Blindspot – im toten Winkel

Nachdem Blindspot ja einen ziemlich starken Start auf Sat.1 hingelegt hatte, habe ich auch einmal reingesehen – es muss ja nicht alles schlecht sein, was im Privatfernsehen läuft. Wobei das meiste schon katastrophal ist, es ist einfach unfassbar, was sich die Leute so reinziehen, auch wenn ich gar nicht so arrogant sein will, wie ich jetzt wahrscheinlich wirke: Ich will mich ja auch nach einem anstrengenden Tag einfach mal beim Glotzen entspannen. Aber bitte ohne mir dafür komplett das Hirn wegschießen zu müssen.

Und dafür ist Blindspot gar nicht so schlecht. Obwohl ich die Serie gar nicht dermaßen gut finde, habe ich mir jetzt doch schon erstaunlich viele Folgen davon angesehen – denn mit jedem Teil wird es spannender, weil die Geschichte hinter den Geschichtchen eine ganz, ganz üble sein muss. Während mich die ersten Folgen eher an The Blacklist erinnert haben – eine Serie, die ich für ein paar Folgen ziemlich unterhaltsam fand, dann aber aufgegeben hatte, weil es einfach immer mehr vom Gleichen war – fühlte sich Blindspot nach einigen Folgen eher nach Person of Interest an, was auch nicht gerade die Champions-League unter den Fernsehserien repräsentiert, aber schon deutlich besser als viele andere Serien ist- noch so eine Serie, die bei den Emmys komplett bisher leer ausgegangen ist, fällt mir dabei auf – obwohl (oder am Ende vielleicht gerade weil?) Person of Interest mit ihrer Vision einer kompletten Überwachung von allem und jedem gesellschaftlich nun wirklich relevant ist. Vielleicht hat die NSA entsprechende Nominierungen kassiert. Würde mich nicht wundern.

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Es gibt in Blindspot zwar keine allgegenwärtige Maschine, keinen Harold Finch und keinen Mr. Reese, dafür aber eine Art Mrs. Reese, nämlich jene tätowierte, weibliche Kampfmaschine, die unter anderem fließend Chinesisch, Russisch und Bulgarisch spricht und sich leider nicht daran erinnern kann, wer oder was sie eigentlich ist und deshalb erstmal Jane Doe genannt wird, wie alle nicht identifizierbaren weiblichen Personen in den USA. Eines Tages kriecht Jane auf dem belebten Times Square mitten in New York aus einer Reisetasche – sie ist völlig unbekleidet und hat auch sonst nichts bei sich, nur ihr Körper ist mit frischen Tattoos übersät, die, wie sich bald herausstellen soll, allesamt Hinweise auf schwere Verbrechen enthalten, wenn man sie nur richtig entschlüsselt. Wobei das auffälligste Tattoo das einfachste ist: Kurt Weller, FBI.

Special Agent Weller (Sullivan Stapleton) kann sich zwar auch erstmal keinen Reim drauf machen, warum ausgerechnet sein Name auf den Rücken jener unbekannten Schönheit (Jaimie Alexander) tätowiert wurde, aber er übernimmt mit seinem Team die Ermittlungen. Das Team besteht aus Special Agent Edgar Reade (Rob Brown, fand ich in Treme schon toll), der Jane gegenüber extrem misstrauisch ist und bleibt, Special Agent Tasha Zapata (Audrey Esperanza), die sich von den falschen Leuten Geld geliehen hat, um ihre Spielschulden zu begleichen und Special Agent Patterson (Ashley Johnson), einer unglaublich begabten Forensikerin, die leider zu oft Arbeit mit nach Hause nimmt, was natürlich total verboten ist, auch wenn ihren Chefin Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) sie deckt.

Mayfair ist die stellvertretende Direktorin des New Yorker FBI-Büros und somit die direkte Vorgesetzte von Kurt und seinem Team. Und, wie sich im Laufe der Staffel herausstellen wird, eine von vier Personen, die von Operation Daylight wissen, einem gigantischen, illegalen Überwachungsprogramm, mit dessen Hilfe bereits zahlreiche Kapitalverbrechen aufgeklärt werden konnten. Die dafür nötigen Informationen wurden erfundenen Informanten zugeschrieben – und nur Myfair, der CIA-Direktor Tom Carter und Sofia Varma, eine hochrangige Vertreterin des Weißen Hauses, hatten Kenntnis davon.

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Aber leider weisen einige der Tattoos von Jane auf Operation Daylight hin – irgendwer muss also noch davon wissen. Deshalb ist CIA-Mann Carter dafür, die Sache CIA-mäßig zu regeln – er will, dass Jane verschwindet. Aber wie man sich denken kann, geht die Sache anders aus, denn sonst gäbe es noch reichlich Folgen ohne die markante Hauptfigur, die sich nach und nach an immer mehr Details aus ihrem Vorleben erinnert und sich sozusagen allmählich selbst auf die Spur kommt – das genau ist der Umstand, der diese Serie für mich spannender macht, als The Blacklist es war – hier war ja von Anfang an klar, dass Raymond Reddigton das überlegene Mastermind hinter allem ist und den ganzen FBI-Apparat für seine persönliche Rache benutzt. Wofür das FBI in Blindspot benutzt werden soll, ist weniger klar – aber immerhin gibt es hier etwas, dem man erstmal auf die Spur kommen muss.

Wobei Blindspot schon deutliche Schwächen hat – ich finde die Figuren zwar alle recht interessant, aber von subtiler Charakterzeichnung halten die Macher dieser Serie leider wenig, hier wird eher zum Holzschnittmuster gegriffen: Der wortkarge Weller, der seinem Vater nicht verzeihen kann, dass er ein schlechter Vater war, und sich selbst nicht, dass er nichts tun konnte, als seine Kindheitsfreundin Taylor Shaw verschwand, die geniale Patterson, die sich in ihre Arbeit vergräbt, erst recht, nachdem ihr Freund umgebracht wird, mit dem sie gerade erst Schluss gemacht hatte, weil sie sich eben für ihre Arbeit und gegen ihn entschieden hatte, die aufrechte FBI-Chefin Mayfair, die eigentlich gegen die illegale Überwachung war, nun aber die Ergebnisse ihrer Arbeit schützen will: Wenn bekannt wird, dass mit Daylight illegal Beweise beschafft wurden, dann müssen sämtliche dingfest gemachten Verbrecher wieder entlassen und die Verfahren neu aufgerollt werden. Und ist da natürlich Jane, die vielleicht Taylor Shaw, vermutlich aber Alice Kruger ist, deren Gedächtnis mit einer experimentellen Droge ausradiert wurde. Ist sie eine russische Superspionin, eine hyperintelligente Terroristin oder am Ende noch etwas ganz anderes?

Überhaupt wird ziemlich dick aufgetragen, wobei das durchaus Spaß machen kann: Es gibt eine Menge Sachschaden, sehr viel Geballer und es werden jede Menge Verschwörungstheorien bedient, wobei wir inzwischen ja auch wissen, dass vieles davon tatsächlich Verschwörung und keineswegs Theorie ist – dass wir alle von Regierungen, Unternehmen und mehr oder weniger geheimen Diensten ausführlichst ausgeforscht werden, ist eine Tatsache, die wir im Alltag zwar gern verdrängen – ein bisschen mehr Paranoia bei der Nutzung von Smartphone, Computer und vor allem Social Media wäre durchaus angebracht. Wobei hier natürlich die richtige Eingebung zur rechten Zeit und der vorhersehbare Zufall deutlich zu oft strapaziert werden – wirklich geniale Serien wie Breaking Bad oder Mr. Robot leben ja davon, dass bestimmte Dinge, die sich die schlauen Protagonisten ausgedacht haben, im entscheidenden Moment eben nicht funktionieren, und sie dann zu noch viel verwegeneren Alternativen greifen müssen, damit sie die Sache irgendwie überleben, obwohl alles gerade grandios schief geht. So subtil ist Blindspot nicht – hier ist klar, dass eine unmögliche Mission dank der unglaublichen Fähigkeiten der jeweiligen Protagonisten irgendwie noch glimpflich ausgehen muss, damit es überhaupt noch eine weitere Folge geben kann.

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Und es kommen dann auch verschwundene Passagierflugzeuge vor, die an unerwarteten Orten wieder auftauchen – und dann von Terroristen benutzt werden sollen, um das GPS-Satellitensystem der USA zu zerstören, was Team Weller knapp verhindern kann. Hier wächst Patterson einmal mehr über sich hinaus, in dem sie aus der Ferne Anweisungen gibt, wie Weller und Jane, denen es gelungen ist, an Bord einer einstmals entführten und jetzt als Abschussrampe für Raketen zu missbrauchenden Maschine zu gelangen, das Flugzeug erst übernehmen und schließlich auch wieder landen können. Und natürlich gibt es auch illegale Medizin-Experimente, um aus Soldaten willenlose Kampfmaschinen zu machen und Ärger mit dem OPR in Person von Chief Inspector Jonas Fisher, der es auf Mayfair abgesehen hat und ihr nachweisen will, dass sie ihr Büro nicht im Griff und sie selbst Dreck am Stecken hat.

Bemerkenswert finde ich vor allem, dass die weiblichen Protagonisten in Blindspot interessanter und komplexer sind als die männlichen – was andererseits auch wieder ein bisschen schade ist, denn sowohl Sullivan Stapleton als Kurt Weller als auch Rob Brown als Edgar Reade hätten als Schauspieler gewiss mehr zu bieten als die ziemlich eindimensionalen spröden FBI-Typen, die sie abliefern müssen. Aber so haben vor allem Jane, Patterson und Mayfair ihr Show – und das ist auch gut so. Insofern bleibt mein Fazit zu Blindspot durchwachsen: Kann man sich durchaus ansehen, wenn man auf Actionserien steht, in denen die Probleme der Gegenwart zumindest angesprochen werden, aber es gibt durchaus Serien, die besser sind.

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Treme – Überleben mit Musik

In meinem Blog ist die Rubrik Verbrechen eindeutig überrepräsentiert – was daran liegt, dass ich nun einmal am liebsten Krimiserien anschaue. Es gibt aber natürlich auch einige Drama-Serien, die sehr, sehr gut sind – und eine meiner absoluten Lieblingsserien in diesem Bereich ist Treme.

Tremé ist ein altes Viertel von New Orleans – und insofern ist die Sache selbsterklärend: Die Serie handelt von Bewohnern dieser Nachbarschaft. Die Handlung setzt drei Monate nach der Zerstörung der Stadt durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 ein und begleitet die Menschen, die versuchen, inmitten der Verwüstung wieder Fuß zu fassen bzw. sich ein neues Leben aufzubauen.

Treme (via hbo.com)

Treme (via hbo.com)

Natürlich geht es auch um das besondere Lebensgefühl in New Orleans – einer eben nicht typisch US-amerikanischen Stadt, sondern einer, in der sowohl die europäischen, als auch die afrikanischen Wurzeln ihrer Kultur noch deutlich zu erkennen sind. Viele der Bewohner haben französische Namen, sehr viele sind schwarz, viele sind Musiker, oder Menschen, die sich für Musik interessieren, und gutes Essen spielt auch eine Rolle. Außerdem kann man in New Orleans auch schon zum zweiten Frühstück etwas Alkoholisches trinken, ohne dass man allzugroßes Aufsehen erregt.

Aber natürlich geht es in Treme nicht in erster Linie um das gute Leben. Es geht um den Überlebenskampf von Menschen, die alles oder zumindest vieles verloren haben, es geht um die Frage, ob man bleibt oder geht, aufgibt oder kämpft – und zu kämpfen haben die Menschen nicht nur mit dem Verlust von geliebten Menschen und ihren Häusern. Es geht in der Serie auch um die Korruption in den Behörden, wodurch ein großer Teil der Hilfsgelder für den Wiederaufbau der Stadt in dunklen Kanälen versickert und um die Ungerechtigkeiten in der Strafjustiz – was durch die Ereignisse in Ferguson und anderswo derzeit neue Brisanz erhält.

Treme: Antoine Bastite

Treme: Antoine Bastite (Wendell Pierce)

HBO gab die Serie 2008 in Auftrag, Showrunner und Produzent war David Simons, der auch für The Corner, The Wire und Generation Kill verantwortlich ist. So war der aus The Wire bekannte Wendell Pierce der erste Schauspieler, der eine Rolle in Treme eine Rolle bekam. Pierce spielt den Posaunisten Antoine Batiste, sein The-Wire-Kollege Clarke Peters spielt Big Chief Lambreaux, den Häuptling eines Stammes von Mardi-Gras-Indians, der Vater des in der Szene bekannten Jazz-Trompeters Delmond Lambreaux ist.

Delmond (Rob Brown) hat sich eigentlich in New York eingerichtet und kommt eher widerwillig nach Hause, um seinem Vater zu helfen. Big Chief Lambreaux baut eigenhändig sein Haus wieder auf und verwendet ansonsten jede Minute darauf, ein neues Kostüm zu nähen – zu jedem Mardi Gras verlangt die Tradition eine aufwendige Ausstattung der Stammesfürsten mit viel Perlenstickerei und reichlich Federn. Delmond kann darüber nur den Kopf schütteln – bis er begreift, dass für seinen Vater ein tieferer Sinn darin liegt.

Treme: Big Chief Lambreaux in Aktion.

Treme: Big Chief Lambreaux (Clarke Peters) in Aktion.

Dann gibt es die Familie Bernette, bestehend aus dem Englisch-Professor Creighton Bernette (John Goodman), der sich mit Unterstützung seiner Tochter Sofia (India Ennenga) auf der neuen Plattform Youtube austobt, wo er in Videobeträgen die Zustände in seiner Stadt anprangert, seiner Frau Toni Bernette (Melissa Leo), die als engagierte Anwältin für die benachteiligten Bürger der Stadt kämpft und damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tochter gefährdet. Und dann gibt es Sofia selbst, die sich einerseits sehr mit den News-Orleans-Traditionen identifiziert, die sie von ihren Eltern lernt, andererseits schwer daran zu tragen hat. Creighton hat feierlich geschworen, die Stadt niemals zu verlassen und arbeitet an einem Buch über die große Flut von 1927 – das nun nach Katrina gewiss Chancen auf dem Markt hätte. Wenn er es nur fertig bekäme.

Außerdem gibt es den erfolglosen weißen Musiker und Radiomoderator Davis MacAlary (Steve Zahn), der ebenfalls aus einer alteingesessenen Familie stammt, der wiederum mit der Köchin Janette Desautel (Kim Dickens) befreundet ist. Janette lebt für die gute und besondere Küche ihrer Stadt, hat aber große Probleme, ihr kleines Restaurant am Laufen zu halten. Womit es ihr kaum anders ergeht als der Exfrau von Antoine LaDonna Batiste-Williams (Khandi Alexander) , die eine Bar besitzt und sie unbedingt weiter betreiben will, obwohl sie nun mit einem Zahnarzt verheiratet ist, der sie zu überzeugen versucht, in Baton Rouge ein neues Leben anzufangen. Aber LaDonna kann sich nicht vorstellen, wo anders als in New Orleans zu leben. Außerdem sucht sie nach ihrem vermissten Bruder.

Durch die Stadt streunen auch das Musiker-Pärchen Sonny (Michael Huisman) und Annie (Lucia Micarelli). Annie hat Sonny aus Amsterdam mitgebracht, nachdem sie ihn dort beim Trampen kennenlernte. Sonny spielt Klavier, Annie Geige, die beiden halten sich mit Straßenmusik über Wasser und halten nach der großen Chance Ausschau. Während sich die begabte Annie für Cajun-Musik interessiert und hier auch erste Erfolge feiern kann, hat Sonny Drogenprobleme und wird schließlich von einem Freund gerettet, der ihm einen Job auf einem Krabbenkutter verschafft.

Treme: Sonny und Annie.

Treme: Sonny (Michiel Huismann) und Annie (Lucia Micarelli).


Und schließlich gibt es noch Lieutenant Terry Colson (David Morse), einen Polizisten, der auf seine Weise versucht, nicht nur auf den Straßen, sondern auch im korrupten Polizei-Apparat Ordnung zu schaffen, was ihm natürlich keine Freunde, sondern jede Menge Ärger einbringt. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen und unterstützt auch immer wieder Toni Bernette bei ihrer Arbeit.

Es gibt drei Staffeln mit 11 bzw. 10 Teilen, die vierte und finale Staffel hat nur noch fünf Teile – was ich sehr schade fand, weil man doch sehr merkt, dass es hier in erster Linie darum geht, die vielen angefangenen Geschichten aus den Staffeln davor noch irgendwie halbwegs vernünftig zu Ende zu bringen – dadurch fehlt der Drive aus den Staffeln davor, in denen sehr viel mehr passiert.

Eine tragende Rolle spielt die Musik – auch wenn der typische New-Orleans-Jazz ist gewiss nicht jedermanns Sache ist. Mir hat aber sehr gut gefallen, dass die Macher der Serie sich getraut haben, der Musik so viel Raum zu geben – das fängt mit der ersten Second Line an, für die sich die Musiker drei Monate nach der großen Katastrophe im Treme zusammenfinden und geht vielen weiteren weiter – dazwischen gibt es Proben, große und kleine Gigs, Straßenmusik, Konzerte, Paraden, es treten eine ganze Reihe echter Musiker auf, etwa Elvis Costello, Allen Toussaint oder Dr. John.

Treme: Nach der Second Line - LaDonna und Toni

Treme: Nach der Second Line – LaDonna (Khandi Alexander) und Toni (Melissa Leo)

Andererseits ist durchaus noch eine Menge von The Wire spürbar – und in The Wire geht es ja auch nicht nur um Verbrechen, sondern auch um die Gründe dafür. Und auch wenn Treme ganz ausdrücklich keine Krimi-Serie ist, sondern ein mit viel Musik unterlegtes Sozialdrama, so dringen Verbrechen und Gewalt immer wieder in die Handlung ein – New Orleans ist nun einmal kein friedlicher Ort, sondern eine kaputte Stadt mit enormen Problemen, sehr viel Armut und sehr viel Kriminalität. Aber gleichzeitig leben die Leute hier sehr eng zusammen, man kennt sich, man hilft einander.

Treme besticht nicht durch Spannung und einen raffiniert gestrickten Plot – auch wenn es durchaus überraschende Wendungen gibt, sondern eher durch das Gegenteil: Die Serie fließt ruhig und mächtig wie der Mississippi durch die Stadt – man kann sich einfach treiben lassen und sich das Leben der Menschen dort ansehen.