Buster’s Mal Heart: Schicksal ist ein Arschloch

Ein Film, auf den ich lange gewartet habe, ist Buster’s Mal Heart – einer von diesen „kleinen“ US-Indipendet-Filmen, die hierzulande nie ins Kino kommen, auch wenn sie auf zahlreichen Indipentent-Festivals erfolgreich gelaufen sind. Erfreulicherweise erscheint der Film jetzt auf Amazon Video und iTunes – und ich habe keine Kosten und Mühen gescheut, den Film schon einmal vorab zu sichten. Und es gleich vorweg zu nehmen: Ein Publikumsrenner wird dieser Film vermutlich nicht, dazu ist der Plot viel zu verschroben.

Aber – schlecht finde ich ihn wirklich nicht, Buster’s Mal Heart erinnert mich sehr an die eigenartigen Filme von Herbert Achternbusch – es geht um Identität, kosmische Missgeschicke, Liebe, Schicksal, Pflichterfüllung, das Elend mit der Freiheit und der Frage, wie man denn leben soll, wenn man die meiste Zeit damit beschäftigt ist, einen blöden Job machen zu müssen, weshalb man das eigentliche Leben verpasst. Daraus lässt sich schon ein sehenswerter Film stricken – und die Autorin-Regisseurin Sarah Adina Smith macht aus einem vergleichsweise schmalen Budget und wenigen Drehtagen eine ganze Menge.

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Der eine oder die andere wird sich Buster’s Mal Heart ohnehin schon allein deshalb ansehen, weil Mr. Robot mitspielt – der fleißige Rami Malek war zwar schon in einer ganzen Reihe von zum Teil durchaus bekannten Filmen als Nebendarsteller zu sehen, aber hier hat er seine erste Hauptrolle in einem Spielfilm – und er ist auch fast in allen Szenen zu sehen.

Und erstaunlich viel erinnert dann doch an Mr. Robot – der Protagonist Jonah ist nämlich zwei Männer: Zum einen ein mexikanischer Seemann, der nach einem Sturm 1000 Tage in einem winzigen Rettungsboot auf dem Meer treibt, zum anderen ein junger Familienvater, der endlose Nachtschichten in einem Hotel am Arsch der Welt – der sich in diesem Fall in Montana befindet – schiebt, um seine Familie zu ernähren. Die da sind seine junge Frau Marty (Kate Lyn Shell) und ihre niedliche kleine Tochter Roxanne (Sukha Belle Potter).

Marty und Jonah lieben sich, soviel wird klar, und Roxanne ist ein wirklich süßes kleines Kind. Die drei leben bei Martys Eltern, die es mit dem Christentum haben – keine Ahnung, welche der unzähligen Spielarten amerikanischer christlicher Sekten das ist, aber die tatkräftigen Christen haben Marty geholfen, von ihrer Drogensucht wieder loszukommen, und sie haben irgendwie auch Jonah akzeptiert, diesen Latino, den ihre Tochter angeschleppt hat. Über dessen Herkunft erfahren wir nicht viel, außer, dass er Spanisch spricht, was er auch versucht, seiner Tochter beizubringen – was die Schwiegereltern gar nicht so gut finden, das Kind soll doch lieber erstmal richtig Englisch lernen.

Und auch Jonah scheint keine astreine Vergangenheit zu haben – als sein Kollege, der die Tagschicht machen darf, Jonah fragt, wie er denn an diesen Job gekommen sei, wenn er nicht mal einen Highschool-Abschluss habe, antwortet Jonah, dass er dem Chef (der natürlich auch zu dieser christlichen Gemeinde gehört) sein Vorstrafenregister gezeigt hätte.

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Wir erfahren nicht, was Jonah verbrochen hat, aber wir sehen dabei zu, wie er sich redlich bemüht, seinen Job zu machen und gleichzeitig auch noch ein liebender Familienvater zu sein. Und er wie er daran scheitert – mechanisch wie ein Roboter erledigt er seine Arbeit, um dann völlig übermüdet zu Frau und Kind heimzukehren. Jonah träumt von einem ganz anderen Leben, er will ein Stück Land kaufen, ein Haus bauen und dort das eigentliche, richtige Leben verwirklichen, von dem er träumt. Aber Marty holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: „Du weißt doch überhaupt nicht, wie man ein Haus baut!“

Und es stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Jonah auch keine Ahnung davon hat, wie man in der Natur überlebt. Was ihm sein mexikanisches Alter Ego auf See voraus hat – der überlebt, er trinkt seinen eigenen Urin und fängt Fische, auch wenn er Gott verflucht und bittet, ihn jetzt endlich sterben zu lassen, weil man so ja auf Dauer nicht leben kann. Jonah hingegen überlebt, in dem er in luxuriöse Ferienhäuser einbricht, die reiche Leute in den Bergen von Montana haben. So richtig autark ist das nicht, immerhin er genießt den vorübergehenden Luxus sichtlich. In seinem jeweiligen Quartieren dreht er alle Familienbilder auf den Kopf und telefoniert mit Sex- und Radiohotlines, um seine Botschaft zu verkünden: Das Ende der Welt ist nah – also der Welt, die wir so kennen, wie sie ist. Die zweite Inversion steht bevor, bei der sich alles auf den Kopf stellt.

Das entspricht ziemlich genau der Hysterie, die vor der Jahrtausend-Wende grassierte, Y2K, das Jahr-2000-Problem. An das kann ich mit gut erinnern, schließlich war ich damals in meinen sehr frühen Dreißigern. Ich hatte das damals nicht dermaßen ernst genommen, schließlich stamme ich aus einer Generation, die in der Hochzeit des kalten Krieges mit der Angst aufgewachsen ist, dass ihre Welt innerhalb von Minuten von einem Atomkrieg pulverisiert wird.  Davor hatten wir die ganze Zeit Angst, und das war keineswegs unrealistisch. In Deutschland lebten wir schließlich auf dem wahrscheinlichst anzunehmenden Schlachtfeld einer solchen Auseinandersetzung. Da war Y2K ein Klacks gegen. Was ja auch zutraf.

Aber das hat in Buster’s Mal Heart eher eine anekdotische Funktion. Immerhin, die Geschichte spielt in den späten 90ern, also kurz vor Y2K, und während einer dieser quälend endlosen Nachtschichten im Hotel taucht ein rätselhafter Typ (DJ Qualls) auf, der Jonah seinen Namen nicht verraten will, aber behauptet, der letzte freie Mensch der Welt zu sein. Und nebenbei ist er ein Computer-Spezialist. Und als solcher habe er Sachen gesehen – CIA, FBI, Pentagon, da läuft eine ganz, ganz üble Scheiße und die Menschen werden alle verarscht. Immer.

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Jonah saugt die Worte dieses zweifelhaften Propheten auf, sei es, weil ihm einfach sterbenslangweilig ist, sei es, weil er tatsächlich an diesen Scheiß glauben will, weil er sich ein anderes Leben und eine andere Welt wünscht, auch wenn er nicht so richtig kapiert, was eigentlich falsch läuft – Jonah beschäftigt sich mit diesem ganzen Zeug und lässt es sich einleuchten. Und er versucht weiterhin ein guter Mensch zu sein, was sein Chef irgendwann auch honoriert, in dem er Jonah zwar nicht von der ungeliebten Nachtschicht befreit, aber ihm immerhin anbietet, dass seine Frau und Tochter eine Weile in dem ohnehin nicht besonders frequentierten Hotel wohnen können, damit Jonah sie ab und zu auch mal im wachen Zustand sehen kann.

Das ist erst einmal ganz nett – für Marty und Roxanne fühlt es sich wie ein Ferienaufenthalt an und Jonah ist auch ganz happy, die drei vergnügen sich (sittsam!!!) im Hotelpool, Jonah kann zumindest theoretisch endlich Job und Familie unter einen Hut bringen – doch dann taucht dieser Fremde wieder auf. Er sieht ziemlich ramponiert aus, und der gutmütige Jonah gibt ihm unerlaubterweise eine Schlüsselkarte, obwohl der Fremde nach wie vor keine ID vorweisen will. Klar, das hätte Jonah besser nicht getan.

Okay, für diesen Spoiler würden mich meine Kinder auch schon wieder killen, aber die lesen ja meinen Blog nicht. Vermutlich. Für Jonah geht die Sache nicht gut aus, auch wenn er tapfer gegen das Unausweichliche ankämpft und versucht, später selbst als gesuchter Schwerverbrecher und Outlaw noch ein netter Mensch zu sein. Aber das ganze Universum scheint sich gegen ihn verschworen zu haben – letztlich erweist sich seine Existenz als epischer Fehler im kosmischen System: Irgendwo ist irgendetwas kolossal schief gelaufen. Aber weder der verzweifelte, aber doch zäh an seinem Leben hängende Schiffbrüchige auf dem Meer, noch der zum verrückten Buster mutierte Jonah geben auf, sie kämpfen bis zum Schluss – und am Ende gibt es zumindest für einen von ihnen eine versöhnliche Wendung.

Wer auf Filme mit ausgefeilten Plots steht, in denen am Ende immer alles erklärt wird, wird mit diesem Film vermutlich nicht glücklich. Womit ich nicht sagen will, dass dieser Film keinen ausgefeilten Plot hätte – die Geschichte an sich gefällt mir ziemlich gut, allerdings gleicht der Film einem Puzzle, dessen Teile sich der Zuschauer beim Ansehen selbst zusammensetzen muss. Liebhaber von mehrdeutigen, diffusen Geschichten werden hier viel besser bedient – wobei ich das alles gar nicht dermaßen rätselhaft finde. Es gibt eine Menge Andeutungen und Querverweise, der Film verlangt allerdings eine gewisse Aufmerksamkeit. Was mir gefällt ist, dass es keine dieser abgefuckten Hollywoodgeschichten ist, in denen mit viel Ironie und noch mehr Zynismus eine klassische Heldengeschichte auf den Kopf gestellt wird – das ist ja dieses ganze nervige Antihelden-Helden-Kino, das in den aktuellen Blockbustern abgefeiert wird.

Jonah ist einfach ein Mensch, der versucht, das Beste aus einer Situation zu machen, in die man besser nicht geraten will – die man aber doch wieder erkennt: Die allermeisten von uns müssen mit einem Job klar kommen, den sie eigentlich gar nicht machen wollen, aber machen müssen, weil auf allem, was man zum Leben braucht, ein verdammtes Preisschild klebt. Und das ist ja noch die freundliche Variante, die das Arschloch von Schicksal bereit hält – Jonahs Alter Ego auf hoher See würde wahrscheinlich nur zu gern mit Jonah und seinen Nachtschichten tauschen, wenn er nur die Gelegenheit dazu hätte.

Aber dann schlägt diese Bitch von Schicksal Jonah doch wieder dermaßen, dass vielleicht der mexikanische Seemann doch noch besser dran ist – mir fällt da spontan die Geschichte von diesem Rabbi ein, der über Land wanderte und bei einem freundlichen Bauern-Pärchen einkehrte. Die Bauersleute bewirteten ihn gut, aber am nächsten morgen lag ihre beste Kuh tot im Stall. Und als der Bauer fragte, womit er das verdient hätte, wo er doch die Regeln der Gastfreundschaft so vorbildlich eingehalten hätte, gab ihm der Rebbe die Antwort, dass eigentlich beschieden war, dass seine Frau hätte sterben sollen. Aber weil sie so gut zu dem Fremden gewesen waren, hätte es nur die Kuh getroffen. busters-mal-heart-movie-trailer-images-stills-rami-malek4

Diese Geschichte habe ich immer gehasst, genau wie das Buch Hiob und alle diese anderen üblen Geschichten aus der Bibel, in denen es darum geht, wie Gott uns Menschen prüft. Was für ein grausames, zynisches Arschloch. Das Leben ist unendlich beschissen. Aber wir haben nur dieses eine, beschissene Leben, insofern lohnt es sich daran festzuhalten und zu versuchen, auf dieser Erde das Beste draus zu machen. Auch wenn man keine Ahnung hat, wie man das anstellen soll.

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Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

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Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

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Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Emmy Awards 2016: Diversität und Monokultur

Weil ich ja leider nachts schlafen muss, um tagsüber für meinen Job fit zu sein, konnte ich mir die Verleihung der 68. Emmy Awards heute erst als Feierabend-Event reinziehen – ohne Werbung zwischendurch waren es etwas über zwei Stunden, das kann man schon aushalten, auch wenn sich alle Preisträger bei Cast, Crew und Familie bedanken müssen (immerhin in wechselnder Reihenfolge), was dann irgendwann doch langweilig wird, genau wie die unvermeidlichen Politwitze: Donald Trump hat eine ganze Reihe von RL-Memes gesetzt, denen man einfach nicht entkommen kann. Make the Emmys Great Again. Make Television Great Again. And somehow we make the Mexicans pay for that. And so on.

Nichtsdestotrotz war Jimmy Kimmel gut in Form, und alles in allem ist der Abend ja gut ausgegangen: Rami Malek hat den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie gewonnen, was mich natürlich sehr freut, wobei für mich auch okay gewesen wäre, wenn Bob Odenkirk ihn für Better Call Saul bekommen hätte. Und klar, auch die anderen waren alle sehr gut, aber Mr. Robot ist nun mal die beste der hier nominierten Serien, auch wenn Better Call Saul nur knapp dahinter liegt.

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

Ich denke, dass hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, dass Rami Malek der einzige nicht eindeutig weiße männliche Schauspieler unter den Nominierten in dieser Kategorie war – was seiner Performance keinen Abbruch tut, denn Rami Malek ist einfach der beste denkbare Elliot Alderson. Aber so betont divers, wie sich die Emmys dieses Mal gegeben haben, liegt der Verdacht nahe – und das kritisiere ich ausdrücklich nicht: Vor wenigen Jahren noch hätte ein arabisch-stämmiger Schauspieler vermutlich gar keine Chance gehabt, eine Hauptrolle in einer stylischen, coolen, sehr ambitionierten US-amerikanischen Primetime-Serie zu spielen.

Unter den Nominierten waren insgesamt durchaus zahlreiche Afroamerikaner, so hat beispielsweise Courtney B. Vance den Emmy als beste Hauptdarsteller in einer Mini-Serie gewonnen oder Sterling K. Brown den als bester Nebendarsteller, die beste weibliche Nebendarstellerin in der Kategorie war Regina King. Und natürlich sind auch die Master-of-None-Autoren (und Darsteller) Aziz Ansar und Alan Yang Vertreter von Minderheiten – wobei der aus Taiwan stammende Alan Young bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Autor einer Comedy-Serie daran erinnert hat, dass es ungefähr genauso viele Amerikaner ostasiatischer wie italienischer Herkunft gibt – was sich aber in der Film- und Fernsehgeschichte der USA bisher nicht niedergeschlagen habe, im Gegensatz zu den Italienern mit ihren ikonischen Mafia-Dramen. Und er forderte die asiatischen Eltern auf, ihren Kindern Kameras statt Geigen in die Hand zu geben – dann hätten sie vielleicht auch mal eine Chance.

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Und insofern geht natürlich auch total in Ordnung, dass Jeffrey Tambor einen Emmy für seine Darstellung von Moira Pfefferman in Transparent wieder eine Auszeichung bekommen hat – und der gleichzeitig betonte, dass es hoffentlich das letzte Mal sei, dass er als Mann für die Darstellung einer Transgenderfrau herhalten musste, lieber solle man doch den echten Transgenders eine Chance geben.

Passend dazu hat Jill Soloway, die einen Emmy für die beste Regie in einer Comedy-Serie – eben Transparent – bekommen hat, die Kleiderordnung für Frauen souverän missachtet: Die Kombination von Bluse (mit Schleife) und Blazer war gewagt, aber total misslungen, rausgerissen haben das nur die roten Sportschuhe. Vor der Verweigerung der üblichen Highheels habe ich echt Respekt – mir ist ohnehin ein Rätsel wie andere Frauen Folterwerkzeuge mit 8 bis 10 Zentimeter Absatzlänge (oder gar mehr) einen Arbeitstag oder Abend am Fuß ertragen können. Wenn die Schuhe sehr gut gepolstert sind, kann ich das auch mal für ein paar Stunden ab, aber laufen in dem Sinne geht damit einfach nicht. Es gibt so vieles, was Frauen sowieso immer noch aushalten müssen – warum dann auch noch unbequeme Schuhe?! Männer tun sich das doch auch nicht an!

Wo wir aber gerade bei Frauen sind: Mich hat natürlich auch der Emmy für Susanne Bier gefreut, die als beste Regisseurin einer Miniserie den Preis für ihre Arbeit mit The Night Manager bekam. Es gibt ja nun wirklich nicht viele weibliche Regisseurinnen und noch weniger international anerkannte – aber vielleicht ändert sich das ja nun auch langsam mal. Wobei mich dann doch schon wieder ein bisschen genervt hat, dass Veep mit Emmys förmlich überhäuft worden ist. Ja, eine Comedyserie über eine erste weibliche US-Präsidentin ist schon lustig, und die Entschuldigung von Julia Louis-Dreyfus für das eigenartige politische Klima in den USA – eigentlich hätten sie ja eine Comedy-Serie machen wollen, nun sei Veep aber leider eine Dokuserie über den traurigen alltäglichen Wahnsinn – fand ich auch total sympathisch – aber ab und zu hätte in Sachen Comedy auch mal eine andere Serie irgendwas gewinnen können, so ging Silicon Valley komplett leer aus.

Genau wie bei den Dramaserien, wo Game of Thrones wieder so ziemlich alles abgeräumt hat: ja, das ist gewiss eine grandiose Serie, aber für alle, die es nicht so mit Drachen und epischen Schlachten haben, gibt es auch noch ziemlich gutes Fernsehen – so fällt mir gerade auf, dass es nicht eine einzige Nominierung für Halt and Catch Fire gab, was auch eine ziemlich gute Serie ist. Oder für Manhattan. Und tolle Serien wie Fargo oder Better Call Sauldie ebenfalls nominiert waren, konnten dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen. Und bei den Mini-Serien war es nicht besser, da hat The People vs. O. J. Simpson fast alles andere platt gemacht.

Wobei, ich muss zugeben, dass es sympathische Ausreißer gab, etwa den Emmy für die beste männliche Gast-Rolle, der an Peter Scolari ging, der in Girls Hannahs Vater spielt oder für Margo Martindale, die sozusagen das weibliche Pendant in The Americans gab. Insofern sind auch die Emmys längst noch nicht so ausgewogen und perfekt, wie sie sich gerade feiern. Aber immerhin schon sehr viel weiter als die Oscars – was auch ständig betont wurde. Jimmy Kimmel hat das in löblich kritischer Selbstanalyse ja während der Show definiert:“Was wir hier in Hollywood noch mehr schätzen als Vielfalt, ist, uns selbst dafür zu feiern, wie sehr wir Vielfalt schätzen.“ Das ist aber genau die Selbstreflexion, zu der das Fernsehen bereits in der Lage ist. Mal sehen, wann das in der Kino-, äh Blockbusterindustrie denn ankommt.

Ein toter Fisch im Darkroom

Nachdem ich mich von meinem Nervenzusammenbruch erholt habe, weil es in dieser Woche nur den ersten Teil der letzten Doppelfolge gegeben hat und ich noch eine weitere Woche auf das große Finale der zweiten Staffel von Mr. Robot warten muss, bin ich jetzt langsam in der Lage, eine Review zu eps2.9_pyth0n-pt1.p7z zu schreiben.

Es wird immer spannender – auch wenn dieser Teil fast ausschließlich aus Dialog bestand, und zu weiten Teilen aus ziemlich absurden Dialogen. So muss Angela in einem Dark Room, der mit einem auslaufenden Aquarium und einem C64 samt historischem Zubehör ausgerüstet ist, eigenartige Fragen beantworten, die ein kleines Mädchen stellt, das eine exakte Kopie ihres jüngeren Selbst sein könnte. Agent DiPierro hat ein deprimierendes Gespräch mit ihrer virtuellen Assistentin Alexa, das nahelegt, dass sie wirklich sehr, sehr einsam ist und Elliot redet nicht nur mit sich selbst und mit seinem unsichtbaren Freund, sondern auch mit einem Taxifahrer, der nur Arabisch spricht und einfach nicht kapiert, was Elliot von ihm will.

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Aber okay, die komplette zweite Staffel war ja bisher vor allem deshalb interessant, weil jede Folge so anders und eigen war – was man ja auch von anderen guten Serien kennt, nur ist hier oft die Erklärung, dass die Autoren und die Regisseure auch von Folge zu Folge wechseln. Das Neue an Mr. Robot ist nun aber, dass es einen Autor gibt, der alle Folgen im Kopf hat – auch wenn es dieses Mal durchaus Episoden gibt, die nicht Sam Esmail geschrieben hat – und dass Sam Esmail auch in sämtlichen Teilen die Regie übernommen hat.

Sein Erzählweise und sein Blick sind schon sehr speziell, was ich meistens mag – er hält sich in der Regel an die unterkühlte skandinavische Farbpalette im Anthrazit- bzw. Grau-Blau-Bereich, und wählt sehr spezielle Perspektiven. Für meinen Geschmack gibt es aber zu viele gewollte Unschärfen – das ist für Screenshots und Gifs immer blöd, genau wie diese Gegenschnitte, bei denen die Protagonisten immer ganz außen oder innen am jeweils konträren Bildrand zu sehen sind – das ist natürlich wahnsinnig aussagekräftig, wenn man die Serie auf dem großen Bildschirm kuckt, aber halt schlecht für tumblr und Co.

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Über die gesamte Staffel war der Zweikampf zwischen Elliot und Mr. Robot wichtig – meiner Ansicht nach zu wichtig – und auch wenn Elliot sich nun mit der Existenz von Mr. Robot als alternativem Ich abgefunden hat, so ist ihm noch immer nicht klar, was das eigentlich für ihn bedeutet. Ehrlich gesagt, hatte ich ja gehofft, dass es an dieser Front nun etwas ruhiger und übersichtlicher würde, aber das ist leider nicht der Fall – stattdessen kommt Elliot auf die Idee, dass er jetzt einfach mal der stille Beobachter sein möchte, der sich anschaut, was Mr. Robot so macht, wenn er glaubt, dass er allein ist. Und Elliot schafft es auch, sich in einen solchen Zustand zu versetzen – Mr Robot übernimmt und Elliot darf einfach zuschauen. Und am Ende klappt genau das, was Elliot sich davon erhofft hatte – Mr. Robot führt ihn nach einiger Knobelei – hier taucht auch wieder eine rote Schubkarre auf, wenn auch nur als Name eines Restaurants, dessen Karte als Grundlage für allerlei Zahlenspiele dient – tatsächlich zu Tyrell Wellick. Aber natürlich ist nicht klar, ob das alles jetzt in Elliots Kopf stattfindet, oder ob Tyrell real ist, denn Elliot weiß ja, dass weder sich selbst, noch Mr. Robot trauen kann. Das geht mir inzwischen doch ziemlich auf die Nerven.

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Aber es passieren ja auch andere Dinge – so hat Agent DiPierro einen weiteren frustrierenden Dialog mit ihrem Chef, der will, dass sie, nachdem sie einmal mehr in eine Schießerei mit Dark-Army-Beteiligung geraten ist, endlich mal Ruhe gibt und nach Hause geht. Aber natürlich will Dom jetzt erst recht dran bleiben: Sie weiß, dass sie auf der richtige Spur ist, der jüngste Vorfall ist ja die Bestätigung dafür – und sie betont, dass es möglicherweise kein Terrorangriff von fehlgeleiteten Radikalen mehr ist, sondern ein kriegerischer Akt gegen die USA: Die chinesische Regierung könnte beteiligt sein. Der Umstand, dass mehrere Zivilisten dabei umgekommen sind, spricht dafür, dass Cisco tot ist – möglicherweise auch Darlene. Dom jedenfalls ist einmal mehr davon gekommen. Und es scheint, als frage sie sich selbst, warum.

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Interessant ist auch, dass die rätselhafte Partnerschaft zwischen Philip Price und Whiterose offenbar in eine Krise geraten ist – Whiterose widmet Angela immerhin 28 Minuten ihrer kostbaren Zeit, um herauszufinden, was so speziell an ihr sei, dass Philip Price sich von ihr offenbar dazu ermuntert fühle, auf seinen wie auch immer gearteten Deal mit Whiterose zu pfeifen und mit ihrer Hilfe sein eigenes Ding durchzuziehen: Er will E-Coin als offizielle Währung durchsetzen, wogegen sich die Fed sträubt – schließlich sei es die Aufgabe der US-Zentralbank, über die Währung zu wachen. Die E-Coin-Strategie von Price passt aber auch Whiterose nicht in den Kram. Sie versucht Angela davon zu überzeugen, dass der Tod ihrer Mutter und von Elliots Vater einer wichtigen Sache gedient hätte, um sie von ihren Racheplänen abzubringen. „Was hat Elliot mit all dem zu tun?“ fragt Angela, die keine Ahnung hat, wer oder was Whiterose eigentlich ist.

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer weiß, vielleicht war sie erfolgreich, zumindest sucht Angela ihre Anwältin Antara Nayar am Abend zuhause auf, um ihr zu sagen, dass sie den Kontakt nun für immer abbrechen wird. Aber die abgebrühte Nayar vermutet gleich, dass Angela bedroht wird – auch wenn Angela das erstaunlich ruhig und entschieden verneint. Aber bisher war so vieles anders als es zunächst schien, dass ich hier ein weiteres großes Fragezeichen sehe. Vermutlich wird in der letzten Folge vieles nicht aufgelöst, so dass wir auf die dritte Staffel warten müssen.

Und dann vermutlich auf eine vierte und gar fünfte, sofern es kein Quotendesaster geben sollte. Bei der zweiten Staffel gab es schon leichte Verluste bei den Zuschauerzahlen in den USA, was mich aber nicht wundert – diese Staffel ist düsterer und anstrengender als die erste, und es fehlt auch Elliots erfrischender Zynismus, der ja leider schon im Laufe der ersten Staffel auf der Strecke geblieben ist, weil Elliot zunehmend mit seiner kranken Psyche zu kämpfen hatte. Aber ein paar Antworten erwarte ich in der kommenden Woche doch.

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da - Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da – Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: We can’t beat them

Die neue Folge eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx ist einerseits die Vorbereitung auf den großen Knall, der in den letzten beiden Folgen sicherlich noch kommen wird – andererseits hat mich allein der Auftakt schon wieder sehr begeistert: Der selbsterklärte Meister des Universums, Philip Price, unterhält sich in seinem Büro mit Terry Colby, der gerade ein Buch veröffentlicht hat – „Der letzte ehrliche Mann“. Das ist schon fast wieder zu viel der Ironie, aber davon gibt es in dieser Folge ohnehin eine ganze Menge, allein dass der Schwanzlutscher Donald Trump ernsthaft für die Präsidentschaftswahlen antritt, kann Terry kaum fassen.

Seinem alten Fellow Philip widmet er sein letztes Vorabexemplar – wie wir wissen, verdankt Terry dieses eigenartige Image der kurzzeitigen PR-Mangerin von E-Corp, Angela Moss, die, wie wir auch wissen, ihre durch Terry eingeleitete Blitz-Karriere bei E-Corp gerade gegen die zweifelhafte Ehre eingetauscht hat, eine Whistleblowerin zu sein: Denn Angela hat aus freien Stücken hochbrisante Unterlagen über das mächtigste Unternehmen der westlichen Welt gestohlen und geleakt. Allerdings nicht mit dem erhoffen Erfolg – wobei hier das letzten Wort vielleicht noch nicht gesprochen ist. Und überhaupt – hatte Terry Colby am Ende noch einen eigenen Plan, als er Angela bei E-Corp eingeschleust hat?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Jetzt muss Angela jedenfalls erst einmal erfahren, was es heißt, eine Whistleblowerin zu sein – dieses Leben im Klandestinen halten die meisten nicht aus. Aber ich greife vor: Noch sitzen Philip und Terry in jenem Büro mit der humoristischen Weltkarte Europas 1914 – allein das ist ein Witz, der so gut ist, dass ich mich frage, was eigentlich ein Sam Esmail damit verbindet – ist es die europäische Kleinstaaterei, die ignorante Konkurrenz unter den alten, selbstgefälligen Kolonialmächten, die meinten, die ganze Welt unter sich aufteilen zu können?

Obwohl, Philip sagt es ja selbst, als Terry ihn fragt, warum ausgerechnet Kongo, warum überhaupt dieses Zocken mit ganzen Ländern, die Philip so ausspiele, wie andere ihre Karten. Und Philip: Ist das nicht, worum es in der Geschichte immer und überhaupt geht – imaginäre Linien in der Landschaft, die immer wieder neu gezogen würden? Es gibt dann eine noch interessante Aussage von Philip, die ich jetzt aber mal nicht spoilern will – vor allem fand ich die Musik in dieser Szene einmal mehr großartig: Im Hintergrund hört man die Gnossienes von Erik Satie. Das verrate ich gern, denn ich liebe die Musik von Satie – und vermutlich haben viele diese Musik schon gehört, ohne zu wissen, von wem sie ist – von Satie gibt es sehr viele repetitive, auf den ersten Eindruck hin sehr einfache und langsame Klavierstücke, die als Vorbild und Grundlage für die spätere Minimal Music gelten.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover "The Last Honest Man"

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover „The Last Honest Man“

Zurück zu Mr. Robot: Es geht weiter mit Japan-Punk oder wie immer man das nennt, The Head That Controls Both Right and Left Sides Eats Meats and Slobbers Even Today von Bleach und Joanna Wellick, die sich schick macht, um Elliot zu treffen: Sie will ihn dazu bringen, das Smartphone zu hacken, von dem sie glaubt, dass Tyrell mit ihr darüber Kontakt hält. Was Elliot reichlich absurd findet, denn er weiß ja, was mit Tyrell passiert ist. Oder hat Mr. Robot vielleicht doch gelogen?

Elliot weiß aber auch, dass er ein toter Mann ist, wenn er Joanna einfach sagt, dass er Tyrell erschossen hat. Also lässt Elliot sich schließlich doch darauf ein – vermutlich ist er selbst neugierig, was hinter diesem Smartphone steckt. Und Joanna ist mehr als überzeugend – sie ist wirklich verstörend mit dieser Kombination aus Betörung und Bedrohung. Mir fällt gerade auf, dass eigentlich sie das weibliche Gegenstück zu Elliot ist – auf den ersten Blick harmlos, irgendwie sympathisch, gleichzeitig aber etwas eigenartig – und am Ende immer diejenige, die die Kontrolle hat und die anderen nach ihrer Pfeife tanzen lassen kann. Joanna hofft, über den Aufenthaltsort des mysteriösen Anrufers ihren verschwundenen Ehemann aufzuspüren.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Aber Elliots komplette Hardware wurde beschlagnahmt, als er vom FBI hochgenommen wurde, also muss er erstmal einkaufen gehen, er kann ja nicht mit bloßen Händen ein Polizeirevier und darüber den Anbieter der SIM-Karte in jenem Smartphone hacken. Unterwegs denkt Elliot darüber nach, wie schief alles bisher gelaufen ist – die häßliche, schmutzige Welt da draußen ist jedenfalls nicht die, für die er gekämpft hat. Schlimmer noch: Im Elektronik-Markt realisiert er, dass E-Corp durch dem Five-Nine-Hack mit der Einführung einer eigenen Cryptowährung noch mächtiger geworden ist  – und er jetzt von Rabatten profitieren kann, wenn er mit E-Coin zahlt.

Anschließend lernen wir, wie man mit aus einer leeren Pringle-Dose und etwas Zubehör eine WLAN-Antenne baut – natürlich nutzt man ein etwas weiter entferntes WLAN, wenn man etwas Illegales tun will, und dann gibt es einen schicken Retro-Hack mit Faxen für das Polizeirevier, das dann für die Datenauskunft beim Mobilfunkprovider herhalten muss. Elliot ist, wie immer in aussichtslosen Situationen, extrem cool und genial – aber Mr. Sutherland ist mit dem von Elliot gelieferten Ergebnis nicht so richtig zufrieden – von der Adresse, die Elliot ermittelt hat, würde Tyrell Wellick niemals telefonieren. Keine Ahnung, was das für eine Adresse ist, aber die Lage am Central Park lässt darauf schließen, dass es eine extrem teure Gegend ist. Wohnt dort einer von den E-Corp-Chefs?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Derweil hat Darlene mit der unwillkommenen Entdeckung von Cisco zu kämpfen, die er in Susan Jacobs Haus gemacht hat. Das war, wie sich nun herausstellt, eben jener society-Funktionär, der die Leitung der Operation in Washington hatte, bei der die abgesägten Eier des Bullen von der Wall Street durch das Oberlicht im Kongress – oder wars das Repräsentantenhaus? – gekracht sind. Auf jeden Fall wars ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam. Ihr Kamerad wurde, von wem auch immer, schwer verletzt und Cisco hat ihn mit nach Hause genommen – aber es geht ihm so schlecht, dass er sterben wird, wenn er nicht sehr bald ins Krankenhaus gebracht wird.

Rational ist Darlene dagegen – sie weiß genau, dass man ihnen dadurch auf die Schliche kommen wird. Aber letztlich lässt sie sich von Cisco überzeugen – also bringen sie den armen Kerl in die Notaufnahme. Darlene mag eine Mörderin sein – aber sie lässt ihre Leute nicht im Stich. Irgendwie ist ein Thema dieser Folge, dass alle langsam realisieren, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befinden, und sich besser mit dem Gedanken anfreunden, dass sie mit dem, was sie getan haben, nicht einfach so davon kommen werden.

Also sie bleiben in der Nähe des Krankenhauses, um zu erfahren, wie es um ihren Kumpel steht – was das FBI tatsächlich auf ihre Spur bringt, denn inzwischen wurde ein Phantom-Bild von Cisco veröffentlicht, von dem das FBI weiß, dass er irgendwas mit dem Five-Nine-Hack zu tun haben muss. Agent DiPierro ist dagegen, dass das Bild veröffentlicht wird – sie geht völlig zu recht von aus, dass die Dark Army Cisco jetzt schnellstmöglich killt, weil er ohnehin verbrannt ist, und sie damit einen der wenigen Zeugen verliert, der ihr bei der Aufklärung des Five-Nine-Hacks helfen könnte. Aber sie kann sich nicht durchsetzen.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Angla (Portia Doubleday)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Angla (Portia Doubleday)

Was ich auch wahnsinnig gut fand, war die Geschichte, die Darlene Cisco erzählt, während sie im Krankenhaus warten: Darlene erklärt Cisco, dass er recht hatte, und sie eben nicht so speziell wäre – das sei immer nur Elliot. Und dazwischengeschnitten sind immer Szenen, wie Elliot von seiner alten Wohnung aus den Hack für Joanna ausführt, während Darlene von den Cops erzählt, die sie bei jener alten Frau aufgespürt haben, die Darlene mitgenommen hat, als sie mit fünf Jahren bei einem Familienausflug nach Coney Island verloren ging: Sie hatte überhaupt keine Angst und die freundliche Frau hätte sie wie eine Prinzessin behandelt – da hätte sie kurzzeitig geglaubt, dass sie jemand besonderes wäre. Bis die Polizei  sie aufgespürt und wieder nach Hause gebracht hätte. Sie würde sich immer wieder fragen, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie bei dieser Frau geblieben wäre. Aber wenn sie dort geblieben wäre, hätte sie Elliot nicht.

Der sehr spezielle Elliot hingegen kann sich nach dem erledigten Job endlich um den Notruf kümmern, den er von Angela erhalten hat – sie treffen sich in einem menschenleeren U-Bahn-Waggon und Angela erklärt Elliot, dass sie dem FBI gestehen werde, dass sie die Femtozelle für den FBI-Hack platziert habe – was Agent DiPierro ja ohnehin bereits weiß. „Wir werden niemals gegen sie gewinnen – glaub mir, ich habs wirklich versucht!“ Sie verspricht Elliot, dass sie nichts sagen werde, was ihn belastet, aber es läge natürlich auf der Hand, dass man früher oder später eine Spur zum ihm und fsociety finden werde.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot (Rami Malek)

Elliot versucht nicht, sie davon abzubringen, er gesteht sich selbst ein, dass er alle, die er beschützen wollte, in Gefahr gebracht hat. Und er stellt fest, dass er eigentlich bei Angela bleiben will. Trotzdem steht er auf, als Angela meint, dass er nun besser aussteigen solle – aber wie bereits in der allerersten Folge umarmt er seine Freundin, dieses Mal küsst er sie sogar – tut er dass, weil er ahnt, dass es ein Abschied für immer sein könnte? Nachdem er ausgestiegen ist, stehen jedenfalls zwei Unbekannte hinter ihr – und es ist sicher, dass das keine Freunde sind, Agent DiPierro hatte genau das ja schon angedroht: Beim nächsten Mal würde man ihr keinen freundlichen Deal und nichts zu essen anbieten, damit sie redet, sondern sie in eine dunkle Zelle werfen.

Der schrecklichere Cliffhanger ist aber, was bei dem Imbiss vor sich geht, in dem Darlene und Cisco sich endlich einmal aussprechen – manchmal sei es besser, einfach nichts zu tun, findet Cisco. Doch dafür ist es zu spät, denn Dom DiPierro hat die beiden endlich gefunden und fordert per Handy Unterstützung an. Doch bevor die Bullen da sind, kommt die Dark Army – auch wieder eine unglaublich gute Szene, aus der Distanz ist zu sehen, dass Dom Darlene und Cisco anspricht, sich dann aber duckt, weil sie den Angreifer mit dem Maschinengewehr kommen sieht. Ob jemand getroffen wird, ist nicht zu erkennen, es gibt reichlich Sachschaden, auf jeden Fall aber steht Dom wieder auf und schießt den Mann nieder, der zwar noch versucht, sich zum Motorrad zu schleppen, mit dem der Fahrer auf ihn wartet, sich dann aber nach Dark-Army-Manier in den Kopf schießt, weil jetzt endlich die Polizei eintrifft. Ich vermute, dass Cisco tot ist, weil er das Ziel der Attacke war – aber was ist mit Darlene…?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Einerseits bin ich inzwischen fast froh, dass es jetzt die letzte Woche sehnsüchtigen Wartens ist – andererseits ist es mit der kommenden Doppelfolge dann erstmal wieder für ein Jahr vorbei. Aber die Drittel Staffel kommt, dass ist schon einmal eine gute Nachricht.

Walking in my Shoes

Dafür, dass in den vergangenen Folgen eine ganze Menge neuer Fragen aufgetaucht sind, gibt es in eps2.7_init_5.fve nun irritierend viele Antworten. Aber die haben wir nach dem ganzen Mindfuck der vergangenen Folgen der zweiten Staffel – die ich alle toll fand, aber dennoch – auch verdient. Elliot ist also für den Michael-Hansen-Hack eingefahren – das ist nicht wirklich überraschend, denn wir wissen ja, dass Hansen, oder vielmehr Mr. Shannon zur Polizei gegangen ist.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Und wir wissen auch, dass Elliot mit Flipper, also dem Hund, den er vor dem in vielerlei Hinsicht unaufrichtigen neuen Freund seiner Psychologin Krista gerettet hat, beim Tierarzt war. Flippers Chip hat Elliot als Hundedieb überführt – aber offenbar hat Elliot diesen Umstand jetzt aber ausgenutzt, um sich aus der Schusslinie zu bringen – sein triumphierender Blick, als die Bullen ihn hochnehmen, spricht Bände: Besser, für einen vergleichsweise trivialen Hack in den Knast zu gehen, als für den Five-Nine-Hack verdächtigt und gesucht zu werden.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Elliot entpuppt sich einmal mehr als überlegenes Mastermind: Nicht einmal Mr. Robot kapiert, was Elliot da macht. Wobei das im Verlauf dieser Folge auch wieder ein bisschen verstörend ist: Elliot hat Mr. Robot als Teil seiner selbst zwar akzeptiert, aber er kann ihn nicht vollständig kontrollieren. Immer wieder muss Elliot Mr. Robot dabei zusehen, wie er mit den Menschen interagiert, mit denen Elliot selbst eigentlich gerade zugange ist – und die finden das auch merkwürdig: Immer wieder ist Elliot seltsam abwesend. Und es ist noch keineswegs klar, was gerade besser wäre: Lag bisher eigentlich der Verdacht nahe, dass Mr. Robot das abgefuckte Mastermind ist, das Elliot einerseits Dinge tun lässt, zu denen er sonst eigentlich nicht fähig wäre, aber ihn gleichzeitig auch davor schützt, unglaublich dumme menschliche Dinge zu tun, so ist es nun Elliot, der Mr. Robot austrickst, um noch schlauere Dinge zu in die Wege zu leiten.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Mr. Robot (Christian Slater)

Irgendwie nervt mich das, aber andererseits ist das eine coole Wendung – mal sehen, was noch daraus wird. Es gibt ja noch diverse andere Machtspielchen, bei denen nicht klar ist, wer Master und wer Sklave ist: So macht Philip Price jetzt massiv Punkte gegen Minister Zhang aka Whiterose – diese ganze Washington-Township-Geschichte hat offenbar mit den Interessen des chinesischen Partners an diesem Standort zu tun. Price erpresst Zhang, denn er braucht jetzt Geld. Sehr viel Geld. Und er droht Zhang damit, Chaos niederregnen zu lassen, sollte die Chinesen nicht mitspielen: Price wäre es lieber, seinen Gegner verlieren zu sehen, als selbst zu gewinnen.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Darlene (Carly Chaikin) hat Elliot (Rami Malek) etwas zu Essen mitgebracht.

Und Angela, so stellt sich nun heraus, hat sich ihre Position inside Evil Corp tatsächlich dazu angeeignet, um ihr eigentliches Ding durchzuziehen: E-Corp wegen des vertuschten Washington-Township-Skandals ans Messer zu liefern. Sie nutzt die Fallback-Lösung von Mobley, jenen USB-Stick mit der Gummiente dazu, sich die Passwörter der richtig wichtigen Menschen in der Risiko-Management-Abteilung zu beschaffen und damit die Unterlagen über eben jenen Washington-Township-Skandal zu stehlen – ihre Hacker-Schulung bei fcosiety war tatsächlich ziemlich nützlich. Angela hackt nun in Eigenregie E-Corp. Und sie geht mit den Unterlagen zur zuständigen Behörde, die sie allerdings so merkwürdig behandelt, dass Angela kalte Füße bekommt. Was durchaus nachvollziehbar ist. Und dann ist da ja noch Agent DiPierro, die plötzlich vor Angelas Tür steht.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot und Darlene

Aber die Informationen über den Washington-Township-Skandal sind nun in der Welt – und wer weiß, vielleicht war das von höherer Stelle so geplant – ich habe den Eindruck, dass der sinistre Philip Price damit noch mehr Punkte gegen den chinesischen Partner machen will. Aber dessen Motive sind nach wie vor unklar. Einerseits war die Dark Army ein Teil von Elliots Plan, Evil Corp zu zerstören – der nicht wirklich funktioniert hat – andererseits hat Zhang aka Whiterose offenbar Interessen, die denen von Elliot  und seinen Mitstreitern entgegen laufen. Elliot will nun herausfinden, was eigentlich Sache ist und benutzt einen der Dark-Army-Kommandanten, um Whiterose eine Nachricht zu übermitteln: Er will wissen, was Stufe 2 ist. Und wir erfahren über Darlene, die das kritische Handy abhört, dass Elliot derjenige sei, der sich diesen Plan überhaupt ausgedacht hat.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Die Welt ist gar nicht so bunt

Okay, das sind jetzt doch schon wieder eine ganze Reihe neuer Fragen, dazu kommt, dass wir auch nicht wissen, was mit Trenton und Mobley los ist, die sich offenbar aus den fsociety-Aktivitäten ausgeklinkt haben und abgetaucht sind. Dafür wissen wir, dass Darlene Cisco mit dem Baseball-Schläger eine ziemliche Beule verpasst, aber ihn nicht umgebracht hat: Er behauptet, dass er Darlene vor der Dark Army habe schützen wollen. Und er ist noch immer bereit, sie weiterhin zu beschützen: Als Darlene entdeckt, dass sie eine der VHS-Kassetten, auf der ihr Gesicht zu sehen ist, in Susan Jacobs Haus vergessen haben muss, geht er zurück, um die Kassette zu holen. Die findet er auch, und offenbar noch etwas anderes. Aber was?

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Minister Zhang (BD Wong) und Philip Price (Michel Cristofer)

Und weil ein Cliffhanger ja nicht ausreicht, wird auch noch ein anderes Motiv etwas überstrapaziert – wer klopft an Ciscos Wohnungstür? Und das reicht aber auch noch nicht, zum Schluss fährt Tyrell Wellicks schwarzer SUV vor Elliots Wohnung vor und Joanna begrüßt Elliot mit „Hallo Ollie“ – so hatte er sich ja ihr gegenüber genannt. Aber natürlich weiß sie, dass er nicht Ollie ist – wie sollte sie denn sonst wissen, wo Elliot wohnt?

Kleine Ironie am Rande: In dieser Folge wird der Wunsch von Rami Malek eingelöst, dass Elliot in der neuen Staffel endlich einmal etwas essen und die Kleider wechseln würde. Als Elliot in den Knast kommt, muss er sich ausziehen und bekommt einen orangen Sträflingsanzug. Und als Darlene ihren Bruder abholt, dass er nach 86 Tagen vorzeitig entlassen wird, bringt sie ihm offenbar sein Lieblingsessen mit – genau wie in der allerersten Folge steckt er sich ein paar Pommes in den Mund. Und dann gab es auch wieder einen meiner Lieblingsklassiker als Titelmusik: Walking in my Shoes von Depeche Mode.

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps2.7_init_5.fve: Kleider Wechsel für Elliot (Rami Malek)

The Call of the Wild

Mittlerweile wurde auch die letzte Folge von The Night Of ausgestrahlt – die es allein noch einmal auf die Spielfilmlänge von gut eineinhalb Stunden bringt. Aber wie ich meine, hat sich das gelohnt: The Call of the Wild war noch einmal Justizdrama vom Feinsten – es gibt keine eindeutigen Antworten, aber es wird noch einmal durchexerziert, worum es bei Strafprozessen eigentlich geht: Was lässt sich objektiv beweisen und was nicht? Denn der Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt in Geschworenenprozessen nicht unbedingt, hier wird an das Rechtsempfinden und vor allem das Bauchgefühl von ganz normalen Menschen appelliert – und das muss nicht unbedingt gut und richtig sein.

Die Staatsanwältin Helen Weiss (Jeannie Berlin) hat ziemlich viel, was dafür spricht, dass Naz (Riz Ahmed) der Mörder von Andrea ist. Und sie schafft es am Ende sogar, Naz dazu zu bringen, öffentlich an sich selbst zu zweifeln: War er anfangs noch ziemlich sicher, dass er nicht Andreas Mörder ist, so ist er jetzt nicht mehr so sicher – wir wissen ja, dass er inzwischen ein anderes, härteres Selbst in sich entdeckt hat, ohne das er den Knast nicht überleben würde. Diesen Punkt fand ich schon im britischen Original so interessant wie beklemmend: Ausgerechnet im Knast geraten Jungs, die zuvor vielleicht noch eine Chance auf ein wie auch immer zu definierendes normales Leben gehabt hätten, auf die schiefe Bahn: Jetzt sind sie von lauter Profi-Kriminellen umgeben, die sie für sich ausnutzen, als angenehme Anregung für ihre durchaus vorhandene intellektuelle Seite, was mit herkömmlichen Straßenkriminellen nicht zu machen ist, und als Teil ihres kriminellen Geschäftsmodells, also dem Einschmuggeln und Konsumieren illegaler Rauschmittel. Naz ist inzwischen ein Junkie – und er hat gelernt, wie man in der Wildnis überlebt. Er ist mittlerweile Lichtjahre von seinem alten Leben entfernt, auch wenn seine Familie noch immer allerhand auf sich nimmt, damit er einen fairen Prozess bekommt. Aber seine Eltern wissen nicht mehr, an was sie glauben sollen.

The Night Of: Jack Stone (John Turturro) und Naz (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

The Night Of: Jack Stone (John Turturro) und Naz (Riz Ahmed) Bild: hbo.com

Das geht soweit, dass Chandra – die für ihren Mandanten in mehr als einer Hinsicht ihre Karriere riskiert, Naz Mutter daran erinnern muss, dass es einfach nicht gut für ihren Sohn aussieht, wenn sie im Gerichtssaal bei seiner Verhandlung nicht anwesend ist: Wenn die eigene Mutter nicht von seiner Unschuld überzeugt ist, warum sollen die Geschworenen ihn für unschuldig halten? Chandra wird zur tragischen Figur in diesem Prozess – sie hat so viel dafür getan, die Zweifel an Naz Täterschaft zu widerlegen. Aber gerade weil sie ihn so sympathisch findet, dass sie sogar Pillen für ihn ins Gefängnis schmuggelt und es dann irgendwann auch ein verhängnisvolles Video gibt, das zeigt, wie Naz und Chandra sich küssen, bringt sie den Prozess in Gefahr. Und so kann am Ende wieder Jack Stone übernehmen, der abgezockte Könner, der inzwischen wieder von seiner Hautkrankheit gezeichnet ist – die Mittelchen des chinesischen Quacksalbers hatten offenbar nur eine kurzzeitige Wirkung.

The Night Of: Chandra (Amara Karan) Bild: hbo.com

The Night Of: Chandra (Amara Karan) Bild: hbo.com

Doch auch Detective Dennis Box, mittlerweile eigentlich im Ruhestand, hat dieser Fall keine Ruhe gelassen. Als guter Bulle hört auch er auf sein Bauchgefühl und das sagt ihm, dass Naz nicht der Mörder sein kann, auch wenn alles danach aussieht. In akribischer Feinarbeit wertet er Überwachungsvideo aus und siehe da – er findet etwas: Bevor Andrea zu Naz ins Taxi gestiegen ist, hatte sie einen Streit mit einem Unbekannten. Mittels illegal beschaffter Telekommunikations- und Kreditkartendaten finde Box auch raus, wer dieser Unbekannte ist: Ein Finanzberater, der ziemlich viel von Andreas geerbten Geld in den Sand gesetzt hat. Keine Frage, der Typ hätte durchaus ein Motiv.

Box geht damit zu Helen Weiss, aber die winkt ab: Die Beweise gegen Naz sind einfach viel besser als die gegen einen so aus dem Hut gezauberten neuen Verdächtigen. Und davon gibt es ja noch mehr, etwa Andreas Stiefvater, der gern Beziehungen mit älteren Frauen eingeht, um sie zu beerben. Nur Andrea war im Weg – und die ist jetzt tot. Es gibt also durchaus andere Verdächtige und andere Motive – aber gegen niemand gibt es so viele Indizien wie gegen Naz. Und mit ihrer unaufgeregten und unglaublich professionellen letzten Befragung von Naz dekonstruiert Helen Weiss Naz‘ mühsam aufrecht erhaltenes Selbstbild eines netten, harmlosen jungen Mannes, dem einfach nur übel mitgespielt wird: So harmlos ist Naz gar nicht, er ist zuvor schon gewalttätig geworden, er hat schon gelogen, Drogen genommen, und das alles weiß er auch ganz genau: Deshalb gibt er ja zu, dass er kein Unschuldslamm ist. Aber genau das kann ihm jetzt das Genick brechen.

Die Geschworenen sind sich zu seinem Glück nicht einig – nach endloser Beratung bleibt das Ergebnis sechs zu sechs: Die Hälfte ist von seiner Schuld überzeugt, die andere von seiner Unschuld. Beides ist plausibel und deshalb kommt die Jury auch zu keinem anderen Ergebnis. Naz wird von der Mordanklage freigesprochen, weil die Jury sich nicht auf einen eindeutigen Spruch einigen kann. Und auch die Staatsanwältin Weiss, die hier ein letztes Wort sprechen könnte, verzichtet auf einen weiteren Termin, weil ihr inzwischen offenbar selbst Zweifel gekommen sind: Sie will nun lieber, dass sie und Box den vermutlich wahren Täter finden.

The Night Of: Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

The Night Of: Dennis Box (Bill Camp) Bild: hbo.com

Das war alles verdammt knapp – und ob es letztlich gut für Naz ausgegangen ist, wissen wir nicht, denn seine Welt ist nun eine andere. Zwar steht sein Vater weiterhin zu ihm, er ist es auch, der ihm aus dem Gefängnis abholt – aber ob das Verhältnis so bleibt, steht in den Sternen. Denn wir wissen, dass Naz nun ein anderer ist – er hat im Gefängnis Dinge getan, von denen seine Eltern keine Ahnung haben. Und er hat weiterhin ein Drogenproblem – er feiert seinen ersten Abend in Freiheit, in dem er sich an dem Ort, an dem er mit Andrea Ecstasy eingeworfen hat, eine gepflegten Dröhnung mit was auch immer gönnt- da kenne ich mich nicht so aus.

Sicher ist, dass Naz seine Sucht in den Griff kriegen muss, wenn er nicht wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten will. Und einen genialen Zug fand ich auch, dass der neue Verdächtige offenbar bei Jack Stone anruft, damit der ihn verteidigt. Vielleicht war der Fall ja doch ein Karrieresprung für Jack, der bei seinem Schlussplädoyer zu Hochform aufgelaufen ist. Auch wenn man dem echten Mörderarsch einen so guten Anwalt eigentlich nicht gönnt. Also ich jedenfalls nicht. Aber so läuft es halt. Und das ist nicht immer schön, und es halt auch nichts mit unserer naiven Vorstellung von Gerechtigkeit zu tun. Das zu zeigen, ist das Verdienst dieser Serie.