Alle Himmel sind gleich – aber manche sind gleicher

Das ZDF wollte mal wieder Geschichte schreiben – und weil die jüngere deutsche Geschichte vor allem eine Geschichte über die deutsche Teilung ist, geht es in dem ZDF-Dreiteiler Der gleiche Himmel um Stasispione und ihre ebenso weiblichen wie westlichen Zielpersonen, denen sie Geheimnisse über die militärische und politische Lage des feindlichen Lagers entlocken sollen. Und darum, dass es im Westen halt schöner, bunter und in jeder Beziehung besser war als im grauen, freudlosen Osten. In dem zwar keiner Not leiden, aber dafür alle den Mund halten mussten. Und um ein dunkle west-östliche Familiengeschichte, die ebenso gnadenlos überkonsturiert wie absurd ist. Doch eins nach dem anderen.

Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich nicht, wie sonst oft das Bedürfnis, nach zehn Minuten anzuschalten bzw. das Programm zu wechseln. Was aber nicht daran lag, dass das ZDF plötzlich die Kurve gekriegt hätte und auf einmal Mehrteiler produzieren würde, die tief, subtil und überraschend gut wären. Ich würde es eher mit Faszination des Grauens überschreiben, denn Der gleiche Himmel bietet genau die Holzhammer-Kost, die man von diesem Sender gewohnt ist. Natürlich konnte ich mir nicht alle drei Teile am Stück reinziehen, sondern immer nur einen pro Abend, aber das war ganz gut auszuhalten, schon weil sich das deutsche Fernsehen immer dermaßen viel Mühe mit der Ausstattung gibt – die 70er Jahre sahen tatsächlich ungefähr so aus wie jetzt im Fernsehen. Ich weiß das, denn 1974, dem Jahr, in dem die Agentenoper spielt, bin ich in die erste Klasse gekommen. In der BRD allerdings, also da, wo die Leute VW-Käfer, R4 oder Mercedes fuhren, nicht in Trabbi-Land.

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Friederike Echt), Lars Weber (Tom Schilling) Laure Faber (Sofia Helen) Ralf Müller (Ben Becker) Bild: zdf

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Friederike Becht), Lars Weber (Tom Schilling) Laure Faber (Sofia Helen) Ralf Müller (Ben Becker) Bild: zdf

Der Anfang der Handlung so holzhammermäßig, dass es schon fast Richtung Satire geht, und da bin ich ja gleich dabei. Leider ging es nicht so lustig weiter. Aber wenn der Stasiausbilder seinen Stasischülern, die alle brav wie Erstklässler an ihren hölzernen Pulten sitzen, erklärt, wie eine Frau tickt, präziser: Wie das weibliche Hirn funktioniert, dann weiß er, wovon er spricht. Denn die Frauen werden sich später netterweise genau an dieses Drehbuch halten, womit die Mission des aufstrebenden Stasischülers dann irgendwie auch erfolgreich ist, wobei mir gerade auffällt, dass für die Geschichte erstaunlich egal ist, was da an Informationen eigentlich abgeschöpft werden soll.

Aber zurück auf die Schulbank für angehende Ost-Spione. Gute Sozialisten wissen: Frauen haben durchaus ein Gehirn! Aber auch die bestausgebildetsten Datenanalystinnen der westlichen Welt sind eben Frauen. Und die werden, so ist das bei Frauen nun einmal,  von ihren Emotionen gesteuert, also rechte Hirnhälfte, die wiederum für das linke Auge zuständig ist. Über das linke Auge der jeweiligen Frau hat der findige Romeo-Agent quasi den direkten Zugriff auf das westliche Datencenter. Jetzt gilt es also nur noch die richtigen Passwörter zu finden, mit denen die jeweilige Alte zu knacken ist.

Das ist tatsächlich so schlecht, dass es schon wieder gut ist, nur ist dieser Scheiß kein Privileg sozialistischer Ideologie, auch die Westler befleißigen sich bis heute idiotischer Modelle aller Art, um die Welt zu erklären und zu beherrschen – aber ich schweife schon wieder ab. Tatsächlich habe ich mit das alles auch deshalb angesehen, weil ich Tom Schilling als Schauspieler wirklich gut finde, auch wenn ich ihn für diese Rolle inzwischen doch zu alt fand – aber, wie er als Agent erklärt: „Vielleicht bin ich eine alte Seele.“ Wie ein 25jähriger sieht er tatsächlich nicht mehr aus.

Der erste Schritt für Lars Weber (Tom Schilling) ist getan: Er hat seine

Der erste Schritt für Lars Weber (Tom Schilling) ist getan: Er hat seine „West-Wohnung“ bezogen. Wird er seinen Auftrag erfolgreich abschließen können? Bild: zdf

Und ich mag auch Sofia Helin, die seine Zielperson Lauren Faber spielt. Als leicht autistische Kommissarin hat sie mir in Die Brücke wirklich gut gefallen. Natürlich ist sie auch als Lauren Faber überzeugend – eine alleinerziehende Mutter eines 17jährigen, ziemlich missratenen Sohnes, die für den britischen Geheimdienst arbeitet. Der sie wiederum auf dem Teufelsberg einsetzt, einer US-Abhörstation in Westberlin, mit der die NSA nicht nur den Osten, sondern auch den Westen belauscht.

Für ihre Figur haben sich die Serienmacher wenigstens eine halbwegs glaubhafte Legende ausgedacht – Lauren ist schwedisch-britischer Herkunft und hat einen Deutschen geheiratet. Das erklärt, warum sie sowohl perfekt Englisch, als auch Deutsch spricht – Deutsch allerdings mit leichtem schwedischen Akzent. Ihr Mann hat sie aber mit dem Kind sitzen lassen und sich wieder nach Westdeutschland verdrückt, ihr Sohn pubertiert wüst vor sich hin.

Lauren macht ihren Job natürlich gut, sie ist erfahren, umsichtig und pflichtbewusst – genau deshalb fühlt sie sich als Mutter als Versagerin. Was ihr Sohn natürlich ausnutzt: Er beklaut sein Mutter und verkifft das Geld, hört gern laut Musik und sperrt sich in sein Zimmer ein, das mit RAF-Fahndungsplakaten geschmückt ist – ziemlich normaler 70er-Jahre-Teenie würd ich mal sagen, aber für eine Frau wie Lauren ist das alles wirklich schlimm. Zumal sie ziemlich einsam ist: Außer ihrer jungen Kollegin Sabine Cutter (Frederike Becht) hat sie eigentlich niemand, mit dem sie reden oder sonst irgendwas unternehmen kann. Ein ideales Opfer also für Romeo-Agenten Lars Weber.

Der gleiche Himmel: Lauren (Sofia Helin) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Der gleiche Himmel: Lauren (Sofia Helin) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Aber die Sache läuft aus dem Ruder – Lauren überlebt die Mission nicht. Und Lars wird jetzt auf Sabine angesetzt, die ihm von Anfang an viel besser gefallen hat als die deutlich ältere und weniger attraktive Lauren, die aber genau deshalb ja auch das leichtere Opfer war. Aber Sabine ist praktischerweise die Adoptiv-Tochter eines ranghohen NSA-Offiziers, der mit einer Deutschen verheiratet ist – vermutlich ist das auch der Grund, warum die vergleichsweise junge Sabine schon so einen verantwortungsvollen Job hat. Sie ist das weibliche, westliche Gegenstück zum Erfolgsossi Lars Weber – ja, und es ist tatsächlich so, wie man jetzt ahnen soll, aber wünscht, dass es eine andere Erklärung geben möge:  Immer wieder wird ein Bild von einer Frau gezeigt, die zwei Säuglinge im Arm hält.

Sowohl in der Plattenbau-Wohnung, die Lars mit seinem Vater Gregor (Jörg Schüttauf) teilt, der ebenfalls bei der Stasi ist, aber sich damit begnügt die Nachbarschaft zu überwachen, als auch in der Villa der Familie Cutter gibt es dieses einen Abzug dieses Fotos. Dagmar Cutter (Claudia Michelsen) ist also Lars’ Mutter, die damals in den Westen abgehauen ist und von der Lars nichts weiß, genau wie er auch nichts von einer Zwillingsschwester weiß. Und Vater Gregor ist zwar der einzige, der von Lars geheimer Mission weiß, aber er weiß offensichtlich auch nicht viel mehr. Dafür ist Gregor der Prototyp des überzeugten Sozialisten, der an den Sieg der guten Sache glaubt und seinen Sohn zu einem guten Staatsbürger erzogen hat – deshalb macht er ja auch den Blockwart (dafür hängt er sich auch gut sichtbar einen großen Feldstecher um den Hals – die Leute sollen durchaus sehen, was er tut) und ermahnt die Menschen, sich nicht vom Westfernsehen verblenden zu lassen. Und er päppelt liebevoll ein Vögelchen auf, das sich den Flügel verletzt hat – schaut ihm aber doch recht nachdenklich hinterher, als es davon fliegt.

Der gleiche Himmel: Gregor Weber (Jörg Schütthauf) Bild: zdf

Der gleiche Himmel: Gregor Weber (Jörg Schütthauf) Bild: zdf

Einerseits ist die Geschichte nicht wirklich schlecht. Wobei die Komplexität dann doch wieder arg gekünstelt ist: Weil Der gleiche Himmel ja mehr sein soll als ein einfach nur weiterer Agententhriller, wird ein Panorama der Zeit aufgespannt – was eigentlich eine gute Idee ist, 1974 war ein interessantes Jahr. Schon wegen der Fußball-WM, in der die DDR die BRD zwar besiegte, die BRD aber trotzdem Weltmeister wurde.

Genau das ist ja das Thema:  Der Osten hat zwar ab und zu mit ach und krach einen Punkt gegen den Westen geholt – aber im Prinzip ist der Westen eben hoffnungslos überlegen, egal wie die Ossis sich abzappeln. Sie haben halt auf das falsche System gesetzt und das wird auch hier wieder ausgiebig in Filmform zelebriert. Einmal mehr wird all das gezeigt, was im Osten so richtig schlecht war: Die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung  – was an der DDR zwar ununterbrochen kritisiert wird, im Westen aber, wenn man die Zeichen richtig deutet, ja endlich mal hoffähig werden soll, nur dass es jetzt nicht die Stasi oder der KBG ist, die alle unsere Daten sammeln und auswerten, sondern gute kapitalistische Großkonzerne wie Google, Facebook und Amazon. Deshalb gibt es in Der gleiche Himmel auch die ganzen anderen hässlichen Sachen, Romeo-Agenten für den Westen, Doping von Staats wegen, Fahnenappell und Fahnenflucht, in diesem Fall eine versuchte Republikflucht durch den Bau eines Tunnels vom Osten in den Westen.

Schon irre, was sich die Menschen einfallen lassen, um in den vermeintlich goldenen Westen zu gelangen. In dem aber auch nur mit Wasser gekocht wird – zumindest einer der Agenten sieht das so, der herrlich schmierige, kettenrauchende und Junk-Food fressende Macho Ralf Müller (Ben Becker), der zwar Westberliner ist, aber für die Stasi arbeitet. Weil er halt irgendwie so eine subversive Ader hat, wie er Lars erklärt, als der ihn danach fragt. Besonders nachvollziehbar ist das zwar nicht, aber einer muss den Job ja machen.

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Frederike Echt) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Der gleiche Himmel: Sabine Cutter (Frederike Becht) und Lars (Tom Schilling) Bild: zfd

Andere legen sich lieber krumm oder animieren ihre Kinder, das zu tun – etwa die ehrgeizige Gita Weber (Anja Kling), die Frau von Gregors Bruder Conrad (Godehard Giese), die im Plattenbau gleich nebenan wohnen. Mutter Gita ist so stolz auf ihre Töchter – die ältere soll Medizin studieren, die jüngere, Klara (Stefanie Amarell), schafft die Aufnahme in den Olympia-Kader der Schwimmerinnen. Dort bekommen die Mädchen von ihrem fiesen Trainer Doping-Medikamente, die sie zwar schneller machen, von denen ihnen aber auch Haare auf der Brust wachsen. Aber das Training ist Trainer-Sache, das wird den vielleicht dann doch besorgten Eltern eingetrichtert. Um die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren braucht es eben Opferbereitschaft und Goldmedallien.

Ich finde solche Methoden absolut nicht okay und total kritikwürdig – aber interessanterweise ist das Doping-Problem im Leistungssport mit dem Zerfall des Ostblocks nicht verschwunden, es dopen ja bekannterweise auch Athleten des freiheitlichen Westens, nur vermutlich nicht, weil der Trainer es empfiehlt, sondern aufgrund ihrer frei getroffenen Entscheidung, besser als die anderen sein zu wollen. Das ist natürlich etwas ganz anders. Obwohl, das kann und muss man der DDR ankreiden, sie war ja der Staat, der es doch eigentlich besser machen wollte als die auf Ausbeutung abzielenden Kapitalisten, um die Konkurrenz der Einzelnen untereinander zugunsten einer Orientierung auf das Gemeinwohl abzuschaffen. Epic Fail heißt ein solche Versagen heutzutage wohl – in dieser Hinsicht war die DDR tatsächlich ein Failed State. Und überhaupt: Wenn ein Staat glaubt, seine Bürger einsperren zu müssen, damit sie ihm nicht weglaufen und dann nicht selbstkritisch genug ist, zu analysieren warum das der Fall ist und wie man das abstellen kann, dann verdient er eben auch nichts anderes. Das blöde ist nur, dass wir heute keine überhaupt keine Alternative mehr haben.

Axel Lang (Hannes Wegener, r.) erklärt seinen Schülern im Physikunterricht die Auftriebskräfte. Bild: zdf

Axel Lang (Hannes Wegener, r.) erklärt seinen Schülern im Physikunterricht die Auftriebskräfte. Bild: zdf

Und das merkt man eben auch dieser Produktion an: Sie bebildert im Grunde dieses ganze alternativlose Weiter so!, das in Deutschland seit der Jahrtausendwende die Maxime deutscher Politik und damit irgendwie auch gesellschaftlich relevante Handlungsanweisung für uns alle ist. Durch die Demontage wichtiger sozialer Errungenschaften in Ost UND West wurde Deutschland für den Weltmarkt und die Weltpolitik zugerichtet, wir sind wieder wer, nicht nur Fußball- sondern auch Exportweltmeister, verlässlicher NATO-Partner und informelle Führungskraft der EU. Und es ist eigentlich egal, wie „wir“ das geschafft haben – Hauptsache, es geht irgendwie so weiter. Genau so funktioniert das Drehbuch dieser Geschichte hier.

Und da drängen sich Fragen auf, etwa: Wozu das alles, wenn es den meisten Menschen im Lande damit gar nicht gut geht? Der aktuelle Armutbericht der Bundesregierung war ja wieder so desillusionierend, dass er umfassend frisiert werden musste, damit die dafür zuständige SPD-Ministerin damit noch irgendwie leben kann. Interessant natürlich, dass genau dieses Gefühl wieder nur anhand der üblichen Klischees über die untergegangenen DDR gezeigt wird, während im Westen zwar nicht alles gut, aber doch vieles besser ist. Weil es hier Kapitalismus, also Freiheit und Demokratie gibt. Wobei, die DDR hat das „Demokratisch“ sogar in ihrem Namen. Aber das war die falsche Sorte Demokratie, die nämlich ohne Alternative. Oder habe ich da was verwechselt?

Immerhin wird angedeutet dass die NSA mit ihren schicken Lauschantennen auf dem Teufelsberg auch ihre westlichen Verbündeten abhört – auch die Amis verlassen sich auf ihren Lenin: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Da sind sich letztlich Stasi-Agent Lars und NSA-Vater Cutter gar nicht so unähnlich. Aber das ist eben auch wieder ein Beispiel für die allgemeine Beliebigkeit an der die ganze Sache krankt: Die Motivation der Charaktere ist jeweils mehr als schematisch. Wir haben den guten Sozialisten Gregor, die verzweifelt um Anerkennung ringende kleine Schwester einer erfolgreichen älteren Tochter und eine auf materielle Vergünstigungen geifernde Mama. Ach ja, einen schwulen Ossi-Lehrer und dessen ebenso schwulen, aber weniger coolen dicken Freund haben wir auch noch, dazu noch ein paar Verschwörer, die abhauen wollen und einen schwulen Ausländer, der irgendwie auf schwule Ossis steht und einfach nur helfen will, aber missverstanden wird.

Klara Weber (Stephanie Amarell, l.), Gita Weber (Anja Kling, M.) und Juliane Weber (Muriel Wimmer, r.) Bild: zdf

Klara Weber (Stephanie Amarell, l.), Gita Weber (Anja Kling, M.) und Juliane Weber (Muriel Wimmer, r.) Bild: zdf

Aber was ist mit den Hauptfiguren? Warum tut Lars das, was er tut? Einerseits wird in dem, was er vor sich hinfaselt, ja eine gewisse Tiefe angedeutet, aber dann entpuppt er sich doch immer wieder als gnadenloser Opportunist, der seine Erfolge genießt und erstaunlich wenig darunter leidet, dass seine erste Zielperson einen frühen und rätselhaften Tod stirbt. Aber dafür kriegt er ja dann auch die schnittige Sabine. Was noch irgendwie okay gehen würde, wenn sie nicht seine Schwester wäre.

Es ist ja nicht so, dass ich gewagte Plotwists prinzipiell ablehnen würde. Elliot Anderson kann sich in Mr. Robot ja auch nicht an seine Schwester Darlene erinnern – die sich aber schon an ihren verrückten Bruder, der halt immer mal wieder wichtige Dinge vergisst. Letztlich erklärt diese Sache ja auch, WIE verrückt Elliott ist und ist insofern wichtig für die Handlung an sich. Aber in Der gleiche Himmel sehe ich das nicht – Lars ist nicht verrückt, er ist einfach gut in seinem Job, und er könnte jede Frau rumkriegen. Warum dann also seine Schwester? Um auszudrücken wie pervers das alles mit der Mauer war? DAS wissen wir doch ohnehin.

Trotzdem liegt Mauerbau im Trend. Liebes ZDF, mach doch mal was Perverses über die USA. Mit Mauer, Sex und NSA. Sollte so schwierig nicht sein.

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Arn, der Kreuzritter: Schweden in Farbe

Ich komme nicht weg von den Roman-Trilogien, dieses Mal wieder schwedisch: Allerdings kommt Arn – Der Kreuzritter als sechsteilige Miniserie. Es handelt sich um die Verfilmung einer Roman-Trilogie des schwedischen Schriftstellers Jan Guillou, die ursprünglich in zwei Spielfilmen angelegt war, dann aber auf Miniserienformat von sechs Teilen mit jeweils 45 Minuten umgeschnitten wurde.

Dieses Historiendrama ist eine der teuersten Produktionen der schwedischen Filmindustrie, denn die Bücher über den Tempelritter Arn erreichten in Schweden schnell Kultstatus. Arn Magnusson spielte wohl historisch tatsächlich eine wichtige Rolle für die schwedische Reichsgründung im Hochmittelalter. Weil es sich also um so etwas wie ein Nationalepos handelt, machen auch eine Menge bekannter schwedischer Stars mit, etwa Sofia Helin, die Kommissarin Saga aus Die Brücke, die beiden Universal-Haudegen Mikael Nyqvist und Stellan Skarsgård, Gustaf Skarsgård ist als König Knut mit dabei, und auch Bill Skarsgård taucht als Sohn und Nachfolger von Knut auf, wie auch Joel Kinnaman als Sverker Karlsson, gegen den Arn (Joakim Nätterquist) seine letzte Schlacht gewinnen muss. Gut gefiel mir auch Milind Soman als Saladin.

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist)

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist) -Screenshot


Arn - der Mönch kann kämpfen

Arn (Joakim Nätterqvist): Zum Erstaunen aller kann der Mönch kämpfen – Screenshot

Arn Magnusson wächst als Sohn einer einflussreichen Familie der Folkunger in Västergötland auf. Als er nach einem Unfall zu sterben droht, geloben seine Eltern, ihn ins Kloster zu geben, falls Gott ihren Sohn rettet. Das Wunder geschieht – Arn wird wieder gesund. Schweren Herzens müssen seine Eltern nun ihr Gelübde einlösen und geben Arn in ein Zisterzienser-Kloster. Dort wird der Junge von Bruder Guilbert ausgebildet, der selbst als Tempelritter im Heiligen Land gekämpft hat. Es stellt sich heraus, dass Arn ein begabter Junge ist, er lernt nicht nur schnell lesen, schreiben und Latein, sondern ist auch ein sehr guter Kämpfer. Bruder Guilbert und Pater Henry, der Abt des Klosters, erkennen schließlich, dass Arn kein guter Priester, dafür aber ein guter Krieger werden wird und lassen ihn als jungen Mann wieder nach Hause. Das ist eine gute Entscheidung, denn in seiner Heimat hat sich der Konflikt mit den verfeindeten Sverkern zugespitzt, so dass seine Kampfkünste dort bald dringend benötigt werden.

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin)

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin) – Screenshot


Arn und sein Pferd Chamsin

Arn: Auch sein Pferd Chamsin sieht gut aus – Screenshot

Aber keine gute Geschichte ohne unlösbaren Konflikt: Arn verliebt sich in die schöne Cecilia. Deren Vater hat aber zwei Töchter, von denen nur eine heiraten kann, die andere muss ins Kloster. Cecilias Schwester Katarina hat ebenfalls ein Auge auf Arn geworfen, der lässt sie aber abblitzen. Als Cecilia ihrer Schwester anvertraut, dass sie von Arn schwanger ist, verrät Katarina sie an die Oberin des Klosters, in dem die beiden Mädchen abwechseln erzogen wurden. Riesenskandal, vor allem, da Katarina behauptet Arn habe auch mit ihr geschlafen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Arn und Cecilia werden hart bestraft, weil sich Arn gerade auf die Seite von Knut geschlagen hat, den Sohn von König Erik, den die Sverker einige Jahre zuvor erschlagen hatten. Knut ist aus Norwegen zurückgekehrt, um sich seine Krone zurückzuholen. Als er loszieht, um den Mörder seines Vaters zu töten, ist Arn dabei, der hofft, dass er Cecilia heiraten kann, wenn sein alter Freund Knut erst einmal König ist und entsprechenden Einfluss hat. Knut kann ihm allerdings nicht helfen, im Gegenteil, die Kirche steht unter Einfluss der Sverker. Deshalb wird Arn aus dem Weg geräumt, in dem er für 20 Jahre als Tempelritter im Heiligen Land dienen muss, Cecilia wird für die nächsten 20 Jahre ins Kloster gesperrt.

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn als guter Ritter fügt sich in sein Schicksal und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, wo er als guter Kämpfer natürlich auch sehr willkommen ist. Allerdings lernt Arn auch Arabisch und studiert den Koran, er ist halt ein kluger Mann. Als er einem arabischen Edelmann, der von Räubern überfallen wird, das Leben rettet, erfährt er, dass es sich um niemanden andern als den gefürchteten Sultan Saladin handelt, den erbitterten Gegner der Tempelritter. Saladin ist sowohl von der Ritterlichkeit als auch von der Gelehrsamkeit dieses Al Gouthi, wie Arn bei den Arabern genannt wird, so beeindruckt, dass er ihn ebenfalls mit höchstem Respekt behandelt und ihm später ebenfalls das Leben retten wird.

Birger und Knut - im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Birger und Knut – im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Zuhause in Schweden ergeht es Cecilia weniger gut, die Äbtissin des Klosters nimmt ihr nicht nur das Kind gleich nach der Geburt weg, sondern misshandelt sie so sehr, dass der Bischof einschreiten muss, weil Knut inzwischen König ist und es möglicherweise nicht gut aussehen würde, wenn Cecilia in Obhut des Klosters umkäme. Etwas besser wird es, als Blanca im Kloster auftaucht. Blanca wird ebenfalls schikaniert, aber Cecilia hat eine Verbündete. Blanca ist die künftige Königin, die Knut im Kloster in Sicherheit gebracht hat, bis seine Macht gefestigt ist und er sie heiraten kann. Das geschieht auch bald, allerdings haben Knut und Blanca nicht die Macht, Cecilia vor dem Ende ihrer 20 jährigen Strafe zu erlösen, denn die Kirche ist mächtiger. Außerdem weigert sich Cecilia, einen anderen als Arn zu heiraten, auf den sie noch immer wartet.

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn hat unterdessen nicht nur mit Feinden der Christenheit, sondern auch mit einem neuen Großmeister zu kämpfen, der ihn nicht, wie sein Vorgänger, nach allen Verdiensten in Kampf um das Heiligen Land in Ehren entlassen will, sondern ihn zwingt, mit ihm in eine aussichtslose Schlacht zu ziehen. Dabei werden die Tempelritter vernichtend geschlagen, Arn überlebt nur knapp, weil Saladin ihn findet und ihn gesund pflegen lässt. Der neue Herrscher in Jerusalem finanziert schließlich auch die Rückkehr seines geschätzten Feindes in dessen Heimat.

Arn ( Joakim Nätterqvist)  in Aktion

Arn ( Joakim Nätterqvist) in Aktion – Screenshot

Natürlich gibt es noch die eine oder andere Verwicklung, aber am Ende kann Arn endlich seine geliebte Cecilia wieder in die Arme schließen, obwohl sie erst kurz zuvor erfahren musste, dass sämtliche Kreuzritter umgekommen seien. Am Leben hielt sie eigentlich nur die gute Nachricht, dass ihr Sohn lebt und bei Birger Brosa aufwächst, einem einflussreichen Mann, der ein guter Freund von Arns Vater ist. Jetzt ist Arn wieder da, die beiden können endlich heiraten und bekommen sogar noch eine Tochter. Allerdings stirbt Knut und die Sverker wollen die Krone zurück. Zwar gelingt es Birger Brosa, als Kompromiss auszuhandeln, dass Sverker Karlsson König wird, wenn er Knuds Sohn Erik als Thronfolger akzeptiert, aber es dauert nicht lange, bis sich heraus stellt, dass Sverker nicht die Absicht hat, sich an diese Abmachung zu halten und versucht, Knud Söhne aus dem Weg zu räumen. Arn muss also einmal wieder kämpfen, jetzt gegen Sverker Karlsson und die mit ihm verbündeten Dänen.

Erik (Bill Skarsgård) will Rache - Arn plädiert für Frieden

Erik (Bill Skarsgård) will Rache – Arn plädiert für Frieden

Trotz der dramatischen zahlenmäßigen Unterlegenheit gelingt es den Folkungern, die Sverker zu schlagen. Vor allem schafft Arn es, Erik davon abzuhalten, Sverker Karlsson zu töten, und damit nicht nur die Kette der ständigen Rachemorde zu durchbrechen, sondern auch einen Grundstein für die kurze Zeit später erfolgte Einigung des schwedischen Reiches zu legen. Allerdings wird Arn selbst bei den Kämpfen so schwer verwundet, dass er es zwar noch schafft, wie versprochen zu Cecilia heimkehren, aber dann stirbt.

Sverker Karlsson ist geschlagen

Sverker Karlsson ist geschlagen

Alles in allem also ein opulentes Historiendrama, das sich hervorragend eignet, einen regnerischen Karfreitag interessant zu gestalten. Es geht alles in allem weniger um die Kreuzzüge und die Schlacht um Jerusalem, als um schwedische Geschichte – wobei ich nicht sagen kann, wie gut die historischen Bezüge dargestellt wurden. Allerdings gibt es bei Ereignissen, die so lange her sind, ohnehin niemanden mehr, der mit Gewissheit sagen kann, wie es sich denn nun wirklich zugetragen hat.

Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass Arn und vor allem Cecilia in den zwanzig Jahren ewigen Wartens kaum altern – mit Ende Dreißig sahen die Menschen im Mittelalter nicht mehr so frisch aus wie heute im gleichen Alter. Der einzige, der realistisch altert, ist König Knut. Aber geschenkt, alles in allem fand ich Arn weit weniger ärgerlich als die fürs deutsche Fernsehen üblichen Historiendramen à la Wanderhure. Und die ganze Riege der schwedischen Großdarsteller mal nicht im üblichen skandinavischen Krimi-Anthrazit, sondern in opulenten Farben und auch mal in Rüstung – das ist absolut sehenswert.

Die Folkskunger nach der Schlacht.

Die Folkunger nach der Schlacht.

Die Brücke – Transit in den Tod Staffel 2:

Nach dem ich als echter Die-Brücke-Fan ja nicht nur das Original, sondern sämtliche Remakes (The Bridge – America bzw. The Tunnel) gesehen habe, freue ich mich jetzt natürlich sehr, dass es endlich wieder los geht: Die zweite Staffel der dänisch-schwedischen Krimi-Serie läuft endlich im ZDF. Und auch dieses Mal ist die spektakulär lange Öresund-Brücke, die Kopenhagen und Malmö verbindet, der Ort, an dem das Verbrechen seinen Anfang nimmt.

Und das, nachdem dieses eigentlich sehr triste Ding, das nichts als eine lange Straße bzw. Schienenstrecke über die Ostsee ist, der Ort war, an dem nicht nur das rätselhafte erste Verbrechen der ersten Staffel inszeniert wurde, sondern auch das letzte Verbrechen des fanatischen Täters scheiterte: Der dänische Kommissar Martin Rohde (Kim Bodnia) sollte die Geisel erschießen, um das Leben seines Sohnes zu retten. Aber der Wahrheitsterrorist log: August war schon tot. Und die schwedische Kommissarin Saga Norén (Sofia Helin), die das als einzige schon wusste, streckte Martin nieder, um zu verhindern, dass er zum Mörder würde.

Screenshot Die Brücke 2: Sage weiß, dass mehr dran ist

Screenshot Die Brücke 2: Sage weiß, dass mehr dran ist

Ein Jahr und einen Monat später läuft ein Frachtschiff gegen einen Pfeiler der Brücke. An Bord sind fünf junge Menschen, angekettet im Laderaum und in gesundheitlich schlechtem Zustand. Weil zwei der Jugendlichen aus Dänemark stammen, setzt Saga sich in ihren alten Porsche und fährt nach Kopenhagen. Sie ahnt, dass es sich um mehr als um einen Vermissten-Fall handelt und erinnert sich offenbar gern an die Zusammenarbeit mit Martin. Denn sie hätte ihn auch einfach anrufen können. Oder eine E-Mail schreiben. Aber zwischenmenschliche Kommunikation ist nicht so ihr Ding. Jedenfalls nicht so, wie andere kommunizieren würden.

Screenshot Die Brücke 2: Martin freut sich, Saga zu sehen.

Screenshot Die Brücke 2: Martin freut sich, Saga zu sehen.

Martin ist nach dem Tod seines Sohnes grau geworden, freut sich aber, Saga zu sehen. Und nicht nur das, er will ihr bei ihren Ermittlungen helfen. Man hat ihn nach dem schrecklichen Ereignissen im vergangenen Jahr auf einen ruhigen Posten versetzt, damit er sich erholen kann. Aber als Martin Saga sieht, wird ihm klar, dass er eigentlich viel lieber wieder ins richtige Leben zurück will. Er will nicht geschont werden, er will einfach wieder behandelt werden wie jeder andere auch, und genau das beginnt er, jetzt einzufordern. Und Sagas spröde Art hilft ihm dabei, auch wenn sie inzwischen versucht, Martins Ratschläge aus der ersten Staffel zu befolgen – was Martin natürlich merkt: „Nur weil Sie inzwischen das Lügen gelernt haben, heißt das nicht, dass Sie gut darin sind!“ quittiert er ihre nett gemeinten Versuche.

Screenshot Die Brücke 2: Saga und Martin in Aktion.

Screenshot Die Brücke 2: Saga und Martin in Aktion.

Aber der Fall lässt auch wenig Raum für Nettigkeiten: Eine Gruppe von Umweltterroristen hat die Jugendlichen auf dem Frachter mit Lungenpest infiziert und ist dabei, eine Menge Menschen zu vergiften: Menschen sterben nach dem Verzehr von unkorrekt produziertem Obst, von ökologisch zweifelhaften Riesengarnelen oder Rindfleisch. Alles, was eine schlechte Öko- und Korrektness-Bilanz hat, wird potenziell gefährlich. Keine Frage, das Ganze erinnert doch sehr an The East. Ich vermisse schon jetzt Figuren wie den Sozialarbeiter Stefan, der im Wunsch, den Schwachen und Benachteiligten zu helfen, zum Mörder wird oder den zwielichtigen karrieregeilen Journalisten Daniel.

Die Jungs und Mädels von der Ökoterror-Front haben mich noch nicht so richtig überzeugt – sie sind auch viel weniger nett zueinander als die Anarchos aus The East. Natürlich sind so richtige Terroristen, die über Leichen gehen, nie nette Menschen – aber hier wird ja nicht mal der Versuch gemacht, die Terroristen auch nur ambivalent zu zeichnen. Das ist schon ziemlich enttäuschend, obwohl ich durchaus guten Willens bin, mir anzusehen, wie es weiter geht.