Quantico – unterhaltsamer Terror-Trash

Quantico ist eine dieser Serien, mit denen ich prinzipiell ein Problem habe, weil sie von Menschen handelt, die sich ganz klar auf die Seite eines „Guten“ schlagen, das ich durchaus fragwürdig finde: Armee, Polizei, FBI, BKA, CIA, SEK, irgendeine Institution jedenfalls, die schon deshalb „gut“ sein soll, weil sie den Staat (und dessen Gewaltmonopol) repräsentiert. Und damit die Werte, die gemeinhin damit verbunden werden, Recht und Ordnung, Demokratie, Freiheit und so weiter – Dinge eben, für die es sich angeblich zu kämpfen lohnt. Und zwar mit allen Mitteln.

Gekämpft wird ständig in Quantico – auch wenn immer wieder reichlich unklar ist, wer gegen wen und warum. Aber eigentlich ist Quantico ein kleiner Ort in Virginia, der hauptsächlich aus einer Kaserne des Marine Corps besteht, auf dessen Gelände auch die FBI-Akademie liegt, um die es in der Serie geht. Hier werden neue FBI-Agenten ausgebildet – und wie man sich denken kann, landen hier nur die besten der besten, also wahnsinnig begabte, ehrgeizige junge Menschen, die den unwiderstehlichen Drang haben, Menschen, die USA und am besten gleich die ganze Welt zu retten.

Quantico Bild: prosieben.deQuantico Bild: prosieben.de

Quantico Bild: prosieben.de

Die talentierteste Anwärterin ihres Jahrgangs ist Alex Parrish (gespielt von der Bollywood-Schönheit Priyanka Chopra), die aber gleich am Anfang der Serie in eine ungeheure Verschwörung gerät, so dass sie als Hauptverdächtige für ein Attentat auf das Grand Central Terminal in New York gilt und ihre Fähigkeiten erstmal dazu einsetzen muss, zu beweisen, dass sie es nicht gewesen sein kann, indem sie die tatsächlichen Attentäter findet.

Das ist ziemlich dick aufgetragen und es gibt natürlich reichlich Verwicklungen und mehr oder weniger überraschende Wendungen, weil so ziemlich alle der hoffnungsvollen FBI-Anwärter dunkle Geheimnisse verbergen, die eigentlich beim üblichen Backgroundcheck hätten auffallen müssen. Die aber aus Gründen erst ans Licht kommen, wenn es dramaturgisch gerade passt. Die Serienmacher sind hier nicht gerade zimperlich – natürlich könnte es am Ende eigentlich jede und jeder gewesen sein. Und nach und nach entpuppt sich das ganze FBI als verlogene und ziemlich verrottete Institution – was in der Realität vermutlich stimmt, innerhalb der Serienlogik aber unglaubwürdig ist, denn trotz aller schlimmen Dinge, die passieren, retten die besseren unter den FBI-Leuten ja trotzdem ständig die Welt oder zumindest sich gegenseitig.

Am Ende wird ein ehemaliger FBI-Anwärter, der als Analyst gearbeitet hat, als Attentäter überführt – der behauptet aber, zu dieser Tat gezwungen worden zu sein und begeht Selbstmord. Kurz danach gibt es einen weiteren Anschlag – genau, wie Alex, die mittlerweile von allen für verrückt gehalten wird, vorausgesagt hat: Es gibt mindestens noch eine weitere Bombe. Und damit weitere mögliche Attentäter.

Quantico: Liam O'Connor (Josh Hopkins), Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), Alex Parrish (Priyanka Chopra), Ryan Booth (Jake McLaughlin), Raina Amin (Yasmine Al Massri), Simon Asher (Tate Ellington), Caleb Haas (Graham Rogers) und Shelby Wyatt (Johanna Braddy)

Quantico: Liam O’Connor (Josh Hopkins), Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), Alex Parrish (Priyanka Chopra), Ryan Booth (Jake McLaughlin), Raina Amin (Yasmine Al Massri), Simon Asher (Tate Ellington), Caleb Haas (Graham Rogers) und Shelby Wyatt (Johanna Braddy)

Das erinnert alles ziemlich an Homeland, nur eben mit FBI statt CIA – allerdings gleicht die Machart eher der ebenfalls klischeegetriebenen und krawalligen Anwaltsserie How To Get Away With Murder: Es gibt verschiedene Zeitebenen, wodurch die Handlung rasanter vorangetrieben werden kann. Einerseits wird rückblickend die Geschichte der FBI-Anwärter erzählt, die eine harte, aber gründliche Ausbildung durchlaufen, andererseits gibt es den Terror-Anschlag, der nach dem Dienstantritt des neuen FBI-Jahrgangs stattfindet. Mir geht diese Konstruktion allerdings zunehmend auf die Nerven, zumal ich es nicht leiden kann, wenn immer wieder längere Sequenzen in Ermangelung intelligenterer Einfälle einfach mit zu lauter und nicht mal guter Musik unterlegt werden. Wobei die Dialoge auch nicht besonders brillant sind – dabei sollte man doch eigentlich annehmen, dass es, wenn sich hochbegabte Alleskönner treffen, eine Menge interessanter Gesprächsthemen geben sollte, die über das übliche Wer-mit-wem- und Ich-bin-besser-Geschwätz hinausgehen. Oder zieht das FBI tatsächlich in erster Linie ehrgeizige Anti-Intellektuelle an? Dann verwundert es allerdings nicht, dass die Terroristen immer ein paar Schritte voraus sind.

Insbesondere in den ersten Teilen der Serie liegt der Focus allerdings auf der Ausbildung und dem Teambuilding in Quantico, wo sich die neuen FBI-Azubis erstmal zusammenraufen müssen. Da wären neben Alex Parrish Ryan Booth (Jake McLaughlin), mit dem Alex auf dem Weg nach Quantico schon ein heißes Date hatte, obwohl oder eher weil er gar nicht ihr Typ ist. Dann gibt es die sehr blonde, sehr reiche und sehr begabte Shelby Wyatt (Johanna Braddy), deren Eltern am 11. September 2001 umgekommen sind, den angeblich schwulen Juden Simon Asher (Tate Ellington), der verheimlicht, dass er schon in der israelischen Armee gedient hat, die moslemischen Zwillingen Nimah und Raina Amin (Yasmine Al Massri), die als eine Person auftreten sollen, die ehrgeizige Ex-Polizistin Natalie Vazquez (Annabelle Acosta) und Caleb Haas (Graham Rogers), der nur aufgenommen wurde, weil seine Eltern beide schon beim FBI waren – der sich am Ende aber als weniger doof heraus stellt, als er den Anschein erweckt.

Quantico - Alex in Aktion Bild: prosieben.de

Quantico – Alex in Aktion Bild: prosieben.de

Und dann gibt es noch Assistant Director Miranda Shaw (Aunjanue Ellis), die sich um ihren vorbestraften Sohn Charly sorgt, der plötzlich verschwindet sowie den Ausbilder Liam O’Connor (Josh Hopkins), der, wie eine Reihe anderer FBI-Agents auch, darunter leidet, vor Jahren einen verheerenden Anschlag nicht verhindert zu haben. Und wie sich herausstellt, einer der wenigen Menschen ist, die die wahre Identität von Alex Vater kennen: Der war nämlich früher Liams Chef und kam noch weniger mit dem Versagen seiner Institution klar als Liam. Ach ja, fast vergessen, Alex hatte eine traumatische Kindheit mit einem saufenden Vater, der ihre Mutter verprügelte – bis Alex ihn erschoss, um ihre Mutter zu beschützen. Die, wie Alex in Quantico herausfindet, möglicherweise mit dem pakistanischen Geheimdienst in Verbindung stand.

Subtil ist an dieser Serie gar nichts – und das Grande Finale der ersten Staffel ist so brachial spektakulär, dass man sich gar nicht mehr fragt, was der echte Attentäter, der im Laufe der vielen Folgen so ziemlich alle von Alex Mitbewerbern zu irgendwelchen schrecklichen Handlungen gezwungen hat, eigentlich für ein Motiv für eine dermaßen grauenhafte Tat haben könnte – immerhin kann man sich merken, dass die größte Gefahr für das FBI vom FBI selbst ausgeht. Was man unter Ironie verbuchen könnte, wenn man den Serienmachern so etwas unterstellen möchte und das tue ich definitiv nicht. Ich halte sie eher für schizophren: Diese schweinecoolen FBI-Leute sind so gut, dass sie sogar mit sich selbst fertig werden, wenns drauf ankommt. Und es kommt eigentlich immer drauf an.

Bleibt die Frage, warum ich mir das eigentlich angesehen habe? Vielleicht, weil Quantico plakativer Terror-Trash ist, den man sich einfach aus Spaß reinziehen kann, wenn man gerade nichts besseres vor hat. Und Priyanka Chopra als unkaputtbare Super-Agentin ist natürlich auch ein Argument.

Emmy Awards 2016: Diversität und Monokultur

Weil ich ja leider nachts schlafen muss, um tagsüber für meinen Job fit zu sein, konnte ich mir die Verleihung der 68. Emmy Awards heute erst als Feierabend-Event reinziehen – ohne Werbung zwischendurch waren es etwas über zwei Stunden, das kann man schon aushalten, auch wenn sich alle Preisträger bei Cast, Crew und Familie bedanken müssen (immerhin in wechselnder Reihenfolge), was dann irgendwann doch langweilig wird, genau wie die unvermeidlichen Politwitze: Donald Trump hat eine ganze Reihe von RL-Memes gesetzt, denen man einfach nicht entkommen kann. Make the Emmys Great Again. Make Television Great Again. And somehow we make the Mexicans pay for that. And so on.

Nichtsdestotrotz war Jimmy Kimmel gut in Form, und alles in allem ist der Abend ja gut ausgegangen: Rami Malek hat den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie gewonnen, was mich natürlich sehr freut, wobei für mich auch okay gewesen wäre, wenn Bob Odenkirk ihn für Better Call Saul bekommen hätte. Und klar, auch die anderen waren alle sehr gut, aber Mr. Robot ist nun mal die beste der hier nominierten Serien, auch wenn Better Call Saul nur knapp dahinter liegt.

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

Ich denke, dass hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, dass Rami Malek der einzige nicht eindeutig weiße männliche Schauspieler unter den Nominierten in dieser Kategorie war – was seiner Performance keinen Abbruch tut, denn Rami Malek ist einfach der beste denkbare Elliot Alderson. Aber so betont divers, wie sich die Emmys dieses Mal gegeben haben, liegt der Verdacht nahe – und das kritisiere ich ausdrücklich nicht: Vor wenigen Jahren noch hätte ein arabisch-stämmiger Schauspieler vermutlich gar keine Chance gehabt, eine Hauptrolle in einer stylischen, coolen, sehr ambitionierten US-amerikanischen Primetime-Serie zu spielen.

Unter den Nominierten waren insgesamt durchaus zahlreiche Afroamerikaner, so hat beispielsweise Courtney B. Vance den Emmy als beste Hauptdarsteller in einer Mini-Serie gewonnen oder Sterling K. Brown den als bester Nebendarsteller, die beste weibliche Nebendarstellerin in der Kategorie war Regina King. Und natürlich sind auch die Master-of-None-Autoren (und Darsteller) Aziz Ansar und Alan Yang Vertreter von Minderheiten – wobei der aus Taiwan stammende Alan Young bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Autor einer Comedy-Serie daran erinnert hat, dass es ungefähr genauso viele Amerikaner ostasiatischer wie italienischer Herkunft gibt – was sich aber in der Film- und Fernsehgeschichte der USA bisher nicht niedergeschlagen habe, im Gegensatz zu den Italienern mit ihren ikonischen Mafia-Dramen. Und er forderte die asiatischen Eltern auf, ihren Kindern Kameras statt Geigen in die Hand zu geben – dann hätten sie vielleicht auch mal eine Chance.

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Und insofern geht natürlich auch total in Ordnung, dass Jeffrey Tambor einen Emmy für seine Darstellung von Moira Pfefferman in Transparent wieder eine Auszeichung bekommen hat – und der gleichzeitig betonte, dass es hoffentlich das letzte Mal sei, dass er als Mann für die Darstellung einer Transgenderfrau herhalten musste, lieber solle man doch den echten Transgenders eine Chance geben.

Passend dazu hat Jill Soloway, die einen Emmy für die beste Regie in einer Comedy-Serie – eben Transparent – bekommen hat, die Kleiderordnung für Frauen souverän missachtet: Die Kombination von Bluse (mit Schleife) und Blazer war gewagt, aber total misslungen, rausgerissen haben das nur die roten Sportschuhe. Vor der Verweigerung der üblichen Highheels habe ich echt Respekt – mir ist ohnehin ein Rätsel wie andere Frauen Folterwerkzeuge mit 8 bis 10 Zentimeter Absatzlänge (oder gar mehr) einen Arbeitstag oder Abend am Fuß ertragen können. Wenn die Schuhe sehr gut gepolstert sind, kann ich das auch mal für ein paar Stunden ab, aber laufen in dem Sinne geht damit einfach nicht. Es gibt so vieles, was Frauen sowieso immer noch aushalten müssen – warum dann auch noch unbequeme Schuhe?! Männer tun sich das doch auch nicht an!

Wo wir aber gerade bei Frauen sind: Mich hat natürlich auch der Emmy für Susanne Bier gefreut, die als beste Regisseurin einer Miniserie den Preis für ihre Arbeit mit The Night Manager bekam. Es gibt ja nun wirklich nicht viele weibliche Regisseurinnen und noch weniger international anerkannte – aber vielleicht ändert sich das ja nun auch langsam mal. Wobei mich dann doch schon wieder ein bisschen genervt hat, dass Veep mit Emmys förmlich überhäuft worden ist. Ja, eine Comedyserie über eine erste weibliche US-Präsidentin ist schon lustig, und die Entschuldigung von Julia Louis-Dreyfus für das eigenartige politische Klima in den USA – eigentlich hätten sie ja eine Comedy-Serie machen wollen, nun sei Veep aber leider eine Dokuserie über den traurigen alltäglichen Wahnsinn – fand ich auch total sympathisch – aber ab und zu hätte in Sachen Comedy auch mal eine andere Serie irgendwas gewinnen können, so ging Silicon Valley komplett leer aus.

Genau wie bei den Dramaserien, wo Game of Thrones wieder so ziemlich alles abgeräumt hat: ja, das ist gewiss eine grandiose Serie, aber für alle, die es nicht so mit Drachen und epischen Schlachten haben, gibt es auch noch ziemlich gutes Fernsehen – so fällt mir gerade auf, dass es nicht eine einzige Nominierung für Halt and Catch Fire gab, was auch eine ziemlich gute Serie ist. Oder für Manhattan. Und tolle Serien wie Fargo oder Better Call Sauldie ebenfalls nominiert waren, konnten dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen. Und bei den Mini-Serien war es nicht besser, da hat The People vs. O. J. Simpson fast alles andere platt gemacht.

Wobei, ich muss zugeben, dass es sympathische Ausreißer gab, etwa den Emmy für die beste männliche Gast-Rolle, der an Peter Scolari ging, der in Girls Hannahs Vater spielt oder für Margo Martindale, die sozusagen das weibliche Pendant in The Americans gab. Insofern sind auch die Emmys längst noch nicht so ausgewogen und perfekt, wie sie sich gerade feiern. Aber immerhin schon sehr viel weiter als die Oscars – was auch ständig betont wurde. Jimmy Kimmel hat das in löblich kritischer Selbstanalyse ja während der Show definiert:“Was wir hier in Hollywood noch mehr schätzen als Vielfalt, ist, uns selbst dafür zu feiern, wie sehr wir Vielfalt schätzen.“ Das ist aber genau die Selbstreflexion, zu der das Fernsehen bereits in der Lage ist. Mal sehen, wann das in der Kino-, äh Blockbusterindustrie denn ankommt.

eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Unheimliche Begegnungen der dritten Art

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes

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Die ersten 20 Minuten der neuen Folge von Mr. Robot sind ein einziger langer WTF-Moment – wobei ich mir den gleich im Anschluss noch einmal ansehen musste: Schrecklichstes End-80er-Anfang-90er-Fernsehen, in exakt dem Format und der Auslösung, in der wir damals eben auch fern sehen mussten. Aber wir waren ja nichts anderes gewöhnt. Elliot ist in einer Anfang-90er-Sitcom gelandet und sitzt neben seiner entsprechend gestylten Schwester Darlene, die auf einem historischen Gameboy-Modell von Nintendo spielt – auf dem Display sieht Elliot allerdings jene schreckliche Szenen, in denen er von Rays Leuten zusammengeschlagen wird. „Schau immer schön nach vorn, auf die Straße vor dir!“ sagt sein Vater, der am Steuer sitzt, daneben Elliots Mutter, wie immer rauchend.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Familienausflug der Aldersons

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Familienausflug der Aldersons

Die Aldersons sind auf einem Familienausflug und unterhalten sich, wie man das ein einer Sitcom so tut, sie machen Witze über Elliot und über sich gegenseitig, und das Publikum lacht vergnügt. Nur Elliot ist mit der Situation nicht so richtig zufrieden, er will wissen, was hier vorgeht, aber nun ja, alle wissen, dass Elliot nicht ganz dicht ist und behandeln ihn entsprechend. Wobei die Witze immer fieser werden und Mutter Alderson die schnippische Darlene schließlich wiederholt  k.o. schlägt.

Als sie zum Tanken anhalten und Elliot im Tankstellenshop ALF begegnet, wundert man sich sowieso über nichts mehr – Elliots Eltern nehmen nur schnell noch die Gelegenheit war, ein paar Säcke voll Naschwerk und Zigaretten zu klauen – nachdem sie Angela, die auf gutem Weg zur Tankstellen-Chefin ist, mit Pfefferspray aus dem Verkehr gezogen haben. Ach ja, sie haben auch noch Tyrell Wellick im Kofferraum, im alternativen-Sitcom-Vorspann zu Mr. Robot als „Special Guest Star: Man in The Trunk“ angekündigt. Und der tote Gideon hat einen skurrilen Gastauftritt als Cop – aber er wird leider gleich wieder von ALF überfahren.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Außerirdische unter sich

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Außerirdische unter sich

Am Ende stellt sich natürlich heraus, dass Elliots Hirn sich das alles zusammenfantasiert, um dem Schmerz zu entgehen, der, nachdem er im Krankenhaus zu sich kommt, über ihn herfällt. Dieses Mal sieht Elliot wirklich ramponiert aus – Rays Schläger sind offenbar gut darin, ihren Opfern Schmerz zuzufügen. Ray macht Elliot in einem langen Monolog über seinen kranken Hund noch einmal ausdrücklich klar, wer hier der Boss ist – die Folge heißt schließlich nicht zufällig eps2.4_m4ster-s1ave.aes.

Derweil versuchen Darlene, Mobley und Trenton Angela binnen 24 Stunden das Hacken beizubringen – denn mit einfach ein Gerät in den 23. Stock zu stellen, wie Darlene Angela den Job schmackhaft machen wollte, ist es natürlich nicht getan. Schließlich muss die Femtozelle erst mal aktiviert und sowohl mit dem Netzwerk im Gebäude als auch mit dem WLAN verbunden werden, mit dem Darlene auf den Datenverkehr innerhalb der Mobilfunkzelle zugreifen will.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Gideon als Cop

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Gideon als Cop

Angela ist zwar motiviert und gibt sie wirklich Mühe, aber sie hat von dem, was sie da tun soll, nicht allzu viel Ahnung. Aber weil nach dem Attentat auf die FBI-Delegation in China Alarmstimmung herrscht, soll das FBI-Büro in E-Corp-Gebäude wieder aufgelöst werden. Darlene und ihre Leute müssen also sofort handeln, sonst ist die Chance, gerade noch rechtzeitig ins FBI-Netzwerk einzudringen, für immer verspielt. Das Mobilfunkgerät, mit dem die Femtozelle aufgespannt werden soll, liefert ausgerechnet Darlenes Ex-Freund Cisco über seine chinesischen Dark-Army-Kontakte. Die haben ihm bei der Gelegenheit allerdings noch einmal nachdrücklich klar gemacht, dass er zu viele Fragen stellt und sich bitte schön dran erinnern soll, wem seine Loyalität gelten sollte – Cisco wird zwar nicht so misshandelt wie Elliot, aber gemein sind die Chinesen auch.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: So installiert man eine Femtozelle

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: So installiert man eine Femtozelle

Angela erkennt in Cisco natürlich den Typ wieder, der ihr diesen ganzen Ärger überhaupt eingebrockt hat. Aber sie bleibt dabei und sie schlägt sich ziemlich gut, auch wenn bei ihrer riskanten Operation nicht alles glatt geht. Angela ist zwar nicht so cool und nervenstark wie Darlene und ihre Hackerfeunde, aber sie ist fokussiert genug, um auch bei unerwarteten Schwierigkeiten durchzuhalten. Am Ende funktionieren sowohl die Femtozelle als auch das Netzwerk der Hacker – die Frage ist nur, was wird, wenn das alles rauskommt, spätestens, wenn das Büro geräumt wird, werden die Geräte schließlich auffallen. Angela ist von mehreren Leuten gesehen worden, vermutlich wird ihr nicht viel nützen, dass Darlene sie daran erinnert hat, ihre Fingerabdrücke überall abzuwischen.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Agent DiPierro wollte Angela nicht stören.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Agent DiPierro wollte Angela nicht stören.

Agent DiPierro will  ohnehin mit Angela sprechen – schließlich war sie bis kurz vor dem Five-Nine-Hack bei Allsafe beschäftigt. Dom ist wie wir bereits wissen, ziemlich auf Zack, sie ist auch die einzige, die durchschaut, dass der angebliche Terror-Anschlag in China nur dazu dienen sollte, die derzeit auf den Five-Nine-Fall angesetzten Ermittler auszuschalten oder wenigstens für einige Zeit von den Ermittlungen abzuziehen.

Damit ist die Folge auch schon fast wieder vorbei – Elliot wird allerdings noch aus dem Krankenhaus entführt und in einen Kellerraum gesperrt. Der Ärmste ist jetzt sprichwörtlich am Boden, wo er sich vor Schmerz weinend zusammenkrümmt. Jetzt ist es ganz gut, dass er wenigsten noch Mr. Robot hat, auch wenn der ihn nicht vor den Schlägen beschützen konnte. Elliot ist Mr. Robot plötzlich überaus dankbar, dass er noch für ihn da ist.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Ist Angela schon aufgeflogen?

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Ist Angela schon aufgeflogen?

Und er erinnert sich daran, wie sein Vater ihm von seiner Krankheit erzählt hat, und dass er seinen Job verloren hat, aber nun einen Computerladen eröffnen werde. Der kleine Elliot ist erst traurig, fängt dann aber an, sich über die neuen Möglichkeiten zu freuen – für ein Kind wie ihn ist ein Computerladen wesentlich attraktiver als einer mit Süßigkeiten. Ob er auch dort arbeiten dürfe? Bestimmt. Aber nun soll er sich erstmal einen Namen für das neue Geschäft ausdenken. Und Schnitt.

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Der kleine Elliot findet die Idee mit dem Computerladen super

Screenshot Mr Robot eps2.4_m4ster-s1ave.aes: Der kleine Elliot findet die Idee mit dem Computerladen super

Tyrant: Die dritte Staffel läuft. Und lohnt sich

Derzeit wird auch die dritte Staffel von Tyrant ausgestrahlt – genau wie bei Mr. Robot gab es am vergangenen Mittwoch in den USA die fünfte Folge, und ich warte, wenn auch nicht ganz so hibbelig wie bei Mr. Robot, doch jedes Mal gespannt auf die Fortsetzung. In der zweiten Staffel von Tyrant wird die Sache nämlich interessanter. Es kommt soweit, dass Barry Al-Fayeed (Adam Rayner) sich an einem Staatsstreich gegen seinen Bruder Jamal (Aschraf Barhom) beteiligt und am Ende der ersten Staffel im Gefängnis landet, wo er auf das Urteil wartet. Klare Sache, wie das ausgehen muss: Auf Hochverrat steht nun mal die Todesstrafe und es wird dann am Anfang der zweiten Staffel auch jemand aufgehängt.

Aber auch ein Fiesling wie Jamal kann seinen eigenen Bruder nicht einfach so umbringen, auch wenn es in der Bibel da schon andere Beispiele geben hat, nicht umsonst heißt die erste Folge der zweiten Staffel Mark of Cain. Aber wir wissen ja bereits, dass Jamal eigentlich ein Schwächling ist. Er hat Barrys Hinrichtung nur vorgetäuscht und seinen Bruder statt dessen in der Wüste ausgesetzt – soll Allah über sein Schicksal entscheiden. Barrys Familie weiß davon nichts, schockiert kehrten Molly (Jennifer Finnigan)  und ihre Kinder in die USA zurück und versuchen, nach dieser Katastrophe irgendwie weiter zu leben.

Tyrant: Bassam (Adam Rayner) wartet auf sein Todesurteil

Tyrant: Bassam (Adam Rayner) wartet auf sein Todesurteil

In Abuddin versuchen die Al-Fayeeds derweil einen großen Deal mit den Chinesen einzufädeln, gleichzeitig haben sie aber Stress mit den fanatischen Kämpfern des Kalifats, das inzwischen Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht hat. Barry hat seinen Wüstentrip mit Überlebenswillen und Glück überlebt – er wurde von zwei Beduinen-Jungs gefunden, die den an seiner Kleidung als Sträfling zu erkennenden Fremden gern gegen Belohnung ausgeliefert hätten, doch ihr Vater ist ein Beduine alter Schule: Erstens haben Beduinen etwas gegen Staaten und Regierungen an sich, die sie an ihrer alten Lebensweise hindern, und sie dazu zwingen, Grenzen anzuerkennen, die in ihren Augen keinen Sinn ergeben. Und zweitens ist die Gastfreundschaft heilig – wenn Allah diesen Fremden zu ihnen geschickt hat, dann hat er das getan, weil ihm das so gefallen hat, und natürlich müssen sie sich um ihn kümmern.

Tyrant - Despoten leben gefährlich. Irgendwer hat was dagegen, dass Abbudin Geschäfte mit China macht.

Tyrant – Despoten leben gefährlich. Irgendwer hat was dagegen, dass Abuddin Geschäfte mit China macht.

Dem Alten ist klar, dass Khalil – so nennt sich Barry jetzt – etwas zu verbergen hat – aber er ist trotzdem bereit, Khalil dabei zu helfen, nach Beirut zu gelangen. Dort will er nämlich hin. Und von da aus nach Hause in die USA. Aber natürlich kommt alles anders, denn die schöne, junge Zweitfrau (Melia Kreiling als Dalidah Al-Yazbek) des alten Beduinen wird auserwählt, um in Deutschland zur Solar-Ingenieurin ausgebildet zu werden und ihre Heimat damit voranzubringen. Aber gleich nach ihrer Abreise mit der deutschen Delegation wird sie von Anhängern des Kalifats entführt. Wie man sich denken kann, geschehen allerlei spannende und dramatische Dinge und am Ende können sich Dalidah und Khalil gegenseitig immer mal das Leben retten – Khalil entscheidet schließlich, nicht nach Beirut abzuhauen, sondern zu bleiben und gegen das Kalifat zu kämpfen.

Ironischerweise wird Bassam aka Khalil im Lauf der zweiten Staffel also vom Hochverräter zum Kriegsheld der Verteidigung Abuddins gegen die Irren vom IS promoviert, was eine nette Idee ist – er wird zum Volksheld, weil niemand weiß, dass er eigentlich ein Al-Fayeed ist. Das ist natürlich alles ganz schön überkonstruiert, aber in Homeland ist das ja auch nicht besser – und ich finde es in Tyrant sogar unterhaltsamer. Was gewiss auch daran liegt, dass die Bewohner von Abuddin ihre Regierung zu recht kritisieren dürfen, ob sie nun mehr Freiheit und Demokratie oder mehr Islam wünschen: Dieser durch Erbfolge ins Amt gelangte Präsident Jamal Al-Fayeed muss einfach weg – obwohl er der einzige Garant für Stabilität und somit das Funktionieren des Staates ist. Wie bescheuert das alles ist, kann man in allen Ländern sehen, die durch den Arabischen Frühling in Unsicherheit und Bürgerkrieg gestürzt wurden. Aber in Tyrant wird es noch einmal fernsehtauglich aufbereitet, auch wenn das zum Teil dann doch ziemlich trashig geraten ist. Aber immerhin Hochglanztrash, der Spaß macht.

Tyrant: Melia Kreiling als Daliyah

Tyrant: Melia Kreiling als Daliyah

So taucht mit Rami Said (Keon Alexander) ein früher verleugneter Sohn des alten Al-Fayeed und somit ein Halbbruder von Jamal und Bassam auf, der in Diensten der UN eine beeindruckende Militärkarriere hingelegt hat – genau so einen Typ kann Abuddin brauchen, nachdem sich General Tariq mit seiner Strategie von Härte und Angst beim Volk total unbeliebt und international untragbar gemacht hat. Deshalb kann sich die Witwe Amira Al-Fayeed auch plötzlich an den Nachkommen ihres verstorbenen Mannes erinnern, der ihr früher gewiss viel weniger willkommen war.

Molly und ihre Kinder indes sind wegen einer Erbschaftsauseinandersetzung wieder nach Abuddin zurückgekehrt – Barry gilt weiterhin als tot und sein Sohn Samy (Noah Silver) kann das Erbe seines Vater nur unter bestimmten Bedingungen antreten. Und natürlich macht Samy vor Ort erstmal sein eigenes Ding – viel mehr als die Millionen, der er möglicherweise erben kann, interessiert ihn, was aus seinem Freund und Liebhaber Abdul geworden ist. Der ist in die Hände das Kalifats geraten und Samy will ihn retten – und ja, notfalls auch mit dem Geld seines Vaters, also bietet er an, den Widerstand zu finanzieren, wenn er ein Treffen mit dem Anführer der „Roten Hand“ vermittelt bekommen kann, jenem geheimnisvollen Anführer, der das Kalifat zurückdrängen will. Am Ende kann Samy seinen Freund nicht retten, trifft aber auf Kahlil – der niemand anders als sein totgesagter Vater ist. Zum Glück überleben die beiden die Kämpfe in Maan, bei denen es ziemlich zur Sache geht – aber der verwöhnte amerikanische Jungmann Samy begegnet der Realität der jungen Menschen in anderen Ländern, die es weniger gut getroffen haben als er. Und er bekommt eine ziemlich heftige Lektion. Er muss nicht nur den Tod von Abdul verkraften, der vom Kalifat mit anderen ihrer Ansicht nach Perversen umgebracht wird, er erlebt (genau wie sein Vater), was es heißt, nicht nur für Ideale, sondern ums bloße Überleben zu kämpfen.

Tyrant: Leila (Moran Atias), Jamal (Ashram Barhom) und Rami (Keon Alexander)

Tyrant: Leila (Moran Atias), Jamal (Ashram Barhom) und Rami (Keon Alexander)

Derweil verstrickt sich Jamal einmal mehr in dämliche Aktionen, die nach hinten los gehen: Mit einem von ihm höchstselbst beauftragten Attentat tötet er versehentlich seine Mutter Amira, statt den verhassten Rami, der ihm zunehmend Konkurrenz macht. Nur zu klar, dass Jamal Rami die ganze Sache in die Schuhe schieben will. Dabei hätte er sich eigentlich ganz andere Sorgen: Bassam kann tatsächlich einen entscheidenen Schlag gegen das Kalifat landen – Molly weiß inzwischen, dass ihr Mann noch lebt und ihr Sohn bei ihm ist und sie bringt Jamals Frau Leila (Moran Atias) dazu, dafür zu sorgen, dass ihnen militärische Unterstützung gewährt wird.

Leila muss dafür ziemlich heftige Kröten schlucken – die arabische Liga verlangt für ihre Unterstützung, dass Leila als Zeugin für die Kriegsverbrechen auftritt, die ihrem Mann zugeschrieben werden. Wir und Leila wissen, dass eigentlich General Tariq dafür verantwortlich war, aber so geht halt Politik. Und Leila als gute orientalische Mutter tut natürlich alles, um ihren Sohn den Weg frei zu machen – sie willigt in alles ein, wenn nur ihr Ahmed (Cameron Gharaee) eine n Platz am Tisch bekommt. Ahmed erleidet sein eigenes Drama, seine Frau Nusrat (Sibylla Deen), die ihn immer wieder abgewiesen hat, obwohl sie ihn so liebt, ist endlich schwanger – aber eben auch traumarisiert davon, dass ihr Schwiegervater Jamal am Tag ihrer Hochzeit höchst persönlich untersucht hat, ob sie wirklich noch Jungfrau ist. Was Ahmed noch nicht weiß – er wundert sich nur, was mit Nusrat los ist.

Tyrant:  Rami (Keon Alexander)

Tyrant: Rami (Keon Alexander)

Natürlich gibt es noch weitere höchst tragische Verwicklungen, die dazu führen, dass genau zu dem Zeitpunkt, an dem Leila gegen ihren Mann aussagt, um die Arabische Liga zu befriedigen, Jamal nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Denn genau das, was man ihm vorwirft, hat er ja nicht getan. Aber dafür so viele andere miese Dinge. Insofern ist nur konsequent, dass die empörte Nusrat Jamal vor laufender Kamera niederschießt – sie kann nicht damit leben, dass dieses Arschloch wieder davon kommt.

Blöd nur, dass in der dritten Staffel schnell klar wird, dass sie diejenige ist, die auch dafür Verantwortung übernehmen muss. Natürlich darf niemand ungestraft einen Präsidenten niederschießen, schon gar nicht dessen Schwiegertochter. Jetzt geht es drunter und drüber – man weiß nicht, ob Jamal die Sache überlebt oder nicht, klar ist aber, dass Abuddin eine starke Regierung braucht, damit das Land nicht im Chaos versinkt. Und Bassam – so nennt sich Barry jetzt wieder ganz bewusst – übernimmt als Bruder des Präsidenten das Ruder, obwohl es zahlreiche Strömungen im Land gibt, die der Herrschaft der Al-Fayeeds ein Ende bereiten wollen und dem amerikanischen Fremdling prinzipiell aus tiefstem Herzen misstrauen. Bassam hat nun genau den Job, den er nie haben wollte – aber er versucht, ihn so gut wie eben möglich zu machen.

Tyrant:  Samy (Noah Silver) und Halima (Oliva Popica)

Tyrant: Samy (Noah Silver) und Halima (Oliva Popica)

Das ist der Punkt, der mir persönlich gut gefällt: Tyrant ist, bei allen blöden Klischees, die hier bemüht werden, eine Serie, die reflektiert, was man denn selbst tun würde, wenn man das Ruder in die Hand bekäme: Durch Zufall ist man in einer Position, in der man das Leben der Menschen eines ganzen Staates zum Guten oder Schlechten nachhaltig beeinflussen kann. Einerseits gibt es vielversprechende Möglichkeiten, wirklich irgendwas besser zu machen, gleichzeitig gibt es diese vielen Sachzwänge der Politik, und zwar sowohl im regionalen, nationalen als auch internationalen Rahmen, aus denen man einfach nicht rauskommt. Und man muss mit allen fiesen Partei verhandeln – mit den Islamisten, den demokratisch gesinnten Oppositionellen, die einen Neuanfang wünschen, mit der Arabischen Liga und natürlich mit dem Amis. Und alle haben ganz eigene Interessen – insbesondere die Oppositionellen sind sich keineswegs einig, was sie eigentlich wollen.

Das ist die Stärke und die Schwäche dieser Serie: Ja, alle Seiten werden nicht in ihrer ganzen Komplexität gewürdigt – aber immerhin, es kommen sehr viele verschiedene Interessen vor. Das hat man nicht allzu oft. Und sogar die Vertreter des Kalifats dürfen ab und zu einen Punkt machen – so ist es ja auch in der Realität. Natürlich ist es zynisch, Schulen und Krankenhäuser als Tarnung für militärische Ziele zu benutzen. Nichtsdestotrotz haben die Verfechter von Freiheit und Demokratie keine Skrupel, eben diese Krankenhäuser und Schulen zu zerstören, wenn es darum geht, ihre Interessen wahrzunehmen. In dem Punkt finde ich Tyrant sehr viel besser als die Kritik darüber: Hier wird wenigstens im Ansatz erklärt, warum im Nahen und Mittleren Osten, warum im Maghreb genau das passiert, was passiert: Die Leute wollen einfach ein gerechteres, ein besseres System, ein System, das einfach mal für sie da ist. Aber weder die Islamisten, noch die zynischen Vertreter des freien globalen Marktes sind in der Lage, das Leben der Menschen tatsächlich und nachhaltig zu verbessern – denn sie dienen eben ihrem Scheißsystem und nicht den Menschen, die darauf hoffen, dass sich ihre beschissene Situation endlich mal verbessert.

Barry aka Khalil (Adam Rayner)

Barry aka Khalil (Adam Rayner)

Nein, Tyrant ist natürlich nicht kapitalistisch-kritisch, wie es hier jetzt vielleicht anklingt. Das ist es definitiv nicht, genau dieses Element kommt hier eher als Folklore, denn als Erklärung vor, was ich dann auch wieder kritikwürdig finde.

Aber: Der Aufhänger zu den folgenschweren Ereignissen ist ja eben jener Familienvater, der sich selbst auf einem zentralen Platz öffentlich verbrennt, weil er keine Aussicht auf einen angemessenen Job und damit auch ein Leben für sich und seine Familie hat. Genau so hat der arabsiche Frühung angefangen – eben mit jenem Gemüsehändler mit Universitätsabschluss, der sich in Tunesien selbst verbrannt hat, weil er die Bestechungsgelder an die Behörden nicht mehr zahlen konnte, um seinen Gemüsestand weiterhin zu betreiben. Interessanterweise ist Tunesien, zumindest meinen Recherchen zufolge, das einzige Land, in dem diese „Revolution“, die aus dieser Verzweiflungstat erwuchs, irgendwas halbwegs Gutes getan hat. Es geht den Tunesiern zwar nicht gut, aber immerhin ist ihr Land nicht in Chaos und Bürgerkrieg oder unter neuer Militärherrschaft versunken.

Tyrant: Molly (Jennifer Finnegan) und Bassam Al-Fayeed (Adam Rayner)

Tyrant: Molly (Jennifer Finnegan) und Bassam Al-Fayeed (Adam Rayner)

Und ich erspare mir und allen nun eine Analyse der einzelnen Länder und dem, was seit dem arabischen Frühling alles schlechter geworden ist – aber das fiktive Abuddin ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, was um warum alles ziemlich schief läuft – ohne Patentrezepte anzubieten, warum das so ist. Man muss sich das halt ansehen – und kann sich dann entweder mehr oder weniger gut unterhalten lassen oder mal selbst drüber nachdenken. Und was diesen Aspekt angeht, muss ich Tyrant in meinem persönlichen Serien-Ranking doch deutlich höher bewerten, als die einschlägigen Kritiken nahelegen. Die sechste Folge der dritten Staffel läuft nachher in den USA.

eps2.3_logic_b0mb.hc: Und jetzt?!?

In der fünften Folge von Mr. Robot wird es nach der anfänglichen Durststrecke, in der viel erklärt wurde, aber nicht dermaßen viel passiert ist, wieder richtig spannend: Elliot hackt das FBI – eps2.3_logic_b0mb.hc beginnt mit sehr viel Code, den Elliot produziert, während er von seinem ersten Hack erzählt. Mit elf Jahren hat er die Bibliothek von Washington Township gehackt. Nicht, um etwas anzurichten, sondern um zu sehen, wie es geht. Und um dieses Gefühl zu genießen, dass man derjenige ist, der die Kontrolle über alles hat. Ja, Elliot ist ein Kontrollfreak, genau deshalb tut er, was er tut. Inzwischen hat er so viel Wissen, Erfahrung und Übung, dass er, während er an Rays Computer die Migration einer Website auf einen anderen Server vornimmt, den FBI-Hack quasi nebenbei vorbereiten kann – er braucht dann nur noch jemand, der ein entsprechend präpariertes Gerät, das sich in eine bestimmte FBI-Femtozelle einloggt, an den richtigen Ort bringt.

Screenshot Mr Robot - Elliot (Rami Malek) is hacking

Screenshot Mr Robot – Elliot (Rami Malek) is hacking

Nach Darlenes Vorstellung wird das Angela sein – sie hat schließlich Zugang zu dem Gebäude, in dem das FBI ein temporäres Büro zur Ermittlung des E-Corp-Hacks eingerichtet hat. Doch Elliot will nicht, dass Angela in diese Sache hineingezogen wird. Er hat Angela immer beschützt und will das auch weiterhin tun. Aber Darlene macht ihren Job gut – sie erklärt Angela, dass es die einzige Chance sei, ihre und Elliots Spuren zu verwischen – schließlich waren sie beide bei Allsafe an der Vorbereitung des Five-Nine-Hacks beteiligt. „Ich hoffe, dass niemand außer dir von der CD weiß.“

Verdammt noch mal, der blöde Ollie weiß davon. Also trifft sich Angela mit Ollie – der weiterhin behauptet, Angela zu lieben und sicherheitshalber auch gleich einen Lebenslauf mitgebracht hat – Angela macht ja jetzt Karriere, vielleicht kann sie etwas für ihn tun. Als Ollie von sich aus diese Sache mit der CD zur Sprache bringt, ist Angela alarmiert und stellt fest, dass Ollie ihr Gespräch mit seinem Handy aufzeichnet. Er versucht, sich herauszureden, aber damit macht er Angela erst recht misstrauisch: Sie ist inzwischen sicher, dass er beim FBI gequatscht und sie somit keine andere Wahl hat, als Darlene und Elliot dabei zu helfen, das FBI zu hacken, um ihre Spuren zu verwischen.

Mr Robot - Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Derweil räumt Joanna Wellick (Stefanie Corneliussen) mit unliebsamen Mitwissern auf – während sie ihr Baby liebkost lässt sie sich berichten, wie Mr. Sutherland (Jeremy Holm) den korrupten Parkplatzwächter Kareem umgebracht hat, nachdem der sich nicht mehr an die Regeln halten wollte. Warum er dem Typen dieses Mittel verabreichen sollte, will Mr Sutherland wissen. Ihm hätte es nichts ausgemacht, den Kerl auch einfach so umzubringen. Warum ihn erst lähmen? „Damit er weiß, warum er sterben musste,“ erklärt Joanna seelenruhig, „Wir lassen ihn mit einer Antwort sterben. Ansonsten wären wir ja gewissenlose Mörder.“

Derweil ist Agent DiPierro mit einer US-Delegation nach China geflogen, sie sollen dort in Sachen Five-Nine-Hack ermitteln. Whiterose tritt als Minister Zhang auf, der für die Sicherheit zuständig ist. Er lädt die Amerikaner zu einer Party in seinen eigenes Haus ein. Dom gerät auf der Suche nach einer Toilette zufällig einen Raum, in dem Zhang zahlreiche Uhren aufgestellt hat. Zhang entdeckt Dom und verwickelt sie in ein sehr persönliches Gespräch, in dem er Dom fragt, aus welchen Gründen ein ehrgeiziges Vorstadtmädchen wie sie beim FBI gelandet sei. Schließlich zeigt er ihr ein besonderes Werk revolutionärer chinesischer Kunst und dann etwas noch eigenartigeres: Eine Kollektion wertvoller historischer chinesischer Kleider, die angeblich seiner Schwester gehören.

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Aber Dom findet natürlich heraus, das Zhang gar keine Schwester hat. Was Zhang über Dom heraus gefunden hat, ist weniger klar, aber ich bin sicher, dass es noch eine Rolle spielen wird. Schließlich fragt er sie, ob sie je darüber nachgedacht hätte, wie die Welt aussehen würde, wenn es den Five-Nine-Hack nicht geben hätte.

Im neuen Westen sucht Angela ihren alten Freund Elliot auf, der ihr weiterhin ausreden will, dass sie sich an dem Hack beteiligt. Doch Angela hat ihre Entscheidung bereits gefällt: Sie wird tun, was Darlene von ihr will. Und sie will Elliot mitteilen, dass es ihre Entscheidung ist. Angela erklärt Elliot, dass sie einfach eine Freundin sein und ihm helfen will.

Mr Robot - Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Und Elliot kann wirklich Hilfe gebrauchen, aber an einer ganz andern Front. Denn, wie er mittlerweile herausgefunden hat, betreibt der nette Ray eine Art Silk Road, einen Marktplatz im Darknet, auf dem so ziemlich alles gehandelt wird, was es an illegalen Dingen gibt: Drogen, Waffen, Mädchen, Auftragskiller. Weil er Zugriff auf eine verschlüsselte Datenbank brauchte, hat er Ray dazu gebracht, dass er den ehemaligen Admin holt, damit der das Passwort eingeben kann, von Elliot zumindest behauptet, es nicht knacken zu können. Als Elliot wissen will, was mit dem offensichtlich ramponierten Mann passiert ist, will der nur, dass Elliot die Klappe hält. Aber als findige IT-ler finden die beiden eine Möglichkeit zu kommunizieren, ohne dass ihr Aufpasser etwas davon mitbekommt. OB Elliot tatsächlich nicht wisse, was das für eine Seite sei, an der er da arbeitet? Nein, aber das will Elliot jetzt natürlich wissen. Und RT logt sich auf einer unglaublich geheimen Seite mit der Endung .onion ein, und benutzt die Kennung „Dread Pirat Roberts“, das angebliche Pseudonym von Ross Ulbricht, der die echte Silk-Road-Plattform betrieben hat, wofür er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Aber auch nach der Verhaftung von Ulbricht im Jahr 2013 tauchen immer wieder Admins auf, die sich Dread Pirat Roberts nennen.

Mr Robot ist gar nicht begeistert von Elliots Nebenprojekt, denn Elliot will Ray nun das Handwerk legen und ein paar Leben retten – Mr. Robot dagegen findet, dass er jetzt lieber mit seiner eigenen Mission fortfahren sollte, nämlich die Welt zu retten.

Natürlich hätte Elliot auf Mr. Robot hören sollen – aber jetzt ist es zu spät… ich hasse das konventionelle Modell der Serienausstrahlung. Wie soll ich denn die kommende Woche überleben?

Mr Robot - Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

The Night Of: Scheiß auf die Wahrheit

Vor einigen Jahren sah ich Criminal Justice, eine ebenso brillante wie verstörende BBC-Miniserie über das britische Justizsystem – wobei die Serie insgesamt eher die Frage stellt, was Gerechtigkeit überhaupt ist bzw. was eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft daraus macht. Unbequeme Erkenntnis: Die Wahrheit, also das, was wirklich passiert ist, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, was die Leute glauben (wollen).

Eine junge Frau, die zur falschen Zeit am falschen Ort war, wird Opfer eines grausamen Verbrechens, und ein junger Mann, der ihr zufällig kurz zuvor begegnet ist, wird durch die Mühlen der Justiz gedreht, denn es weist so ziemlich alles darauf hin, dass er der Täter sein muss. Aber er ist sich ziemlich sicher, dass er nicht der Mörder ist. Blöd nur, dass er gemeinsam mit seinem angeblichem Opfer gefeiert hat, bis er einen Filmriss bekam und sich deshalb nicht erinnern kann, was in dieser verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert ist.

The Night Of: Nazir Khan "Naz" (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D'Elia) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan „Naz“ (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D’Elia) Bild: hbo.com

Und wie das bei wirklich guten Stoffen so oft der Fall ist, haben die Amis jetzt ihre eigene Version davon gedreht – und wie so oft, ist die US-Version ziemlich gut geworden. Genau wie es mit The Killing eine neue Version von Kommissarin Lund und mit The Bridge America eine von Die Brücke gibt, ist The Night Of eine wirklich gute Version von Criminal Justice. Einerseits finde ich etwas schade, dass europäische Serien in den USA nur eine Chance haben, wenn sie auf US-Verhältnisse angepasst werden – kein Wunder, dass die Leute da glauben, die USA sei das Maß aller Dinge und der Nabel der Welt. Trotzdem ist es für mich natürlich auch ganz interessant zu sehen, wie die Dinge in den USA gehandhabt werden.

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

Immerhin: Die Hauptrolle (im Original verkörperte Ben Whishaw den naiven Ben Coulter, der aus einer spontanen Laune heraus mit dem Taxi seines Vaters ins Verhängnis fährt) spielt der pakistanisch-stämmige Brite Riz Ahmed. Den kenne ich unter anderen aus Four Lions. Er verkörpert Nazir Khan, den bisher unauffälligen, gehorsamen und vielversprechenden Sohn pakistanischer Einwanderer, wodurch in der US-Version, die in New York spielt, noch eine rassistische Komponente hinzu kommt. In diesen Zeiten, da Moslems unter Generalverdacht stehen, gibt das der Sache einen interessanten zusätzlichen Kick. Sind es im Original die anständigen Eltern der eingeborenen weißen Londoner Working Class, die ihren Sohn nach Kräften unterstützen und einfach an dieses System glauben wollen, in dessen Mühlen ihr Sohn gerade zerrieben wird, so sind es nun die anständigen, hart arbeitenden Einwanderer, die gar keine andere Wahl haben, als an das freiheitlich- demokratische US-System zu glauben, auch wenn sie genau von diesem System ständig schlecht behandelt werden.

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

Wie auch bei The Killing oder The Bridge America ist die Geschichte sehr dicht am Original – Peter Moffat, der Schöpfer von Criminal Justice, ist auch einer der ausführenden Produzenten der HBO-Miniserie, die allerdings acht Teile hat – das BBC-Original hat fünf. Für die Rolle des Strafverteidigers war eigentlich der Sopranos-Hauptdarsteller James Gandolfini gesetzt – aber der ist bekanntlich viel zu früh von uns gegangen, deshalb müht sich John Torturro als abgerockter Strafverteidiger ab – Jack Stone ist so eine Art Jimmy McGill, der auf den großen Fall wartet, mit dem er endlich zu Saul Goodman werden kann: Ein gerissener und erfahrener Einzelkämpfer, der die hoffnungslosen Fälle vertritt. Er ist kein Star, er hat keine potente Kanzlei im Rücken, er hat ein Ekzem an den Füßen und das Problem, dass seine Klienten ihn eigentlich nie bezahlen können. Aber er ist so gut, wie man in diesem System, in es eben auch auf die Kohle ankommt, halt ohne Kohle sein kann.

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

Und er muss gegen den besten Mann im NYPD antreten und in diesem scheinbar ziemlich klaren Fall ermittelt Detective Dennis Box (Bill Camp), ein alter Fuchs, der schon alles gesehen hat. Er ist sich ziemlich sicher, dass Nazir der Täter ist, auch wenn er sich über dessen Motiv nicht klar ist und manipuliert sein gesamtes Umfeld entsprechend. Aber eben weil er ein dermaßen erfahrener Cop ist, spürt er, dass irgendwas an diesem Fall faul sein muss, auch wenn er das lange nicht einordnen kann.

Was bringt einen braven Sohn muslimischer Eltern dazu, eine solche Tat zu begehen? Auch die armen Eltern werden auf eine harte Probe gestellt: Schlimm genug, dass ihr Sohn einer solchen Tat verdächtigt wird. Aber weil er diesen ausgerechnet an diesem Abend das Taxi seines Vaters genommen hat, um zu dieser Party nach Downtown zu fahren, hat Nazir die Existenz seines Vaters ruiniert – und die seiner beiden Partner, die sich eben dieses Taxi teilen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Taxi ist nun ein Beweismittel in einem Mordfall – und kann entsprechend nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllen. Dabei wollte Nazir doch nur eins – endlich ein Mädchen kennenlernen. Immerhin ist er schon 23 und wohnt noch bei seinen Eltern. Er ist ein guter Student, er ist Tutor und gibt Nachhilfe – er hilft auch im Geschäft seiner Verwandten aus – aber offenbar ist er nicht völlig vom Lebensmodell seiner pakistanischen Familie überzeugt.

The Night Of: Die Eltern - Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

The Night Of: Die Eltern – Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

Deshalb lässt er sich auch darauf ein, diese geheimnisvolle schöne Fremde, die zu ihm ins Taxi steigt, an einen Strand zu fahren, so weit das in Manhattan möglich ist. Andrea nimmt den hübschen Jungen zu sich nach Hause – sie werfen Ecstasy ein, trinken Tequila und ziehen eine Nase Koks, Andrea scheint ein bisschen durchgeknallt zu sein, aber hey, Nazir wollte eigentlich auf eine Party und jetzt bekommt er, was er will – und Andrea will ihn offensichtlich auch. Aber irgendwann wacht Nazir vor dem offenen Kühlschrank auf und erinnert sich nicht, wie er dahin gekommen ist. Er geht nach oben, zieht sich an – es ist spät und er muss das Taxi zurück bringen. Als er Licht einschaltet, macht er es gleich wieder aus – zu schlimm ist das, was er da sieht.

Ab da nimmt das Verhängnis seinen Lauf – es ist keine schöne Serie im Sinne von guter Unterhaltung. Es geht hier nicht um Witz, Rasanz oder Coolness. Dafür gibt es andere Formate. Letztlich ist The Night Of sehr konventionell – aber das im guten Sinne, denn genau das ist hier Mittel zum Zweck: Es wird ermittelt, verhört und verhandelt. Aber das sehr intensiv und mit Liebe zum Detail. Auf das es in solchen Fällen bekanntlich ankommt. Und es wird der Alltag in Gefängnismauern gezeigt, der für normale Menschen ein absoluter Alptraum ist – denn hier sind die Kriminellen weitgehend unter sich. Gerade im Gefängnis zählen die Eigenschaften, die man für eine erfolgreiche Verbrecherkarriere braucht – hier bestimmt das Asphaltier und die Hackordnung ist strikt und erbarmungslos. Ein braver Junge wie Nazir kann hier nur Opfer sein, und als angeblicher Vergewaltiger und Mädchenmörder hat er weitere entscheidende Minuspunkte. Im Knast kann er nur überleben, wenn er mächtige Verbündete findet, und das ist noch mal ein Kapitel für sich. Draußen hingegen suchen seine Eltern nach Verbündeten. Was auch nicht einfach ist.

Insofern kann ich The Night Of absolut empfehlen. Diese Serie ist eine sehr gut gemachte Bestandsaufnahme von den Dingen, wie sie in unsere Welt nun mal sind. Das ist nicht schön, aber absolut sehenswert.

The Night Of Bild: hbo.com

The Night Of Bild: hbo.com