hause gekommen sei, wenn Scott im Gegenzug dafür sorgt, dass Joanna Zugriff auf ihre Konten bekommt. Aber Scott hat keineswegs die Absicht ihr zu helfen: Wenn sie kein Geld mehr hat, bekommt das Kind seines Widersachers Tyrell ja genau das, was es verdient.

Interessanterweise scheint die Eiskönigin Joanna gleichzeitig echte Gefühle für ihren Lover Derek zu haben: Als der träumt, er würde sie vielleicht mal nach Madrid mitnehmen, wenn er da einen Job bekommt, erklärt sie ihm, dass er niemals in der Lage sei, ihr zu bieten, was er da gerade sagt. Aber genau deshalb würde sie ihn lieben: Sie hätte das alles ja schon gehabt, Europa, den ganzen Luxus – und es hätte sie nicht glücklich gemacht. Sie bräuchte nur ihn. Mal sehen, ob das für ihn gut ausgeht.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Weiterhin symphatisch finde ich Leon – der Elliot offenbar auf eine richtige Spur bringt. Bei Ray bin ich mir nicht so sicher – der hat nämlich auch eine eigene Agenda. Und er weiß einiges über Elliot. Will er tatsächlich nur Elliots Fähigkeiten für sein eigenes sinistres Geschäft benutzen, oder gibt es da noch mehr? Andererseits hilft er Elliot in gewisser Weise ja auch mit sich selbst klarzukommen und es ist sein Computer, den Elliot letztendlich benutzt, um mit Darlene zu kommunizieren, nachdem er ihren neuen Hilferuf bekommen hat. Auch wenn er eigentlich will, dass Elliot ihm bei der Migration seiner Webseite hilft, mit der, wie wir ahnen können, dunkle Geschäfte getätigt werden.

Eine Anmerkung noch zur Musik: Eigentlich bin ich kein Fan der Spätromantik, aber der Einsatz der Orchester-Suite The Planets des englischen Komponisten Gustav Holst fand ich grandios – bekannte Filmkomponisten wie John Williams, der Musik für Star Wars oder Superman geschrieben hat, wurden davon inspiriert. Sam Esmail hatte zuvor schon getwittert, dass in der dieswöchigen Folge ganz tolle Musik dabei sei – wenn man sie hören würde, würde man schon wissen, was er meine. Ich hatte überhaupt keine Idee, was er damit meinte, aber es war so. Ich hörte es und ich wusste.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Mit einem Auge habe ich natürlich auch schon wieder im Blick, dass einige über den insgesamt nicht wirklich vorankommenden Handlungsverlauf bei Mr Robot unzufrieden sind: Aber, Leute, hier geht es ums Detail! Wobei mir das Problem INSGESAMT schon bewusst ist. Sam Esmail hat am 17. September Geburtstag. Der ist nunmal ein Erbsenzähler. Aber mit Vorfahren aus Ägypten. Also ein Kichererbsenzähler. Das wird noch. Da bin ich mir …ziemlich sicher.

eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Mr. Robot auf Speed

Nach den ersten beiden Teilen der neuen Staffel von Mr. Robot war ich etwas besorgt, dass die eigentlich erfreuliche Meldung, dass sie statt 10 Teilen sogar 12 haben würde, darauf beruhen könnte, dass die Episoden, die sonst ungefähr eine Stunde lang sind, einfach auf 40 Minuten gekürzt würden und die Handlung letztlich nur über mehr Folgen verteilt wird – schließlich waren eps2.0_unm4sk-pt1.tc und eps2.0_unm4sk-pt2.tc auch nicht länger. Die dritte Episode eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd kommt allerdings wieder auf gut eine Stunde, insofern kann hier Entwarnung gegeben werden. Diese Stunde hat es auch wirklich in sich.

Elliot (Rami Malek) und Leon (Joey BadA$$) Bild: USA Network

Elliot (Rami Malek) und Leon (Joey BadA$$) Bild: USA Network

Zum Auftakt sehen wir Romero und Mobley in jener seit Jahren in Dornröschenschlaf befindlichen Spielarkade, die das Hauptquartier von fsociety werden wird. Romero zeigt Mobley das Gebäude und erzählt die Geschichte der Vorbesitzer, die natürlich eine atemberaubende Verkettung negativer Höhepunkte ist – abergläubige Menschen würden darauf schwören, dass dieser Ort verflucht sei und alles Übel der Welt hier seinen Anfang nehmen würde. Genau richtig also für einen Ort, an dem das Verbrechen des Jahrhunderts ausgeheckt werden soll.

Mobley hat offenbar gerade Darlene und Elliot kennengelernt – und Elliot will Romero kennen lernen. Romero ist nicht so richtig überzeugt von der Sache – erstens kommt er gerade aus dem Knast und zweitens ist das kein Auftrag, bei dem er schnell fette Kohle machen kann. Aber Mobley schafft es, Romeros Interesse zu wecken, in dem er an seine Eitelkeit als Hacker appelliert und erwähnt, dass es auch darum ginge, die Leute zu ruinieren, wegen denen er sieben Jahre seines Lebens im Gefängnis verloren hat.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Romero (Ron Cephas Jones) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Romero (Ron Cephas Jones) und Mobley (Azhar Khan)

Doch damit ist der unterhaltsame Teil auch schon zu Ende. Als Mobley in der traurigen Gegenwart nach Five/Nine versucht, Romero zu finden, liegt dieser tot auf der Veranda, auf der er auch sein Supergras gezüchtet hat. Mobley bekommt Panik – das ist schon der zweite Tote im Zusammenhang mit dem Five-Nine-Hack. Steckt am Ende die Dark Army dahinter? Räumen die jetzt unter den Mitwissern auf? Oder war es doch nur eine Drogengeschichte, weil ein Kunde nicht bezahlen wollte oder ähnliches? Natürlich hat auch Mobley eine angemessene Hacker-Paranoia und er traut weder der arroganten Darlene, noch ihrem völlig durchgeknallten Bruder Elliot über den Weg. Das teilt er auch Trenton mit, die ja ebenfalls an der Sache beteiligt war. Mobley fürchtet, dass er und Trenton die nächsten Opfer sein könnten.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Trenton (Sunita Mani) und Mobley (Azhar Khan)

Damit sind wir dann aber wieder bei Elliot – der tatsächlich völlig abgedreht ist und ohne Rücksicht auf Verluste versucht, Mr. Robot los zu werden. Sein Kampf mit seinem alternativen Ich nimmt den größten Teil dieser Folge ein – aber Mr. Robot ist nicht loszuwerden. Elliot versucht es wieder mit Drogen, allerdings nicht mit Morphin, sondern mit Adderall, dem Ritalin für die US-Leistungsgesellschaft. Das wirft er gleich handvollweise ein, damit er nicht im Schlaf von Mr. Robot überrascht werden kann. Elliot redet sich ein, dass er ja mitkriegt, was er tut, solange er wach ist. Und die ersten ein, zwei Tage geht das auch gut – auf Adderall, das ihm sein neuer Freund Leon besorgt, kann er sich plötzlich nicht nur wunderbar auf die absurden Dinge konzentrieren, die Menschen den ganzen Tag tun, sondern endlich auch mal wieder aus sich heraus gehen: Im Bibelkreis glaubt er plötzlich, Gott gefunden zu haben und klopft allen euphorisch auf die Schultern, auf dem Sportplatz geht er bei den Spielen auf einmal richtig mit, wenn ein Korb geworfen wird. Er fragt sich, warum er nicht viel früher darauf gekommen ist: Mit der richtige Droge wird das normale Leben gleich viel einfacher.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek)

Auch wenn Leon diese Entwicklung gar nicht gefällt: Dass Elliot jetzt mit ihm über Seinfeld diskutiert, statt wie zuvor nur zuzuhören, ist einfach schräg, vor allem, weil Elliot mit glänzenden Augen viel zu schnell redet – wie man halt quatscht, wenn man auf Speed ist. Und Elliot ist voll auf Dextroamphetamin – doch nach einigen Tagen ohne Schlaf wird aus seiner Euphorie ein zähes Ringen mit seinem Bewusstsein, das zunehmend Störungen aufweist – visuell umgesetzt durch Bildstörungen, plötzlich lösen sich Gegenstände in groben Pixelkötzchen auf, der Zuschauer bekommt also mit, wie Elliot die Kontrolle verliert.

Überhaupt ist es nicht einfach, sich anzusehen, was Elliot durchmacht – das war es ja in der ersten Staffel auch nicht, etwa in eps1.3_da3m0ns.mp4, wo sich Elliot auf Morphin-Entzug bereits die Seele aus dem Leib gekotzt hat. Jetzt gibt es eine Steigerung davon, so sieht Elliot neue Varianten der schwarzen Männer, die ihn in der ersten Staffel schon verfolgt haben – doch jetzt entführen sie ihn sogar und flößen ihm mit einen Trichter eimerweise Zement ein. Doch es stellt sich heraus, dass Elliot einfach die Überdosis Adderral auskotzt, die er sich verabreicht hat, damit Mr. Robot endlich die Fresse hält. Doch kaum hat er das Zeug aus sich heraus gewürgt, da wühlt er schon wieder im Erbrochenen, um die Reste der noch nicht aufgelösten Pillen wieder zu schlucken – das ist eklig und erschütternd, aber es beschreibt sehr gut, wie verzweifelt er versucht, sein dunkles Ich in den Griff zu bekommen. Das übrigens plötzlich wie Heisenberg aussieht, also das geniale böse Ich von Walter White aus Breaking Bad. So berechtigt die Lobpreisungen für die darstellerische Leistung von Rami Malek in der ersten Staffel waren – in dieser Folge ist er noch besser.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) auf Adderall

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) auf Adderall

Mein persönliches Highlight ist Elliots Monolog über das Wesen organisierter Religion, den er in völliger Übermüdung vor seiner Kirchengruppe hält: Man kennt ja diese Elliot-Monologe, etwa wenn er seinen Frust über die Gesellschaft bei seiner Psychologin Krista loslässt, die plötzlich insistiert: „Elliot – Sie sagen ja gar nichts?“ Denn Elliot weiß, dass er mit seiner persönlichen Analyse der Dinge Unverständnis oder gar Verunsicherung auslösen könnte. Also sagt er lieber nichts, weil man in der Regel besser fährt, wenn man nichts sagt, anstatt das, was keiner hören will.

Und Elliot zieht jetzt wirklich vom Leder und redet über den großen Betrug sämtlicher einschlägiger Religionsanbieter, die doch allesamt nur dazu da sind, die Leute zu knechten und klein zu halten, statt sie zu einem bewussteren Leben oder gar besseren Leben zu führen. Und überhaupt – bevor er sich mit dem unsichtbaren Freund dieser verblendeten Menschen da unterhält, redet er doch lieber mit seinem eigenen unsichtbaren Freund. Selbst wenn er noch nicht geblickt hat, auf welcher Seite der eigentlich steht. Plötzlich stellt er überrascht fest, dass er all das laut ausgesprochen hat. Die Gesichter der anderen Bibelkreisteilnehmer sprechen Bände. Elliot geht – und schmeißt sein Tagebuch in den Mülleimer. Interessanterweise landet es später bei Ray, jenem geheimnisvollen „Freund“ aus der Nachbarschaft, der – woher auch immer – weiß, dass Elliot gut mit Computern ist.

Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Angela (Portia Doubleday) Bild: USA Network

Es hat sich inzwischen auch heraus gestellt, dass Ray irgendwie mit illegalen Geschäften zu tun haben muss – warum sonst ist es ein Problem für ihn, dass ein inzwischen schwer demolierter Sysadmin es nicht schafft, irgendwelche Bitcoin-Konten, die ständig an Wert verlieren, auf einen anderen Server zu migrieren? Der bemitleidenswerte Mensch erklärt, dass er nun mal nicht die erforderlichen Fähigkeiten dazu habe. Die Elliot gewiss hätte – aber woher weiß Ray das? Die Tatsache, dass der freundliche Ray ebenfalls ein bisschen neben der Spur ist und sich seit Jahren zum Frühstück mit seiner toten Frau unterhält, während er selbst an der Dialysemaschine hängt, erklärt das jedenfalls nicht.

Interessant ist auch die Entwicklung von Angela – diese macht ihren Job als PR-Managerin bei E-Corp weiterhin sehr gut – sie wagt es sogar, ihrem Boss Philip Price zu widersprechen, der für die Berichterstattung lieber auf Fox als auf Bloomberg setzen will. Zu ihrer Überraschung sieht Price das sogar ein. Und er lädt sie in ein angesagtes italienisches Restaurant ein, in dem es das weltbeste Semifreddo geben soll. Doch das vermeintliche Date entpuppt sich als Business-Dinner – der E-Corp-CEO stellt Angela zwei weitere Mitglieder der Geschäftsführung vor, fähige Manager, die sich nebenbei für soziale Dinge engagieren und offenbar echte Familienmenschen sind.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) hat wirklich eine Erleuchtung

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Elliot (Rami Malek) hat wirklich eine Erleuchtung

Nachdem Price die beiden nach dem Essen heraus komplementiert hat, lässt er die Bombe platzen: Die beiden waren, genau wie Terry Colby, damals anwesend, als die Entscheidung fiel, den Washington-Township-Giftmüll-Skandal unter den Teppich zu kehren. „Gewöhnliche Menschen, die ungewöhnliche Entscheidungen treffen!“ Price gibt Angela eine CD oder DVD, auf der genügend Material sein soll, um die Karrieren dieser Manager zu zerstören. „Wenn Sie die Emotionen außen vor lassen, werden Sie das richtige tun!“ Die spannende Frage ist natürlich, warum Philip Price die beiden los werden will. Und vor allem, was er eigentlich mit Angela vor hat.

Und dann gibt es noch eine weitere Protagonistin, die wir in dieser Folge näher kennenlernen: Dominique DiPierro (Grace Gummer). Die FBI-Agentin untersucht den Five/Nine-Hack. Sie gefällt mir ziemlich gut: Der vergleichsweise ausführliche Blick auf ihr Privatleben verrät, dass sie eigentlich keins hat – sie sieht nachts alberne Fernsehsendungen und versucht, zu irgendwelchen Flirt-Chats zu masturbieren, was sie dann aber aufgibt, um ihre virtuelle Assistentin, die hier nicht Siri oder Cortana, sondern Alexa heißt, zu fragen, wann endlich das Ende der Welt bevor steht. Doch Alexa hat leider nur eine ernüchternd rationale Antwort parat. Auch an der Art, wie DiPierro sich dann für ihren neuen Arbeitstag zurecht macht, ist deutlich zu sehen, dass sie keine allzu positive Lebenseinstellung hat, obwohl sie zweifelsohne gut in ihrem Job ist. Das gefällt mir.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Dominique DiPierrio (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Dominique DiPierrio (Grace Gummer)

Jetzt, nachdem mit Gideon Goddard und Romero zwei irgendwie involvierte IT-Experten ermordet wurden, wird der ganze Fall einerseits mysteriöser, andererseits entdeckt sie zufällig auch etwas Interessantes: Als gute Ermittlerin weiß DiPierro natürlich, dass Romeros Mutter an Arthritis leidet und ihr Sohn sie gegen die Schmerzen mit seinem guten Zeug versorgt hat. DiPierro kann ganz akzeptable Joints bauen – damit bekommt sie die Alte rum, sich mit ihr zu unterhalten. Die kann ihr nicht groß helfen – aber auf der Suche nach einem Wasserglas findet Dom DiPierro zufällig Ausdrucke von merkwürdigem Code und einen End-of-the-World-Party-Flyer. Der sie dann wiederum zu der Arcade der Fun Society führt. War Romero, der seinen Rechner mit Thermit gegen unbefugten Zugriff geschützt hat, das die relevanten Teile zerstört, wenn unbedarfte Bullen ihn auslesen wollen, tatsächlich so blöd und leichtsinnig? Unfassbar.

Bestimmt gibt es in den Codezeilen zur eigentlichen Kernel panik, die bei UNIX-Systemen bedeutet, dass das System nicht mehr kontrolliert betrieben werden kann (bei Windows kommt dann der berühmte Blue Screen), die zu Elliots Zusammenbruch eingeblendet werden, auch noch tolle Dinge zu entdecken, aber damit kenne ich mich nicht so aus, da warte ich auf die Fachpresse. Ansonsten bin ich sehr froh, dass es genauso schlimm weiter geht, wie zu erwarten war.

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Ein entscheidender Hinweis

Screenshot Mr Robot eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd: Ein entscheidender Hinweis