Seven Seconds: Kein Handy am Steuer

Für Fans der leider nicht mehr auf Netflix verfügbaren Krimiserie The Killing hat die Plattform einen würdigen Ersatz im Programm: Den Zehnteiler Seven Seconds. Auch hier war Veena Sud für Drehbuch und Produktion verantwortlich. Wie schon bei The Killing  (und der großartigen dänischen Vorlage Forbrydelsen) geht es in der Krimi-Handlung nicht nur darum, einen Schuldigen zu finden, sondern auch zu zeigen, was der gewaltsame Tod eines geliebten Menschen für Auswirkungen auf die Überlebenden hat. Auf die Familie des Opfers, aber auch auf den Täter und sein Umfeld, und nicht zuletzt auf die Menschen, die ein solches Verbrechen als Angehörige von Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden aufzuklären und zu ahnden haben.

Serienposter seven seconds Bild: Netflix

Serienposter seven seconds Bild: Netflix

Genau wie bei The Killing es handelt es sich um ein Remake – in diesem Fall war es allerdings keine komplette Serie, deren Handlung in die USA verlegt wurde. Als Inspiration diente der russische Film Майор, der im Jahr 2013 sowohl in Cannes als auch auf den Filmfestival in Toronto vorgestellt wurde. In dem Film von Yuri Bykow überfährt der russische Polizist Sergei Sobolev versehentlich ein Kind, als er auf dem Weg zu seiner Frau ist, bei der die Wehen eingesetzt haben. Aus Korpsgeist vertuschen die Kollegen das Verbrechen, in dem sie die einzige Zeugin des Vorfalls, die Mutter des Jungen, in Misskredit bringen. Im Laufe der Zeit bereut Sobolev seine Entscheidung und beschließt, zu gestehen und die Strafe dafür in Kauf zu nehmen, doch seine Kollegen sind damit nicht einverstanden, denn jetzt hängen sie ja alle mit drin. Alles in allem handelt es sich um einen ziemlich brutalen Film über Korruption innerhalb der russischen Polizei, den ich mir schon deshalb angesehen habe, weil es auffallend wenig Filme aus Russland überhaupt auf westliche Filmfestivals schaffen.

Es ist kein schöner, sondern ein alles in allem sehr unangenehmer Film, der aber genau deshalb wieder gut ist, weil er genau das Übel, das sein Thema ist, schonungslos offenlegt. Ich kann mir vorstellen, dass die offiziellen russischen Behörden, um die es unter anderem geht, Probleme damit haben. Was wiederum auch erklärt, warum dieser Film im Westen gelaufen ist: Hier wird ja gern gezeigt, was in Russland nicht funktioniert und einfach nur schlimm ist.

Insofern ist es ein besonderes Verdienst von Veena Sud und ihrer Serie, dass sie dieses Übel überaus glaubwürdig in den US-Polizeiapparat verlegt hat: In den USA ist die Korruption im System nicht weniger schlimm. Ich persönlich fände ja auch mal eine Serie gut, in der die Korruption und der Korpsgeist innerhalb der deutschen Polizei einmal kritisch aufgearbeitet würde, die Mordserie des NSU beispielsweise wäre da ein schier unerschöpfliches Thema. Dafür könnte man gern ein paar Millionen aus dem Rundfunkbeitrag abzweigen, den ich jeden Monat zahlen muss, obwohl ich inzwischen lieber Netflix und Amazon kucke. Die ja letztlich auch nur böse Konzerne sind, die Geld scheffeln wollen.

Seven Seconds: Peter Jablonski (Beau Knapp), Felix Osorio (Raúl Castillo) und Mike DiAngelo (David Lyons) Bild: Netflix

Seven Seconds: Peter Jablonski (Beau Knapp), Felix Osorio (Raúl Castillo) und Mike DiAngelo (David Lyons) Bild: Netflix

Zurück zu Seven Seconds: Anders als in The Killing steht hier nicht eine Ermittlerin der Polizei im Vordergrund, die für die Aufklärung des titelgebenden Verbrechens nicht nur ihr Privatleben, sondern auch ihre berufliche Karriere ruiniert, sondern eine Schicksalsgemeinschaft aus sehr unterschiedlichen Menschen, deren Lebenswege sich durch einen tragischen Unfall kreuzen: Als der junge Drogenfahnder Peter Jablonski (Beau Knapp)  an einem kalten Wintermorgen auf dem Weg zu seiner schwangeren Frau ist, die wegen Blutungen ins Krankenhaus musste, telefoniert er mit dem Handy und achtet ein paar Sekunden nicht auf die Straße. Er kollidiert plötzlich mit etwas, was sich wenig später als ein Radfahrer herausstellt – unter dem Fahrzeug ragt der Hinterreifen eines teueren BMX-Rads hervor, in dem eine Pappmaché-Möwe steckt.

Voller Panik informiert der junge Polizist seinen Vorgesetzten Mike DiAngelo (David Lyons), der sich mit seinen Team sofort an den Unfallort begibt. Dem abgebrühten Cop ist gleich klar, dass das nicht gut aussehen wird – ein weißer Bulle überfährt ein schwarzes Kind. Und weil das teure Fahrrad darauf hinweist, dass der Junge zu einer in Jersey City berüchtigten Gang gehört, trifft Captain DiAngelo die folgenschwere Entscheidung, die Sache zu vertuschen. Eigentlich will der ehrliche Cop Jablonski sich stellen, doch DiAngelo überredet ihn, ins Krankenhaus zu seiner Frau zu fahren und ihm und den beiden Kollegen den Rest zu überlassen. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Wie in der russischen Vorlage Майор sind die handelnden Personen gezwungen, im Verlauf der Handlung immer schlimmere Dinge zu tun, um ihre Story glaubwürdig erscheinen zu lassen. Und weil eine Serie sehr viel mehr Zeit für Nebenhandlungen hat, gibt es in Seven Seconds noch zwei bemerkenswerte Antagonisten: Die ermittelnde Staatsanwältin KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und den skeptischen Bullen Joe „Fish“ Rinaldi (Michael Mosley).

Das schwarze Waisenkind KJ wurde von weißen Eltern in einem komfortablen Vorort von New York aufgezogen, konnte von einer erstklassigen Ausbildung profitieren und ist doch ein Wrack, sie hat eine verhängnisvolle Beziehung zu Gin und zu Karaoke-Bars. Im Verlauf der Handlung kommt ihre verstörende Geschichte ans Licht; in ihrer Funktion als Vollstreckerin der Staatsgewalt muss sie Dinge anordnen, die mitunter fatale Auswirkungen auf Unbeteiligte haben. Das musste KJ auf die harte Tour lernen und sie ist daran zerbrochen.

Insofern ist es nicht unbedingt ein Glück für die Eltern von Brenton Butler, dass ihr Fall ausgerechnet bei KJ landet. Aber – wie wir als ausgebufftes Serienpublikum ahnen – KJ wird diesen Fall zu ihrer persönlichen Definition von Sieg oder Niederlage machen und damit dann entweder mit wehenden Fahnen untergehen, oder einen unerwarteten Sieg einfahren. Oder auch keins von beiden, denn das Justizsystem der USA ist, nun ja, kompliziert.

Seven Seconds: Die Eltern Latrice Butler (Regina King) und Isaiah Butler (Russell Hornsby) Bild: Netflix

Seven Seconds: Die Eltern Isaiah Butler (Russell Hornsby) und Latrice (Regina King) Bild: Netflix

 

Der Fall erweist sich für alle Beteiligten als harte Nuss. Das Umfeld von Brenton Butler ist nicht unbedingt ideal: Auch wenn seine Mutter eine Mittelschullehrerin ist und sein Vater ein hart arbeitender Mann, der immer seine Schulden bezahlt und beide Eltern in ihrer Kirchengemeinde gut integriert sind: Der kleine Bruder des Vaters ist Mitglied einer berüchtigten Gang in New Jersey, und dieses teure Fahrrad, mit dem Brenton zum Zeitpunkt des Unfalls unterwegs war, unterstützt die These seiner Gangzugehörigkeit. Und klar, das ist rassistisch, aber dennoch ein Umstand, der gegen ihn spricht: Mitglieder von kriminellen Gangs kommen nun mal schneller unter ungeklärten Umständen zu Tode als unbescholtene Bürger. Angesichts der Faktenlage ist es also naheliegend, Brenton Butler als Opfer eines Konfliktes unter rivalisierenden Gangs zu deklarieren.

Natürlich sind Brentons Eltern mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Ihr Junge war ein guter Junge, und sie bekommen starken Rückhalt in der Black-Lives-Matter-Bewegung. Mit der hat Detective Rinaldi zwar nichts am Hut, aber auch ihm fällt auf, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Er gehört nicht zur eingeschworenen Bruderschaft in seinem Polizeirevier, er ist ein streitbarer Außenseiter, der seinen Job ernst nimmt. Entsprechend hartnäckig ermittelt er in diesem unbefriedigenden Fall, den seine Vorgesetzten nur zu gern zu den Akten legen würden.

Seven Seconds: KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und Joe "Fish" Rinaldi (Michael Mosley) Bild: Netflix

Seven Seconds: KJ Harper (Claire-Hope Ashitey) und Joe „Fish“ Rinaldi (Michael Mosley) Bild: Netflix

Wie in der Vorlage führt der Ermittlungsdruck dazu, dass die Polizisten zu immer extremeren Maßnahmen greifen müssen, um ihre Version des Vorfalls zu stützen. Natürlich bleibt es auch Jablonskis Frau Marie nicht verborgen, dass etwas passiert sein muss: Ihr Peter ist nicht mehr derselbe. Nach und nach gerät das Leben sämtlicher Beteiligten aus den Fugen.

Insgesamt handelt es sich also um eine reichlich düstere Geschichte, in der am Ende alle verlieren. Aber genau das macht die Qualität dieser Serie aus: Die handelnden Personen haben alle vermeintlich gute Gründe, für das, was sie tun. Oder lassen. Ihren persönlichen Maßstäben nach wollen sie einfach das Richtige tun, was sich dann aber als falsch herausstellt. Und auch die Eltern des Opfers Brendon Butler müssen erkennen, dass sie ihren Sohn nicht wirklich gekannt haben. Seven Seconds ist eine mutige und wichtige Serie über soziale und rassistische Vorurteile und gleichzeitig eine Reflexion über Schuld und Sühne. 

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Bosch: Die 3. Staffel lohnt sich

Hieronymus Bosch, der knurrige Detective von der Mordkommission des LAPD, ist mein derzeitiger Lieblingsermittler aus den USA. Insofern war ich sehr erfreut, dass die dritte Staffel der Serie Bosch in Deutschland zeitnah zur Verfügung stand.  Die neue Staffel setzt 16 Monate nach den Ereignissen der zweiten Staffel ein – hier ging es unter anderem um einen Mordfall, in den die armenische Mafia verwickelt war und den Tod des Sohnes von Deputy Chief Irvin Irving (Lance Reddick), der während eines Einsatzes erschossen wurde. Außerdem konnte Bosch endlich den Mord an seiner Mutter aufklären – der ihn allerdings auch in der dritten Staffel noch nicht wirklich los lässt.

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Während Bosch (Titus Welliver) gemeinsam mit der Staatsanwältin Anita Benitez (Paola Turbay) darum kämpft, dass seine Ermittlungen aus der Staffel zuvor überhaupt zu einem Prozess führen, liegt schon eine neue Leiche in einem schäbigen Wohnmobil. Die Kollegen winken ab – es sieht nach einem Mord im Obdachlosen-Mileu aus, ziemlich aussichtslose Sache. Aber die sind, wie wir wissen, Boschs besondere Spezialität: Entweder zählt jeder oder keiner.

Also fängt Bosch an zu ermitteln. Es dauert gar nicht lange, da fällt Bosch eine zweite Leiche vor die Füße – oder eher auf die Füße, denn der mutmaßliche Mörder Billy Meadows, den Bosch schon seit einiger Zeit rankriegen will, begeht Selbstmord. Die Kollegen, die den Fall übernehmen, kommen schnell darauf, dass hier wohl nachgeholfen wurde – was für Bosch aber blöd ist, denn dadurch kommen sie auch seiner eigenmächtigen Ermittlung auf die Spur: Bosch hatte heimlich Kameras installiert, um den Kerl zu überwachen. Vor allem Boschs Partner Jerry Edgar (Jamie Hector) ist irritiert, als die Kollegen ihm stecken, dass Bosch offenbar in die Sache verwickelt ist.

Und dann ist da auch noch die Presse:  Der umtriebige Reporter Scott Anderson (Eric Ladin) würde zu gern endlich mal wieder eine richtig große Story schreiben – und weil es nicht gut aussieht, wenn jemand intern einen Kollegen verpfeift, kann man ja auch einen Tipp an die Medien geben und drauf vertrauen, dass die interne Ermittlung spätestens dann aufmerksam wird, wenn etwas in der Zeitung steht, was am Image der ohnehin schon nicht beliebten Polizei kratzt.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Harry Bosch (Titus Welliver) und Lieutenant Grace Billets (Amy Aquino)

Bosch schafft es also einmal mehr, gleich mehrfach anzuecken –  und es ist ihm lange nicht klar, wer dieses Mal der fieseste seiner Gegner ist. Denn der selbstverliebte Hollywood-Regisseur Andrew Holland, den Bosch gern wegen des Mordes an einem Callgirl rankriegen würde, aber sonst nicht für voll nimmt, ersinnt einen perfiden Racheplan, der erstmal ganz gut funktioniert – aber am Ende ist Holland von seinem eigenen Drehbuch dermaßen begeistert, dass er über seine Eitelkeit stolpert: Er hätte das alles lieber für schön sich behalten sollen.

Die ehemaligen Special-Forces-Kämpfer, die hinter dem Mord an ihrem gestrauchelten Kumpel ihm Wohnmobil stecken, sind da schon ein anderes Kaliber – aber Bosch kennt sich mit diesen Typen aus, schließlich war er selbst einmal einer von ihnen. Er weiß, wie gefährlich die werden können, was seine Rolle als alleinerziehender Vater einer Teenie-Tochter nicht gerade erleichtert. Denn Maddie (Madison Lintz)  wohnt nun bei ihm, nachdem ihre Mutter Eleanor (Sarah Clarke) als professionelle Pokerspielerin nach Hongkong gezogen ist.

Maddie will ins Auswahl-Team der Volleyballmannschaft ihrer Schule und sie will Autofahren lernen – Bosch muss sich also in Verständnis und Geduld üben, was nicht seine besonderen Stärken sind. Aber er meistert das ganz gut, zumal er seine Tochter überzeugen kann, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn sie eine Weile zu Grace (Amy Aquino) zieht, der manchmal zu verständnisvollen Vorgesetzten von Bosch. Genau das wird Lieutenant Grace Billetts, die gern zum Captain aufsteigen würde, auch zum Verhängnis, obwohl sie, genau wie Bosch, wahnsinnig qualifiziert ist und einfach gute Arbeit macht.

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Harry Bosch (Titus Welliver) und Maddie (Madison Lintz) Bild: mfdb.org

Genau das ist es, was ich an dieser Serie mag: Wie bei der legendären Serie The Wire sind die Polizisten, (aber auch die Gangster) alle ernsthaft bei der Arbeit, auch wenn die oft aus nervtötender Routine besteht – am Ende ist es eben ein einziger fehlender Eintrag in einer offiziellen Ermittlungsakte, der beim Abgleich mit einer älteren Kopie des Originals auffällt, weil er dort noch vorhanden ist und darauf hinweist, dass hier offenbar etwas vertuscht werden soll.

Es geht bei Bosch nicht darum, immer noch spektakulärere Verbrechen zu inszenieren und die Zuschauer möglichst lange an der Nase herumzuführen, sondern einfach um solides Krimi-Handwerk: Je nach Spurenlage sieht ein Fall so oder anders aus. Insofern ist Bosch schon fast frustrierend realistisch, auch wenn die Serienmacher sich natürlich eine Reihe fernsehtauglicher Charaktere ausgedacht haben, die mehr oder weniger liebenswerte Schrullen haben und für die Serie gut funktionieren. Die Serienmacher geben ihnen Raum, sich zu entfalten, Boschs Kollegen sind allesamt ernstzunehmende Polizisten und nicht einfach nur Stichwortgeber, und auch die Typen auf der anderen Seite haben ihre eigenen Geschichten.

Insofern erinnert Bosch auch ein bisschen an Kommissarin Lund, die sture dänische Ermittlerin, die ihr Privatleben und ihre Karriere ruiniert, um eine ganze ausführliche Staffel lang einen einzigen Fall zu lösen – wobei Bosch zu cool ist, um das dermaßen auf die Spitze zu treiben. Und er ist einfach zu gut, um ihn stillzulegen: „Wollen Sie wirklich einen Detective aus dem Dienst ziehen, der in den letzten zehn Jahren 33 Morde aufgeklärt hat?“ fragt sein Oberboss entsetzt, als die interne Ermittlung ihm genau das nahelegt. Bosch kommt also wieder mit einem blauen Auge davon – aber wir brauchen ihn mindestens für eine Staffel vier noch, denn es ist noch längst nicht alles aufgeklärt.

Brooklyn Nine-Nine: The Law. Without The Order.

Erfreut nahm ich zur Kenntnis, dass Netflix jetzt unter anderem auch die zweite Staffel von Brooklyn Nine-Nine im Programm hat. Das ist zwar keine Serie, von der ich behaupten würde, dass man sie unbedingt gesehen haben müsste, aber ich gestehe, dass ich – nach anfänglicher Fassungslosigkeit darüber, dass dermaßen alberne Cop-Serien überhaupt existieren – irgendwie dann doch hängengeblieben bin. Und nicht nur das: Ich habe mir die restlichen Folgen mit zunehmenden Vergnügen fast am Stück reingezogen. Der Humor in Brooklyn Nine Nine ist auf den zweiten Blick deutlich subtiler, als er auf den ersten Blick daher kommt. Das erklärt vermutlich auch die erstaunlich vielen Preise, mit denen Brooklyn Nine-Nine überschüttet wurde – darunter ein Golden Globe als beste Comedy-Serie.

Eigentlich hatte ich reingeschaut, weil ich neugierig war, was Stephanie Beatriz sonst noch so macht, die mir aus Short Time 12 in Erinnerung geblieben war. Was wiederum ist ein Film ist, den es sich unbedingt anzusehen lohnt. In Brooklyn 99 spielt sie Detective Rosa Diaz, eine sehr abweisende und furchteinflößende Polizistin, die sowohl Verbrecher, als auch ihre Kollegen auf Distanz hält und zu beeindruckenden Wutausbrüchen neigt (für diese Rolle bekam sie einen Imagen Award als beste Nebendarstellerin). Nur Idioten haben keine Angst vor ihr.

Etwa Detective Jake Peralta (Andy Samberg), die unglaublich erfolgreiche, aber auch hoffnungslos alberne Hauptfigur der Serie: Für ihn ist sein Job ein Kinderspiel – und das im eigentlich Sinne. Er nimmt dieses Spiel wahnsinnig ernst und will der Beste darin sein. Um dieses Ziel zu erreichen, findet er immer wieder unkonventionelle, aber effektive Wege, seine Fälle zu lösen. Er hat eine sensationelle Aufklärungsquote, treibt aber Kollegen und Vorgesetzte regelmäßig in den Wahnsinn, weil er eben ein Kindskopf ist und zwanghaft Blödsinn macht.

Was für eine Comedy ja auch okay ist,  obwohl das genau der Punkt ist, der mich an diesem Genre nervt: Ich hasse es, wenn Leute ständig so tun, als ob sie blöd sind. Denn die meisten sind das sowieso, ohne dass es auch nur einen Funken lustig ist. Warum müssen sich also die Intelligenteren ständig zum Affen machen? Gut, in dem Punkt bin ich vermutlich genau so eine Spaßbremse wie Captain Ray Holt – aber dazu kommen wir gleich.

Denn irgendwie funktioniert Brooklyn Nine-Nine für mich – Peraltas Kollegin Amy Santiago (Melissa Fumero) ist das komplette Gegenteil ihres albernen Konkurrenten: Santiago ist eine ehrgeizige Musterschülerin, die ständig allen beweisen muss, dass sie die Beste ist und sich immer exakt an die Regeln hält – auf ihre Art ist sie also auch total albern. Als einziges Mädchen, das sich zuhause gegen eine ganze Reihe Brüder durchsetzen musste, neigt sie dazu, sich ständig als die Superharte darstellen zu müssen – was wirklich lächerlich ist, denn das ist in dieser Truppe eindeutig Rosa. Aber Rosa macht einfach ihren Job, sie muss niemandem etwas beweisen.

BROOKLYN NINE-NINE: From Emmy Award-winning writer/producers of "Parks and Recreation" and starring Emmy Award winners Andy Samberg (third from L) and Andre Braugher (C), BROOKLYN NINE-NINE is a new single-camera workplace comedy about what happens when a hotshot detective (Samberg) gets a new Captain (Braugher) with a lot to prove. The new single-camera workplace comedy BROOKLYN NINE-NINE premieres this fall on FOX. Also pictured L-R: Melissa Fumero, Terry Crews, Stephanie Beatriz, Joe Lo Truglio and Chelsea Peretti. ©2013 Fox Broadcasting Co. Cr: Beth Dubber/FOX

BROOKLYN NINE-NINE: From Emmy Award-winning writer/producers of „Parks and Recreation“ and starring Emmy Award winners Andy Samberg (third from L) and Andre Braugher (C), BROOKLYN NINE-NINE is a new single-camera workplace comedy about what happens when a hotshot detective (Samberg) gets a new Captain (Braugher) with a lot to prove. The new single-camera workplace comedy BROOKLYN NINE-NINE premieres this fall on FOX. Also pictured L-R: Melissa Fumero, Terry Crews, Stephanie Beatriz, Joe Lo Truglio and Chelsea Peretti. ©2013 Fox Broadcasting Co. Cr: Beth Dubber/FOX

Santiago und Peralta jedoch stehen im ständigen Wettstreit, wer mehr Fälle lösen kann, was ein Running Gag der Serie ist. Peraltas bester Freund ist Detective Charles Boyle (Joe Lo Truglio), ein wirklich lieber und fleißiger Bulle, der aber leider ziemlich tollpatschig ist – immer wieder geschehen ihm peinliche Missgeschicke, was besonders ärgerlich ist, da er heimlich in Rosa verliebt ist und wahnsinnig gern mal mit ihr ausgehen würde – wenn er nur nicht so eine Angst vor ihr hätte.

Ihr gemeinsamer  Vorgesetzter ist Sergeant Terry Jeffords (Terry Crews), ein hünenhafter Mann, der vor einiger Zeit bei einem Einsatz überreagiert hat und sich seit dem fürchtet, eine Waffe zu benutzen. Deshalb muss er derzeit im Innendienst arbeiten – was ihm auch ganz gelegen kommt. Denn seit er eine kleine Tochter hat, findet er die Polizeiarbeit eigentlich zu gefährlich für einen verantwortungsvollen Vater.

Und dann hat die Abteilung mit Captain Ray Holt (Andre Braugher) gerade einen neuen Chef bekommen. Trotz seiner ausgezeichneten Arbeit hat er lange auf eine Beförderung warten müssen – ein schwuler schwarzer Bulle ist auch heutzutage in New York für viele noch gewöhnungsbedürftig. Aber als die Knallchargentruppe von Brooklyn Nine-Nine einen neuen Chef braucht, bekommt er endlich seine überfällige Chance. Captain Holt ist zu Peraltas Entsetzen und Santiagos Entzücken absolut humorlos und ein Freund der strikten Befolgung von Vorschriften. Aber er ist auch sehr kultiviert und fair: Wer gute Arbeit macht, wird belohnt, wer Unsinn macht, bestraft. Captain Holt ist einer, der immer sein Wort hält.

Und dann ist da noch die Sekretärin Gina Linetti, die zwar nicht mit überragenden Fähigkeiten, dafür aber mit einem robusten Selbstbewusstsein gesegnet ist. Sie ist eine, die sämtliche Fragen für das rosa Tortenstückchen bei Trivial Pursuit beantworten könnte und sie tanzt sehr gern. Sie ist so etwas wie die gute Seele des Reviers, allerdings eine, die gnadenlos auf ihren eigenen Vorteil optimiert. Aber ganz ehrlich: Wer tut das nicht? Gemeinsam löst die Crew von Brooklyn Nine-Nine nicht nur eine ganze Reihe kniffliger Fälle, sondern auch jede Menge anderer Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat, teils durch idiotische Dienstvorschriften, teils durch idiotisches Verhalten bedingt. Und dann gibt es ja noch den öden Alltag, der irgendwie überlebt werden muss. Aber das wird mit dieser Serie bedeutend einfacher – ich freue mich auf die dritte Staffel. Und die vierte wird in den USA am 20. September starten.

Five Days: Plötzlich vom Bildschirm verschwunden

Die Briten sind die Meister der Miniserie – und auch wenn Five Days aus dem Jahr 2007 nicht zu den brandaktuellen Highlights gehört, lohnt es sich für Krimi-Freunde doch, den Fünfteiler einmal anzusehen. Die Koproduktion von HBO und BBC wurde erst im vergangenen Jahr im deutschen Fernsehen gezeigt und ist im Februar wieder auf Sky zu sehen. Es handelt sich um einen klassischen Krimistoff, universell und zeitlos – es geht in dieser Serie nicht nur um ein Verbrechen und dessen langwierige Aufklärung, sondern auch darum, was es mit den Menschen macht, über die eine solche Katastrophe plötzlich hereinbricht und wie ihr Leben dadurch völlig aus den Fugen gerät.

Five Days, Miniserie BBC/HBO

Five Days, Miniserie BBC/HBO

Tag eins scheint ein Tag wie jeder andere zu sein: Eine junge attraktive Mutter fährt mit ihren Kindern los – zumindest mit den beiden kleineren, die Teenager-Tochter will lieber zuhause bleiben und behauptet, dass sie noch Hausaufgaben machen muss. Aber eigentlich hat sie keine Lust auf den Besuch beim Urgroßvater, der im Altersheim schon sehnsüchtig wartet. Auf dem Weg halten sie noch beim Tierheim an – endlich dürfen die Kinder den Hund mitnehmen, den sie sich schon lange gewünscht haben. Und weil der Opa so gerne Blumen mag, hält Leanne (Christine Tremarco) noch einmal schnell an, um bei einem Straßenhändler einen Strauß weiße Nelken zu kaufen. Den Kindern schärft sie ein, auf jeden Fall im Auto zu bleiben, weil das Aussteigen in der Nähe der viel befahrenen Autobahn zu gefährlich ist.

Screenshot Five Days: Leanne (Christine Tremarco) kauft Blumen

Screenshot Five Days: Leanne (Christine Tremarco) kauft Blumen

Screenshot Five Days: Leanne ist verschwunden

Screenshot Five Days: Leanne ist verschwunden

Es sind nur ein paar Meter bis zum Blumenstand – wenige Augenblicke wird die Sicht von einem Lastwagen versperrt, dann sieht man den Blumenstrauß am Straßenrand liegen. Der Straßenhändler packt eilig ein und verschwindet – die Kinder bleiben ratlos zurück. Bis Ethan realisiert, dass seine Mutter verschwunden ist und nicht zurückkommen wird. Deshalb verlassen sie mit ihrem neuen Hund das Auto, um sich auf den Weg nach Hause zu machen.

Der Wagen bleibt mit offener Türe am Straßenrand stehen – die Tasche und das Handy von Leanne liegen noch auf dem Beifahrersitz. Wenig später steigen die Kinder in einen weißen Transporter, weil der Mann am Steuer behauptet, ihre Eltern zu kennen – was tatsächlich auch zutrifft, wie sich später noch herausstellen wird. Aber die Kinder kommen nicht zuhause an.

Screenshot Five Days: Leannes verlassener Wagen

Screenshot Five Days: Leannes verlassener Wagen

Der besorgte Großvater ruft die Polizei an, weil Leanne nicht wie verabredet bei ihm auftaucht. Aber als eine Streifenpolizistin, die zufällig in der Nähe ist, vorsichtshalber bei der Wohnung von Leanne und Matt Welling vorbei schaut, erklärt die Teenie-Tochter Tanya, dass der Opa schon über 80 sei und manchmal ziemlich spinne – der würde ja immer gleich die Polizei rufen. Somit scheint sich der erste Hinweis als Fehlalarm herauszustellen.

Screenshot Five Days: Tanya glaubt noch nicht, dass ihre Mutter verschwunden ist

Screenshot Five Days: Tanya glaubt noch nicht, dass ihre Mutter verschwunden ist

Doch irgendwann wird es dunkel und Tanya versucht, ihre Mutter zu erreichen. Die geht aber nicht ans Handy – das liegt ja noch in dem verlassenen Wagen. Als Leannes Ehemann Matt (David Oyelowo) später aus dem Fitness-Studio, in dem er arbeitet nach Hause kommt, macht er sich Sorgen und ruft erst im Altersheim an – um zu erfahren, dass Leanne gar nicht dort war. Jetzt ruft Matt bei der Polizei an und das Verschwinden von Leanne und ihren Kindern Ethan und Rosie wird offiziell zu einem Vermisstenfall. Die kurz vor ihrer Verabschiedung stehende Ermittlerin Amy Foster (Janet McTeer) und ihr Chef Iain Barclay (Hugh Bonneville, bekannt als Lord Grantham aus Downton Abbey) nehmen ihre Arbeit auf.

Screenshot Five Days: Ethan und Rosie

Screenshot Five Days: Ethan und Rosie

Auch Tanya wird der Ernst der Lage klar, als Polizisten mit Handschuhen zu Hause alle Sachen durchsuchen. Leannes Eltern werden angerufen – sie sollen sich um ihre inzwischen doch recht panische Enkelin kümmern. Aber noch versuchen sich alle gegenseitig zu beruhigen, dass „solche Dinge“ ja nur im Fernsehen passieren würden. Bestimmt kommt die lebenslustige und spontane Leanne gleich mit den Kindern nach Hause und es gibt für alles eine einfache Erklärung. Aber Leanne kommt nicht nach Hause. Sie bleibt verschwunden.

Screenshot Five Days: Tanya und Matt (David Oyelowo)

Screenshot Five Days: Tanya und Matt (David Oyelowo)

Das plötzliche Verschwinden einer hübschen jungen Mutter und ihrer Kinder an einem schönen Sommertag ist natürlich auch ein gefundenes Fressen für die Medien – und die Pressesprecherin der Polizei Defne Topcu findet, dass man diesen Umstand nutzen sollte. Sie will die Medien für die Suche nach Leanne und den beiden Kindern nutzen. DCI Barclay ist davon nicht begeistert – er ist überhaupt ein Ermittler der ruhigen, nachdenklichen Sorte und kämpft gegen jede Art von Voreingenommenheit, die ihm überall entgegen schlägt: In den meisten Fällen, in denen eine verheiratete Frau verschwindet, ist bekanntlich der Ehemann der Täter. Und dieser Matt ist nicht nur so ein sportlicher Schwarzer, den alle möglichen Frauen attraktiv finden, sondern auch noch ein Waisenkind – da kann man ja nie wissen.

Screenshot Five Days: DCI Barclay (Hugh Bonneville) und DS Foster (Janet McTeer)

Screenshot Five Days: DCI Barclay (Hugh Bonneville) und DS Foster (Janet McTeer)

Nach und nach zweifelt selbst Leannes Mutter Barbara (Penelope Wilton), die Matt eigentlich ganz toll findet und ihn anfangs vehement verteidigt. Auch die Beziehung zwischen Barbara und ihrem Mann John, einem pensionierten Lehrer, der seine Wochenenden damit verbringt, seine selbst gemachten Marmeladen auf Märkten zu verkaufen, gerät über das Verschwinden des einzigen Kindes in die Krise.

Die Serie spielt nicht nur mit gängigen Vorurteilen und Erwartungen, sondern zeigt auch die Grenzen der gerade in Großbritannien schon fast flächendeckend ausgebauten Videoüberwachung öffentlicher Straßen und Plätze: Genau dort, wo es interessant würde, ist ein toter Winkel. Oder zufällig ein Laster im Weg. Die Videokameras sehen viel, aber nicht alles. Und so kann zwar rekonstruiert werden, wann und wo die Mutter und wo ungefähr die Kinder verschwunden sein müssen, nicht aber, wo sie geblieben sind. Deshalb entwickelt sich der Fall zu einer langwierigen und nervenzehrenden Belastungsprobe für alle Beteiligen.

Screenshot Five Days: Das letzte Überwachungsvideo, auf dem Ethan und Rosie zu sehen sind

Screenshot Five Days: Das letzte Überwachungsvideo, auf dem Ethan und Rosie zu sehen sind

Die Serie zeigt verschiedene Stadien dieser Entwicklung anhand von fünf ausgewählten Tagen (Tag 1, Tag 3, Tag 28, Tag 33 und schließlich Tag 79). Im Laufe dieser Tage werden eine ganze Menge Beziehungen und Freundschaften auf eine harte Probe gestellt. Es gibt viele Missverständnisse und frustrierende Sackgassen und am Ende stellt sich vieles als ganz anders heraus, als anfangs gedacht. Britisches Psychodrama vom Feinsten also.

Kommissar Winter: Feinsinniger Snob auf Verbrecherjagd

Ein echter Geheimtipp ist Sachen Schweden-Krimi ist meiner Ansicht nach Kommissar Winter. Nein – das hat nichts mit meinem eigenen Nachnamen zu tun, das ist selbstverständlich reiner Zufall. Der Erfinder von Erik Winter, der Journalist und Autor Åke Edwardson, gehört in seiner Heimat Schweden neben Henning Mankell, Stieg Larson, Liza Marklund, Arne Dahl oder Jens Lapidus zu den erfolgreichsten Krimi-Autoren. Wie ich finde, auch völlig zu recht – literarisch gefällt er mir nach Sjöwall/Wahlöö am besten – ja, auch besser als Mankell. Wobei die Bücher von Mankell durchaus zu den besseren der Krimi-Literatur gehören, die diese Bezeichnung verdient. Aber mir geht der Weltschmerz des Kurt Wallander gelegentlich schon auf die Nerven, und auch, dass Mankell bei der Plot-Konstruktion und auch actiontechnisch manchmal doch sehr dick aufträgt. Noch mehr auf die Nerven geht mir allerdings, dass gefühlt jeder zweite in Deutschland ausgestrahlte Schweden-Krimi ein Wallander ist – inzwischen dürften sämtliche Mankell-Krimis mindestens drei Mal verfilmt worden sein und wenn in den Öffentlich-Rechtlichen gerade die Tatort-Wiederholungen durch sind, wiederholt man halt Wallander.

Aber nun zurück zu Kommissar Winter. Meine Recherchen haben ergeben, dass die ersten sechs Bücher bereits in zwei Staffeln für das schwedische Fernsehen verfilmt wurden, aber die Filme bisher nicht nach Deutschland vorgedrungen sind. Die Verfilmungen der darauf folgenden vier Bücher der Kommissar-Winter-Reihe mit Magnus Krepper als Erik Winter wurden auf arte ausgestrahlt – daher kenne ich sie. Und weil sie mir gefallen haben, musste ich mir dann auch sämtliche Bücher bestellen – was sich beim Lesen als absolut lohnende Investition herausgestellt hat.

Screenshot Kommissar Winter

Screenshot Kommissar Winter

Edwardson ist dezenter als Mankell – er geht mehr in die Details. Und er investiert viel Zeit in die Zeichnung seiner Charaktere – die Geschichten dümpeln immer wieder vor sich hin, wenn Erik Winter darüber sinniert, wie er gerne leben würde – oder wie man eigentlich leben sollte. Oder wie der oder diejenige lieber hätte leben wollen oder sollen, um die gerade seine Gedanken kreisen, weil er einen Fall zu lösen hat. Ich kann verstehen, dass gerade Liebhabern der sonst üblichen Krimis (Action!) das auf die Nerven gehen kann – aber für mich macht gerade das den Reiz an den Kommissar-Winter-Büchern aus. Edwardson benutzt viele Metaphern, auch Bilder, die auf den ersten Blick nicht ganz zusammen passen, aber genau deshalb um so präziser ausdrücken, was seine Figuren fühlen und denken – Erik Winter ist ein sehr intuitiver Mensch. Er kann sich in andere Menschen einfühlen – diese Fähigkeit hilft ihm oft weiter als die rein rationale Analyse von Fakten. Die überlässt er den Kollegen von der Spurensicherung. Genau wie der Autor selbst ist sein Kommissar Winter ein Meister der freien Assoziation. Gerade, wenn man mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr weiter kommt, legt Winter eine Jazz-CD auf und lässt seinen Gedanken freien Lauf – und siehe da, plötzlich bekommt alles einen Sinn, wenn auch oft einen ganz anderen.

Screenshot Kommissar Winter

Screenshot Kommissar Winter: Rotes Meer – der Tatort

Anders als in vielen Kritiken beschrieben, die ganz offensichtlich von Autoren verfasst wurden, die weder die Bücher gelesen, noch die Filme wirklich gesehen hatten, ist Erik Winter eben kein ungewaschener Einzelgänger, der überaus brutale Fälle im Alleingang löst, sondern ein sehr zivilisierter, überaus sozialer Snob, der nicht nur mit seinen Leuten von der Göteburger Kripo (nein, nicht Stockholm, wie gelegentlich zu lesen ist) ein gutes, meist freundschaftliches Verhältnis pflegt, sondern auch internationale Freundschaften unterhält, etwa mit seinem schottisch-stämmigen Londoner Kollegen Steve MacDonald, der in den Romanen immer wieder auftaucht. Denn Erik Winter kennt sich gut aus in London – schon weil er sich seine Schuhe dort anfertigen lässt. Er spricht perfekt Englisch, trägt gern teure Anzüge und kann den Jahrgang eines guten Whiskys am Geschmack erkennen. Und er raucht Zigarillos – was mit der Zeit zum echten Problem wird, weil es seine Sorte irgendwann in Schweden nicht mehr zu kaufen gibt. Und: Er fährt Mercedes, nicht Volvo. Und das in der alten Volvo-Stadt!

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer: Erik (Magnus Krepper) und Bertil Ringmar (Peter Andersson)

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Erik (Magnus Krepper) und Bertil Ringmar (Peter Andersson)

Mit den Jahren wird Erik solider – er hatte mal ein Verhältnis mit der Gerichtsmedizinerin, die ja irgendwie auch seine Kollegin ist, entscheidet sich dann für die Ärztin Angela Hoffman (Amanda Ooms), die mit ihrem Vater, einem Arzt, aus der DDR nach Schweden gekommen ist. Aber natürlich ist Angela durch und durch Schwedin, genau wie seine Kollegin Aneta Djanali (Sharon Dyall), deren Eltern aus Obervolta, jetzt Burkina Faso, eingewandert sind. Ja, Aneta ist noch viel schwedischer, schließlich ist sie in Göteborg zur Welt gekommen, wie sie immer wieder betont. Dass die schwarze Aneta ausgerechnet mit Fredrik Halders zusammen, später irgendwann auch wieder auseinander kommen wird, ist eine typische Ironie der Erik-Winter-Romane. Denn Fredrik Halders ist ein klassischer weißer Bulle, randvoll mit Vorurteilen und Aggressionen – und wird in den aktuellen Verfilmungen von Jens Hultén gespielt, der in GSI Göteborg den brutal-schlitzohrigen Gangsterchef Seth Rydell darstellt.

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer: Fredrik Halders (Jens Hultén) und Aneta Djanali (Sharon Dyall)

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Fredrik Halders (Jens Hultén) und Aneta Djanali (Sharon Dyall)

Fredrik hat beispielsweise lebenslänglichen Spielverbot in der Fussball-Liga der schwedischen Polizei, weil er einen Schiri zusammengetreten hat, nachdem der sich mal zu Ungunsten seiner Mannschaft geirrt hat. Außerdem hat er ein Abo auf rassistische und sexistische Witze – aber eigentlich ist er gar nicht so übel. Er hat zwei halbwüchsige Kinder, die den Tod ihrer Mutter nicht verkraftet haben – sie wurde am helllichten Tag auf dem Bürgersteig von irgendeinem Arschloch überfahren, das es offenbar sehr eilig hatte. Auch Fredrik verkraftet das nicht, obwohl sie sich zuvor getrennt hatten. Ausgerechnet Aneta findet Zugang zu Fredrik und seinen Kindern. Natürlich geht das auf Dauer auch nicht gut – aber was ist schon von Dauer in einem Menschenleben. Es kommt auf die Zeit an, in der etwas geht. Das Leben geht weiter. Menschen verändern sich – das ist eins der großen Themen bei Åke Edwardson und genau das gefällt mir.

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer: Schwierige Befragung der Familie eines Opfers

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Schwierige Befragung der Familie eines Opfers

Erik Winter entwickelt sich vom brillanten Überflieger – der jüngste Kriminalkommissar in ganz Schweden! – zum feinsinnigen Snob, der sich nicht binden will, entdeckt später aber das Familienleben, auch wenn das Grundstück am Meer, wo irgendwann einmal das Familienheim gebaut werden soll, ewig brach liegt. Der Weg ist das Ziel. Denn eigentlich ist die Stadtwohnung im Zentrum von Göteborg doch sehr praktisch und groß genug für ihn, Angela und ihre beiden gemeinsamen Töchter Elsa und Lilly. Oder sollen sie gleich nach Spanien gehen? Eriks Eltern sind vor Jahren schon vor der schwedischen Steuer und dem schwedischen Winter an die Costa del Sol geflohen. Angela könnte dort im Krankenhaus sogar Chefärztin werden – Eriks Mutter Siv wäre so glücklich darüber, wenn ihre Enkelinnen in der Nähe wären.

Aber irgendwie ist es ja auch an der Costa del Regen ganz nett, wie Erik Göteborg irgendwann einmal nennt. Als er zur Beerdigung seines Vaters, mit dem er sich vor Jahren überworfen hatte, nach Marbella fährt, entdeckt er, dass er eigentlich ein Nordmann ist: Dieser ewige Sommer, diese ewige Sonne, das ist auf Dauer nichts für ihn. Man kann zwar zum Frühstück schon harte Drinks bestellen – aber es reicht auch, wenn man in der sanften Abenddämmerung von Göteborg trinkt. Die ja früh genug fällt, zumindest im Winter – und es ist mindestens ein halbes Jahr lang Winter, auch wenn in es Göteborg selbst gar nicht so viel Schnee gibt – was Erik manchmal bedauert. Weil er dort besser denken kann, richtet er eine Außenstelle seines Büros in seiner Lieblingsbar ein – in die er später dann auch seine inzwischen-Frau samt Tochter einlädt, wenn ihm danach ist. Denn auf sein gewohntes Leben verzichten will er auch nicht völlig – „du willst den Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten“, sagt ein alter Bekannter irgendwann.

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer: Familie Winter am Meer.

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Familie Winter am Meer.

Der erste Fall der mit Magnus Krepper verfilmten Bücher ist Rotes Meer – von der Romanreihenfolge her kommt davor eigentlich Zimmer Nr. 10 – vermutlich wollte man aber nicht mit einem dermaßen mysteriösen Fall einsteigen, sondern erstmal was Handfesteres bringen, wobei auch in den Bänden davor sehr harte Fälle zu lösen sind. In Rotes Meer (Vänaste Land) findet ein Taxifahrer in den frühen Morgenstunden in einem Kiosk drei Leichen, denen mit Schrotmunition die Gesichter weggeschossen wurden – es stellt sich heraus, dass es sich um den nigerianischen Ladenbesitzer Jimmy Foro, seine kurdische Aushilfe Hiwa Aziz und den Iraner Said Rezaid handelt. Als Winter Rezaids Frau mitteilen will, dass ihr Mann tot ist, stellt sich heraus, dass sie ebenfalls ermordet wurde. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, zum einen, da immer wieder ein Dolmetscher nötig ist, um die betroffenen Familien zu befragen, zum anderen, weil in dem verslumten Vorort ohnehin keiner das Bedürfnis hat, mit der Polizei zu reden. Die kriminelle Szene, die sich dort breit gemacht hat, lässt den feinen Kommissar deutlich spüren, dass er dort nicht erwünscht ist.

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer:

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Der Informant ist tot.

Winters Intuition sagt ihm, dass es sich nicht um ein Hatecrime mit rassistischem Hintergrund handelt, wie Fredrik Halders sofort vermutet, sondern um etwas Komplizierteres. Und es wird kompliziert – bis zur Lösung des Falls werden Winter und sein Team an ihre Grenzen gebracht – dabei wollte sie eigentlich gemeinsam mit den Familien das Mittsommerfest feiern, was neben Weihnachten das wichtigste Fest in Schweden ist. Aber wie soll man feiern, wenn einer der wenigen Informanten aus der Göteborger Szene mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden wird? Erik Winter musste seinen Kollegen von der Drogenfahnung mühsam überzeugen, ihm diesen Kontakt zu vermitteln und jetzt ist der Mann tot. Jetzt kommt es auf den einzigen Zeugen an, von dem Winter vermutet, dass er in jener Nacht etwas gesehen hat – ein kleiner Junge, der ständig auf seinem Fahrrad unterwegs ist und immer dann verschwindet, wenn Winter auftaucht…

Screenshot Kommissar Winter - Rotes Meer: Der einzige Zeuge

Screenshot Kommissar Winter – Rotes Meer: Der einzige Zeuge

Bleibt sich treu: The Bridge America 2

Der Serien-Sommer geht weiter, und während ich mich langsam auch wieder in True Blood einsehe – es ist tatsächlich nur der erste Teil so schlimm, weil zum Beginn der neuen Staffel erst einmal das hässliche und unvollständige Ende der sechsten Staffel noch vollstreckt werden muss, bevor es dann mit Elan wieder in die Vollen gehen kann – gibt es durchaus noch weitere Highlights. Inzwischen wird nämlich die zweite Staffel von The Bridge America ausgestrahlt, und den Auftakt zur neuen Staffel fand ich absolut gelungen – ich war gleich wieder drin und bin jetzt sehr gespannt darauf, wie es weiter geht. Genau so soll es sein!

Screenshot The Bridge America 2, via foxchannel.de

Screenshot The Bridge America 2, via foxchannel.de

Während ich mit der zweiten Staffel von der Original-Brücke wie schon geschrieben sehr unzufrieden war, weil ich die Geschichte alles in allem reichlich konfus fand und die vielen Wendungen nicht unbedingt logisch waren und eindeutig nur dazu dienten, die Zuschauer irgendwie bei der Stange zu halten, verspricht die zweite Staffel des Remakes richtig gut zu werden.

Dem Original fehlte in der Fortsetzung der Tiefgang und die komplexe Entwicklung der verschiedenen Figuren, die die erste Staffel spannend gemacht hatten – der engagierte Sozialarbeiter, der zum Mörder wird, der karriere- und rauschmittelsüchtige Journalist, der sich zum Werkzeug des Erpressers machen lässt – da gab es eine ganze Reihe von interessanten Figuren, die die Handlung vorangetrieben haben, so dass die Macken der Ermittler Saga Norén und Martin Rohde originelles Beiwerk waren und nicht im Vordergrund standen, was mir bei der Fortsetzung zunehmen auf die Nerven ging. Zwar fand ich die Entwicklung der beiden und ihrer Beziehung, oder im Falle von Saga muss man ja eher ihrer intensiven Nicht-Beziehung sagen, auch in der zweiten Staffel durchaus noch interessant, aber das hat die Geschichte nicht gerettet. Im Gegenteil fiel mir dadurch erst auf, wie dünn und gezwungen der Rest war.

Hier hat The Bridge America den unschlagbaren Vorteil, dass das Remake an der sehr viel spannenderen Grenze zwischen den USA und Mexiko spielt. Die Lebensverhältnisse in diesen beiden Ländern sind so krass verschieden, dass es sehr viel weniger Psychogedöns braucht, um das zum Teil sehr ambivalente Verhalten der Charaktere zu erklären. Natürlich hat Marco Ruiz ganz andere Probleme als Sonya Cross. Und anders als Martin Rohde, der aus Trauer über den Verlust seines Sohnes quasi arbeitsunfähig wird und von den verständnisvollen Dänen auf einen ruhigen Schreibtischjob abgeschoben wird, kämpft Marco erst recht an vorderster Front weiter – in einem schwer bewaffneten Einsatzkommando der mexikanischen Polizei. Und gleich beim ersten Einsatz wird auch gezeigt, dass er vor allem Feinde in den eigenen Reihen hat: Einer seiner vermummten Kollegen droht, ihn zu erschießen. Marco nimmt Helm und Maske ab, und nur weil es Zeugen gibt, nämlich verängstigte Bewohner der gestürmten Wohnung, schießt der andere nicht.

Sonya dagegen erfährt, dass der Mörder ihrer Schwester im Sterben liegt, im Gefängnis trifft sie seinen Bruder. Mir gefällt zwar nicht, was sich daraus ergibt, aber mal abwarten, wie sich das weiter entwickelt. Auf jeden Fall ist Sonya weiterhin auf der Suche nach einem verschwundenen mexikanischen Mädchen, weshalb sie Marco aufsucht. Sie will ihn dazu bewegen, ihr bei dieser Ermittlung zu helfen – und es würde mich sehr wundern, wenn das nicht noch mit einer ganz schlimmen Geschichte endet. Was mir auch gut gefällt, ist, dass Daniel Frye wieder mit von der Partie ist – hier haben die Macher des Remakes sich eine originellere Figur ausgedacht, als den korrupten Hochglanzjournalisten in der Vorlage.

Dieser schmierige Reporter wird von Matthew Lillard aber auch einfach genial gespielt. Wobei mir auch Emily Rios als seine Kollegin Adriana Mendez sehr gut gefällt. Adriana pendelt zwischen den Welten, ihrer mexikanischen Familie in Ciudad Juárez und ihrer Karriere in den USA. Wie sie Daniel erzählt hat, verdankt sie ihre Karriere vor allem dem Umstand, dass sie Lesbe ist. Denn während die anderen Mädchen hinter den Jungs hergelaufen sind, hat sie sich auf ihre Ausbildung und ihren Job konzentriert. Ihre Familie kommt damit allerdings nicht so gut klar – zwar finden die gut, dass Adriana erfolgreich ist und Geld verdient, aber irgendwann muss sie doch einen Mann finden und Kinder bekommen. Statt dessen kümmert sie sich darum, dass ihr süchtiger Kollege zu seinen Meetings geht und hilft ihm bei der Recherche von haarsträubenden Storys – was für sie natürlich auch gefährlich wird.

Hier haben wir schon einen ganzen Haufen von Konflikten, die alle für sich schon spannender sind, als diese verschwurbelten Ideen von skandinavischen Wohlstandskindern, die zu Ökoterroristen werden müssen, damit die Polizei was zu ermitteln hat. Ich bleibe dabei: The Bridge America ist ein wirklich geniales Remake, das schon in der ersten Staffel eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt hat, obwohl es noch relativ dicht an der Vorlage geblieben ist. Die zweite Staffel verspricht nun, etwas ganz eigenes zu werden, ähnlich wie die dritte Staffel von The Killing. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt!

Tropa de Elite: Alternativen zum FIFA-Terror

Wem der ganze WM-Rummel schon jetzt auf die Nerven geht, hat durchaus Möglichkeiten, sich dem Gastgeberland Brasilien auch auf andere Art und Weise zu nähern. Zum Beispiel, in dem man sich den Film Tropa de Elite ansieht, der 2008 auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann. Es handelt sich um einen quasi dokumentarischen Film über die Polizei-Einheit BOPE, eine Elite-Einheit der Militär-Polizei von Rio de Janeiro.

Screenshot Tropa de Elite

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Screenshot Tropa de Elite

Screenshot Tropa de Elite

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Regisseur José Padilha (inzwischen wohl eher bekannt für sein Robocop-Remake) wollte eigentlich einen Dokumentar-Film über die Arbeit dieser Sondereinheit drehen – allerdings wollte keiner der von ihm interviewten Angehörigen der BOPE gefilmt werden. Auch wäre es zu gefährlich gewesen, Einsätze dieser Truppe life zu filmen. Also beschloss Padilha, ein Dokumentar-Spiel daraus zu machen, in dem Schauspieler die BOPE-Einsätze nachspielen sollten. Auch das erwies sich als nicht ungefährlich – als Polizist verkleidet in den Favelas von Rio de Janeiro herum zu laufen, ist auch in Begleitung eines Filmteams ein Risiko – außerdem wurde aller Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz das Auto mit den Waffen gestohlen.

Screenshot Tropa de Elite

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Der Film erzählt die Geschiche von Capitão Nascimento, der Leiter eines Einsatzkommandos der BOPE ist. Anlässlich des Papstbesuchs in Brasilien 1997 erhält seine Einheit den Auftrag, in den Favelas von Rio aufzuräumen – ein extrem unangenehmer Auftrag. Nascimento würde lieber aus eigener Tasche ein Hotelzimmer für den heiligen Vater in einem ruhigeren Stadtteil bezahlen, aber so kann man dem Papst natürlich nicht kommen. Nascimento leidet ohnehin schon an Panikattacken und kann die brutalen Einsätze nur noch mithilfe seiner Beruhigungspillen überstehen. Und dann ist auch noch seine Frau schwanger, die ihn überreden will, seinen gefährlichen Job aufzugeben. Nascimento bittet um seine Entlassung, die ihm wird aber nur gewährt, wenn er persönlich einen Nachfolger auswählt. Keine einfache Aufgabe unter diesen Umständen.

Screenshot Tropa de Elite

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Die Jugendfreunde Neto und Matias, beide aus Überzeugung Polizisten geworden, kommen mit der Korruption in ihren Polizei-Einheiten nicht klar und bewerben sich deshalb für die Elitetruppe. Sie müssen in einem extrem harten Auswahlverfahren ihre Ausdauer und ihre ehrenhaften Motive unter Beweis stellen. Matias, der neben seinem Dienst in der Polizei an der Universität von Rio Jura studiert, wird durch seine ehrenamtliche Arbeit in den Favelas zur einer Bedrohung für den von lokalen Banden kontrollierten Drogenhandel mit den Oberschichtskindern an Matias Universität. Deshalb will ihn der Bandenchef Baiano aus dem Weg räumen. Matias kapiert einfach nicht, dass er nicht gleichzeitig die Welt verbessern und für Recht und Ordnung sorgen kann.

Screenshot Tropa de Elite

Screenshot Tropa de Elite: Capitão Nascimento

Die Aktion des Gangsters misslingt jedoch und an Stelle von Matias wird sein Freund Neto angeschossen. Er stirbt später im Krankenhaus. Danach kennt das Einsatzkommando nur noch ein Ziel: Baiano zur Strecke zu bringen. Schließlich wird er von der BOPE aufgespürt und angeschossen. Nascimento überlässt es Matias, Baiano mit einer Schrotflinte zu erschießen. Dieser rächt damit seinen Freund und Nascimento hat endlich einen würdigen Nachfolger gefunden. Aber mit Matias Idealen ist es nun auch für immer vorbei…

Screenshot Tropa de Elite

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Alles in allem ein krasser Stoff – aber wie sollte es in einer Gesellschaft, die dermaßen gespalten ist wie die brasilianische, auch anders sein. Insofern verwundert es auch nicht, dass die fußballbegeisterten Massen in Brasilien lieber ihre alternativen Feste feiern, weil von der FIFA-WM ohnehin nur die reiche Elite profitiert. Die Wohngebiete der Armen wurden für den Bau neuer Stadien planiert – aber ins Stadion kommen nur diejenigen, die die absurden Preise für die Karten zahlen können. Während die aktuelle WM das teuerste Turnier aller Zeiten wird, bricht die Infrastruktur des Landes an vielen Orten einfach zusammen – es fehlt an allem, Kanalisation, Gesundheitsversorgung, Schulen, bezahlbarem öffentlichen Verkehr.

Insofern ist Tropa de Elite durchaus ein Lehrstück – auch wenn die relevanten Leute in Brasilien offenbar nichts daraus lernen wollten. Warum auch. Sie haben ja das Geld und das Sagen. Und zum Glück kucken die Leute eh lieber Fußball.

Screenshot Tropa de Elite

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Screenshot Tropa de Elite

Screenshot Tropa de Elite Matias