Gar nicht mal so gut: You Are Wanted

Freitag kam mit You Are Wanted die erste deutsche Amazon-Serie heraus. Aber ich hatte wichtigeres zu tun, denn Depeche Mode stellten in Berlin ihr neues Album Spirits vor. Tolles Konzert, zumal ich schon immer mal das ehemalige DDR-Funkhaus in der Nalepastraße von Innen sehen wollte. Ganz großes Kino also, eine Kultband meiner Jugend an einem nicht weniger kultigen Ort in meiner Heimatstadt – besser geht es kaum.

Doch nun zurück zum kleinen Monitor: Inzwischen habe ich mir die sechs Teile von You Are Wanted aus Pflichtbewusstsein tatsächlich angesehen und muss konstatieren: Gar nicht mal so gut. Streckenweise sogar ziemlich schlecht. Und das, obwohl ich natürlich nichts erwartet hatte, was einer komplexen Hackerserie wie Mr. Robot ähnlich sein würde, obwohl Amazon mit Bosch, Hand of God oder Sneaky Pete ja auch schon wirklich gute Serien mit komplexer Handlung und interessanten Charakteren produziert hat.

You Are Wanted: Amazon

You Are Wanted: Amazon

Aber nichts davon ist in You Are Wanted zu finden – die Serie ist in jeder Hinsicht so himmelschreiend unterkomplex wie ein mittlerer Tatort, nur eben auf doppelt bis dreifache Länge gezogen. Nun muss ja nun wirklich nicht jeder Hack akribisch erklärt werden, wie das in Mr. Robot der Fall ist. Trotzdem fühle ich mich verarscht, wenn überhaupt nichts erklärt wird. Und das nicht nur in Sachen Computer, wo anfangs zumindest noch ein bisschen Social Engineering betrieben wird, um zu erklären, warum der eigentlich doch ziemlich smarte Hotelmanager Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) die verhängnisvolle Nachricht auf seinem Smartphone akzeptiert, die ein angeblicher Hotelgast ihm sendet.

You Are Wanted: Der erfolgreiche Manager und Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer)

You Are Wanted: Der erfolgreiche Manager und Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer)

Warum aber mit dem Virus auf dem Smartphone plötzlich das ganze Leben des Lukas Franke auf den Kopf gestellt wird, weiß allein der Hacker – und der ist irritierender Weise schon tot, bevor die Serie so richtig anfängt. Das gibt dem Zuschauer dann immerhin ein Rätsel auf, das erst in den letzten beiden Teilen gelöst wird. Zwischendrin passiert dann aber gar nicht dermaßen viel, und das, was passiert, wird nicht besonders überzeugend erklärt.

Genau deshalb bleiben die Figuren auch so holzschnittartig, wie man das aus dem deutschen Fernsehen leider nur zu gut kennt, die interessanteste Figur ist die kettenrauchende Ermittlerin Sandra Jansen (Catrin Striebeck), die ihr tägliches Zigarettenpensum nur mit dem Einsatz von Asthmaspray schafft. Am Ende ist sie dann aber doch nicht so doof wie ihre Kollegen vom BND. Der offenbar von fast jedem ambitionierten Teenie-Hacker gehackt werden kann, was aber auch kein Wunder ist, wenn die Super-BND-IT-Experten hauptamtlich eigentlich Kinderspiele programmieren.

You Are Wanted: Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic)

You Are Wanted: Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic)

Dieser böse Marc Wessling (Tom Beck) ist auch wieder so eine typisch deutsche Fernsehfigur – ebenso unwahrscheinlich wie schlecht ausgedacht: Warum ist der Kerl zugleich der charmante Chef von Lukas erstaunlich naiver Ehefrau Hanna (Alexandra Maria Lara) und dann aber gleichzeitig der zwielichtige IT-Experte beim BND? Gibt es in ganz Deutschland nur einen einzigen ITler, so dass der dann auch noch als Experte für die Polizei abgestellt werden muss, weil die ja keine eigenen IT-Forensiker haben, um Hackern auf die Spur zu kommen?

Ist es denn dermaßen schwer, sich drei unterschiedliche ITler auszudenken, von denen einer Hannas Chef, einer der Finsterling vom BND und einer ein ehrlicher Ermittler sein kann, deren Wege sich im Zuge der Geschichte kreuzen? Das wäre dann wenigstens halbwegs realistisch. Klar, dann muss man sich drei Charaktere ausdenken und braucht auch drei Schauspieler, aber andererseits wäre die jeweilige Motivation viel leichter zu erklären. Denn warum Wessling tut, was er tut, wird nicht so richtig klar: Hat er jetzt nur so viel Stress, weil die bösen Amis (klar, am Ende steckt irgendwie die NSA dahinter, das weiß heute ja jeder) hinter ihm her sind und soviel Druck machen, dass er den NSA-Häuptling, der nach Berlin kommt, in die Luft jagen will – oder ist er am Ende nur eifersüchtig auf Lukas, weil er sich in Hanna verliebt hat – was übrigens auch eine brauchbare Motivation wäre, die ich sogar in Erwägung gezogen hätte: Wessling hängt Lukas eine Terror-Karriere an, um an seine Frau zu kommen. Aber klar, das wäre dann wieder zu einfach.

You Are Wanted: Anleihen von Mr. Robot

You Are Wanted: Anleihen von Mr. Robot

Wobei es sich die Drehbuchautoren an anderen Stellen erst recht viel zu einfach machen – etwa mit Lena Arandt (Karoline Herfurth), über die man letztlich auch enervierend wenig erfährt, außer, dass sie immer ohne Helm, dafür aber mit Sonnenbrille Motorrad fährt und zufällig immer zur Stelle ist, wenn Lukas dringend vor der Polizei gerettet werden muss. Warum hatten es der oder die Hacker ausgerechnet auf Lena abgesehen? Okay, weil sie Journalistin ist und irgendwas rausgefunden hat, und nun dazu benutzt werden soll, Lukas zu motivieren, zu tun, was der oder die Hacker von ihm wollen. Aus dieser Figur hätte man wirklich mehr machen können, aber sie bleibt dank des schlechten Drehbuchs genau das, was der Hacker aus ihr gemacht hat: Eine Marionette, die in sich zusammen sinkt, wenn keiner mehr an den Fäden zieht.

Ähnlich ist das bei Lukas Bruder Thomas (Jörg Pintsch), der wenig begeistert ist, als sein kleiner Bruder bei ihm auftaucht und ihn um Hilfe bittet – warum habe die beiden eigentlich ein so schwieriges Verhältnis? Klar, muss wohl so sein, weil Lukas erst so richtig fett in der Scheiße landen muss, damit sein Bruder ihm dann irgendwie doch noch hilft, weil sonst keiner mehr da ist, der helfen könnte. Und das fast mit seinem Leben bezahlt. Aber auch über ihn erfährt man letztlich nur das, was man unbedingt wissen muss, um zu kapieren, dass er offenbar tatsächlich irgendwie helfen kann.

You Are Wanted: Noch mehr Anleihen von Mr. Robot

You Are Wanted: Noch mehr Anleihen von Mr. Robot

Schlimmer ist es eigentlich noch bei Hanna – diese Figur besteht eigentlich nur aus gängigen Klischees über Ehefrauen, anfangs hält sie noch tapfer zu ihrem Ehemann, sie lässt sich dann aber schnell durch ein paar Tittenfotos auf dem Handy ihres Mannes irritieren. Wobei der Hacker dann doch noch etwas deutlicher werden muss – er schickt Lukas auf eine ziemlich undurchsichtige Mission nach Frankfurt, wo er auf Lena trifft und später festgenommen wird, so dass er die Einschulung seines Sohnes Leon verpasst. Was Hanna ihm ziemlich übel nimmt, insbesondere, weil stattdessen diese Julia (Katrin Bauernfeind) auftaucht.

Auch über Julia erfahren wir nur das allernötigste, auch sie wird offenbar auch erpresst, um die Beziehung von Lukas und Hanna zu erschüttern. Was ihr auch gelingt. Und, hier wird es kurzzeitig sogar interessant, Lukas und sie hatten offenbar tatsächlich mal eine flüchtige Affäre. Endlich eine Andeutung von Komplexität! Doch zu früh gefreut, Julia verschwindet wieder von der Bildfläche, ex und hopp, Zweck erfüllt.

You Are Wanted: Aber wir sind in Berlin

You Are Wanted: Aber wir sind in Berlin

Und so geht das im Grunde mit allen Figuren – auch der Kollege von der Jansen Thorsten Siebert (Edin Hasanovic) gefiel mir eigentlich ganz gut. Er war dann aber leider so doof, sich durch einen beschissenen Anfängerfehler ins Jenseits zu befördern. Auch über Jens Kaufmann (Aleksander Jovanovic), der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat, hätte ich gern mehr gewusst, genau wie über das Hacker-Wunderkind Dalton (Louis Hofmann), das sich unter einem asiatischen Restaurant versteckt.

Über die sonstigen Hacker-Klischees, die in You Are Wanted bemüht werden, gar nicht zu reden – warum Lukas überhaupt Zutritt zu diesen doch eher exklusiven Zirkeln hat, wird überhaupt nicht erklärt, was aber auch wieder egal ist, weil es ohnehin nur aus der Form geratene Zombies sind, die in ihrer mit elektronischen Artefakten aller Art dekorierten Höhle vor den Bildschirmen sitzen und zocken statt coden. Und entsprechend wenig Interesse haben, Lukas zu helfen. Was wiederum total verständlich ist. Denn warum in aller Welt sollten die so einem bürgerlichen Manager-Arsch helfen  wollen?!

You Are Wanted: Leon, Lukas und Hanna

You Are Wanted: Leon, Lukas und Hanna

Andere Menschen haben auch Probleme – aber davon handelt diese Serie überhaupt nicht und das ist vielleicht die größte Schwäche der ganzen Sache: Der Protagonist ist ein Bilderbuch-Erfolgsmensch, dem übel mitgespielt wird. Ja und?! Lukas Franke wird aus seinem Luxusbüro mit Superaussicht über Berlin City-West herausgerissen, weil er vor Jahren mal Zivi in einer Klapsmühle war und dort auf eben jenen Jens Kaufmann traf, mit dem er sich – warum auch immer – irgendwie verstanden hat. Und Jens Kaufmann war irgendwie verrückt, jedenfalls verrückt genug, um als Verschwörungstheoretiker abgetan zu werden, dabei war er als begabter Hacker einer ganz, ganz großen Sache auf der Spur.

Von der wir seit spätestens seit Wikileaks, Chelsea Mannings und Edward Snowden wissen, dass sie existiert: Wir werden alle ständig überwacht und in der digitalen Welt können begabte und findige Leute Dinge tun, die einem ganz normalen Menschen das Leben zur Hölle machen. Um zu verhindern, dass diese ganz, ganz große, ganz, ganz üble Sache ans Licht kommt, wird nun eben Lukas Franke das Leben zur Hölle gemacht – weil er, aus noch immer nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, der einzige war, dem Kaufmann noch getraut hat. Denn er wusste, dass seine Tag gezählt sind und er irgendwem vertrauen muss, wenn nicht alles vergebens gewesen sein soll. Und ob Lukas es noch geschafft hat, das von Kaufmann zusammengetragene Wissen an Wikileaks zu schicken, oder ob die NSA schneller war, wissen wir nicht. Was vielleicht das Beste an dieser Serie ist.

You Are Wanted: Sandra Jansen (Catrin Striebeck)

You Are Wanted: Sandra Jansen (Catrin Striebeck)

Wobei ich hier zugeben muss, dass es in You Are Wanted schon eine Reihe netter Ansätze gibt – etwa Dilara Dogan (Lorna Ishema), eine sehr begabte Ermittlerin bei der Polizei, die sich aufgrund ihrer  Hautfarbe in Deutschland schlecht als verdeckte Ermittlerin eignet, aber sonst total auf Zack ist. Und ich mochte auch die französische Freundin (Lucie Aron) von Hanna. Aber was nützt ein interessantes Detail, wenn die Geschichte nicht gut ist?

Nee ganz ehrlich: Davon brauchen wir nicht noch mehr. Wobei You Are Wanted visuell schon ganz okay war – doch schöne Bilder sind nicht alles. Und obwohl ich seit 26 Jahren in Berlin lebe, freue ich mich noch immer zu sehen, wie viele coole Locations wir hier doch haben. Als Image-Film für Berlin ist diese Serie nicht schlecht. Aber als Werbung für Serien made in Germany taugt sie nicht. Da sollte Schweighöfer doch noch mal Rainer Werner Fassbinder oder Edgar Reitz studieren – oder bei Gideon Raff oder Sam Esmail anfragen, was heutzutage eine gute Geschichte ausmacht. Jedenfalls sehe ich mir lieber noch hundertmal den ersten Teil von Mr. Robot an, bevor ich darüber nachdenke, You Are Wanted eine zweite Chance zu geben.

You Are Wanted: Lena (Karoline Herfurth)

You Are Wanted: Lena (Karoline Herfurth)

Einer der besseren Oliver-Stone-Filme: Snowden

Mit Oliver-Stone-Filmen ist das so eine Sache, es gibt schon welche, die ich richtig gut finde, U Turn beispielsweise ist ein meiner Ansicht nach total unterschätztes Meisterwerk, und Savages ist alles in allem auch ein guter Film, in dem ein paar freundliche und geniale Freaks versuchen, ausgerechnet im knallharten Drogengeschäft eine Art alternativen Kapitalismus einzuführen. Aber so funktioniert diese Welt halt nicht, wie sie brutalstmöglich erfahre müssen. Und dass Stone die Fidel-Castro-Doku Comandante gemacht hat, finde ich in Zeiten eines irrationalen Antikommunismus, der das realsozialistische, aber noch immer real existentierende Kuba als Zielscheibe hat, mehr als beachtlich – zumal Stone Fidel als nachdenklichen und durchaus sympathischen Landesvater porträtiert, dem vor allem am Wohlergehen der Leute in seinem Land gelegen ist – was gewiss auch zutrifft. Über Donald J. Trump könnte man einen ähnlichen Film unmöglich machen.

Aber dann gibt es auch wieder Filme, die ich schrecklich finde, gerade diese Patrioten-Filme über den Vietnam-Krieg, die ja auch irgendwie kritisch sein wollen, aber eigentlich vor allem zeigen, wie übel den armen Männern mitgespielt wird, die sich für ihr Land und ihre Sache opfern.  Anstatt zu hinterfragen, was das denn für eine bescheuerte Einstellung ist, die sie überhaupt in dieses Schlamassel gebracht hat – damit habe ich echt ein Problem. Denn hier wird letztlich ja bestätigt, dass das irgendwie eine gute Sachen gewesen ist, die sämtliche Opfer irgendwie rechtfertigen würde, wenn man nur mit den eigenen Jungs korrekt umgegangen wäre – was aber die böse US-Regierung nicht getan hat. Insofern habe ich natürlich auch ein Problem mit Snowden. Also nicht, weil ich annehmen würde, dass die US-Regierung eigentlich total menschenfreundlich wäre – das ist übrigens keine Regierung auf der Welt, und gerade die demokratisch gewählten können dabei besonders übel drauf sein, denn sie wurden ja vom Volk gewählt und exekutieren somit Volkes Willen, was per se gut sein muss, auch wenn die Leute das nicht so empfinden.

Und das macht die Causa Snowden auch so krass: Hier wird ein Mann als Verräter an die Wand gestellt, der ja nun wirklich ein hoffnungsloser Patriot ist und sich für die gute Sache opfert – das ist einerseits unglaublich bescheuert, weil es ihm von den entscheidenden Leuten nicht gedankt wird, im Gegenteil. Andererseits ist das aber auch wieder irgendwie – ja, ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll, aber es bewegt mich, und ich bewundere Menschen, die sich in vollem Bewusstsein der schrecklichen Konsequenzen trotzdem hinstellen und sich sagen, einer muss es ja tun. Und es tun, weil sie es können. NSA-Geheimnisse zum Beispiel kann ja nur einer verraten, der sie kennt.

Wobei ich aber auch sagen muss, dass ich den Film als Film ziemlich gut fand – ich hatte im Vorfeld ziemlich viel Negatives gehört und gelesen, insofern war ich jetzt positiv überrascht. Was erwartet man denn von einem Spielfilm über einen solchen Typen? Natürlich wird da eine Story nach dramaturgisch interessanten Gesichtspunkten aufbereitet – nur so funktioniert ein Spielfilm, mit dem man Menschen ins Kino locken will. Wenn man wissen will, wie das mit Snowden denn jetzt wirklich gewesen ist, kann man sich Citizenfour ansehen. Was ich auch ausdrücklich empfehle, das ist die Doku dazu – und zwar eine ziemlich gute. Nebenbei setzt Oliver Stone ja auch Laura Poitras (gespielt von Melissa Leo) ein Denkmal, die Citizenfour gemacht hat.

Der Film von Oliver Stone allerdings ist schon eine Art aktualisierter Neuauflage von Geboren am 4. Juli, was nicht unbedingt für diesen Film spricht – aber andererseits wird eben auch gezeigt, dass es in dieser Welt beim besten Willen keinen Grund gibt, der rechtfertigen würde, die Geheimdienste tun zu lassen, was sie tun können: Nämlich alle und jeden auf der Welt ständig zu überwachen. Und genau deswegen wird der konservative Patriot Edward Snowden auch zum Verräter. Oder zum Freiheitshelden, je nach Betrachtungsweise.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Meiner Ansicht nach hat Stone Edward Snowden nicht mal übertrieben glorifiziert – er beschreibt einen cleveren jungen Mann, der seinem Land dienen will, was ich persönlich ziemlich fragwürdig finde. Ich finde es gut, Menschen zu helfen und dafür einzutreten, die Lebensumstände aller zu verbessern.  Aber für einen Staat einzutreten, der – und das muss einem intelligenten Menschen wie Snowden doch auch klar sein, in allererster Linie versucht, dem Rest der Welt seine eigenen Interessen aufzuzwingen – das ist bornierter Patriotismus und das lehne ich ab. Da kann man sich ja auch gleich „Make Germany Great Again“ aufs T-Shirt drucken. Und leider gibt es mehr als genug Dumpfbacken, die sich das endlich wieder trauen wollen. Aber ich schweife ab.

Wer ist also Edward Snowden? Zuallererst einmal ein blasser Streber, der sich unter dem Eindruck von 9/11 freiwillig zur Army meldet, er will zu den Special Forces und sein Land verteidigen. Doch Ed ist einfach zu schwach – während des harten Trainings erleidet er Ermüdungsbrüche in den Beinen, weshalb er gegen seinen Willen ausgemustert wird. Aber es gäbe da noch andere Möglichkeiten, seinem Land zu dienen, erklärt ihm ein Kontaktmann der CIA – er sei doch ganz gut mit Computern? Ed macht also einen Eignungstest für die CIA – und eigentlich würde er den nicht bestehen, wie sein Prüfer ihm andeutet – aber sie bräuchten jetzt genau solche Typen wie ihn. Also bekommt Ed eine Chance.

Und die nutzt er und löst die Aufgabe, die den Prüflingen gestellt wird, nicht in den dafür vorgesehenen fünf bis acht Stunden, sondern in 38 Minuten. „Sie haben nicht gesagt, in welcher Reihenfolge ich das bearbeiten soll, da habe ich schon mal…“ – keine Frage, Ed bekommt den Job, und er ist wirklich gut darin. Offenbar ist Ed ein begnadeter Programmierer, der Spaß daran hat, alles, was er tut, so effizient wie möglich zu erledigen – und das stellt sich dann auch als fatal heraus, als er später feststellen muss, dass ein Programm, das von ihm eigentlich als Backup-Lösung entworfen wurde, dazu benutzt wird, um das Überwachen beliebiger Menschen einfacher zu machen. Das gefällt ihm nicht.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) und Lindsay Mills (Shaylene Woolley) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) und Lindsay Mills (Shailene Woodley) Bild: http://www.snowden-film.de

Und dann lernt Ed auch noch ein Mädchen kennen. Lindsay (Shailene Woodley) ist sexy, liberal und offen, all das, was Ed nicht ist, aber so gern wäre – und weil er ja ein intelligenter junger Mann ist, der vielleicht ein bisschen blass ist – sein Spitzname im Job ist Schneewittchen – aber eigentlich nicht hässlich, interessiert sich Lindsay für ihn, sie verliebt sich sogar in ihn – und er sich in sie. Ich erinnere mich, einige Kritiken gelesen zu haben, die gerade diesen Teil der Geschichte irgendwie blöd fanden „Im Bett mit Edward Snowden“ – „wollen wir ihm wirklich beim Sex zusehen?“

Aber die haben meines Erachtens nicht kapiert, worum es dabei eigentlich geht – natürlich ist es eigentlich gar nicht dermaßen spannend, wie das Sexleben des vermutlich bekanntesten Whistleblowers der Welt aussieht, und ich nehme an, dass es tatsächlich eher unspektakulär ist, wobei ich es Ed total gönne, überhaupt eins zu haben. Die Sexszene ist wichtig, weil ein offenbar inaktiver Laptop aufgeklappt auf dem Tisch steht und Ed weiß, dass die Kamera aktiv sein könnte, auch wenn das Kameralicht nicht leuchtet – er weiß eben auch, dass das ein Trick ist: Die Menschen fühlen sich unbeobachtet und genau das macht die Überwachung so effektiv.

Und er ist ein Teil dieser Überwachungsmaschinerie und fühlt sich zunehmen schuldig – vor allem, weil er irgendwann eifersüchtig wird und anfängt, seine eigene Freundin zu überwachen – was er gegenüber der internen Untersuchungskommission auch gesteht: Ja, er hat die NSA-Programme tatsächlich für sich selbst genutzt, über die vorgesehen Zwecke hinaus. Aber genau deshalb weiß er auch, wie groß die Versuchung ist. Und er ist ja einer der Gewissenhaften. Was, wenn ein weniger mit Skrupeln belasteter Mensch anfängt, die Maschinerie für seine Zwecke zu nutzen?

Es gibt eine Szene in der vierten Staffel von House of Cards, in der genau diese Frage gestellt wird – da noch für den vergleichsweise harmlosen Zweck die US-Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. (Hahaha) Frank Underwoods Gegenkandidat hat gute Beziehungen zum Chef einer Suchmaschine – zwar nicht Google, aber immerhin: Mit der Auswertung der Suchdaten kann Will Conway seine Kampagne auf das, was die Leute wollen, optimieren. Natürlich kotzt Frank das an – aber er ist ja bereits Präsident der USA. „Was ist schon eine Suchmaschine gegen die NSA?“ fragt er und fängt an, eine Bedrohung zu konstruieren, die es ihm erlaubt, auf die schier unendlichen Möglichkeiten des Überwachungsapparates zurückzugreifen, die unter anderem der engagierte Programmierer Edward Snowden mit geschaffen hat.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) Bild: http://www.snowden-film.de

In der Serie ist das noch eine coole Wendung, bei der einem die Gänsehaut über den Rücken läuft. Im Film Snowden macht das überhaupt keinen Spaß, weil man weiß, dass es eben keine Fiktion ist, sondern die schreckliche Realität. Die Botschaft ist nicht, dass auch ein blasser Nerd wie Ed tatsächlich auch eine Freundin haben kann, die mit ihm schläft – die Botschaft ist, dass Sex quasi ungeschützt vor den Geheimdiensten stattfindet, wenn ein Computer im Raum ist, dessen integrierte Kamera und Mikrofone nicht extra blockiert werden, damit die Überwachung nicht so einfach ist. Und dass Ed damit ein Problem hat. Bestimmt ist das nicht der entscheidende Punkt, warum er irgendwann tut, was er zu tun hat. Aber genau damit wird gezeigt, wie wenig Privatsphäre heute noch wert ist: Sie ist im Grunde nicht mehr vorhanden, wenn man sie sich nicht extra erschafft.

Die Art, wie Snowden mit diesen Dingen an die Öffentlichkeit gegangen ist, zeigt auch, dass er intensiv darüber nachgedacht haben muss, was danach passieren wird. Und dass er zu dem Schluss gekommen ist, dass er die ganzen Daten, die er aus dem System geschmuggelt hat, eben nicht einfach Wikileaks zuspielen kann, damit sie unkommentiert veröffentlicht werden, weil das zu gefährlich ist. Das ist übrigens auch, was ich an Wikileaks ausdrücklich kritisiere – man kann bestimmte Informationen nicht einfach veröffentlichen. Transparenz ist gut, aber nicht, wenn sie Menschenleben bedroht. Der Glaube, dass alles gut würde, wenn nur jeder über alles informiert wäre, ist bestenfalls naiv, tatsächlich aber vollkommen bescheuert.

Snowden hat sich stattdessen einer Auswahl von in diesen Dingen besonders qualifizierten Journalisten anvertraut – was definitiv für ihn spricht. Das ist es auch, was ein Assange nicht kapiert: Quellenschutz ist wichtig, ja, geradezu existenziell. Genau deshalb gibt es ja eben auch Journalisten – Menschen, die sich, wenn sie ihren Job ernst nehmen, eben einen Kopf machen, was man veröffentlichen kann und was nicht. Und die auch darüber nachdenken, wie man was veröffentlicht. Was nicht heißen soll, dass es tatsächlich eine unabhängige Presse gibt als vierte Gewalt im Staat gibt, die zu unrecht als Lügenpresse diffamiert wird: Natürlich folgen auch Journalisten Interessen – es hat sich gerade bei der US-Präsidentschaftwahl gezeigt, dass „die Presse“ auch komplett versagen kann: Die Vorstellung, ein Donald Trump könne US-Präsident werden, schien den maßgeblichen Redakteuren einfach zu absurd.

Und genau das zeigt eben auch die Grenzen dieser vierten Gewalt: So einfach geht das nicht mit der Propaganda. Aber zurück zu Snowden: Der hat sich auf die Kernkompetenzen ausgewählter Profis verlassen und ich denke, dass das gut war – und das kommt im Film meiner Ansicht nach auch gut rüber.

Genau wie die Überraschung der ehemaligen Förderer, die feststellen müssen, dass ihr Schützling sich ganz anders als erwartet entwickelt hat. Und ich finde es erbärmlich, dass sich der Friedensnobelpreisträger Barack Obama nicht dazu durchringen konnte, den Landesverräter Edward Snowden zu begnadigen – damit hätte er nun wirklich mal ein Zeichen setzen können. Aber ein Obama ist eben auch nur so ein US-Politfunktionär, der die Interessen seiner Nation zu verteidigen hat, auch wenn das gegen das Interesse von so ziemlich allen Menschen im Rest der Welt geht.

Ich persönlich finde es extrem gruselig, dass ein Donald Trump als Präsident Zugriff auf den mächtigsten Überwachungsapparat der Welt haben wird – vermutlich wird er den nicht wie Frank Underwood nur dazu benutzen, um politische Gegner aus dem Weg zu räumen. Man kann nur hoffen, dass sich noch ein paar Snowdens finden, um das Schlimmste zu verhindern. Aber andererseits ist Trump ein dermaßen gnadenloser Populist, dass er seine Sicht von Snowden möglicherweise noch komplett revidiert. Wie auch immer – meiner Ansicht nach lohnt es sich durchaus, den Film anzusehen: Man kann sich gar nicht oft genug klar machen, wie engmaschig und ausführlich jede und jeder heute bereits überwacht wird.

eps2.5_h4ndshake.sme: Wer macht was?!

In der aktuellen Episode eps2.5_h4ndshake.sme gibt es dieses Mal keine spannenden Hacks, dafür aber einige längst überfällige Antworten – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Mr Robot rückt endlich damit raus, dass er Tyrell Wellick erschossen hat – weil er keine andere Wahl hatte. Tyrell sei völlig abgedreht, nachdem Mr. Robot die Scripts für den Nine-Five-Hack gestartet hatte, von wegen gottgleich und so weiter. Und als Tyrell sich über den Mord an Sharon ausgelassen hatte, hätte er auch noch über weitere Morde fantasiert – der Mann war verrückt und musste unbedingt gestoppt werden. Elliot erinnert sich jetzt auch daran und korrigiert Mr. Robot hingehend, dass er selbst Tyrell erschossen habe: Es gab einfach keine andere Möglichkeit.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen)

Gut, das hatte ich mir ohnehin schon gedacht. Denn Elliot wusste ja, wo Darlene die Waffe versteckt hatte.

In dieser Folge wird aber eine noch erschütterndere Wahrheit über Elliot ans Tageslicht kommen. Doch die interessanteste Entwicklung gibt es meiner Ansicht nach bei Angela – Angela beweist gegenüber Agent DiPierro jetzt doch eine bewundernswerte Nervenstärke und schafft es, eine einleuchtende Erklärung für ihren Ausflug in den 23. Stock zu finden, die bei entsprechender Überprüfung sogar wasserdicht seit wird: Dieser Agent Dingsbums hat ihr ja nun tatsächlich ein Lunch-Date abringen können. Beim Griechen, gleich um die Ecke.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Trotzdem ist Dom nicht überzeugt: Sie erklärt Angela, dass sie von ihrer Karriere total fasziniert sei: Eine Woche vor dem Five-Nine-Hack wechselt Angela von Allsafe zu E-Corp und steigt hier erstaunlich schnell in Schlüsselpositionen auf. War sie einfach nur rechten Zeit am rechten Ort? Kaum zu glauben: Ein solches Ausmaß an glücklichen Zufällen ist nun wirklich ziemlich unwahrscheinlich. Keine Frage, Dom ist davon überzeugt, dass Angela in den Five-Nine-Hack verwickelt ist. Und wir wissen ja, dass Dom damit richtig liegt, auch wenn sie vermutlich noch keinen Schimmer hat, auf welche Weise Angela tatsächlich daran beteiligt ist.

Und es stellt sich auch heraus, dass Angela auf jeden Fall noch etwas bei E-Corp vor hat – sie bittet Philip Price, sie in eine andere Abteilung zu versetzen, nämlich eine, in der sie Zugriff auf Akten über aktuelle Schadensfälle hat, die E-Corp krisenmanagementmäßig behandeln muss, Fälle wie den Giftmüllskandal in Washington Township. Aktuell geht es um einen Fall mit kontaminiertem Wasser – wird hier auf den tatsächlichen Trinkwasser-Skandal in Flint angespielt?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Darlene (Carly Chaikin)

Wie auch immer – Angela bringt sich in Stellung, was etwas verwundert, denn ausgerechnet sie will nun die Washington-Township-Klage fallen lassen: Es sei doch gar nicht gesagt, dass E-Corp noch lange genug existiere, um überhaupt noch Schadensersatz zu zahlen. Angelas Vater ist entsetzt: Was ist mit seiner Tochter los? Hat sie sich nach ihrem jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit für ihre früh verstorbene Mutter jetzt von deren Mördern kaufen lassen? Oder hat sie, wie Philip Price vermutet, ebenfalls eine geheime, kleine, dreckige Agenda? Wie jeder Mensch im Universum von Philip-Price eine hat?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Dom DiPierro (Grace Gummer)

Denn Price hat nun schließlich eine – was dealt er unter dem Tisch eigentlich mit Whiterose aus? Und noch viel interessanter: Worauf ist Whiterose eigentlich aus? Schwer vorstellbar, dass ein antikapitalistischer Hacker und der Sicherheitsminister einer in der kapitalistischen Konkurrenz in der Welt aufstrebenden Volksrepublik China dasselbe Ziel haben könnten. Aber wie wir wissen, handelt es sich um ein und die selbe Person – aber selbst wenn sie, wie Elliot in mehrere alternative Persönlichkeiten aufgespalten ist: Elliot und Mr. Robot unterscheiden sich nur durch die Mittel ihrer Wahl, nicht aber in ihren Zielen. Sie beide wollen die Menschen aus der Knechtschaft der Lohnarbeit, aus Schuldknechtschaft, letztlich also vom Kapitalismus befreien (auch wenn das leider so nie formuliert und ausgeführt wird, aber wenn das nicht das Ziel sein sollte, wäre alles, was Elliot und fsociety angestoßen haben, komplett sinnlos). Was dagegen die Dark Army vor hat und was Philip Price, ist viel weniger klar. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn es das naheliegende wäre: Einfach ein gutes Geschäft zu machen. Das will jeder – aber dafür braucht es keine neue Serie, die Predigt hören wir gerade von fuckin‘ Donald Trump.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Angela (Portia Doubleday)

Aber zurück zu Angela: auf jeden Fall arbeitet sie wie wir jetzt wissen, mit Darlene und ihren Anarcho-Freunden von fsociety zusammen, auch wenn Angela Darlene klar macht, dass sie Angela die ganze Zeit unterschätzt habe. „Ihr dachtet immer, ihr wäret so viel schlauer als ich!“ Aber auch Darlene und ihre schlauen Freunde waren auf Angelas Hilfe angewiesen, um das FBI zu hacken. Angela hat nun bei Darlene etwas gut – aber umgekehrt hat ihr Elliot auch wieder den Arsch gerettet, weil er hinter dem Masterplan für den Hack steht. Hier ist wirklich nicht klar, wer wem was schuldet – aber ich finde, dass das eigentlich auch scheißegal ist – wegen E-Corp sind Angela, Darlene und Elliot in dieser Scheiße gelandet. Und so unterschiedlich sie auch agieren mögen – eigentlich haben sie doch ein gemeinsames Interesse.Und ich hoffe, dass sie sich auch darauf besinnen, wenn es drauf ankommt. Aber das ist jetzt wieder mein persönliches Interesse.

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Mr. Moss (Don Sparks)

Ach ja, Joanna Wellick kommt auch wieder vor – erst wird sie nicht zu unrecht als Kapitalistenschwein beschimpft und mit roter Farbe angegriffen, dann setzt ihr neuer Lover sie unter Druck – wenn sie nicht endlich als seine Freundin mit auf seine  Geburtstagsparty heute Abend kommt, ist Schluss. Derek will sich nicht mehr als Toyboy vorführen lassen – und siehe da, Joanna kommt zwar nicht mit auf die Party, sondern überreicht ihm ihren Scheidungsantrag. Weiß sie vielleicht doch, dass Tyrell tot ist? Doch von wem kommen dann die ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen irgendjemand weiterhin um ihre Aufmerksamkeit, um ihre Liebe buhlt? Unwahrscheinlich, dass sie von Elliot kommen. Hat vielleicht Whiterose ihre Hand im Spiel?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek)

Zumindest hat Whiterose einen sehr langen Arm, wie sich heraus stellt, denn Elliots neuer Freund Leon entpuppt sich als sein persönlicher Beschützer, der Elliot im Auftrag von Whiterose Ärger vom Leib hält. Denn – wie immer jetzt dieses Ding mit Ray und seiner Darknet-Plattform abgelaufen ist (ich persönlich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass jemand eine solche Plattform unterhalten kann, ohne zu kapieren, was da eigentlich abgeht, aber wenn Ray behauptet, es Langezeit nicht gewusst zu haben) – Elliot hat echt Stress deswegen. Wie  wir wissen, deshalb sieht er ja auch so ramponiert aus. Interessanterweise sieht er das in den aktuellen kompromittierenden Szenen aber nicht – weshalb ich zu der Annahme neige, dass Elliot auch die Konfrontation mit Ray nur erfunden hat. Aber um sich damit vor was zu schützen?

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Krista (Gloria Reuben)

Den Kniff mit seiner Therapeutin finde ich ziemlich gut: Krista sagt Elliot, dass er doch ziemlich genau wisse, wo er jetzt tatsächlich sei – er soll aufhören, so zu tun, als sei er bei seiner Mutter: Diese strikte Tagesordnung, die er am Anfang der neuen Staffel angeblich für sich selbst erfunden habe, diene nur dazu, ihm seinen tatsächlichen Alltag erträglich zu gestalten: Elliot ist im Knast. Vermutlich durch diese Ray-Aktion, von der ich noch immer gespannt bin, wie sie tatsächlich zustande kommen ist: Wo hat Elliot Ray getroffen? Vermutlich im Gefängnis. Aber wie hatten sie da Internetzugang?

Es gibt viele Gründe dafür, dass Elliot im Knast ist – spannend wird sein, wofür er tatsächlich eingefahren ist. Und auch, warum er jetzt bald wieder rauskommt – genau das legt sein Dialog mit Krista ja nahe: Er darf wieder raus, auf Bewährung. Hat er Ray ausgeliefert?

Wie auch immer: Es bleibt spannend!

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr Robot eps2.5_h4ndshake.sme: Elliot (Rami Malek) und Krista (Gloria Reuben)

eps2.3_logic_b0mb.hc: Und jetzt?!?

In der fünften Folge von Mr. Robot wird es nach der anfänglichen Durststrecke, in der viel erklärt wurde, aber nicht dermaßen viel passiert ist, wieder richtig spannend: Elliot hackt das FBI – eps2.3_logic_b0mb.hc beginnt mit sehr viel Code, den Elliot produziert, während er von seinem ersten Hack erzählt. Mit elf Jahren hat er die Bibliothek von Washington Township gehackt. Nicht, um etwas anzurichten, sondern um zu sehen, wie es geht. Und um dieses Gefühl zu genießen, dass man derjenige ist, der die Kontrolle über alles hat. Ja, Elliot ist ein Kontrollfreak, genau deshalb tut er, was er tut. Inzwischen hat er so viel Wissen, Erfahrung und Übung, dass er, während er an Rays Computer die Migration einer Website auf einen anderen Server vornimmt, den FBI-Hack quasi nebenbei vorbereiten kann – er braucht dann nur noch jemand, der ein entsprechend präpariertes Gerät, das sich in eine bestimmte FBI-Femtozelle einloggt, an den richtigen Ort bringt.

Screenshot Mr Robot - Elliot (Rami Malek) is hacking

Screenshot Mr Robot – Elliot (Rami Malek) is hacking

Nach Darlenes Vorstellung wird das Angela sein – sie hat schließlich Zugang zu dem Gebäude, in dem das FBI ein temporäres Büro zur Ermittlung des E-Corp-Hacks eingerichtet hat. Doch Elliot will nicht, dass Angela in diese Sache hineingezogen wird. Er hat Angela immer beschützt und will das auch weiterhin tun. Aber Darlene macht ihren Job gut – sie erklärt Angela, dass es die einzige Chance sei, ihre und Elliots Spuren zu verwischen – schließlich waren sie beide bei Allsafe an der Vorbereitung des Five-Nine-Hacks beteiligt. „Ich hoffe, dass niemand außer dir von der CD weiß.“

Verdammt noch mal, der blöde Ollie weiß davon. Also trifft sich Angela mit Ollie – der weiterhin behauptet, Angela zu lieben und sicherheitshalber auch gleich einen Lebenslauf mitgebracht hat – Angela macht ja jetzt Karriere, vielleicht kann sie etwas für ihn tun. Als Ollie von sich aus diese Sache mit der CD zur Sprache bringt, ist Angela alarmiert und stellt fest, dass Ollie ihr Gespräch mit seinem Handy aufzeichnet. Er versucht, sich herauszureden, aber damit macht er Angela erst recht misstrauisch: Sie ist inzwischen sicher, dass er beim FBI gequatscht und sie somit keine andere Wahl hat, als Darlene und Elliot dabei zu helfen, das FBI zu hacken, um ihre Spuren zu verwischen.

Mr Robot - Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Elliot (Rami Malek) Bild: usanetwork.com

Derweil räumt Joanna Wellick (Stefanie Corneliussen) mit unliebsamen Mitwissern auf – während sie ihr Baby liebkost lässt sie sich berichten, wie Mr. Sutherland (Jeremy Holm) den korrupten Parkplatzwächter Kareem umgebracht hat, nachdem der sich nicht mehr an die Regeln halten wollte. Warum er dem Typen dieses Mittel verabreichen sollte, will Mr Sutherland wissen. Ihm hätte es nichts ausgemacht, den Kerl auch einfach so umzubringen. Warum ihn erst lähmen? „Damit er weiß, warum er sterben musste,“ erklärt Joanna seelenruhig, „Wir lassen ihn mit einer Antwort sterben. Ansonsten wären wir ja gewissenlose Mörder.“

Derweil ist Agent DiPierro mit einer US-Delegation nach China geflogen, sie sollen dort in Sachen Five-Nine-Hack ermitteln. Whiterose tritt als Minister Zhang auf, der für die Sicherheit zuständig ist. Er lädt die Amerikaner zu einer Party in seinen eigenes Haus ein. Dom gerät auf der Suche nach einer Toilette zufällig einen Raum, in dem Zhang zahlreiche Uhren aufgestellt hat. Zhang entdeckt Dom und verwickelt sie in ein sehr persönliches Gespräch, in dem er Dom fragt, aus welchen Gründen ein ehrgeiziges Vorstadtmädchen wie sie beim FBI gelandet sei. Schließlich zeigt er ihr ein besonderes Werk revolutionärer chinesischer Kunst und dann etwas noch eigenartigeres: Eine Kollektion wertvoller historischer chinesischer Kleider, die angeblich seiner Schwester gehören.

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Mr Robot -Darlene (Carly Chaikin) Bild: usanetwork.com

Aber Dom findet natürlich heraus, das Zhang gar keine Schwester hat. Was Zhang über Dom heraus gefunden hat, ist weniger klar, aber ich bin sicher, dass es noch eine Rolle spielen wird. Schließlich fragt er sie, ob sie je darüber nachgedacht hätte, wie die Welt aussehen würde, wenn es den Five-Nine-Hack nicht geben hätte.

Im neuen Westen sucht Angela ihren alten Freund Elliot auf, der ihr weiterhin ausreden will, dass sie sich an dem Hack beteiligt. Doch Angela hat ihre Entscheidung bereits gefällt: Sie wird tun, was Darlene von ihr will. Und sie will Elliot mitteilen, dass es ihre Entscheidung ist. Angela erklärt Elliot, dass sie einfach eine Freundin sein und ihm helfen will.

Mr Robot - Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Angela (Portia Doubleday) Bild: usanetwork.com

Und Elliot kann wirklich Hilfe gebrauchen, aber an einer ganz andern Front. Denn, wie er mittlerweile herausgefunden hat, betreibt der nette Ray eine Art Silk Road, einen Marktplatz im Darknet, auf dem so ziemlich alles gehandelt wird, was es an illegalen Dingen gibt: Drogen, Waffen, Mädchen, Auftragskiller. Weil er Zugriff auf eine verschlüsselte Datenbank brauchte, hat er Ray dazu gebracht, dass er den ehemaligen Admin holt, damit der das Passwort eingeben kann, von Elliot zumindest behauptet, es nicht knacken zu können. Als Elliot wissen will, was mit dem offensichtlich ramponierten Mann passiert ist, will der nur, dass Elliot die Klappe hält. Aber als findige IT-ler finden die beiden eine Möglichkeit zu kommunizieren, ohne dass ihr Aufpasser etwas davon mitbekommt. OB Elliot tatsächlich nicht wisse, was das für eine Seite sei, an der er da arbeitet? Nein, aber das will Elliot jetzt natürlich wissen. Und RT logt sich auf einer unglaublich geheimen Seite mit der Endung .onion ein, und benutzt die Kennung „Dread Pirat Roberts“, das angebliche Pseudonym von Ross Ulbricht, der die echte Silk-Road-Plattform betrieben hat, wofür er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Aber auch nach der Verhaftung von Ulbricht im Jahr 2013 tauchen immer wieder Admins auf, die sich Dread Pirat Roberts nennen.

Mr Robot ist gar nicht begeistert von Elliots Nebenprojekt, denn Elliot will Ray nun das Handwerk legen und ein paar Leben retten – Mr. Robot dagegen findet, dass er jetzt lieber mit seiner eigenen Mission fortfahren sollte, nämlich die Welt zu retten.

Natürlich hätte Elliot auf Mr. Robot hören sollen – aber jetzt ist es zu spät… ich hasse das konventionelle Modell der Serienausstrahlung. Wie soll ich denn die kommende Woche überleben?

Mr Robot - Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

Mr Robot – Dominique DePierro (Grace Gummer) Bild: usanetwork.com

eps2.2_init1.asec – komm, lass uns die Kichererbsen zählen

In der neuen Folge eps2.2_init1.asec geht Elliot endlich wieder an den Computer – aber er brauchte für diese Entscheidung auch einen dringlichen Notruf von Darlene. Denn inzwischen gerät auch Elliots bisher sehr toughe und fokussierte kleine Schwester in Panik – und wir erfahren, dass sie zuvor schon an Panik-Attacken gelitten hat. Wobei sie findet, dass es heutzutage noch kranker ist, keine Panik-Attacken zu haben. Dem kann ich nur zustimmen, wenn man sich ansieht, in welchem Zustand die Welt ist.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Wie so oft beginnt der neue Teil mit einer Rückblende – Elliot sitzt in seiner alten Wohnung am Computer, als es heftig an der Tür klopft. Als er schließlich öffnet, steht Darlene dort – mit jener fsociety-Maske, die sie gerade in einem 99-Cent-Shop gekauft hat. Es ist Halloween und sie bittet ihren Bruder, der von ihrem Besuch wenig begeistert ist, den Abend mit ihr zu verbringen. Weil Elliot erwartungsgemäß ablehnend reagiert, benutzt Darlene ein Codewort, auf das ihr sozial gestörter Bruder einfach reagieren muss: Init-1. Das steht sowohl für den Einzelnutzer-Modus bei Unix-Rechnern, als auch für einen Notfallmodus – und für sie ist es ein Notfall. Und nur Elliot kann helfen.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Elliot ist dann doch großer Bruder genug, um mit seiner Schwester ihren gemeinsamen Lieblingsfilm anzusehen – The Careful Massacre of the Bourgeoisie, ein vorgebliches 80er-Jahre-Untergrund-Teenie-Spatter-Movie, das extra für die Serie erfunden wurde. Darlene führt sämtliche psychischen Störungen der Alderson-Geschwister auf diesen Film zurück. Sie postet schließlich sogar ein Foto auf Instagram, was sie sonst nie tut, aber „die Leute müssen wissen, dass es diesen Film gibt!“ Detailverliebte Filmfreaks können sich allein schon über die Filmauswahl, die in der Torrent-Bibliothek auf Elliots Rechner kurz zu sehen ist, in Begeisterungsdelirien hineinsteigern: Unter dem Buchstaben C finden sich Capote, The Careful Massacre of the Bourgeoisie, Carrie, Child’s Play, Chinatown, Chungking Express, Citizen Four, Citizen Kane, A Clockwork Orange, Closer, Comet, The Conversation, Cool Hand Luke, Creep, und schließlich Cries and Whispers. Allein darüber könnte man eine Hausarbeit schreiben – Comet ist natürlich ein besonderer Insider-Witz, der einzige Film nämlich, den Sam Esmail gemacht hat, bevor er sich mit Mr Robot in die erste Liga der Serienmacher katapultiert hat.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin)

Nachdem die beiden zum Film etwas geraucht haben, erzählt Elliot, dass er gerade gefeuert wurde – er hat nämlich mal wieder einen Job zu gut gemacht: Elliot hat auftragsmäßig eine Firma gehackt, und die ITler haben es nicht hingekriegt, die Server dagegen zu schützen – aber dann kam der Feiertag und das freie Wochenende und alle wollten nach Hause. Die genervten Techniker haben Elliot kurzerhand im Serverraum eingesperrt. Als er später zu sich kam, waren alle Server zerstört. Elliot konnte sich zwar an nichts erinnern, wurde aber nicht nur rausgeworfen, sondern auch zu einer Anti-Aggressions-Therapie verdonnert. So kam er also zu Krista.

Als Darlene bedauert, dass sie sich nicht wirklich an ihren Vater erinnern kann, zeigt Elliot ihr die Mr-Robot-Jacke, die ihr Vater früher getragen hat – Elliot bewahrt sie offenbar wie eine Reliquie in seinem Schrank auf. Darlene verlangt, dass Elliot sie anzieht – und die Maske aufsetzt, die sie mitgebracht hat: Vor ihren Augen verwandelt sich Elliot in Mr. Robot. Er hat eine Idee, wie er E-Corp zerstören könnte – vielleicht sollte er den Job bei Allsafe annehmen, den Angela ihm aufschwatzen will. Er könnte dort als trojanisches Pferd den großen Hack vorbereiten. Darlene ist erschrocken und fasziniert zugleich, von dem, was da vor sich geht. Macht ihr Bruder Witze oder meint er das alles ernst?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Elliot (Rami Malek)

Aber erst ziemlich viel später wird ihr klar, wie bitter ernst das alles ist: Ihr Freund Cisco spürt sie auf, denn er hat eine dringende Warnung: Das FBI war einer großen Sache auf der Spur, es gibt eine gigantische Ermittlung unter dem Begriff Berenstain. (Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Ersten Recherchen zufolge gab es wohl eine US-Zeichentrick-Serie The Bernstein Bears, meine erste Assoziation war natürlich das legendäre Bernsteinzimmer, aus dem Berliner Stadtschloss, das seit dem Ende des 2. Weltkriegs verschollen ist.)

Die Dark Army wird nervös, denn die befürchten, dass am Ende irgendwer von den society-Hackern etwas verraten hat – möglicherweise auch unwissentlich. Cisco weiß auch, dass das FBI die Arcade gefunden hat. Darlene wird daraufhin so panisch, dass sie sich an Elliot wendet, von dem sie ja weiß, wie instabil er gerade ist. Aber sie braucht ihn jetzt. Oder besser noch Mr Robot. Sie braucht nicht das Psychowrack, das ihr Bruder gerade ist, sondern einen fähigen Hacker, der ihr helfen kann, heraus zu finden, was gerade los ist. Und das ist ziemlich viel, und es klingt sehr bedrohlich. Nebenbei: Ich finds irgendwie sympathisch, dass Darlene mit Cisco einen Quickie im Klo der Kneipe, in der sie sich treffen, hinlegt. Sie verleugnet ihre menschlichen Bedürfnisse weniger konsequent als ihr Bruder. Weshalb sie vermutlich lebenstüchtiger ist. Wie ich hoffe.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Angela (Portia Doubleday) und Antara Nayar (Sabina Jaffrey)

Elliot hat weiterhin seine Kämpfe mit Mr Robot: Der ist nämlich nicht zu besiegen, wie Elliot inzwischen gelernt hat – sie spielen Schach, Mr. Robot und er, und zwar um seine Existenz. Ray hat ihm ein Schachspiel mitgegeben, damit er zuhause üben kann. Aber Elliot kann Mr. Robot nicht schlagen, genau wie Mr. Robot ihn nicht schlagen kann. Sogar  Krista empfiehlt ihm schließlich, dass er Mr. Robot als Teil seiner selbst besser akzeptieren müsse – er könne ihn nicht auslöschen ohne einen Teil seiner selbst auszulöschen. „Aber tun Menschen das nicht dauernd?“ fragt Elliot – die Teile von sich selbst ausradieren, die man an sich nicht leiden kann, ob es nun Warzen oder schiefe Zähne sind.

Aber Elliot ist nicht der einzige, der gegen sich selbst kämpft. Angela hat sich offenbar auf das Angebot, dass Philip Price gemacht hat, eingelassen: Sie hat die Informationen über einen hässlichen Insider-Deal an die Anwältin Nayar weiter geleitet – jedenfalls werden die beiden Manager, die sie im Teil zuvor kennengelernt hat, von der Polizei abgeführt. Angela trifft sich später mit Nayar, der sie erklärt, dass sie noch dabei ist, herauszufinden, was Price eigentlich von ihr will. Vielleicht ist sie doch nicht übergelaufen, sondern macht jetzt das, was Elliot mit seinem Job bei Allsafe gemacht hat?

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Whiterose (BD Wong)

Sie hat eine Idee, sie hat die ganze Sache offenbar auch viel genauer analysiert, als es erst den Anschein hatte, aber Price reagiert auf ihre Forderungen ganz anders, als Angela erwartet hat. Sie redet sich auch weiterhin ein, dass sie mit der richtigen Einstellung ihre eigene Realität kreieren kann – aber wenn sie damit nun auf dem Holzweg ist? So richtig klar wird das alles noch nicht, aber vermutlich wird es noch eine Rolle spielen. Auf jeden Fall ist Angela darauf aufmerksam geworden, dass es bei der Vertuschung des Washington-Township-Skandals noch eine weitere interessierte Partei gegeben haben muss.

Philip Price hat auf jeden Fall auch eine eigene Agenda – er telefoniert mit Whiterose, die endlich wieder einen Auftritt hat. Whiterose erscheint dieses Mal in einem grandiosen Outfit, das aus einem nostalgischen Wong-Kar-Wei-Film stammen könnte – mit Chungking Express ist ja auch ein Wong-Kar-Wei-Film in Elliots Filmliste, was gewiss kein Zufall ist. So richtig glücklich scheinen Price und Whiterose mit dem Fortgang der Dinge nicht zu sein. Die Uhr von Whiterose tickt weiterhin sehr schnell – auch Price bekommt seine Zeit nur minutenweise zugemessen, was er als selbsterklärter Master of the Universe nur schwer verdauen kann. Aber Price entgegnet: „Auch wenn Rom an einem einzigen Tag niedergebrannt ist – es wurde nicht an einem Tag erbaut – so schmerzvoll das für Sie zu hören ist.“ (In der letzten Szene der ersten Staffel war Whiterose zu Price gekommen, um Rom brennen sehen). Whiterose beendet das Gespräch und wendet sich einem männlichen Chinesen zu, der den Raum betritt. Sie ändert die Stimmlage und redet chinesisch, ganz Grande Dame. Sie wird nun Geduld brauchen, erklärt sie, so sehr sie das auch hasst.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Philip Price (Michael Cristopher)

Geduld braucht auch Joanna Wellick – oder eher Geld. Es gibt weiterhin nichts Neues von ihrem Ehemann Tyrell. Und E-Corp gibt kein Geld für sie frei. Die derzeit alleinerziehende Mutter kann bald nicht mal mehr den Parkplatzwärter bestechen, auf dessen Parkplatz das Auto ihres Mannes nach dem Hack gefunden wurde. Sie sucht Scott Knowles auf und bietet ihm an, auszusagen, dass Tyrell in der Nacht des Mordes an Scotts Frau Sharon nicht nach Hause gekommen sei, wenn Scott im Gegenzug dafür sorgt, dass Joanna Zugriff auf ihre Konten bekommt. Aber Scott hat keineswegs die Absicht ihr zu helfen: Wenn sie kein Geld mehr hat, bekommt das Kind seines Widersachers Tyrell ja genau das, was es verdient.

Interessanterweise scheint die Eiskönigin Joanna gleichzeitig echte Gefühle für ihren Lover Derek zu haben: Als der träumt, er würde sie vielleicht mal nach Madrid mitnehmen, wenn er da einen Job bekommt, erklärt sie ihm, dass er niemals in der Lage sei, ihr zu bieten, was er da gerade sagt. Aber genau deshalb würde sie ihn lieben: Sie hätte das alles ja schon gehabt, Europa, den ganzen Luxus – und es hätte sie nicht glücklich gemacht. Sie bräuchte nur ihn. Mal sehen, ob das für ihn gut ausgeht.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) und Scott Knowles (Brian Stokes Mitchell)

Weiterhin symphatisch finde ich Leon – der Elliot offenbar auf eine richtige Spur bringt. Bei Ray bin ich mir nicht so sicher – der hat nämlich auch eine eigene Agenda. Und er weiß einiges über Elliot. Will er tatsächlich nur Elliots Fähigkeiten für sein eigenes sinistres Geschäft benutzen, oder gibt es da noch mehr? Andererseits hilft er Elliot in gewisser Weise ja auch mit sich selbst klarzukommen und es ist sein Computer, den Elliot letztendlich benutzt, um mit Darlene zu kommunizieren, nachdem er ihren neuen Hilferuf bekommen hat. Auch wenn er eigentlich will, dass Elliot ihm bei der Migration seiner Webseite hilft, mit der, wie wir ahnen können, dunkle Geschäfte getätigt werden.

Eine Anmerkung noch zur Musik: Eigentlich bin ich kein Fan der Spätromantik, aber der Einsatz der Orchester-Suite The Planets des englischen Komponisten Gustav Holst fand ich grandios – bekannte Filmkomponisten wie John Williams, der Musik für Star Wars oder Superman geschrieben hat, wurden davon inspiriert. Sam Esmail hatte zuvor schon getwittert, dass in der dieswöchigen Folge ganz tolle Musik dabei sei – wenn man sie hören würde, würde man schon wissen, was er meine. Ich hatte überhaupt keine Idee, was er damit meinte, aber es war so. Ich hörte es und ich wusste.

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Screenshot Mr Robot eps2.2init1.asec: Darlene (Carly Chaikin) und Cisco (Michael Drayer)

Mit einem Auge habe ich natürlich auch schon wieder im Blick, dass einige über den insgesamt nicht wirklich vorankommenden Handlungsverlauf bei Mr Robot unzufrieden sind: Aber, Leute, hier geht es ums Detail! Wobei mir das Problem INSGESAMT schon bewusst ist. Sam Esmail hat am 17. September Geburtstag. Der ist nunmal ein Erbsenzähler. Aber mit Vorfahren aus Ägypten. Also ein Kichererbsenzähler. Das wird noch. Da bin ich mir …ziemlich sicher.

Mr. Robot_dec0d3d.doc

Für alle, die es entweder gar nicht mehr erwarten können und jene, die immer noch nicht wissen, was sie eigentlich verpasst haben, hat USA Network Anfang der Woche ein Special gebracht: Mr. Robot_dec0d3d.doc

Auf der Seite von USA Network werden Nutzer aus unseren Breiten mit dem bekannt-beschissenem Geoblockig ausgesperrt. Was für passionierten Fans natürlich auch kein Hindernis darstellt. Aber für alle, deren Hacking-Skills sich in eben so engen Grenzen halten wie die Geschäftsmodelle von US-Kabelsendern, gibt es das Special auch auf YouTube:

 

 

Das Traurige daran ist – ich finde es gar nicht mal so gut. Was sicherlich daran liegt, dass ich die erste Staffel ohnehin langsam auswendig kenne, genau wie auch jeden öffentlich auffindbaren Kommentar dazu und insofern nicht mehr allzu viel Neues zu entdecken hatte. Und viele von den Dingen, die die Werbung für das Special versprochen hat, werden leider auch nicht eingelöst: Es ist ein einfach nur weiterer Aufguss ohnehin schon bekannter Dinge rund um die Serie Mr. Robot.

Was schon irgendwie interessant ist, sind die Statements der IT-Sicherheitsexperten und der Hacker, die die Serie und vor allem das darin gezeigte Hacking aus ihrer Sicht kommentieren – und dabei erklären, dass der einzige wirklich sichere denkbare Computer einer ist, den kein Mensch benutzen kann. Und für alle, die sich nicht ohnehin schon sämtliche Golden-Globe-, Critics-Choice- und What-The-Fuck-Award-Shows und auch sonst jeden Video-Schnipsel, der im Internet über Mr. Robot zu finden ist, reingezogen haben, gibt es vermutlich auch noch die eine oder andere neue Information über die erste Staffel an sich.

Wer sich also endlich auf den Stand bringen will, um am 13. Juli mit der zweiten Staffel einsteigen zu können, hat mit Mr. Robot_dec0d3d.doc letztlich doch ein ziemlich gutes Sprungbrett. Weshalb ich als Fan hiermit darauf hingewiesen habe.

Info in eigener Sache: Derzeit habe ich leider nicht so viel Zeit für neue Serien und Filme, was ich natürlich total schade finde, aber irgendwovon muss ich ja leben – und diese Seite ist das definitiv nicht. Ich muss jetzt noch eine Woche durchackern und dann habe ich endlich Urlaub – in dem ich viel unterwegs, aber eben nicht im Internet sein werde. Insofern werde ich den Staffelstart der neuen Folgen von Mr. Robot nicht so zeitnah kommentieren können, wie ich das bei der ersten Staffel getan habe – aber selbstverständlich werde ich das nachholen und dann dran bleiben!

 

Keine zwei Monate mehr…

… und es gibt endlich die zweite Staffel von Mr. Robot.

Der erste offizielle Trailer für die Fortsetzung ist durchaus vielversprechend – aber die von mir bereits in anderem Zusammenhang angesprochene Angst des Serienjunkies vor der zweiten Staffel erreicht jetzt neue Rekordwerte – gerade weil die erste Staffel so eingeschlagen hat, weil die Serie so frisch, unverbraucht und unerwartet gut war, kann jetzt so viel schief gehen.

Und die findigen Werbeleute und Social-Media-Experten von USA Network sind im Vorfeld ja auch schon zu Hochform aufgelaufen, in dem sie US-Präsident Obama zum vitalen Werbeträger gemacht haben, der in einem weiteren Video erklärt, dass Tyrell Wellick und fsociety in diesen fatalen Hack involviert waren, der das ganze System empfindlich getroffen hat… das war natürlich eine coole Idee.

Auch wenn ich jetzt noch mehr fürchte, dass es in den neuen Folgen vor allem um Elliots mentale Befindlichkeiten gehen wird und nicht um Systemkritik oder gar einen kühnen Entwurf, wie denn eine Gesellschaft aussehen könnte, an der Elliot – und mit ihm doch eigentlich wir alle – weniger leiden würde(n), weil die Menschen eben nicht mehr gezwungen wären, den ganzen Tag für Geld Dinge zu tun, die weder für sie, noch für andere Menschen gut sind, nur weil sie das Geld zum Überleben brauchen.

Aber wer weiß, vielleicht ist die neue Staffel doch wieder für Überraschungen gut. Und redet Mr. Robot nicht eigentlich über Apple, wenn er zu Elliot sagt, dass er sich immer nur im Kreis dreht, in der Unendlichen Schleife seines Wahnsinns? („round and round we go (…)  our infinite loop of insanity“). Das wäre doch eher ein Gag für Silicon Valley – aber der Wahnsinn hat bekanntlich viele Gesichter. Die dritte Staffel von Silicon Valley ist übrigens ziemlich gut, wo wir gerade bei dem Stichwort sind – diese Serie hat sich wirklich von Staffel zu Staffel gesteigert. Insofern besteht Hoffnung…

Who am I – Kein System ist sicher

Vor ein paar Tagen bin ich im Zuge anderer Recherchen über einen Trailer zu Who am I gestolpert und erinnerte mich daran, dass ich diesen Film ja unbedingt sehen wollte, wenn er ins Kino kommt. Ich weiß nicht mehr, warum ich das im Herbst 2014 irgendwie nicht auf die Reihe gekriegt habe – doch inzwischen habe ich das nachgeholt und mir Who am I – Kein System ist sicher angesehen.

Und ja, das ist schon ein vergleichsweise guter Film aus deutscher Produktion. Einige Sachen, insbesondere, was das Hacking und die Motivation der Hauptfigur Benjamin Engel angeht, sind mir zwar dann doch zu flach bzw. zu plakativ – aber es handelt sich schließlich um einen Kinofilm, der auf ein Massenpublikum abzielt, insofern sollte ich hier nicht allzu strenge Maßstäbe anlegen – zumal Who am I das deutsche  Kinopublikum tatsächlich erreicht hat: Immerhin war Who am I der erfolgreichste deutsche Kinofilm seit den beiden Schimanski-Krimis, die in den 80ern im Kino gelaufen sind. Obwohl gerade diese Schimankis auch nicht so wahnsinnig gut waren. Aber wir hatten ja nüscht anderes.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin Engel (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin Engel (Tom Schilling)

Zurück zu Who am I. Dieser Film wirkt in erster Linie über seine Stars, und es sind eine ganze Menge an Bord: Tom Schilling spielt den unscheinbaren Hacker Benjamin, der nur am Computer ein Held und im wahren Leben ein Versager ist: Eine Null unter Einsen, wie er sich selbst beschreibt. In der Schule wurde er nicht mal verprügelt, weil keiner ihn wahrgenommen hat – was aber gleichzeitig auch seine Superkraft ist: Benjamin ist für die meisten Menschen unsichtbar. Das kann auch Vorteile haben.

Elyas M’Barek ist Max, Benjamins gut aussehendes und erfolgreiches Alter ego. Max ist ein charmanter Draufgänger, der all das hat, was Benjamin fehlt – auch wenn er gemessen an Benjamin das reinste Script-Kiddie ist. Doch dafür hat er ja seine Crew, zu der neben Benjamin auch der Software-Experte Stefan (Wotan Wilke Möhring) gehört, der immer auf der Suche nach Schwachstellen in Code und nach dem ultimativen Kick ist, und der paranoide Hardware-Freak Paul (Antoine Monot Jr alias TechNick).

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Hannah Herzsprung spielt Marie – Benjamins unerreichbare Jugendliebe, die er nun zufällig wieder trifft – die letztlich zum Auslöser für die verhängnisvollen Ereignisse wird, die Benjamin mit einem schlecht vorbereiteten Hack auslöst, weil er ihr imponieren will. Benjamin träumt seit seiner Schulzeit davon, Marie zu erobern, zu heiraten und für immer mit ihr glücklich zu werden – nur hat Marie von all dem nie etwas bemerkt. Deswegen lässt er sich jetzt dazu hinreißen, die Fragen für Maries Bachelor-Prüfung vom Uni-Server zu stehlen – er wird aber erwischt und zu Sozialarbeit verknackt. Dort trifft er Max.

Dann ist auch noch die großartige Trine Dyrholm dabei – sie verkörpert die dänische Europol-Ermittlerin Hanne Lindberg, die als Cybercrime-Expertin schon seit mehreren Jahren versucht, der gefährlichen Hackercrew FR13NDS das Handwerk zu legen. Die FR13NDS haben Verbindungen zur russischen Cybermafia – und die vier Jungs um Max, die sich zur Hacktivistengruppe CLAY zusammengeschlossen haben, geraten durch eine Aktion, mit der sie die Aufmerksamkeit ihres Idols MRX erregen wollen, sowohl ins Visier der russischen Hacker als auch von Europol. Der legendäre MRX, der in jedes System eindringen kann, hat mit sich mit respektlosen Aktionen auch über die Hacker-Szene hinaus einen Namen gemacht. Aber er nimmt CLAY nicht ernst, was die Jungs natürlich nicht auf sich sitzen lassen wollen – und sie beschließen den BND zu hacken.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Das ist ein interessantes Setting – und zugleich macht mich das etwas… ratlos, denn, wie die Leser meines Blogs wissen, bin ich ein großer Mr.-Robot-Fan. Und gerade weil ich diese Serie so gut finde, bin ich nun erstaunt, wie viele Parallelen sich in Who am I finden. Vermutlich haben sich Baran bo Odar und Sam Esmail für ihre Recherchen in denselben IRC-Channels herumgetrieben.

Natürlich ist die Story von Mr. Robot deutlich komplexer und, genau das hat mir gefallen, das ganze Hacking wird weitgehend akkurat ausgeführt. Aber die Grundidee vieler Hacks ist schon in Who am I zu sehen. Etwa als Benjamin sich von Max überreden lässt, bei ihm und seiner Crew mitzumachen und er ihm deshalb seine Methode erklärt: „Menschen sind leichtgläubig und konfliktscheu.“ Er setzt auf Social Engineering. Benjamin fragt erstaunt: „Du hackst Menschen?!“ Max erklärt: „Menschen sind die besten Sicherheitslücken!“ Das ist auch eine Grunderkenntnis von Elliot Alderson in Mr. Robot. Und wie sich herausstellt, ist Benjamin ebenfalls ziemlich gut darin, Menschen zu hacken.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Benjamin (Tom Schilling)

Allerdings gibt es schon einen signifikanten Unterschied: Benjamin Engel ist kein besonders politischer Typ. Er will, anders als Elliot Alderson in Mr. Robot, nicht die Welt retten, auch wenn Benjamin ständig Superman zitiert. Sein Mantra ist eher: „Die Welt braucht keinen Retter. Auch wenn sie ständig nach einem ruft.“ Benjamin hackt, weil er es kann. Und weil er eine Freundin haben will und nicht weiß, wie er das anders hinkriegen soll. Seine Hacks haben keine politische Dimension im eigentlichen Sinne, zwar ärgert CLAY die NBD, die leicht als NPD zu erkennen ist und macht aus dem Verlauf der DAX-Kurve in den Nachrichten eine Hand mit ausgestreckten Stinkefinger – aber es geht nur um den Spaß und nicht um die Idee, wirklich etwas zu verändern, was ich dann wieder schade finde – für den naiven Benjamin ist das alles ein Spiel, dessen Regeln er ziemlich lange nicht kapiert. Elliot hingegen weiß sehr viel mehr über die Welt und wie er sie gern hätte. Er hackt, weil er mit der Gesellschaft nicht zufrieden ist und etwas verändern will.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Marie (Hannah Herzsprung)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Marie (Hannah Herzsprung)

Trotzdem hat Benjamin einiges mit Elliot gemeinsam (oder umgekehrt, Who am I kam ja vor Mr. Robot heraus): Er hat früh seine Eltern verloren – seinen Vater kennt er nicht, der ist schon vor seiner Geburt nach Frankreich abgehauen, und seine Mutter hat sich umgebracht, als er acht Jahre alt war. Benjamin war immer anders als die anderen, er hat Schwierigkeiten, sich mitzuteilen und er medikamentiert sich selbst – allerdings ist seine Droge nicht Morphium, sondern Ritalin. Er nimmt mehr davon, als gut für ihn ist und steigert sich in Wahnvorstellungen hinein. Wohin das führt, lässt sich auch schon ahnen: In Benjamins Zimmer hängt unter anderem ein Fight-Club-Plakat.

Aufgewachsen ist Benjamin bei seiner Oma, die aber nun unter fortgeschrittenem Alzheimer leidet – er kümmert sich um sie, so gut er kann – und er darf dafür in ihrem Haus wohnen, was schon mal nicht schlecht ist, zumal es sich in den Schnitten im Film zufolge irgendwo in Berlin Mitte befinden muss, wo es garantiert keine solchen Häuser gibt. Kleine Detailkritik am Rande: Gerade weil mich begeistert, das Berlin quasi eine Hauptrolle in dem Film spielt, finde ich es besonders ärgerlich, dass es auch wieder diese vielen Unplausibilitäten gibt. Etwa, wenn Benjamin und Max mit der U-Bahn im lindgrün gekachelten U-Bahnhof Berlin Alexanderplatz ankommen, dann aber, wenn sie die Treppe hochgehen, plötzlich  am S-Bahnhof Potsdamer Platz sind. Klar, die neuen Hochhäuser am Potsdamer Platz  sind cooler als die Plattenbauten um den Alexanderplatz – aber blöd finde ich das doch. Ich hasse das auch in allen anderen Filmen und Serien, die angeblich in Berlin (oder anderen Orten, die ich kenne) spielen. Auch Homeland war da nicht gänzlich korrekt – die haben zwar original in der S-Bahn gedreht, aber die angezeigten Bahnhöfe entsprechen nicht dem realen Fahrplan für die angeblich genutzte Linie.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Max (Elyas M'barei) erklärt Benjamin (Tom Schilling) Social Engineering

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Max (Elyas M’barei) erklärt Benjamin (Tom Schilling) Social Engineering

Zurück zu den Parallelen: Es gibt in Who am I auch eine Szene, die mich an Elliots Beichte bei seiner Psychologin Krista erinnert, nämlich als Benjamin Hanne Lindberg, als sie ihn verhört, erzählt, was er alles über sie weiß, weil er sie gehackt hat. Benjamin kennt ihre intimsten Geheimnisse, nicht nur ihre Sozialversicherungsnummer und ihre Konten in Dänemark und Deutschland, er weiß auch, dass sie während des Studiums, das sie als Jahrgangsbeste abgeschlossen hat, ein Fehlgeburt hatte und keine Kinder mehr bekommen kann. Hanne ist schockiert und fasziniert zugleich – sie ist es auch, die Benjamin später mit einer nicht weniger schockierenden Wahrheit über ihn selbst konfrontiert.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit

Es gibt sogar einen Bill Harper – auch wenn er in Who am I eine sie ist und Gerdi heißt. Die vier Jungs von CLAY wühlen sich auf der Suche nach einer Sicherheitslücke, die ihnen Zugang zum BND verschaffen kann, durch das Altpapier, dessen Abtransport aus dem BND-Gebäude sie beobachtet haben. Max findet, was sie brauchen: Eine Geburtstagskarte mit niedlichen Kätzchen, mit der die lieben Kollegen vom BND jene Gerdi bedacht haben. Wie sich herausstellt, ist Gerdi für die Putzkolonne zuständig, und damit auch für die Sicherheitsausweise, mit denen die Raumpflegekräfte ins Gebäude kommen. Anhand der Karte können die Hacker genug über Gerdi herausfinden, um ihr eine Phishing-Mail zukommen zu lassen, die Gerdi unmöglich als solche erkennen kann. Damit kommen sie an die entscheidenden Daten, mit denen sie sich Zutritt zum Gebäude verschaffen können. Das ist zwar weniger subtil wie in Mr. Robot – die Szene in Steel Mountain, in der Elliot Bill auseinandernimmt, um Zutritt zu der entscheidenden Ebene zu erlangen, ist Psychoterror pur. Das gibt es in Who am I nicht. Aber die Grundidee ist doch erstaunlich ähnlich.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit II

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit II

Mit dem erfolgreichen BND-Hack hat Benjamin aber auch einen entscheidenden Fehler gemacht: Um MRX zu beweisen, dass er wirklich im System war, lässt er ihm Daten aus einer verschlüsselten Partition eines BND-Servers zukommen, die er zufällig entdeckt hat. Das war gegen die Verabredung, nichts mitgehen zu lassen. Kurz darauf wird die Leiche des Hackers Krypton im Wald gefunden – ich vermute hier eine Referenz an den historischen Hacker Karl Koch, dessen Leiche ebenfalls in einem Waldstück gefunden wurde.

Benjamin schnallt jetzt, dass es wirklich ernst wird und er die ganze Sache unterschätzt hat: Für ihn ging es bisher nur darum, sich und der Welt zu beweisen, dass er ein Superheld im Cyberspace ist, ein cooler Hacker, der überall reinkommt, wo er reinkommen will. Aber jetzt ist jemand umgebracht worden – bei Kryptons Leiche wird ein Teil jener Daten gefunden, die Benjamin beim BND geklaut hatte. Darin befand sich unter anderem die Information, dass Krypton ein V-Mann für den BND war. Damit war sein Todesurteil besiegelt – die Friends verstehen nämlich keinen Spaß. Benjamin hat es jetzt mit der russischen Cyber-Mafia zu tun. MRX hat die Daten den Russen zukommen lassen – und die haben kurzen Prozess gemacht. Damit haben wir die Dark Army von Who am I – und MRX ist ein Art Whiterose.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit III: Die Geburtstagskarte für Gerdi vom BND

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Hacker bei der Arbeit III: Die Geburtstagskarte für Gerdi vom BND

Aber Europol ist auch völlig nicht blöd, die haben ihrerseits eine Hackerin engagiert, die in Berlin verdächtige Cyber-Aktivitäten entdeckt. Benjamin zwar wird immer paranoider, er kommuniziert nur noch von öffentlichen Computerterminals aus, etwa der an der Humbold-Universität. Aber die Fahnder kommen ihm trotzdem auf die Spur. Er entgeht seinen Häschern nur dank seiner eingangs erwähnten Superkraft – er versteckt sich einfach unter einem Tisch in der Bibliothek und wird übersehen. CLAY will nun an MRX ran, um zu beweisen, dass MRX und nicht CLAY für den Tod von Krypton verantwortlich ist.

Dazu konstruieren sie ein „schwangeres Pferd“ – einen Trojaner im Trojaner, mit dem es möglich ist, einen Zugang ins System von Europol zu bekommen – gleichzeitig will Benjamin damit die Identität von MRX herausfinden. Aber der fällt nicht darauf rein, im Gegenteil, er hat Benjamin eine Falle gestellt und nun dessen Identität ermittelt.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Benjamin ist nun nirgends mehr sicher und muss untertauchen. Die Aufräum-Sequenz der CLAY-Hacker erinnert dann eher an Breaking Bad – CLAY entsorgt sämtliche Computerteile im Säurebad, und nicht per Bohrmaschine und Mikrowelle. Und er muss noch dringender als bisher herausfinden wer MRX ist und dafür sorgen, dass in der Szene bekannt wird, dass MRX Krypton ans Messer geliefert hat und nicht er. Benjamin schafft es am Ende aber wieder, auch bei Europol jemanden zu finden, der leichtgläubig und konfliktscheu genug ist, ihn hereinzulassen.

Benjamin kehrt nach seinem erfolgreichen Hack in das Hotel zurück und findet seine Mitstreiter tot vor. Er ist verzweifelt und will einfach wieder Benjamin sein, ein harmloser, unsichtbarer Typ. Aber natürlich ist es viel zu spät. Aber es gibt es eine glückliche Wendung – Marie taucht bei Benjamin auf, sie hat erfahren, dass jemand versucht hat, den Uniserver zu hacken, um die Prüfungsfragen für Rechtswissenschaften zu stehlen: Ihr ist sofort klar, dass Benjamin das für sie getan haben muss. Der bietet ihr an, mit ihm abzuhauen – wohin sie auch immer wolle. Sie will nach Kopenhagen: „Von allen Orten der Welt willst du unbedingt nach Kopenhagen?“ fragt Benjamin ungläubig. Aber warum eigentlich nicht – Dänemark ist das Land mit der höchsten Lebensqualität und hat hervorragende Restaurants, wenn man sie sich leisten kann. Das sollte für einen begnadeten Hacker nicht das Problem sein.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Max (Elyas M'Barek), Benjamin (Tom Schilling), Stefan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Max (Elyas M’Barek), Benjamin (Tom Schilling), Stefan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.)

Derweil hat Benjamin auch eine Falle für MRX ausgeheckt – damit kann er seinen Gegenspieler lokalisieren und seinen Standort den Ermittlungsbehörden in den USA mitteilen: Es handelt sich um einen Hacker aus New York. Benjamin stellt sich der Polizei fordert in ein Zeugenschutzprogramm zu kommen – aber bei Europol wird schnell bemerkt, dass es da Löcher in seine Geschichte gibt, die größer sind als ein Todesstern. Hanne Lindberg kommt Benjamin schließlich auf die Schliche, sie hat seine Vorgeschichte recherchiert und findet heraus, dass Benjamin seine Psyche in mehrere Persönlichkeiten aufgespalten hat: Er ist CLAY, und zwar jeder der vier.

Schließlich entschuldigt sich Benjamin bei Hanne: Es wäre nicht richtig gewesen, dass er sie gehackt hätte und es tue ihm wirklich leid. Aber das ist nur die Vorbereitung für Benjamins Meisterhack – er muss Hanne jetzt nämlich noch einmal in ihrer aktuellen Position, als Ermittlerin bei Europol, hacken, um aus der ganzen Sache rauszukommen. Aber so, dass sie sich nicht manipuliert fühlt: Hanna soll Benjamin nämlich Zugang zu dem Polizeicomputer gewähren, auf dem sich die Daten für das Zeugenschutzprogramm befinden, in das Benjamin gern kommen würde, aber wegen seiner psychischen Erkrankung nicht hineindarf.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Europol-Eimittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Europol-Eimittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm)

Keine Frage, am Ende kommt Benjamin auch hier wieder ans Ziel – und ist schließlich mit einer neuen Identität auf dem Weg nach Kopenhagen – gemeinsam mit Marie. Und Max, Paul und Stefan, die ihm zum größten Social Engineering-Projekt aller Zeiten gratulieren.

Mein Fazit: Alles in allem ist Who am I ein gelungener Hacker-Film – wobei ich außer 23 – Nichts ist wie es scheint auch keinen weiteren guten Hacker-Film kenne. Mal abgesehen von Dokumentationen, da gibt es einige, aber hier reden wir ja über Spielfilm. Deshalb ist der Vergleich mit Mr. Robot auch ein bisschen unfair – das ist zwar die einzige wirklich gute Hacker-Serie, die ich kenne, aber eben eine, die einfach neue Maßstäbe setzt.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher: Paul (Antoine Monot Jr.), Stefan (Wotan Wolke Möhring), Max (Elyas M'Barek), Benjamin (Tom Schilling) und Marie (Hannah Herzsprung)

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher: Paul (Antoine Monot Jr.), Stefan (Wotan Wolke Möhring), Max (Elyas M’Barek), Benjamin (Tom Schilling) und Marie (Hannah Herzsprung)

Who am I setzt meiner Ansicht zwar keine neuen Maßstäbe in Sachen Hackerfilm, dazu ist mir die Geschichte, obwohl eine ganze Menge guter Ideen darin sind und der Plot zum Ende hin eigentlich immer besser wird, dann doch etwas zu einfach, was vor allem an den schon sehr eindimensionalen Charakteren liegt. Natürlich erklärt sich das vor allem aus der Tatsache, dass jeder der Jungs von CLAY am Ende nur eine Facette von Benjamins Persönlichkeit ist. Aber auch die anderen Personen bleiben blaß, selbst Marie, obwohl für den Film natürlich plausibel ist, dass sie Benjamin plötzlich mit anderen Augen sieht, als sie erfährt, dass er den Unicomputer gehackt hat, um ihre Prüfungsfragen für Rechtswissenschaften herauszufinden. Im Grunde ist Hanne Lindberg – abgesehen von Benjamin selbst – die interessanteste Person in diesem Film. Sie ist die einzige, die Benjamin versteht und deshalb geht sie auf den Deal ein, den er ihr anbietet: Er liefert ihr MRX und damit die FR13NDS, sie verhilft ihm zur Flucht und einer neuen Identität, auch wenn sie dafür ihre Karriere aufs Spiel setzt. Insofern ist dann auch wieder logisch, dass Benjamin und Marie ausgerechnet in die Heimat von Hanne Lindberg gehen, um ein neues Leben anzufangen.

Screenshot Who am I - Kein System ist sicher

Screenshot Who am I – Kein System ist sicher

Trotzdem macht der Film großen Spaß, er hat Tempo und bietet eine originelle Bildsprache – heute ging die Nachricht herum, dass Baran bo Odar die Regie bei der ersten Serie, die Netflix in Deutschland produzieren will, übernehmen wird. Wenn er sich da genauso austoben kann wie bei Who am I, könnte das ein neuer Hit werden. Ich bin gespannt.

Retrokritik: 23 – Nichts ist wie es scheint. Tatsächlich?

Es ist gewiss kein Zufall, dass ich durch Mr. Robot wieder auf den einzigen guten Hacker-Film gekommen bin, den ich je gesehen habe: 23 – Nichts ist so, wie es scheint. Also nicht, dass ich keine anderen Hacker-Filme gesehen hätte, da gab es ja einiges, von War Games über Sneakers, Das Netz und so weiter bis hin zu The Fifth Estate. Aber Hollywood und Hacker – das passt einfach nicht zusammen.

Gerade The Fifth Estate: Dieser Film von Bill Condon mit Benedict Cumberbatch als Julian Assange und Daniel Brühl als Daniel Domscheid-Berg, der sich um die spektakulären Veröffentlichungen von US-Militärdokumenten auf der Enthüllungsplattform Wikileaks dreht, ist, wie ich Anfang vergangenen Jahres schon schrieb, erstaunlich schlecht: Ich kann kaum fassen, wie man eine so gute Geschichte dermaßen vermurksen kann.

Da half auch die erstklassige Besetzung nicht: Was in dem Köpfen der Menschen und in den Datennetzen passiert, bleibt hier weitgehend nebulös. Dabei hat Sam Esmail mit Mr. Robot gerade vorgemacht, wie man genau so etwas umsetzt: Nämlich nicht durch alberne Animationen, sondern durch echte, nachvollziehbare Befehle auf dem Computer-Monitor und ein paar erklärende Worten zu den Gedanken desjenigen, der sie eingibt. Dabei muss keineswegs die Welt erklärt werden – eine markante Zusammenfassung dessen, was gerade Sache ist, reicht.

23 - titelbild via video.com

23 – titelbild via vimeo.com

Das hat Hans-Christian Schmid in seinem Film aus dem Jahr 1998 deutlich besser hingekriegt. 23 beruht ebenfalls auf einer wahren Geschichte – dem kurzen Leben des Hackers Karl Koch, der am 23. Mai 1989 verschwand und dessen verkohlte Leiche einige Tage später in einem Waldstück gefunden wurde. Karl Koch wurde durch die KGB-Hacks bekannt, die so genannt wurden, weil er und ein paar Freunde das Material, das sie aus den damals noch schlecht gesicherten Computern von Forschungseinrichtungen und Unternehmen kopierten, an die Sowjets verkauften.

Jetzt, wo ich mir den Film noch einmal angesehen habe, bin ich erstaunt, welche Parallelen es zwischen Karl Koch und Elliot Alderson gibt: Beide wollen die Welt retten und sitzen nächtelang vor ihren Computern – und während sie über die Datennetze Kontakt zu potenziellen Zielen aufnehmen, kommt ihnen der Kontakt zu ihrem realen sozialen Umfeld abhanden. Beide bewegen sich zunehmend in einer virtuellen Welt, die sie sich selbst erschaffen und geraten darüber in Konflikt mit der Realität – irgendwann können sie beide nicht mehr unterscheiden, was nur in ihren Köpfen statt findet und was tatsächlich passiert – für sie fühlt es sich real an. Ist es aber nicht. Oder nur zum Teil.

Karl zieht sich immer häufiger eine Nase voll Koks rein, um seine Auftragshacks durchzuhalten, weil er das Geld dringend braucht – unter anderem, um seinen aus dem Ruder laufenden Kokain-Konsum zu finanzieren. Elliot zieht sich immer häufiger eine Line Morphin rein, weil er mit der Situation, in die er sich durch seine Aktivitäten als frei schaffender Selbstjustiz-Hacker selbst gebracht hat, anders nicht mehr umgehen kann. Beide werden immer paranoider – nicht zu völlig unrecht, wie sich zeigt, obwohl viel der jeweiligen Paranoia auf Einbildung beruht.

23 - Nichts ist so wie es scheint - Karl Koch (August Diehl) - via cinema.de

23 – Nichts ist so wie es scheint – Karl Koch (August Diehl) – via cinema.de

Auch Elliot redet am Anfang über die denkbar größte Verschwörung jener Ein-Prozenter, die heimlich die Welt regieren. Bei Karl sind es die Illuminaten – das ist natürlich Weltverschwörung zum Quadrat: Er hat einfach zu viel Illuminatus! gelesen. Die Illuminatus-Trilogie von Robert Anton Wilson war in den 80ern sehr populär, ich habe sie auch gelesen und bin eine Zeitlang entsprechend paranoid gewesen – das bleibt einfach nicht aus, plötzlich hat alles irgendwas mit Pentagrammen und der 23 zu tun. Aber ich verkehrte nicht in Hackerkreisen und nahm damals auch keine Drogen, also beruhigte sich das irgendwann wieder.

Zumindest ein bisschen, denn paranoid waren viele von uns, die wir in den 80er Jahren erwachsen wurden: Der Kalte Krieg, die RAF, die Friedensbewegung, die Anti-Atom-Bewegung, der Polizei-Staat – wir mussten die am Abgrund torkelnde Welt doch ständig retten und dabei noch gegen unsere Spießer-Eltern rebellieren, die so ewiggestrig waren, wie sich unsere Kinder sich das heutzutage einfach nicht mehr vorstellen können. Genau wie eine Welt ohne E-Mail, ohne Smartphones, ohne soziale Netzwerke.

Karl ist eben auch einer von denen, die zur Demo in Brokdorf gepilgert sind und kritische Schülermagazine herausgebracht haben, einer von den politisch engagierten. Aber einer, der dann zunehmend auf Abwege geraten ist, nachdem er sich darauf eingelassen hat, für Geld zu hacken, oder eigentlich: Für Drogen. Zwar versucht er anfangs noch sich selbst und einer Freundin zu beweisen, dass ihm Geld überhaupt nicht wichtig ist – nachdem sie ihm gesagt hat, dass er nach dem Tod seines Vaters echt zum Arschloch mutiert sei, fängt Karl an, die von seinem Erbe verbliebenen Geldscheine zu verbrennen – und natürlich höre ich im Voice-over Elliot: „I don’t give a shit of money!“

23 - Nichts ist so wie es scheint - Karl Koch (August Diehl) ist Geld nicht so wichtig - vie br.de

23 – Nichts ist so wie es scheint – Karl Koch (August Diehl) ist Geld nicht so wichtig – via br.de

Was, nebenbei bemerkt, ganz schön blöd ist: In einer Welt, in der auf allem, was man zum Leben braucht, ein Preisschild klebt, ist die Behauptung, dass Geld doch gar nicht so wichtig sei, um ein gutes Leben zu haben, die perfideste Propagandalüge, die sich denken lässt. Aber was sollen die Kapitalistenschweine von dem einen Prozent ganz oben auch sonst sagen, wenn sie wollen, dass wir obedient zombies (Elliot in eps1.2_d3bug.mkv) weiterhin für einen Hungerlohn ihren Reichtum mehren. Aber ich schweife ab.

Also: Nachdem Karl kurz hintereinander beide Eltern verloren und etwas Geld geerbt hat, kauft er sich einen Computer und dringt in die Welt der Mailboxen vor, weil er Gleichgesinnte sucht, mit denen er über Illuminatus diskutieren kann. Die findet er im Umfeld des gerade entstehen Chaos Computer Clubs. Hierüber entwickeln sich weitere Kontakte, die für Karl verhängnisvoll noch werden: Karl lernt nicht nur den freundlichen und sehr begabten Hacker David kennen, sondern auch den kriminellen Programmierer Lupo und dessen Kumpel Pepe, der Dealer ist und Karl künftig mit Kokain versorgt. Pepe ist es auch, der den Kontakt zum KGB herstellt.

Die naiven Idealisten Karl und David lassen sich im jugendlichen Leichtsinn darauf ein, als Hacker für den KGB zu arbeiten – in ihren Augen ist das erstmal eine gute Sache: Während die USA mit ihrem aggressiven Verhalten gegenüber Libyen den Weltfrieden gefährdet, wollen die Jungs für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen. Und sie bekommen auch noch Geld dafür!

Außerdem ist ein Journalist auf Karl aufmerksam geworden und drängt ihn dazu, ihm eine richtig gute Hacker-Story zu liefern. Karl, der inzwischen immer Geld braucht, lässt sich darauf ein, sich vor laufender Kamera ins AKW Jülich zu hacken. Durch diese Sache wird das BKA auf Karl und den Sender aufmerksam – Karls Paranoia bekommt also eine Grundlage, denn er wird jetzt wirklich überwacht. Als es kurz darauf zur Kernschmelze in dem Atomkraftwerk in Tschernobyl kommt, glaubt Karl, dass er irgendwie mit daran schuld sei – er hat in der letzten Zeit einfach zu viel Zeit auf Koks vor dem Bildschirm verbracht. Der Zusammenbruch ist unvermeidlich – er irrt halb nackt im Regen durch die Straßen und landet schließlich in einem Krankenhaus. Anders als Elliot kann er sich aber noch nicht ins System hacken, um seinen Krankenakten zu fälschen, denn die werden noch analog geführt.

Karl macht einen Entzug in einer entsprechenden Einrichtung und beschließt, mit seiner kriminellen Vergangenheit abzuschließen, denn Lupe und Pepe bedrohen ihn immer wieder. Er macht eine Aussage beim Verfassungsschutz und kommt in ein Zeugenschutzprogramm, während die beiden in den Knast wandern. Wenig später verschwindet Karl – die Umstände seines Todes sind bis heute nicht aufgeklärt worden. Was entschieden für eine Beteiligung von Geheimdiensten spricht – sonst wird ja im Grunde jeder Mord in Deutschland aufgeklärt.

Karl (August Diehl) und David (Fabian Busch) surfen um die Welt - via duassen-woebke-putz.de

Karl (August Diehl) und David (Fabian Busch) surfen um die Welt – via duassen-woebke-putz.de

Hans-Christian Schmid erzählt das Leben des Karl Koch sehr gradlinig und ohne dramaturgische Schnörkel – ganz in der Tradition des Dokumentarfilms, schließlich ist Schmid gelernter Dokumentarfilmer. Immer wieder ist echtes Dokumaterial zu sehen, die Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und Polizei, Bilder von der Konfrontation zwischen den USA und Libyen, der Ruine des havarierten Reaktorblocks in Tschernobyl, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow, Muammar al-Gadaffi, der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme – die paranoide Stimmung jener politisch engagierten jungen Menschen in den 80er wird dadurch fühlbar.

Und dazu kommt, dass August Diehl als Karl immer bleicher, hohlwangiger und nervöser wird, er starrt mit fiebrigen Blick auf den Bildschirm, kämpft in seinem Kopf mit übermächtigen Gegnern, und verfällt gleichzeitig einem heillosen Größenwahn – natürlich hätte er weder den Tod seines Vaters, der an einem Hirntumor gestorben ist, noch den Mord an Olof Palme, noch die Kernschmelze in Tschernobyl verhindern können, aber er glaubt, dass die Illuminaten ihn zu ihrem Werkzeug gemacht haben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sam Esmail sich unter anderem auch von diesem Film hat inspirieren lassen – als jemand, der sich für die Hacker-Kultur überhaupt interessiert, muss er den CCC und seine wichtigsten Mitglieder kennen, auch wenn Deutschland, von den USA aus gesehen, auf einem ziemlich entfernten Planeten liegen mag. Aber dank Internet ist die Welt ja ein Dorf, in dem jeder jeden um ein paar Ecken herum kennt.

Karl auf einem der erste CCC-Treffen - via kinoweg.de

Karl auf einem der erste CCC-Treffen – via kinoweg.de


Außerdem: Die Dämonen in Elliots Kopf haben auch Karl schon heimgesucht, der irgendwann als zuckendes Wrack auf seinem Bett liegt wie Elliot in da3m0ns.mp4 und genau wie bei Karl Koch verschwimmt auch bei Elliot irgendwann die Grenze zwischen dem, was er für die anderen, für die Gesellschaft erreichen will, und dem, was er für sich selbst tut. Und wie Elliot wird auch Karl immer paranoider – nur dass Karl nicht mit seinem toten Vater streitet, seinen Vater konnte er ja ohnehin nicht ausstehen, er hört aber Stimmen und Flugzeuge, die nicht da sind und irgendwann versucht er in einem Panikanfall aus einem fahrenden Auto zu steigen, das mit 180 Sachen auf der Autobahn unterwegs ist.

Hans-Christian Schmid braucht keine erfundenen Figuren, um Karls psychische Störungen zu illustrieren. Aber wir sind hier auch in einem anderen Genre: Während 23 weitgehend realistisch die Lebensgeschichte eines Hackers erzählt, der mit der Zeit durch übermäßigen Drogenkonsum an Halluzinationen, Verfolgungswahn und Realitätsverlust leidet, erzählt Mr. Robot von eben diesen Halluzinationen, dem Verfolgungswahn und dem Realitätsverlust seiner Hauptfigur – und zwar aus Elliots Perspektive. Mir ist klar, dass ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche – ich will das eigentlich auch gar nicht tun. Mir fiel nur auf, dass die historische Person Karl Koch und der fiktive Hacker Elliot Alderson einige Gemeinsamkeiten haben, die gewiss nicht zufällig sind.

Hans-Christian Schmid hat jedenfalls einen Film abgeliefert, der mittlerweile natürlich auch durch seine Retro-Ausstattung (C64! Atari! CBM-II!) Kultcharakter hat, aber auch sonst wirklich sehenswert ist. Für seine Darstellung des Karl Koch in 23 – Nichts ist so wie es scheint, bekam August Diehl den Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler.

zer0-day.avi: So sieht also eine Revolution aus

Nachdem USA Network die Mr-Robot-Fans eine weitere Woche auf die Folter gespannt hat, konnte ich das Staffelfinale nun endlich sehen – und die Serie bleibt sich treu: Natürlich passiert, was passieren muss, aber gleichzeitig kommt alles irgendwie anders als erwartet. In eps1.9_zer0-day.avi begegnen wir am Anfang einem alten Bekannten wieder – eben jenem Fremdgänger, der durch Elliots Intervention in der ersten Folge nicht nur seine Affäre Krista und seinen Hund Flipper, sondern wie wir jetzt erfahren, auch Frau und Kind verloren hat.

Screenshot Mr. Robot: Krista (Gloria Reuben)

Screenshot Mr. Robot: Krista (Gloria Reuben)

Hier greifen die Serien-Macher den Ashley-Madison-Hack auf, der auch explizit genannt wird. Michael oder Lenny, wie er wirklich heißt, ist einer der betroffenen Nutzer des Dating-Portals, dessen Daten geleakt wurden. Seine Frau hat daraufhin die Scheidung eingereicht hat. Lenny will sich aber nicht kampflos ergeben – er war bereits bei der Polizei und hat dort alles, was er über den Hacker Elliot Alderson weiß, zu Protokoll gegeben. Die Cyber-Einheit habe nach wochenlanger Recherche etwas gefunden, wenn auch nicht sehr viel, weil Elliot eben sehr gut in dem ist, was er da tut. Aber er war mit dem Hund beim Tierarzt – und Flippers Chip ist registriert. Hat der sonst so schlaue und vorsichtige Elliot hier tatsächlich einen Fehler gemacht?

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Jedenfalls bittet Lenny Krista, ihm dabei zu helfen, Elliot ranzukriegen. Elliot sei doch bei ihr in der Praxis gewesen und müsse irgendwas erzählt haben. Wir wissen, dass Elliot Krista sehr viel mehr erzählt hat, als sie überhaupt hören wollte – aber gegenüber ihrem untreuen Ex-Lover gibt sie nichts preis: Elliot habe ihr gar nichts über seine Hacks verraten. Und Lenny solle sie nie, nie wieder anrufen.

Elliot selbst wacht sichtlich angeschlagen zwei Tage nach Tag Null in dem schwarzen Van von Tyrell Wellick auf. Er kann sich an nichts erinnern und Tyrell Wellick ist verschwunden. Die Nachrichten werden von einem Thema beherrscht: Den Angriff von fsociety auf das Finanzsystem und die daraus resultierenden Krisen – es gibt die bekannten Bilder von Demonstrationen in Griechenland, Spanien und so weiter, dazu aber auch eine Menge Menschen, die mit Plakaten und fsociety-Masken auf den New Yorker Straßen demonstrieren. Die Kreditkartensysteme funktionieren nicht mehr, bezahlt werden kann nur noch mit Bargeld und ein Evil-Corp-Manager erschießt sich vor laufender Kamera während eines Interviews.

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Screenshot Mr. Robot: James Plouffe (Richard Bekins)

Das war eben jene Szene, die man nach dem Attentat auf die Journalisten in der vergangenen Woche nicht hatte zeigen wollen. Der Mann wurde durch die Interviewerin aufgefordert, den Menschen doch bitte die Wahrheit zu sagen – und er denkt kurz nach und sagt dann, ja, die Leute müssten sich ernsthaft Sorgen machen, er habe mit seinem Team das ganze Wochenende versucht, irgendetwas zu tun, um den Schaden durch den Angriff von fsociety in den Griff zu bekommen – aber da sei nichts zu reparieren. Alle fünf Datenzentren in den USA und das Backup-Zentrum in China seien zerstört worden und seine Zukunft sowieso: Es wurden nicht nur alle Schulden, sondern auch alle Guthaben gelöscht.

Screenshot Mr. Robot: Gideon (Michel Gill)

Screenshot Mr. Robot: Gideon (Michel Gill)

Das Pikanteste an der Sache ist aber, dass Angela offenbar auf Terry Colby gehört und den lukrativen Job bei Evil Corp angetreten hat – sie ist die neue Assistentin von eben jenem Mann, der sich vor ihren Augen erschossen hat. Evil Corp CEO Phillip Price gibt Angela Geld für neue Schuhe – denn ihre alten sind blutbespritzt. Auch für Allsafe sieht es düster aus – die Finanzchefin erklärt Gideon, dass Allsafe kaum noch Umsätze macht und die laufenden Kosten längst nicht mehr bestreiten kann, und er den Leuten besser sagen solle, dass sie sich neue Jobs suchen müssen. Eine gute Sache wäre da aber doch: Er hätte keine auch Schulden mehr.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Währenddessen räumen Darlene, Trenton, Mobley und Romero auf, um ihre Spuren zu verwischen – sie sind sauer auf Elliot, weil er den großen Augenblick nicht mit ihnen geteilt hat und seit Tagen spurlos verschwunden ist. Immerhin: Der Hack war erfolgreich, ihre Arbeit hat sich also gelohnt. Zum Abschied laden sie zur Weltuntergangsparty in die Arcade ein – durch die vielen Menschen werden ihre Spuren kaum noch zu finden sein. Als Elliot schließlich doch auftaucht, wird seine Verwirrung noch viel größer – er kann sich einfach nicht daran erinnern, was er getan haben soll. Denn eigentlich wollte er das doch gar nicht. „I told you we shouldn’t have done this!“ sagt er zu Darlene, bevor er wieder verschwindet.

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater)

Er will Mr. Robot finden: Der muss doch wissen, was passiert ist. Aber wie kommt er an ihn ran? Es bleibt beim Katz-und-Maus-Spiel mit Mr. Robot – oder eben von Elliot mit Elliot: Er ist nun mal verrückt. Nur ein Verrückter will die Welt retten. Die ohnehin unrettbar ist: „We live in a kingdom of bullshit“, erklärt Mr. Robot, der sich schließlich doch herbeizwingen lässt, als Elliot drauf und dran ist, sich der Polizei zu stellen, was er im letzten Moment verhindern muss. „A kingdom you’ve lived in for far too long.“ Und deshalb solle Elliot ihm jetzt nicht erzählen, dass er nicht real sei.

Screenshot Mr. Robot:  Elliot (Aidan Liebman) Elliots Mutter (Vaishnavi Sharma)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Aidan Liebman) Elliots Mutter (Vaishnavi Sharma)


Elliots ganze Familie ist plötzlich da, Vater, Mutter und Klein-Elliot. Als Elliot sie anbrüllt, dass sie verschwinden sollen, denken sie gar nicht daran: Sie seien doch seinetwegen da, weil er in seinen ganzen einsamen, traurigen Nächten geweint und darum gebeten habe, dass sie ihm helfen mögen. Er könne sie nicht verlassen, und sie könnten ihn nicht verlassen, sie seien immer da, ganz tief in ihm drin. Elliot solle jetzt einfach nach Hause gehen, sich an seinen Computer setzen und sich an dem wunderschönen Gemetzel erfreuen, das sie alle zusammen angerichtet hätten.
Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer dann beim Abspann nicht die Nerven verliert, wird noch mit einer schönen Bonusszene erfreut, in der Phillip Price in seinem noblen Anwesen auf Whiterose trifft, die sich allerdings als chinesischer Businessman verkleidet hat.

Danach kann man sich fühlen, wie Elliot aussieht, als er mit der U-Bahn nach Hause fährt: Jetzt wird es fast ein Jahr dauern, bis es wieder neue Mr-Robot-Folgen gibt.

Screenshot Mr. Robot: Ungefähr so fühle ich mich jetzt auch...

Screenshot Mr. Robot: Ungefähr so fühle ich mich jetzt auch…

Alles in allem bin ich mit der Staffel sehr zufrieden – es ist natürlich auch ein geschickter Zug den Autoren, sich im Finale nach dem großen Hack auf Elliots Psychoprobleme zu konzentrieren, anstatt sich an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen abzuarbeiten, die durch einen dermaßen radikalen Eingriff in die Wirtschafts- und Finanzstruktur zwangsläufig in Gang gesetzt werden – und im wahren Leben frustrierenderweise eben nicht in eine Revolution münden würden, als deren Ergebnis eine wirklich bessere Gesellschaft entstünde, in der die Leute nicht mehr gezwungen werden, ihre Zeit mit einem blöden Geldjob totzuschlagen, statt sich wichtigeren und schöneren Dingen des Lebens zu widmen.

Anderseits wäre aber das genau doch noch viel interessanter: Was passiert denn nun mit einer Gesellschaft, die durch ein paar fsociety-Hacker in eine existenzielle Krise gestürzt wird? Da hätte ich in den kommenden Staffeln dann doch gerne ein paar Antworten, die nicht erschöpfend sein müssen, aber doch wenigstens etwas darüber verraten sollten, wie genau sich fsociety und ihre Schöpfer eine bessere Gesellschaft überhaupt vorstellen.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)