eps1.4_3xpl0its.wmv: Jede Menge neuer Fährten

Es ist wieder Donnerstag, also mein Mr. Robot-Tag und *hysterisch hüpf, händeklatsch und kreisch* – in eps1.4_3xpl0its.wmv passieren dermaßen viele schreckliche Dinge, dass ich mir das noch ein paar Mal ansehen werden muss, um es richtig zu genießen: Ohne Zweifel ein neuer Höhepunkt!!!

Natürlich findet jetzt der große Steel-Mountain-Hack statt. Und obwohl Elliot nun wirklich nicht der begabteste aller Superspione ist, schafft er es doch, gerade wegen seiner echten und deshalb total überzeugenden Nerdigkeit als eben der richtig wichtige IT-Millionär rüber zu kommen, als den fsociety ihn in dort einführt. Superidee von Mr. Robot (oder wem auch immer) – Elliot kann nun mal kein anderer sein als er selbst, um sich wirklich in jemanden anders einzufühlen, ist er einfach viel zu gestört. Technisch ist er ja total auf der Höhe, aber Social-Engineering-Skills kann man von einem depressiven Sozialphobiker auf Entzug nun wirklich nicht erwarten.

MR. ROBOT — „3xp10its.wmv“ Episode 105 — Pictured: (l-r) Christian Slater as Mr. Robot, Rami Malek as Elliot Alderson — (Photo by: David Giesbrecht/USA Network) via spoilerguide.com

Und auch die erschreckende Konfrontation mit Tyrell Wellick bringt ihn letztlich dorthin, wohin er sonst nicht gelangt wäre, weil sich niemand sonst mit der entsprechenden Sicherheitsfreigabe gefunden hat – und natürlich erweist sich als extrem günstig, dass Elliot, der vor Angst und wegen seines Entzugs kotzen muss, ganz dringend ein Klo sucht – hier findet er einen Zugang zum Datennetz, an den er seinen mitgebrachten Raspberry Pi hängen kann. Für Elliot läuft es also den Umständen entsprechend super – auch wenn Tyrell ihm eröffnet, dass ihm klar ist, dass es Elliot war, der Terry Colby ans Messer geliefert hat.

Screenshot Mr. Robot - Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström) treffen sich in Steel Mountain

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström) treffen sich in Steel Mountain

Aber Tyrell ist darüber nicht böse, im Gegenteil – nur dass er erstaunt ist, dass Elliot, der ja, genau wie er selbst, jemand ganz Besonderes ist, letztlich dann doch aus so einem primitiven menschlichen Gefühl wie Rache handelt – „…aber schließlich sind wir ja alle Menschen. Abgesehen von mir.“ Und so lässt er Elliot laufen – er weiß ja, dass Allsafe demnächst ohnehin dicht machen muss. Aber er wundert sich nicht auch besonders darüber, dass ausgerechnet Elliot für Allsafe nach Steel Mountain gekommen ist: „Du bist ein Perfektionist, genau wie ich.“

Und Tyrell ist ein Perfektionist, gemeinsam mit seiner Frau schleicht er sich bei dem künftigen CTO von Evil Corps ein – dem er anbietet, seine rechte Hand zu sein. Der ahnt zwar, dass Tyrell eine eigene Agenda hat, ist aber letztlich doch naiv. Auf die Frage, ob Tyrell etwa jemanden wie ihn selbst als rechte Hand einstellen würde, antwortet Tyrell: „Ich hätte ihn nicht mal in mein Haus gelassen!“ Jetzt weiß der geneigte Zuschauer, dass es ohnehin für alles zu spät ist – mit Tyrell Wellick werden wir weiterhin rechnen müssen, und darauf freue ich mich, nicht nur weil ich Martin Wallström wirklich gut finde.

Screenshot Mr. Robot - Elliot  (Rami Malek) ist ziemlich überfordert

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) ist ziemlich überfordert

Für Elliot braut sich noch ganz anderes Unheil zusammen: Dem Großdealer Fernando Vega gefällt es natürlich gar nicht im Knast zu sitzen, und er engagiert eine sehr gute Anwältin, die ihm klar macht, dass es absolut strunzendoof war, soziale Medien für seine geschäftlichen Verabredungen zu benutzen – die Bullen hätten sämtliche Chat-Protokolle und damit erdrückendes Beweismaterial. Ein einziger anonymer Tipp hätte genügt, um ihn ranzukriegen.

Tja, Pech für Elliot: Es gibt nur einen einzigen skurrilen Typ in ganz New York, der erstens keine Angst vor Vega hat, zweitens Shayla kennt UND gleichzeitig auch Suboxone gekauft hat. Also einer, der sehr schlau ist, der weiß, wer Vega ist und was er tut und der ein Interesse hat, ihn aus dem Weg zu räumen – wegen Shayla. Selbst dem nicht so wahnsinnig intelligenten Vega wird schnell klar, von wem dieser anonyme Tipp gekommen sein muss.

Screenshot Mr. Robot - Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und  Wobley (Azhar Khan) sind von der Entwicklung er Dinge nicht begeistert

Screenshot Mr. Robot – Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und Wobley (Azhar Khan) sind von der Entwicklung er Dinge nicht begeistert

Arme Shayla – sie muss sich jetzt nicht nur wegen Elliot in einem neuen Job versuchen – wobei sie es mit der ihr eigenen „Ich nehme es halt, wie es kommt“-Haltung ganz gut hinkriegt, als Kellnerin in einem merkwürdigen Country-Style-Restaurant anzuheuern – gegen Ende der Folge zeichnet sich ab, dass sie ernsthaft in Schwierigkeiten gerät – gerade nachdem Elliot mit ihr telefoniert hat und sich darüber freut, das die Dinge so gut für alle laufen. Vielleicht freut er sich auf Elliot-Art sogar darauf, sie später noch zu sehen. Er wirkt nach ihrem Gespräch für seine Verhältnisse jedenfalls sehr glücklich. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

Screenshot Mr. Robot - Shayla (Frankie Shaw) muss sich jetzt als Kellnerin durchschlagen

Screenshot Mr. Robot – Shayla (Frankie Shaw) muss sich jetzt als Kellnerin durchschlagen

Und dann ist da auch noch Angela, die ihren komischen Freund Ollie nun endgültig abserviert hat und nach Hause, nach Jersey, heim zu ihrem Vater fährt. Der sie mit bewundernswerten Verständnis aufnimmt. Und der auch der Ansicht ist, dass dieser Ollie ein Idiot ist, der schon zigmal angerufen hat und einfach nur will, dass Angela zu ihm zurück kommt – und er schon lernen werde, ihr zu verzeihen, was sie getan hat. Die große Frage ist, was Angela am Ende tatsächlich getan hat: Zum großen Entsetzen der fsociety weigert sich die chinesische Dark Army nämlich, das Datencenter von Evil Corp in China anzugreifen. Darlene rastet zwar aus, als sie es erfährt – es hilft aber nicht.

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) wird überraschend verständnisvoll von ihrem Vater aufgenommen

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) wird überraschend verständnisvoll von ihrem Vater aufgenommen

Wir wissen aber, dass sie im System von Allsafe sind. Offenbar haben die Chinesen etwas anderes vor – aber was? Und wie hängt das alles mit Angela und ihrem Vater zusammen? Angela entdeckt nämlich, dass für ihren Job bei E-Corps offenbar nicht von E-Corps, sondern von ihrem Vater bezahlt wurde. Auch wieder einleuchtend: Er hat schließlich seine Frau, Angelas Mutter verloren…

Ich bin mehr als gespannt darauf, wie es weiter geht. Warum kann Mr. Robot nicht auf Netflix laufen?!

The Killing 4: Der letzte Fall für Linden und Holder

Jetzt ist es schon wieder vorbei, das Wochenende, auf das alle Killies seit Monaten sehnsüchtig gewartet haben: Auf Netflix ist am Freitag die vierte und letzte Staffel von The Killing erschienen. Einerseits liebe ich das Netflix-Modell, eine Staffel komplett verfügbar zu machen, weil man dann mehrere Teile oder gar die komplette Staffel am Stück sehen kann – Binge Watching ist schon mein Ding. Und ich bin ja gerade mit den ganz harten Brocken eingestiegen: Kommissarin Lund – Das Verbrechen war mein erster Binge Watch – da habe ich vor einigen Jahren, als ich über Weihnachten krank war, sämtliche DVDs innerhalb weniger Tage angesehen – und das waren zehn Teile mit jeweils zwei Stunden. Aber ich konnte einfach nicht aufhören. Vielleicht hat diese Serie deshalb so einen Sog bei mir entwickelt.

Denn The Killing Season 4 beruht ja letztlich auch auf dieser Serie, auf die auch immer brav im Vorspann verwiesen wird. Wobei die vierte Staffel von The Killing ja nur aus sechs jeweils knapp einstündige Teile besteht – für einen geübten Binge Watcher ist das ein Klacks. Und obwohl draußen tolles Sommerwetter war und ich auch andere Sachen am Wochenende tun wollte und getan habe – jetzt ist es schon wieder vorbei. Da haben wir auch gleich das Andererseits – das klassische Modell mit jede Woche ein Teil finde ich zwar irgendwie ärgerlich, weil man immer so lange warte muss, bis man erfährt, wie es weiter geht. Aber man hat auch länger was davon.

Screenshot The Killing 4, Sarah Linden (Mireille Enos)

Screenshot The Killing 4, Sarah Linden (Mireille Enos)

The Killing ist jetzt schon wieder vorbei, und zwar für immer. Das ist einerseits schade, weil die Detectives Sarah Linden und Stephen Holder ein gutes Serien-Gespann waren, das von Mireille Enos und Joel Kinnaman auch fantastisch ausgespielt wurde. Andererseits muss man auch wissen, wann Schluss ist. Man kann eine wirklich gute Serie auch killen, in dem man immer noch einen drauf setzt, obwohl die Geschichte längst erzählt ist, wie es bei den letzten beiden Staffeln von Dexter war oder bei den letzten ich weiß nicht wie vielen Staffeln von Emergency Room. Bei beiden Serien waren jeweils die ersten fünf Staffeln großartig und dann ging der Krampf los.

Screenshot The Killing 4, Stephen Holder (Joel Kinnaman)

Screenshot The Killing 4, Stephen Holder (Joel Kinnaman)

The Killing macht diesen Fehler (hoffentlich) nicht. Sowohl das dänische Original, das mit der dritten Staffel beendet wurde, als auch das US-Remake sind jetzt zu Ende – und es wird ja künftig wohl hoffentlich auch weitere tolle Krimi-Serien geben. Wobei Joel Kinnaman ja leider schon verkündet hat, dass er in den nächsten Jahren ganz bestimmt kein Serien-Projekt mehr machen wird, weil man sich damit einfach für sehr lange Zeit auf etwas einlässt, bei dem man nicht weiß, wie es ausgeht.

Eins vorweg: Ich finde die vierte Staffel alles in allem wieder gelungen und mir gefällt, dass The Killing seinem Stil treu geblieben ist: Es gibt immer wieder Bilder von der nebligen, kalten Wald- und Wasserlandschaft im Nordwesten der USA – es könnte auch Skandinavien sein, Meer, Seen und Wald. Natürlich wird auch immer wieder die Skyline von Seattle gezeigt, damit wir nicht vergessen, wo das alles stattfindet. Und auch wenn die Handlung in diesen sechs Teilen sehr dicht ist, gibt es immer wieder ruhige Sequenzen, eine gewisse Langsamkeit, die ich durchaus schätze, weil mir viele neue Serien oft zu hektisch geschnitten sind. Also nichts gegen schnelle Sequenzen, Zeitraffer und Zusammenfassungen aller Art – finde ich super. Da, wo es angebracht ist. Aber man muss auch mal eine längere Einstellung aushalten können, wenn es wichtig ist. In The Killing gibt es immer wieder viel Action, dazwischen eben aber auch Atempausen – gerade, wenn die Ermittler nicht weiter kommen und sich wieder und wieder und wieder mit den selben Details beschäftigen müssen, weil sie vielleicht etwas über sehen haben und natürlich mit sich selbst – das ist ja das andere große Thema dieser Serie.

Screenhot The Killing 4 Landschaft

Screenshot The Killing 4: Die Landschaft zur Serie

So, und jetzt geht es los mit den Spoilern, das ist aber nicht zu vermeiden. Das Unerträgliche an der dritten Staffel war ja, dass es kein Ende im eigentlich Sinne gab: Sarah Linden findet heraus, das ausgerechnet ihr Vorgesetzter Lieutenant Skinner, mit dem sie gerade auch noch eine alte Affäre aufgefrischt hat, der Mädchenmörder ist, nach dem sie und ihr Partner Holder gesucht haben. Holder kriegt das ebenfalls heraus und versucht, Sarah zu finden, die mit Skinner unterwegs ist, weil sie hofft, damit ein weiteres Kind, das vor Jahren zufällig Zeuge eines Mordfalls geworden ist, zu retten. Holder findet die beiden, kann aber nicht verhindern, dass Sarah, wütend und verletzt, Skinner abknallt. Wir hören ihn nur aus dem Off: „No no no no no.“ Und dann ist Schluss.

Zu Beginn der vierten Staffel erfahren wir, dass Holder Sarah geholfen hat, die Leiche zu beseitigen. Er hat sich also entschieden, Sarah zu decken. Keine gute Entscheidung für jemand, der sich auch dafür entschieden hat, ein guter Cop werden zu wollen. Denn wie wir aus den Staffeln zuvor wissen, hat auch Holder eine Vergangenheit: Als Undercover-Ermittler für das Drogendezernat ist er auf Meth hängen geblieben und nur weil sich sein damaliger Lieutenant sehr für ihn eingesetzt hat und Holder brav zu seinen NA-Treffen gegangen und weitgehend clean geblieben ist, hat er überhaupt eine Chance bei der Mordkommission bekommen. Holder kapiert durchaus, dass das eine ziemlich einmalige Chance ist, und hängt sich entsprechend rein – und er ist der einzige, der noch mit dieser verschrobenen Linden klar kommt. Die beiden Außenseiter im Polizeidienst werden letztlich ziemlich beste Freunde, die sich aufeinander verlassen können – davon lebt die dritte Staffel.

Screenhot The Killing 4: Holden und Linden bei der Arbeit

Screenhot The Killing 4: Holden und Linden bei der Arbeit

In der vierten Staffel wird genau das auf die Probe gestellt – jetzt müssen die beiden zusammenhalten, wenn sie irgendeine Chance haben wollen. Nur sie wissen, was mit Skinner passiert ist. Was insbesondere Holder vor Konflikte stellt: Er hat Linden ja nur geholfen, Skinner zu beseitigen, er hat ihn nicht getötet. Aber er schätzt Linden und er findet, dass Skinner bekommen hat, was er verdient hat. Und er will einfach nur ein guter Mensch sein – genau das, was ihm niemand zugetraut. Außer Linden und seiner Freundin Caroline, die jetzt auch noch schwanger ist. Und das selbst auch gar nicht so gut findet. Ausgerechnet Holder beschließt dann aber, endlich bürgerlich und ein guter Vater werden zu wollen. Was Caroline natürlich gefällt, Holder aber noch tiefer in die Zwickmühle bringt: Jetzt darf er sich auf gar keinen Fall erwischen lassen. Und entsprechend muss er Linden zusammenscheißen, die langsam die Nerven verliert.

Screenhot The Killing 4: Sarah Linden und ein besonders schöner Strickpulli.

Screenhot The Killing 4: Sarah Linden und ein besonders schöner Strickpulli.

Denn der neue Fall hat es in sich: Eine Familie wurde komplett ausgelöscht, jedenfalls fast. Nur der Sohn überlebt das Massaker schwer verletzt. Ihm wurde in den Kopf geschossen. Aber vielleicht hat er es auch selbst getan und vorher seine Familie erschossen. Die Spurenlage ist nicht eindeutig, mehrere Szenarien sind denkbar. Und natürlich ist klar, dass da Leichen im Keller liegen müssen – eine unbescholtene, anerkannte, reiche Familie mit vorbildlichem Familienleben. So etwas gibt es einfach nicht. Oder wie Linden sagt: Anyone makes mistakes. Und natürlich werden die Fehler nach und nach sichtbar. Auch die, die Linden und Holder machen.

Screenhot The Killing 4: Holder

Screenhot The Killing 4: Holder

Linden, die Holder nicht mehr traut, ohne zu ahnen, was er ihretwegen durch macht, gerade weil er sie nicht verraten will. Linden spinnt in ihrer Sarah-gegen-den-Rest-der-Welt-Tour mal wieder vor sich hin und kriegt erst nach mehreren Winks mit dem ganzen Gartenzaun mit, dass es durchaus Menschen gibt, denen sie nicht egal ist, wobei sie gerade denen immer wieder vors Schienbein tritt – ihrem Sohn und eben Holder.

Screenhot The Killing 4: Ein Familienfoto der Opfer

Screenhot The Killing 4: Ein Familienfoto der Opfer

Holder, der rückfällig wird, weil er Caroline nicht sagen kann und will, warum er so neben der Spur ist, wo er doch eigentlich gerade entschieden hat, eben nicht mehr neben der Spur sein zu wollen. Natürlich ist es Linden, die als erste darauf kommt, dass er wieder Meth nimmt – sie kennt ihn inzwischen zu gut, auch wenn sie das Entscheidende nicht erkennt, nämlich, dass er sie nicht verraten hat. Und so lösen sie auch diesen wirklich fiesen Fall, auch wenn sie zum Schluss gegeneinander arbeiten. Denn Holder will den wahren Täter nicht in noch einen Fall vertuschen, während Linden sich in diesem Fall an ihre eigene Situation erinnert fühlt: Sowohl als Täterin, die selbst einen Mörder zur Strecke gebracht hat, als auch als Mutter, die ihren Sohn schützen will.

Screenshot The Killing 4, Stephen Holder (Joel Kinnaman) und Caroline (Jewel Staite)

Screenshot The Killing 4, Stephen Holder (Joel Kinnaman) und Caroline (Jewel Staite)

Wobei in dieser Rolle ja ihre Gegenspielerin versagt, Major Margaret Rayne, um deren Sohn es letztlich geht. Genau der vertraut sich Linden schließlich an – er muss einfach los werden, was ihm auf der Seele brennt. Und das bringt Linden dazu, sich ebenfalls zu stellen. Sie gesteht ausgerechnet ihrem verhassten Kollegen Carl Reddick, dass sie James Skinner erschossen hat. Aber so einfach kann es natürlich nicht sein: Die Nachricht, dass ein hochrangiger Police-Officer der lang gesuchte Mädchenmörder ist, ruft höchste politische Kreise auf den Plan. Und Seattles Bürgermeister Darren Richmond greift ein – Sarahs Geständnis wird ihrer in Staffel zwei zutage getretenen psychischen Labilität zugeschrieben. Natürlich kann James Skinner nicht der Mörder sein. Aber er hat sich laut dem offiziellem Obduktionsbericht selbst eine Kugel in den Kopf gejagt – familiäre Probleme. Und damit ist sie keine Mörderin und auch Holder ist aus der Sache raus. Als Mörder der Mädchen, die man in der Nähe von Skinners Leiche gefunden hat, wird ein ohnehin Verdächtiger präsentiert, der es zwar nicht war, aber Arschloch genug ist, um als Täter durchzugehen.

Screenshot The Killing 4: Mit Colonel Margaret Rayne legt man sich besser nicht an.

Screenshot The Killing 4: Mit Colonel Margaret Rayne legt man sich besser nicht an.

Also sozusagen ein unfreiwilliges Happyend. Und weil das schon wieder zu viel ist, geht es auch noch noch ein paar Minuten weiter – wobei ich das dann erstrecht zu viel fand: Linden quittiert den Polizeidienst und geht nach Chicago, um ihrem Sohn näher zu sein. Plausibel, geht okay. Caroline und Holder bekommen eine Tochter, Holder wird liebevoller Wochenend-Vater, denn die Beziehung geht nicht gut – ebenfalls plausibel. Holder quittiert den Polizeidienst und wird Leiter einer Selbsthilfegruppe – total plausibel, was soll er auch sonst tun, wenn er gern Menschen hilft und Verständnis für deren Schwächen hat. Linden kommt nach ein paar Jahren nach Seattle zurück, um Holder endlich zu sagen, dass sie kapiert hat, dass er sie nicht verraten hat, sondern sie bloß blöd war. Geht auch okay. Holder hält Linden einen holderesken Vortrag, findet das alles aber irgendwie gut – erstrecht okay. Und dann fährt Linden weg, wie es halt ihre Art ist, als sture Einzelgängerin. Das wäre ein perfektes Ende gewesen.

Screenhot The Killing 4: Déjà vu - nur dieses Mal ist es Spinners Wagen

Screenhot The Killing 4: Déjà vu – nur dieses Mal ist es Skinners Wagen

Aber nein, sie dreht wieder um. Holder und Linden, echt jetzt? Einerseits logisch, denn die beiden gehören mit ihrem Drang, stets das Gute zu wollen und dann das Böse zu tun, wirklich zusammen. Aber der Zauber dieser Beziehung war ja, das es keine war. Also keine solche.

Also wenn man die letzten paar Minuten weglässt: Super Staffel. Super Serienende.

Ein echtes Highlight für alle, die entnervte Blicke von Joel Kinnaman lieben, denn davon gibt es viele. Das kann der. Auch verzweifelte, verliebte, anteilnehmende, verächtliche, wütende – kucken kann der, dass es eine Pracht ist. Bei Mireille Enos sind es eher die zweifelnden, fragenden Blicke – aber die kann das auch. Dieser ganze spröde, unnahbare Sarah-Linden-Charakter, der einerseits durchaus emphatisch ist, andererseits auch sehr anmaßend – es kommt nicht so häufig vor, dass eine weibliche Hauptfigur so drauf sein darf, das gibt schon mal Bonuspunkte.

The Killing 4 - Bittere Pointe: Der erste Fall von Holder und Linden fing mit einer Leiche in einem versenkten Auto an...

The Killing 4 – Bittere Pointe: Der erste Fall von Holder und Linden fing mit einer Leiche in einem versenkten Auto an…

Und dann natürlich die Ermittlung in einer Militär-Akademie, wo die Reichen ihre missratenen Sprösslinge abladen, damit sie wieder zurecht gedrillt werden – diese Welt aus Disziplin und Gehorsam ist sowohl für Linden als auch für Holder eine einzige Provokation, denn mit Autoritäten und mit Disziplin haben die beiden bekanntlich jeweils Probleme. Auch wenn sie als Ermittler dann doch wieder unglaublich viel Disziplin entwickeln und sich buchstäblich durch jede Scheiße wühlen, um den Fall aufzuklären – etwa in dem sie Waschräume und Toiletten von Tankstellen im Umkreis des Tatortes durchsuchen, weil sich der blutbespritzte Täter dort gesäubert haben muss. Doch, das war wieder richtig gut, da kann man ein paar Sentimentalitäten zu viel durchaus verzeihen.