The Salvation: Der Western aus Dänemark

Eigentlich überfällig – ein Western aus Einwanderersicht. Nachdem der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 verloren ist, wandern die Brüder Jon (Mads Mikkelsen) und Peter (Mikael Persbrandt) nach Amerika aus. Im wilden Westen bauen sich die beiden Dänen eine neue Existenz auf. Sieben Jahre später holt Jon seine schöne Frau Marie (Nanna Øland Fabricius) und seinen inzwischen zehnjährigen Sohn Kresten (Toke Lars Bjarke) aus Dänemark nach. Doch auf dem letzten Stück des langen, beschwerlichen Weges zeigt der wilde Westen, in dem so vieles möglich ist, sein hässliches Gesicht: Der kleine Bruder des lokalen Bandenchefs Delarue und einer seiner Kumpel sitzen in der Postkutsche, mit der die dänischen Familie vom Bahnhof zu ihrem Farmhaus gelangen will – und den beiden gefällt die blonde Dänin.

Screenshot The Salvation: Jon (Mads Mikkelsen)

Screenshot The Salvation: Jon (Mads Mikkelsen)

Daran gewöhnt, sich mit Waffengewalt einfach zu nehmen, was sie haben wollen, ziehen sie ihre Schießeisen und werfen den keineswegs feigen, aber in dieser Situation leider unterlegenen Jon (Peter ist voraus geritten) aus der Kutsche, der nun nicht anderes tun kann, als hinterher zulaufen und die Leichen einzusammeln. Erst erschießen die Gangster das Kind und werfen es aus der Kutsche, dann machen sie sich über die Frau her. Das ist ein klassischer Auftakt für einen Rachefilm – damit ist The Salvation ein klassischer Western. Und das bleibt er bis zu Schluss – ein Film über einen Mann, der tut, was getan werden muss. Auch wenn er das alles überhaupt nicht gewollt hat.

Screenshot The Salvation: Peter (Mikael Persbrandt)

Screenshot The Salvation: Peter (Mikael Persbrandt)

Zum klassischen Westenensemble gehört neben dem aufrechten Helden, dem himmelschreiendes Unrecht widerfahren ist, natürlich der mächtige Bösewicht. Und Delarue (Jeffrey Dean Morgan), der mit seinen Leuten die Gegend um den kleinen Ort Black Creek terrorisiert, ist herrlich böse. Und er wird noch viel böser, als Jon mit Peters Hilfe seine Frau und sein Kind rächt. Für den Tod seines kleinen Bruders sollen die Einwohner der kleinen Gemeinde zwei Bürger auswählen, die dann zum Ausgleich ebenfalls sterben sollen. Eine alte Frau und ein Krüppel werden schließlich geopfert – aber Delarue ist damit nicht zufrieden und erschießt willkürlich auch noch einen weiteren Mann.

Nach dieser weiteren Katastrophe kann Jon natürlich nicht mehr mit der Unterstützung der Menschen von Black Creek rechnen. Diese stellen sich ohnehin als feige Opportunisten heraus, die zwar immer behaupten, zum Wohle der Gemeinde zu handeln – tatsächlich sind sie aber nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert. Ob nun der Sheriff, der gleichzeitig auch der Gemeindeprediger ist, oder der Bürgermeister, der Särge baut und als Totengräber fungiert, sie sind schnell dabei, wenn es gilt, aus der Not ihrer Mitmenschen noch ein Geschäft zu machen, während sie beteuern, dass sie doch nur helfen wollen. Selbst der freundliche Rat an Jon, das wenige Geld aus dem Verkauf seines Besitzes im Stiefel zu verstecken, bekommt später eine ganz andere Bedeutung, als Jon an einen Pfahl vor Delarues Haus gefesselt ist und sich nicht dagegen währen kann, dass der besorgte Bürgermeister die Stiefel an sich bringt, die Jon jetzt ja nicht mehr brauchen wird. Aber auch Bürgermeister können sich irren. Doch ich greife vor.

Screenshot The Salvation: Delarue (Jeffrey Dean Morgan)

Screenshot The Salvation: Delarue (Jeffrey Dean Morgan)

Denn es gibt doch einige wenige aufrechte Menschen, die Jon zur Seite stehen – der eine ist ein Junge, dessen Großmutter sich geopfert hatte, um Delarue zu besänftigen. Er kann tatsächlich ganz gut schießen, genau wie er behauptet hatte, allerdings bezahlt er seinen Einsatz für Jon mit seinem Leben.

Aber er verschafft dem verletzten Jon die Gelegenheit, mit seinem Bruder zu fliehen, der ihn an einem Versteck zurück lässt, um ihn später zu holen – doch dazu kommt es nicht mehr, Delarues Leute spüren Peter auf und schleifen ihn zu Tode. Jon ist nun auf sich allein gestellt – aber wer Mads Mikkelsen kennt, weiß, dass seine Figuren immer zu Ende bringen, was sie angefangen haben. Nebenbei deckt Jon auch noch den eigentlich Grund auf, aus dem die Leute von Black Creek genötigt werden sollen, ihre Grundstücke und Existenzen für eine lächerliche Abfindung aufzugeben und weiter zu ziehen – ein künftiger Ölbaron kauft das Land auf, um das schwarze Gold, das derzeit noch als Ärgernis aus der Erde sickert, weil es das Trinkwasser verseucht, zu fördern und zu verkaufen. Der Film endet mit dem Blick auf zahlreiche hölzerne Bohrtürme, die nun dort stehen, wo Jon zuvor mit seiner Familie ein glücklicheres neues Leben anfangen wollte.

Screenshot The Salvation: Die Prinzessin (Eva Green)

Screenshot The Salvation: Die Prinzessin (Eva Green)

Nun zieht Jon weiter – gemeinsam mit der Prinzessin, der stummen Frau eben jenes kleinen Bruders, der ihm seine Familie genommen hat. Für Princess (Eva Green), der die Indianer als Kind die Zunge heraus geschnitten haben, damit sie nicht mehr so laut über den Verlust ihrer ermordeten Familie heulen kann, ist das ebenso ein Neuanfang wie für Jon. Denn das Leben, das sie an der Seite der Delarues führen musste, hat ihr keineswegs gefallen – aber sie hatte keine Wahl. Jetzt hat sie eine, und sie wählt Jon.

Was mir gut gefällt, ist das The Salvation ein Film der Bilder ist. Worte werden wenige gemacht, im Zweifel sprechen die Waffen. Eine wichtige Rolle spielt die Landschaft: Man spürt förmlich das Flimmern der Hitze über der Prärie und schmeckt den Staub im Mund – die sonnendurchglühten Berge und Täler findet sich in den wettergegerbten Gesichtern von Jon und Peter wieder. Wobei der Jon des dunkeläugigen Mads Mikkelsen sich schon rein äußerlich besser an die neue Heimat angepasst hat – er passt in den Westen (auch wenn in Südafrika und nicht in den USA gedreht wurde), Jon sieht glatt so aus, als hätte er einen Schuss Indianerblut. Peter dagegen, den der sehr blonde und blauäugige Mikael Persbrandt spielt, wirkt gerade mit seinem Sonnenbrand und dem Stoppelbart besonders skandinavisch, auch wenn er sich mit den Gepflogenheiten im Westen genauso gut auskennt wie sein Bruder.

Screenshot The Salvation: Showdown

Screenshot The Salvation: Showdown

Und natürlich hat auch Eva Green ein großartiges Gesicht – auch wenn es durch eine hässliche Narbe über den Mund leicht entstellt wird. Das, was die Prinzessin zu sagen hat, kann sie locker durch ihre unglaublichen Augen und ihre Gesten ausdrücken – unmöglich, sie nicht zu verstehen. Der dänische Regisseur Kristian Levring hat einen markanten Western abgeliefert, der nicht unbedingt durch eine originelle Geschichte glänzt – dafür ist der Western ohnehin kein ideales Genre – sondern durch die skandinavische Reduktion auf das Wesentliche. Man merkt man dem Film das vergleichsweise bescheidene Budget von 10,5 Millionen Euro an – was ich letztlich aber gar nicht so schlimm finde, denn der Witz an Westernstädten ist ja tatsächlich gewesen, dass sie schnell zusammengezimmerte Provisorien waren. Insofern ist das Kulissenhafte der Ausstattung gewissermaßen hyperrealistisch. Freunde des skandinavischen Stils kommen mit The Salvation gewiss auf ihre Kosten, selbst wenn sie keine Westernfans sind.

Screenshot The Salvation: Die Quelle des Ärgers

Screenshot The Salvation: Die Quelle des Ärgers

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Der Hypnotiseur: Erstaunliche Parallelen

Es ist nicht leicht, immer eine neue Geschichte zu erfinden und ich habe wirklich nichts dagegen, wenn eine gute Geschichte noch einmal erzählt wird: Eine bereits bekannte Geschichte kann in einer neuen Variante durchaus wieder gut werden. Wie an anderer Stelle schon gesagt, bin ich gegenüber Remakes, durchaus aufgeschlossen – es gibt ja nun wirklich gelungene Neuverfilmungen. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden, es reicht, wenn man es gelegentlich verbessert.

Trotzdem bin ich andererseits immer wieder erstaunt, wie wenig wirklich neue Geschichten es zu geben scheint. Genauso ist es mit Charakteren – wenn man mal eine richtig gute Figur aufgebaut hat, muss man sie nicht immer wieder neu erfinden, sondern kann sie einfach immer wieder was Neues erleben lassen. Und es kommt auch vor, dass man einer Figur aus der einen Geschichte in einer anderen wieder begegnet – und je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr erkennt man wieder.

Screenshot: Der Hypnotiseur - winterliches Stockholm.

Screenshot: Der Hypnotiseur – winterliches Stockholm.

Das geht nicht nur mir so. Neulich las ich irgendwo in einem Blog, wie sich jemand darüber wunderte, wie viel von Detective Holder aus The Killing doch in diesem Frank Wagner aus GSI Göteborg stecken würde – was ich ziemlich lustig fand, denn es ging um die erste Staffel von GSI Göteborg, die in den USA zwar nicht sehr bekannt sein dürfte, die aber von 2009 ist und gewiss eine Visitenkarte für Joel Kinnaman war, der daraufhin im US-Remake von Forbrydelsen eben jenen Stephen Holder spielen durfte.

Insofern wurde eher Frank Wagner in The Killing importiert als umgekehrt. Andererseits – im Frank Wagner der zweiten GSI-Staffel von 2012 steckt vermutlich dann doch einiges von Stephen Holder, den Kinnaman seit 2010 verkörpert hat. Holder wiederum ist eine Neuauflage von Jan Meyer aus der dänischen Serie Forbrydelsen (Bei uns als Kommissarin Lund – das Verbrechen bekannt) nur dass die Autoren des Remakes dem zweiten Ermittler eine interessantere Rolle zugedacht haben als im Original. In Staffel 3 und 4 emanzipierte sich The Killing von der dänischen Vorlage – diese Staffeln waren durchaus etwas eigenes, auch wenn die Serienschreiber die Charaktere und die Stimmung der beiden vorangegangenen Staffeln übernommen und weiter entwickelt haben – die Markenzeichen von The Killing blieben erhalten: Sarah Linden und ihre Strickpullover, Stephen Holder mit den in den Kniekehlen hängenden Jeans und sein Kaputzenpulli, was dazu passt, dass Holder fließend Hiphop spricht. Und das düstere, regnerische, durch und durch deprimierende Seattle, in dem rätselhafte Verbrechen geschehen.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Mikael Persbrandt als gescheiterter Psychiater.

Screenshot: Der Hypnotiseur – Mikael Persbrandt als gescheiterter Psychiater.

Als Fan sowohl des Originals als auch des Remakes war ich durchaus glücklich mit der vierten Staffel, in der die Serie um Sarah Linden und Steppen Holder mit einem neuen, finalen Fall einen vernünftigen Abschluss fand, auch wenn ich nicht in jeder Hinsicht mit dem Staffelende einverstanden war. Um so überraschter war ich jedoch, als ich jetzt den schwedischen Thriller Der Hypnotiseur aus dem Jahr 2012 sah. Auch wenn in diesem Fall natürlich vieles anders als war in der vierten Staffel von The Killing, verblüffen doch die Parallelen: Eine Familie wird auf brutale Weise von einem offenbar total durchgeknallten Täter ausgelöscht – nur der Sohn überlebt schwer verletzt.

Die Ermittler, in Falle von The Killing Linden und Holder, im Fall des Hypnotiseurs sind es der Stockholmer Kommissar Joona Linna (Tobias Zilliacus) und der titelgebende Psychologe Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt), stehen vor einem Rätsel: Wo ist bitte das Motiv für ein solches Blutbad? Andererseits liegt auf der Hand, dass die Lösung des Falls in der Familiengeschichte der Opfer zu finden sein muss. Und natürlich haben die Ermittler jeweils auch einen Haufen privater Probleme – hier liegen die größten Unterschiede zwischen den Geschichten in Seattle und der in Stockholm.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Tobias Zilliacus als Kommissar Joona Linna.

Screenshot: Der Hypnotiseur – Tobias Zilliacus als Kommissar Joona Linna.

Während Holder und Linden in erster Linie damit beschäftigt sind, zu vertuschen, wie der Fall in der Staffel zuvor ausgegangen ist, weil sie den Rest ihres Lebens nicht im Knast zu verbringen wollen, haben wir beim Hypnotiseur wieder eine Paraderolle für Mikael Persbrandt, dieses Mal als genialen, aber dennoch gescheiterten Psychiater, der ohne starke Schlafmittel keine Ruhe mehr findet, sonst aber sehr vieler Dinge müde ist. Ich muss gleich dazu sagen, dass es nicht der beste Persbandt-Film ist, den ich je gesehen hätte. Und auch nicht beste Lasse-Hallström-Film, denn kein anderer hat beim Hypnotiseur Regie geführt. Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa oder Schiffsmeldungen fand ich deutlich besser.

Genzugenommen handelt es sich um einen eher durchschnittlichen Schweden-Thriller, wobei ein durchschnittlicher Schweden-Thriller in der Regel aber auch schon deutlich besser ist, als ein durchschnittlicher Deutschland-Thriller. Was mich einmal mehr zu der Frage bringt, warum das eigentlich so ist. Ja, es ist düster und kalt in Schweden, der Hypnotiseur spielt im verschneiten Stockholm, da muss man gar nicht viel Aufwand treiben, um eine entsprechende Stimmung herzustellen. Aber das ist es nicht allein: Während mir die privaten Probleme deutscher Ermittler unglaublich auf die Nerven gehen, gehören sie bei den Schweden selbstverständlich dazu. Im Grunde ist jeder ordentliche Schweden-Krimi in erster Linie ein Familiendrama, und zwar immer gleich auf mehreren Ebenen: Die Familienprobleme der Ermittler, die Familienprobleme der Kollegen, und natürlich die Familienprobleme, die bei Opfern und Tätern ans Licht kommen, menschliches Drama, wo man nur hinschaut, da ist doch ganz klar, dass die ganze Zeit schreckliche Dinge passieren müssen.

Screenshot: Der Hypnotiseur - die Ärztin Daniela (Helena af Sandberg) mit Linna und Bark

Screenshot: Der Hypnotiseur – die Ärztin Daniela (Helena af Sandberg) mit Linna und Bark

Deutsche Ermittler dagegen sind in der Regel keine Familienmenschen – sie leben nur für die Arbeit. Man muss nur die Liste der Tatort-Kommissare mal durchgehen. Mir fällt da bei den Dutzenden von Ermittlern außer Freddy Schenk keiner ein, der eine richtige Familie hätte – es gibt einige wenige Teilzeit-Eltern mit Kind, aber ohne Lebenspartner. Und manchmal hat einer auch eine Freundin, aber das wars dann schon. Familie und Beruf sind in Deutschland halt schwer vereinbar, das gilt auch für den Krimi. Für Familienprobleme gibt es hierzulande andere Genres – das ist halt die deutsche Art, alles muss schön ordentlich in Schubladen sortiert werden. Und Familie und Verbrechen gehören nicht in die selbe Schublade, auch wenn man eigentlich wissen müsste, dass das im wahren Leben ganz anders ist. Da sind die Schweden und (auch die Amis) einfach ehrlicher: Die meisten Verbrechen finden innerhalb von Familien statt, wenn es nicht gerade um organisierte Kriminalität im globalen Maßstab geht.

Screenshot: Der Hypnotiseur - Erik und seine Frau Simone (Lena Olin)

Screenshot: Der Hypnotiseur – Erik und seine Frau Simone (Lena Olin)

Zurück zu den ermordeten Familien in Stockholm und in Seattle: In beiden Fällen stellt sich im Laufe der Ermittlungen heraus, dass der überlebende Sohn der Täter sein muss. Denn es handelt sich gar nicht um einen leiblichen Sohn der Familie, sondern um ein adoptiertes Kind. Und in beiden Fällen spielt die leibliche Mutter des Sohnes eine nicht gerade vorteilhafte Rolle bei der ganzen Sache – wobei ich Colonel Margaret Rayne, die immerhin noch versucht hat, ihren Sohn nach seiner Wahnsinnstat zu beschützen, insgesamt deutlich glaubwürdiger fand als das durchgeknallte Psychowrack von Mutter, die den Sohn des Hypnotiseurs entführt, um sich an dem Arzt rächen, der sie – wie man sieht, auch völlig zu recht – als verrückt in die Klapse eingewiesen hat. Insofern muss ich sagen: Lasse Hallström hin und Mikael Persbrandt her – in diesem Fall hat das Team von The Killing die bessere Version der Geschichte erzählt.

In einer besseren Welt

Für nicht-US-Filme gibt es bekanntlich ziemlich wenige Oscars, nämlich exakt immer nur einen pro Jahr. Insofern finde ich ziemlich spannend, dass das kleine Dänemark immer mal wieder dabei ist, zuletzt 2011 mit In einer besseren Welt, den ich inzwischen endlich auch einmal gesehen habe. Ein wirklich guter Film, keine Frage.

Es geht um Anton (Mikael Persbrandt), der ein echter Gutmensch ist, wie man in Deutschland inzwischen ja durchaus abfällig über Menschen sagt, die noch immer daran glauben, dass man die Welt durch das eigene Handeln besser machen könnte. Anton ist Arzt und arbeitet mehrere Monate im Jahr in einem afrikanischen Flüchtlingscamp in Darfur. Dort wird er immer wieder mit furchtbarsten Dingen konfrontiert, beispielsweise schlitzt einer der lokalen Warlords gern schwangeren Frauen die Bäuche auf, um nachzusehen, ob das Baby das Geschlecht gehabt hätte, auf das er gewettet hat. Anton gibt alles, um diese Frauen zu retten.

In einer besseren Welt

In einer besseren Welt – Screenshot von http://www.2501.eu/

Zu Hause in Dänemark steht seine Ehe mit Marianne (Trine Dyrholm), die ebenfalls Ärztin ist, vor dem Aus. Marianne will die Scheidung. Ihr zehnjähriger Sohn Elias (Markus Rygaard) hat aber noch ganz andere Probleme, er wird von seinen Mitschülern regelmäßig gemobbt. Dann kommt ein neuer in die Schule, Christian (William Jøhnk Nielsen), der mit seinem Vater aus London nach Dänemark zurückgekehrt ist. Christians Mutter ist gerade an Krebs gestorben und er gibt seinem Vater die Schuld daran. Christian ist einer, der sich immer wehrt, schon aus Prinzip. Als er mitbekommt, dass Elias drangsaliert wird, folgt er dem Angreifer, verprügelt ihn mit seiner Fahrradpumpe und droht ihm mit vorgehaltenem Messer noch Schlimmeres an, falls er sich wieder an Elias vergreifen sollte. Natürlich sorgt dieser Vorfall an der der dänischen Schule für große Aufregung. Gegenüber der Polizei bestreiten beide Jungs, dass ein Messer im Spiel gewesen sei. Christian schenkt Elias das Messer als Zeichen seiner Freundschaft.

Elias hat noch einen kleinen Bruder. Als Anton nach Dänemark zurückgekehrt, geht er mit den Jungs auf den Spielplatz. Der kleine Bruder streitet sich mit einem anderen Jungen, Anton greift ein. Daraufhin wird Anton vom Vater des anderen Jungen (Kim Bodnia) angegriffen, der ihm eine runterhaut, weil er seinen Sohn angefasst hat. Anton ist total auf Deeskalationskurs und zieht sich zurück, was die beiden großen Jungs nicht fassen können und als Schwäche empfinden. Anton lässt sich sogar darauf ein, diesen Lars noch einmal zu besuchen und zur Rede zu stellen, was auch wieder nicht gut aus geht, denn Lars kapiert gar nichts und haut Anton sicherheitshalber noch mal eine rein, schon weil er aus Schweden ist und den Namen Lars nicht korrekt ausspricht. Anton schafft es nicht, den Jungs klar zu machen, dass es besser ist, sich nicht provozieren zu lassen und deshalb Lars der moralische Verlierer ist. Vor allem Christian findet, dass Anton diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen kann und beschließt stellvertretend für Anton Rache zu nehmen.

Als Christian und Elias für ein Schulprojekt in Opas Scheune basteln, finden sie eine Reihe Feuerwerkskörper. Christian kommt auf die Idee, daraus eine Bombe zu bauen. Elias hat Skrupel, lässt sich am Ende aber doch darauf ein, weil er Christians Freund beleihen möchte. Als die beiden an einem frühen Sonntagmorgen die Bombe unter Lars Auto zur Explosion bringen wollen, kommen zufällig eine Mutter mit ihrer Tochter vorbei. Elias rennt den beiden in den Weg, um sie vor der Explosion zu warnen, als die Bombe hoch geht.

Unterdessen ist Anton wieder in Afrika, wo ihn der allseits verhasste Big Man, jener sadistische Warlord, auffordert, sein Bein zu retten. Anton als Arzt akzeptiert die Forderung unter der Bedingung, dass alle Bewaffneten und alle Fahrzeuge das Lager verlassen. Bei den Opfern von Big Man stößt Antons Handeln auf Unverständnis. Sie verweigern jegliche Unterstützung für den Sadisten. Allerdings hat auch Antons Duldsamkeit Grenzen. Als der inzwischen genesende Big Man zynische Witze über eine junge Frau macht, die gerade gestorben ist, wirft Anton ihn aus dem Camp und lässt zu, dass die aufgebrachte Menge den verhasste Quälgeist lyncht.

Elias ist bei der Explosion schwer verletzt worden. Christian versucht, seinen Freund im Krankenhaus zu besuchen, aber Marianne hindert ihn daran. Sie hat Angst um ihren Sohn und ist wütend. Sie beschimpft Christian als kranken Psychopathen, der ihren Sohn umgebracht habe. Christian glaubt daraufhin, dass Elias gestorben sei und beschließt, sich selbst ebenfalls umzubringen. Er fährt zu dem Silo, zu dem er Elias immer mitgenommen hat. Inzwischen ist Anton wieder in Dänemark angekommen, um seinen Sohn zu sehen. Er erfährt zum einen, dass Elias wieder gesund wird, zum anderen, dass Christian verschwunden ist. Er ahnt, wo der Junge ist, weil er Elias zuvor verboten hat, auf das hohe Silo zu klettern. Er kommt gerade noch rechtzeitig, um Christian daran zu hindern, in den Tod zu springen.

Meiner Ansicht nach hat der Film zu recht viele positive Kritiken bekommen – es handelt sich um ein überzeugend konstruiertes Drama über Gewalt, Freundschaft, Rache und Tod, das in schönen Bildern erzählt wird – die Bilder sind im Grunde immer wieder viel zu schön für die hässlichen Dinge, die passieren. Aber genau das ist es ja, was einen so rat- und fassungslos und den Film für mich so gelungen macht: Dass das Leben und diese Welt trotz der ganzen schrecklichen Dinge, die passieren, immer noch schön sein können. Und dass es für vieles keine befriedigende Erklärung gibt. Menschen treffen falsche Entscheidungen, die verhängnisvolle Entwicklungen auslösen, manchmal aber auch richtige. Menschen tun einander die schrecklichsten Dinge an, aber manchmal retten sie einander auch. Und nicht immer führt eine gute Absicht zum Guten, aber es kommt drauf an, es wenigstens versucht zu haben.