Serien-Finale: True Blood trifft den wahren Tod

Mit der letzten Folge von True Blood ist diese Serie nun den wahren Tod gestorben. Und ich muss sagen, auch wenn es nicht so schlimm war wie mit der letzten Dexter-Staffel, so ist es nun auch wirklich gut, dass es jetzt vorbei ist und die Serie nicht ins Zombie-Reich übergeht, wo die eigentlich längst Toten den Lebenden auf die Nerven gehen.

Was nicht heißt, dass man keinen Spaß mehr gehabt hätte, nach dem doch ziemlich mühsamen Anfang gab es zwischen drin durchaus paar gelungene Folgen, bei denen wieder richtig Freude aufkam. Leider konnte der Rest der Staffel das Niveau der vierten Folge (Death is Not the End) nicht halten und die letzten beiden Folgen waren im Grunde das Erledigen von Dingen, die getan werden müssen, wenn man weiß, dass das Ende bevor steht.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Jason, Sookie und Bill.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Jason, Sookie und Bill.

Besonders ärgerlich finde ich allerdings, dass eben nicht alles erledigt wurde, wo man doch eigentlich gerade dabei war: Es gibt beispielsweise keine Erklärung (nicht einmal eine schlechte!) dafür, warum die Zuschauer am Ende der sechsten Staffel dabei zustehen mussten, wie Eric auf einem Schneefeld seiner schwedischen Heimat verbrannt ist, um ab Ende des zweiten Teils der siebten Staffel zwar als schwerkranker, aber wie sich herausstellen sollte, eigentlich noch quicklebendiger Vampir die Handlung der weiteren Staffel zu weiten Teilen an sich zu reißen.

Nicht, dass ich als Eric-Northman-/Alexander-Skarsgård-Fan etwas dagegen gehabt hätte, dass Eric nicht nur weiterhin an Bord ist sondern gemeinsam mit seinem brillanten Geschöpf Pamela Swynford De Beaufort auch noch zu neuer Hochform aufläuft. Die beiden sind an abgefeimter Coolness nicht zu überbieten – aber trotzdem wünsche ich mir schon etwas mehr Plausibilität, Logik oder schlicht: Ernsthaftigkeit von den Serienschreibern. Ja, okay, True Blood ist Satire, lustig und sowieso nicht ganz ernst gemeint. Aber das heißt nicht, dass ich einfach nur einen Gag nach dem anderen sehen will, True Blood meint es an anderen Stellen ja durchaus ernst und will damit auch ernst genommen werden. Aber dann erwarte ich eben auch als Zuschauer ernst genommen zu werden. Verarschen lassen will ich mich nicht – genau das machen die Serienmacher aber, weshalb die ernst gemeinten Szenen wo es um die großen Fragen von Leben und Tod geht, dann eben auch eher lächerlich rüberkommen, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass das nicht so gemeint war – schließlich habe ich auch Six Feet Under gesehen, Alan Balls bisheriges Hauptwerk über Leben und Tod, wenn man so will. Und das hatte einfach eine bessere Balance zwischen Satire, Spaß und Ernst. Da hat True Blood nicht immer die Kurve gekriegt, obwohl ich ja viele abgedrehte Gagasequenzen letztlich auch wieder cool fand.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Andy traut Jessicsa und Hoyt.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Andy traut Jessica und Hoyt.

Auch sonst ging vieles okay, wir erleben vor allem eine ganz neue Kill-Bill-Variante. Dieser Bill Compton ist gerade als Vampir ein dermaßen integrer Bursche, dass Sookie am Ende gar nicht anders kann, als seinen letzten Willen zu vollstrecken. Jedenfalls fast, denn auf ihre Feen-Qualitäten will sie am Ende doch nicht verzichten. Deshalb variiert sie Bills letzten Wunsch, von ihr mit ihrem Lichtball getötet zu werden (was sie ihrer Feenhaftigkeit beraubt hätte) in Bill mit einem abgebrochenen Schaufel-Stiel zu töten – weil er sich durch seine Sterblichkeit wieder menschlich fühlt. Und endlich wieder menschlich zu sein war das, was er sich immer gewünscht hat. Also tut Sookie ein mal mehr, was getan werden muss – darin ist sie inzwischen ohnehin unschlagbar. Bills Tod ist dann auch das letzte Blutbad dieser Serie. Zuvor hat Bill Sookie wissen lassen, wie sehr er sie liebt und dass er ihr deshalb ein normales Menschenleben wünscht – kraft seiner Gedanken während der Trauung von Jessica und Hoyt, die nach Hoyts Flucht nach Alaska dann doch wieder zueinander gefunden haben.

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Hier haben wir den romantischen Höhepunkt der letzten Folge, der gewissermaßen ganz zum Anfang der Serie zurück geht, denn dort hatten wir die Geschichte mit der blutjungen Vampirin Jessica, die Bill als Strafe dafür, dass er zugunsten eines Menschen (Sookie) einen Vampir getötet hatte, als junges, unschuldiges Mädchen in einen Vampir verwandeln musste, und dem nicht ganz so jungen, aber total unschuldigen Hoyt, der ausgerechnet mit der frisch verwandelten Jessica seiner ersten Liebe begegnet.

Screenshot True Blood 7 - Thank You.

Screenshot True Blood 7 – Thank You.

Gegen derartige Arabesken habe ich überhaupt nichts, im Gegenteil, solche Rückgriffe gefallen mir, auch wenn die Hochzeitsgeschichte dann doch etwas breit ausgewalzt wurde. Für meine Geschmack gab es insgesamt aber zu wenige davon. Das ist offenbar auch etwas, was wirklich herausragende Serien wie Breaking Bad von den eben auch ganz guten Serien wie True Blood unterscheidet: Während in Breaking Bad sehr viele merkwürdige Details im Verlauf der weiteren Handlung erklärt werden (auch wenn diese Erklärungen nicht unbedingt naheliegend sind, aber sonst müsste man ja auch nichts erklären) wird in True Blood nicht alles erklärt, leider auch das nicht, was dringend einer Erklärung bedürfte.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Pam und Eric

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Pam und Eric

Okay, Breaking Bad ist zwar keine Krimi-Serie im klassischen Sinne, aber handelt von Verbrechen und vor allem von Wissenschaft und zwar durchaus im forensischen Sinne, da würde Walter White sicherlich drauf bestehen. Insofern muss alles logisch zu erklären sein. Im Gegensatz dazu ist True Blood eine Serie mit Fantasy-Elementen, was ja quasi als Freibrief für unlogische Handlungssprünge genommen wird – aber wie gesagt: Eigentlich will die Serie ja ernst genommen werden. Und deshalb will ich schon wissen, warum Eric nicht gestorben ist, sondern sich nur mit Hep-V infiziert hat, was ja schlimm genug, aber eben keine Erklärung ist. Schade finde ich auch, dass etwa Lafayette gegen Ende praktisch nicht mehr vorkam, oder Andys Feen-Tochter Adilyn – was ist eigentlich aus ihr geworden? Und wie kommt Sam Merlotte jetzt klar, nachdem er Bon Temps für seine neue Familie verlassen hat? Fragen über Fragen. Andererseits muss man nicht alles wissen, und ich rechne es den Autoren an, dass es für Sookie und Bill kein Happyend gegeben hat – nach all dem, was die beiden durchgemacht haben, war ja völlig ausgeschlossen, dass sie noch miteinander glücklich werden können. Das übernehmen dafür so ziemlich alle anderen, sofern sie überlebt haben. Wobei: Heirat ist der Hauptgrund für spätere Scheidungen.

Bill hat Sookie ein normales Leben gewünscht und jedem bleibt selbst überlassen, was er oder sie sich darunter vorstellt. Das Leben in Bon Temps geht weiter. Und Eric und Pam machen mit New Blood das Geschäft ihres langen Vampirlebens – zumal sie ja mit Sarah Newlin noch ein As im Ärmel bzw. im Keller haben: Ein Schluck Blut direkt von der Quelle bringt gigantische Summen ein – so hat sich die gute Sarah ihr neues Leben als Noomi, Erlöserin aller kranken Vampire, gewiss nicht vorgestellt. Aber man legt sich halt besser nicht mit Eric und Pam an. Insofern finde ich es auch völlig okay, dass die letzte Runde an diese beiden Vampire geht – mit den anderen war ja eh nichts mehr los.

Screenshot True Blood 7 - Thank You. Eric macht Werbung für New Blood.

Screenshot True Blood 7 – Thank You. Eric macht Werbung für New Blood.

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