8 Tage: Feiern bis zum Weltuntergang

Die Ankündigung machte mich neugierig: Eine neue deutsche Serie von Sky, die von den letzten acht Tagen vor dem Weltuntergang erzählt: Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Aufgrund seiner besonders lichtabsorbierenden Oberfläche hatte man ihn nicht kommen sehen. In vorletzter Minute wird versucht, ihn mit Atomraketen vom Kurs abzubringen, aber das Manöver misslingt. Für die Menschen in Europa, wo er auftreffen wird, beginnt der Countdown bis zum Untergang. Was bedeutet das für die Menschen in der Killzone?

Faszinierende Frage, eigentlich. Doch leider ist aus der tollen Idee eine insgesamt ärgerlich schwache Serie geworden. Was nicht an den Schauspielern liegt, mit Devid Striesow, Christiane Paul, Nora Waldstätten, Fabian Hinrichs, Mark Wasche, Murathan Muslu oder Henry Hübchen waren eine Menge echter Stars dabei. Aber aus einem drögen Drehbuch kann auch das engagierteste Spiel kein packendes Fernseherlebnis zaubern.

Serienposter 8 Tage Bild: sky.de

Serienposter 8 Tage Bild: sky.de

Es ist ja nicht so, dass ich ein teures Blockbuster-Spektakel à la Independence Day oder Armageddon erwartet hätte. Im Gegenteil freute ich mich auf das angekündigte Kammerspiel im Schatten der großen Katastrophe. Aber genau das ist grandios schief gelaufen: Wir sehen eine ganze Reihe eher unsympathischer Figuren, die vermutlich komplex-ambivalent sein sollten, aber leider wieder nur Personifikationen gängiger Klischees aus, nun ja, eben typisch deutschen Fernsehserien sind.

Ein weiteres Problem ist, dass die Autoren das ganze Setting nicht richtig gut durchdacht haben – es fühlt sich an wie „ist ja bloß Fernsehen, wir tun einfach mal so“. Mit Logik und Continuity haben es die Serienmacher auch nicht besonders, angefangen damit, dass der Asteroid einerseits ganz plötzlich aufgetaucht sei, weshalb die Vorwarnzeit so kurz und die Reaktion der Menschen so verzweifelt sein sollen, andererseits heißt es später dann wieder, die Bundesregierung hätte doch genügend Zeit gehabt, entsprechende Vorkehrungen zu treffen und Bunker zu bauen, was dann aber nicht passiert sei, weil die Politiker so böse und korrupt sind.

8 Tage: Marion (Nora Waldstätten) und Hermann (Fabian Hinrichs) Bild: Sky.de

8 Tage: Marion (Nora Waldstätten) und Hermann (Fabian Hinrichs) Bild: Sky.de

Dann soll die allgemeine Ordnung ist zusammengebrochen sein, was vor allem an geplünderten Supermärkten zu sehen ist, vor denen sich Müll und leere Einkaufswagen stapeln. Und natürlich an jungen Leuten, die Party machen bis zum Abwinken. Ansonsten läuft der Alltag erstaunlich normal weiter, es gibt selbstverständlich noch immer Strom, funktionierende Telefone und Handys und die Fernseher laufen sogar in den letzten Stunden vor der finalen Katastrophe noch und senden Bilder aus dem Regierungsapparat, der angeblich längst kollabiert sein soll und irgendwie doch noch immer Nachrichten liefert.

Okay, es ist durchaus nachvollziehbar, dass echte Journalisten von altem Schrot und Korn gerade in solchen Situationen nicht abhauen, sondern jetzt erst recht ihren Job machen, denn es gibt ja nun wirklich was zu berichten. Aber dass die politische und gesellschaftliche Elite einfach geschlossen abtaucht und das Schicksal der Nation einer Handvoll Journalisten überlässt, finde ich dann doch ziemlich billig. Man muss jetzt keine Politik-Serie auf dem Niveau von Borgen oder House of Cards daraus machen, aber einfach nur das Klischee zu bedienen, dass die Politiker unfähig sind, sich um nichts kümmern und am Ende nur an sich selbst denken, zeigt vor allem, dass die Serienschreiber sich auch nicht besonders anstrengen wollten.

8 Tage: Susanne (Christiane Paul), Uli (Mark Wasche) und Tochter Leonie (Anna Lena Klenke) auf der Flucht  Bild: Sky.de

8 Tage: Susanne (Christiane Paul), Uli (Mark Wasche) und Tochter Leonie (Anna Lena Klenke) auf der Flucht Bild: Sky.de

Eine Ausnahmesituation kurz vor dem Ende von allem stelle ich mir anders vor, panischer, chaotischer, euphorischer. Wenn es eh nicht mehr drauf ankommt, könnte man doch mal Dinge ausprobieren, die man sonst nie getan hätte. Da sollten noch andere Sachen denkbar sein als übermäßiger Drogenkonsum, laute Musik und kindische Zerstörungswut. Ich hoffe inständig, dass die Menschen insgesamt kreativer sind als die Erfinder dieser Serie.

Denn auch aus dem, was sich die Serienmacher vorgestellt haben, machen sie erstaunlich wenig: Eine finanziell eher gut gestellte Mittelstandsfamilie bestehend aus der Ärztin Susanne (Christiane Paul), dem Physiklehrer Uli (Mark Waschke) und deren Kindern Leonie und Jonas tritt die Flucht nach Osten, also Russland an. Hier gibt es einige für Normalbürger herausfordernde Ausnahmesituationen, aber im Vergleich zu dem, was man über Flüchtlingsschicksale berichten könnte, ist das alles ziemlich harmlos. Zumal alle Beteiligten einfach in ihr unversehrtes Einfamilienhaus in einem ruhigen grünen Vorort von Berlin zurückkehren können, als sich abzeichnet, dass sich alles anders als erwartet entwickelt. Hier gibt es immerhin noch ein kleines Vorstadtdrama, was ich dann aber auch wieder zu konstruiert fand.

8 Tage: Klaus (David Striesow) Bild: Sky.de

8 Tage: Klaus (David Striesow) Bild: Sky.de

Interessanter ist der Bauunternehmer Klaus (David Striesow), ein Psychopath, der sich für schlauer als alle anderen hält und für seine Familie einen Bunker gebaut hat. Dort sperrt er seine Tochter Nora (Luisa-Céline Gaffron) ein, die in Teenager-Art immer vehementer gegen ihren unerträglichen Vater rebelliert. Klaus ist ein typischer Prepper, der schon immer wusste, wie es kommen muss, entsprechend Vorräte anhäuft und auf Waffengewalt setzt. Er schart eine Gang von Gleichgesinnten um sich, die es allerdings im Zweifelsfall allerdings genau so halten wie er selbst: Der Stärkere setzt sich durch und nimmt keine Rücksicht auf Schwächlinge. Das kann auch gegen einen ausgehen, wenn die anderen in der Überzahl sind. Erst recht, wenn Schusswaffen im Spiel sind.

8 Tage: Deniz (Murathan Muslu) Bild: Sky.de

8 Tage: Deniz (Murathan Muslu) Bild: Sky.de

Doch nicht jeder, der eine Waffe in die Hand bekommt, knallt durch: Stoisch und die meiste Zeit rätselhaft unbeteiligt wirkt der Polizist Deniz, ein Kämpfer nicht nur für Gerechtigkeit, sondern für das Richtige, wie er gegen Ende erklärt. Deniz hält die Stellung auf seiner Polizeiwache noch, als alle anderen längst getürmt sind, er versucht, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten, als schon überdeutlich ist, dass es keinen Sinn mehr hat. Kurz vor Schluss noch stellt er einem Falschparker ein Knöllchen aus, genau wie Herr Luther, der heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, wenn er wüsste, dass morgen die Welt unter geht. Immerhin: Deniz ist tatsächlich ein Held und verzichtet zu Gunsten anderer auf seinen persönlichen Vorteil, als es hart auf hart kommt.

Ganz im Gegensatz zu Hermann (Fabian Hinrichs), dem Politiker. Der verhält sich genau so, wie man es von einem seiner Sorte erwartet: Er ist immer auf seinen Vorteil aus und im Zweifelsfall korrupt und feige. Erst versucht Hermann, für sich und seine hochschwangere Freundin Marion (Nora Waldstätten) ein rettendes Flugticket in die USA zu bekommen. Das geht schief. Dann versucht er verzweifelt, zwei der viel zu wenigen Bunkerplätze zu bekommen. Aber die werden nur an relevante Regierungsmitglieder vergeben, zu denen Hermann nicht gehört, die Restplätze werden unter der Bevölkerung verlost.

8 Tage: Ben (Thomas Prenn) und  Nora (Luisa-Céline Gaffron) Bild: Sky.de

8 Tage: Ben (Thomas Prenn) und Nora (Luisa-Céline Gaffron) Bild: Sky.de

Und siehe da, unsere wackere Familie zieht eins der großen Lose, denn Ärztinnen und Physiker werden später für den Wiederaufbau benötigt. Aber das mit der Eintrittskarte für die vermeintliche Lebensrettung geht auch wieder nach hinten los: Jetzt kommt ein bisschen Action, Teile der Bundeswehr finden nämlich, dass sie nicht nur Deutschland und dessen Politiker schützen, sondern ebenfalls Platz im Bunker bekommen sollten. Und die haben sogar funktionierende Waffen! Auf diese Weise endet das große Bunkerglück für viele dann tödlich, aber Uli kann mit den Kindern und Susanne entkommen. Doof nur, dass sie jetzt wieder draußen und ihre Stunden gezählt sind.

Die Frage, wo Dienst und Pflicht enden und das Eigeninteresse beginnen sollte oder darf, wird mehrfach behandelt. Das ist eine durchaus interessante Frage, aber man hätte auch noch andere Fragen stellen können. Etwa nach welchen Kriterien denn eine Auswahl zu treffen wäre, wer gerettet werden und wer sterben soll. Es wird zwar als irgendwie ungerecht dahingestellt, dass wie immer politischer Einfluss und Geld die entscheidenden Kriterien sind. Aber was wäre denn gerechter?

8 Tage: Der vermeintliche Erlöser Robin (David Schütter) Bild: Sky.de

8 Tage: Der vermeintliche Erlöser Robin (David Schütter) Bild: Sky.de

Das wird gar nicht erst gefragt, weil die Antwort schwer ist. Aber man könnte doch wenigstens mal drüber nachdenken. Und das zieht sich durch sämtliche acht Tage. Ich will nicht sagen, dass alles schlecht ist, so fand ich durchaus nachvollziehbar, dass ein junger Krebskranker sich freut, dass es jetzt nicht nur ihn erwischt, sondern alle, womit er sich die Frage, warum ausgerechnet er sterben soll, während die anderen weiterleben dürfen, nicht mehr stellen muss. Und klar, es gibt natürlich auch Menschen, die sich in den Glauben flüchten und in letzter Minute auf einen Erlöser setzen, der in Gestalt des einfältigen, aber gutwilligen Exkriminellen Robin erscheint. Der redet eigentlich nur wirres Zeug, aber es klingt ungefähr wie das, was auch in der Bibel nachzulesen ist. Immerhin taugt er dazu, Susannes Tochter Leonie die Freuden der ersten Liebe zu zeigen, bevor alles für immer vorbei ist.

8 Tage: Egon (Henry Hübchen) Bild: Sky.de

8 Tage: Egon (Henry Hübchen) Bild: Sky.de

Cool fand ich auch den ehemaligen NVA-Offizier Egon (Henry Hübchen), der seine Wut erst an seinen Möbeln auslässt und sich dann entschließt, seine heimliche Jugendliebe aufzusuchen. Wie sich herausstellt, war Egon schwul. Das war unsozialistisch und durfte somit nicht sein. Und Horst hat dann ohnehin rüber gemacht, in den goldenen Westen und dort ein unspektauläres Leben in einer klassischen heterosexuellen Beziehung geführt. Was Egon im Osten irgendwie auch getan haben muss, sonst hätte er keine Kinder. Denn Egon ist der Vater der auf jeweils ihre Art ziemlich ätzenden Geschwister Hermann und Susanne.

Immerhin lässt sich Susanne von ihrem kleinen Sohn schließlich noch überzeugen, ebenfalls etwas richtiges zu tun, nämlich Marion bei der Geburt ihres Kindes zu helfen und ihr dann das Familienauto zu überlassen, damit sie zu Hermann kann, der mittlerweile Bunkerplätze besorgt haben will. Nun ja, es ist gewiss kein übergroßer Spoiler, wenn ich verrate, dass die Sache für eine große Mehrheit der Bevölkerung nicht gut ausgeht, denn das war ja von Anfang an klar. Nicht jeder, der es verdient hätte, kann gerettet werden, und unter denen, die sich retten können, sind viele Arschlöcher. Aber gerade weil das Ende so vorhersehbar ist, hätte man sich mit dem, was in den acht Tage davor passiert, mehr Mühe geben können.

8 Tage: Ob jetzt alles gut wird?  Bild: Sky.de

8 Tage: Ob jetzt alles gut wird? Bild: Sky.de

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Big Little Lies: Kleine und große Lebenslügen

Am Sonntag lief die letzte Folge von Big Little Lies, einer neuen Mini-Serie von HBO – und ab dem 6. April ist sie auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Ticket verfügbar. Wer immer die Möglichkeit hat, sollte sich den Siebenteiler ansehen, es lohnt sich. Inhaltlich und handwerklich ist Big Little Lies absolut auf der Höhe der Zeit, was man von einer HBO-Serie durchaus erwarten kann, auch wenn sich HBO in der letzten Zeit ja auch ein paar spektakuläre Fehlgriffe wie Vinyl geleistet hat. Und auch die zweite Staffel von True Detective war nicht so richtig gut.

Auch wenn ich mich ernsthaft frage, warum diese Serie als Dark Comedy beziehungsweise als Comedy-Drama einsortiert wird. Denn lustig ist daran überhaupt nichts, obwohl ich sie wirklich gut fand. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie gut die Amerikaner darin sind, Beziehungsdramen zu schildern. Denn darum geht es vor allem: Um Beziehungen, und wie verzweifelt die Menschen versuchen, das, was sie für eine gute Beziehung halten, irgendwie hinzukriegen, auch wenn alle Evidenz dagegen spricht, dass genau diese Beziehung, an der sie so verzweifelt festhalten, gut für sie ist.

Celeste, Madeline und Jane Bild: HBO

Celeste, Madeline und Jane Bild: HBO

Und dann geht es natürlich auch um Freundschaft, Eifersucht und Konkurrenz – im Grunde sind die hier erzählten Geschichten universell, auch wenn hier in erster Linie das Leben der gut verdienende Menschen am oberen Ende der weißen Mittelschicht gezeigt wird. Im  kleinen, aber feinen Monterey, das etwa 200 Kilometer südlich des Hightech-Mekkas San Francisco an der Pazifikküste liegt, lassen sich vor allem Familien nieder, die zu Geld gekommen sind und nun ihre Kinder in großzügigen Häusern mit Meerblick aufziehen wollen. Und solche, die nicht ganz so viel Knete haben, um ihre Kinder in San Francisco auf teure Privatschulen schicken zu können – denn die öffentlichen Schulen in Monterey haben ebenfalls einen sehr guten Ruf. Kein Wunder, es gibt ja auch genug finanzstarke Eltern, die für alle möglichen Belange spenden.

Keine Frage, mit diesen meist schon älteren Alphaeltern ist nicht zu spaßen – das wird auch schon am Anfang klar, als es am ersten Schultag der neuen Erstklässler gleich zu einem handfesten Eklat kommt: Amabella, die Tochter der ebenso wohlhabenden wie erfolgreichen Unternehmerin Renata Klein (Laura Dern), wurde von einem Jungen angegriffen. Amabella will aber nicht sagen, wer es gewesen ist. Erst nach massivem guten Zureden zeigt sie zögerlich auf Ziggy. Ausgerechnet – Ziggy ist der Sohn der alleinerziehenden Mutter Jane Chapman (Shailene Woodley), einer frisch zugezogenen Außenseiterin, die weder über die Beziehungen, noch über das Geld verfügt, mit denen die anderen hier in der Community die Dinge regeln. Ein denkbar schlechter Start.

Jane (Shaylene Woodley), Madeline (Reese Witherspoon) und Celeste (Nicole Kidman) Bild: HBO

Jane (Shaylene Woodley), Madeline (Reese Witherspoon) und Celeste (Nicole Kidman) Bild: HBO

Aber Jane hat kurz zuvor die resolute Madeline (Reese Witherspoon) kennengelernt, und Madeline läuft zur Hochform auf, wenn sie für die Zukurzgekommenen und Unterdrückten kämpfen kann. Denn ehemals alternativ und politisch korrekt sind sie hier ja auch. Madeline demonstriert jetzt erst recht Solidarität. Und die kann Jane wirklich gebrauchen. Die dritte im Bunde der sich neu formierenden Freundinnenrunde ist Celeste (Nicole Kidman), die Mutter von zwei niedlichen Zwillingsjungs, mit der Madeline schon länger befreundet ist.

Madeline und Celeste leben genau wie Renata Klein mit ihren Familien in Haus gewordenen Träumen mit Seeblick – auf den ersten Blick haben sie ein perfektes Leben. Doch natürlich knirscht es unter der schönen Oberfläche, insbesondere bei Celeste, deren jüngerer eifersüchtiger Ehemann Perry (Alexander Skarsgård) immer wieder gewaltätig wird. Aber Celeste ist schon so geübt im Übelschminken der blauen Flecken, dass sie sich selbst immer wieder einredet, dass es keinen anderen als Perry für sie geben kann – schließlich hat sie für ihn ihre Karriere als Anwältin aufgegeben und er hat mit ihr so viel durchgestanden, bis sie endlich, endlich die Zwillinge bekommen hat. Denn Nicole Kidman ist ja nicht mehr die Jüngste, wie ich hier anmerken muss – und darf, denn ich bin genauso alt. Aber sie hat sich geradezu verstörend gut gehalten, auch wenn gar nicht gesagt wird, wie alt Celeste eigentlich sein soll.

Ziggy (Iain Armitage) und Jane (Shaylene Woodley) Bild: HBO

Ziggy (Iain Armitage) und Jane (Shaylene Woodley) Bild: HBO

Im Grunde wirkt sie fast jünger als Madeline, auch wenn deren Darstellerin Reese Witherspoon tatsächlich fast zehn Jahre jünger ist. Wobei die auch gut aussieht – aber eher ihrem tatsächlichen Alter entsprechend. Genau wie Renata Klein, deren Darstellerin Laura Dern nur wenige Monate älter als Nicole Kidman ist.

Das ist schon bemerkenswert: Eine Serie mit insgesamt fünf interessanten und mehrdimensionalen weiblichen Hautpfiguren, von denen drei über vierzig sind – eine echte Ausnahme in der schönen Fernsehwelt. Aber Big Little Lies zeigt, dass das Leben von Frauen durchaus spannend genug ist, um eine Serie draus zum machen. Letztlich werden so ziemlich alle Frauen zwischen dem Anspruch, eine gute Mutter zu sein, und eine gute Partnerin für jeweils vorhandene Väter ihrer Kinder, und dem Anspruch, im Leben auch noch für sich selbst etwas zu erreichen, aufgerieben. Und irgendwie scheitern sie alle daran.

Celeste (Nicole Kidman) und Perry (Alexander Skarsgård) Bild: HBO

Celeste (Nicole Kidman) und Perry (Alexander Skarsgård) Bild: HBO

Etwa Celeste: Als Vater ist Perry allerliebst, zumindest, wenn er mal zuhause ist. Denn weil Perry geschäftlich viel unterwegs ist, plagt ihn die Eifersucht ganz besonders – was macht seine Frau eigentlich den ganzen Tag? Er weiß ja, dass sie wunderschön ist, und das sie es total drauf hat – sie könnte selbst Karriere machen, vermutlich war sie in ihrem Job früher sogar besser als er jetzt in seinem ist. Und als sie hilfsweise für ihre Freundin Madeline einspringt, als sie für ihr Theaterprojekt juristischen Beistand braucht, genießt sie das. Und ist natürlich brillant. Was Perry erst recht auf die Palme bringt.

Madeline hingegen arbeitet sich noch immer daran ab, dass ihr erster Ehemann sie für eine deutlich jüngere (Zoë Kravitz als Bonnie) verlassen hat – sie ist ein bisschen eifersüchtig, dass ihr Ex Nathan (Jeffrey Nordling) sich jetzt viel mehr um seine neue Tochter kümmert, die genau wie Madelines zweite Tochter, die sie mit ihrem neuen Mann Ed (Adam Scott) hat, gerade eingeschult wird. Nathan will jetzt alles richtig machen und genau das nimmt Madeline ihm übel – obwohl sie das alles eigentlich gar nichts mehr angeht. Sie hat ja auch einen neuen Partner gefunden – und Ed ist wirklich ein ganz lieber. Er verehrt Madeline und kümmert sich um alles, auch um Madelines älter Tochter Abigail (Kathryn Newton), die inzwischen fortgeschrittener Teenager ist und, wie Madeline feststellen muss, ein ziemlich vertrautes Verhältnis zu Bonnie entwickelt, die für sie eben keine Stiefmutter, sondern eher eine ältere Freundin ist. Die für Abigails Teenager-Probleme deutlich mehr Verständnis aufbringt, als ihre perfektionistische Mutter.

Kindergeburtstag: In der Mitte Amabella (Ivy George), links Bonnie (Zoë Kravitz), daneben Renata (Laura Dern) Bild: HBO

Kindergeburtstag: In der Mitte Amabella (Ivy George), links Bonnie (Zoë Kravitz), daneben Renata (Laura Dern) Bild: HBO

Doch dafür kann Madeline selbst die ältere Freundin für Jane sein, die Madeline mit der Zeit auch ein dunkles Geheimnis anvertraut. Als die Kinder für die Schule ihren Familienstammbaum gestalten sollen, weigert sich Jane hartnäckig, den Namen von Ziggys Vater zu nennen. Und wie sich heraus stellt, weiß sie ihn auch gar nicht. Denn wer weiß schon, ob der Kerl, der erst so charmant und nett war, dass sie sich von ihm hat abschleppen lassen, wirklich so heißt, wie er behauptet hat.

Jane liebt ihre Sohn, auch wenn er nicht das Produkt von erwachsener Liebe ist, sondern die Folge einer Vergewaltigung. Aber sie befürchtet, dass er den Rest seines Lebens unter diesem Stigma leiden wird – und es sieht ja erstmal auch so aus. Auch wenn Ziggy eigentlich ein sehr freundliches und mitfühlendes Kind ist, wie Jane weiß und auch die Psychologin bestätigt, die hinzugezogen wird. Die Therapeutin vermutet eher, dass Ziggy auch ein Opfer und nicht  der Täter ist, was sich später noch bestätigen wird.

Die Frage nach Opfer und Täter zieht sich ohnehin durch die ganze Serie: Von Anfang an wird in zwischengeschnittenen Szenen darauf angespielt, dass auf einer schicken Foundrainsing-Veranstaltung für die lokale  Schule ein schreckliches Verbrechen geschehen ist – aber wer Opfer und wer Täter ist, wird nicht verraten. Dafür gibt es allerlei Klatsch und Tratsch zu hören, den die Leute bei den Befragungen durch die Polizei absondern. Damit wird klar: Monterey ist ein Schlangennest. Und jeder verdächtigt jeden, Dreck am Stecken zu haben. Und die meisten haben das wohl auch, auf die eine oder andere Weise. Was auch kein Wunder ist an einem Ort, an dem schon eine ausgebliebene Einladung zum Kindergeburtstag eine Krise im Maßstab eines NATO-Bündnisfalls auslösen kann.

Ed (Adam Scott) und Madeleine (Reese Witherspoon) Bild: HBO

Ed (Adam Scott) und Madeleine (Reese Witherspoon) Bild: HBO

Der Kriminalfall an sich ist allerdings nicht so wichtig und spielt keine große Rolle, wichtiger ist die Dynamik der Beziehungen, in denen die Protagonisten mehr oder weniger festhängen – ein wichtiges Thema ist natürlich häusliche Gewalt, die auch in Familien anzutreffen ist, in denen die materielle Existenz mehr als gesichert ist und nach außen hin geordnete Verhältnisse herrschen – Ordnung kann eben auch Terror sein. Aber Celeste will ihren goldenen Käfig gar nicht verlassen – was sind schon ein paar blaue Flecke, wenn ansonsten alles ganz prima aussieht?

Aber je verzweifelter sie darum kämpft, den schönen Schein zu waren, desto brutaler werden ihre Auseinandersetzungen mit Perry, der schließlich einwilligt, gemeinsam mit ihr zur Therapie zu gehen, weil er selbst natürlich auch merkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Was die Therapeutin natürlich auch bemerkt, vor allem aber, wie sehr Celeste damit ringt, ihr gegenüber – und damit erstmal auch sich selbst – einzugestehen, wie schlimm es wirklich um ihre Beziehung und ihr Verhältnis zu Perry steht. Auch hier bleibt sie in ihrer selbst gewählten Rolle als loyale Ehefrau gefangen: Celeste entschuldigt Perry und gibt sich selbst die Schuld, erst die behutsamen, aber bestimmten Nachfragen der erfahrenden Psychologin machen ihr nach und nach klar, dass von Perry eine Gefahr ausgeht, vor der sie sich selbst und die Kinder schützen muss. Diese Szenen sind die beklemmensten und besten Momente der Serie.

Celeste (Nicole Kidman) in ihrem Element Bild: HBO

Celeste (Nicole Kidman) in ihrem Element Bild: HBO

Schlimm steht es auch um Jane, die sich im Gegensatz zu den anderen allein durchschlagen muss – auch wenn sie sich mit ihrem Leben als alleinstehende Mutter arrangiert hat und gut für ihren Sohn Ziggy sorgt. Sie schreckt immer wieder aus Albträumen von jenem Unbekannten auf, der sie erst brutal benutzt und dann allein gelassen hat. Jane hat sich eine Waffe besorgt und geht immer wieder zum Schießtraining – sie fühlt sich dann mächtiger, erklärt sie ihren entsetzten neuen Freundinnen, die Waffengewalt selbstverständlich ablehnen. Jane träumt davon, sich irgendwann an jenem Mann zu rächen.

Das wiederum verstehen Madeline und Celeste sehr gut, Madeline fängt sogar an, nach ihm zu suchen und meint irgendwann, ihn gefunden zu haben. Was, wie man sich denken kann, nicht die beste Idee war. Schon weil sich noch herausstellen wird, dass alles ganz anders war. Genau wie die Sache mit dem Mobbing in der Schule ganz anders war. Der Twist ist am Ende dann wieder naheliegend und erklärt letztlich auch das Verbrechen – aber zum Glück lebt Big Little Lies eben nicht von überraschenden Twists und der nervenzehrenden Spannung, wer denn nun der Mörder war, sondern von der schonungslosen Aufdeckung der ganzen Lebenslügen, an denen alle, die noch immer glauben wollen, dass ein wohl geordnetes Familienleben der Schlüssel zum Lebensglück wäre, scheitern müssen. Und genau das gefällt mir daran.

In Bestform: House of Cards

Nachdem ich vergleichsweise lange gebraucht hatte, um mir die dritte Staffel von House of Cards anzusehen, die aber zum Ende hin dann doch noch richtig zugelegt hat, so dass es entgegen meiner Befürchtungen doch ein Vergnügen war, sie fertig zu sehen, habe ich mir die vierte Staffel jetzt quasi am Stück reingezogen – sie ist tatsächlich sehr, sehr gut, zumal sie das für Europäer völlig irre wirkende US-Wahlspektakel für das Jahr 2016 schon mal komplett vorwegnimmt. Wobei die Präsidentschafts-Kandidaten in House of Cards trotz ihrer perfiden Ränkespiele erschreckenderweise doch viel seriöser wirken als diejenigen, die derzeit in der Realität antreten.

Obwohl – Hillary Clinton wäre abgefeimt genug für einen House-of-Cards-Charakter, wobei mir persönlich Bernie Sanders als Kandidat der Demokraten sympathischer wäre, auch wenn er weder eine Frau, noch farbig ist. Immerhin gehört er zur sehr kleinen Minderheit der irgendwie noch linken Politiker in den USA, auch wenn das Etikett „Sozialist“ bestenfalls eine Verleumdung ist. So etwas gibt es im Politikbetrieb nicht mehr – und schon gar nicht in den USA.

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Allein die Initialen! FU 4 President Bild: fu2016.com

Bei den Republikanern sieht es dagegen ganz düster aus, da ist einer schlimmer als der andere und einen wie Donald Trump kann sich kein Drehbuchautor ausdenken, weil einem das niemand abnehmen würde, wenn es denn Fiktion wäre. Insofern ist der republikanische Gegenkandidat William Conway in House of Cards reichlich unrealistisch, aber für mich natürlich ein großer Pluspunkt, weil er von Joel Kinnaman gespielt wird, der auch in dieser Rolle überzeugt, obwohl wenn ich den Typ nicht ausstehen kann.

Der attraktive, junge New Yorker Gouverneur William Conway ist ein echter Gegner für den alten Fuchs Frank Underwood (Kevin Spacey). Der schneidige Will hat nicht nur Jura studiert, sondern war auch bei der Air Force und hat somit die Unterstützung der Militärs, die Frank Underwood, der nie gedient hat, nicht wirklich ernst nehmen. Außerdem hat er die perfekte Familie mit einer schönen Frau und zwei niedlichen Kindern und inszeniert sein Privatleben publikumswirksam im Internet. Und noch schlimmer: Der Chef der Suchmaschine Pollyhop arbeitet mit Will zusammen – und mit den wertvollen Daten, die aus den Pollyhop-Suchanfragen generiert werden können, ist der smarte Conway Frank mit seiner Kampagnenplanung überlegen.

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Will Conway (Joel Kinnaman) und Hannah (Dominique McElligott) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Dagegen sieht der politisch viel erfahrenere Frank mit seiner gescheiterten Ehe mit Claire (Robin Wright), die ebenfalls Ambitionen auf ein politisches Amt entwickelt und ihn folgerichtig am Schluss der dritten Staffel verlassen hat, nicht gut aus. Zumal seine politischen Programme allesamt nicht so funktionieren, wie er sich erhoffte – für Frank läuft es derzeit einfach nicht. Obwohl er selbst mit allen Wassern gewaschen ist und die ausgefuchstesten Spin-Doktoren der Welt an Bord hat: Auf seinen ebenso loyalen wie effektiven Problemlöser Doug Stamper (Michael Kelly) ist weiterhin Verlass.

Und was ist schon eine Suchmaschine, wenn man als US-Präsident auf eine Institution wie die NSA zurückgreifen kann? Man braucht nur die entsprechende terroristische Bedrohung, um die Gerichte im Land in Stellung zu bringen. Da kommt eine extremistische Islamisten-Gruppe wie die ICO gerade recht, die sich in Syrien breit gemacht hat. Natürlich findet sich auch ein Datenexperte, der besessen und korrupt genug ist, einen solchen Geheimauftrag anzunehmen – wann kriegt man sonst schon einmal Zugriff auf sämtliche Daten, von denen man nie zu träumen gewagt hätte?!

Vor allem muss Frank aber seine abtrünnige Frau wieder auf Linie trimmen, denn nach der Niederlage bei der Vorwahl in New Hampshire ist klar, dass er ohne die in der Bevölkerung beliebte Claire keine Chance hat. Doch Claire ist in ihr Elternhaus in Texas zurückgekehrt, um sich dort für die Wahlen zum Kongress in Stellung zu bringen. Das wird keine leichte Aufgabe, denn die schwarze Amtsinhabern Doris Jones will ihren Platz an ihre Tochter Celia weitergeben, die schon lange darauf wartet, dass ihre Mutter ihr den Weg frei macht. Claire als weiße Außenseiterin muss sich wirklich etwas einfallen lassen und natürlich fällt ihr etwas ein: Sie verspricht, die Finanzierung einer Spezialklinik für Brustkrebserkrankungen zu sichern, an denen schwarze Frauen noch immer häufiger und früher sterben als weiße.

Damit ist auch klar, wo Frank ansetzen kann, um ihr Vorhaben zu unterlaufen – was er auch tut. Frank zerstört Claires Ambitionen, in den Kongress einzuziehen, so nachhaltig, dass nicht einmal LeAnn (Neve Campbell) das wieder gerade biegen kann. LeAnn ist so etwas wie Claires Doug Stamper – eine knallharte Beraterin mit besten Verbindungen und wie Frank oder Claire jederzeit bereit und Willens, das jeweils Nötige zu tun. Mit LeAnns Hilfe ist Claire in der Lage, Frank ebenfalls empfindlich zu treffen – der dann allerdings Opfer eines Attentats wird, mit dem eine fast vergessene Partei wieder ins Spiel kommt: Der Journalist Lucas Goodwin, der mehr über Frank und die Morde an Zoe Barnes und Peter Russo weiß als gut für ihn ist und den Frank deshalb durch eine Intrige in den Knast bracht hat.

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.comHouse of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

House of Cards: Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevon Spacey) Bild:http://houseofcards2013.tumblr.com

Weil Goodwin den Ermittlungsbehörden in einer anderen Sache behilflich ist, kommt er vorzeitig frei und wird in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Goodwin spürt Franks Konkurrentin Heather Dunbar auf und kontaktiert sie – Heather will aber nichts von all dem wissen, was Goodwin ihr gegenüber andeutet. Daraufhin versucht der verzweifelte Goodwin, Frank auf andere Weise stoppen: Nach einer Rede an einer Universität versucht er, Frank zu erschießen. Franks Leibwächter Edward Meechum wird dabei tötlich getroffen, aber er konnte den Attentäter ausschalten, Frank wird jedoch lebensgefährlich verletzt.

Sein Vize Donald Blythe übernimmt die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Der fühlt sich in dieser Rolle extrem unwohl und ist froh, die First Lady Claire Underwood an seiner Seite zu haben, die sofort ihre Chance wittert und ihre Pläne vorantreibt. Wegen einer Ölpreiskrise gibt es Spannungen mit Russland, die Beziehungen sind wegen des Engagements beider Länder im Nahen Osten ohnehin nicht die besten. Frank hatte vor, gegenüber Russland Stärke zu demonstrieren und auf damit eine Militärische Intervention zu riskieren, Claire hingegen überzeugt Blythe davon, China einzubeziehen und mit dem russischen Präsidenten Petrov (Lars Mikkelsen) zu verhandeln. Während des G7-Gipfels in Brandenburg (was denken die Amis eigentlich, wo oder was dieses Brandenburg ist? Bestimmt nicht unser einziges, aber durchaus sympathisches  Bundesland mit dem Loch in der Mitte, wo das supercoole Berlin liegt) bootet Claire auch die Außenministerin Catherine Durant aus und übernimmt die Verhandlungen selbst, während Frank in den USA durch eine Lebertransplantation gerettet wird.

Interessant ist auch die Beziehung von Claire zu ihrer schwerkranken Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn), die nun erstmals auftaucht – dass die beiden eine schwierige Beziehung haben, kann man sich denken. Die Mutter hat nie verstanden, warum Claire Frank geheiratet hat, der in ihren Augen kein würdiger Partner für ihre Tochter ist – selbst als Präsident der USA. “He is a classless graceless shameless barbarian” erklärt sie gegenüber ihren alten Freundinnen, die sie auffordert, die Kampagne ihrer Tochter finanziell zu unterstützen: “I hope he dies.”

Die beiden schwierigen Frauen kommen sich im Angesicht des Todes wieder näher – am Ende bittet die Mutter Claire, sie mit einer Überdosis Morphium zu erlösen, wohl wissend, dass der Zeitpunkt ihres Todes für Claires Karriere ausgesprochen günstig sein wird. Mit dabei ist auch der Schriftsteller Thomas Yates (Paul Sparks), der seinen Auftrag mit dem Buch über die Underwoods aus der dritten Staffel leider zu gut erledigt hat – so dass Frank die entlarvend ehrliche Analyse der Beziehung von Frank und Claire vor der Veröffentlichung stoppen musste: Er wollte schließlich Unterstützung für sich selbst und nicht für seine Frau, die Thomas als treibende Kraft hinter seinen Erfolgen erkannt hat.

 

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwi(Kim Dickens), Vicot Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

House of Cards 4: Jackie Sharp (Molly Parker), Seth Grayson (Derek Cecil), Robin Wright (Claire Hale Underwood), Francis Underwood (Kevin Spacey), Kate Baldwin (Kim Dickens), Victor Petrov (Lars Mikkelsen), Remy Danton (Mahershala Ali)

Elizabeth mag Thomas und findet, dass er eigentlich ein besserer Partner für Claire gewesen wäre. Claire beginnt eine Affäre mit Thomas – aber kehrt am Ende doch wieder zu Frank zurück, weil nur Frank ihr dabei helfen kann, ihr Ziel zu erreichen: Vizepräsidentin zu werden. Genau diese Position wollte Frank ihr eigentlich nicht zugestehen: Sie hätte das nicht verdient, weil sie nicht wisse, wie es ist, um alles kämpfen zu müssen, brüllte er noch einige Folgen zuvor. Inzwischen ist aber klar, dass Claire die einzig realistische Option ist, denn nur sie ist in der Lage und Willens, diesen Job wirklich gut zu erledigen. Sowohl Blythe als auch Durant haben sich als schwächere Kandidaten als Claire erwiesen. Und so booten Frank und Claire als eingespieltes Gespann sämtliche Gegenkandidaten aus, um gemeinsam nominiert zu werden.

Doch, das hat großen Spaß gemacht und es gibt ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus den Staffeln zuvor – mich hat gefreut, dass etwa Freddy Hayes (Reg E. Cathay) die Gelegenheit bekommt, mit Frank abzurechnen: Als der ihm sagt, wie sehr er seine Spareribs vermisst, und ob er die mal wieder für ihn zubereiten könnte, erklärt Freddy, der wegen Frank sein Restaurant verloren hat, aber nun als Gärtner für das Weiße Haus arbeitet, dass er etwas anderes vorhabe – er habe ein Jobangebot in einem Blumenladen. Und Frank solle endlich aufhören, ihr Verhältnis immer nur so zu sehen, dass Freddy tun müsse, was Frank wünsche. Der genervte Freddy kündigt dem Präsident der Vereinigten Staaten den Job und die Gefolgschaft – so einen inneren Reichsparteitag (Achtung: ironische Metapher) können sich die meisten Menschen nicht leisten.

Und mir hat auch gefallen, dass der ehemalige Chefredakteur des Washington Herald, der auch Chef des verzweifelten Lucas Goodwin war, nun als Privatmann wieder recherchiert – einmal Journalist, immer Journalist. Natürlich ist an den Geschichten von Lucas Goodwin etwas dran. Und ausgerechnet Heather Dunbar setzt ihn auch noch auf die richtige Fährte – ich bin gespannt auf Staffel 5.

Berlin Babylon: Gereon Rath wird Fernsehkommissar!

Wie schrieb ich doch gleich in meinem Beitrag vom ersten September?

Ich schlage hiermit vor, endlich mal die Krimis des leider viel zu früh verstorbenen Jakob Arjouni zu verfilmen – die Kayankaya-Romane hätten es wirklich verdient. Oder die Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher, die im Berlin der Weimarer Republik spielen. Gut, das ist ausstattungstechnisch natürlich wieder ein bisschen anspruchsvoller, aber für Schmozetten wie „Das Adlon“ hat das deutsche Fernsehen das ja auch hingekriegt. Wenns drauf ankommt, ist schon immer erstaunlich viel Geld da. Macht doch einfach mal was draus!

Manchmal werden Wünsche tatsächlich erfüllt, gestern machte die Meldung die Runde, dass die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher tatsächlich verfilmt werden sollen! Das Serienprojekt heißt „Babylon Berlin“, das Konzept haben Tom Tykwer, Hendrik Handloegten, Achim von Boris und Stefan Arndt entwickelt. Tom Tykwer wird auch Regie führen. Die deutschsprachige, international finanzierte TV-Serie soll ab ist für Mitte 2015 gedreht werden. Ist das aufregend!

Berlin, Stresemannstraße bei Nacht

Berlin, Stresemannstraße bei Nacht, Bild hab ich von der Seite http://www.gereonrath.de/

Das kann endlich mal wieder ein anständiges deutsches Serien-Projekt werden – Tom Tykwer hat ja schon richtig gute Filme gemacht, ich sage nur Winterschläfer oder Cloud Atlas. Lola rennt oder The International fand ich auch okay, aber eben nicht so dermaßen wahnsinnig supertoll. Hoffentlich geht das gut – das Berlin der 20er Jahre ist natürlich schon eine großartige Kulisse, wobei das ja auch schief gehen kann.

Aber Tom Tykwer verspricht ja, das es gut gehen wird:

‚Babylon Berlin‘ ist ein breit angelegter, facetten- und figurenreicher Polizeifilm in historischem Kontext, der auf verblüffende Weise die deutsche und europäische Gegenwart spiegelt. Genrekino, epischer Atem und politische Spurensuche finden in diesem detailliert recherchierten und packenden Stoff auf einzigartige Weise zusammen. Toll, dass wir die Chance bekommen, in dieser innovativen Erzählform ein so faszinierendes Projekt zu entwickeln. Ich hoffe auf viele spektakuläre Staffeln!

Ich auch!!!