Liste trauriger Dinge: BCS, Fargo, Mikael Nykvist

Hach, ist das traurig – am Wochenende habe ich jeweils den letzten Teil der dritten Staffel von Better Call Saul und von Fargo gesehen. Und beides geht nicht gut aus, wie man sich denken kann, aber es sind jeweils dermaßen passende und genial gesetzte Schlusspunkte, dass ich meiner Begeisterung hier noch einmal Ausdruck verleihen muss. Auch wenn es Menschen geben soll, die genau diese Art Serien tot langweilig finden. Aber die haben es auch nicht anders verdient.

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Mit der Folge Laterne klärt sich endlich das Verhältnis der McGill-Brüder, wenn auch auf schlimmstmögliche Weise: Chuck gibt endlich zu, dass ihm Jimmy eigentlich total egal ist – Jimmy hat also die ganze vergeblich um die Anerkennung durch seinen großen Bruder gekämpft. Der eigentlich immer nur darauf versessen ist, zu verhindern, dass Jimmy Anwalt wird, weil er ihn charakterlich für völlig ungeeignet hält: Chuck weiß, dass Jimmy ein notorischer Lügner ist, ein begabter Trickbetrüger, ein brillanter Schwindler – und das alles ist Jimmy ja tatsächlich. Der kleine Bruder kann nur mit Betrug und unfairen Tricks besser sein als der große Bruder, das haben wir in der Staffel davor bereits gesehen. Aber Chuck übersieht bei all seinen berechtigten Vorbehalten gegen Jimmys Berufsauffassung, dass Jimmy bei trotzdem ein gutes Herz hat. Und es ist inzwischen klar, dass Chuck der verrücktere und herzlosere von beiden Brüdern ist.

Screenshot Better Call Saul: "Chuck" Charles McGill (Michael McKean)

Screenshot Better Call Saul: „Chuck“ Charles McGill (Michael McKean)

Chuck wird mit einer großzügigen Abfindung aus der von ihm mit gegründeten Kanzlei heraus komplimentiert, während sein kleiner Bruder Jimmy mit seiner Kanzlei-Gründung in so ziemlich jeder Hinsicht scheitert. Und Jimmy fühlt sich auch noch schuldig am Unfall seiner Partnerin Kim, die völlig überarbeitet am Steuer ihres Autos eingenickt ist. Und dann ist da auch noch das Dilemma mit den alten Damen, das Jimmy dann aber in Überwindung seines Egos noch erfolgreich lösen kann – denn wie gesagt, eigentlich hat er ein gutes Herz. Es tut ihm dermaßen leid, dass die von ihm übertölpelte Irene in der Seniorenresidenz wie eine Aussätzige behandelt wird, dass er seinen guten Ruf bei den anderen Ladys ruiniert, um die Sache wieder ins Reine zu bringen. Wie die Sache mit Kim und Jimmy ausgeht, ist hingegen noch immer nicht klar.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Immerhin wissen wir nun, warum sich Gus Frings und Hector Salamanca nicht ausstehen können, und auch warum Hector in Breaking Bad an den Rollstuhl gefesselt ist und seine Sprachfähigkeit eingebüßt hat. Und auch, dass der Verwandlung des betrügerischen, aber letztlich menschenfreundlichen Slipping Jimmy in den aalgatten Kriminellen-Anwalt Saul Goodman irgendwas mit dem überaus grausamen Ende des letzten Teils zu tun haben dürfte. Inzwischen ist eine vierte Staffel von Better Call Saul beauftragt – heute habe ich gelesen, dass Better Call Saul zwar nicht die Quoten der letzten Staffeln von Breaking Bad erreicht, aber doch unter den drei meist gesehenen Serien im US-Kabelfernsehen gehört. Immerhin muss ich sagen, denn Vince Gilligan und Peter Gould haben den doch sehr eigenen Breaking-Bad-Stil in Better Call Saul noch einmal verfeinert und quasi unter die Lupe gelegt: Ich kann nachvollziehen, dass es Serienseher gibt, die bei so etwas einfach aussteigen.

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Screenshot Better Call Saul: Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim (Rhea Seehorn)

Aber das ist genau das, was mir besonderes Vergnügen bereitet – wir haben doch jetzt hochauflösende Bilder und riesige Bildschirme, also ist es doch super, wenn es akribische Bildkompositionen zu analysieren gibt. Und wir kennen bereits so viele Stereotypen aus anderen Serien, da muss man einfach mit vielschichtigen, widersprüchlichen Charakteren aufwarten, die so genervt kucken können wie Mike Ehrmantraut oder so verächtlich wie Hector Salamanca. Oder so zerknirscht wie Jimmy McGill. Mich erinnert das an die zweite Staffel der Serienhits Heimat – statt des lustig-volkstümlichen Heimattheaters der ersten Staffel (und das meine ich jetzt nich so, wie es vielleicht klingt, denn ich fand das wirklich gut) kam dann so ein manieriertes Kunstprodukt mit eigenartiger Musik zu eigenwilligen Schwarzweißbildern – aber dass die sich das getraut haben! Genau das ist es, was Kunst ausmacht. Better Call Saul ist hohe Serienkunst und wird von Staffel zu Staffel besser.

Michael Nyqvist

Und jetzt muss ich eine Gedenkminute für Michael Nyqvist einlegen – die Nachricht von seinem Tod trifft mich hart.

Meinen Eindruck von der dritten Fargo-Staffel gibt es dann beim nächsten Mal.

Arn, der Kreuzritter: Schweden in Farbe

Ich komme nicht weg von den Roman-Trilogien, dieses Mal wieder schwedisch: Allerdings kommt Arn – Der Kreuzritter als sechsteilige Miniserie. Es handelt sich um die Verfilmung einer Roman-Trilogie des schwedischen Schriftstellers Jan Guillou, die ursprünglich in zwei Spielfilmen angelegt war, dann aber auf Miniserienformat von sechs Teilen mit jeweils 45 Minuten umgeschnitten wurde.

Dieses Historiendrama ist eine der teuersten Produktionen der schwedischen Filmindustrie, denn die Bücher über den Tempelritter Arn erreichten in Schweden schnell Kultstatus. Arn Magnusson spielte wohl historisch tatsächlich eine wichtige Rolle für die schwedische Reichsgründung im Hochmittelalter. Weil es sich also um so etwas wie ein Nationalepos handelt, machen auch eine Menge bekannter schwedischer Stars mit, etwa Sofia Helin, die Kommissarin Saga aus Die Brücke, die beiden Universal-Haudegen Mikael Nyqvist und Stellan Skarsgård, Gustaf Skarsgård ist als König Knut mit dabei, und auch Bill Skarsgård taucht als Sohn und Nachfolger von Knut auf, wie auch Joel Kinnaman als Sverker Karlsson, gegen den Arn (Joakim Nätterquist) seine letzte Schlacht gewinnen muss. Gut gefiel mir auch Milind Soman als Saladin.

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist)

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist) -Screenshot


Arn - der Mönch kann kämpfen

Arn (Joakim Nätterqvist): Zum Erstaunen aller kann der Mönch kämpfen – Screenshot

Arn Magnusson wächst als Sohn einer einflussreichen Familie der Folkunger in Västergötland auf. Als er nach einem Unfall zu sterben droht, geloben seine Eltern, ihn ins Kloster zu geben, falls Gott ihren Sohn rettet. Das Wunder geschieht – Arn wird wieder gesund. Schweren Herzens müssen seine Eltern nun ihr Gelübde einlösen und geben Arn in ein Zisterzienser-Kloster. Dort wird der Junge von Bruder Guilbert ausgebildet, der selbst als Tempelritter im Heiligen Land gekämpft hat. Es stellt sich heraus, dass Arn ein begabter Junge ist, er lernt nicht nur schnell lesen, schreiben und Latein, sondern ist auch ein sehr guter Kämpfer. Bruder Guilbert und Pater Henry, der Abt des Klosters, erkennen schließlich, dass Arn kein guter Priester, dafür aber ein guter Krieger werden wird und lassen ihn als jungen Mann wieder nach Hause. Das ist eine gute Entscheidung, denn in seiner Heimat hat sich der Konflikt mit den verfeindeten Sverkern zugespitzt, so dass seine Kampfkünste dort bald dringend benötigt werden.

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin)

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin) – Screenshot


Arn und sein Pferd Chamsin

Arn: Auch sein Pferd Chamsin sieht gut aus – Screenshot

Aber keine gute Geschichte ohne unlösbaren Konflikt: Arn verliebt sich in die schöne Cecilia. Deren Vater hat aber zwei Töchter, von denen nur eine heiraten kann, die andere muss ins Kloster. Cecilias Schwester Katarina hat ebenfalls ein Auge auf Arn geworfen, der lässt sie aber abblitzen. Als Cecilia ihrer Schwester anvertraut, dass sie von Arn schwanger ist, verrät Katarina sie an die Oberin des Klosters, in dem die beiden Mädchen abwechseln erzogen wurden. Riesenskandal, vor allem, da Katarina behauptet Arn habe auch mit ihr geschlafen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Arn und Cecilia werden hart bestraft, weil sich Arn gerade auf die Seite von Knut geschlagen hat, den Sohn von König Erik, den die Sverker einige Jahre zuvor erschlagen hatten. Knut ist aus Norwegen zurückgekehrt, um sich seine Krone zurückzuholen. Als er loszieht, um den Mörder seines Vaters zu töten, ist Arn dabei, der hofft, dass er Cecilia heiraten kann, wenn sein alter Freund Knut erst einmal König ist und entsprechenden Einfluss hat. Knut kann ihm allerdings nicht helfen, im Gegenteil, die Kirche steht unter Einfluss der Sverker. Deshalb wird Arn aus dem Weg geräumt, in dem er für 20 Jahre als Tempelritter im Heiligen Land dienen muss, Cecilia wird für die nächsten 20 Jahre ins Kloster gesperrt.

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn als guter Ritter fügt sich in sein Schicksal und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, wo er als guter Kämpfer natürlich auch sehr willkommen ist. Allerdings lernt Arn auch Arabisch und studiert den Koran, er ist halt ein kluger Mann. Als er einem arabischen Edelmann, der von Räubern überfallen wird, das Leben rettet, erfährt er, dass es sich um niemanden andern als den gefürchteten Sultan Saladin handelt, den erbitterten Gegner der Tempelritter. Saladin ist sowohl von der Ritterlichkeit als auch von der Gelehrsamkeit dieses Al Gouthi, wie Arn bei den Arabern genannt wird, so beeindruckt, dass er ihn ebenfalls mit höchstem Respekt behandelt und ihm später ebenfalls das Leben retten wird.

Birger und Knut - im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Birger und Knut – im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Zuhause in Schweden ergeht es Cecilia weniger gut, die Äbtissin des Klosters nimmt ihr nicht nur das Kind gleich nach der Geburt weg, sondern misshandelt sie so sehr, dass der Bischof einschreiten muss, weil Knut inzwischen König ist und es möglicherweise nicht gut aussehen würde, wenn Cecilia in Obhut des Klosters umkäme. Etwas besser wird es, als Blanca im Kloster auftaucht. Blanca wird ebenfalls schikaniert, aber Cecilia hat eine Verbündete. Blanca ist die künftige Königin, die Knut im Kloster in Sicherheit gebracht hat, bis seine Macht gefestigt ist und er sie heiraten kann. Das geschieht auch bald, allerdings haben Knut und Blanca nicht die Macht, Cecilia vor dem Ende ihrer 20 jährigen Strafe zu erlösen, denn die Kirche ist mächtiger. Außerdem weigert sich Cecilia, einen anderen als Arn zu heiraten, auf den sie noch immer wartet.

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn hat unterdessen nicht nur mit Feinden der Christenheit, sondern auch mit einem neuen Großmeister zu kämpfen, der ihn nicht, wie sein Vorgänger, nach allen Verdiensten in Kampf um das Heiligen Land in Ehren entlassen will, sondern ihn zwingt, mit ihm in eine aussichtslose Schlacht zu ziehen. Dabei werden die Tempelritter vernichtend geschlagen, Arn überlebt nur knapp, weil Saladin ihn findet und ihn gesund pflegen lässt. Der neue Herrscher in Jerusalem finanziert schließlich auch die Rückkehr seines geschätzten Feindes in dessen Heimat.

Arn ( Joakim Nätterqvist)  in Aktion

Arn ( Joakim Nätterqvist) in Aktion – Screenshot

Natürlich gibt es noch die eine oder andere Verwicklung, aber am Ende kann Arn endlich seine geliebte Cecilia wieder in die Arme schließen, obwohl sie erst kurz zuvor erfahren musste, dass sämtliche Kreuzritter umgekommen seien. Am Leben hielt sie eigentlich nur die gute Nachricht, dass ihr Sohn lebt und bei Birger Brosa aufwächst, einem einflussreichen Mann, der ein guter Freund von Arns Vater ist. Jetzt ist Arn wieder da, die beiden können endlich heiraten und bekommen sogar noch eine Tochter. Allerdings stirbt Knut und die Sverker wollen die Krone zurück. Zwar gelingt es Birger Brosa, als Kompromiss auszuhandeln, dass Sverker Karlsson König wird, wenn er Knuds Sohn Erik als Thronfolger akzeptiert, aber es dauert nicht lange, bis sich heraus stellt, dass Sverker nicht die Absicht hat, sich an diese Abmachung zu halten und versucht, Knud Söhne aus dem Weg zu räumen. Arn muss also einmal wieder kämpfen, jetzt gegen Sverker Karlsson und die mit ihm verbündeten Dänen.

Erik (Bill Skarsgård) will Rache - Arn plädiert für Frieden

Erik (Bill Skarsgård) will Rache – Arn plädiert für Frieden

Trotz der dramatischen zahlenmäßigen Unterlegenheit gelingt es den Folkungern, die Sverker zu schlagen. Vor allem schafft Arn es, Erik davon abzuhalten, Sverker Karlsson zu töten, und damit nicht nur die Kette der ständigen Rachemorde zu durchbrechen, sondern auch einen Grundstein für die kurze Zeit später erfolgte Einigung des schwedischen Reiches zu legen. Allerdings wird Arn selbst bei den Kämpfen so schwer verwundet, dass er es zwar noch schafft, wie versprochen zu Cecilia heimkehren, aber dann stirbt.

Sverker Karlsson ist geschlagen

Sverker Karlsson ist geschlagen

Alles in allem also ein opulentes Historiendrama, das sich hervorragend eignet, einen regnerischen Karfreitag interessant zu gestalten. Es geht alles in allem weniger um die Kreuzzüge und die Schlacht um Jerusalem, als um schwedische Geschichte – wobei ich nicht sagen kann, wie gut die historischen Bezüge dargestellt wurden. Allerdings gibt es bei Ereignissen, die so lange her sind, ohnehin niemanden mehr, der mit Gewissheit sagen kann, wie es sich denn nun wirklich zugetragen hat.

Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass Arn und vor allem Cecilia in den zwanzig Jahren ewigen Wartens kaum altern – mit Ende Dreißig sahen die Menschen im Mittelalter nicht mehr so frisch aus wie heute im gleichen Alter. Der einzige, der realistisch altert, ist König Knut. Aber geschenkt, alles in allem fand ich Arn weit weniger ärgerlich als die fürs deutsche Fernsehen üblichen Historiendramen à la Wanderhure. Und die ganze Riege der schwedischen Großdarsteller mal nicht im üblichen skandinavischen Krimi-Anthrazit, sondern in opulenten Farben und auch mal in Rüstung – das ist absolut sehenswert.

Die Folkskunger nach der Schlacht.

Die Folkunger nach der Schlacht.