House of Cards: Endlich wieder US-Politik ohne Trump

Inzwischen ist die fünfte Staffel von House of Cards auch in Deutschland angelaufen – und ich musste mir die neuen Folgen auch schon wieder komplett reinziehen, denn huijuijui, es geht ziemlich zur Sache. Wir sind ja von den Underwoods schon einiges gewöhnt, aber seit Frank und Claire sich privat wieder angenähert haben und jetzt auch politisch als Präsident und Vizepräsidentin ein Spitzenteam sind, geht es richtig zur Sache. Das Autoren-Team hat jetzt noch mal eine Schippe drauf gelegt – Kevin Spacey witzelte bei Stephen Colbert neulich, dass House of Cards ja wohl viel bessere Autoren hätte als Donald Trump.

Und klar haben die Underwoods mehr drauf als dieser kindische Cholerik-Milliardär, der noch immer glaubt, dass Politik ein Hobby für verzogene Oberschichtgören wäre. Obwohl – das ist sie ja auch. Aber nur in real-existierenden Bonzokratien im Mittleren Osten und Mittleren Westen. Wobei die aktuellen Videos mit Trump als Präsidentendarsteller ja auch nicht schlecht sind – diese erste Kabinettssitzung, die im Grunde nur aus Lobhudeleien der anwesenden Speichellecker bestand, deren Qualifikation für ihre jeweiligen Ministerposten ganz offensichtlich nicht über unbedingte Loyalität zur größten Knallcharge aller Zeiten hinausreichte, ist dermaßen skurril, dass man fast meinen könnte, James Franco und Seth Rogen hätten eine neue Nordkorea-Satire gedreht. Nur dieses Mal eine gute.

Aber zurück zu House of Cards: In dieser Serie gibt es noch immer eine USA, in der wahnsinnig schlaue, gut vernetzte und abgebrühte Vollblutpolitiker die Fäden ziehen, was in der Konsequenz aber auch nicht besser ist – denn beide Underwoods haben bereits Ende der vierten Staffel erkannt, dass Terror ein hervorragendes Mittel sein kann, um Wahlen zu gewinnen, auch wenn es nicht ganz so gut funktioniert, wie sie sich das vorgestellt hatten.

In Anbetracht der Tatsache, dass es für Normalseher jede Woche nur einen Teil gibt und ich einfach keine Zeit habe, für jeden Teil eine Einzelkritik zu schreiben, obwohl sich das durchaus lohnen würde, versuche ich, meine Staffelreview zur Abwechslung mal etwas spoilerfreier als bei mir sonst üblich zu gestalten.

In den vergangen fünf Jahren haben sich sowohl Frank als auch Claire Underwood weiter entwickelt, sie hatten Krisen und Zerwürfnisse, und sie haben sich gegenseitig nichts geschenkt, sondern einander zum Teil sehr heftig bekämpft, bis sie in der vierten Staffel auf die geniale Idee gekommen sind, als Team anzutreten – statt wie bisher gegeneinander. Nur als Team können sie den charismatischen jungen Hoffnungsträger der Republikaner schlagen – doch auch das erweist sich als wesentlich schwieriger als gedacht. Will Conway ist ein republikanischer John F. Kennedy, der all das hat, was Frank und Claire nicht haben – eine blütenweiße Weste nämlich und eine fotogene Familie, einen Freund im Suchmaschinen-Business und eine Affinität zu Social Media, die sich eben auch nur Leute leisten können, die nicht bis zum Hals in allen möglichen Skandalen stecken.

House of Cards: Claire und Frank Underwood Bild: Netflix

House of Cards: Claire und Frank Underwood Bild: Netflix

Dafür ist Frank Underwood bereits der Präsident der USA und er denkt nicht daran, auch nur ein Quentchen seiner Macht aufzugeben. Und so zieht sich der Wahlkampf noch bis tief in die fünfte Staffel hinein – und natürlich bleibt nicht aus, dass Frank und Claire weiterhin ihre Differenzen haben. Trotzdem wissen sie, dass sie einander brauchen – und irgendwann hat Frank eine Erleuchtung. Die dazu führt, dass Claire endlich ans Ruder kommt – ich denke, dass das jetzt keine allzu große Überraschung sein sollte, denn diese Figur wurde ja über die vergangenen Staffeln sorgfältig aufgebaut. Claire hat immer wieder ein überraschendes Eigenleben entwickelt und in dieser Staffel wächst sie tatsächlich über sich hinaus – oder doch eher über Frank, dem sie eine ebenbürtige Partnerin ist. Mit allen Konsequenzen.

Es tauchen auch interessante und zum Teil recht rätselhafte neue Figuren auf – etwa Jane Davis, die stellvertretende Untersekretärin für den Internationalen Handel, die außergewöhnlich gut vernetzt und die den Underwoods, insbesondere Claire, bei der einen oder anderen Sache erstaunlich hilfreich ist. Dafür werden andere verdiente Hauptfiguren wie Doug Stamper überraschend kaltschnäuzig abserviert – selbst wenn sie es am Ende doch irgendwie verdient haben. Das schlimmste an der fünften Staffel ist, dass sie zum Finale hin so viel Spannung auf die nächste Staffel aufbaut – und wir jetzt wieder ewig auf die Fortsetzung warten müssen. Noch gibt es keine offizielle Verlängerung – aber Netflix kann ja nicht alle Serien absetzen. Liebes Netflix – lass uns nicht mit Trump allein!

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House of Cards: Weiterhin nichts zu lachen

Nachdem es erstaunlich lange gedauert hat, bis ich mich durchringen konnte, die zweite Staffel von House of Cards fertig zu sehen, muss ich sagen, dass ich sie alles in allem dann doch ziemlich gut fand – man muss allerdings eine Abstriche machen.

Die einzigartige Mischung aus berechnender Ehrlichkeit, gespieltem Patriotismus und der typisch underwoodschen Chuzpe, mit der Frank am Ende seinen Präsidenten ausspielt – das hat mich dann doch überzeugt. Niemand spielt den allesversengenden Zynismus der Macht so konsequent und charmant wie Kevin Spacey. Wobei schon klar ist, dass er ohne den Engel aus Stahl an seiner Seite nicht so weit gekommen wäre. Robin Wright als Claire Underwood ist natürlich auch großartig – streckenweise fand ich sie noch überzeugender als ihren Mann. Vor allem, weil sie sich erlaubt, zumindest noch ansatzweise unter dem zu leiden, was sie tut – auch wenn sie mit ihren Manipulationen letztlich genauso raffiniert, ja eigentlich sogar deutlich subtiler vorgeht als ihr Ehemann. Immerhin weint sie noch ein paar heimliche Tränen, wenn sie ihre Züge gesetzt hat, weil sie weiß, dass nun wieder Opfer fällig werden, die andere für sie und ihren Mann bringen müssen.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014 – Frank und Claire Underwood

Alles in allem ist schon enttäuschend, dass Frank die ganze Serie über einfach nur ein abgewichster Superbösewicht ist, der keinerlei menschlichen Regungen mehr zu verspüren scheint – hier sind die weiblichen Charaktere deutlich spannender. Denn auch Franks Nachfolgerin als Fraktionsführerin, Jackie Sharp (Molly Parker), ist nicht ohne – sie ist genauso durchtrieben wie die harten Jungs, mit denen sie zu tun hat. Und letztlich muss sie noch härter als sie sein, um sich durchzusetzen. Hier ist aber wenigstens die Frage spannend, ob sie hart genug sein wird, um sich mit ihren abweichenden Ansichten durchzusetzen – bei Frank ist das ja ohnehin klar.

Das nervt – auch dass beispielsweise der Mord an Zoe Barnes letztlich nur ihren ehemaligen Kollegen Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) belastet, der zu immer verzweifelteren Methoden greift, um irgendwelche Beweise zu finden. Das kann natürlich nicht gut ausgehen, und es geht denkbar schlecht für Lucas aus. Und auch Franks Leib- und Magenspezialisten in Sachen Hausmannskost, Freddy Hayes (Reg E. Cathey), erlebt nach dem Aufschwung seines Spare-Ribs-Ladens durch die plötzliche Prominenz seines Vorzugsgastes einen hässlichen Absturz – wer Franks Wege kreuzt, kann nur als Verlierer enden, selbst, wenn er nie die Absicht hatte, gegen diesen Übermacher anzutreten. Das ist einerseits konsequent, andererseits dann doch auch ziemlich öde: Wenn es überhaupt keine Möglichkeit für die anderen gibt, auch mal einen Stich zu machen, und sei es nur versehentlich, dann bleibt für den Zuschauer überhaupt keine Möglichkeit, sich auch mal klammheimlich mit wem anders mitzufreuen. Das ist es, was ich an dieser Serie vermisse: Es gibt einfach nichts zu lachen.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Normalerweise habe ich geradezu eine Allergie gegen dieses ganze „Man-muss-auch-immer-das-Positive-sehen“-Zeug. Im Gegenteil: Es kann gar nicht schlecht genug laufen. Deshalb mag ich ja auch diese ganzen skandinavischen Serien und Filme, in denen die Wendung zum Schlimmstmöglichen mit bewundernswerter Konsequenz zelebriert wird. Aber bei House of Cards wird das ohne jeden Humor durchgezogen. Es gibt null Humor – nicht einmal schwarzen. Alle sind entweder ohnehin maßlos verdorben, böse und zynisch oder wenigstens total verzweifelt, aber auf jeden Fall verlieren sie. Und das ist einfach schlimm, weil auf Dauer langweilig. Da können sich die Drehbuchschreiber noch so raffinierte Winkelzüge ausdenken – mangelnde Komplexität der Handlung kann man der Serie wirklich nicht vorwerfen.

Aber die handelnden Charaktere könnten durchaus ein bisschen komplexer sein. Nichts gegen menschliche Schwächen, die auch hier ausführlich benutzt werden, um Gegner zu Fall zu bringen. Aber zu den menschlichen Schwächen gehört ja auch, dass der Mensch gelegentlich gut sein möchte – okay, in Falle von Doug Stamper (Michael Kelly) gibt es ein Beispiel, wo der Versuch, dieses Gutsein auszuleben, mal wieder konsequent schief geht – in dem Doug die ehemalige Prostituierte Rachel (Rachel Prosnahan) nicht wie befohlen diskret aus dem Weg räumt, sondern versucht, ihr ein neues Leben zu ermöglichen, macht er Rachel nicht unbedingt glücklich. Es hätte natürlich besser laufen können, wenn Doug sie einfach in Ruhe gelassen hätte. Aber er hatte natürlich ja seine eigene Agenda. Und Rachel spielt leider nicht wie erwartet mit. Als eine der wenigen Überraschungen schafft sie es immerhin, sich in der letzten Folge aus der erdrückenden Protektion ihres zweifelhaften Gönners zu befreien, in dem sie ihn mit einem Stein niederschlägt (erschlägt?) und mit seinem Auto abhaut. Aber vermutlich wird auch das nicht lange gut gehen. Es kann gar nicht. Aber auf welche Weise es nicht gut gehen kann, werden wir aber erst in der dritten Staffel erfahren.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014: Frank hat es geschafft

House of Cards: Knallharter Macht-Poker

Wer die dänische Politik-Serie Borgen schätzt, kommt auch an der US-Serie House of Cards nicht vorbei – wobei House of Cards noch deutlich härter und zynischer ist. Aber hier steht ja auch keine idealistische Außenseiterin im Mittelpunkt, die erst als Premierministerin das große Einmaleins der Macht lernen muss. Der Protagonist dieser ersten Serie des Streaming-Dienstes Netflix ist bereits ein Virtuose der Machtausübung: Der Kongressabgeordnete Frank Underwood (Kevin Spacey) ist als Majority Whip dafür verantwortlich, die Abgeordneten seiner Partei bei Abstimmungen auf Parteilinie zu halten. Oder wie er in der ersten Folge selbst erklärt, sei er dafür verantwortlich, die Rohre durchzupusten, damit die Scheiße abfließen kann.

Frank Underwood spricht zu seinem Publikum, womit er die Zuschauer zu seinen Komplizen macht, die er quasi an die Hand nimmt, um sie in seine geheimen Ränke einzuführen: Er genießt es, der Macher hinter den Kulissen zu sein. Dort sorgt er mit Versprechen, Deals, Erpressung und notfalls auch Mord dafür, dass die Abgeordneten in seinem Sinne funktionieren – er hat nicht nur sämtliche Fäden in der Hand, er zieht auch unfehlbar an den richtigen. Die Macher der Serie haben sich dabei von einer gleichnamigen britischen Serie inspirieren lassen, die von der BBC produziert wurde.

Allerdings wird der Underwood versprochene Posten des Außenministers vom neuen Präsidenten und Parteifreund Garrett Walker an einen anderen vergeben. Das kann Frank nicht hinnehmen: Skrupellos arbeitet er an seinem Racheplan, spinnt Intrigen und vergrößert er seinen politischen Einfluss, um sein Ziel doch noch zu erreichen. Dabei wird er von seiner ebenfalls knallhart agierenden Ehefrau Claire unterstützt – bis er ihr bei einem ihrer Projekte in die Quere kommt. Die Underwoods kämpfen auch untereinander mit harten Bandagen, auch wenn sie sich in der Regel unterstützen, um ihre übergeordneten Ziele zu erreichen.

Als dritte im Bunde gibt es noch die ehrgeizige junge Reporterin Zoe Barnes, an die Frank gezielt Informationen durchsickern lässt. Sie begreift einerseits schon, dass Frank sie für seine Zwecke instrumentalisiert, andererseits will sie sich als Journalistin einen Namen machen, was ihr mit den Insider-Informationen von Frank auch schnell gelingt. Sie bildet sich zumindest streckenweise ein, die Sache mit Frank kontrollieren zu können, aber natürlich lässt sich der alte Fuchs nicht von einem jungen Ding vorführen, so abgebrüht und schlau diese Zoe ihrerseits auch ist.

In Deutschland wurde die zu recht hochgelobte und mit mehreren Emmys ausgezeichnete Serie ausgerechnet auf SAT1 ausgestrahlt, wo sie auf ein unterdurchschnittliches Publikumsinteresse stieß, was aber eindeutig gegen das Privatsender-Publikum und nicht gegen die Serie spricht. Die ist nämlich durchaus spannend und gut gemacht – allein dem großartigen Kevin Spacey dabei zuzusehen, wie er vermeintliche Freunde abserviert und gleichzeitig seine Gegner für seine Interessen einspannt, bereitet großes Vergnügen. Bemerkenswert ist auch, dass mit Netflix erstmals ein Internet-TV-Anbieter ein solches Projekt gestemmt hat und nicht die üblichen Verdächtigen wie HBO, Showtime oder AMC. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die zweite Staffel.

Ein kleines Appetit-Häppchen gibt es hier: