Wonder Woman: Leider kein Wunder

Superheldenfilme – oder inzwischen ja auch Superheldinnenfilme – sind nicht gerade mein Lieblingsgenre, auch wenn ich mich gelegentlich dazu hinreißen lasse, mir so etwas anzusehen. Meistens bestätigt das, was ich sehe, meine Vorbehalte gegenüber diesem Genre. Genauso ist das auch bei Wonder Woman. Der Film ist entgegen vieler freundlicher Kritiken, die anderes erwarten ließen, leider auch wieder nur so ein Superheldinnenstreifen mit viel Krawumm und noch mehr Spezialeffekten, also genau das, was mich an diesem Blockbuster-Überwältigungs-Kino so nervt, weil es hauptsächlich um die Optik geht und die Geschichte, die erzählt wird, eigentlich fast keine Rolle mehr spielt. Wobei das jetzt ein bisschen unfair ist, gemessen an anderen Superheldenstreifen gibt es hier vergleichsweise viel Geschichte, wobei die griechische Antike aus der Sicht der Götter, die in den ersten zwanzig Minuten abgehandelt wird, noch der beste Teil ist. Dazu kommt, dass heutzutage jeder Actionfilm versucht, wie ein Computerspiel auszusehen, was mir zusätzlich auf den Keks geht. Nur dass dieses Mal eine Frau auf den Putz hauen darf, statt dem Held nur assistieren zu dürfen oder sich gar retten lassen zu müssen.

Filmplakat Wonder Woman Bild via kadacinemas.com

Filmplakat Wonder Woman Bild via kadacinemas.com

Aber macht das einen Film schon „feministisch“, wie einige der Kritiken behaupteten? Meiner Ansicht nach: nein. Und auch die Tatsache, dass eine Frau Regie geführt hat, hilft da nicht weiter, auch wenn Patty Jenkins hier beweist, dass eine Frau genauso  in der Lage ist, Blockbuster-Produktionen zu dirigieren wie ein Mann. Warum auch nicht. Klar gefällt mir das, und aus Prinzip auch, dass in Wonder Woman gleich reihenweise superstarke Frauen zu bewundern sind. Selbst die matronenhafte Sekretärin (bemerkenswert: Lucy Davis als Etta) in der „realen Welt“ entpuppt sich als extrem patent, auch wenn sie nicht über Superkräfte verfügt, sondern einfach nur so auf Zack ist. Interessant auch, dass Wonder Woman auf dem nordamerikanischen Markt kinokassenmäßig längst an den anderen Superheldenepen aus dem Hause DC vorbeigezogen ist. Aber andererseits auch wieder klar – Man of Steel, Suicide Squad oder Batman vs Superman sind halt eher für Jungs als für Mädchen gemacht.

Und jetzt wird das gleiche Spektakel zur Abwechslung mal so aufgezogen, dass auch die Mädels sich das ansehen wollen, und ihren Freund mit schleppen, der bei Wonder Woman gewiss auch auf seine Kosten kommt. Natürlich geht es wieder mal darum, dass die Welt gerettet werden muss und in diesem Fall wird sie halt von der Wunderfrau Diana/Diane Prince (Gal Gadot) gerettet. Und Diana ist nicht nur wahnsinnig stark und mutig, sondern erkennt schließlich auch, dass die Liebe die allerstärkste Kraft ist. Hach. Da kann am Ende auch der wahnsinnig mächtige Kriegsgott Ares nicht mehr viel ausrichten. Das reicht für satte 92 Prozent auf dem Tomatometer – Suicide Quad kommt nur auf 25 Prozent. Auf imdb erreicht Wonder Woman eine glatte 8, Suicide Squad immerhin eine 6,2.

Wonder Woman: Robin Wright als Generalin Antiope Bild: Warner Bros via moviepilot.de

Wonder Woman: Robin Wright als Generalin Antiope Bild: Warner Bros via moviepilot.de

Aber warum?! Okay, Gal Gadot ist als Wonder Woman ebenso sexy wie schlagkräftig – die Kostüme der Amazonen sind spektakulär und die ehemalige Miss Israel Gal war vor ihrer noch jungen Schauspielkarriere Kampftrainerin bei der israelischen Armee. Insofern sieht sie nicht nur gut aus, sondern ist als Kämpferin ähnlich überzeugend wie Lagertha aus Vikings, deren Darstellerin Kathryn Winnick ebenfalls als Trainerin für verschiedene Kampfsportarten angefangen hat, bevor sie zur Schauspielerei kam. Und mit Connie Nielsen (Königin Hippolyta, Dianas Mutter) und Robin Wright (Generalin Antiope) sind weitere starke Frauen an Bord, überhaupt diese ganzen Amazonen, die alle wahnsinnig gut aussehen, furchteinflößende Kriegerinnen sind und nebenbei auch sämtliche Sprachen sprechen – blöd nur, dass sich die Damen vom Rest der Welt so vollständig abgekapselt haben, dass sie überhaupt nicht mehr mitkriegen, was da eigentlich los ist.

Von den antiken Göttern ist nur noch einer übrig geblieben, ausgerechnet der Kriegsgott Ares (David Thewlis, herrlich perfide auch als Steves Geheimdienstchef Chef Sir Patrick Morgan). Und der flüstert den Menschen eine Menge übler Ideen ein, die sie dann gegeneinander verwenden – Menschen sind bekanntermaßen ziemlich blöd. Und manche dabei auch noch ziemlich böse, wie General Ludendorff (Danny Huston) und die Chemikerin Dr. Isabel Maru (Elena Anaya), die den ersten Weltkrieg mit dem Einsatz eines noch tödlicheren Giftgases, das auch Schutzmasken zerstört, noch für die Deutschen entscheiden wollen. In Wonder Woman ist also auch die Rolle des besessenen Genies, das für die dunklen Mächte schreckliche Waffen entwickelt, mit einer Frau besetzt. Toller Fortschritt, nicht wahr? Wobei es ja nun mal so ist, dass Frauen nicht unbedingt bessere Menschen sind, weil sie zwei X-Gene haben. Ich sag nur Maggie Thatcher, Hillary Clinton, Angela Merkel. Sie sind aber auch keine schlechteren Menschen als beliebige XY-Varianten.

Wonder Woman: Chris Pine als Steve Trevor Bild: Warner Bros via filmstarts.de

Wonder Woman: Chris Pine als Steve Trevor Bild: Warner Bros via filmstarts.de

Was in der Zeit, in der die Handlung des Films spielt, noch nicht öffentliche Meinung war. Damals kämpften die Frauen in Europa noch um Anerkennung als vollwertige Menschen, etwa beim Wahlrecht. Bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit kämpfen wir noch immer darum, das nur nebenbei. Die eigentlich recht wenigen lustigen Szenen in dem Film ergeben sich aus dem Unverständnis der unter starken Frauen aufgewachsenen Diana gegenüber den Gepflogenheiten der britischen Gesellschaft, in der Frauen sich unpraktisch kleiden und offenbar nicht in den Kampf ziehen, sondern undankbare Hilfsarbeiten leisten müssen und sonst nichts zu sagen haben. Denn der Bruchpilot Steve Trevor (Chris Pine), der in der Nähe der paradisischen Insel Themyscira abgestürzt ist und von der Amazone Diana gerettet wurde, nimmt Diana mit nach London. Einen furchtbaren Ort, wie Diana findet.

Zuvor wurden zahlreiche Amazonen von den Deutschen getötet, die auf der Suche nach dem britischen Spion ebenfalls nach Themyscira gelangt sind – und moderne Waffen haben. Gegen Gewehre und Kanonen können auch die besten Kämpferinnen mit ihren antiken Schwertern, Lanzen und Bögen nicht viel ausrichten. Einzig Diana ist kugelsicher und somit für die nun anstehende Mission geeignet: Sie will in den Krieg ziehen, um dessen Verursacher Ares zu finden und zu töten, damit das weltweite Schlachten endlich ein Ende hat. So weit, so naiv – das kommt davon, wenn Mama ihr wertvolles Töchterchen der bösen Welt nicht gönnt. Aber immerhin hat Diana, die übrigens direkt von Zeus abstammt, die beste und härteste Ausbildung durchlaufen, die Amazonen zu bieten haben und eben auch das gewisse Etwas, mit dem sie Steve Trevor überzeugen kann, sie mitnehmen. Denn den Krieg beenden, das ist auch seine Mission. Nur hat die wenig mit dem Kriegsgott Ares zu tun, an den er sowieso nicht glaubt.

Wonder Woman: Das historische Foto aus dem ersten Weltkrieg Bild via slashfilm.com

Wonder Woman: Das historische Foto der Chaostruppe aus dem ersten Weltkrieg                        Bild via slashfilm.com

Diana hat immer wieder die Gelegenheit, Steve und seinen Kumpanen das Leben zu retten – und sie ist empört über diese Kriegsführung, die einfach nicht mit ihren altertümlichen Vorstellungen von Ehre und Gerechtigkeit in Übereinstimmung zu bringen ist. So versucht sie, die Bewohner des belgischen Dorfes Veld im Niemandsland zwischen deutschen und französischen Truppen zu retten – was ihr entgegen aller Erwartung tatsächlich gelingt. Allerdings fällt genau dieses Dorf später dann den Giftgasgranaten von Ludendorff und Dr. Maru zum Opfer. Diana glaubt deshalb, Ludendorff sei Ares und will ihn töten. Das tut sie auch, doch dann gibt sich der wahre Kriegsgott zu erkennen, nämlich Sir Morgan. Der will Diana überzeugen, dass die Menschheit schwach und korrupt ist, und dass es sich nicht lohnt, für die Menschen zu kämpfen. Derweil opfert Steve sein Leben, um einen Giftgasangriff auf London zu verhindern. Diana und Steve waren sich nach der Befreiung von Veld näher gekommen, und aus Liebe zum jetzt leider toten Steve wächst Diana über sich hinaus und schafft es schließlich, den mächtigen Ares zu vernichten.

Nun ja, man weiß ja, dass es mit dem Ende des ersten Weltkriegs eigentlich erst richtig angefangen hat – der zweite Weltkrieg war noch grausamer und derzeit sieht es auch nicht gerade toll auf der Welt aus. Ares ist definitiv noch am Ruder und Wonder Woman wäre jetzt eigentlich nötiger denn je. Aber die sortiert ja nun Fotos im Louvre.  Ist das jetzt die feministische Antwort auf Krieg und Konflikt? In sentimentalen Erinnerungen an vergangene Siege und verlorene Liebe schwelgen, während die Welt um einen herum in Stücke fällt? Also ich weiß nicht.

Wonder Woman mag zwar weniger hirnlos als andere Blockbuster aus dem Hause DC sein, aber ich finde nicht, dass man diesen Film unbedingt gesehen haben muss. Aber wenn man sich schon einen Krawumm-Streifen reinziehen will – warum dann nicht diesen. Schlechter als andere Comic-Verfilmungen ist Wonder Woman auf keinen Fall. Aber leider auch nicht besser.

House of Cards: Endlich wieder US-Politik ohne Trump

Inzwischen ist die fünfte Staffel von House of Cards auch in Deutschland angelaufen – und ich musste mir die neuen Folgen auch schon wieder komplett reinziehen, denn huijuijui, es geht ziemlich zur Sache. Wir sind ja von den Underwoods schon einiges gewöhnt, aber seit Frank und Claire sich privat wieder angenähert haben und jetzt auch politisch als Präsident und Vizepräsidentin ein Spitzenteam sind, geht es richtig zur Sache. Das Autoren-Team hat jetzt noch mal eine Schippe drauf gelegt – Kevin Spacey witzelte bei Stephen Colbert neulich, dass House of Cards ja wohl viel bessere Autoren hätte als Donald Trump.

Und klar haben die Underwoods mehr drauf als dieser kindische Cholerik-Milliardär, der noch immer glaubt, dass Politik ein Hobby für verzogene Oberschichtgören wäre. Obwohl – das ist sie ja auch. Aber nur in real-existierenden Bonzokratien im Mittleren Osten und Mittleren Westen. Wobei die aktuellen Videos mit Trump als Präsidentendarsteller ja auch nicht schlecht sind – diese erste Kabinettssitzung, die im Grunde nur aus Lobhudeleien der anwesenden Speichellecker bestand, deren Qualifikation für ihre jeweiligen Ministerposten ganz offensichtlich nicht über unbedingte Loyalität zur größten Knallcharge aller Zeiten hinausreichte, ist dermaßen skurril, dass man fast meinen könnte, James Franco und Seth Rogen hätten eine neue Nordkorea-Satire gedreht. Nur dieses Mal eine gute.

Aber zurück zu House of Cards: In dieser Serie gibt es noch immer eine USA, in der wahnsinnig schlaue, gut vernetzte und abgebrühte Vollblutpolitiker die Fäden ziehen, was in der Konsequenz aber auch nicht besser ist – denn beide Underwoods haben bereits Ende der vierten Staffel erkannt, dass Terror ein hervorragendes Mittel sein kann, um Wahlen zu gewinnen, auch wenn es nicht ganz so gut funktioniert, wie sie sich das vorgestellt hatten.

In Anbetracht der Tatsache, dass es für Normalseher jede Woche nur einen Teil gibt und ich einfach keine Zeit habe, für jeden Teil eine Einzelkritik zu schreiben, obwohl sich das durchaus lohnen würde, versuche ich, meine Staffelreview zur Abwechslung mal etwas spoilerfreier als bei mir sonst üblich zu gestalten.

In den vergangen fünf Jahren haben sich sowohl Frank als auch Claire Underwood weiter entwickelt, sie hatten Krisen und Zerwürfnisse, und sie haben sich gegenseitig nichts geschenkt, sondern einander zum Teil sehr heftig bekämpft, bis sie in der vierten Staffel auf die geniale Idee gekommen sind, als Team anzutreten – statt wie bisher gegeneinander. Nur als Team können sie den charismatischen jungen Hoffnungsträger der Republikaner schlagen – doch auch das erweist sich als wesentlich schwieriger als gedacht. Will Conway ist ein republikanischer John F. Kennedy, der all das hat, was Frank und Claire nicht haben – eine blütenweiße Weste nämlich und eine fotogene Familie, einen Freund im Suchmaschinen-Business und eine Affinität zu Social Media, die sich eben auch nur Leute leisten können, die nicht bis zum Hals in allen möglichen Skandalen stecken.

House of Cards: Claire und Frank Underwood Bild: Netflix

House of Cards: Claire und Frank Underwood Bild: Netflix

Dafür ist Frank Underwood bereits der Präsident der USA und er denkt nicht daran, auch nur ein Quentchen seiner Macht aufzugeben. Und so zieht sich der Wahlkampf noch bis tief in die fünfte Staffel hinein – und natürlich bleibt nicht aus, dass Frank und Claire weiterhin ihre Differenzen haben. Trotzdem wissen sie, dass sie einander brauchen – und irgendwann hat Frank eine Erleuchtung. Die dazu führt, dass Claire endlich ans Ruder kommt – ich denke, dass das jetzt keine allzu große Überraschung sein sollte, denn diese Figur wurde ja über die vergangenen Staffeln sorgfältig aufgebaut. Claire hat immer wieder ein überraschendes Eigenleben entwickelt und in dieser Staffel wächst sie tatsächlich über sich hinaus – oder doch eher über Frank, dem sie eine ebenbürtige Partnerin ist. Mit allen Konsequenzen.

Es tauchen auch interessante und zum Teil recht rätselhafte neue Figuren auf – etwa Jane Davis, die stellvertretende Untersekretärin für den Internationalen Handel, die außergewöhnlich gut vernetzt und die den Underwoods, insbesondere Claire, bei der einen oder anderen Sache erstaunlich hilfreich ist. Dafür werden andere verdiente Hauptfiguren wie Doug Stamper überraschend kaltschnäuzig abserviert – selbst wenn sie es am Ende doch irgendwie verdient haben. Das schlimmste an der fünften Staffel ist, dass sie zum Finale hin so viel Spannung auf die nächste Staffel aufbaut – und wir jetzt wieder ewig auf die Fortsetzung warten müssen. Noch gibt es keine offizielle Verlängerung – aber Netflix kann ja nicht alle Serien absetzen. Liebes Netflix – lass uns nicht mit Trump allein!

In Bestform: House of Cards

Nachdem ich vergleichsweise lange gebraucht hatte, um mir die dritte Staffel von House of Cards anzusehen, die aber zum Ende hin dann doch noch richtig zugelegt hat, so dass es entgegen meiner Befürchtungen doch ein Vergnügen war, sie fertig zu sehen, habe ich mir die vierte Staffel jetzt quasi am Stück reingezogen – sie ist tatsächlich sehr, sehr gut, zumal sie das für Europäer völlig irre wirkende US-Wahlspektakel für das Jahr 2016 schon mal komplett vorwegnimmt. Wobei die Präsidentschafts-Kandidaten in House of Cards trotz ihrer perfiden Ränkespiele erschreckenderweise doch viel seriöser wirken als diejenigen, die derzeit in der Realität antreten.

Obwohl – Hillary Clinton wäre abgefeimt genug für einen House-of-Cards-Charakter, wobei mir persönlich Bernie Sanders als Kandidat der Demokraten sympathischer wäre, auch wenn er weder eine Frau, noch farbig ist. Immerhin gehört er zur sehr kleinen Minderheit der irgendwie noch linken Politiker in den USA, auch wenn das Etikett „Sozialist“ bestenfalls eine Verleumdung ist. So etwas gibt es im Politikbetrieb nicht mehr – und schon gar nicht in den USA.

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Bei den Republikanern sieht es dagegen ganz düster aus, da ist einer schlimmer als der andere und einen wie Donald Trump kann sich kein Drehbuchautor ausdenken, weil einem das niemand abnehmen würde, wenn es denn Fiktion wäre. Insofern ist der republikanische Gegenkandidat William Conway in House of Cards reichlich unrealistisch, aber für mich natürlich ein großer Pluspunkt, weil er von Joel Kinnaman gespielt wird, der auch in dieser Rolle überzeugt, obwohl wenn ich den Typ nicht ausstehen kann.

Der attraktive, junge New Yorker Gouverneur William Conway ist ein echter Gegner für den alten Fuchs Frank Underwood (Kevin Spacey). Der schneidige Will hat nicht nur Jura studiert, sondern war auch bei der Air Force und hat somit die Unterstützung der Militärs, die Frank Underwood, der nie gedient hat, nicht wirklich ernst nehmen. Außerdem hat er die perfekte Familie mit einer schönen Frau und zwei niedlichen Kindern und inszeniert sein Privatleben publikumswirksam im Internet. Und noch schlimmer: Der Chef der Suchmaschine Pollyhop arbeitet mit Will zusammen – und mit den wertvollen Daten, die aus den Pollyhop-Suchanfragen generiert werden können, ist der smarte Conway Frank mit seiner Kampagnenplanung überlegen.

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Dagegen sieht der politisch viel erfahrenere Frank mit seiner gescheiterten Ehe mit Claire (Robin Wright), die ebenfalls Ambitionen auf ein politisches Amt entwickelt und ihn folgerichtig am Schluss der dritten Staffel verlassen hat, nicht gut aus. Zumal seine politischen Programme allesamt nicht so funktionieren, wie er sich erhoffte – für Frank läuft es derzeit einfach nicht. Obwohl er selbst mit allen Wassern gewaschen ist und die ausgefuchstesten Spin-Doktoren der Welt an Bord hat: Auf seinen ebenso loyalen wie effektiven Problemlöser Doug Stamper (Michael Kelly) ist weiterhin Verlass.

Und was ist schon eine Suchmaschine, wenn man als US-Präsident auf eine Institution wie die NSA zurückgreifen kann? Man braucht nur die entsprechende terroristische Bedrohung, um die Gerichte im Land in Stellung zu bringen. Da kommt eine extremistische Islamisten-Gruppe wie die ICO gerade recht, die sich in Syrien breit gemacht hat. Natürlich findet sich auch ein Datenexperte, der besessen und korrupt genug ist, einen solchen Geheimauftrag anzunehmen – wann kriegt man sonst schon einmal Zugriff auf sämtliche Daten, von denen man nie zu träumen gewagt hätte?!

Vor allem muss Frank aber seine abtrünnige Frau wieder auf Linie trimmen, denn nach der Niederlage bei der Vorwahl in New Hampshire ist klar, dass er ohne die in der Bevölkerung beliebte Claire keine Chance hat. Doch Claire ist in ihr Elternhaus in Texas zurückgekehrt, um sich dort für die Wahlen zum Kongress in Stellung zu bringen. Das wird keine leichte Aufgabe, denn die schwarze Amtsinhabern Doris Jones will ihren Platz an ihre Tochter Celia weitergeben, die schon lange darauf wartet, dass ihre Mutter ihr den Weg frei macht. Claire als weiße Außenseiterin muss sich wirklich etwas einfallen lassen und natürlich fällt ihr etwas ein: Sie verspricht, die Finanzierung einer Spezialklinik für Brustkrebserkrankungen zu sichern, an denen schwarze Frauen noch immer häufiger und früher sterben als weiße.

Damit ist auch klar, wo Frank ansetzen kann, um ihr Vorhaben zu unterlaufen – was er auch tut. Frank zerstört Claires Ambitionen, in den Kongress einzuziehen, so nachhaltig, dass nicht einmal LeAnn (Neve Campbell) das wieder gerade biegen kann. LeAnn ist so etwas wie Claires Doug Stamper – eine knallharte Beraterin mit besten Verbindungen und wie Frank oder Claire jederzeit bereit und Willens, das jeweils Nötige zu tun. Mit LeAnns Hilfe ist Claire in der Lage, Frank ebenfalls empfindlich zu treffen – der dann allerdings Opfer eines Attentats wird, mit dem eine fast vergessene Partei wieder ins Spiel kommt: Der Journalist Lucas Goodwin, der mehr über Frank und die Morde an Zoe Barnes und Peter Russo weiß als gut für ihn ist und den Frank deshalb durch eine Intrige in den Knast bracht hat.

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.comHouse of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Weil Goodwin den Ermittlungsbehörden in einer anderen Sache behilflich ist, kommt er vorzeitig frei und wird in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Goodwin spürt Franks Konkurrentin Heather Dunbar auf und kontaktiert sie – Heather will aber nichts von all dem wissen, was Goodwin ihr gegenüber andeutet. Daraufhin versucht der verzweifelte Goodwin, Frank auf andere Weise stoppen: Nach einer Rede an einer Universität versucht er, Frank zu erschießen. Franks Leibwächter Edward Meechum wird dabei tötlich getroffen, aber er konnte den Attentäter ausschalten, Frank wird jedoch lebensgefährlich verletzt.

Sein Vize Donald Blythe übernimmt die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Der fühlt sich in dieser Rolle extrem unwohl und ist froh, die First Lady Claire Underwood an seiner Seite zu haben, die sofort ihre Chance wittert und ihre Pläne vorantreibt. Wegen einer Ölpreiskrise gibt es Spannungen mit Russland, die Beziehungen sind wegen des Engagements beider Länder im Nahen Osten ohnehin nicht die besten. Frank hatte vor, gegenüber Russland Stärke zu demonstrieren und auf damit eine Militärische Intervention zu riskieren, Claire hingegen überzeugt Blythe davon, China einzubeziehen und mit dem russischen Präsidenten Petrov (Lars Mikkelsen) zu verhandeln. Während des G7-Gipfels in Brandenburg (was denken die Amis eigentlich, wo oder was dieses Brandenburg ist? Bestimmt nicht unser einziges, aber durchaus sympathisches  Bundesland mit dem Loch in der Mitte, wo das supercoole Berlin liegt) bootet Claire auch die Außenministerin Catherine Durant aus und übernimmt die Verhandlungen selbst, während Frank in den USA durch eine Lebertransplantation gerettet wird.

Interessant ist auch die Beziehung von Claire zu ihrer schwerkranken Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn), die nun erstmals auftaucht – dass die beiden eine schwierige Beziehung haben, kann man sich denken. Die Mutter hat nie verstanden, warum Claire Frank geheiratet hat, der in ihren Augen kein würdiger Partner für ihre Tochter ist – selbst als Präsident der USA. “He is a classless graceless shameless barbarian” erklärt sie gegenüber ihren alten Freundinnen, die sie auffordert, die Kampagne ihrer Tochter finanziell zu unterstützen: “I hope he dies.”

Die beiden schwierigen Frauen kommen sich im Angesicht des Todes wieder näher – am Ende bittet die Mutter Claire, sie mit einer Überdosis Morphium zu erlösen, wohl wissend, dass der Zeitpunkt ihres Todes für Claires Karriere ausgesprochen günstig sein wird. Mit dabei ist auch der Schriftsteller Thomas Yates (Paul Sparks), der seinen Auftrag mit dem Buch über die Underwoods aus der dritten Staffel leider zu gut erledigt hat – so dass Frank die entlarvend ehrliche Analyse der Beziehung von Frank und Claire vor der Veröffentlichung stoppen musste: Er wollte schließlich Unterstützung für sich selbst und nicht für seine Frau, die Thomas als treibende Kraft hinter seinen Erfolgen erkannt hat.

 

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwi(Kim Dickens), Vicot Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwin (Kim Dickens), Victor Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

Elizabeth mag Thomas und findet, dass er eigentlich ein besserer Partner für Claire gewesen wäre. Claire beginnt eine Affäre mit Thomas – aber kehrt am Ende doch wieder zu Frank zurück, weil nur Frank ihr dabei helfen kann, ihr Ziel zu erreichen: Vizepräsidentin zu werden. Genau diese Position wollte Frank ihr eigentlich nicht zugestehen: Sie hätte das nicht verdient, weil sie nicht wisse, wie es ist, um alles kämpfen zu müssen, brüllte er noch einige Folgen zuvor. Inzwischen ist aber klar, dass Claire die einzig realistische Option ist, denn nur sie ist in der Lage und Willens, diesen Job wirklich gut zu erledigen. Sowohl Blythe als auch Durant haben sich als schwächere Kandidaten als Claire erwiesen. Und so booten Frank und Claire als eingespieltes Gespann sämtliche Gegenkandidaten aus, um gemeinsam nominiert zu werden.

Doch, das hat großen Spaß gemacht und es gibt ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus den Staffeln zuvor – mich hat gefreut, dass etwa Freddy Hayes (Reg E. Cathay) die Gelegenheit bekommt, mit Frank abzurechnen: Als der ihm sagt, wie sehr er seine Spareribs vermisst, und ob er die mal wieder für ihn zubereiten könnte, erklärt Freddy, der wegen Frank sein Restaurant verloren hat, aber nun als Gärtner für das Weiße Haus arbeitet, dass er etwas anderes vorhabe – er habe ein Jobangebot in einem Blumenladen. Und Frank solle endlich aufhören, ihr Verhältnis immer nur so zu sehen, dass Freddy tun müsse, was Frank wünsche. Der genervte Freddy kündigt dem Präsident der Vereinigten Staaten den Job und die Gefolgschaft – so einen inneren Reichsparteitag (Achtung: ironische Metapher) können sich die meisten Menschen nicht leisten.

Und mir hat auch gefallen, dass der ehemalige Chefredakteur des Washington Herald, der auch Chef des verzweifelten Lucas Goodwin war, nun als Privatmann wieder recherchiert – einmal Journalist, immer Journalist. Natürlich ist an den Geschichten von Lucas Goodwin etwas dran. Und ausgerechnet Heather Dunbar setzt ihn auch noch auf die richtige Fährte – ich bin gespannt auf Staffel 5.

Rampart – Meditation über den Weg nach unten

Filme über entgleiste Cops sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Das geht mir oft zu sehr in Richtung Psychopathentriller, die ich auch nicht mag: Brutale Exzesse nur um der Gewalt willen oder der Faszination am Bösen wegen oder was immer damit zum Ausdruck gebracht werden soll, sehe ich mir einfach nicht gerne an. Wobei Gewalt natürlich sein muss, wo sie sein muss – wir leben in einer extrem gewalttätigen Welt und es ist keineswegs so, dass ich kein Blut sehen kann. Aber ich hasse Filme, in denen Gewalt ohne Sinn ausführlich zelebriert wird – das muss echt nicht sein.

Es gibt aber Ausnahmen. Etwa das Sozialdrama Rampart, das den Cop Dave Brown von der Rampart Division des LAPD auf seinem doch schon recht kurzen Weg nach unten begleitet. Insgesamt passiert nicht so wahnsinnig viel in diesem Film, statt spektakulärer Gewaltexzesse gibt es „nur“ die alltägliche Polizeigewalt – der Amoklauf des Dave Brown ist kein einmaliger eruptiver Gewaltausbruch eines bis dahin angepassten Bürgers, der einfach kein anderes Ventil mehr findet, sondern er findet sozusagen die ganze Zeit über im Alltag statt.

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Dave (großartig gegeben vom Berufscholeriker Woody Harrelson) ist ein selbstbezogenes Arschloch mit einem ausgeprägten Ordnungssinn: Sein Auftrag ist es, auf den Straßen von Los Angeles für Ordnung zu sorgen. Und um diesen Auftrag zu erfüllen, ist so ziemlich alles erlaubt. Inklusive dem Schikanieren von Anfängerinnen im Polizeidienst, denen Dave erstmal beibringt, dass man, was man bestellt hat, verdammt noch mal auch aufessen muss.

Natürlich hat Dave sehr eigene Vorstellungen von Ordnung – so ist sein Privatleben ein ziemliches Chaos: Er war erst mit der einen, dann mit der anderen Schwester verheiratet, die beide jeweils eine Tochter mit ihm haben und in benachbarten Häusern leben. Sie haben alle die Nase voll von ihm und wollen eigentlich nur raus, wo anders ein neues Leben anfangen – aber Dave lässt nicht es nicht zu: Er will weder die eine, noch die andere Exfrau loslassen. Dabei ist er nachts ohnehin meisten unterwegs, wenn nicht auf Streife, dann auf der Suche nach einem Abenteuer – denn Dave ist ein Typ, der Frauen gefällt, trotz (oder wegen?) seiner Chauvi-Tour.

Eines Tages wird er in seinem Streifenwagen von einem anderen Wagen angefahren – wütend verfolgt Dave den Unfallverursacher, den er schließlich stellt und brutal verprügelt. Allerdings wird dieser Gewaltausbruch gefilmt und gelangt ins Internet – es dauert nicht lange, und das Video mit Dave Prügelattacke läuft auf allen Fernsehkanälen. Natürlich kann dieses Beispiel von Polizeigewalt auch von den gutmütigsten Vorgesetzten weder ignoriert, noch wegerklärt werden. Zwar stehen die meisten Kollegen hinter Dave, aber weil das Vertrauen der Bevölkerung wegen eines Korruptionsskandals ohnehin erschüttert ist, wird Dave bei der nun eingeleiteten internen Untersuchung nahegelegt, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen.

Dave lehnt empört ab: Als Sündenbock will er nicht herhalten. Außerdem weiß er gar nicht, was er sonst tun soll. Also setzt er alles daran, im Dienst zu bleiben – auch wenn er dafür sämtliche Register ziehen muss. So erpresst er einen Apotheker, der ihn mit Beruhigungs- und Aufputschmitteln versorgen soll und Geld für seine Verteidigung braucht er natürlich auch. Ein alter Freund seines Vater gibt ihm einen Tipp: Illegales Glücksspiel in einer abgelegenen Bruchbude. Als Dave die Spielrunde beobachtet, werden die Spieler von zwei Räubern um ihre gesamte Kohle erleichtert, Dave verfolgt die Räuber und erschießt einen von ihnen. Den anderen lässt er entkommen, nachdem er ihm das Geld abgenommen hat.

Auch privat läuft es immer schlechter – zwar hat Dave auf seiner Sauftouren die attraktive Anwältin Linda (Robin Wright) kennengelernt, aber seine Ex-Frauen haben ihn nun endgültig rausgeworfen und er muss in ein Hotel ziehen. Auch fürchtet er inzwischen, dass Linda nur eine Affäre mit ihm angefangen hat, um ihn auszuhorchen – wie er herausfindet, ist sie als Anwältin in einem seiner alten Fälle tätig. Zwar versucht Dave zumindest äußerlich irgendeine Ordnung aufrecht zu erhalten, er ist immer wieder in Uniform in seinem Streifenwagen zu sehen, doch die coole verspiegelte Cop-Sonnenbrille kommt immer weniger zum Einsatz, dafür sieht man seine häufig blutunterlaufenden graublauen Augen, in denen sich zunehmend der Wahnsinn abzeichnet, der in seinem Innern tobt: „Sehen Sie, ich bin kein Rassist“, erklärt er dem Ermittler Kyle Timkins (Ice Cube) schließlich, „ich hasse alle Menschen gleich.“

Und daran ändert sich auch nichts mehr. Alles in allem ein sehr – ja doch: meditativer Film über den folgerichtigen Niedergang eines Arschlochs, der sich alles, was ihm widerfährt, selbst zuzuschreiben hat und nicht bereit ist, irgendetwas daraus zu lernen. Genau das finde ich dann aber auch gut daran – hier gibt es nichts zu lernen, hier findet einfach etwas statt, wobei sich das meiste davon im Kopf von Dave Brown abspielt, der einfach nicht einsehen will, dass die Welt nicht so funktioniert, wie er das gern hätte und sich als cholerischer Starrkopf lieber komplett ruiniert als sich zu ändern. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber für Woody-Harrelson-Fans eigentlich ein Muss.

House of Cards: Weiterhin nichts zu lachen

Nachdem es erstaunlich lange gedauert hat, bis ich mich durchringen konnte, die zweite Staffel von House of Cards fertig zu sehen, muss ich sagen, dass ich sie alles in allem dann doch ziemlich gut fand – man muss allerdings eine Abstriche machen.

Die einzigartige Mischung aus berechnender Ehrlichkeit, gespieltem Patriotismus und der typisch underwoodschen Chuzpe, mit der Frank am Ende seinen Präsidenten ausspielt – das hat mich dann doch überzeugt. Niemand spielt den allesversengenden Zynismus der Macht so konsequent und charmant wie Kevin Spacey. Wobei schon klar ist, dass er ohne den Engel aus Stahl an seiner Seite nicht so weit gekommen wäre. Robin Wright als Claire Underwood ist natürlich auch großartig – streckenweise fand ich sie noch überzeugender als ihren Mann. Vor allem, weil sie sich erlaubt, zumindest noch ansatzweise unter dem zu leiden, was sie tut – auch wenn sie mit ihren Manipulationen letztlich genauso raffiniert, ja eigentlich sogar deutlich subtiler vorgeht als ihr Ehemann. Immerhin weint sie noch ein paar heimliche Tränen, wenn sie ihre Züge gesetzt hat, weil sie weiß, dass nun wieder Opfer fällig werden, die andere für sie und ihren Mann bringen müssen.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014 – Frank und Claire Underwood

Alles in allem ist schon enttäuschend, dass Frank die ganze Serie über einfach nur ein abgewichster Superbösewicht ist, der keinerlei menschlichen Regungen mehr zu verspüren scheint – hier sind die weiblichen Charaktere deutlich spannender. Denn auch Franks Nachfolgerin als Fraktionsführerin, Jackie Sharp (Molly Parker), ist nicht ohne – sie ist genauso durchtrieben wie die harten Jungs, mit denen sie zu tun hat. Und letztlich muss sie noch härter als sie sein, um sich durchzusetzen. Hier ist aber wenigstens die Frage spannend, ob sie hart genug sein wird, um sich mit ihren abweichenden Ansichten durchzusetzen – bei Frank ist das ja ohnehin klar.

Das nervt – auch dass beispielsweise der Mord an Zoe Barnes letztlich nur ihren ehemaligen Kollegen Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) belastet, der zu immer verzweifelteren Methoden greift, um irgendwelche Beweise zu finden. Das kann natürlich nicht gut ausgehen, und es geht denkbar schlecht für Lucas aus. Und auch Franks Leib- und Magenspezialisten in Sachen Hausmannskost, Freddy Hayes (Reg E. Cathey), erlebt nach dem Aufschwung seines Spare-Ribs-Ladens durch die plötzliche Prominenz seines Vorzugsgastes einen hässlichen Absturz – wer Franks Wege kreuzt, kann nur als Verlierer enden, selbst, wenn er nie die Absicht hatte, gegen diesen Übermacher anzutreten. Das ist einerseits konsequent, andererseits dann doch auch ziemlich öde: Wenn es überhaupt keine Möglichkeit für die anderen gibt, auch mal einen Stich zu machen, und sei es nur versehentlich, dann bleibt für den Zuschauer überhaupt keine Möglichkeit, sich auch mal klammheimlich mit wem anders mitzufreuen. Das ist es, was ich an dieser Serie vermisse: Es gibt einfach nichts zu lachen.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Normalerweise habe ich geradezu eine Allergie gegen dieses ganze „Man-muss-auch-immer-das-Positive-sehen“-Zeug. Im Gegenteil: Es kann gar nicht schlecht genug laufen. Deshalb mag ich ja auch diese ganzen skandinavischen Serien und Filme, in denen die Wendung zum Schlimmstmöglichen mit bewundernswerter Konsequenz zelebriert wird. Aber bei House of Cards wird das ohne jeden Humor durchgezogen. Es gibt null Humor – nicht einmal schwarzen. Alle sind entweder ohnehin maßlos verdorben, böse und zynisch oder wenigstens total verzweifelt, aber auf jeden Fall verlieren sie. Und das ist einfach schlimm, weil auf Dauer langweilig. Da können sich die Drehbuchschreiber noch so raffinierte Winkelzüge ausdenken – mangelnde Komplexität der Handlung kann man der Serie wirklich nicht vorwerfen.

Aber die handelnden Charaktere könnten durchaus ein bisschen komplexer sein. Nichts gegen menschliche Schwächen, die auch hier ausführlich benutzt werden, um Gegner zu Fall zu bringen. Aber zu den menschlichen Schwächen gehört ja auch, dass der Mensch gelegentlich gut sein möchte – okay, in Falle von Doug Stamper (Michael Kelly) gibt es ein Beispiel, wo der Versuch, dieses Gutsein auszuleben, mal wieder konsequent schief geht – in dem Doug die ehemalige Prostituierte Rachel (Rachel Prosnahan) nicht wie befohlen diskret aus dem Weg räumt, sondern versucht, ihr ein neues Leben zu ermöglichen, macht er Rachel nicht unbedingt glücklich. Es hätte natürlich besser laufen können, wenn Doug sie einfach in Ruhe gelassen hätte. Aber er hatte natürlich ja seine eigene Agenda. Und Rachel spielt leider nicht wie erwartet mit. Als eine der wenigen Überraschungen schafft sie es immerhin, sich in der letzten Folge aus der erdrückenden Protektion ihres zweifelhaften Gönners zu befreien, in dem sie ihn mit einem Stein niederschlägt (erschlägt?) und mit seinem Auto abhaut. Aber vermutlich wird auch das nicht lange gut gehen. Es kann gar nicht. Aber auf welche Weise es nicht gut gehen kann, werden wir aber erst in der dritten Staffel erfahren.

Screenshot: House of Cards, USA 2014

Screenshot: House of Cards, USA 2014: Frank hat es geschafft