Babylon Berlin: Alle guten Dinge sind drei

Mit der ersten und zweiten Staffel von Babylon Berlin war ich trotz aller Opulenz der filmischen Umsetzung nicht besonders glücklich. Vor allem, weil die eigentliche Handlung des Romans mit allerlei hinzuerfunden Charakteren und Geschichten sehr in den Hinterrund rückte und die Handlung der Serie dadurch ziemlich konfus wurde. Es gab immer wieder spektakuläre Szenen und allerlei Anspielungen auf historische Ereignisse, aber mir fehlte der rote Faden einer spannenden Krimihandlung, den es im Buch von durchaus gab. Enttäuscht war ich vor allem, dass die damals in Berlin entwickelten Methoden moderner Mordermittlung, etwa eine systematische Spurensicherung und die Erfassung sämtlicher Fälle für spätere Ermittlungen in einer zentralen Kartei, im Drehbuch nur am Rande vorkamen.

Serienposter Babylon Berlin 3. Staffel: Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries)

Serienposter Babylon Berlin 3. Staffel: Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries)

Inzwischen habe ich die dritte Staffel gesehen – und es wird besser. Insgesamt bleibt das Drehbuch in den neuen Folgen etwas näher am Roman und das ist gut so. War in der ersten Sequenz Volker Kutschers Roman Der nasse Fisch kaum wieder zu erkennen, so gibt es nun immerhin gewisse Parallelen zum Folgeroman Der stumme Tod.  Hier untersuchen Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) den Tod der Schauspielerin Betty Winter, die am Set eines der  ersten Tonfilme Deutschlands von einem herabstürzenden Scheinwerfer erschlagen wird.

Natürlich wurde auch hier die Geschichte für die Serienumsetzung komplett umgestrickt; ich finde das Drehbuch aber dieses Mal gelungener, auch weil einige der losen Enden der ersten beiden Staffeln einigermaßen plausibel verknüpft werden. Dadurch werden einige Figuren aufgewertet, etwa Charlottes Freundin Greta Overbeck (Leonie Benesch) , die sich von angeblichen Kommunisten zum Attentat an Regierungsrat August Benda (Matthias Brand) hatte überreden lassen.  Nun ist sie bereit, dafür zu büßen. Oder Kriminalassistent Reinhold Gräf (Christian Friedel), der sich nun zu seiner Homosexualität bekennt. Oder die Witwe Behnke (Fritzi Haberland), die nicht nur Gefühle für ihren Mieter, den politischen Journalisten Samuel Katelbach (Karl Marcovics) entwickelt, sondern auch neue, sympathische Qualitäten bei der Unterstützung des sich nun formierenden Wiederstands gegen die Machenschaften der immer weiter nach rechts marschierenden Staatsgewalt.

Zwar fehlt nun die charismatische Swetlana Sorokina (Severija Janušauskaitė) und auch weitere zentrale Figuren haben die ersten beiden Staffeln nicht überlebt, aber dafür kommen nun neue hinzu, etwa Walter Weintraub (Ronald Zehrfeld), der kriminelle Freund und Partner des Armeniers (Misel Maticevic) und dessen Frau Esther Kasabian (Meret Becker), die nun hofft, in Betty Winters Fußstapfen zu treten und der neue Star des Films zu werden. Denn eine Filmmetropole war das Berlin der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts schließlich auch. Für musikalische Einlagen sorgen dieses Mal nicht die rauschenden Feste der Berliner Halbwelt, sondern Szenen am zeitgemäß expressionistischen Filmset und private Feiern. Überhaupt scheint die Feierwut der ersten Staffel verpufft zu sein, was verständlich ist, denn das Scheitern der Weimarer Republik und kommende Gewaltherrschaft der Nazionalsozialisten werfen bereits ihre Schatten voraus.

Die etablierten Hauptcharaktere Gereon und Charlotte haben es weiterhin nicht leicht. Achtung, ab jetzt gibt es (sanfte) Spoiler. Charlotte werden als Kriminalassistentin von ihren männlichen Vorgesetzten und Mitbewerbern immer wieder Steine in den Weg gelegt, nur weil sie eine Frau ist. Wenn auch eine durchaus für ihren Job qualifizierte, wie Charlotte immer wieder unter Beweis stellt. Nebenbei versucht sie, sich um ihre Familie zu kümmern, vor allem um ihre jüngere Schwester Toni (Irene Böhm).

Gereon hingegen leidet unter dem langen Schatten seines großen, in Krieg gefallenen (?) Bruders und seinen eigenen noch immer nicht aufbereiteten Kriegstraumata. Deshalb zerbricht auch die Beziehung zu Helga (Hanna Herzsprung), die eigentlich den Bruder geheiratet hatte, auch wenn Gereon sie von Anfang an geliebt hat. Die von Gereon vernachlässigte Helga freundet sich mit Alfred Nyssen (Lars Eidinger) an, der in ihr eine verwandte Seele entdeckt. Nebenei tüftelt der manisch-depressive Industriellenerbe Nyssen einen gewaltigen Börsencoup aus, mit dem er sich mit den Methoden der amerikanischen Kapitalisten „sein“ gutes deutsches Geld wieder holen will, das durch die Niederlage im ersten Weltkrieg verloren ging. Die Naivität der deutschen Kleinanleger, die mit geliehenem Geld an der Börse Gewinn machen wollen, wird dabei ganz gut auf den Punkt gebracht.

Auch holen die Serienmacher die Würdigung der Verdienste des Ernst Gennat (Udo Samel) nach. Die innovativen Methoden, die der langjährige Leiter der Berliner Kriminalpolizei bei der Untersuchung von Kapitalverbrechen eingeführt hat, werden dieses Mal sehr ausführlich, ja geradezu mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit, behandelt.

Am Ende spielt die systematische Fälschung von Beweisen ausgerechnet durch den mit der Aufklärung des Verbrechens befassten Forensiker eine entscheidende Rolle – wobei mir genau der Part dann zu dick aufgetragen war. Etwas genervt hat mich auch Esther, also die immer ein bisschen zu penetrant überspielende Meret Becker, aber okay, vielleicht ist es auch genau das, was ihren Seriencharakter am zutreffensten beschreibt: Dieses Changieren zwischen gnadenloser Selbstüberschätzung, was ihre Fähigkeiten aus Sängerin und Schaupielerin angeht, und Esthers offensichtlich doch vorhandenen Talent, aus einer scheinbar ausweglosen Situation das Beste herauszuholen. Das gelingt in dieser Staffel beileibe nicht allen, denen man es gewünscht hätte. Aber genau das macht diese Staffel sehenswert. Hoffentlich gibt es noch weitere Fortsetzungen, denn diese Serie schlägt sich im Vergleich zu anderen historischen Formaten, die es im deutschen Fernsehen so zu sehen gibt, dann doch überdurchschnittlich gut.

Haus des Geldes: Fast perfektes Verbrechen

Nachdem ich eine längere Zeit nicht dazu gekommen bin, mich meinem Lieblingshobby zu widmen, sorgt die Corona-Krise für eine Art Neuanfang: Es gibt, sofern man in der glücklichen Lage ist, über Freizeit zu verfügen, ja nicht viel anderes zu tun, als fernzusehen. Und in Sachen Serien ist einiges passiert, so dass ich noch eine Weile damit beschäftigt sein werde, die wichtigsten Versäumnisse aufzuholen.

Der Professor und seine Gang: Nairobi, Stockholm, Palermo, Denver, Helsinki, Lissabon, Bogota, Marseille, Rio, Tokio Bild: Netflix via serienjunkies.de

Der Professor und seine Gang: Nairobi, Stockholm, Palermo, Denver, Helsinki, Lissabon, Bogota, Marseille, Rio, Tokio Bild: Netflix via serienjunkies.de

Heute möchte ich mit einem echten Serienknaller beginnen, auch wenn die Serie nicht ganz neu ist: Haus des Geldes oder Casa del Papel, eine spanische Serie über einen spektakulären Raub. Gestern startete eine neue Staffel auf Netflix – Netflix behauptet, es sei die vierte Staffel, streng genommen handelt es aber um den zweiten Teil der zweiten Staffel. Wie dem auch sei, es geht um einen perfekt durchgeplanten Coup. Das Verbrechen des Jahrhunderts, zumindest in Spanien.

Eine hochprofessionelle Bande krimineller Spezialisten dringt in die Spanische Münze ein und druckt dort nach akribischer Vorbereitung fast eine Milliarde Euro. Ein Teil des Geldes wird im Zuge der Flucht der Gangster ans Volk verteilt, denn der geniale Kopf hinter dem Coup, der Professor (Álvaro Morte), hat von Anfang an eingeplant, dass seine Aktion als eine Art Widerstandshandlung gegen die brutale Staatsgewalt gesehen wird. Obwohl die Verbrecher Geiseln nehmen und nicht alles nach Plan verläuft, werden die Kriminellen von vielen Menschen als Helden gefeiert. Denn die Staatsmacht spielt auch nicht nach fairen Regeln. Vor allem die auf Krisensituationen trainierte Verhandlerin der Polizei und der Geheimdienst geraten aneinander, wobei allerlei privater Dreck aufgerührt wird.

Auch auf der Seite der Kriminellen spielen unmögliche Beziehungen und unkontrollierbare Emotionen eine verhängnisvolle Rolle. Obwohl der Professor sich bei der Vorbereitung größte Mühe gegeben hat, private Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gang zu unterbinden, um den Coup nicht durch persönliche Gefühle oder Befindlichkeiten zu gefährden, bleibt nicht aus, dass sich einige der Gangmitglieder näher kommen und Loyalitätskonflikte und Rivalitäten die Folge sind. Verhindert werden sollte derartige Komplikationen eigentlich durch die konsequent genutzte Tarnidentitäten, die Verbrecher werden nach Großstädten benannt, Tokio, Berlin, Moskau, Nairobi, Rio, Helsinki, Oslo und Denver. Es stellt sich heraus, dass sich der persönliche Hintergrund der Gangmitglieder nicht dauerhaft ausblenden lässt, je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr erfahren sie übereinander, ob sie wollen oder nicht. 

Dazu kommt, dass selbst der Professor seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, er verliebt sich ausgerechnet in die Polizistin, die ihn zur Aufgabe bringen soll, während sich eine der Geiseln ausgerechnet zu dem hitzköpfigen Denver hingezogen fühlt. So kommen noch Stockholm und Lissabon ins Team. In den weiteren Staffeln stoßen weitere Schwergewichte wie Palermo, Bogota oder Marseille dazu, dafür gibt es auch herzzerreißende Verluste zu beklagen. Okay, so beim Aufschreiben klingt das alles reichlich klischeegeladen und überkonstruiert, aber die Serie ist so intensiv und spannend gemacht, dass man einfach dabei bleiben muss. Für mich ist Haus des Geldes eine der besten Verbrechensserien, die es derzeit auf Netflix gibt. 

Bosch: Die 3. Staffel lohnt sich

Hieronymus Bosch, der knurrige Detective von der Mordkommission des LAPD, ist mein derzeitiger Lieblingsermittler aus den USA. Insofern war ich sehr erfreut, dass die dritte Staffel der Serie Bosch in Deutschland zeitnah zur Verfügung stand.  Die neue Staffel setzt 16 Monate nach den Ereignissen der zweiten Staffel ein – hier ging es unter anderem um einen Mordfall, in den die armenische Mafia verwickelt war und den Tod des Sohnes von Deputy Chief Irvin Irving (Lance Reddick), der während eines Einsatzes erschossen wurde. Außerdem konnte Bosch endlich den Mord an seiner Mutter aufklären – der ihn allerdings auch in der dritten Staffel noch nicht wirklich los lässt.

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Während Bosch (Titus Welliver) gemeinsam mit der Staatsanwältin Anita Benitez (Paola Turbay) darum kämpft, dass seine Ermittlungen aus der Staffel zuvor überhaupt zu einem Prozess führen, liegt schon eine neue Leiche in einem schäbigen Wohnmobil. Die Kollegen winken ab – es sieht nach einem Mord im Obdachlosen-Mileu aus, ziemlich aussichtslose Sache. Aber die sind, wie wir wissen, Boschs besondere Spezialität: Entweder zählt jeder oder keiner.

Also fängt Bosch an zu ermitteln. Es dauert gar nicht lange, da fällt Bosch eine zweite Leiche vor die Füße – oder eher auf die Füße, denn der mutmaßliche Mörder Billy Meadows, den Bosch schon seit einiger Zeit rankriegen will, begeht Selbstmord. Die Kollegen, die den Fall übernehmen, kommen schnell darauf, dass hier wohl nachgeholfen wurde – was für Bosch aber blöd ist, denn dadurch kommen sie auch seiner eigenmächtigen Ermittlung auf die Spur: Bosch hatte heimlich Kameras installiert, um den Kerl zu überwachen. Vor allem Boschs Partner Jerry Edgar (Jamie Hector) ist irritiert, als die Kollegen ihm stecken, dass Bosch offenbar in die Sache verwickelt ist.

Und dann ist da auch noch die Presse:  Der umtriebige Reporter Scott Anderson (Eric Ladin) würde zu gern endlich mal wieder eine richtig große Story schreiben – und weil es nicht gut aussieht, wenn jemand intern einen Kollegen verpfeift, kann man ja auch einen Tipp an die Medien geben und drauf vertrauen, dass die interne Ermittlung spätestens dann aufmerksam wird, wenn etwas in der Zeitung steht, was am Image der ohnehin schon nicht beliebten Polizei kratzt.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Bosch schafft es also einmal mehr, gleich mehrfach anzuecken –  und es ist ihm lange nicht klar, wer dieses Mal der fieseste seiner Gegner ist. Denn der selbstverliebte Hollywood-Regisseur Andrew Holland, den Bosch gern wegen des Mordes an einem Callgirl rankriegen würde, aber sonst nicht für voll nimmt, ersinnt einen perfiden Racheplan, der erstmal ganz gut funktioniert – aber am Ende ist Holland von seinem eigenen Drehbuch dermaßen begeistert, dass er über seine Eitelkeit stolpert: Er hätte das alles lieber für schön sich behalten sollen.

Die ehemaligen Special-Forces-Kämpfer, die hinter dem Mord an ihrem gestrauchelten Kumpel ihm Wohnmobil stecken, sind da schon ein anderes Kaliber – aber Bosch kennt sich mit diesen Typen aus, schließlich war er selbst einmal einer von ihnen. Er weiß, wie gefährlich die werden können, was seine Rolle als alleinerziehender Vater einer Teenie-Tochter nicht gerade erleichtert. Denn Maddie (Madison Lintz)  wohnt nun bei ihm, nachdem ihre Mutter Eleanor (Sarah Clarke) als professionelle Pokerspielerin nach Hongkong gezogen ist.

Maddie will ins Auswahl-Team der Volleyballmannschaft ihrer Schule und sie will Autofahren lernen – Bosch muss sich also in Verständnis und Geduld üben, was nicht seine besonderen Stärken sind. Aber er meistert das ganz gut, zumal er seine Tochter überzeugen kann, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn sie eine Weile zu Grace (Amy Aquino) zieht, der manchmal zu verständnisvollen Vorgesetzten von Bosch. Genau das wird Lieutenant Grace Billetts, die gern zum Captain aufsteigen würde, auch zum Verhängnis, obwohl sie, genau wie Bosch, wahnsinnig qualifiziert ist und einfach gute Arbeit macht.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Genau das ist es, was ich an dieser Serie mag: Wie bei der legendären Serie The Wire sind die Polizisten, (aber auch die Gangster) alle ernsthaft bei der Arbeit, auch wenn die oft aus nervtötender Routine besteht – am Ende ist es eben ein einziger fehlender Eintrag in einer offiziellen Ermittlungsakte, der beim Abgleich mit einer älteren Kopie des Originals auffällt, weil er dort noch vorhanden ist und darauf hinweist, dass hier offenbar etwas vertuscht werden soll.

Es geht bei Bosch nicht darum, immer noch spektakulärere Verbrechen zu inszenieren und die Zuschauer möglichst lange an der Nase herumzuführen, sondern einfach um solides Krimi-Handwerk: Je nach Spurenlage sieht ein Fall so oder anders aus. Insofern ist Bosch schon fast frustrierend realistisch, auch wenn die Serienmacher sich natürlich eine Reihe fernsehtauglicher Charaktere ausgedacht haben, die mehr oder weniger liebenswerte Schrullen haben und für die Serie gut funktionieren. Die Serienmacher geben ihnen Raum, sich zu entfalten, Boschs Kollegen sind allesamt ernstzunehmende Polizisten und nicht einfach nur Stichwortgeber, und auch die Typen auf der anderen Seite haben ihre eigenen Geschichten.

Insofern erinnert Bosch auch ein bisschen an Kommissarin Lund, die sture dänische Ermittlerin, die ihr Privatleben und ihre Karriere ruiniert, um eine ganze ausführliche Staffel lang einen einzigen Fall zu lösen – wobei Bosch zu cool ist, um das dermaßen auf die Spitze zu treiben. Und er ist einfach zu gut, um ihn stillzulegen: „Wollen Sie wirklich einen Detective aus dem Dienst ziehen, der in den letzten zehn Jahren 33 Morde aufgeklärt hat?“ fragt sein Oberboss entsetzt, als die interne Ermittlung ihm genau das nahelegt. Bosch kommt also wieder mit einem blauen Auge davon – aber wir brauchen ihn mindestens für eine Staffel vier noch, denn es ist noch längst nicht alles aufgeklärt.

Lob des soliden Serienhandwerks: Bosch

Okay, vielleicht ist es nur der Kontrast, der meine aktuelle Neuentdeckung so gut erscheinen lässt – aber nachdem ich mich mit einem gewissen Widerwillen durch Quantico gekämpft habe, erscheint mir die Amazon-Serie Bosch als reine Offenbarung: Eine klassische Cop-Serie mit einem altmodischen Ermittler, der seine Fälle mit einer sturen Beharrlichkeit löst, die seine Vorgesetzten regelmäßig auf die Palme bringt.

Bosch ist eine zeitgenössische Version der Serie Noir – jener düsteren Detektivgeschichten der 1930er und 40er Jahre im Großstadtdschungel von Los Angeles. Hieronymus Bosch (Titus Welliver) ist ein eigenwilliger Typ, den Dashiell Hammett oder Raymond Chandler sich nicht besser ausgedacht haben könnten – tatsächlich ist Bosch aber eine Figur des Krimiautors Michael Connelly.

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Harry Bosch ist ein altgedienter Detective des LAPD, der es mit den Vorschriften nicht allzu genau nimmt – und deshalb hat er auch ständig Stress: Diese ganze neue Politik, bei der man ständig aufpassen muss, dass man niemanden auf den Schlips tritt, geht ihm am Arsch vorbei. Er interessiert sich nicht für Erfolg und Karriere, deshalb ist er aus Überzeugung immer einfacher Detective geblieben – mit Beförderungen handelt man sich nur Ärger ein. Bosch will einfach nur seine Fälle lösen. Dabei ist er durchaus auf der Seite der Schwachen und Verlorenen – was aber nicht unbedingt zu seinem Vorteil ausgelegt wird.

Ich finde es eigentlich zu dick aufgetragen, dass Bosch nach jenem niederländischen Maler der Renaissance (durchaus beeinflusst vom Spätmittelalter) benannt ist, der zahlreiche ziemlich verstörende Bilder gemalt hat. Aber das passt schon. Außerdem steht Bosch auch in der Tradition von Sam Spade und Philip Marlowe. Es geht in der Serie um die Schattenseiten des sonnigen Los Angeles. Und Harry Bosch kennt die dunkle Seite nur zu gut – und zwar nicht nur durch seinen Job, der ihn ständig mit denen in Berührung bringt, die es auf legale Weise nicht schaffen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern durch seine eigene Lebensgeschichte.

Eifrige Reporter graben in seiner Vergangenheit und veröffentlichen hässliche Details aus seinem Privatleben: Seine Mutter war eine Prostituierte und sie wurde ermordet, als er noch ein Kind war. Bosch selbst kam ins System, wie man so sagt, und wuchs in wechselnden Pflegefamilien auf. Das hat ihn hart und misstrauisch gemacht – einerseits. Aber als der Hund eines alten Arztes einen Knochen findet, der offenbar zur Leiche eines vernachlässigten Kindes gehört, ist Boschs Interesse sofort geweckt. Und er ruht nicht eher, bis er diesen scheinbar aussichtslosen Fall gelöst hat.

Bosch muss das einfach tun, er versteht sich als Anwalt dieses toten Jungen, der in seinem kurzen Leben eine Menge Gewalt und Leid erlitten haben muss. Dabei ist Bosch derzeit nicht mal offiziell im Dienst und hat genug andere Probleme: Er steht gerade wegen unangemessenen Gebrauchs seiner Schusswaffe vor Gericht und darf bis zum Ende des Verfahrens keine neuen Fälle bearbeiten. Eigentlich.

Bosch hat einen Mann erschossen, den er wegen Zwangsprostitution und mehreren Morden verdächtigt und verfolgt hat. Und zwar entgegen der Regeln zu Fuß und allein – statt bei seinem Partner im Auto zu bleiben und auf Verstärkung zu warten, ist er dem Kerl in eine einsame Nebenstraße gefolgt und hat ihn dort gestellt. Am Ende ist der Mann tot.

Bosch sagt, der Verdächtige hätte eine Waffe gezogen und er hätte sich verteidigen müssen. Aber es gibt keine Zeugen und die Gegenseite hat eine verdammt gute Anwältin. Aufgrund seiner Vorgeschichte spricht die Jury Bosch für schuldig. Andererseits fordert sie nur eine lächerlich geringe Strafe, was durchblicken lässt, dass sie zwar sein Handeln verurteilt, mit dem Ergebnis aber völlig einverstanden ist – Bosch hat einen gefährlichen Mann von der Straße geholt. Das ist im Interesse der Allgemeinheit, um die Bosch sich demonstrativ nicht schert.

Natürlich ist er mit dem Urteil nicht zufrieden, seine Vorgesetzten müssen ihn mühsam davon überzeugen, dass es doch eigentlich gut für ihn gelaufen ist: Er muss einen symbolischen Dollar zahlen und kann wieder an die Arbeit gehen. „Aber laut diesem Urteil habe ich Mist gebaut!“ Und Bosch ist sich sicher, dass er keinen Mist gebaut hat: Er hatte keine andere Wahl. Es ärgert ihn einfach, dass man ihm nicht glaubt.

Dabei glaubt Bosch nach eigener Aussage selbst auch an nichts: Bosch führt ein Gespräch mit dem Pathologen, der die Befunde des pensionierten Arztes bestätigt – der gefundene Knochen stammt von einem Kind, und zwar von einem Kind, das seit mindestens zwanzig Jahren tot ist und in seinem kurzen Leben ständig misshandelt wurde. Der Pathologe erzählt von seinen Einsätzen in verschiedenen Kriegsgebieten und von Identifizierung der Leichen von Ground Zero nach 9/11. Und er sagt, dass sein Glaube an eine bessere Welt nach dem Tod dadurch immer stärker geworden sei. „Das ist die einzige Welt, die wir haben“, erwidert Bosch. „und sie ist voll von verlorenem Licht.“

Aber wie er das denn aushalte, fragt der Pathologe, dieses ganze Elend in der tatsächlichen Welt da draußen. Etwa, dass es diesen Jungen geben habe, der ständig verprügelt wurde und schließlich tot geschlagen worden sei. „Ich halte das nicht aus!“ antwortet Bosch.

Genau das ist der Punkt. Bosch will in dieser Welt für Gerechtigkeit sorgen – er nimmt die Dinge nicht einfach so hin und tröstet sich mit dem Gedanken an eine höhere Gerechtigkeit und ein besseres Leben im Jenseits. Diesen Selbstbetrug lässt er nicht zu. Die einzige Erlösung, die es in der Welt von Bosch gibt, liegt in seiner Arbeit, in der Aufklärung der Verbrechen, die auf seinem Schreibtisch landen. Und das finde ich so gut an dieser Figur und dieser Serie.

Der Pathologe und Bosch

Der Pathologe und Bosch

Im Grunde ist Bosch also immer bei der Arbeit, auch wenn er zuhause ist – Bosch hat dank eines seiner Fälle, den er vor Jahren als Drehbuch verkauft hat, ein für einen Bullen erstaunlich cooles Haus mit einem atemberaubenden Blick über LA. Außerdem fährt er, wie es sich für einen dermaßen aus der Zeit gefallenen Charakter gehört, einen ausladenden Oldtimer und er hat eine beachtliche Sammlung von Jazz-Platten. Was auch bedeutet, dass mir der Soundtrack zur Serie gefällt, ein weiterer wichtiger Pluspunkt.

Und ich finde total gut, dass Bosch eben kein Superheld ist, von denen es derzeit im Hollywoodkino wimmelt. Noch besser: Er ist auch kein exaltierter Antiheld wie Dexter, Hannibal oder Sherlock. Bosch ist ein sturer Bulle, der seinen Job macht. Und er macht diesen Job, so gut er kann, auch wenn seinem Chef nicht immer gefällt, was dabei heraus kommt. Wichtiger als Vorschriften sind Bosch seine eigenen Überzeugungen, für die er unerschütterlich eintritt, auch wenn die Konsequenzen schwer zu ertragen sind. Bosch hat es nicht nötig, sich hinter Regeln und Gesetzen zu verstecken, weil er weiß, was richtig und was falsch ist. Das macht ihn zu einem guten Ermittler, aber zu einem miserablen Politiker.

Vor allem wird Bosch immer misstrauisch, wenn es einfache Lösungen zu geben scheint – als der mutmaßliche Serienmörder Reynard Waits den mehr als zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an jenem Jungen gesteht, vermutet Bosch gleich, dass der ihn nicht begangen haben kann.

Und genau wie Bosch vermutet hat, war Reynards Geständnis eine Finte, die der findige Psychopath nutzt, um die Polizei vorzuführen: Er verstrickt die Ermittler nach seiner Flucht in ein tödliches Katz- und Mausspiel. In den besseren Momenten der Serie fühlte ich mich sogar entfernt an die grandiose erste Staffel von True Detective erinnert – auch wenn Bosch insgesamt konventioneller und vorhersehbarer gestrickt ist, hier fehlte den Machern dann leider doch Mut für den ganz großen Wurf.

Insgesamt ist die Serie genau wie ihr Held Bosch: Altmodisch, aber stilsicher, sie setzt auf solides Handwerk statt auf technischen Schnickschnack. Natürlich hält Bosch stur an seinem einfachen Klapphandy fest, er vertraut seiner Erfahrung und nicht irgendwelchen Smartphone-Apps. Auch wenn er sich dann irgendwann doch von seiner Teenager-Tochter erklären lässt, wie man Skype benutzt, um mit ihr in Kontakt bleiben zu können. Bosch ist keine atemberaubende Meilenstein-Serie, die ihr Genre komplett neu definiert, sondern klassischer Qualitätskrimi mit nostalgischer Note.

The Night Of: Scheiß auf die Wahrheit

Vor einigen Jahren sah ich Criminal Justice, eine ebenso brillante wie verstörende BBC-Miniserie über das britische Justizsystem – wobei die Serie insgesamt eher die Frage stellt, was Gerechtigkeit überhaupt ist bzw. was eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft daraus macht. Unbequeme Erkenntnis: Die Wahrheit, also das, was wirklich passiert ist, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, was die Leute glauben (wollen).

Eine junge Frau, die zur falschen Zeit am falschen Ort war, wird Opfer eines grausamen Verbrechens, und ein junger Mann, der ihr zufällig kurz zuvor begegnet ist, wird durch die Mühlen der Justiz gedreht, denn es weist so ziemlich alles darauf hin, dass er der Täter sein muss. Aber er ist sich ziemlich sicher, dass er nicht der Mörder ist. Blöd nur, dass er gemeinsam mit seinem angeblichem Opfer gefeiert hat, bis er einen Filmriss bekam und sich deshalb nicht erinnern kann, was in dieser verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert ist.

The Night Of: Nazir Khan "Naz" (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D'Elia) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan „Naz“ (Riz Ahmed) und Andrea (Sofia Black D’Elia) Bild: hbo.com

Und wie das bei wirklich guten Stoffen so oft der Fall ist, haben die Amis jetzt ihre eigene Version davon gedreht – und wie so oft, ist die US-Version ziemlich gut geworden. Genau wie es mit The Killing eine neue Version von Kommissarin Lund und mit The Bridge America eine von Die Brücke gibt, ist The Night Of eine wirklich gute Version von Criminal Justice. Einerseits finde ich etwas schade, dass europäische Serien in den USA nur eine Chance haben, wenn sie auf US-Verhältnisse angepasst werden – kein Wunder, dass die Leute da glauben, die USA sei das Maß aller Dinge und der Nabel der Welt. Trotzdem ist es für mich natürlich auch ganz interessant zu sehen, wie die Dinge in den USA gehandhabt werden.

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

The Night Of: Jack Stone (John Torturro) Bild: hbo.com

Immerhin: Die Hauptrolle (im Original verkörperte Ben Whishaw den naiven Ben Coulter, der aus einer spontanen Laune heraus mit dem Taxi seines Vaters ins Verhängnis fährt) spielt der pakistanisch-stämmige Brite Riz Ahmed. Den kenne ich unter anderen aus Four Lions. Er verkörpert Nazir Khan, den bisher unauffälligen, gehorsamen und vielversprechenden Sohn pakistanischer Einwanderer, wodurch in der US-Version, die in New York spielt, noch eine rassistische Komponente hinzu kommt. In diesen Zeiten, da Moslems unter Generalverdacht stehen, gibt das der Sache einen interessanten zusätzlichen Kick. Sind es im Original die anständigen Eltern der eingeborenen weißen Londoner Working Class, die ihren Sohn nach Kräften unterstützen und einfach an dieses System glauben wollen, in dessen Mühlen ihr Sohn gerade zerrieben wird, so sind es nun die anständigen, hart arbeitenden Einwanderer, die gar keine andere Wahl haben, als an das freiheitlich- demokratische US-System zu glauben, auch wenn sie genau von diesem System ständig schlecht behandelt werden.

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

The Night Of: Nazir Khan (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

Wie auch bei The Killing oder The Bridge America ist die Geschichte sehr dicht am Original – Peter Moffat, der Schöpfer von Criminal Justice, ist auch einer der ausführenden Produzenten der HBO-Miniserie, die allerdings acht Teile hat – das BBC-Original hat fünf. Für die Rolle des Strafverteidigers war eigentlich der Sopranos-Hauptdarsteller James Gandolfini gesetzt – aber der ist bekanntlich viel zu früh von uns gegangen, deshalb müht sich John Torturro als abgerockter Strafverteidiger ab – Jack Stone ist so eine Art Jimmy McGill, der auf den großen Fall wartet, mit dem er endlich zu Saul Goodman werden kann: Ein gerissener und erfahrener Einzelkämpfer, der die hoffnungslosen Fälle vertritt. Er ist kein Star, er hat keine potente Kanzlei im Rücken, er hat ein Ekzem an den Füßen und das Problem, dass seine Klienten ihn eigentlich nie bezahlen können. Aber er ist so gut, wie man in diesem System, in es eben auch auf die Kohle ankommt, halt ohne Kohle sein kann.

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

The Night Of: Detective Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

Und er muss gegen den besten Mann im NYPD antreten und in diesem scheinbar ziemlich klaren Fall ermittelt Detective Dennis Box (Bill Camp), ein alter Fuchs, der schon alles gesehen hat. Er ist sich ziemlich sicher, dass Nazir der Täter ist, auch wenn er sich über dessen Motiv nicht klar ist und manipuliert sein gesamtes Umfeld entsprechend. Aber eben weil er ein dermaßen erfahrener Cop ist, spürt er, dass irgendwas an diesem Fall faul sein muss, auch wenn er das lange nicht einordnen kann.

Was bringt einen braven Sohn muslimischer Eltern dazu, eine solche Tat zu begehen? Auch die armen Eltern werden auf eine harte Probe gestellt: Schlimm genug, dass ihr Sohn einer solchen Tat verdächtigt wird. Aber weil er diesen ausgerechnet an diesem Abend das Taxi seines Vaters genommen hat, um zu dieser Party nach Downtown zu fahren, hat Nazir die Existenz seines Vaters ruiniert – und die seiner beiden Partner, die sich eben dieses Taxi teilen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Taxi ist nun ein Beweismittel in einem Mordfall – und kann entsprechend nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllen. Dabei wollte Nazir doch nur eins – endlich ein Mädchen kennenlernen. Immerhin ist er schon 23 und wohnt noch bei seinen Eltern. Er ist ein guter Student, er ist Tutor und gibt Nachhilfe – er hilft auch im Geschäft seiner Verwandten aus – aber offenbar ist er nicht völlig vom Lebensmodell seiner pakistanischen Familie überzeugt.

The Night Of: Die Eltern - Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

The Night Of: Die Eltern – Salin Khan (Leyman Moaadi, Mitte) und Safar Khan (Poorna Jannaghtan) Bild: hbo.com

Deshalb lässt er sich auch darauf ein, diese geheimnisvolle schöne Fremde, die zu ihm ins Taxi steigt, an einen Strand zu fahren, so weit das in Manhattan möglich ist. Andrea nimmt den hübschen Jungen zu sich nach Hause – sie werfen Ecstasy ein, trinken Tequila und ziehen eine Nase Koks, Andrea scheint ein bisschen durchgeknallt zu sein, aber hey, Nazir wollte eigentlich auf eine Party und jetzt bekommt er, was er will – und Andrea will ihn offensichtlich auch. Aber irgendwann wacht Nazir vor dem offenen Kühlschrank auf und erinnert sich nicht, wie er dahin gekommen ist. Er geht nach oben, zieht sich an – es ist spät und er muss das Taxi zurück bringen. Als er Licht einschaltet, macht er es gleich wieder aus – zu schlimm ist das, was er da sieht.

Ab da nimmt das Verhängnis seinen Lauf – es ist keine schöne Serie im Sinne von guter Unterhaltung. Es geht hier nicht um Witz, Rasanz oder Coolness. Dafür gibt es andere Formate. Letztlich ist The Night Of sehr konventionell – aber das im guten Sinne, denn genau das ist hier Mittel zum Zweck: Es wird ermittelt, verhört und verhandelt. Aber das sehr intensiv und mit Liebe zum Detail. Auf das es in solchen Fällen bekanntlich ankommt. Und es wird der Alltag in Gefängnismauern gezeigt, der für normale Menschen ein absoluter Alptraum ist – denn hier sind die Kriminellen weitgehend unter sich. Gerade im Gefängnis zählen die Eigenschaften, die man für eine erfolgreiche Verbrecherkarriere braucht – hier bestimmt das Asphaltier und die Hackordnung ist strikt und erbarmungslos. Ein braver Junge wie Nazir kann hier nur Opfer sein, und als angeblicher Vergewaltiger und Mädchenmörder hat er weitere entscheidende Minuspunkte. Im Knast kann er nur überleben, wenn er mächtige Verbündete findet, und das ist noch mal ein Kapitel für sich. Draußen hingegen suchen seine Eltern nach Verbündeten. Was auch nicht einfach ist.

Insofern kann ich The Night Of absolut empfehlen. Diese Serie ist eine sehr gut gemachte Bestandsaufnahme von den Dingen, wie sie in unsere Welt nun mal sind. Das ist nicht schön, aber absolut sehenswert.

The Night Of Bild: hbo.com

The Night Of Bild: hbo.com

Utopia: Knallbunter Verschwörungsthriller

Der Vorrat an wirklich guten Serien ist leider beschränkt, aber ab und zu gibt es zum Glück noch etwas zu entdecken: Beispielsweise die britische Serie Utopia, die von Dennis Kelly geschrieben und von Kudos Film für Channel 4 produziert wurde.

Die Handlung der Mini-Serie rankt sich um ein mysteriöses Manuskript, welches sich am Ende tatsächlich als Schlüssel zur Erklärung der ebenso beängstigenden wie verwirrenden Ereignisse erweist, mit denen die Protagonisten konfrontiert werden. Utopia entpuppt sich schnell als rasanter Verschwörungsthriller, der am Ende gar nicht so abgedreht ist, wie er streckenweise zu sein scheint – wer Serien wie Regenesis oder Helix mag, wird von Utopia vermutlich ebenfalls begeistert sein.

Utopia - im Vordergrund Arby (Neil Maskell) - Bilder via Channel 4

Utopia – im Vordergrund Arby (Neil Maskell) – Bilder von Channel 4

Der Autor von The Utopia Experiment, der in einer psychiatrischen Anstalt verstorben ist, soll einen zweiten Teil seiner legendären Graphic Novel The Utopia Experiment verfasst haben, in dem es um eine unglaubliche Verschwörung geht. Es gibt einen Verleger, der behauptet, im Besitz dieses Manuskriptes zu sein und einem kleinen Kreis von eingefleischten Fans, die sich in einem Online-Forum austauschen, ein Treffen anbietet – AFK, in einem Pub. Zum ausgemachten Zeitpunkt erscheinen aber nur drei der fünf, nämlich die ehemalige Medizinstudentin Becky (Alexandra Roach), der IT-Spezialist Ian Johnson (Nathan Steward-Jarrett) und der paranoide Verschwörungstheoretiker Wilson Wilson (Adeel Akhtar). Vom angeblichen Besitzer des Manuskripts Bejan gibt es keine Spur, auch der elfjährige Grant (Oliver Woolford) ist nicht gekommen.

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Wilson Wilson (Adeel Akhtar)

Grant, der herausgefunden hat, wo dieser Bejan wohnt, bricht nämlich ein, um das Manuskript zu stehlen – allerdings ist er nicht der einzige, der das versucht: Während er in Bejans Wohnung ist, muss er mitansehen, wie zwei Typen, die man schon aus dem Prolog zur Serie als durchgeknallte Killer kennt, ihn umbringen – der Kleine behält aber die Nerven und kann mit dem Manuskript knapp entkommen. Der clevere kleine Grant ist nämlich das Produkt einer gelungenen Kriminellen-Sozialisierung, bei der er schon früh lernen musste, sich allein durchzuschlagen, weil seine Mutter so ziemlich alles nicht auf die Reihe kriegt.

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Grant (Oliver Woolfort) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Dann gibt es noch Michael Dugdale (Paul Higgins), den Staatssekretär im Gesundheitsministerium, der aufgefordert wird, unter allen Umständen dafür zu sorgen, dass eine große Menge neuen Impfstoffs gegen die russische Grippe geordert wird, die gerade ausgebrochen sei und in Kürze die Volksgesundheit in Großbritannien bedrohe – Dugdale ist wegen einer persönlichen Eskapade erpressbar und sorgt deshalb tatsächlich dafür. Der darauf folgende Skandal über diese immense Verschwendung öffentlicher Gelder ist beträchtlich und der Gesundheitsminister muss seinen Hut nehmen – aber es stellt sich heraus, dass die russische Grippe tatsächlich ausbricht und Dugdale ist plötzlich ein Held – erstmal. Denn natürlich verbirgt sich noch etwas ganz anderes hinter dieser russischen Grippe-Epidemie und dem Impfstoff dagegen.

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian  (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Utopia: Becky (Alexandra Roach), Ian (Nathan Steward-Jarrett) und Wilson (Adeel Akhtar)

Es gibt nämlich einen Pharmakonzern, der zahlreiche staatliche Stellen unterwandert hat und seine eigene Agenda verfolgt – und die hat tatsächlich mit jenem geheimnisvollen Manuskript zu tun. Genau wie auch die geheimnisvolle Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy), nach der die beiden Auftragskiller suchen. Mit dem Auftauchen von Jessica Hyde nimmt die Geschichte dann so richtig Fahrt auf – aber jetzt muss ich mich zusammen nehmen und meine chronische Spoileritis in den Griff bekommen, denn Utopia macht vor allem dann richtig Spaß, wenn man nicht weiß, wo der Bus ist.

Der Plot hat es wirklich in sich – aber man kann durchaus ins Grübeln kommen, ob die Aluhut-Träger, Ufo-Seher und Chemtrail-Paranoiden der Welt nicht in manchen Dingen doch näher an der Realität sind, als einem als skeptischer Normalo lieb sein kann. Denn es ist ja nicht so, dass die Pharmaindustrie keine Krankheiten erfinden würde, weil sie den Leuten die Medizin dagegen verkaufen will.

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Utopia: Michael Dugdale (Paul Higgins)

Das passiert ständig – und die anderen Branchen sind nicht weniger erfindungsreich. Aber in Utopia geht es noch um etwas ganz anderes – hier soll auf verquere Weise die Welt gerettet werden. Und das wird in verstörenden Bonbonfarben auf die harte Tour erzählt. Für empfindsame Gemüter ist diese Serie definitiv nichts. Aber wer damit klar kommt, dass Gewalt angewendet wird, wo es nötig ist, auch wenn man darüber unterschiedlicher Ansicht sein kann, wann es wirklich nötig wäre, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Und Verschwörungstheoretiker sowieso.

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy)

Utopia: Arby (Neil Maskell) und Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)

Auf jeden Fall hat Utopia eine sehr eigene Ästhetik – eben mal nicht den typischen Anthrazit-Chic der neueren britischen Krimi-Serien, hier ist alles durch zu viel Farbe verfremdet, was gleichzeitig irgendwie nostalgisch wirkt – wie eine gut gezeichnete Graphic Novel eben. Allein der Look hat mich sehr begeistert – das war ja auch ein Aspekt, der mir an Mr. Robot so gut gefallen hat. Nur dass Mr. Robot dann doch eher unterkühlen skandinavischen Farbpalette folgt, und es immer viel Raum über, neben und zwischen den Köpfen der Protagonisten gibt, während Utopia eine vollgestopfte Rumpelkammer aus detailreich ausgemalten Bildern ist, die auf britischen Flohmärkten zusammengekauft sein könnten.

Hier noch ein paar Impressionen:

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100 Code: Ein Amerikaner in Stockholm

In der letzten Zeit habe ich die Skandinavier etwas vernachlässigt – wobei ja nun auch nicht jede der erstaunlich vielen schwedischen Krimiserien wirklich gut ist. Diese ganzen Irene-Huss- oder Maria-Wern-Krimis muss ich mir nun wirklich nicht ansehen. Aber auf 100 Code war ich neugierig – eine internationale Serie, die von Sky Deutschland produziert wurde und mit Michael Nyqvist und Dominic Monaghan zwei international bekannte Stars als Ermittler aufbietet.

Michael Nyqvist kennt man aus Kommissar Beck und einer Menge Wallander-Filmen und natürlich aus der Original-Verfilmung der Stig-Larson-Trilogie, in der er den idealistischen Journalisten Michael Blomqvist spielt, der gemeinsam mit der genialen, aber ziemlich gestörten Hackerin Lisbeth Salander sehr vertrackte Verbrechen aufklärt. Dominic Monaghan hingegen kannte ich vor allem aus Lost, wo er das britische One-Hit-Wunder Charlie Pace spielt, Herr-der-Ringe-Fans werden ihn als Hobbit Meriadoc Brandybock kennen.

Thomas Conley (Dominic Monaghan) und Michael Eklund (Michael Nyqvist) in 100 Code

Thomas Conley (Dominic Monaghan) und Michael Eklund (Michael Nyqvist) in 100 Code (Bild via sky.de)

Interessante Mischung, dachte ich mir – ist es tatsächlich auch, natürlich kann der schwedische Kommissar Michael Eklund, der eigentlich den Polizeidienst quittieren will und jetzt noch einen letzten, wie sich herausstellt, überaus komplexen Fall aufgehalst bekommt, seinen Kollegen vom NYPD nicht ausstehen. Und Detective Thomas Conley ist keineswegs der Obersymphat – nicht nur, weil er ständig kotzt, weil ihm vom Fliegen, vom Autofahren und natürlich auch vom übermäßigen Saufen immer schlecht wird.

Er ist auf einer persönlichen Mission und hält sich nicht an die Regeln – als alter Ami lässt er sich von den Schweden nicht entwaffnen, und besonders mitteilsam ist er auch nicht. Eklund muss ihm Details über andere Fälle nach und nach aus der Nase ziehen. Andererseits weiß er auch ein Menge über Fälle, die möglicherweise mit aktuellen Morden in der schwedischen Hauptstadt zu tun haben – so viel, dass Eklund, der Conley nun wirklich nicht leiden kann, seine Chefin überzeugt, dass sie ihn als Experten für Serienmorde in Schweden behalten müssen – denn damit kennen sie sich in Schweden nicht aus.

Und die Morde an jungen, schönen, blonden Mädchen entwickeln sich zu einer schreckliche Serie – vor allem, als sich herausstellt, dass der (oder die) Mörder immer zwei Mädchen töten – eins gleich, brutal und offensichtlich, eins langsam und versteckt. Und immer sind Blumen am Tatort – Affodilgewächse, was die Ermittler auf mythologische Fährten lockt, der Raub Persephones durch den Gott der Unterwelt, Hades.

Das ist alles in allem gar nicht schlecht – Martin Wallström ist übrigens auch dabei, wenn auch nur in einer kleinen Rolle – aber irgendwie auch nicht so richtig gut. Zumindest im Vergleich mit anderen richtig guten Serien – was ich zuvor an Breaking Bad und jetzt an Mr. Robot so gut finde, ist, dass die Handlung wahnsinnig dicht und gut konstruiert ist – es gibt kein überflüssiges Gehampel, um Sendezeit zu schinden. Nicht nur, dass es unglaublich interessante Charaktere, eine spannende Entwicklung und immer wieder tolle Bilder gibt, jeder Satz, jede Geste, jedes Detail hat einen bestimmten Sinn, wie sich im Lauf der Handlung herausstellt.

So genial ist 100 Code nicht, auch wenn sich die Macher durchaus Mühe geben haben, keinen 0/8/15-Krimi abzuliefern. Ich habe jetzt drei Folgen angesehen und bin durchaus gespannt, wie es weiter geht – aber eben nicht völlig hin und weg. Solide Krimikost, wie von Skandinaviern zu erwarten ist – wobei der 100-Code-Autor Bobby Moresco ja US-Amerikaner ist, der für L. A. Crash sogar einen Oscar für das beste Drehbuch bekommen hat. Und einen Haufen anderer Auszeichnungen für andere Drehbücher. Also mal sehen was noch draus wird – es gibt ja immerhin zwölf Teile in der ersten Staffel.

Five Days: Plötzlich vom Bildschirm verschwunden

Die Briten sind die Meister der Miniserie – und auch wenn Five Days aus dem Jahr 2007 nicht zu den brandaktuellen Highlights gehört, lohnt es sich für Krimi-Freunde doch, den Fünfteiler einmal anzusehen. Die Koproduktion von HBO und BBC wurde erst im vergangenen Jahr im deutschen Fernsehen gezeigt und ist im Februar wieder auf Sky zu sehen. Es handelt sich um einen klassischen Krimistoff, universell und zeitlos – es geht in dieser Serie nicht nur um ein Verbrechen und dessen langwierige Aufklärung, sondern auch darum, was es mit den Menschen macht, über die eine solche Katastrophe plötzlich hereinbricht und wie ihr Leben dadurch völlig aus den Fugen gerät.

Five Days, Miniserie BBC/HBO

Five Days, Miniserie BBC/HBO

Tag eins scheint ein Tag wie jeder andere zu sein: Eine junge attraktive Mutter fährt mit ihren Kindern los – zumindest mit den beiden kleineren, die Teenager-Tochter will lieber zuhause bleiben und behauptet, dass sie noch Hausaufgaben machen muss. Aber eigentlich hat sie keine Lust auf den Besuch beim Urgroßvater, der im Altersheim schon sehnsüchtig wartet. Auf dem Weg halten sie noch beim Tierheim an – endlich dürfen die Kinder den Hund mitnehmen, den sie sich schon lange gewünscht haben. Und weil der Opa so gerne Blumen mag, hält Leanne (Christine Tremarco) noch einmal schnell an, um bei einem Straßenhändler einen Strauß weiße Nelken zu kaufen. Den Kindern schärft sie ein, auf jeden Fall im Auto zu bleiben, weil das Aussteigen in der Nähe der viel befahrenen Autobahn zu gefährlich ist.

Screenshot Five Days: Leanne (Christine Tremarco) kauft Blumen

Screenshot Five Days: Leanne (Christine Tremarco) kauft Blumen

Screenshot Five Days: Leanne ist verschwunden

Screenshot Five Days: Leanne ist verschwunden

Es sind nur ein paar Meter bis zum Blumenstand – wenige Augenblicke wird die Sicht von einem Lastwagen versperrt, dann sieht man den Blumenstrauß am Straßenrand liegen. Der Straßenhändler packt eilig ein und verschwindet – die Kinder bleiben ratlos zurück. Bis Ethan realisiert, dass seine Mutter verschwunden ist und nicht zurückkommen wird. Deshalb verlassen sie mit ihrem neuen Hund das Auto, um sich auf den Weg nach Hause zu machen.

Der Wagen bleibt mit offener Türe am Straßenrand stehen – die Tasche und das Handy von Leanne liegen noch auf dem Beifahrersitz. Wenig später steigen die Kinder in einen weißen Transporter, weil der Mann am Steuer behauptet, ihre Eltern zu kennen – was tatsächlich auch zutrifft, wie sich später noch herausstellen wird. Aber die Kinder kommen nicht zuhause an.

Screenshot Five Days: Leannes verlassener Wagen

Screenshot Five Days: Leannes verlassener Wagen

Der besorgte Großvater ruft die Polizei an, weil Leanne nicht wie verabredet bei ihm auftaucht. Aber als eine Streifenpolizistin, die zufällig in der Nähe ist, vorsichtshalber bei der Wohnung von Leanne und Matt Welling vorbei schaut, erklärt die Teenie-Tochter Tanya, dass der Opa schon über 80 sei und manchmal ziemlich spinne – der würde ja immer gleich die Polizei rufen. Somit scheint sich der erste Hinweis als Fehlalarm herauszustellen.

Screenshot Five Days: Tanya glaubt noch nicht, dass ihre Mutter verschwunden ist

Screenshot Five Days: Tanya glaubt noch nicht, dass ihre Mutter verschwunden ist

Doch irgendwann wird es dunkel und Tanya versucht, ihre Mutter zu erreichen. Die geht aber nicht ans Handy – das liegt ja noch in dem verlassenen Wagen. Als Leannes Ehemann Matt (David Oyelowo) später aus dem Fitness-Studio, in dem er arbeitet nach Hause kommt, macht er sich Sorgen und ruft erst im Altersheim an – um zu erfahren, dass Leanne gar nicht dort war. Jetzt ruft Matt bei der Polizei an und das Verschwinden von Leanne und ihren Kindern Ethan und Rosie wird offiziell zu einem Vermisstenfall. Die kurz vor ihrer Verabschiedung stehende Ermittlerin Amy Foster (Janet McTeer) und ihr Chef Iain Barclay (Hugh Bonneville, bekannt als Lord Grantham aus Downton Abbey) nehmen ihre Arbeit auf.

Screenshot Five Days: Ethan und Rosie

Screenshot Five Days: Ethan und Rosie

Auch Tanya wird der Ernst der Lage klar, als Polizisten mit Handschuhen zu Hause alle Sachen durchsuchen. Leannes Eltern werden angerufen – sie sollen sich um ihre inzwischen doch recht panische Enkelin kümmern. Aber noch versuchen sich alle gegenseitig zu beruhigen, dass „solche Dinge“ ja nur im Fernsehen passieren würden. Bestimmt kommt die lebenslustige und spontane Leanne gleich mit den Kindern nach Hause und es gibt für alles eine einfache Erklärung. Aber Leanne kommt nicht nach Hause. Sie bleibt verschwunden.

Screenshot Five Days: Tanya und Matt (David Oyelowo)

Screenshot Five Days: Tanya und Matt (David Oyelowo)

Das plötzliche Verschwinden einer hübschen jungen Mutter und ihrer Kinder an einem schönen Sommertag ist natürlich auch ein gefundenes Fressen für die Medien – und die Pressesprecherin der Polizei Defne Topcu findet, dass man diesen Umstand nutzen sollte. Sie will die Medien für die Suche nach Leanne und den beiden Kindern nutzen. DCI Barclay ist davon nicht begeistert – er ist überhaupt ein Ermittler der ruhigen, nachdenklichen Sorte und kämpft gegen jede Art von Voreingenommenheit, die ihm überall entgegen schlägt: In den meisten Fällen, in denen eine verheiratete Frau verschwindet, ist bekanntlich der Ehemann der Täter. Und dieser Matt ist nicht nur so ein sportlicher Schwarzer, den alle möglichen Frauen attraktiv finden, sondern auch noch ein Waisenkind – da kann man ja nie wissen.

Screenshot Five Days: DCI Barclay (Hugh Bonneville) und DS Foster (Janet McTeer)

Screenshot Five Days: DCI Barclay (Hugh Bonneville) und DS Foster (Janet McTeer)

Nach und nach zweifelt selbst Leannes Mutter Barbara (Penelope Wilton), die Matt eigentlich ganz toll findet und ihn anfangs vehement verteidigt. Auch die Beziehung zwischen Barbara und ihrem Mann John, einem pensionierten Lehrer, der seine Wochenenden damit verbringt, seine selbst gemachten Marmeladen auf Märkten zu verkaufen, gerät über das Verschwinden des einzigen Kindes in die Krise.

Die Serie spielt nicht nur mit gängigen Vorurteilen und Erwartungen, sondern zeigt auch die Grenzen der gerade in Großbritannien schon fast flächendeckend ausgebauten Videoüberwachung öffentlicher Straßen und Plätze: Genau dort, wo es interessant würde, ist ein toter Winkel. Oder zufällig ein Laster im Weg. Die Videokameras sehen viel, aber nicht alles. Und so kann zwar rekonstruiert werden, wann und wo die Mutter und wo ungefähr die Kinder verschwunden sein müssen, nicht aber, wo sie geblieben sind. Deshalb entwickelt sich der Fall zu einer langwierigen und nervenzehrenden Belastungsprobe für alle Beteiligen.

Screenshot Five Days: Das letzte Überwachungsvideo, auf dem Ethan und Rosie zu sehen sind

Screenshot Five Days: Das letzte Überwachungsvideo, auf dem Ethan und Rosie zu sehen sind

Die Serie zeigt verschiedene Stadien dieser Entwicklung anhand von fünf ausgewählten Tagen (Tag 1, Tag 3, Tag 28, Tag 33 und schließlich Tag 79). Im Laufe dieser Tage werden eine ganze Menge Beziehungen und Freundschaften auf eine harte Probe gestellt. Es gibt viele Missverständnisse und frustrierende Sackgassen und am Ende stellt sich vieles als ganz anders heraus, als anfangs gedacht. Britisches Psychodrama vom Feinsten also.

Под Прикритие – Undercover

Bisher hatte ich Bulgarien als Fernsehland nicht auf dem Schirm und schon gar nicht als Herkunftsort besonderer Krimi-Serien. Aber mit Undercover (Pod Prikritie/Под Прикритие) haben die Bulgaren eine wirklich bemerkenswerte Krimi-Serie ins Rennen geschickt. Die Geschichte erinnert ein bisschen an GSI Göteborg – es geht auch um einen verdeckten Ermittler, der sich in Verbrecherkreise einschleust und in ständiger Gefahr lebt, entdeckt und umgebracht zu werden. Aber anders bei der GSI handelt es sich hier um einen echten Ein-Fall-Mehrteiler, in dem sich ein großer Handlungsbogen durch eine komplette Staffel zieht und nicht wie bei der GSI um jeweils abgeschlossene Teile, die zwar aufeinander aufbauen, die man aber auch einzeln ansehen kann.

Ivaylo Zahariev als Martin Hristov in Undercover, Bulgaria 2011

Ivaylo Zahariev als Martin Hristov in Undercover, Bulgaria 2011

Und im Gegensatz zum schwedischen Frank Wagner, der als ehemaliger Kleinganove eher zufällig in sein Doppelleben als Gang-Mitglied und Polizei-Informant gerutscht ist, wurde der junge bulgarische Polizist Martin Hristov (Ivaylo Zahariev) von seinem Mentor und Führungsoffizier Emil Popov (Vladimir Penev) – sozusagen der Johan Falk in Undercover – jahrelang für diese heikle Mission ausgebildet. Popov arbeitet bereits seit mehr als 10 Jahren daran, die Machenschaften der bulgarischen Mafia aufzudecken.

Allerdings stammt auch Martin aus einem zweifelhaften Milieu – Emil Popov hat ihn als Jungen aus einem Heim für Schwererziehbare rausgeholt und auf eine Sportschule geschickt, dort hat Martin neben Disziplin auch Boxen gelernt. Vermutlich auch aus Dankbarkeit gegenüber Popov hat sich Martin danach für eine Karriere bei der Polizei entschieden – und zwar für eine sehr spezielle. Er wird für seine Ausbildung sogar nach Frankreich geschickt.

Screenshot Undercover: Martin und Emil

Screenshot Undercover: Martin (Ivaylo Zahariev) und Emil (Vladimir Penev)

Popov hat Großes mit seinem Zögling vor: Er will an den einflussreichen Mafiaboss Petyr „Jaro“ Tudjarov (Mihail Bilalov) heran, der in allen dreckigen Geschäften des Landes seine Finger hat. Jaro war selbst einmal Polizist, und zwar einer der intelligentesten. Er hat beste Verbindungen in die höchsten Kreise, er geht gern in die Oper, trainiert Aikido und kocht vorzüglich. Er ist sehr vorsichtig, sehr nachtragend und eiskalt.

Es gelingt Martin, sich in Jaros Gang einzuschleichen – schließlich ist er ein geübter Schläger mit soliden Nehmerqualitäten – das „Bewerbungsgespräch“ bei der Mafia endet damit, dass er sich furchtbar verprügeln lassen muss. Wobei das absolut sachgerecht ist, denn Martin begibt sich jetzt in eine Welt aus Verbrechen und Gewalt – wer da nicht hart ist, kann nicht überleben. Die logische Frage von Jaro ist also: Ist Martin hart genug für einen Job bei ihm?

Emil Popov (Vladimir Penev) wartet auf Martin Hristov (Ivaylo Zahariev

Emil Popov (Vladimir Penev) wartet auf Martin Hristov (Ivaylo Zahariev

Augenscheinlich ja: Martin kriegt den Job und kann auf diese Weise Insider-Informationen beschaffen, die er seinem Chef zukommen lässt. Um die Mission nicht zu gefährden, ist sie natürlich so geheim, dass außer Martin nur Emil Popov weiß, dass sie überhaupt statt findet – was beiden eine Menge Schwierigkeiten bereitet, denn Popov muss seine übereifrigen Kollegen bei der Polizei immer wieder daran hindern, den vermeintlichen Verbrecher Martin aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie genügend Informationen über Jaros Geschäfte und stichhaltige Beweise für seine illegalen Machenschaften beisammen haben. Woraufhin sich die Kollegen mitunter schon fragen, was denn eigentlich mit diesem Popov los ist – so ganz auf der Höhe scheint ihr Chef nicht mehr zu sein.

Vladimir Penev als Inspector Emil Popov. Undercover, Bulgaria 2011

Vladimir Penev als Inspector Emil Popov. Undercover, Bulgaria 2011

Der hat natürlich auch private Probleme, etwa seine pubertierende Tochter, die mit einem Freund ankommt, der nicht nur nicht weiß, wann man seine Mütze abnehmen muss, sondern auch staats- und polizeifeindliche Lieder rappt, wobei wenn er sich selbst eher als politischen Lyriker denn als Staatsfeind und zukünftigen Kriminellen sieht.

Martin selbst hat zum Glück kein Privatleben im eigentlichen Sinne, jedenfalls hat er keine Freundin und auch keine Familie. Aber es bleibt nicht aus, dass er gelegentlich romantische Gefühle entwickelt – und das ausgerechnet für Sunny (Irena Miliankova), die schöne Freundin von seinem Brutalo-Boss Jaro, die er eines Abends vor einem zudringlichen Verehrer rettet.

Screenshot Undercover: Mafia-Boss Jaro (Mihail Bilalov) und seine rechte Hand Ivo (Zahary Baharov)

Screenshot Undercover: Mafia-Boss Jaro (Mihail Bilalov) und seine rechte Hand Ivo (Zahary Baharov)

Sunny ist eigentlich Tänzerin und kreuzunglücklich mit ihrem dominanten Freund, für den sie in erster Linie ein schönes Schmuckstück ist, das er gern herumzeigt und eifersüchtig überwacht. Sie lebt im goldenen Käfig und leidet darunter, deshalb versucht sie immer wieder auszubrechen – was Jaro aber unnachgiebig bestraft. Illoyalität ist für den Mafia-König das Schlimmste überhaupt.

Natürlich wird das Leben für Sunny und Martin deutlich komplizierter, nachdem sie miteinander im Bett gelandet sind. Andererseits wollen sie sich nicht gegenseitig in Schwierigkeiten bringen und gehen sehr diskret mit der Sache um, sie halten gegen Jaro zusammen und helfen sich gegenseitig immer wieder aus brenzligen Situationen heraus. Es gibt allerdings noch genügend brenzlige Situationen, in denen Sunny Martin nicht helfen kann.

 Martin Hristov (Ivaylo Zahariev) und Sunny (Irena Miliankova)

Martin Hristov (Ivaylo Zahariev) und
Sunny (Irena Miliankova)

Zumal sie auch nicht damit klar kommt, dass Martin sich dieses Leben in der Gang von Jaro offenbar freiwillig ausgesucht hat. Als sie ihn irgendwann einmal darauf anspricht, erklärt er ihr, dass er gern tue, was er da mache. Die Zuschauer wissen natürlich, was er eigentlich meint, aber Sunny kann das nicht wissen – was Martin durchaus klar ist. Aber er weiß eben auch, dass sie sich nicht zu nahe kommen dürfen. Also ist er auch für Sunny lieber der bad guy, der er ja für die anderen ohnehin sein muss.

Wobei er durchaus darunter leidet. Er erweist sich zwar immer wieder als findiger Ganove – wobei er es hasst, wenn Emil ihn „Gauner“ nennt, wenn er Martin ebenfalls mit sachdienlichen Hinweisen versorgt, so dass Martin sich als Verbrecher profilieren kann. Aber zuzusehen, wie Sunny oder andere misshandelt oder gar umgebracht werden, das fällt Martin schwer. Noch schwerer wird es, wenn er selbst Leute misshandeln oder umbringen soll – er ist durchaus ein harter Bursche, aber kein Killer. Noch nicht.

Screenshot Undercover: Die Jungs von Jaros Gang.

Screenshot Undercover: Die Jungs von Jaros Gang.

Undercover ist eine wirklich gut gemachte Krimiserie, die absolut mit skandinavischen und US-Produktionen mithalten kann, sehr realistisch und mit einer eigenen, markanten Bildsprache – in dem Punkt erinnert mich die Serie durchaus an Gomorrha, wobei man der Fairness halber sagen muss, dass die erste Staffel von Undercover (Pod Prikritie) schon 2011 entstanden ist, also deutlich vor Gomorrha. Auch Undercover zeigt die hässlichen Seiten des Lebens, geschmacklose Neureichen-Domizile und herunterbekommende Wohnblocks, leerstehende Fabrikgebäude und trostlose Landschaften. Für alle Freunde des realisitisch-harten Mafia-Krimis ein absolutes Muss.

Screenshot Undercover / Под Прикритие

Screenshot Undercover / Под Прикритие

Person of Interest: Die Maschine existiert

Jetzt ist es wieder hässlich und dunkel draußen und während man darauf wartet, dass endlich die neue Folge von Gomorrha oder Homeland ausgestrahlt wird – beides gibt es derzeit im klassischen Eine-Folge-pro-Woche-Format, womit trainierte Binge-Viewer nicht glücklich werden können – kann man nebenher noch andere Serien wegglotzen. Bei Netflix bin ich auf die erste Staffel von Person of Interest gestoßen – das ist genau so eine Serie, die sich sehr gut eignet, um die Zeit bis zum nächsten großen Ding zu überbrücken. Schon weil diese Serie pro Staffel viele Folgen hat, allein in der ersten Staffel sind es 23.

Wobei ich sagen muss, dass Person of Interest schon deutlich deutlich besser ist als The Blacklist oder auch Murder in the First, diese Serien sind ganz okay, wenn man alles andere schon gesehen hat, aber eben nicht dermaßen gut wie Breaking Bad, True Detective oder Fargo.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Bei Person of Interest bin ich mir noch nicht ganz sicher – es handelt sich einerseits um ein klassisches Ein-Fall-pro-Folge-Format, gleichzeitig gibt es aber eine ziemlich komplexe folgenübergreifende Rahmenhandlung, in die auch immer wieder Rückblenden aus dem Leben der beiden Hauptpersonen eingewoben werden. Bei den Hauptpersonen handelt es sich um den ziemlich verschrobenen Programmierer und Abhörspezialisten Harold Finch (Michael Emerson), der auf einer illegalen, aber sehr ehrenwerten Mission ist und als Helfer den ehemaligen CIA-Killer John Reese (Jim Caviezel) angeworben hat. Der geniale Harold hat gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Geschäftspartner Nathan Ingram für die US-Regierung Die Maschine konstruiert.

Die Maschine ist ein gigantischer (und sehr geheimer, weil völlig illegaler) Überwachungsapparat, bestehend aus unzähligen Überwachungskameras sowie Anzapfknoten bei Telefon- und Internetanbietern, Sozialen Netzwerken (Finch erwähnt irgendwann nebenbei, dass er die Sozialen Netzwerke extra erfunden hat, weil die Leute so gern was über sich erzählen, was eine Menge Recherchearbeit spart), Banken, Behörden, Fluglinien, Kreditkartenunternehmen, und was es sonst noch an digitalen Footprints gibt, die Menschen hinterlassen, die Daten an eine riesige Serverfarm liefern. Nur eine Handvoll eingeweihter Menschen wissen, dass die Maschine existiert. In ihren Servern werten äußerst raffinierte Algorithmen die Datenmassen aus und liefern Hinweise auf mögliche Attentäter – auf diese Weise können Terroranschläge rechtzeitig entdeckt und verhindert werden.

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Die Maschine spuckt, wenn sie auffällige Muster entdeckt, die dazugehörende Sozialversicherungsnummer aus. Allerdings interessiert sich die Regierung nur für Terroristen, nicht aber für gewöhnliche Verbrechen. Deshalb gibt es eine Liste mit relevanten und eine mit irrelevanten Hinweisen. Die relevanten Hinweise werden nach einem streng geregelten Protokoll an die entsprechenden Einheiten bei NSA, CIA und Co. weiter gegeben. Die irrelevanten werden wieder gelöscht – ein Umstand, der Harold schwer zu schaffen macht, denn es handelt sich auch hier um Menschenleben, die gerettet werden könnten. Aber es geht um Terrorabwehr, nicht um die herkömmliche Verbrechensbekämpfung – und genau das war ja auch die Absicht: Es soll nur soweit eingegriffen werden, wie zur Sicherheit der Nation nötig ist. Alles andere ist irrelevant.

Durch seine bisherige Arbeit als Programmiergenie ist Harold offenbar sehr reich geworden, er lebt völlig zurückgezogen und ist nur glücklich, wenn er sich durch irgendwelche Systeme hacken kann. Er hat die Maschine so programmiert, dass sie völlig autark arbeitet, damit sie nicht missbraucht werden kann. Denn Harold kein Überwachungsfanatiker, sondern ein sehr gewissenhafter Mensch, der eigentlich nur Gutes tun will. Deshalb beschließt er auch, sich auf eigene Faust um die irrelevanten Nummern zu kümmern. Aber weil er halt ein Nerd und kein Kämpfer ist und gesundheitlich ohnehin nicht besonders auf der Höhe, braucht er Hilfe. Und so sucht und findet er John Reese.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

John versucht gerade, sich zu Tode zu saufen – sein Leben hat keinen Sinn mehr. Er war einmal eine Spitzenkraft bei den US Special Forces und CIA-Agent – aber er hat seine Existenz als hochtrainierte Killermaschine mit zweifelhaften Aufträgen leid. An ein Privatleben ist bei einem solchen Job ohnehin nicht zu denken – deshalb hat er seiner großen Liebe ja auch gewünscht, dass sie mit einem anderen glücklich werden solle. Hat aber nichts genützt, sie ist jetzt trotzdem tot. Genau wie er selbst eigentlich tot sein sollte – aber einer wie John Reese ist sehr schwer umzubringen, es sei denn er übernimmt das selbst. Und er hat gerade damit angefangen.

Harold gelingt es aber, John zu überzeugen, dass sein Leben wieder einen Sinn haben könnte: Indem er Harold dabei hilft, Menschen zu retten. Schließlich hat John eine Menge Talente, die Harold für seine Mission gut gebrauchen kann – im Grunde ist er der reinste James Bond: John ist nicht nur ein Kampfkünstler und kennt sich mit Waffen, Sprengstoff sowie dem ganzen herkömmlichen Spionagekram aus, sondern spricht auch mehrere Sprachen, hat medizinische Kenntnisse, ein erstaunliches Improvisationstalent und Nerven wie Drahtseile. Man kann ihn praktisch überall einsetzen. Ob er sich nun als Mitglied einer Verbrechergang, als Sicherheitsexperte, Anlageberater oder Versicherungsvertreter ausgeben soll: Reese kriegt das hin.

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Und für alles, was er nicht selbst hinkriegt, ist er in der Lage, jemanden zu rekrutieren. So bringt er den korrupten Bullen Lionel Fusco dazu, als Informant für ihn zu arbeiten. Und Fusco, der sehr gern ein besserer Bulle wäre, als er nun einmal ist, macht erst widerwillig und dann immer engagierter mit. Auch wenn er für Reese weiterhin den korrupten Bullen machen muss, denn anders lässt die ominöse Polizei-Mafia HR nicht infiltrieren.

Und dann gibt es noch Detective Jocelyn Carter, ehemalige Verhörspezialistin der US Army, die eine Art weiblicher Alex Murphy ist – die einzige nicht korrupte Polizistin zumindest in ganz New York. Carter ist monatelang hinter diesem mysteriösen Mann im Anzug her, der immer dort auftaucht, wo es Ärger gibt, und dann massenhaft Leichen hinterlässt. Aber sie stellt fest, dass der Mann im Anzug immer wieder Menschen rettet – er macht genau das, was sie als Polizistin schließlich auch will. Nur dass sie sich an das Gesetz halten muss und Reese eben nicht. Also lässt sie sich nach und nach überzeugen, dem „Team Maschine“ zu helfen.

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Auf diese Weise entwickelt die Serie doch einen ziemlich heftigen Sog, obwohl es Folge für Folge eigentlich immer wieder das gleiche ist: Die Maschine spukt eine oder mehrere Nummern aus und Harold und John legen los: Denn wenn eine Nummer kommt, haben sie nur maximal 48 Stunden Zeit, heraus zu finden, was Sache ist und ihren Job zu erledigen. Ein großer Teil der Spannung entsteht aus dem Umstand, dass nicht bekannt ist, ob der Mensch zur Nummer Täter oder Opfer ist – hier machen Harold und John immer wieder Fehler, es kommt durchaus vor, dass sie die Falschen retten.

Interessant ist auch, dass die Serie, zumindest die beiden ersten Staffeln, bereits VOR den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden entstanden sind – hier ist die Fiktion von der Realität überholt worden. Inzwischen wissen wir, dass die Maschine existiert, vermutlich sind es sogar mehrere Maschinen. Sie sind vielleicht noch nicht ganz so perfekt wie die Maschine in Person of Interest – aber ihre Erschaffer sind gewiss nicht so integer wie Harold Finch und Nathan Ingram. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend – im Gegenteil.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)