GOT: Schwache Staffel, versöhnliches Ende

So, vorbei. Immerhin hat der letzte Teil diese letzte, insgesamt tatsächlich eher schwachen Staffel von Game of Thrones zu einem aus meiner Sicht durchaus befriedigenden Ende geführt. Dass die großen Aufregerthemen, die durch die Medien gegangen sind, ein vergessener Kaffeebecher und schlecht versteckte Wasserflaschen aus Plastik waren, zeigt, wie es um die inhaltliche Qualität der letzten Staffel bestellt war. Dabei gehöre ich noch nicht mal zu den enttäuschten Fans, die vor Frust schier Amok gelaufen sind und eine Petition für eine Neuverfilmung der achten Staffeln „mit kompetenten Schreibern“ gestartet haben, die bereits von fast 1,5 Millionen Unterstützern unterschrieben wurde.

Game of Thrones: Daenerys im Angesicht ihres verheerenden Sieges Bild: hbo.com

Game of Thrones: Daenerys im Angesicht ihres verheerenden Sieges Bild: hbo.com

Aber ja, es stimmt schon: Aus dem gigantischen Budget, das für die letzte Staffel verbraten wurde, hätte man durchaus mehr machen können. Laut Variety hat jede der sechs Folgen 15 Millionen Dollar verschlungen – üblicherweise kostet eine Highend-Drama-Serie etwa 2 Millionen Dollar pro Folge. Da wäre es schon gut gewesen, mehr in die konsequente Entwicklung der Charaktere und damit in eine bessere Handlung zu investieren, statt in überbordende Spezialeffekte. Klar sind riesige feuerspeiende Drachen cool, und es ist teuer, mal eben eine komplette Stadt kulissenmäßig in Schutt und Asche zu legen. Aber nach dem es eine besondere Qualität der ersten Staffeln war, die Handlung auf verschlungenen Wegen vor sich hin mäandern zu lassen und statt dessen die Entwicklung von interessanten und eigenwilligen Charakteren und ihren komplizierten Beziehungen untereinander in Fokus zu stellen, zeichnete sich bereits vor der siebten Staffel ein Paradigmenwechsel ab: Jetzt ging es nicht mehr um subtile Charakterzeichnung, sondern um visuelle Überwältigung. Genau das also, was mir am aktuellen Blockbuster-Kino ohnehin schon auf die Nerven geht.

Wobei jeder der sechs Teile durchaus seine Höhepunkte hatte. Dass Arya sich Gendry ausgesucht hat, um herauszufinden, wie das mit dem Sex so geht, beispielsweise. Oder der hoch verdiente Ritterschlag für Brienne, ausgeführt von Jaime Lannister, der sie ganz offenbar zu schätzen (und vielleicht sogar zu lieben?) gelernt hat. Aber alle diese hoffnungsfrohen Momente, die letztlich auch zu sentimental für die sonst so brutale Handlung sind, führen nur wieder zu neuen Enttäuschungen. Was einerseits konsequent für die bisherige Grundlinie der Serie ist.

Andererseits teile ich insgesamt den Eindruck, dass es den Autoren in erster Linie nur noch darum zu gehen schien, mit der Geschichte endlich abzuschließen. Insofern klaffen zum Teil ganz erhebliche Logiklöcher weit offen, da werden im dritten Teil die Dothraki weitgehend ausgelöscht, zum Schluss sehen wir aber wieder eine beeindruckende Reiterarmee, bereit die ganze Welt für ihre Königin zu erobern. Was auch für die Unbefleckten gilt. Oder wir sehen, wie der Drache Rhaegal von Euron Greyjoy spektakulär vom Himmel geschossen wird, während die Skorpion-Speere Drogon nur eine Folge später schon nichts mehr anhaben können. Oder dass sich Arya, die seit langer Zeit das Ziel verfolgt, Cersei zu töten, sich in letzter Minute ausgerechnet vom Hound wie ein kleines Mädchen nach Hause schicken lässt, wo sie doch zuvor schon den den viel gefährlicheren und mächtigen Nachtkönig getötet hat – eine unglaubwürdigere Wendung kann man sich kaum ausdenken.

Dass Cersei und Jaime ganz unspektakulär unter den Trümmern der Roten Feste begraben werden, geht für mich in Ordnung, allerdings ist es völlig unwahrscheinlich, dass Tyrion später ausgerechnet über die goldene Hand seines Bruders stolpert und seine Geschwister tot auffindet, nachdem er ein paar Brocken beiseite geräumt hat. Die Burg ist im Teil zuvor mit dermaßen beeindruckenden Effekten (Drachenfeuer!) und entsprechendem Sachschaden zerstört worden, so dass eigentlich unvorstellbar ist, dass man von den Leichen überhaupt noch erkennbare Teile finden kann, selbst wenn man mit viel Aufwand danach suchen würde. Noch unbefriedigender finde ich allerdings den Umstand, dass die Gefahr des ewigen Winters mit dem Tod des Nachtkönigs mal eben komplett und für immer gebannt ist, insofern bräuchte es ja tatsächlich keine Nachtwache mehr, zu der Jon für den Rest seines Lebens verbannt werden könnte. Aber wie Tyrion erklärt, man braucht sie eben doch als Zufluchtsstätte für gescheiterte Existenzen. Nun ja. Immerhin kann Jon am Ende genau das tun, was er sein Leben lang tun wollte: Mann der Nachtwache sein und das Reich beschützen, vor was auch immer.

Den Job hat er bisher schon immer wieder ganz gut erledigt, auch wenn nicht auf die Art und Weise, die er selbst oder das Publikum erhofft hat: Oft genug stolpert er in der letzten Staffel mit dem Schwert in der Hand durch die Gegend, ohne wirklich etwas ausrichten zu können. Die größte Tat begeht er ausgerechnet mit dem Verrat an seiner geliebten Königin, nachdem Jon erkennen musste, dass Daenerys nicht die gerechte und gütige Herrscherin sein wird, die sie werden wollte. Es hatte sich allerdings schon in den vergangenen Staffeln abgezeichnet, dass Daenerys berechnend und grausam sein kann. Wer immer sich ihr in den Weg stellte, wurde niedergemetzelt oder verbrannt, nur traf es am Anfang immer die Bösen. Inzwischen ist Daenerys dermaßen davon überzeugt, dass der Zweck die Mittel heiligt, dass sie wahl- und zahllos Unschuldige tötet, weil sie damit ja ihr gutes Ziel verfolgt: Die ganze Welt von Fremdherrschaft zu befreien und ihre eigene, ihrer Ansicht nach ideale, Herrschaft zu zementieren. Natürlich musste sie sterben und es konnte nur Jon sein, weil er der einzige war, der bis zum Schluss ihr Vertrauen besaß und dicht genug an sie heran kam.

Game of Thrones: Die Stark-Geschwister Arya, Bran und Sansa. Bild: hbo.com

Game of Thrones: Die Stark-Geschwister Arya, Bran und Sansa. Bild: hbo.com

Als idealere Herrschaft wird danach eine Art aufgeklärte Monarchie mit Wahlkönigtum eingeführt, Sam sorgt noch für ein paar Lacher, als er vorschlägt, dass alle Menschen in Westeros eine Wahl haben sollten. Doch für dermaßen radikale Vorstellungen von Basisdemokratie sind die anderen noch nicht reif. Stattdessen sollen Vertreter der bisherigen sieben Königreiche und sonst durch verdienstvolle Taten aufgefallene Edelleute den neuen König wählen. Auch hier wird nicht erklärt, wie das Sammelsurium mehr oder weniger bekannter Figuren zustande kommt, das offenbar auf die Initiative von Grauer Wurm zusammengerufen wurde, um die künftigen Herrschaftsverhältnisse in Westeros zu klären.

Die Verräter Jon Snow und Tyrion Lannister gehören aus naheliegenden Gründen nicht dazu. Um so erstaunlicher, dass der in Ketten vorgeführte Zwerg überhaupt angehört wird. Und der macht natürlich von seinem Talent, alle anderen an die Wand zu quatschen, gebrauch und überrascht mit dem Vorschlag, ausgerechnet den Krüppel Bran zum König zu wählen. Wobei natürlich auch vieles dafür spricht, den Dreiäugigen Raben zu wählen, denn er weiß ja tatsächlich mehr als alle anderen.

Und der frisch gekürte König Bran, erster seines Namens, macht in seiner Weisheit Tyrion zu seiner Hand, damit der den Rest seines Lebens seine Fehler wieder gut machen kann. Doch, das geht okay. Und auch, dass Sansa durchsetzt, dass der Norden unabhängig bleibt, mit ihr als Königin des Nordens. Wobei man sich dann natürlich schon fragen könnte, warum die anderen dann nicht auf die Idee kommen, dass auch Dorne oder die Eiseninseln oder was auch immer unabhängige Reiche bleiben könnten. Aber egal, wir müssen ja irgendwie mal zum Ende kommen.

Als eine Winter habe ich überhaupt nichts gegen den Mehrfach-Triumph der Starks, mit Sansa als Königin des Nordens, Jon jenseits der Mauer und Bran auf dem Thron kann nichts mehr schief gegen, und wer weiß, was Abenteuerin Arya im Westen noch entdecken mag. Das ist ein versöhnliches Ende nach so viel Blutvergießen, Hass und Zerstörung. Ich kann gut damit leben und freue mich auf neue Serien. Gern auch ohne Drachen.

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Gomorrha: Das realistische Bild bekommt Risse

Mit „Krieg“ ist jetzt der letzte der zwölf Teile von Gomorrha gelaufen und es gab zum Schluss noch einmal sehr viele Tote – wobei es ja auch in den elf Teilen zuvor schon ziemlich zur Sache ging. Gomorrha ist eine unglaublich brutale Serie – insbesondere, weil sie ein gnadenlos realistisches Bild der Camorra zeigt. Es ist keine augenzwinkernde Familiengeschichte wie Die Sopranos, in der es ja auch jede Menge Gewalt und Verbrechen gibt, und auch kein historisches (und ebenfalls sehr blutiges) Panorama wie es in Boardwalk Empire aufgespannt wird.

Screenshot Gomorrha: Das Grab der Immacolata Savastano

Screenshot Gomorrha: Das Grab der Immacolata Savastano

Gomorrha konzentriert sich auf eine Geschichte, die konsequent durchgezogen wird: Den Niedergang des neapolitanischen Savastano-Clans. Wie schon zum Auftakt der Serie beschrieben, strebt der junge Ciro di Marzio nach Höherem: Er will zum Vertreter seines Bosses Don Pietro aufrücken, nachdem Don Pietro für seine illegalen Machenschaften im Knast landet. Aber weil er nicht zur Familie gehört, begeht Donna Savastano einen verhängnisvollen Fehler: Sie will Ciro aufs Abstellgleis schieben und ihren Sohn Gennaro als neuen Chef installieren. Leider ist Genni ein verzogenes Muttersöhnchen und noch nicht reif für den harten Job – und Ciro wird auf eine harte Probe gestellt. Aber weil er ein loyaler Soldat ist, unterstützt er Genni – außerdem kann er auf diese Weise Einfluss ausüben. Das passt Mamma Imma ganz und gar nicht. Sie schickt Ciro nach Spanien, damit er wieder mit dem Chef des konkurrierenden Mafia-Clans Salvatore Conte ins Geschäft kommt. Conte kontrolliert den gesamten Drogennachschub – und die Savastanos verdienen nichts, wenn sie keinen guten Stoff zu verkaufen haben.

Screenshot Gomorrha: Ciro und Gennaro

Screenshot Gomorrha: Ciro und Gennaro

Pikant an der Sache ist allerdings, dass Don Pietro Ciro befohlen hatte, einen Brandanschlag auf die Wohnung von Contes Mutter zu verüben – auf Ciro ist Conte also ganz besonders schlecht zu sprechen. Insofern ist klar, dass der Trip nach Barcelona ein Himmelfahrtskommando ist. Aber Ciro wäre nicht der Unsterbliche, wenn er sich von Conte und seinen Leuten umbringen ließe – und der schlaue Conte nutzt Ciros einzigartige Überlebensfähigkeiten gleich aus, um mit der Russenmafia ins Geschäft zu kommen.

Die Russen machen nämlich richtig Ärger und halten sich nicht einmal an den Ehrenkodex der Mafia – mit solchen Leuten will Conte erst gar nicht selbst verhandeln. Ciro gelingt es, einen für Conte akzeptablen Deal einzufädeln und lebendig wieder nach Neapel zurückzukehren. Allerdings erweist sich Donna Imma als ärgerlich undankbar. In der Zwischenzeit hat sie ihren Sohn gewissermaßen als Turbo-Ausbildung nach Nicaragua geschickt, um dort einen für die Savastanos günstigeren Drogendeal auszuhandeln. Und tatsächlich kommt ein verwandelter Gennaro aus Mittelamerika wieder – er trägt nicht nur eine neue Frisur, die sein Gesicht kantiger und härter aussehen lässt, sondern hat jetzt auch einen echten Killerblick.

Die Reise nach Nicaragua war also ein voller Erfolg – Gennaro ist nicht mehr darauf angewiesen, sich mit Ciros Hilfe Autorität zu verschaffen, das kann er jetzt selbst. Und das nutzt er auch aus – nachdem es erst so aussah, als würde die berechnende Donna Imma zur neuen Herrscherin des Clans aufsteigen, wird sie von ihrem Sohn zur Seite geschoben, der nun seinerseits die Macht beansprucht und sich dabei vor allem auf seine jungen, testosterongetriebenen Kumpels stützt, denen die Knarre locker in der Hose steckt.

Screenshot Gomorrha: Gennaro Savastano

Screenshot Gomorrha: Gennaro Savastano

Ciro kapiert, dass Gennaro sich von ihm nichts mehr sagen lassen wird – und weil man einen guten Soldaten nur braucht, wenn Krieg ist, zettelt er einen an: Ciro zieht sich einen jungen Helfer heran, der als Reifeprüfung schließlich ein Attentat begeht und dabei einen hohen Funktionär des Conte-Clans niederschießt. Zu spät erkennt der junge Daniele, für was er da benutzt worden ist und taucht ab – nicht nur, weil ihm klar ist, dass Conte und seine Leute hinter ihm her sind, sondern auch, weil er kapiert, dass Ciro keineswegs sein Freund ist. Ciro seinerseits setzt alles dran, Daniele zu finden und zu beseitigen – schließlich sollen alle glauben, dass das Attentat auf Gennaros Konto geht und Daniele ist der einzige, der außer Ciro weiß, was wirklich Sache ist.

Screenshot Gomorrha: Gennis Jungs

Screenshot Gomorrha: Gennis Jungs

Aber so einfach ist die Sache nicht – da hilft es nicht einmal, dass Ciro Danieles Freundin Manu zu Tode foltert, sie weiß auch nicht, wo Daniele ist. Der verzweifelte Daniele ruft schließlich seinen großen Bruder um Hilfe an, der ausgerechnet der Fahrer von Salvatore Conte ist. Er ist in jeder Beziehung am Ende – er hat im Fernsehen gesehen, dass eine verbrannte Frauenleiche gefunden wurde, die als einzigen Hinweis einen auffälligen Brillantring trug: Genau diesen Ring hatte er Manu von seinem Judaslohn gekauft. Insofern ist es eine Erlösung, dass sein Bruder Conte zu ihm führt – der ihm erst wie versprochen vergibt, um ihm dann eine Kugel in den Kopf zu jagen.

Und so geht es die ganze Zeit: Immer tritt die schlimmstmögliche Wendung ein, und wenn etwas erst einmal glimpflich auszugehen scheint, dann nur, weil es am Ende zu noch fataleren Folgen führt: Die ganze Welt von Gomorrha ist hässlich und dunkel, da hilft weder die südliche Sonne, noch das blaue Mittelmeer. Der Arm der Mafia ist lang und grausam – und Widerstand scheint zwecklos. Es hilft nicht, dass die besorgten Mütter ihren kleinen Jungs verbieten, sich mit den großen Jungs von der Mafia einzulassen: Wenn der Boss mit der neuen Playstation vor der Tür steht, ist ohnehin scheißegal, was die Mama dazu sagt. Überhaupt ist es herzzerreißend anzusehen, wie die Mafia ihren Nachwuchs rekrutiert – aber was die Jungs denn für Alternativen? Mit echter Arbeit Geld zu verdienen ist nicht so einfach, wenn es kaum Jobs gibt, die nicht von der Mafia vergeben werden.

Screenshot Gomorrha: Ciros Familie auf der Flucht

Screenshot Gomorrha: Ciros Familie auf der Flucht

Aber auch mit ihren eigenen Leuten kennen die Mafiosi kein Erbarmen – der Krieg innerhalb des Savastano-Klans fordert immer mehr Opfer und schließlich gerät auch Donna Imma in die Schlusslinie: Ihr wurde eine Aufnahme zugespielt, in der zu hören ist, wie Ciro Manu anspricht und entführt. Ciro seinerseits ist mit der alten Garde inzwischen so weit, zu Conte überzulaufen. Gennaro hingegen realisisiert, dass sein Vater nur noch ein mit Psychopharmaka ruhiggestelltes Wrack ist und beschließt, die alten Verräter fertig zu machen. Nach der Beerdigung seiner Mutter kommt es zum überaus blutigen Finale – der unsterbliche Ciro kann aber mitsamt seiner Familie knapp entkommen. Gennaro dagegen ereilt genau das Schicksal, dass er eigentlich dem abtrünnigen Ciro zugedacht hatte: Er wird im Kugelhagel niedergestreckt. Damit sind die Savastanos Geschichte – trotzdem bin ich mit dem Ende nicht so richtig zufrieden. Nicht, weil Savastanos nicht genau das bekommen hätten, was sie verdienten – das ist schon in Ordnung.

Screenshot Gomorrha

Screenshot Gomorrha

Aber gemessen an den starken Geschichten in den Teilen wird es zum Ende hin ziemlich konfus: Es gibt eine wilde Ballerei und eine Menge Leichen, aber so richtig realistisch wirkt das alles nicht: Dafür ist zu klar, dass Ciro davon kommen wird, selbst wenn er seiner Frau noch dabei hilft, den schweren Koffer bei der Flucht über die Dächer über eine Absperrung zu wuchten.

Und weil Ciro darauf verzichtet hat, Genni den eigentlich üblichen Kopfschuss zu verpassen, ist gut möglich, dass auch der kleine Savastano eine Auferstehung erleben wird – sein Papa Don Pietro jedenfalls wirkt wieder ganz munter, nachdem er von seinem letzten treuen Gefolgsmann Malamo während eines Gefangenentransports befreit wird.

Das ist einerseits natürlich gut, weil man sich damit schon auf eine Fortsetzung dieser insgesamt sehr beeindruckenden Serie freuen kann, andererseits bleibt bei diesem letzten und bisher schwächsten Teil einer sonst großartigen Staffel ein leicht schaler Geschmack zurück.

True Detective: Das Licht gewinnt

Jetzt ist es also schon wieder vorbei – aber diese acht (oder eigentlich neun, weil einmal wegen dieses blöden Superbowls keine neue Folge ausgestrahlt wurde) Wochen mit True Detective waren auf jeden Fall ein guter Anfang für das Serienjahr 2014. Auch wenn ich beim letzten Teil immer wieder zwischen schierer Begeisterung und „so, jetzt ist es aber gut damit!“ schwankte, als Rust und Marty während des für meinen Geschmack übertrieben ausgedehnten Showdowns quälend lange Minuten auf dem verwahrlosten Grundstück des endlich ausfindig gemachten Mörders durch mit totem Holz und allerlei Voodoo-Devotionalien verzierte Gänge auf das Finale zu irrten. Dieses ganze Irren durch leerstehende Fabrikgebäude, dunkle Lagerräume, verwinkelte Keller, düstere Katakomben oder die rattenverseuchte Kanalisation ist in so vielen Thrillern schon bis zum Anschlag ausgereizt worden, dass es mich einfach langweilt, egal wie spannend es inszeniert wird. Insofern war schon ich ein bisschen enttäuscht, genau wie bei diesem Dortmund-Tatort vor ein paar Wochen, den ich sonst gar nicht so schlecht fand.

Bei der geballten Raffinesse, mit der dieser Fall über acht einstündige Folgen ebenso spannend wie geheimnisvoll konstruiert wurde, fand ich es eben doch ein wenig platt, den letzten Teil mit derart plumpem Suspenseblabla anzureichern, der aus einem mittelmäßigem Tatort-Skript stammend könnte. Das haben Rust und Marty nach so viel Einsatz an Lebenszeit und Herzblut einfach nicht verdient, nachdem sie mit viel Scharfsinn, noch mehr Fleißarbeit und grimmiger Entschlossenheit den wahren Täter ermittelt haben. Ganz zu schweigen von den Zuschauern. Auch wenn Errol William Childress zweifelsohne ein diabolischer Typ ist, der dank seiner auffälligen Unauffälligkeit den Ermittlern jahrzehntelang immer wieder eine Nase drehen konnte.

Screenshot True Detective

Screenshot True Detective: Fast zur Strecke gebracht: Rust und Marty


Dass er zum Schluss die beiden engagierten, intelligenten, gut ausgebildeten und gut bewaffneten Helden der Geschichte mit simplen Werkzeugen wie Messer und Hammer fast umbringen kann – nun ja, da hatte ich dann doch eine ausgeklügeltere Falle zum Ende dieses dermaßen vielschichtigen Verwirrspiels erwartet. Aber die Amis lieben halt ihr Psychopathending – und so ein Psychopath ist am Ende immer ein primitives Arschloch, sofern er nicht zufällig selbst ein Serienheld ist wie Dexter Morgan oder Hannibal Lector.

Childress ist zweifelsohne ein Psychopath der primitiveren Sorte und benimmt sich wie ein solcher, genau das hat mich ein wenig enttäuscht. Aber vermutlich ist es halt so: Wenn ein verzwickter Fall endlich aufgeklärt ist, tritt Ernüchterung ein: Der Mörder war gar nicht so ein ausgekochtes Superhirn, sondern einfach ein verkorkstes Arschloch, das ziemlich viel Glück und Helfer an entscheidenden Stellen hatte. Und beides hatte Childress – als Sohn von Detective Ted Childress und Enkel von Senator Eddie Tuttle. Doch letztlich war die Aufklärung dieses alten Falls gar nicht so wichtig – die Entwicklung von Rust Cohle und Martin Hart und ihr Verhältnis zueinander war viel wichtiger.

Für Marty und Rust jedenfalls ist die Sache gerade nochmal gut gegangen – wobei es eine Weile dauert, bis man das herausfindet. Nach der Attacke liegen beide verletzt am Boden, Rust mit einem Messer im Bauch, Marty mit einem Hammer in der Brust. Doch bevor Childress Marty den Rest geben kann, wird er von der Kugel niedergestreckt, die Rust mit letzter Kraft abgefeuert hat. Zumindest Marty ist gerettet. Denn als Rust sich das lange Messer aus dem Bauch zieht – wo man doch in jedem Erste-Hilfe-Kurs lernt, dass man das nicht tun soll, weil der Verletzte dann noch viel schneller verblutet – wirkt das fast schon wie ein Fanal: Jetzt kann Rust in Ruhe sterben, weil er seine Aufgabe er ja erledigt hat. Der so lange Zeit unerledigte Fall ist endlich gelöst.

Aber natürlich ist es dann doch nicht so einfach. Es gibt noch fantastische Arbeiten der Maskenbildner-Gilde zu bewundern und wir sehen Rust im Krankenbett als Jesus auf dem Kreuzweg, mit blutunterlaufenen Augen und langen Haaren, selbst für die Dornenkrone braucht es nicht viel Fantasie. Aber die moderne Medizin ist einfach überlegen – Rusty darf nicht in die Dunkelheit, in deren Arme er sich so gern geworfen hätte – noch nicht. Und so kommt es zu jenem denkwürdigen Dialog zwischen Rust und Marty, in der die beiden feststellen, dass es am Ende immer um das Eine geht, den Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit. Und Marty meint mit einem Blick in den sternenübersähten Nachthimmel, dass es irgendwie mehr Dunkelheit geben würde. Ausgerechnet der ewig pessimistische Rust antwortet: “Well, once, there was only dark. If you ask me, the light’s winning.”