Sneaky Pete: Das Doppelleben des Marius J.

Mit der Geschichte eines Trickbetrügers, der sich in eine fremde Familie einschleicht, indem er sich als der lange vermisste Enkelsohn ausgibt, hatte ich gewisse Anlaufschwierigkeiten: Zu unwahrscheinlich und überkonstruiert, um richtig gut sein zu können. Dachte ich.

Aber Marius Josipovic (Giovanni Ribisi) ist tatsächlich dermaßen überzeugend, dass mich die Sache dann doch gepackt hat. Nicht nur, weil er sich drei Jahre lang die Kindheitsgeschichten seines Zellengenossen Pete Murphy anhören musste, die Marius mittlerweile besser kennt, als Pete selbst, der noch ein paar Jahre absitzen muss. Marius hat ein fantastisches Gedächtnis, ein erstaunliches Einfühlungsvermögen, einen Blick für die wichtigen Details und wirklich gute Nerven. Und er ist ein begnadeter Spieler – Pete ist so gut, dass er jeden austricksen kann. Nun ja, fast jeden.

Beim Unterweltboss Vince Lonigan (Bryan Cranston) hat er es auch versucht – was aber schief gegangen ist. Jetzt hat Marius zwar seine Strafe abgesessen, schuldet Vince aber noch immer 100 000 Dollar, die er natürlich nicht hat. Aus dem Grund muss er unbedingt abtauchen – er weiß, was ihm blüht, wenn die Leute von Vince ihn erwischen. Also braucht er am besten gleich ein neues Leben.

Sneaky Pete: Marius Josipovic (Giovanni Ribisi) Bild: Amazon

Sneaky Pete: Marius Josipovic (Giovanni Ribisi) Bild: Amazon

Deshalb überzeugt Marius den Busfahrer, der die frisch Freigelassenen in die Stadt bringt, ihn schon ein paar Ecken früher rauszulassen und macht sich auf den Weg zur Farm von Petes Großeltern. Die haben ihren Enkel seit 20 Jahren nicht gesehen und daher keine Ahnung, wie der Junge jetzt aussieht. Was praktisch ist, denn Marius sieht Pete keineswegs ähnlich.

Natürlich sind Otto (Peter Gerety) und Audrey (Margo Martingale) total überrascht, als Pete vor ihrer Haustür steht, aber sie sind ausgesprochene Familienmenschen. Natürlich schicken sie den verloren geglaubten Enkel nicht weg – zumal sich schnell herausstellt, dass er mit seinen speziellen Talenten doch prima ins lokale Familiengeschäft integrieren lässt. Pete behauptet, als Versicherungsagent gearbeitet zu haben. Familie Bernhardt ist im Kautionsgeschäft: In den USA können sich Angeklagte gegen die Zahlung einer vom Gericht festgesetzten Kaution die Untersuchungshaft ersparen – die Kaution soll sicherstellen, dass sie tatsächlich zur Hauptverhandlung erscheinen.

Weil aber viele Kleinkriminelle eine solche Kaution nicht selbst aufbringen können, gibt es eben jene Kautionsbüros, die ihren Klienten – in der Regel gegen zusätzliche Sicherheiten – eine Kaution fürs Gericht leihen. Eine normale Bank würde das wegen des doch recht hohen Risikos nicht tun. Eben wegen dieses Risikos haben Kautionsagenten allerdings einige Befugnisse, die Bankangestellte nicht haben – sie dürfen beispielsweise ihre Kunden, wenn sie sich verdrücken wollen, verfolgen und verhaften, notfalls auch mit Waffengewalt.

Sneaky Pete: Julia (Marin Ireland) und

Sneaky Pete: Julia (Marin Ireland) und „Pete“ (Giovanni Ribisi) Bild: Amazon

Erscheint der Vorgeladene nicht vor Gericht, fällt die Kaution nach einer bestimmten Frist an den Staat. Der Kautionsagent muss dann bis zu diesem Termin zahlen. Natürlich haben Kautionsbüros ein außerordentliches Interesse daran, dass ihre Kunden vor Gericht erscheinen. Wenn das ordentliche Gerichtsverfahren abgeschlossen ist, wird die hinterlegte Kaution zurück erstattet – dabei spielt keine Rolle, zu welchem Urteil das Gericht gekommen ist. In diesem Business also sind Otto, Audrey und Petes „Cousine“ Julia Bernhardt (Marin Ireland) tätig – und sie können gerade jetzt gut Hilfe brauchen.

Und Pete, vielmehr Marius erweist sich als ziemlich geschickt, er weiß ja, wie Kriminelle ticken. Allerdings hat er ganz andere Pläne – im Kautionsbüro steht ein massiver Safe, in dem eine ziemlich große Bargeldsumme liegen soll. Da will Marius ran, denn Vince hat Marius kleinen Bruder Eddie (Michael Drayer) in seiner Gewalt – und wenn Marius nicht bald mit den noch ausstehenden 100 000 rüberkommt, wird Eddie das nicht überleben.

Insofern ist Petes Doppelleben wirklich aufreibend, zumal er auch immer mal wieder als Marius Josipovic auftreten muss, schließlich gibt es da noch seinen enervierend engagierten Bewährungshelfer, ein ehemaliger Marine, der es mit den geltenden Regeln sehr genau nimmt. Ach ja, und Petes „Cousin“ Taylor (Shane McRae)  ist ausgerechnet Cop geworden. Zum Glück kein besonders guter.

Sneaky Pete: Familie Bernhardt Julia, Taylor, Audrey und Otto Bild: Amazon

Sneaky Pete: Familie Bernhardt Julia, Taylor, Audrey und Otto Bild: Amazon

Da erweist sich die kleine „Cousine“ Carly immer wieder als gewitzer und damit auch gefährlicher für Pete – denn, so doof sind die Bernhardts dann doch nicht, sie fragen sich schon, warum Pete ausgerechnet jetzt wieder auftaucht und was er eigentlich von ihnen will. Aber wie sich herausstellt, hat jeder in dieser Familie etwas zu verbergen – insofern besteht dann doch eine gewisse „Familienähnlichkeit“. Leider auch in Sachen Geld – es ist nämlich keins da. Nicht nur zu Petes großer Verzweiflung ist der Safe nämlich leer, als er nach langem Hin-und-Her endlich geöffnet wird. Aber wo ist die Kohle hin, die offenbar jemand anders noch dringender gebraucht hat als Pete selbst?

Die Serie nimmt erst nach ein paar Teilen so richtig an Fahrt auf – aber dann wird sie immer besser. Breaking-Bad-Veteran Bryan Cranston war sowohl an der Entwicklung der Serie als auch an der Produktion beteiligt, und vermutlich war es ein Glücksfall, dass Amazon sich interessiert zeigte, nachdem CBS nach der eben noch nicht so richtig zündenden Pilotfolge kalte Füße bekommen hatte. Denn in den neun restlichen Folgen wird es dann noch richtig gut: Für Marius geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann – aber dieses Prinzip kennt man ja schon aus Breaking Bad: Was auch immer als großer Befreiungsschlag geplant ist, geht am Ende nach hinten los und macht alles noch viel schlimmer.

Sneaky Pete: Eddie (Michael Drayer) Bild: Amazon

Sneaky Pete: Eddie (Michael Drayer) Bild: Amazon

Auch wenn in Sneaky Pete eine ganz andere Geschichte erzählt, kämpft sich ihr Held durch ein episches Dilemma, das mit jeder neuen Lüge noch fatalere Konsequenzen nach sich zieht. So ist der arme Eddie bald nur noch deshalb am Leben, weil die schöne Karolina (Karolina Wydra) immer wieder ein gutes Wort für den ihn einlegt. Vor allem aber, weil Vince einen Falschspieler entlarven will, der in seinem illegalen Kasino einfach zu oft gewinnt.  Dazu bracht Vince nämlich einen eigenen Falschspieler, und Eddie ist zwar nicht Marius, aber der beste, den Vince im Augenblick bekommen kann.

Otto hingegen ist so verzweifelt, dass er einen Auftragskiller beauftragt, ihn umzubringen, damit seine geliebte Audrey wenigstens das Geld für die Lebensversicherung bekommt. Audrey nun wieder hat sich von Julias schmierigen Ex-Mann Lance (Jacob Pitts) in windige Immobiliengeschäfte ziehen lassen – hierhin ist nämlich das Geld verschwunden, das jetzt an allen Ecken und Enden so dermaßen fehlt. Und dann sind da auch noch kriminelle Klienten, die ihr Geld zurückhaben wollen, das sie als Sicherheit für ihre Kaution hinterlegt haben und vor Gewalt nicht zurückschrecken. Alles ziemlich verzwickt. Und nicht alle kommen unversehrt aus dieser Sache raus.

Sneaky Pete: Maris (Giovanni Ribisi) und Vince (Bryan Cranston) Bild: Amazon

Sneaky Pete: Maris (Giovanni Ribisi) und Vince (Bryan Cranston) Bild: Amazon

Zum nervenzerfetzenden Finale hin trumpft die Serie auch noch mit einer Der-Clou-mäßigen Supernummer im Kasino auf, mit der sich Marius und seine Freunde grandios an Vince rächen wollen. Aber der hat geahnt, dass er abgezockt werden soll, nur noch nicht von wem und wie – ein alter Gangster wie Vince ist halt wirklich kaum reinzulegen. Da braucht es auch noch deutlich mehr als den besten Falschspieler der Welt – aber Marius weitere Stärke ist, dass er immer wieder in der Lage ist, die jeweiligen Interessen der anderen in seine eigenen Pläne einzubeziehen. Natürlich werden die Nummern, die er abzieht, damit immer komplexer und auch für die Beteiligten nicht mehr durchschaubar – aber das ist eben auch der Witz daran.

Auf jeden Fall ist Sneaky Pete eins der derzeit interessantesten Serienprojekte von Amazon – eine zweite Staffel wurde bereits angekündigt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, zu sehen, wie es mit Pete/Marius und der Familie Bernhardt weiter geht – die nicht nur Marius irgendwie ans Herz gewachsen ist.

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Einer nach dem anderen: Spitzenprodukt skurrilen Humors

Im Rahmen der Berlinale lief Anfang Februar der norwegische Film Einer nach dem anderen (Originaltitel Kraftidioten, genial auch der englische Titel In Order of Disappearance) – allerdings hatte ich weder die nötige Energie, noch die Beziehungen, um an eine der begehrten Berlinale-Karten zu kommen. Dafür hatte ich jetzt die Gelegenheit, den Film des Regisseurs Hans Petter Moland anzusehen. Und ja, es handelt sich dabei eines dieser unaufgeregten, aber sehr pointierten skandinavischen Meisterwerke, in denen nicht viel geredet wird, aber am Ende fast alle tot sind.

Ausschnitt Filmplakat Einer nach dem anderen. Foto: Marie-Anne Winter

Ausschnitt Filmplakat Einer nach dem anderen. Mit Stellan Skårsgard und Bruno Ganz.
Foto: Marie-Anne Winter

Man muss diese Art Film schon ausdrücklich mögen, um etwas damit anfangen zu können – „Keine Angst vor weißen Flächen!“ sagte mein Kunstlehrer früher. Und dort, wo Schnee und Eis das Leben den größten Teil des Jahres fest im Griff haben, sind riesige weiße Flächen selbstverständlich. Doch wenn das Auge sich an die weiße Leere gewöhnt hat, fängt es an, die Nuancen wahrzunehmen – denn die Schneelandschaft ist keineswegs tot und leer: Sie lebt, es gibt zackige Bergrücken und weiche Täler, schroffe Grate und sanfte Schneewehen, die Kristalle glitzern in der Sonne, werden verweht, verschwimmen in der Dämmerung, die über unendlich viele Blautöne schließlich zu schwarzer Nacht wird – nur der Schnee leuchtet, knirscht, man kann den Frost riechen, förmlich spüren, wie er in der Nase beißt. Und durch all dieses beeindruckende Schwarz-Weiß-Blau der nordnorwegischen Landschaft fräst sich die Maschine von Nils Dickman (in ewiger Höchstform: Stellan Skårsgard).

Ich fand ja schon Genosse Petersen und Ein Mann von Welt sehr gut, aber mit Einer nach dem anderen hat Hans Petter Moland neue Maßstäbe gesetzt. Der Film ist alles in allen sehr kaurismäkiesk – und ich will damit weder Hans Petter Moland, noch dem zwei Jahre jüngeren, aber international vermutlich doch bekannteren Finnen Aki Kaurismäki zu nahe treten – es ist jeweils als dickes Lob gemeint.

In den skurril-lakonischen Filmen von Aki Kaurismäki spielen gesellschaftliche Außenseiter eine Hauptrolle – und das ist in auch bei Moland so. Nur dass Molands Außenseiter keine schrägen Randfiguren, sondern meistens gute Bürger sind, die formal total in die Gesellschaft integriert sind. Ob das nun der Gymnasiallehrer Petersen ist, der eine Schwäche für den Kommunismus hat (Genosse Petersen), oder der Mörder Ulrik (Ein Mann von Welt) , der sich nach einer langen Zeit im Gefängnis wieder in die norwegische Gesellschaft integrieren will bzw. muss. Auch der Schwede Nils Dickman ist in ein Außenseiter, aber eben auch einer, dem es gelungen ist, sich vorbildlich in die norwegische Gesellschaft zu integrieren.

Am Anfang des Films wird der pflichtbewusste Schneepflugfahrer Nils als „Bürger des Jahres“ für seine Verdienste an seiner neuen nordnorwegischen Heimat ausgezeichnet. Denn er erfüllt vorbildlich die wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, mit seinem Schneepflug eine „Schneise der Zivilisation“ durch den norwegischen Schnee zu pflügen, oder wie Nils auch sagt „Ich war immer gern Pfadfinder. Nur dass ich immer den gleichen Pfad finde.“ Aber er findet ihn, und dank seiner Zuverlässigkeit tun das seine Mitbürger auch. Ein dreifaches Hurra auf die gelungene Integration! Das zieht auch gleich konservative norwegische Politiker auf den Plan, die mit dem „vorbildlich integrierten Ausländer“ Nils punkten wollen. Aber Nils macht halt lieber sein eigenes Ding. Demokratie ist etwas für die anderen.

Ausschnitt Filmplakat Einer nach dem anderen. Foto: Marie-Anne Winter

Ausschnitt Filmplakat Einer nach dem anderen.
Foto: Marie-Anne Winter

Aber dann wird Nils von eine Katastrophe aus der Bahn geworfen: Sein Sohn Ingvar wird tot aufgefunden: Überdosis Heroin sagen die Ermittler. Und für die Polizei ist der Fall damit auch gleich abgehakt: Natürlich sind die Eltern immer fassungslos, wenn so etwas passiert. Alle Eltern sind überzeugt, dass ihre Kinder niemals so etwas tun würden, erklären die Polizisten. „Wir kannten unseren Sohn nicht“, heult die Mutter. Natürlich geht später auch die Ehe daran in die Brüche. Aber bevor sich Nils eine Kugel in den Kopf jagen kann, wird er vom tatsächlich drogenabhängigen Freund seines Sohnes gestört. Finn hat sich verletzt in Nils Firma gerettet. Es täte ihm total leid, dass Ingvar ermordet worden sei, beteuert Finn. Der hätte mit der ganzen Sache eigentlich nichts zu tun – und er war kein Junkie. Ingvar hätte das alles einfach nicht verdient.

Nils sieht daraufhin davon ab, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen und sich bestätigt: Sein Sohn Ingvar ist Opfer von Verbrechern geworden! Und weil die Polizei das anders sieht, nimmt Nils als alter Pfadfinder die Sache selbst in die Hand – er ist halt am Besten, wenn er sein eigenes Ding macht. Er schafft es, drei Mitglieder der Mafia ausfindig zu machen, die seinen Sohn getötet haben und vernichtet deren geschmuggeltes Kokain. Die Leichen wirft er fachgerecht mit Hühnerdraht umwickelt in den großen Wasserfall hinter dem Dorf. Das wiederum ruft den Chef der norwegischen Mafia auf den Plan, die jetzt vergeblich auf den Nachschub wartet. Der „Graf“ (herrlich: Pål Sverre Valheim Hagen) vermutet, dass die albanische – tatsächlich ist es aber die serbische Konkurrenz – für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist. Er lässt einen von diesen Balkan-Typen umbringen und mit der geografischen Höhenangabe „1389 Meter“ an ein Hinweisschild hängen. Insider wissen, dass mit dieser Jahreszahl die Schlacht auf dem Amselfeld gemeint ist. Ob Pål das gewusst hat, spielt keine Rolle, denn ihn interessiert letztlich nur, dass er in Norwegen der Chef ist.

Die Adressanten dieser Nachricht erkennen die Botschaft wohl: Bei dem Toten handelt es sich um den einzigen Sohn des serbischen Klanchefs Papa (auch nicht schlecht: Bruno Ganz). Der erklärt nun folgerichtig der norwegischen Mafia den Krieg.

Besser konnte es für Nils kaum laufen – jetzt machen sich seine Gegner gegenseitig die Hölle heiß. Außerdem hat der Graf auch so schon genug Probleme – etwa mit seiner Ex Marit (Brigitte Hjort Sørensen, muss man als engagierte TV-Journalistin Katrine Fønsmark aus der dänischen Serie Borgen kennen) im Streit um seinen einzigen Sohn, der mit biodynamischen Obst und Gemüse (mindestens fünf Sorten pro Tag!) gefüttert werden sollte und stattdessen mit zuckrigen Frühstückscerealien und pädagogisch zweifelhaften Mafia-Tipps für den Umgang mit unliebsamen Mitschülern mit dem fetten Mafia-Dienstwagen in die Schule kutschiert wird. Der Graf findet es nicht immer so einfach, er zu sein, wie er seine Leute irgendwann anbrüllt, als sich die Dinge für ihn zunehmend ungünstig entwickeln. Dagegen wäre man lieber Nils Dickman, der mit seinem Schneepflug später die verbliebenen Fahrzeuge der Mafia-Klans platt macht.

Einer nach dem anderen ist auf jeden Fall ein Spitzenprodukt der nordischen Variante skurrilen schwarzen Humors, der es auf Anhieb in meine Kategorie Lieblingsfilme geschafft hat.

Weitere Eindrücke gibt es in meinem Tumblr:
http://mariberlyn.tumblr.com/tagged/Kraftidioten

Schlaflos in Graz: Das ewige Leben

Jetzt ist schon wieder was passiert. Endich gibt es mit Das ewige Leben einen neuen Brenner-Film im Kino!

Simon Brenner (ganz grandios: Josef Hader) war einmal bei der Kripo – er ist weder der schnellste, noch der hellste, aber sehr hartnäckig und ein wenig ding, weshalb er seine Fälle letztlich immer lösen kann – auch wenn es manchmal länger dauert. Aber weil er sich mit seinem neuen Chef nicht versteht und überhaupt sein Leben ändern will, wird Brenner im Laufe der mittlerweile acht Brenner-Romane erst Privatdetektiv, dann Rettungsfahrer und Chauffeur bis er schließlich jahrelang gar nichts mehr verdient – aber immer wieder gerät er in die absurdesten Kriminalfälle, die Österreich zu bieten hat.

Screenshot Das ewige Leben - Aschenbrenner (Tobias Moretti) und Brenner (Josef Hader)

Screenshot Das ewige Leben – Aschenbrenner (Tobias Moretti) und Brenner (Josef Hader)

Nach den grandiosen Verfilmungen der Wolf-Haas-Romane Komm, süßer Tod, Silentium! und Der Knochenmann haben der Regisseur Wolfgang Murnberger, Brenner-Darsteller und Kabarettist Josef Hader und der Autor Wolf Haas selbst wieder zugeschlagen und ein genial-düsteres Drehbuch für Das ewige Leben geschrieben: Das Besondere an den Brenner-Filmen ist nämlich, dass es sich nicht um Eins-zu-eins-Verfilmungen der Romane handelt, sondern um eigenständige Geschichten, die Motive und Figuren der Roman-Vorlagen verwenden, aber filmisch neu erzählt werden. Das ist auch nötig, denn die Romane sind im Grunde nicht verfilmbar, weil der Spaß beim Lesen in erster Linie durch die eigenwillige Sprache entsteht, mit der Wolf Haas den Leser in die Gedankenwelt des Simon Brenner entführt – Kunstsprache Hilfsausdruck. Aber interessant.

Screenshot Das ewige Leben - verdammte Kopfschmerzen!

Screenshot Das ewige Leben – verdammte Kopfschmerzen!

Und wenn man sich erst einmal im Kopf vom Brenner umgesehen hat, verwundert es nicht, dass ihn ständig ein Kopfweh plagt, für das er die ganz starken Tabletten braucht – und zwar familienpackungsweise. Auch wenn er gar keine Familie hat.

Im Ewigen Leben ist Brenner schon am Anfang ganz unten – aus Geldnot muss er zurück nach Graz und in das marode Haus seiner verstorbenen Eltern einziehen. Es regnet durchs Dach, der Strom ist abgestellt und die Dose Katzenfutter teilt er sich mit einer Streunerin, die genauso zerrupft aussieht wie der Brenner selbst. Und dann wird er mit einem Kopfschuss in die Klinik eingeliefert – Selbstmordversuch sagen die Ärzte und die Polizei.

Screenshot Das ewige Leben - woran leckt die Mizzie denn?

Screenshot Das ewige Leben – woran leckt die Mizzie denn?

Das kann und will der Brenner nicht glauben – so verzweifelt seine Lage auch ist: Er hat sich bestimmt nicht selbst eine Kugel in den Kopf gejagt! Und der Brenner tut, was er immer tut: Er beginnt zu ermitteln. Auch wenn er dieses Mal nachvollziehbarerweise noch viel schlimmeres Kopfweh dabei hat. Und diese Bilder aus der Vergangenheit, die ihm immer wieder im Kopf herumspuken, machen die Sache auch nicht besser.

Was hat sein einstiger Jugendfreund, der Aschenbrenner (Tobias Moretti), der mittlerweile Polizeichef in Graz ist, die ganze Zeit über denn so getrieben? Was hat der Antiquitätenhändler Köck (Roland Düringer) mit dem Aschenbrenner zu tun? Welche Rolle spielt eigentlich Brenners schöne, aber zwielichtige Psychiaterin Dr. Irrsiegler (Nora von Waldstätten) bei dieser ganzen Sache? Und was hat der „fliegende Finne“ Jarno Saarinen, der Motorrad-Weltmeister von 1972, damit zu tun?

Screenshot Das ewige Leben - Dr. Irrsiegler (Nora von Waldstätten)

Screenshot Das ewige Leben – Dr. Irrsiegler (Nora von Waldstätten)

Natürlich steckt eine schlimme alte Geschichte dahinter, wie sie passieren muss, wenn vier übermütige Polizeischüler aus Spaß Waffen kaufen und eine Bank überfallen. Am Ende ist von denen nur noch der Aschenbrenner übrig. Außer dem karrieregeilen Polizeichef selbst weiß jetzt nur noch der Brenner Bescheid. Fatal.

Und so kommt es zu einer absurden Verfolgungsjagd mit dem Brenner auf seinem altersschwachen Mofa, der vor dem herzkranken Aschenbrenner in seinem schwarzen Sportwagen flieht – in quälendem Zeitlupentempo kämpfen sie sich einen Berg über der Stadt hinauf, und am Ende stirbt nicht der Brenner, der den ganzen Film über ja sowieso schon halbtot ist.

Screenshot Das ewige Leben - der Brenner und sein Mofa

Screenshot Das ewige Leben – der Brenner und sein Mofa

Anders als Komm, süßer Tod oder Silentium!, die von skurril-schwarzem Humor getriebene Krimis sind, ist Das ewige Leben eher eine Charakterstudie, bei der der Brenner sich den Dämonen der eigenen Vergangenheit stellen muss. Hier geht es weniger um die Aufklärung schrecklicher Verbrechen als um die Annäherung an Simon Brenner selbst, der, wie die Sachbearbeiterin auf dem Sozialamt feststellt, längst kein Sozialfall mehr ist, sondern ein U-Boot.

Aber immerhin hat er was ganz Wichtiges erreicht in seinem Leben – er ist nicht so geworden wie der Aschenbrenner. Auch wenn man bereits gewusst hat, dass die Welt schlecht, ganz Österreich korrupt und der Brenner jetzt wirklich am Ende ist, lohnt es sich Das ewige Leben anzusehen. Und für Josef-Hader- und Wolf-Haas-Fans ist der Film ohnehin Pflicht.

Screenshot Das ewige Leben - der Aschenbrenner macht ernst.

Screenshot Das ewige Leben – der Aschenbrenner macht ernst.

45 Minuten bis Ramallah – der ganz normale Irrsinn

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass man sich über alles lustig machen dürfen muss – deshalb habe ich sehr viel für schwarzen Humor übrig. Natürlich ist es nicht leicht, lustige Filme über ernste, beklemmende Themen zu machen – aber es gibt immer wieder Filmemacher, denen das gelingt. Mal mehr und mal weniger. In 45 Minuten bis Ramallah ist es nur leider nur halbwegs gelungen – oder sollte ich nicht lieber sagen „immerhin halbwegs“?

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – Rafik der Palästinenser

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – Rafik der Israeli

Es handelt sich um einen deutschen Film des deutsch-iranischen Regisseurs Ali Samadi Ahadi, der mit Salami Aleikum schon eine ganz brauchbare multinationale Komödie vorgelegt hat. In 45 Minuten bis Ramallah geht es um zwei ungleiche Brüder, Palästinenser mit israelischem Pass, die in Ostjerusalem aufgewachsen sind. Während der große Bruder Rafik nach Deutschland gegangen ist und sich in Hamburg als Koch in einer zwielichtigen Kaschemme auf Sankt Pauli durchschlägt (was mich an Soul Kitchen erinnert, muss ich gelegentlich auch mal besprechen, sehr schöner Film) ist der kleine Bruder Jamal ganz brav bei seinen Eltern in Ostjerusalem geblieben und dreht den Israelis überteuerte Klimaanlagen an. Doch auch Jamal wird erwachsen und will heiraten – und Rafik muss natürlich nach Hause fahren, um mit der Familie die Hochzeit seines kleinen Bruders zu feiern.

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – Rafik und Jamal wurden gekidnappt

Wie das auf Familienfesten in aller Welt so ist, brechen auf Jamals Hochzeit prompt die alten Streitigkeiten wieder auf, was dazu führt, dass der Vater beider Brüder an einer Herzattacke stirbt – und sein letzter Wunsch ist, zuhause in Ramallah begraben zu werden. Ramallah ist theoretisch nur 45 Autominuten von Jerusalem entfernt – weil es aber in den streng abgeriegelten Palästinensischen Autonomiegebieten liegt, könnte es genauso gut auf dem Mond sein. Doch die Familienehre erfordert, dass jegliche Anstrengung unternommen wird. Also machen sich die beiden Brüder mit der Leiche des Vaters auf den Weg. Sie haben vor, den toten Vater im Lieferwagen des Familienunternehmens durch die Kontrollen zu schmuggeln. Die Mutter, die frischgebackene Ehefrau von Jamal und sonstige Familienmitglieder sollen am nächsten Tag mit dem Bus nach Ramallah nachkommen.

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – und sie sind ausgerechnet beim islamischen Dschihad gelandet.

Natürlich kann das nicht gut gehen – obwohl die erste Kontrolle beim israelischen Checkpoint erstaunlich problemlos erfolgt und Jamal einem der israelischen Soldaten noch eine Klimaanlage zum vermeintlichen Sonderpreis andrehen kann. Danach geht aber alles schief – Rafik verguckt sich an einer Tankstelle in die schöne Olga, die zur russischen Autoschiebermafia gehört und die beiden Jungs nach Strich und Faden abzieht – den Wagen mit der Leiche des Vaters klaut sie auch noch. Was folgt, ist nicht schwer zu erraten: Als Araber werden die beiden für Selbstmordattentäter gehalten (es gab kurz zuvor einen Bombenanschlag mit einer Autobombe in einem Lieferwagen). Und ohne Geld und Papiere sind sie mehr als aufgeschmissen.

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – der die beiden als Brüder willkommen heißt

Sie werden von der israelischen Polizei misshandelt, gehen einem russischem Fälscher auf dem Leim, über den sie wieder auf Olga stoßen, legen sich unwissentlich mit der russischen Mafia an und landen schließlich in den Händen einer palästinensischen Terrorgruppe, die sie für Verräter hält und exekutieren will – zum Glück kommen die Terroristen von der konkurrierenden Miliz gerade noch rechtzeitig, um die feindlichen Terroristen auszuschalten und die Brüder den eigenen Reihen zuführen. Sie enden fast als unfreiwillige Selbstmord-Attentäter – meiner Ansicht nach ist genau diese Sequenz eine der besten des Films, weil sie zeigt, wie idiotisch dieses ganze Selbstmord-Attentätertum ist. Da hab ich seit dem Selbstmordkommando in Das Leben des Brian kaum Besseres gesehen – und das will echt was heißen.

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – aber sie konnten sich und den Vater retten

Alles in allem also gar nicht mal so schlecht, aber leider auch nicht so richtig gut – was vielleicht daran liegt, dass sich der Film immer ein bisschen zu sehr um Plausibilität bemüht, statt einfach so richtig dick aufzutragen – manchmal ist das Absurde stärker als bemühte Erklärungen. Zumal Zufall und Logik ja an anderen Stellen auch ganz schön strapaziert werden. Kann auch sein, dass ich nicht so richtig gut drauf war, als ich den Film gesehen habe – die Stimmung des Rezensenten spielt ja nun auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vielleicht ist es auch Voreingenommenheit – dermaßen viel besser ist beispielsweise Four Lions eigentlich auch nicht. Wobei ich den ziemlich gut fand. Vielleicht sind die Briten einfach nur geübter darin, Witze über den Nahen Osten und vermeintliche oder echte Selbstmordattentäter zu machen.

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah

Screenhot 45 Minuten bis Ramallah – unterwegs

Schweden-Trip durch Kalifornien: Kill Your Darlings

Als ausgesprochene Liebhaberin skurriler Road-Movies (Wir können auch anders, U-Turn, Cold Fever), die gleichzeitig auch voll auf der Schwedenschiene (Joel Kinnaman, sämtliche Skarsgårds usw.) fährt, musste ich natürlich irgendwann auf Kill Your Darlings kommen. Dieser Film ist in Deutschland merkwürdigerweise so unbekannt, dass es nicht mal einen Wikipedia-Eintrag dazu gibt – aber das wird sich hoffentlich bald ändern.

Screenshot Kill Your Darlings - Erik (Andreas Wilson)

Screenshot Kill Your Darlings – Erik (Andreas Wilson)

Denn Kill your Darlings ist einfach fantastisch – ein totkomischer Film, der die US-Filmindustrie inklusive dieses ganzen Reality-TV-Scheiß, den US-Psycho- und Selbstoptimierungswahn, überhaupt diesen ganzen Selbstdarstellungs- und Selbstververmarktungszwang, den skandinavischen Hang zu Depression sowie noch eine ganze Menge anderer Dinge gnadenlos auf die Schippe nimmt.

Screenshot Kill Your Darlings

Screenshot Kill Your Darlings – Katherine (Julie Benz)

Auch die Besetzung ist grandios: Alexander Skarsgård als depressive Transe Geert im Verein mit Julie Benz als ebenfalls verhinderte Selbstmörderin Katherine, Fares Fares als zweifelhafter Selbstmordverhinderer Omar sowie John Larroquette als Psycho-Flüsterer Dr. Bangley, der zwar der Autor des Bestellers „Stay Alive“ ist, aber ein ernsthaftes Autoritätsproblem bei seiner vierzehnjährigen Tochter hat. Und dann natürlich die Hauptfiguren Erik und Lola, gegeben von dem Schweden Andreas Wilson und der Kanadierin Lolita Davidovich. Andreas Wilson kennt man von Real Humans – er spielt die tragische Figur des Leo Eischer, der halb Mensch und halb Androide ist. Er ist zwar ungefähr einen halben Meter kleiner als Alexander Skarsgård oder Joel Kinnaman, aber auch ein sehr hübscher Junge. Selbst in seinem schwedenfarbenen Streifenpulli. Ich muss sagen, dass ich mit der schwedischen Invasion in Hollywood außerordentlich glücklich bin.

Screenshot Kill Your Darlings

Screenshot Kill Your Darlings – Geert (Alexander Skarsgard)

Kill your Darlings bringt das Beste der US- und der schwedischen Art Filme zu machen zusammen – gut, vielleicht bin ich jetzt ein bisschen zu euphorisch, aber ich habe mir den Film gestern angesehen und ich dabei solche Lachanfälle, dass meine Kinder besorgt nach mir gesehen haben – und nein, ich hatte nichts geraucht.

Die Geschichte kurz zusammengefasst: Der junge Schwede Erik interessiert sich für Selbstmord: Was bewegt Menschen, ihr Leben zu beenden? Er ist eigentlich Fotograf und wäre gern Drehbuchautor, in Los Angeles will er sein aktuelles Skript über Selbstmord an den Mann bringen. Er bekommt sogar einen Termin bei einem der allmächtigen Filmproduzenten, ist dann aber so blöd, während dieses hochwichtigen Gesprächs mit dem Filmgott an sein Handy zu gehen, das klingelt. Das war’s dann, wobei seine seltsam nordeuropäische Story eh nicht angekommen wäre, im ach so lebensbejahenden Hollywood. Jetzt muss Erik weiterhin Burger so fotografieren, dass man sie auch noch essen will.

Screenshot Kill Your Darlings

Screenshot Kill Your Darlings – Lola (Lotita Davidovich)

Auf der anderen Seite gibt es Geehrt und Katherine, die sich gern umbringen würden, aber das nicht auf die Reihe kriegen – Omar soll sie als Beweise für den Erfolg von Dr. Bangley erstens retten und zweitens nach Las Vegas in die nächste große Live-Show bringen.

Und dann gibt es auch noch Lola, die femme fatale, die ungefähr doppelt so alt ist wie Erik, sich selbst zu Eriks Muse ernannt hat und den armen Jungen nun zu einem Trip durch die kalifornische Wüste zwingt, damit er endlich mal was erlebt, worüber er ein vernünftiges Drehbuch schreiben kann. Natürlich gibt es haufenweise skurrile Szenen und wunderbare Wüstenaufnahmen.

Screenshot Kill Your Darlings

Screenshot Kill Your Darlings – Omar (Fares Fares)

Allein der Anfang, als Katherine versucht, sich mit ihrem Fernseher (!!!) in den Swimmingpool zu stürzen! Oder Erik, der mit der Pinzette sorgfältig die Sesamkörner auf dem Cheeseburger arrangiert. Oder Dr. Bangley, der seine Teenie-Tochter anfleht, ihm für den Pressetermin doch bitte die Anzughose zurückzugeben…

Super Film, den ich hiermit ausdrücklich empfehle!

Screenshot Kill Your Darlings

Screenshot Kill Your Darlings

Hellfjord: Verschlafenes Nest als Vorhölle für Stadtpolizisten

Als Freundin schräger Serien aus Skandinavien komme ich natürlich auch an Hellfjord nicht vorbei. Wer so nette, beschauliche Sachen wie den Tatortreiniger bereits für skurril hält, könnte allerdings leicht überfordert sein. Also nichts gegen den Tatortreiniger, ich finde Bjarne Mädel als Schotty auch ganz prima, aber der Tatortreiniger ist ja in der letzten Zeit überall dermaßen gelobt worden, dass ich mir das an dieser Stelle sparen kann. Leider spart der NDR auch hier mal wieder am falschen Ende, aber auch das ist eine andere Geschichte, über die ein anderes Mal lamentiert werden kann.

Polizist Salmander im Dienst. Noch lebt sein Pferd.

Polizist Salmander im Dienst. Noch lebt sein Pferd. Bild via http://www.prosiebenfun.de/serien/hellfjord/

Also zurück Hellfjord. Held der Geschichte der Polizist Salmander (Zahid Ali), „Salamander ohne a“. Während des Norwegischen Staatsfeiertags bekommt sein Polizeipferd einen Schwächeanfall. Streng nach Lehrbuch leitet er das Ableben seines Tieres ein. Das ist gar nicht so einfach – nachdem er das Magazin seiner Dienstpistole verschossen hat, nimmt er einem Musiker sein Blasinstrument weg und erschlägt es, schließlich überfährt er das Tier sicherheitshalber noch mit einem dafür requirierten Privatauto. Natürlich macht die blutige Geschichte riesige Schlagzeilen, so dass eine Entlassung aus dem Dienst die logische Folge ist – allerdings gibt es dummerweise eine dreimonatige Kündigungsfrist. Bis dahin soll Salmander in Hellfjord eingesetzt werden, einem Nest irgendwo kurz vorm Nordpol. Salmander hofft, dass er sich in diesen drei Monaten in Hellfjord bewähren könnte, aber sein Vorgesetzter versichert ihm, dass das nicht passieren wird.

Hellfjord ist tatsächlich ein Hort merkwürdiger Gestalten, die das Seeungeheuer, das in den Gewässern des Fjordes sein Unwesen treiben soll, mit Schafsköpfen füttern und das einzige Dorf in Norwegen, wo jeder raucht. Lensmann Kobba (Stieg Frode Henriksen), der Salmander in Empfang nimmt, sieht allerdings keinen Zusammenhang zwischen diesem Laster und der erhöhten Lungenkrebsrate. Das Durchschnittsalter der Dorfbewohner liegt im fortgeschrittenen Renteneintrittsalter und als einzigen Arbeitgeber gibt es die Fischfabrik Hellfisk, die von einem Schweden geleitet wird, der Bosse Nova heißt.

Natürlich lassen die Alteingesessenen den Neuankömmling Salmander spüren, dass sie seine Anwesenheit für völlig überflüssig halten. Aber ein Arbeiter aus der Fischfabrik tot aufgefunden wird, kann sich Salmander endlich als Ermittler austoben. Im Hals des Toten steckt ein Handy, an dem der Mann erstickt ist…

Weil die Serie mit sieben halbstündigen Folgen sehr übersichtlich ist, wird hier jetzt nicht mehr verraten. Der US-Pay-TV-Sender Showtime hat schon eine Adaption der norwegischen Vorlage angedroht, so dass man sich jetzt besser beeilen sollte, sich das Original anzusehen.